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[00:00:01]

Mal angenommen, alle Gletscher schmelzen, versinken, dann viele Inseln. Und was passiert eigentlich mit den Alpen? Mein Name ist Justus Claes und ich bin Christin Becker.

[00:00:18]

Wir arbeiten beide hier im Team des ARD-Hauptstadtstudio in Berlin und jede Woche spielen wir in diesem Podcast ein Zukunftsszenario durch.

[00:00:26]

Diesmal schauen wir uns an, was es bedeuten würde, wenn alle Gletscher schmelzen.

[00:00:31]

Wenn das so wäre, dann könnte die Tagesschau in der Zukunft vielleicht so klingen. Mit dem Abschmelzen des Alek Gletschers in der Schweiz ist der letzte große Gletscher der Alpen verschwunden. Damit gelten die Alpen als Gletscher frei. Klimaforscher warnen, dass durch die Erderwärmung auch die Polkappen noch schneller abschmelzen könnten als bislang erwartet. Dadurch könnten weltweit Küstenregionen und viele Inseln unbewohnbar werden. Justus Sag mal, warst du schon mal auf einem Gletscher? Also als Teenager war ich in Österreich mal auf einem zum Skilaufen 1986, aber da war Gletscherschmelze.

[00:01:10]

In meiner Erinnerung noch kein so großes Thema. Naja, das ist ja jetzt auch schon ein bisschen her. In den 80ern gab's übrigens einen ganz interessanten Grund, warum die Gletscher noch relativ stabil waren. Da reden wir nachher drüber. Aber vielleicht sollten wir zu Beginn erst mal kurz klären, was so ein Gletscher überhaupt ist.

[00:01:25]

Gletscher ist ja eine Eismassen, die unter ihrem eigenen Gewicht langsam am Hang abwärts fließt. Also kannst du so vorstellen bisher Honig und Gletscher können echt extrem großwerden. Aber entscheidend ist, dass sich das Eisfeld bewegt. Sie sind also ganz schön mobil, leider inzwischen so mobil, dass sie uns quasi wegfliegen und zwar komplett. Zurück bleibt dann oft nur Geröll und Schutt. Und selbst Fachleute müssen dann erst einmal schauen Ist da überhaupt noch was?

[00:01:51]

Gletscher werden momentan nicht mehr als schöne blaue, erhabene gleißende Eis Riesen wahrgenommen, sondern einfach als Dreck Haufen.

[00:02:01]

Harte Worte von Andrea Fischer. Die ist Gletscher Forscherin. Also Glazer Luge, Dreck, Haufen. Klingt echt nicht nett, aber immerhin glatt. Biologin ist eine schöne Berufsbezeichnung.

[00:02:12]

Das stimmt. Wobei sie sagt, eigentlich ist sie gerade dabei umzuschulen. Das meint sie natürlich ironisch, weil es bald zumindest in den Alpen wohl kaum noch Gletscher geben wird. Also so mitten in dieser Jahreszeit ist es irgendwie schwer vorstellbar. Aber Wissenschaftler haben mit Modellen ja berechnet.

[00:02:27]

Je nachdem, wie stark die Temperaturen steigen, könnte bis Ende dieses Jahrhunderts 90 prozent der Gletscher Fläche in den Alpen einfach weg sein. Das wäre natürlich extrem schnell. Aber es ist leider nicht ganz unrealistisch. Man sieht das ja auch schon an vielen Stellen in den Alpen. Der Alek Gletscher, also der, den wir vorhin in der Tagesschau Meldung auch schon erwähnt haben. Wenn man da die vorher nachher Bilder sieht. Das ist echt ein bisschen unheimlich.

[00:02:51]

Aber den gibt's ja noch. Ist ja auch der größte in den Alpen. Kleinere Gletscher sind zum Teil ja wirklich schon verschwunden, z.B. der Pätzold Gletscher. Aber auch in der Schweiz, der ist inzwischen zu klein, um noch vermessen zu werden, sagen die Experten. Und damit ist er quasi tot.

[00:03:05]

Genau das ist also nicht so schön. Und das hat Hannes Bucher total umgetrieben. Der ist begeisterter Berg Sportler im Winter und im Sommer. Und der wollte, dass der Pätzold Gletscher wenigstens eine würdige Verabschiedung bekommt. Und deshalb hat er vor anderthalb Jahren eine organisiert.

[00:03:22]

Ich hab da einfach in den Medien davon gehört, dass dieser Gletscher sich ja auf ein Nichts zusammengeschrumpft. Ja, das hat mich betrübt. Es war so. Und dann ging ich schlafen und dann bin ich erwacht in der Nacht. Und mir kam dann diese Idee.

[00:03:41]

Den Gletscher selber kannten sie aber schon vorher.

[00:03:43]

Den kannte ich ja. Ich war dort auch schon auf Skitour und auch schon im Sommer war ich dort unterwegs. Und ich habe jetzt nicht ein riesen Zeit-Raum erlebt. Ich habe es schon gesehen, als der noch größer war.

[00:03:58]

So bei der Beerdigung waren ja dann so zwei 300 Leute auf dem Berg, hab ich gelesen. Was waren das denn für Leute?

[00:04:05]

Ja das war eine breite Palette, sondern auch Kinder da sein sich berg gänger Klima bewusster Berg Gänger da. Ich denke auch sicher Klimaaktivisten, die ich sonst nicht so in die Berge gehen. Es hieß dann Abdankung, nicht Beerdigung, weil wir haben da jemand von der Kirche dabei, weil beerdigen kann man nur ein Mensch.

[00:04:29]

Und wie hat sich das ganze so angefühlt? Die Stimmung war schon schon andächtig oder bedrückt.

[00:04:36]

Auch zu dem in die Augen zu schauen, das sitzt, dass wir uns von den Gletschern größtenteils verabschieden werden müssten.

[00:04:45]

Ja, das ist schon echt eine traurige Geschichte. Aber es gibt auch wirklich skurrile und schräge. Da gibt es eine Berghütte, die bislang in Italien stand. Und dadurch, dass der Gletscher drumherum schmilzt, wurde die Grenze neu vermessen von den Schweizern. Und das hat dazu geführt, dass die Grenze jetzt direkt durch die Hütte läuft und sie zu zwei Dritteln in der Schweiz steht, sagt Schweizer. Der Hütten Besitzer würde aber gerne in Italien bleiben und Italien und die Schweiz haben sich auch noch nicht geeinigt.

[00:05:09]

Dieser Gletscher Grenzstreit ist noch nicht gelöst. Okay, das ist schon sehr verrückt, zeigt aber auch, dass das, was mit den Gletschern passiert, eben nicht nur eine Umweltfrage ist, sondern dass das auch ganz schnell politisch werden kann. Und um das zu verstehen, sollten wir nochmal genauer hinschauen, was gerade in den Bergen abläuft. Und du hast ja auch länger mit Andrea Fischer, der Glazer Biologin aus Österreich gesprochen. Genau. Und sie hat mir auch erklärt, warum es vielen Gletschern jetzt gerade so schlecht geht.

[00:05:34]

Sie nehmen nichts mehr zu sich. Sie können keine neue Eismassen mehr aufbauen. Ein Gletscher funktioniert so, dass in den oberen Bereichen sich neues Eis bildet. In den unteren Bereichen in den Zungen schmilzt Eis. Normalerweise wird genau das, was unten quasi ausgeschieden wird, oben wieder neu gebildet. Momentan kommt oben an den Gletschern nichts mehr dazu. Und wir verlieren kontinuierlich sehr viel an Masse. In diesem sehr warmen Sommern und mit der Ausdünnung, die schon stattgefunden hat, wird es nun wirklich kritisch in dem Sinn, dass die Gletscher vollkommen zerfallen und ihr Erscheinungsbild sich wirklich massiv ändert.

[00:06:21]

Man kann sich ja fast schon denken, aber vielleicht können Sie auch nochmal erklären Woran liegt das denn, dass die Gletscher sich gerade so rapide verändern?

[00:06:29]

Im Alpenraum steigende Temperaturen sehr viel rascher als in der Umgebung. Gebirge sind überhaupt sehr sensible Regionen. Und aus diesem Grund sind eben gerade die Gebirgs Gletscher der Alpen sehr stark vom anthropogenen, also vom menschengemachten Klimawandel betroffen. In den 1980er Jahren, als wir auch schon relativ hohe Emissionen von Treibhausgasen hatten, wurde der Temperaturanstieg noch durch das sogenannte globale Timing maskiert. Das heißt, man hat auch Ruß, Schmutzpartikel, Rußpartikel ausgestoßen, weil die Filter der Industrieanlagen noch nicht so gut waren.

[00:07:08]

Das hat zu einer vermehrten Wolkenbildung geführt und dadurch gab es relativ hohe Niederschläge. Das hat den Gletschern relativ gutgetan und so war die Auswirkung des menschengemachten Klimawandels um diese Zeit etwas maskiert und hat dann umso mehr nach 2000 zugeschlagen.

[00:07:29]

Wir wollen das ja auch noch in die Zukunft weiterdenken. Also noch extremer. Was wäre denn, wenn die Gletscher alle ganz wegschmelzen? Die sind ja auch Wasserspeicher. Müssen wir denn dann z.B. im Sommer mit Wassermangel rechnen?

[00:07:40]

In den Alpen sind wir in der glücklichen Situation, dass wir im Sommer ohnehin sehr hohe Niederschlags Raten haben. Das heißt, die Flüsse der Alpen werden zwar unter Umständen ihre Farbe ändern, aber wir werden keinen drastischen Wassermangel erleiden. Das ist in anderen Regionen der Erde völlig anders, wo eben gerade die Gletscher während der Saison, die für die Feldfrüchte wichtig ist, Wasser für die Landwirtschaft liefern. Das ist bei uns nicht der Fall. Bei uns kommt das für einige Jahrzehnte für glatt Theologen in einem sehr kurzen Zeitraum zu einer Änderung der Naturgefahren Situation.

[00:08:19]

Bis dieser vom Gletscher zurückgelassene instabile Untergrund sich etwas beruhigt.

[00:08:25]

O.k. Kann man denn dann in Zukunft noch wandern gehen in den Bergen oder Skifahren?

[00:08:30]

Ich bin ja auch ein Fan des Alpinismus. Und Alpinismus ist die Kunst, sich auf geänderte Bedingungen einzustellen. Insofern ist das nicht ungewöhnlich. Wir haben in Harmonie in den Bergen immer erlebt, dass die Klettertour in einen Stein gemeißelt quasi vor uns stehen und dann dort mit einem Berg stürz nach unten segeln. Und so ist es am Gletscher auch. Man muss sich einfach immer auf diese Verhältnisse einstellen. Es wird im Herbst und im Frühling sehr wahrscheinlich geringere Schneedecke geben. Aber in der Kerns Saison, in den höheren Lagen oder am alten Nordrand, wo wir diese stark Niederschläge haben, wird man auch nach wie vor Skifahren können.

[00:09:08]

Nur wird sich die Saison entsprechend verschieben und verkürzen.

[00:09:13]

Es ist für mich persönlich jetzt mal eine gute Nachricht, dass ich in Zukunft vielleicht doch noch einmal Skifahren gehen kann.

[00:09:19]

Ich fand es ja ganz interessant, dass Andrea Fischer gesagt hat Das Problem ist nicht per se, dass die Alpen Gletscher schmelzen. Es gab wohl auch vor 6000 Jahren schon mal eisfreie Gipfel in den Alpen. Was aber so beunruhigend für sie ist, ist, dass man daran sieht, wie krass und wie schnell der menschengemachte Klimawandel jetzt gerade zuschlägt. Nur dass die schlimmeren Auswirkungen erst einmal gar nicht unbedingt bei uns passieren, sondern anderswo auf der Welt.

[00:09:49]

In unserem Szenario gehen wir davon aus, dass alle Gletscher schmelzen und das hat natürlich Auswirkungen, nicht nur in den Alpen, sondern auch im Himalaya, in Südamerika, aber eben auch an den Polkappen. Also in der Arktis und Antarktis. Da sind die Gletscher ja deutlich größer als z.B. in der Schweiz oder in Österreich. Der Schweiz Gletscher z.B. in der West Antarktis vor 10 Jahren hatte dennoch eine Ausdehnung doppelt so groß wie Österreich.

[00:10:13]

Das ist ja der, den man auch den Weltuntergangs Gletscher nennt. Und die NASA hat mal berechnet, was das bedeuten würde, wenn der komplett abschmelzen würde, dann würde der Meeresspiegel um 65 Zentimeter steigen. Okay, da sieht man nochmal wirklich, die Gletscher an den Polen sind eine andere Hausnummer als die in den Alpen. Ja, und ich habe mit einer Forscherin gesprochen, die in der Antarktis war. Und sie sagt, dass die Polkappen eben nicht nur faszinierende Eis Riesen sind, sondern sie sind auch ein Klima Frühwarnsystem.

[00:10:38]

Und das meldet wahrscheinlich auch schon Alarm, oder? Ja, das kann man so sagen. Ricarda Winkelmann forscht zum sogenannten Kipppunkt. Stell dir eine Wippe auf dem Spielplatz vor. Wenn du von außen in die Mitte bewegst, dann brauchst du an der Mitte nur einen kleinen Punkt und dann kippt die Wippe eben in die andere Richtung. Ist das Klima denn dann jetzt schon gekippt? Noch nicht. Muss man wohl sagen. Die Klimaforschung sagt Wie Bei der Wippe reicht schon eine kleine Veränderung, also eine geringfügige Temperaturerhöhung zum Beispiel.

[00:11:05]

Und dann ist der Prozess fast nicht mehr aufzuhalten. Aber das Eis schmilzt ja jetzt schon. Und das hat ja auch schon Auswirkungen auf den Meeresspiegel. Allerdings, wenn ich mir da die Zahlen anschaue, das sind ja im Moment nur so ein paar Millimeter. Das klingt jetzt für mich ehrlich gesagt erst mal nicht so dramatisch.

[00:11:20]

Ja, genau genommen sind es 3,4 Millimeter pro Jahr. Und was das ausmacht, das habe ich Ricarda Winkelmann gefragt.

[00:11:27]

Derzeit steigt der Meeresspiegel weltweit. Im letzten Jahrhundert allein waren es etwa 20 Zentimeter an der deutschen Nordseeküste und an der deutschen Ostseeküste weitere 15 Zentimeter. Und das hat Folgen, zum Beispiel im Hinblick auf Sturmfluten. Das hat auch Folgen für das Grundwasser, weil es dadurch zu Versalzung des Grundwassers kommen kann. Und ein anderes Problem, das wir weltweit durch die Erwärmung des Wassers haben, ist z.B. die Zunahme sogenannter mariner Todeszonen.

[00:12:01]

Das sind tiefere Bereiche z.B. in der Ostsee, wo dann kein Sauerstoff mehr ankommt und deshalb keine Meerestiere leben können.

[00:12:10]

Mal angenommen, die Eiskappen schmelzen komplett ab.

[00:12:14]

Was wäre denn dann, wenn die Eiskappen komplett abschmelzen würde? Dann hätte das natürlich viele Konsequenzen. 1. Was man sich zunächst einmal klarmachen muss dass es überraschend ist, dass wenn der grönländische Eisschild komplett abschmelzen würde, dann würde der Meeresspiegel relativ gesehen vor allem auf der Systemes Sphäre ansteigen. Und umgekehrt. Wenn die Antarktis schmilzt, dann steigt der Meeresspiegel vor allem auf der Nord Hemisphäre, also bei uns besonders stark an und das liegt an der schieren Masse der Eisschild. Die ist nämlich so groß, dass momentan die Eisschild, weil sie Wasser, Ozean, Wasser an sich heranziehen und durch das Abschmelzen und den Wasserverlust diese Wassermassen dann wieder loslassen, sodass also der Meeresspiegel eben genau auf der anderen Hemisphäre besonders stark ansteigt.

[00:13:02]

Hab ich das gerade richtig verstanden, dass das Eis so eine Art Erdanziehungskraft hat?

[00:13:07]

Ja, das ist absolut richtig. Und diese Gravitationskraft der Eisschild ist deswegen so stark, weil die eben so eine große Masse haben, um sich das mal vorzustellen. Die Eisschild haben insgesamt ein sogenanntes Meeresspiegel Potenzial von mehr als 65 Metern. Was das bedeutet ist also, wenn die beiden Eisschild auf Grönland und der Antarktis komplett abschmelzen würde und man nähme dieses Ozean Wasser und verteilt es über den gesamten globalen Ozean, dann würde der Meeresspiegel im Schnitt weltweit um mehr als 65 Meter ansteigen.

[00:13:39]

Das sind also wahre Meeresspiegel Giganten.

[00:13:42]

Würden wir das hier auch merken? Ich bin hier gerade in Berlin und in der Region Potsdam und da sind wir bei etwa 30 Meter über normal Null. Das heißt also, ein solch gigantischer Meeresspiegelanstieg hätte auch für uns direkte Konsequenzen und auch die deutschen Küstenlinien würden sich verschieben. Man muss aber im Kopf behalten, dass ein solcher Meeresspiegelanstieg natürlich nicht über Nacht passiert. Sondern wir sprechen hier von Prozessen, wenn wirklich die gesamten Eismassen betroffen sind. Das wäre etwas, was über mindestens 100, aber wahrscheinlich eher Tausende von Jahren passieren würde.

[00:14:17]

Also Berlin nicht am Meer, sondern im Meer. Also bis auf ein paar Hügel. Und dann hätten wir ja ein paar Inseln. Ich würde dann auf jeden Fall auf den Teufelsberg ziehen. Ja, da wirst du auf der sicheren Seite. Der ist ja mehr als 100 Meter hoch. Aber der Rest von Berlin wäre wirklich größtenteils überflutet.

[00:14:33]

Aber das ist natürlich. Also diese ganze Idee, wenn es denn jemals passiert, ist es zeitlich noch sehr weit weg. Anderswo sieht es natürlich anders aus. Es gibt ja Inseln z.B. in der Südsee, die schon überlegt haben, ihre Leute umzusiedeln. Deshalb sagt. Herr Winkelmann Ja, auch wie die Küsten in ein paar Jahrzehnten oder eben auch Jahrhunderten aussehen werden, das liegt jetzt in unseren Händen. Und das gilt nicht nur für die Südsee, sondern auch für die Nord und Ostsee.

[00:14:58]

Sie hat ja auch gesagt, auch dort ist der Meeresspiegel im vergangenen Jahrhundert schon deutlich angestiegen. Ja, und genau deswegen wollten wir wissen Wie lebt sich das da eigentlich mit dieser permanenten Bedrohung? Und bei unserer Recherche sind wir auf Ruth Kruse gestoßen. Die lebt auf einer Hallig in der Nordsee vor Schleswig-Holstein. Und das Besondere an einer Hallig ist ja, dass sie anders als eine Insel regelmäßig überspült wird. In Deutschland gibt's ja zehn solcher Halligen, und die sind einmalig auf der Welt, kann man sagen.

[00:15:24]

Die kleinste ist noch nicht mal einen Quadratkilometer groß. Und damit die Leute da trotzdem irgendwie trockene Häuser haben, stehen diese Häuser auf sogenanten Warten. Das sind aufgeschütteten Hügeln und die Hallig mit dem längsten Namen ist Nordstrand, Dish, Moor. Und genau da lebt Ruth Kruse. Und eins will sie auch in Zukunft nicht bekommen nasse Füße.

[00:15:43]

Würden wir nicht auf unseren Erdhügel sitzen. Den Werften würden wir ja jedes Mal nasse Füße kriegen. Das ist dann auch nicht so verdächtig.

[00:15:50]

Der Meeresspiegel steigt ja global. Merken Sie das eigentlich auf Ihrer Hallig?

[00:15:54]

Also wir haben die letzten Jahrhunderte es geschafft, schneller zu wachsen, als der Meeresspiegel ansteigt. Das hat damit zu tun, dass die Überflutung. Wenn wir also Land unter haben, sich Sediment ablagert und die Hallig einen normalen Aufwuchs hat. Jetzt haben wir das Problem, dass unser Meeresspiegel schneller steigt, als wir wachsen. Zumindest ist es uns vor so prognostiziert worden. Und das ist natürlich ein blödes Gefühl, weil jetzt müssen wir uns überlegen, wie können wir mitwachsen mit dem Meeresspiegel?

[00:16:25]

Wer hilft beim Hochwasserschutz bei Ihnen und wie?

[00:16:28]

Das Land Schleswig-Holstein hat sich auf die Fahnen geschrieben, auch die Halligen mit ein sicheres Leben und Wirtschaften auf den Halligen zu ermöglichen. Auch im Anbetracht des Meeresspiegels Anstieg und so wurde die erste große Warft gebaut. Also an unsere Wharf wurde ein Plateau angebaut, was jetzt zwei Meter höher ist als unsere alte Warft. Und dort wird jetzt gerade der Stahl für die Tiere ist da schon drauf entstanden und im Frühjahr wird das neue Wohnhaus darauf gebaut.

[00:16:57]

Ihre Familie wohnt, wenn ich das richtig gesehen habe, schon seit Generationen, seit mehr als 300 Jahren da. Wie lange, denken Sie, wird das für kommende Generationen noch sicher gehen?

[00:17:05]

Da gibt es im Ministerium auch ein sogar ein Kabinettsbeschluss, dass die Heiligen eben auch im Jahre 2050 war es damals aber sehr langsam ein bisschen weiterdenken, weil bis zum Beschluss durch. Es sind ja schon zehn Jahre vergangen. Also wir sind jetzt im Jahre 2100. Dass wir dann auch noch auf den Heiligen leben können, weil die Heiligen sind ja nicht nur für die Bewohner. Also wir sind nur Beipackzettel. Aber die Heiligen sind ja sehr wichtig im Ökosystem, weil hier ja eine einzigartige Naturlandschaft sind.

[00:17:36]

Die Heiligen gibt's nur einmal auf der Welt und die Heiligen haben natürlich auch eine Flora Fauna, die man sonst sehr selten auf der Welt findet.

[00:17:45]

Und das ist ja echt spannend, was Ruth Kruse da von ihrer Hallig mit dem Namen Richtiger Nordstrand isch Moor, Nordstrand isch more okay, schwieriger Name erzählt. Vor allen Dingen, dass die Heiligen im Meer da eigentlich wachsen.

[00:17:57]

Ja, mir war das auch nicht klar, dass sie durch die über Spülungen immer mehr an Land gewinnen. Aber das ist natürlich der Wettlauf zwischen Anstieg, Meeresspiegel und Wachsen. Und wenn der Meeresspiegel zu schnell steigt, dann sind natürlich auch die Halligen in Gefahr.

[00:18:13]

Mal angenommen, alle Gletscher schmelzen, das ist ja unser Szenario heute und die Aussichten sind irgendwie nicht so besonders positiv. Vor allem, wenn man das global betrachtet. Ja, klar ist, die Treibhausgase müssen runter, damit die Erderwärmung nicht weiter so schnell passiert. Bedeutet aber auch, dass wir, also die Menschheit, unser Verhalten ändern müssen, z.B. wie wir Dinge produzieren oder wie wir Industrien gestalten, aber natürlich auch, wie wir uns fortbewegen. Flugreisen sind ja nach wie vor ein großes Thema.

[00:18:40]

Und wenn wir mal schauen, es gibt den Weld Gletscher Beobachtungs Dienst an der Uni Zürich und dort hat man ausgerechnet, dass uns eine Transatlantik Reise hin und zurück mit dem Flugzeug 50 Tonnen Gletscher kostet. 50 Tonnen und zwar pro Passagier, also knapp 50 Tonnen kann ich mir nicht vorstellen, aber das klingt echt viel. Mich hat es auch geschockt. Und wenn man das so hört, so eine Zahl, dann wird man schon nachdenklich.

[00:19:05]

Aber sag mal, es gibt ja auch Versuche Gletscher in den Alpen irgendwie zu erhalten mit Beschneiung Sachlagen zB. Aber ich frage mich kann das klappen? Zumindest wird es jetzt gerade in der Schweiz mal getestet. Es ist aber auch umstritten, weil da ja erstmal viel Energie und Wasser eingesetzt werden müssen. Was ist aber schon länger gibt, sind Abdeckungen für manche Gletscher. Die werden quasi eingepackt im Sommer. Und ich hab da nochmal bei Andrea Fischer nachgefragt, der Glazer Login, ob das denn was bringt.

[00:19:31]

Das hilft insofern, dass die Sonnenenergie, die ja die Hauptquelle für die Gletscherschmelze quasi ausgeschalten wird. Die Sonnenenergie wird wieder zurück reflektiert durch all diese Maßnahmen und trinkt nicht zum Eis vor. Die Schmelze wird um etwa 70 prozent reduziert. Allerdings sind diese Maßnahmen nur auf sehr kleinen Teil Flächen anwendbar, nur in Skigebieten. Man braucht sehr viel Personal und Maschinen, um diese Konservierung Maßnahmen durchzuführen. Es sind sogenannte Gletscher Pflaster.

[00:20:02]

Könnte man denn damit auch einen ganzen Gletscher verarzten? Man kann nicht den ganzen Gletscher zupflastern, sondern nur eine kleine Stelle. Also hier geht es um wenige prozent der bewirtschafteten Gletscher Flächen in Skigebieten. Leider stellt das auch nur eine Verzögerung des vollkommenen Abschmelzen dar, die für mehrere Jahre oder Jahrzehnte helfen kann, das Skigebiet zu betreiben, ohne eben ständig Neubauten vornehmen zu müssen.

[00:20:29]

Das klingt jetzt nicht so richtig positiv. Aber gibt es denn irgendetwas, was Ihnen Hoffnung macht?

[00:20:33]

Die gute Nachricht ist Das Nachrücken der Pflanzenwelt geht irrsinnig rasch. Schon wenige Jahre nach dem Abschmelzen des Eises findet man im Gletscher Vorfällt. Sehr viele verschiedene Pflanzen und Kollegen haben auch beobachtet, dass auf Gletschern schon Bäume zu wachsen beginnen. Also werden diese Vegetation Stufen sehr rasch nach oben rücken. Und das hilft uns natürlich bei der Stabilisierung des Geländes.

[00:21:01]

Was Andrea Fischer da sagt, klingt ja ehrlich gesagt nicht ganz so schlimm. Zumindest mal, was die Alpen betrifft. Da ist übrigens noch ein anderer Nebeneffekt ganz interessant. Wenn die Alpen Gletscher schmelzen, werden wir wahrscheinlich auch noch viel mehr über unsere Geschichte lernen, weil eben mehr Ötzi ist oder eben auch andere archäologische Funde vom Eis freigegeben werden. Klar. Den hat man damals ja auch nur entdeckt, weil das Eis geschmolzen ist.

[00:21:24]

Genau. Die Gletscher sind quasi das Archiv der Menschheit oder auch der Erde Entwicklung. Denn das Gletscher Eis, das enthält ja zum Teil auch Stoffe und Chemikalien aus vergangenen Zeiten. Deshalb sollte man Gletscher Wasser übrigens nicht trinken. Ah, okay.

[00:21:38]

Dabei sieht das oft so klar aus. Also gut zu wissen, nicht trinken. Wir haben jetzt viel über Gletscher gelernt und was Schmelzen für die Berge und das Meer bedeutet. Lasst uns das doch am Ende nochmal zusammenfassen.

[00:21:49]

Was würde denn in den Alpen passieren, wenn die Gletscher in den Alpen schmelzen? Werden die Berge in Zukunft anders aussehen statt weiße Eisflächen, blanker Fels und mancherorts wachsen Bäume, wo vorher Gletscher waren. Viele Wanderwege verschwinden oder müssen neu angelegt werden. Und da ist Vorsicht geboten, weil das Gelände erst mal instabil sein kann, wenn das Eis weg geht. Erfahren wir mehr über unsere Vergangenheit. Es gibt also z.B. weitere Ötzi Funde und ein paar Gletscher. Reste kann man vielleicht sogar erhalten, aber nur mit viel Aufwand.

[00:22:24]

Das war der Blick in die Berge in unserer Nähe.

[00:22:26]

Aber was würde denn weltweit passieren, wenn die Gletscher und Polkappen komplett abschmelzen? Könnte im schlimmsten Fall der Meeresspiegel bis zu 65 Meter ansteigen. Aber auch wenn nur Teile verschwinden, würde das den Untergang von vielen flachen Inseln bedeuten. Und Küstenstädte wie New York, Shanghai oder Venedig, aber auch Teile von Deutschland und ganze Länder wie Bangladesch wären unter Wasser. Viele Menschen müssten ihre Heimat verlassen und Zuflucht woanders suchen. Und das könnte zu weiteren internationalen Krisen führen.

[00:22:59]

Das muss natürlich nicht alles so extrem kommen. Aber es sind Entwicklungen, die zum Teil schon im Gange sind. Die Frage ist ja, ob wir Menschen verstehen, was da mit den Gletschern passiert und welche Schlüsse wir daraus für unser tägliches. Politisches Handeln ziehen müssen, ist jedenfalls ein sehr komplexes Thema und wir konnten heute auch nicht alle Aspekte beleuchten. Wenn ihr Fragen oder Anregungen zu diesem oder anderen Themen habt, dann schreibt uns doch an.. Mal angenommen tagesschau.de. Nächste Woche gibt's eine neue Folge.

[00:23:29]

Und das Beste kommt zum Schluss von Ruth Kruse, die von der Hallig Nordstrand isch mor, bitteschön blieb gesund und wohlgemut.