Happy Scribe Logo

Transcript

Proofread by 0 readers
Proofread
[00:00:05]

Willkommen zum Nachrichtenportals von neunzig komma drei, mein Name ist Mike Nielson.

[00:00:10]

Hallo, ich bin völlig fertig, habe Gänsehaut gehabt am ganzen Körper.

[00:00:14]

So wie dieser Konzertbesuchern ging es vielen Menschen heute in Hamburg, die mit einem Glücksgefühlen Tag gestartet sind. Es hat wieder einen Stadtpark Konzert gegeben. Außerdem Vor dem Landgericht hat es einen Prozess gegeben, der für Aufsehen gesorgt hat. Und auf dem Kiez schließt der erste Club freiwillig. Wir haben heute Freitag, den 21. August 2020.

[00:00:36]

Der Tag hat die Infos von neunzig komma drei Prozent.

[00:00:42]

Am Hamburger Landgericht hat heute in der Stadt für Aufsehen gesorgt. Geklagt hatte eine ärztin, die Abtreibungen vornimmt. Gegen den Betreiber der Website Baby Baby habe man die Webseite mal aufgemacht und zwei Bilder von Auschwitz und daneben ein Schwarz-Weiß-Bild, das für eine Abtreibung darstellen soll. Behauptet wird auf dieser Website, dass die ärztin mit ihrer gynäkologischen Arbeit das Tor zu Auschwitz aufstößt. Meine Kollegin Marika Williams kommt gerade aus dem Gerichtsgebäude. Jetzt habe ich sie. Am Telefon erzählt Marica, wie die Verhandlung gelaufen ist.

[00:01:19]

Man muss sagen, gerade die Christina Hähnel, die Klägerin und ihr Anwalt waren relativ zuversichtlich, als sie diese Verhandlung gegangen sind, dass sie mit dieser Unterlassungsklage durchkommen. Frau Hähnel trifft das Thema sehr emotional. Sie hat gesagt, jetzt reicht's. Sie wolle schon so oft, gerade auch von dem Klaus Günter Annen, dem beklagten Ja beschuldigt, tatsächlich schlimmer mit ihren Abtreibungen zu sein als die Nazis damals mit dem Holocaust. Und sie hat einfach gesagt Das geht so nicht mehr weiter, dass sie diffamiert wird, andere ärztInnen und ärzte sowie auch Schwangere, die sich für eine Abtreibung entscheiden.

[00:01:57]

Und mit dieser Haltung ist sie dann auch in die Gerichtsverhandlung reingegangen.

[00:02:03]

Ja, was hat denn die Gegenseite dazu gesagt? Die hätte gerne bestimmt, was dazu gesagt war, aber leider gar nicht da. Es ist so, dass der Beklagte eigentlich per Videoschaltung in den Verhandlungen mit rein genommen werden sollte. Das ist ein Angebot seitens des Gerichts aufgrund der Coruna Pandemie, dass man per Videoschaltung teilnimmt, aber der Beklagten auch nicht. Dessen Vertreter sind aufgetaucht. Die Richterinnen heute trotzdem eine Entscheidung treffen. Eine richtige Entscheidung gab es heute noch nicht.

[00:02:30]

Aber die Richterin hat schon relativ deutlich gemacht, dass Frau Helene und ihr Anwalt mit der Unterlassungsklage zumindest in den meisten Punkten durchkommen. Es gab einen Punkt, da ging es nämlich darum, dass der Beklagte die Frau Hähnel als Kindsmörderin oder Kindstötung beschrieben hat und diese Verbrechen wirklich als menschenverachtend und verabscheuungswürdig ansieht. Da hat die Kammer auch gesagt Okay, das ist etwas, das es keine Schmähkritik, dass es daher zulässig. Was aber eben nicht geht, ist beispielsweise die äußerung, dass Frau Hähnel das Tor zu Auschwitz aufstoßen würde oder entartet sei.

[00:03:08]

Das sei rechtswidrig, und deswegen hat zumindest in diesen Punkten auch die Kammer gesagt Ja, da stimmen wir der Klägerin zu. Es soll auch noch eine gellt Entschädigung geben. In welcher Höhe genau, darüber berät die Kammer noch. Am Montag dann die Urteilsverkündung.

[00:03:23]

Jetzt muss ich aber nochmal fragen Marica, warum wurde das Ganze denn in Hamburg verhandelt, da weder die Klägerin noch der Betreiber der Website sind? Das ist richtig.

[00:03:31]

Es ist aber so. Dadurch, dass die Verhandlung vor der Presse Kama war die Presse kann man sehr, sehr beliebt ist, weil die oft zugunsten der Persönlichkeitsrechte entscheiden. Sie hat sich unter anderem auch auf Empfehlung Ihres Anwalts dafür entschieden, natürlich mit der Hoffnung, dass sie diese Verhandlung auch gewinnt.

[00:03:48]

Danke schön, Marica Williams, ja, Christina Hähnel. Das nochmal zur Einordnung in ganz Deutschland eine bekannte Frauenärztin, die eine Debatte über den Abtreibung Paragraphen 219 a ins Rollen gebracht hat. Den Paragraphen hält sie für verfassungswidrig, und auf Twitter finde ich jetzt Bilder von UnterstützerInnen der Frauenärztin, die vor dem Landgericht Spruchbänder zeigen, auf denen steht My body mietshäuser so mein Körper, meine Wahl und die Echtheit dieser Bilder hat mir Marica auf Nachfrage bestätigt.

[00:04:19]

Für Aufsehen gesorgt hatte in dieser Woche auch Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher. Er hat kritisiert, dass Coruña Tests, die erst zwei Tage vor der Reise Rückkehr durchgeführt werden, praktisch unbrauchbar sind. Diese Vorschriften von Gesundheitsminister Jens Spahn findet er in diesem Punkt unbrauchbar, ja sogar gefährlich. Bundesweit ist er da aber noch nicht auf offene Ohren gestoßen. Nun steuern die Länderchefs auf einen Konflikt zu, und mein Kollege Andreas Gärtner hat den ganzen Tag telefoniert, um herauszufinden, zu welchem Kompromiss man denn jetzt kommen könnte.

[00:04:53]

Am Donnerstag treffen sich die Ministerpräsidenten der Länder bei Kanzlerin Merkel. Wahrscheinlich ist auch der Gesundheitsminister Spahn dabei. Und dann hat unser Bürgermeister. Seinen Vorschlag noch mal auf dem Zettel. Er will das erst nach der Rückkehr getestet wird, am besten fünf Tage, nachdem Menschen aus Risikogebieten in Deutschland eingereist sind. So lange müssen sie in Quarantäne bleiben, weil erst nach vier bis fünf Tagen wirklich verstehen kann, ob jemand infiziert ist oder nicht. Danke für diese Einschätzung.

[00:05:20]

Wir berichten weiter am Donnerstag in der nächsten Woche.

[00:05:25]

So, und das war sonst noch halterlose in der Stadt. Keine guten Nachrichten aus dem Hamburger Hafen. Der hat im Zuge der Coruna Krise, nämlich Marktanteile gegenüber der Konkurrenz in Nordeuropa verloren. Der Umschlag in Hamburg ist seit Jahresbeginn um rund zwölf Prozent eingebrochen. Rotterdam und Antwerpen kamen deutlich glimpflicher durch die Krise. Nach Angaben von Hamburg Hafen Marketing liegt das vor allem daran, dass Hamburg deutlich mehr Anteile am Handel hat als die Konkurrenz. Und die Produktion dort war im ersten Halbjahr wegen Coruna stark gedrosselt.

[00:05:58]

Probleme gibt es auch bei der Brücke. Nur sechs Jahre nachdem sie eingeweiht wurde, ist Europas größte Brücke schon wieder kaputt. Seit Jahresbeginn ist die Brücke nun schon rund 20 Mal ausgefallen. Nix klappt beider Räte im Hafen ist das inzwischen ein geflügeltes Wort. Autofahrer, die nicht über die Brücke müssen, können sich aber auch anderweitig ärgern. In Hamburg sind die Verkehrsbehinderungen nämlich kaum zurückgegangen. Das gab heute der ADAC bekannt. Die Verkehrsexperten stehen vor einem Rätsel. Während in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern die Steilhänge zurückging, sank sie in Hamburg kaum.

[00:06:39]

Das Wochenende steht vor der Tür, und der außer Haus Verkauf von Alkohol in Hamburgs szenevierteln ist immer noch verboten. Auf dem Kiez ist die Stimmung nicht so gut. Clubbetreiber haben uns erzählt, dass die Menschenmassen auf der Reeperbahn und den umliegenden Straßen und die zahlreichen Polizeikontrollen die Lage immer wieder auf eine harte Probe gestellt haben. An diesem Wochenende stellt der Kolibri Club in der Großen Freiheit als erster Club seinen Betrieb freiwillig ein. Reporter Carsten Second ist hingefahren und hat sich die Lage angesehen.

[00:07:10]

Die Fahnen stehen auf Halbmast, hier auf der Reeperbahn und insbesondere in der Großen Freiheit. Denn das Kolibri macht tatsächlich dicht. Johann Scherer, lange Jahre schon DJ.

[00:07:20]

Schon seit sechs Jahren auf der Reeperbahn aktiv, so ziemlich jeden Club mitgemacht und jetzt als erster Klub, der aus Eigeninitiative sagt So können wir eigentlich gar nicht mehr weitermachen.

[00:07:29]

Woran hat es genau gelegen? Es gibt ja auch ein paar finanzielle Zuschüsse, zum Beispiel von der Stadt, die Zuschüsse. Man muss ja auch überlegen Das ist ja nichts anderes als Kredite, die dann wie eine Investition irgendwie ausgegeben werden sollen. Aber das, was fehlt, und das ist zu 80 Prozent der Fall. Der Umsatzeinbruch so unter den Bedingungen und den ganzen Richtlinien und der Umsetzung ist verdammt schwierig. Zum einen risikoreich, gesundheitlich total gefährlich. Es dauert nicht mehr lange, bis irgendein Club den Ausbruch hat.

[00:07:53]

Jetzt sagt der Kolibri Club Das können wir einfach nicht mehr verantworten und verabschieden sich erstmal zeitweise von allen Stammgästen und Gästen für die Zeit. Heute Abend wird das dann auch mit einem Banner und einer kleinen Lichtshow eingeläutet.

[00:08:04]

Ist das jetzt nur ein einmaliges, trauriges Ereignis, oder bringen ganz viele Clubs um Ihre Zukunft?

[00:08:11]

Wir haben ja gesehen, was in den letzten Wochen passiert ist. Die ein oder anderen Clubs müssen zumachen. Jetzt Kolibri Club, ein Club, der freiwillig schon zumacht. Da wird sich in den nächsten Wochen viel, viel verändern. Auf der Reeperbahn.

[00:08:22]

Was müsste passieren, damit sich die Kurve umdreht, dass es wieder aufwärts geht? Unbedingt muss ich jetzt die Politik und die Regierung. Da kann ich ja wirklich nur appellieren, dass sich mit der Clubszene ein bisschen mehr auseinandergesetzt wird. Andere Clubs bleiben weiterhin auf. Aber ich blicke ein wenig mit Respekt, aber auch mit Angst in die Zukunft. Aber eins klappt definitiv nicht, das kann ich jetzt nicht mehr sagen. Die Leute werden tanzen und Leute, die um zwei Uhr Alkohol getrunken haben und Spaß haben wollen.

[00:08:46]

Die kriegt man nicht vom Tanzen weg. Und die Verantwortung will Kolibri Club als Club nicht mehr tragen.

[00:08:50]

Und das Beispiel Kolibri zeigt wieder einmal Feiern. Und Coruña passt leider einfach nicht zusammen.

[00:08:56]

Ich schätze meine Kollegin Susanne Hasen Jäger ist da ganz leicht anderer Meinung. Als ich mich nämlich gestern Abend in den Feierabend verabschiedet habe, kam sie mir freudestrahlend entgegen und meinte Ich gehe gleich in einen Stadtpark Konzert. Das allein ist ja schon eine Besonderheit zu Coruna Zeiten. Aber die kleine Sensation war, dass der Bühnenkünstler Johannes Oerding gleich 15 Konzerte im Stadtpark gibt. Und jetzt bist du wieder da, und sie ist immer noch glücklich. Wie war es? Eßzimmer?

[00:09:24]

Ich bin absolut beseelt. Wenn das normale Zeiten wären, könnte ich jetzt nur schwärmen von diesem Konzert, weil es einfach großartig war. Zum Areal der Freilichtbühne im Stadtpark unter den Bäumen. Die Band auf der Bühne, im Hintergrund ein Lagerfeuer wird sehr intime Atmosphäre, nur tausend Menschen auf Stühlen. Alle sehr freundlich und gut gelaunt und beseelt, endlich wieder gemeinsam Live-Musik erleben zu können.

[00:09:46]

Und deswegen eben auch die 15 Konzerte, damit immer nur wenige Menschen dazu kommen, ganz genau statt der üblichen vier bis fünf 000 Leute im Stadtpark da stehen und sich dränger. Nur 1000 Leute, die auf ihren festen Plätzen sitzen und Masken tragen müssen, so wie sie aufstehen und zur Toilette wollen.

[00:10:00]

Was ja auch ganz viele Menschen. Das hören wir uns mal an Endlich ein Draußen am Lagerfeuer. Ein Traum, wunderschön mit dem Feuer im Hintergrund. Das hat schon richtig Eindruck gemacht, diese Emotionen auch von der Band und von Johannes Oerding. Das ganze Drumherum.

[00:10:19]

Ich bin völlig fertig, habe die ganze Gänsehaut gehabt am ganzen Körper, und ich habe gesehen, du hast auch ein Video von dem Konzert auf Facebook gepostet, und die Reaktionen sind aber so ein bisschen gemischt, oder?

[00:10:30]

Die Reaktionen sind gemischt, weil dieses Video, das lehrt, uns ja auch Videos auch ein bisschen zu hinterfragen, wirklich so aussieht, als wäre da eine Menschenmenge dicht beieinander. Was sie aber nicht war. Klar, die Menschen stehen nebeneinander, sind auch aufgestanden, haben sich auch bewegt, aber alles immer wirklich diszipliniert auf ihrem Platz. Die Reihen sind weit auseinander. Also keine Sekunde, wo ich gedacht habe Wie ist es aber voll? Das sieht aber auf dem Video so aus.

[00:10:53]

Und dann kamen natürlich Reaktionen wie Das ist doch unverantwortlich, guckt euch doch die Zahlen an. Das kann man doch nicht machen. Ich kann nur sagen Ich fühle mich in manchem Bus, in mancher Bahn unsicherer bei meinem Edeka oder Aldi, manchmal auch, wenn Menschen mir zu nahe kommen. Ich kann das also verstehen, dass es Skepsis gibt. Aber ich kann nur sagen Wir haben uns alle gestern sehr, sehr sicher gefühlt.

[00:11:13]

Danke schön, dass es morgen in Hamburg los die Umweltschützer von extinktion rebellieren. Ich weiß aber gar nicht, warum die sich diesen komplizierten Namen gegeben haben. Protestieren morgen in der Innenstadt. Außerdem gucken wir mal, wie das Testspiel des HSV ausgeht und wie der neue Trainer sich so macht. Und gleich zwei Tage lang steht die Natur bei uns im Mittelpunkt. Morgen und übermorgen zieht es unsere Stadt Reporter in Hamburgs grünste Flecken. Die große überschrift heißt Langer Tag der Stadt Natur.

[00:11:43]

Und nächsten Montag, an dieser Stelle begrüßt Sie mein Kollege Oliver Wittke. Es war eine wunderschöne Woche, aufregend und spannend für mich. Es hat mir Spaß gemacht. Ich hoffe Ihnen auch. Wenn ja, schreiben Sie mir unter Hamburg heute Punkte. Was sonst noch so los ist, das finden Sie bei uns immer rund um die Uhr in unserer kostenlosen Hamburg ab. Ich wünsche Ihnen ein wunderschönes Wochenende bis bald.

[00:12:08]

Hamburg, heute von neunzig komma drei.

[00:12:11]

Wir sind Hamburg.