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[00:00:03]

Hamburg. Herzlich willkommen zum Wichtigsten vom Tag in unserer Stadt, ich bin Oliver Wittke. Hallo? Ja, und ich nehme Sie heute mit auf eine kleine Stadtrundfahrt. Ich verrate erst mal nur so viel.

[00:00:16]

Man sieht die Menschen, man sieht das Leben in der Stadt. Es hat einen unwahrscheinlichen Flair.

[00:00:22]

Es wird richtig rund gehen hier am Schluss. Vorher machen wir aber noch Stopp in der Innenstadt, wo heute die Veranstaltungs Branche demonstriert hat, auf Sankt Pauli, wo man sich Sorgen um die Zukunft vom Kiez macht. Und wir gucken nach Altona, wo der Bahnhof immer schmuddelig wird. Das und mehr von heute. Mittwoch, den 26. achten Tag. Die Stadt. Die Infos von NDR neunzig komma drei ist das Schmuddelwetter.

[00:00:47]

Oder wird das schon Herbststurm? Das wäre ja ein bisschen früh für Ende August. Aber der Wetterbericht sagt es schwarz auf weiß. Sturmböen noch bis in die Nacht. So oder so.. Der Tag war ziemlich ungemütlich draußen vor der Tür. So ungemütlich sogar, dass die Event und Veranstaltungs Branche ihre für heute geplanten Demonstrationen für weitere Korona Lockerungen und mehr staatliche Unterstützung in Berlin und Hannover abgesagt hat. Anders hier in Hamburg. Da sind sie auf die Straße gegangen und haben zusammen mit unserer Stadt Reporterin Anna Adams Wind und Regen getrotzt.

[00:01:20]

Schlechtes Veranstaltungs Wetter war es auf jeden Fall. Um halb eins waren es etwa 200 Leute, die sich vor dem Hauptbahnhof getroffen haben und dann über die Mönckebergstraße bis hin zum Rathausmarkt gezogen sind. Ihr Ziel ist es, der Politik zu zeigen. Uns steht das Wasser bis zum Hals. Wir sind quasi seit Mitte März arbeitslos. Der Leiter der Demo in Hamburg fasst das so zusammen Es gibt keine Veranstaltung mehr. Es gibt die Beschränkung. Wir können Menschen nicht mehr zusammenbringen, und wir sind letztendlich der sechstgrößte Wirtschaftsfaktor in Deutschland 1,5 Millionen Beschäftigten, die alle ausstehen und keine Perspektiven haben.

[00:01:57]

Peter Dussmann, der Geschäftsführer der Firma Absperrungen, Umsatz, Bereich drei Millionen, Umsatzrückgang 80 Prozent. Unser Tagesgeschäft ist normal. Beispiel In Hamburg haben wir große anschaltet. Haben Sie bis jetzt sicher und Ihre Leute durch gekriegt. Kernbereich haben wir 37 feste Mitarbeiter, davon sind 21 Mitarbeiter auf Kurzarbeit. Und letztendlich halten wir Spedition Transporte über Wasser, Deadlines. Ende September, Anfang Oktober wirds wirklich dramatisch für uns. Keller, Geschäftsführer der Hamburger Markthalle Ich habe großen Stamm, festangestellte Mitarbeiter, geringfügig Beschäftigte im Veranstaltungs Bereich.

[00:02:41]

Seit März können wir faktisch keine Veranstaltungen durchführen. Das heißt, wir sind von hundert auf null heruntergefahren worden. Wenn das jetzt so weitergehen soll, dann wird das schwierig. Was erwarten Sie sich von den Demonstrationen? Das wird ja am 9. September dann auch eine Großdemonstration in Berlin geben. Ich hoffe, dass eine Menge mehr kommen als heute. Wir müssen als Kulturschaffende auf die Straße gehen, weil wir brauchen. Kultur in unserer Gesellschaft ist ein ganz wichtiges Element, auch zur Demokratie, Stärkung.

[00:03:08]

Und genau das passiert gerade nicht, dass die Kulturschaffenden auf die Straße kommen und sich gemeinsam Gehör verschaffen können. Symbolisch wurde der Demonstrationszug auch von einem SAK begleitet, auf dem Veranstaltungs Branche steht. Das macht also deutlich, wie sehr das Motto Alarmstufe Rot für die Veranstaltung zutrifft. Und auch Hamburgs Rotlicht Branche sieht für die Zukunft schwarz. Die Bordelle sind seit fast sechs Monaten geschlossen, und dagegen protestiert heute die Interessengemeinschaft Sankt Pauli Reeperbahn. Aber auch ganz viele normale Sankt Pauli fürchten, dass ohne Musikclubs und Milieu der Kiez irgendwann demnächst mal vor die Hunde geht.

[00:03:45]

Das hat zumindest mein Kollege Werner Pfeiffer heute bei einem Besuch in Sankt Pauli Institution zu hören gekriegt, nämlich in Harrys Salon.

[00:03:54]

Ich gehöre auch hierher, schon seit 37 Jahren, und das ist natürlich selbstverständlich, dass wir die Huren brauchen und ihren Job machen können. Da gibt es Möglichkeiten, die Hygiene einzuhalten, und wir sind auf jeden Fall auf Ihrer Seite.

[00:04:05]

Wie ist die Situation der Prostituierten unter diesen Bedingungen? Ich meine jetzt auch wirtschaftlich.

[00:04:09]

Ich kann das natürlich nicht ganz beurteilen. Aber ich denke, das ist eine Katastrophe, und die Frauen werden vielleicht auch illegal arbeiten. Das wäre viel schlimmer.

[00:04:15]

Für uns ist das wichtig. Kommen Sie vorbei?

[00:04:26]

Aber mit sehr großer Nähe oder sehr großen Veranstaltungen ist es im Moment eben so eine Sache. Das umstrittene Grosskonzernen in Düsseldorf mit 13 000 Gästen im Fußballstadion am 4. September unter anderem Sarah Connor auf der Bühne das ist jetzt verschoben worden auf den Spätherbst.

[00:04:45]

Es war natürlich noch mehr los in Hamburg heute Der Streit um das sogenannte Pauli Haus geht vor Gericht in eine neue Runde. Die Stadt hatte der Betreiberin eines indischen Restaurants gekündigt. Denn der Flachbau neben der Rindermarkt Halle auf Sankt Pauli soll abgerissen werden und einem sechs Geschosse Bürohaus weichen. In erster Instanz hatte sich die Mieterin durchgesetzt. Jetzt entscheidet das Oberlandesgericht wohl am 25. September darüber, ob es mit dem Pauly Haus Neubau weitergehen kann. Die kleine Hasel Maus könnte das Großprojekt Fehmarnbelt Querung ins Wanken bringen.

[00:05:19]

Die neue Bahnstrecke soll in ein paar Jahren ja Hamburg und Kopenhagen miteinander verbinden. Nun sind die Daumen großen Tierchen in der Nähe von Scharbeutz entlang der geplanten Neubau Trasse entdeckt worden. Die Deutsche Bahn investiert nach vielen Gutachten jetzt einiges an Geld, um den Tieren eine neue Heimat zu bieten. Denn es drohen Klagen gegen das gesamte Großprojekt. Und beim Blick aus dem Fenster verwundert das kaum. Ende August geht die Hamburger Freibadsaison zu Ende. Dann schließen auch die Außenbecken der Combi Bäder.

[00:05:50]

Aber nach der neuen Coruna Verordnung, die ab Anfang September gilt, können Dania Saunen und Dampfbäder wieder öffnen, sagt Nederland.

[00:06:00]

Jetzt habe ich nicht mal zu meinem Kollegen Reinhard Posselt begeben, der ist hier in der Redaktion sozusagen unser Altona Experte, unter anderem auch deswegen, weil er jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit den ganzen Bezirk quer durchfährt und auch am Altonaer Bahnhof vorbeikommt. Der sorgt ja heute für Schlagzeilen, weil es da so viele Schmuddelecken gibt. Reinhard, was ist da dein Eindruck?

[00:06:21]

Das Problem ist tatsächlich schlimmer geworden. Es ist sehr viel Müll, hier und da ist es Taubenkot, und in den Aufzügen stinkt es fürchterlich. Man sieht auch leider immer wieder Urin. Und nun haben die Fraktionen von CDU und SPD einen Antrag in der Bezirksversammlung gestellt, damit das besser wird. Was fordern die? Sie fordern, dass es einen runden Tisch gibt, das sofort die Bahn an den Tisch gesetzt wird, zusammen mit dem Bezirk damit häufiger gereinigt wird. Sie fordern auch, dass die Toilette im Bahnhof 24 Stunden pro Tag geöffnet ist.

[00:06:53]

Die Linken haben einen ganz interessanten Zusatz Antrag dazu eingereicht, dass nämlich die Toilette gratis wird, weil viele Trinker, die dort nun mal urinieren werden, nicht das Geld ausgeben für die 75 Cent, die man da zahlen muss. Insofern ist der gratis Antrag sicher sinnvoll.

[00:07:08]

Der Bezirk Altona hat ja viele Baustellen, im Moment auch richtig echte Baustellen. Zum Beispiel das Holzturm Quartier. Da ist jetzt gerade ein erster Architektur Entwurf für ein Gebäude vorgestellt worden. Aber was da auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei passieren soll, das ist ja zeitlich weit hinterher.

[00:07:23]

Wie ist der Stand der Dinge? Es soll nun in diesem Jahr konsequent abgerissen werden, und der Investor ist der fünfte mittlerweile, der das Grundstück wieder gekauft hat. Das ist die Konsuls Real Estate. Die wollen angeblich Anfang nächsten Jahres dann auch anfangen, neu zu bauen 1300 Wohnungen und der erste Architektur Entwurf. Der bezieht sich auf das Carlsberg Bürogebäude. Die große Brauerei gehört auch Holsten. Die haben jetzt den Architektenwettbewerb durchgeführt. Das Interessante ist Die Fassade hat Flashen, grüne Keramik, Elemente, Bier wurde.

[00:07:56]

Woher weißt du all diese Dinge? Ich habe ja schon gesagt, du bist hier so ein bisschen der Altonaer Experte. Aber das kommt ja nicht einfach durch Reisen durch den Bezirk.

[00:08:03]

Zwei Hauptursachen Zum einen muss jeder seine Hausaufgaben machen, nicht nur die Schüler, auch wir Redakteure. Ich lese mir immer die ganzen Einladungen zu den Bezirksversammlungen, den Bauausschuss, den Stadtentwicklungsausschuss und so weiter. Da findet man dann Themen zum Zweiten, weil man da lange unterwegs ist. Dann kennen die Leute auch die Politiker. Dann rufen sie natürlich auch mal an und sagen Hallo, ich hab da was mitbekommen, da stinkt es gewaltig.

[00:08:25]

Und du verbringst auch den ein oder anderen Abend, zum Beispiel morgen in der Bezirksversammlung.

[00:08:30]

Ja, morgen kann man taucht tatsächlich wieder teilnehmen. Es war lange Zeit gar nicht möglich, aber der Altonaer Ratssaal hat einen hohen Balkon. Da dürfen dann weiterverteilt Journalisten sitzen. Allerdings werden es immer weniger von Jahr zu Jahr. Es gibt immer weniger Redaktionen, die wirklich jemanden raus schicken können. Ich bin manchmal alleine. Also schön, dass es dich gibt.

[00:08:49]

Und von der Sitzung morgen werden wir sicherlich noch ein bisschen was zu berichten haben.

[00:08:55]

So, und jetzt löse ich mein Versprechen ein, und wir gehen zusammen auf Stadtrundfahrt, und zwar mit der Uhr. Wenn ich sage, da geht es richtig rund. Dann klingt das vielleicht auf den ersten Blick ein bisschen hochgestochen für eine u-bahn-fahrt.

[00:09:08]

Aber die Hamburger Ring Linie, die hat tatsächlich richtig viel an Geschichten und Geschichte zu bieten. Und mein Kollege Lennart Richter hat bei seinen Touren tatsächlich festgestellt Die drei. Das ist ein Lebensgefühl.

[00:09:20]

Das Wasser, die Elbphilharmonie, die silbernen Züge, die hier vorbeifahren. Die Stadt Hamburg.

[00:09:27]

Die Strecke am Hafen, wo wir heute schön drüber gucken und die Touristen sich freuen. Die ist nicht gebaut worden, damit wir uns heute daran erfreuen können, sondern es ist ein schöner Nebeneffekt. Man musste an den Landungsbrücken eine Haltestelle in den Hang hinein, und das möglichst gerade. Das ist, glaube ich, so ziemlich der einzige Berg, den Hamburg hat, und da musste man ja irgendwie rein.

[00:09:48]

Die Stationen auf der Linie fügen sich perfekt in ihre Umgebung ein. Die Haltestelle Munz zum Beispiel, eine Kathedrale aus Backstein, Markt oder die Landungsbrücken, sind dagegen eher zurückgezogene, dezenter Rohbauten.

[00:10:05]

Es galt Dort, wo bereits Bebauung besteht, soll sich die Hochbahn anpassen, dem Stil der Umgebung. Und dort, wo wenig Bebauung oder keine vorhanden ist, darf sie Akzente setzen.

[00:10:18]

1912 wurde die Hochbahn in Betrieb genommen, und damit war Hamburg nach Berlin die einzige Stadt in Deutschland, die eine Ringbahn besaß. Mischen sich die Bewohner der Stadt? Die wenigsten fahren eine ganze Runde. Die Triebwagen Fahrer bleiben aber natürlich sitzen und fahren. Die Oder-Neiße-Linie ist zwar die schönste Bahnstrecke der Stadt. Aber kann man das auch immer noch sagen, wenn man sie so häufig fährt? Wenn ich jetzt mit der U-Bahn durch den Tunnel durchfahren, dieses leicht ummehr Geschaukelt, das ist tatsächlich so angenehm einfach laufen lassen, rollen lassen und genießen, einfach nur genießen.

[00:10:56]

Genau das ist das, was eigentlich jeder Zugfahrt. Nächster Halt Friedrichstraße Ausstieg links. Man spürt es sofort und drei Fahren ist für Triebwagen Fahrer Kai Seelow kein Gefühl von Arbeit, sondern im besten Fall ein Gefühl von Freiheit. Bis zu zehn Mal fährt er während einer Q4 Schicht im Kreis. Langweilig wird ihm dabei nie.

[00:11:23]

Man hat tatsächlich das Glück, dass die Leute jedes Mal anders, aber auch durch die Fahrzeuge. Jedes Fahrzeug fährt sich anders. Asoziales mal spannender.

[00:11:31]

Wer jetzt Appetit auf mehr hat. Die drei ein Lebensgefühl. Das gibt es auch als Podcast. Wirklich hörenswert. Gut 30 Minuten Geschichten und Menschen auf der A3 hier in Hamburg, alles unter Schrägstrich Hamburg.

[00:11:46]

Und das wird morgen in Hamburg interessant. Bürgermeister Peter Tschentscher berät mit seinen Amtskollegen aus den Ländern und Kanzlerin Angela Merkel über einheitlichere Corona Regeln in Deutschland. Die Gewerkschaft Verdi stellt ihre Forderungen für die Tarifrunde im öffentlichen Dienst vor. Und die Hamburger S-Bahn präsentiert den ersten ganz und gar digitalen Zug, der auf der Strecke nach Bergedorf im Einsatz sein soll. Alles, was sonst noch los ist, gibt es immer aktuell in Hamburg ab. Und wir freuen uns natürlich über Kritik und Anregungen an Hamburg heute per E-Mail.

[00:12:23]

Das war's für heute. Ich wünsche allen einen schönen, gemütlichen, kuscheligen Feierabend. Wir können uns morgen wieder bis Hamburg, heute von neunzig komma drei.

[00:12:33]

Wir sind Hamburg.