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Handelsblatt. Sie sind Vertreter der Neuen Welt, der Finanzen und stiegen einst kometenhaft aus Aschheim bei München ist nach Börsenwert inzwischen das wertvollste deutsche Unternehmen vor der Deutschen Bank. Wir sind von der Aktie sehr, sehr persönlich. Im Moment ist sie Wahlkarte, weil sie Einzelheiten über die Erfolgsgeschichte der Unternehmen aus der neuen Zeit ein Zahlungsdienstleister und deren Börsenwert liegt deutlich über dem Zahlungsdienstleister Wirecard. Erwartet für das erste Quartal offenbar gute Geschäfte. Die Deutsche Börse hat entschieden Die Commerzbank muss ihren Platz im Deutschen Aktienindex räumen.

[00:01:04]

Kann das wirklich eine Geschichte werden? Es geht dabei um viel Geld und sogar mögliche kriminelle Machenschaften. Aber insgesamt macht es für Intransparenz. Der Frankfurter Börse kam es zu Panikverkäufe. Einen Absturz erlitt dabei die Aktie von Wirecard. Nach Spekulationen über Unregelmäßigkeiten können wir diese schweren Vorwürfe zurückweisen. Der Börse hat sich die Aktie des Bezahldienste nach dramatischen Kursverlusten wieder erholt. So ein Schaden kann man verkraften. Der wird auch wieder vergessen, wenn man gutes Geld verdient hat. An der Börse wurde der Handel mit Aktien nach Bekanntwerden der Insolvenz vorübergehend vom Handel ausgesetzt.

[00:01:46]

Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und überschuldung ihren Job verlieren mit Hauptsitz in der Insolvenz die Aktien zunächst um 80 Prozent auf praktisch ein Totalschaden. Zuluft und Industriezweiges waren. Dramatisch ist die finanzielle Situation. Der zurückgetrieben marktmissbrauch festgenommen. Der Münchner Staatsanwaltschaft nie wirklich etwas nachgewiesen. Es ist zweifelsohne eine Kriminalgeschichte, wie Hollywood sie sich besser nicht hätte ausdenken können. Schmuddelig angehauchten und noch bescheidenen Anfängen einer Dotcom Firma gelingt der Aufstieg in den Olymp der deutschen Konzerne in den Dax 30 die Liste der wertvollsten Unternehmen Deutschlands.

[00:02:39]

Und in all diesen Jahren haben wir ein Durchschnitts Wachstum von 20 bis 30 Prozent erzielt. Wir können heute das Ausfallrisiko, das ist eine Transaktion, nach rückabgewickelt werden muss, im Durchschnitt um 15 Prozent weltweit senken und können damit den Umsatz eines Händlers um bis zu vier bis fünf Prozent heben. In diesem Bereich haben wir uns spezialisiert. Heute geht es auch darum, wenn ich jetzt in die Zukunft schaue, und damit bin ich auch im Bankenbereich. Diese Logik auch zu nutzen, um zum Beispiel in Echtzeit Kredite auszugeben?

[00:03:13]

Ja, sie waren gefeiert, begehrt, bejubelt.

[00:03:18]

Das bringt uns natürlich als Zahlungsabwicklung auch in den Bankenbereich. Heißt das, dass wir sozusagen zu einer Bank im Sinne der Bilanz werden? Nein, wir werden hier im Hintergrund mit großen Banken zusammenarbeiten.

[00:03:32]

Der Weg nach ganz oben dauert 21 Jahre.

[00:03:37]

Ich habe ja auch den Chef der Firma, Markus Braun. Heute rücken Sie an Stelle der Commerzbank den Dax auf. Wir sind damit eines der wichtigsten Unternehmen in diesem wichtigen Index.

[00:03:49]

Das bringt eine Menge positiver Aufmerksamkeit. Es ist eine gute Nachricht für Investoren. Wir sind eine treibende Kraft im TecDax gewesen und hatten uns überlegt, dass wir als Fintech und Wachstumsförderung auch eine gute Chance auf den Dax hätten. Das war unser Ziel.

[00:04:03]

Dann, innerhalb von nur einer Woche ist alles vorbei. Am 18. Juni 2020 erklärt Wirecard, dass 1,9 Milliarden Euro ein Viertel des gesamten Vermögens nicht auffindbar sind.

[00:04:18]

Die folgende Stellungnahme zu den aktuellen Ereignissen kann derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass die Wirecard Aktie in einem Betrugsfall erheblichen Ausmaßes zum Geschädigten geworden ist.

[00:04:36]

Einen Tag später tritt Vorstandschef Markus Braun zurück. Weitere zwei Tage später sitzt er zum ersten Mal in Untersuchungshaft. Am 25. Juni, eine Woche nach der Bekanntgabe, dass das Geld fehlt, erklärte Wirecard Insolvenz. Dies ist die Geschichte von Wirecard. Digitaler Zahlungsabwicklung, Börsensteuer, Skandal, Konzern und Arabers In den nächsten zwölf Wochen werden wir uns minutiös anschauen, wie es zum Absturz des deutschen Vorzeige Unternehmens kommen konnte. Wie das System hinter Wirecard funktioniert, warum es Warnungen gab und trotzdem keiner reagiert hat.

[00:05:12]

Warum so etwas wieder passieren könnte, wenn wir nichts ändern. Und wer die Player in diesem Spiel sind, das rund zwölf Milliarden Euro an Börsenwert vernichtet hat?

[00:05:21]

Ich bin Redakteurin beim Handelsblatt, und mit mir hier im Studio sitzt Felix Häußermann, mehrfach preisgekrönt für seine wirtschaftsberichterstattung.

[00:05:28]

Er ist unser Mann am Finanzplatz Frankfurt, in dessen Ressort Jagdfeld Hallo Felix, hallo Ina Felix schon seit Jahren zeichnet.

[00:05:37]

Was nicht gestimmt hat. Die Bestätigung kam dann am 28. April. Da hat der Wirtschaftsprüfer KPMG nach einer Sonderprüfung mitgeteilt, dass er große Teile der Profite aus den vergangenen Jahren nicht bestätigen kann. Das hat dann prompt zu einem Kurssturz bei Warcraft geführt. Aber fangen wir mal vorne an. Trotzdem, Felix, hättest du gedacht, dass wir nur vier Monate später hier sitzen und eine 12 teilige Podcast Serial zum wohl bekanntesten Börsen Skandal der Nachkriegszeit machen würden?

[00:06:08]

Ehrliche Antwort Nein, das hätte ich zu dem Zeitpunkt kaum jemand für möglich gehalten. Aber genau deswegen ist die Geschichte rund um Wahlkarte ja auch so spannend.

[00:06:16]

Und sie setzt sich aus einer ganzen Reihe von Puzzlestein zusammen, die wir uns jetzt genauer ansehen wollen.

[00:06:21]

Richtig los geht's mit der Frage Wer ist denn eigentlich dieser Mann an der Spitze, dieser Markus Braun, den die Anleger ja jahrelang ihr Geld anvertraut haben? Was ist das für ein Mensch? Was hat er für eine Persönlichkeit? Und was hat ihn auch zu dem gemacht, was er ist? Auch ganz grundsätzlich gefragt Wie ticken eigentlich Leute wie er? Wie ticken vermeintliche Betrüger? Das besprechen wir zum Beispiel mit dem Vorfall am Markt.

[00:06:43]

Hoffmann Als erstes müssen Sie von sich selbst überzeugt sein und oftmals auch von der Richtigkeit des eigenen Handelns. Diese Art von überlegenheitsgefühl, dass sie entweder glauben, im Recht zu sein, oder glauben, sich das Recht nehmen zu dürfen, weil sie an anderer Stelle viel Gutes getan haben. Dieses fehlende Unrechtsbewusstsein, um es andersherum zu formulieren das ist eine Grundzutaten, die man doch immer wieder sieht. Das heißt, entweder sie wissen, dass sie Böses tun, aber rechtfertigen oder glauben, das Recht zu haben, sich das nehmen zu dürfen, weil es ihnen zusteht oder sie haben.

[00:07:20]

Rechtsbewusstsein und halten das für in Ordnung Das gilt vielleicht nicht nur für Markus Braun, den Mann an der Spitze, sondern auch für Jan Musalek Musalek. Er war die Nummer zwei bei Wirecard, er war der Chef für das Aktiengeschäft. Und genau dort ist Katja fantastisch gewachsen. In Asien, da lag die Zukunft des Konzerns, und genau dort sind auch die 1,9 Milliarden Euro an Firmen Guthaben einfach irgendwie verschwunden. Die wahrscheinlichere Variante geht heute auch der Konzern aus, dass die Milliarden nie existiert haben.

[00:07:50]

Jetzt wird international nach Jan Marsala gefahndet. Sein Fahndungsplakat hängt hier in Deutschland sogar in der U-Bahn.

[00:07:57]

Die Staatsanwaltschaft München 1 sucht mit Nachdruck nach diesem Mann. Jan Leyk, ehemaliges Vorstandsmitglied und Chief Operating Officer der Wirecard AG aus Aschheim bei München. Der Vorwurf Verdacht des gewerbsmäßigen Betrugs, des besonders schweren Falls, der Untreue und weiterer Vermögens und Wirtschaftsdelikte.

[00:08:18]

Es handelt sich hier offenbar um einen gigantischen Wirtschafts Betrug. Und genau weil der so erfolgreich war, stellen wir uns die Frage Was davon ist einfach die Tat von ein paar gewieften Kriminellen? Und was davon ist schlicht Teil unseres Systems? Grundsätzlich in der Politik.

[00:08:34]

Alles greift ineinander, und alle sind ineinander investiert, nicht nur durch Kapital, sondern auch durch Sozialkapital, durch nicht greifbare Dinge wie guter Wille, auch durch Reputation. Man hat jahrelang Beziehungen aufgebaut und investiert, und man möchte jetzt auch nicht über Nacht den Teppich unter den Füßen wegziehen. Vor allen Dingen, weil man ja auch seine eigene Person dadurch schwächt.

[00:09:01]

Bei den Aufsichtsbehörden und im Nachhinein ist das vielleicht die verbindende Klammer hat es immer Kontrollinstanzen gegeben, die am Ende des Tages, warum auch immer jedenfalls nicht funktioniert. Haben die eine Rolle? Spielen es in den anderen Fällen das jeweilige Versagen der Institution oder sogar der Staat, die jeweiligen Institutionen nicht mit der entsprechenden Machtfülle ausgestattet oder der entsprechende kontrollbefugnisse sicherlich auch noch ein Element, was man in die Waagschale werfen muss bei den Anlegern, den großen institutionellen und den Privatanlegern.

[00:09:37]

Es handelt sich um einen der, wenn nicht sogar den größten Bilanzskandal der Nachkriegsgeschichte. Das muss man ordentlich vorbereiten, und entsprechende Klagen müssen auch vorbereitet werden. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz und unsere Kanzlei gehen insgesamt von bis zu neun Milliarden Euro Schaden aus.

[00:09:54]

Die Frage aller Fragen Wer oder was hat den Skandal eigentlich möglich gemacht? Die stellt sich natürlich auch bei den Banken. Das sind ja eigentlich die Profis am Finanzmarkt. Aber ganz viele Banker in Deutschland haben wir ja bis zum Ende Hunderte von Millionen Euro geliehen. Und jetzt müssen Sie die wohl abschreiben.

[00:10:11]

Dann gibt es eben diesen hehren Instinkt und diese kognitive Dissonanz, dass man auch sagt, wenn alle anderen da Gold sehen, und ich sehe das nicht, dann liegt das vielleicht an mir. Ich kapier da irgendwas, nicht irgendwas entgangen.

[00:10:24]

Das Desaster. Das beschäftigt jetzt auch die Anwälte. Zum Beispiel Klaus Nieding. Der ist Experte, der hat schon die Geschädigten und Anleger beim VW Skandal oder bei der Deutschen Bank vertreten.

[00:10:34]

Aus meiner Sicht macht es im Grunde genommen keinen Unterschied, ob ein Vorstandsmitglied eines Dax 30 Unternehmens von potenziellen Betrügereien positive Kenntnis oder keine Kenntnis hatte. Hatte er positive Kenntnis, dann ist klar, dass das Vorwerfe ist. Hatte er keine positive Kenntnis, fehlt zumindest in dem Unternehmen offensichtlich ein funktionierendes C-Promis und Steuerungssystem, wie das ja auch nach Paragraf 91 des Aktiengesetzes vorgeschrieben ist. Sich damit herausreden zu wollen, dass man von allem Bösen nichts gewusst habe. Da macht man es sich meines Erachtens nach deutlich zu einfach als Mitglied des Vorstandes oder des Aufsichtsrates.

[00:11:16]

Felix Rechtsanwalt Nieding gehört ja zu einer ganzen Reihe von Stimmen, die hier immer wieder zu Wort kommen werden, um uns die Hintergründe dieser wirklich fantastischen Geschichte zu erklären. Aber erzähl du doch mal, wie du persönlich in diese ganze Geschichte reingekommen bist. Du bist bei uns beim Handelsblatt Finanz Korrespondent. Du gehörst definitiv zu den kritischen Stimmen rund um Wirecard. Aber, und das muss man auch sagen. Auch wir als Handelsblatt haben das Ausmaß des Betrugs nicht vorhergesehen. Warum?

[00:11:44]

Das ist eine gute Frage. Ich hol dafür mal ganz kurz aus. Ist ja nicht erst seit gestern im Fokus der Kritik. Schon vor 12 Jahren, 2008. Da gabs die ersten Vorwürfe gegen den Konzern auch schon wegen Bilanzfälschung. Letztendlich der Vorwurf, über den am Ende gestolpert ist. Die kamen damals aus dem Internet. Diese Vorwürfe und dann von der SdK. Das ist eine deutsche Anlegerschutz Organisation. Allerdings schon damals hat sich die BaFin, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, also die zuständige Behörde, hinter Wirecard gestellt.

[00:12:15]

Das gleiche ist 2015 nochmal passiert als ein 1000 Seiten starker Report aus. Aufgetauchtes, der unter der Federführung eines Salas namens Frazer Sparring erstellt wurde und von denen werden wir noch mehr hören. Das sind Anleger, die nicht an den Erfolg von Meerkat geglaubt haben, sondern an den Absturz.

[00:12:33]

Sparring sagt heute. Warum uns keiner zugehört hat? Na, weil sie alle lieber einem Unternehmen zugehört haben, dessen erklärte Absicht das offensichtlich war, das eigene Land und die eigenen Investoren zu betrügen. Sogar die Journalisten haben lieber Analysten zugehört, die mit völlig absurden Kursziele pausiert haben. Dabei hätte nur eine Stunde Faktencheck nach unserem Report gereicht.

[00:13:00]

Das hätte gereicht für einen Test ja, schon 2015. Da haben die Vorwürfe einen Reporter inspiriert. Dann heißt er Der arbeitet für die britische Zeitung Financial Times, vielleicht die renommierteste Wirtschaftszeitung der Welt. Der hat eine ganze Serie von Artikeln über Makart geschrieben. Titel War Haus of Wirecard, was natürlich eine Anspielung ist auf House of Cards Kartenhaus. Und immer wieder ist der Markram in den Artikeln der Frage nachgegangen, ob der große Erfolg von Karrt vielleicht gefaked ist, ob der Konzern seine Bilanzen manipuliert, Zahlen erfindet.

[00:13:34]

Und dann gab es auch noch andere Vorwürfe. Zum Beispiel? Das war ja hat Geldwäsche. Jedenfalls hat sich früh gefragt, womit denn eigentlich sein Geld verdient und wie der Konzern sein gigantisches Wachstum erzielt. War ja auch deshalb Börsen Liebling, weil der Konzern Jahr für Jahr fantastisch gewachsen ist, meist um 30 Prozent, manchmal sogar um ganze 45 Prozent.

[00:13:57]

Die Hintergründe seiner Recherchen hat der Markram unter anderem mit dem Parteifinanzen besprochen.

[00:14:04]

Wir haben uns die Zahlen angesehen, und wir hatten den Eindruck, dass die Zahlen nicht stimmen konnten. Sie stimmen nicht.

[00:14:11]

Aber das vielleicht Tragische ist weder dem Kollegen von der Times noch dem Short cella. Fraser Paris hat man damals geglaubt. Ganz im Gegenteil, die beiden sind sogar verfolgt und bedroht worden.

[00:14:27]

Man denkt sich irgendwann Jetzt wirst du komplett paranoid, paranoid in Bezug auf Internet Security. Da gab es dieses Picking Kampagne gegen mich und Kollegen bei der Financial Times. Also gehackte E-Mails und der Versuch, uns auf mehr Seiten zu locken. Da kann man schon paranoid werden. Die Idee bekam. Mein Nachbar hat bei mir im Garten eine Kamera in der Hecke gefunden und ein anderer Nachbar hatte mich darauf hingewiesen, dass mir jemand folgen würde.

[00:15:05]

Davon gab es dann ja Beweisfotos. Man ist bei mir eingebrochen und hat mich abgehört. Es gab Hunderte von Throw Mails, bösartige Mails an mich, und es gab besonders scharf formulierte Anwalts Briefe an mich, um mich einzuschüchtern.

[00:15:35]

Es gab da immer diesen Widerstand innerhalb der deutschen Finanzszene gegen kritische Stimmen. Ich glaube, man fand es immer schwierig, den Unterschied zwischen einer bösartigen Attacke auf wahr und völlig berechtigten Fragen einer respektablen Wirtschaftszeitung zu sehen. Sie hätten beantwortet werden müssen.

[00:15:55]

Felix, bist du auch bedroht worden? Na ja, zumindest war es nicht immer ganz spaßig, über Waka zu berichten. Ehrlich gesagt der Konzern selbst. Der hat uns früh seine Medienanwalt auf den Hals gehetzt. Und auch die Anleger? Die haben uns früh als Zielscheibe auserkoren. Die haben mich bombardiert mit E-Mails, mit Twitter-Nachrichten, mit Briefen. Der Vorwurf Der war eigentlich immer derselbe, nämlich dass ich unter einer Decke stecke, selbst verdienen will an einem Absturz von Jakarta.

[00:16:19]

Einmal habe ich alte Boxershorts geschickt bekommen, als Anspielung auf Das war noch so halbwegs witzig. Weniger witzig war, dass es Meldungen gegen mich gab bei der BaFin, weil ich ja angeblich mit denen unter einer Decke stecke. Und dann hab ich auch Nachrichten bekommen in der Art Du kannst hoffen, wenn wir uns heute Nacht nicht auf der Straße begegnen. Und schlimmer das wirklich.

[00:16:38]

Muss ich wirklich sagen, es ist unfassbar mit diesem Umgang mit Kritikern werden wir uns in den nächsten Episoden noch genauer beschäftigen? Genau mit der Frage, wie man versucht hat, die Kritiker mundtot zu machen. Dazu hat uns Sparring noch einiges zu erzählen. Aber es gibt auch andere, die Wirecard eine hohe kriminelle Energie durchaus zutrauen.

[00:16:58]

Ja, da gibt's zum Beispiel jemanden, den wollen wir jetzt einfach mal nicht nennen. Der bietet Dienstleistungen für Manager an, die in Problemen stecken. Seine Firma, die heißt Manager. Ist so eine Art gehobener Privatdetektiv. Deshalb arbeitet er auch nur unter Pseudonym. Und er kennt sich aus in Asien und ganz speziell auf den Philippinen.

[00:17:18]

Stichwort Philippinen Dort ist ein Partner und ehemaliger Top-Manager von Steuerkarte ums Leben gekommen. Gegen ihn hatten die Behörden Ermittlungen aufgenommen. Seine Firma hatte wohl für einen großen Teil der Profite gestanden, die wohl nie existiert haben. Vor kurzem wurde bekannt, dass er gestorben ist, obwohl er erst 45 Jahre alt war.

[00:17:37]

Die philippinischen Behörden, die sagen Jetzt ist ohne Fremdeinwirkung gestorben. Allerdings wissen wir auch Auf den Philippinen bekommt man für 50 Euro schon einen Totenschein und für 400 Euro sogar eine Leiche. Es gibt also noch viel aufzuklären, und das glaubt auch unser Privatermittler von Manager, der auch beste Beziehungen zu den philippinischen Behörden hat.

[00:17:56]

Weil ich nämlich zufällig sehr genau weiß, dass es in bestimmten Bereichen weder DNA-Tests gibt noch eine Obduktion stattgefunden hat oder sowas. Und solange es keine Obduktion stattgefunden hat und schwarz auf weiß bestätigt ist, dass eines natürlichen Todes gestorben ist, glaube ich das auch nicht. Und wenn man sich die Qualität der Beziehung zwischen Christian B. und John Musalek ansieht und eine ganze Menge verschwundenen Bargeld im Spiel ist, dann sind die Zweifel durchaus berechtigt.

[00:18:26]

Da haben die Behörden ja offenbar noch allerhand zu tun. Es kommen ja auch jeden Tag quasi neue Details ans Licht. Aber nochmal zurück zu dir, Felix, du hast seit anderthalb Jahren die Bilanzen von Steuerkarte analysiert und auch drüber geschrieben.

[00:18:39]

Stimmt die Bilanz? Die hängt sogar in meinem Büro an der Wand. Ausgedruckt über die Monate ist deine ganze Tapete an Tabellen zusammengekommen. Klar ist mein Kollege Christian Schnell und ich. Wir haben uns die Jahresbilanz intensiv angeschaut. Das machen wir beim Handelsblatt grundsätzlich immer, wenn wir über einen Konzern berichten. Bei Weikert kam aber noch mehr dazu. Beispiel die Verdachtsmomente, die zu Beginn vor allem die Financial Times aufgebracht hatte. Und dann sind auch wir selbst auf immer mehr Probleme gestoßen.

[00:19:06]

Jetzt ist natürlich die Frage Warum haben wir den Absturz nicht vorausgesehen und auch andere Experten nicht? Dazu muss man sagen Wirecard hat Dutzende von Wirtschaftsprüfern, die jedes Jahr die Bilanz des Konzerns geprüft haben, hinters Licht zu führen. Und das sind ja die eigentlichen Experten für die Frage, ob Bilanzen sauber sind und die Zahlen eines Konzerns stimmen. Und auf ihre Freigabe der Bilanz haben sich dann auch viele Beobachter verlassen.

[00:19:30]

Es hat ja erst eine Sonderprüfung von einer zweiten Wirtschaftsprüfung von KPMG bedurft, um die Probleme aufzudecken. Und die konnten dann mit einem Team von Forensic geschulten, in Wirtschaftskriminalität geschulten Experten ans Werk gehen. Was bei einer normalen Jahresbilanz Prüfung gar nicht gemacht wird.

[00:19:47]

Richtig, KPMG hat zum Beispiel ehemalige Frankfurter. Unter Vertrag und die kennen sich natürlich mit Verschleierung ganz besonders aus. Die haben dann als erste herausgefunden, dass etwas nicht stimmt, und zwar gravierend, nicht stimmt. Und heute? Da gehen die Prüfer davon aus, dass hier ein hohes Maß an krimineller Energie im Spiel war, das hier eine ganze Bande an Betrügern am Werk war und diesen Milliarden Betrug am Ende möglich gemacht hat.

[00:20:11]

Deswegen sprechen wir im Laufe unserer Reihe auch mit Experten, die uns genau Auskunft zu den Aufgaben von Wirtschaftsprüfern geben können. Im Moment richten sich ja viele Blicke auf einen der Big Four der vier großen internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften hat die letzten zehn Jahre die und keine Unregelmäßigkeiten gefunden. Das klingt etwas unglaublich. Und wie so etwas sein kann, das werden wir später zum Beispiel noch genauer mit der Expertin für Wirtschaftskriminalität Betrug. Susanne Grau in der Schweiz besprechen.

[00:20:44]

Das kann aber passieren, wenn man sich über die Jahre schon kennt und ein Vertrauensverhältnis hat. Und das ist ja nichts Negatives. Ein gutes, eine gute Geschäftsbeziehung zwischen dem geprüften Unternehmen ist nicht schlecht. Aber es kann passieren, dass man sich vielleicht hierauf verlässt. Ich gebe dir die Stichprobe vorbereiten, und dann ist es genau passiert, dass man hinters Licht geführt wird.

[00:21:11]

Das ist das, was wir heute wissen, nach außen. Aber da hat Bayer-Kreuz sehr erfolgreich eine strahlende Fassade aufgebaut. Man muss nur mal reinhören, wie Markus Braun seine Firma bei öffentlichen Auftritten dargestellt hat.

[00:21:22]

Wir sind heute auf allen fünf Kontinenten aktiv. Gerade über Technologie kann ich sehr leicht globalisieren und kann diese Chancen nutzen. Am Ende des Tages geht es darum, durch positive Visionen Chancen zu nutzen. Dabei ist ja vom Typ her ja, sagen wir mal unauffällig, ein schlanker, großer Mensch, promovierter Wirtschaftswissenschaftler, gerade 51 Jahre alt, kurze Haare, trägt dunkle Anzüge mit Rolli drunter, fast so ein bisschen wie Steve Jobs bei Apple. Auch eine Nickelbrille, die schon mal schief sitzt.

[00:22:01]

Der hat jetzt nicht so eine Ausstrahlung wie Michael Douglas in Wall Street oder Leonardo DiCaprio, sondern eher, sagen wir mal, etwas stimmt.

[00:22:11]

Das würde ich auch so sehen. Und Braun? Der hat noch eine andere Eigenart. Er hat zum Beispiel eine Vorliebe für diese etwas esoterischen Heilsversprechen aus dem Silicon Valley, die die Zukunft ja vor allem mit Algorithmen beschreiben. Viele haben ihm das geglaubt, die haben ihm seine Visionen geglaubt, und zumindest nach außen hat er sein Unternehmen ja auch zu einer strahlenden digitalen Erfolgsgeschichte gemacht. 2018 hat Wirecard die Commerzbank aus dem Dax geworfen. Und zu den besten Zeiten da war der Konzern fast 24 Milliarden Euro wert, also mehr als die Deutsche Bank.

[00:22:42]

Und das alles mit einem Geschäftsmodell, das zwar auf den ersten Blick ziemlich kompliziert klingt, eigentlich aber ganz einfach ist. Makart ist so eine Art PayPal, aber nicht für dich oder für mich, sondern für Firmenkunden. Erklärt wickelt Zahlungen ab. Für Online-Shops, für Einzelhändler wie Markus Braun ist immer versprochen, hat schnell und praktisch unsichtbar. Jetzt wissen wir Alle Menschen zahlen immer weniger mit Bargeld und immer mehr digital. Das war die große Hoffnung von Wirecard, auf diesem Markt der Zukunft eine wichtige Rolle zu spielen.

[00:23:10]

Und diese digitale Zukunftshoffnungen hat viele in der Old Economy Deutschland elektrisiert, formuliert der Markt heute.

[00:23:18]

Das ist Wachstum. Ich glaube, das ist der entscheidende Punkt. Wir sehen bei Technologie getriebenen Geschäftsmodellen quer über alle Branchen ein Marktwachstum von zwölf bis 14 Prozent. Wer darüber wechselt, gewinnt Marktanteile.

[00:23:40]

Wir hatten jetzt im ersten Halbjahr ein organisches Wachstum von über 30 Prozent auf Umsatz, was uns wieder zu der Frage bringt Warum macht jemand wie Markus Braun so? Was hat er davon? Will er noch reicher? Weil er noch einflussreicher werden? Will er noch mehr von wichtigen Politikern wie österreichs Kanzler, Kurz oder anderen bekannten Persönlichkeiten hofiert werden? Das haben wir gefragt. Die ist nicht nur bekannte Anlagen Expertin, sondern vor allem hat sie auch den Bestseller mit dem Namen Super Hubs geschrieben, indem sie beschreibt, wie die Netzwerke der wirklich Mächtigen weltweit funktionieren und warum sie sich so lange halten.

[00:24:18]

Da kommt Homogenität in der heißt Gleich und gleich gesellt sich gern da eben zusammen. Die Leute kennen sich vielleicht aus den Universitäten, und wenn nicht, kennen sie Leute, die sich kennen. Man kann sich also auf gemeinsame Referenzpunkte berufen. Man wohnt in den gleichen Vierteln, oder man hat in den gleichen Orten Urlaub gemacht. Da kommt viel zusammen, man ist vertraut, und man tauscht eben auch Privates aus.

[00:24:43]

Und bevor wir in die Welt der großen Politik und der Hochfinanz aufsteigen, da fangen wir in unserer nächsten Episode jetzt erst mal mit den beiden. In unserer Geschichte an Vorstandschef Markus Braun und seinem Asien vorstand und möglich mache. Wir wollen wissen Was hat Sie eigentlich zu dem gemacht, was Sie sind? Wie haben Sie Ihre Netzwerke aufgebaut? Und wie konnten Sie so lange den schönen Schein rund um Wirecard aufrechterhalten? Wir fragen außerdem, wie man so schnell abtauchen kann, wie das jetzt gemacht hat und wer vielleicht auch verhindern will, dass er wieder gefunden wird.

[00:25:16]

Bei den Datenbeständen sind für andere Goldwert zum Beispiel Bewegungsmuster zu erkennen. Wenn jetzt ein Vorstandschef oder ein Politiker nicht morgen Schlagzeilen über sich auf den porno-seiten bewegt oder ist in diesem oder jenem Etablissement gewesen, oder hat die Prostituierte bezahlt? Welcher Politiker möchte sich das antun? Welcher Vorstandschef möchte sich das antun? Welcher Unternehmer? Doch kein Mensch. Das wiederum macht sie aber auch erpressbar. Genau so funktionieren die Geschäfte.

[00:25:51]

Außerdem sprechen wir über die Wien und die Berlin Connection. Wir versuchen uns an Charakterstudien zu Managern im Rausch der Macht.

[00:26:04]

Allein das alles ich überall, wirtschaftlich, technologisch, in allem auskennen.

[00:26:14]

Und was er verlangt, ist, absolute Loyalität des Bundeskanzleramts zu sein. Ich habe einen unmittelbaren Zugang zur Macht und damit auch zu Bundeskanzler.

[00:26:29]

Letztendlich geht es ja bis ins Kanzleramt. Das heißt, es wird so groß, dass man denkt, das kann nicht sein, dass es unmöglich irgendeinem hätte das ja mal auffallen müssen.

[00:26:42]

Danke an dieser Stelle an unser Produktionsteam Regina Karner. Bei professionell Podcasts und das Team dort für die Plattform und den Support. Danke Ihnen fürs Zuhören. Bleiben Sie dran! Wir freuen uns natürlich über eine interne Bewertung. Wir freuen uns über Kommentare und Kritik und über das Teilen. Sie finden uns auf allen gängigen Plattformen. Nächste Woche kommt Episode 2 der großen carapax, und wir sind vom Handelsblatt. Wenn dir diese Frage gefällt, kannst du ab jetzt jeden Mittwoch neue Folgen bei Primo anhören.

[00:27:27]

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