Happy Scribe Logo

Transcript

Proofread by 0 readers
Proofread
[00:00:03]

Herzlich willkommen zu Handelsblatt zu dem neuen Podcast aus unserem Newsroom in Düsseldorf. Wir sprechen von Montag bis Freitag in rund 20 Minuten über aktuelle Nachrichten und deren Bedeutung für die Finanzwelt. Heute ist Montag der 17. August, und ich bin Mari Abdel Asis.

[00:00:25]

Es ist gerade mal ein paar Tage her, da hat die Deutsche Börse ihre Regeln angepasst. Anders als zuvor müssen Unternehmen die Dax familie. ab jetzt spätestens nach zwei Handelstagen verlassen, sobald auch nur einen Insolvenzantrag gestellt wurde. Heißt konkret Der insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard muss seinen Platz im deutschen Leitindex räumen. Und auch wenn es erst am kommenden Mittwoch offiziell verkündet wird, ist für viele Börsenexperten bereits jetzt schon klar Der Lieferdienst Delivery Hero legt bei den entscheidenden Aufstiegs Kriterien, also Marktkapitalisierung und Börsel Umsatz vorne.

[00:01:01]

Und damit heißt es noch in diesem Monat Raus aus dem MDax, rein in die erste Liga. Die Aktie hat sich seit ihrem März tief von abgerundet 50 Euro fast verdoppelt. Also eindeutig einen Coruña Gewinner. Zweifel an Geschäftsmodell gibt es allerdings auch unter anderem von unserem Handelsexperten Florian Käufer.

[00:01:20]

Erstens ist noch überhaupt nicht klar, wann das Unternehmen zum ersten Mal einen Konzerngewinn machen wird. Zweitens ist der aktuelle Umsatz Boum auch durch Coruna ausgelöst. Wie nachhaltig ist das? Bleibt die Frage. Und drittens ist das Unternehmen in allen großen Märkten Deutschland, USA, China, Japan, Großbritannien nicht präsent. Man fragt sich Scheuen Sie die Konkurrenz?

[00:01:44]

All das besprechen wir gleich mit dem Chef von Delivery Hero, dem gebürtigen Schweden Niklas elsberg. Danach schalten wir noch rüber nach Washington zu unserer US Korrespondentin Annette Meirelles. Denn heute startet der Parteitag der US-Demokraten. Heute geht es um die Hauptbotschaft im Wahlkampf und damit eben auch um die Frage, mit welchen Plan die Demokraten die angeschlagene US-Wirtschaft retten wollen.

[00:02:12]

Und wir starten unsere Folge mit einem kurzen Blick auf die Märkte und dafür bin ich jetzt verbunden mit unserem Börsenexperten Markus Koch. Die Aktienmärkte haben sich in den letzten Monaten extrem positiv entwickelt. Ganz besonders die Tech-Branche. Apple, Amazon, Facebook alles Gewinner der Krise. Weniger Aufmerksamkeit hat in den letzten Fallt der Rentenmarkt bekommen. Der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren das könnte sich bald ändern. Warum?

[00:02:39]

Nubier sehen, dass der Aktienmarkt ja nun boomt. Wie sehen die Wirtschaftsdaten im Juli? Obwohl wir mit einer temporären Pausieren rechneten. Die Wirtschaftsdaten waren alle besser als erwartet. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, der Arbeitsmarkt, der Konsum, die Industrie und auch die Inflationsdaten, die Verbraucher und Erzeugerpreise waren überraschend hoch. Damit kommt jetzt erstmals seit langer Zeit auch Druck an den Rentenmärkten auf. Die Renditen der Staatsanleihen fangen an zu steigen.

[00:03:10]

Genauer gesagt Die Renditen fangen an zu steigen. Bei den US-Staatsanleihen. Was heißt das konkret? Welche Chancen und welche Risiken gibt es jetzt?

[00:03:20]

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Renditen mal von 0 4 auf 0 7 steigen. Das klingt nach gar nichts. Eigentlich. Wir sind ja immer noch sehr niedrig. Aber die Renditen sind letzte Woche so stark gestiegen wie noch nie zuvor ein Plus von 33 Prozent in fünf Handelstagen. Der Technologiesektor ist hier ein ganz, ganz großer Gewinner. Negative Realzinsen bringt Geld nichts kostet quasi. Dann profitieren die großen Wachstums Konzerne. Dann profitiert der Goldpreis, dann wird der US-Dollar schwächer.

[00:03:51]

All diese Trends. Wenn die Renditen jetzt überraschend anfangen sollten zu steigen. All diese Trends könnten dann kippen.

[00:03:59]

Welchen Einfluss hat denn die Notenbank Fed auf die Renditen? Ich meine die nächste Tagung.

[00:04:03]

Die steht ja schließlich schon am 16. September an. Und das wird die mit Abstand wichtigste Tagung in sehr, sehr langer Zeit sein. Die US-Notenbank kann sich hier keine Fehler erlauben. Man geht davon aus, dass man jetzt nicht mehr quasi eine fixe Inflationsrate als Messlatte anpeilt, also zwei Prozent, sondern dass man in Zukunft einen Durchschnitt nehmen wird. Und damit erlaubt die amerikanische Notenbank, obwohl die Inflation heiß läuft, dass die Zinsen am Boden bleiben. Man wird auf Jahre die Zinsen nicht anheben, und das ist das Signal, das am 16.

[00:04:35]

September geliefert werden muss. Sonst drohen die Renditen der Staatsanleihen weiter zu steigen. Der Finanzierungsbedarf ist sehr hoch in den USA. Viele 700 Prozent der ausgegebenen Staatsschulden müssen in den nächsten zwölf Monaten refinanziert werden. Und damit muss die amerikanische Notenbank eingreifen, sonst ziehen die Renditen an. Und der Aktienmarkt könnte leiden. Markus Besten Dank für deine Einschätzung!

[00:04:58]

Und bis bald.

[00:05:05]

Zwischen März und Mai, also in Zeiten des weltweiten Lock Downs, konnten viele Menschen keine Restaurants besuchen und immer selbst kochen. Da haben auch nicht alle Zeit und Lust. Für den Lieferdienst Delivery Hero war genau das ein echtes Erfolgserlebnis. Ein Plus von 94 Prozent im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Jetzt ist der Look down ja fast überall wieder aufgehoben. Die Menschen essen wieder in den Restaurants, bestellen also weniger. Und trotzdem muss der Lieferdienst seinen Kunden Wachstum weiter antreiben, um möglichst schnell schwarze Zahlen zu schreiben.

[00:05:42]

Was unternimmt Delivery Hero, um das zu erreichen? Darüber spreche ich jetzt mit Niklas Astwerk. Hallo, Herr Berg! Starke Nachrichten am Mittwochabend letzter Woche vor wenigen Jahren. Da waren Sie noch ein Startup. Jetzt sind Sie bald im Dax. Wie fühlt sich das an?

[00:05:59]

Das war nie wirklich so ein Ziel, den Fokus eher auf das Service und den Kunden. Aber es freut mich natürlich sehr, dass ich dann auch hoffentlich reinkommen.

[00:06:12]

Nun sind Sie ja bald mit ziemlicher Sicherheit das einzige Unternehmen im Dax ohne Deutschlandgeschäft. Ich weiß, dass bei anderen Dax-Unternehmen wie SAP ähnlich, aber gerade jetzt, wo es mit dem Asien Geschäft von Wirecard doch so schief ging. Glauben Sie nicht, dass Anlegern das Vertrauen in ein reines Auslandsgeschäft fehlt?

[00:06:31]

Momentan scheint das nicht der Fall zu sein. Ich glaube eher, dass es jetzt gerade dies zeigt, dass wir auch ein bisschen Technologieunternehmen rein in den Dax bekommen. Wenn wir in den USA oder Handymarkt schauen, dass Unternehmen wie Facebook, Google, Netflix und so weiter gerade Technologieunternehmen sind, dann in Deutschland ein bisschen hinterher. Ich bin froh, dass wir da vielleicht auch etwas ändern können.

[00:07:03]

Vielleicht ist es auch eher ein Problem. Anleger wissen nicht, was Tausende Kilometer weiter weg passiert. Man hat also kein Augenmerk auf das Geschäft. Das kann auch verunsichern. Was wollen Sie tun, damit der deutsche Anleger Ihr Geschäft besser versteht?

[00:07:16]

Ich glaube, wir müssen immer sehr transparent mit ihnen. Investoren zeigen genau, was wir tun, wo wir wachsen, was unsere Profitabilität nach Ländern, wo es liegt. Und ich glaube, da haben wir auch sehr großes Vertrauen aufgebaut. Und ich hoffe, dass wir das Vertrauen behalten. Durch diese Transparenz, die wir auch gezeigt haben.

[00:07:41]

Was bedeutet Transparenz denn noch für Sie? Auch mit Hinblick darauf, was bei Wirecard nicht funktioniert hat.

[00:07:48]

Im ersten Fall ist auch das, was wir alle verstehen können. Wir verstehen Das Produkt wird geliefert, existiert, und das Carneval lässt sich auch einfacher für Anleger verstehen. Was genau tun wir? Ich glaube, man hat viele andere Geschäftsmodelle, wie zum Beispiel Payments oder Banken. Es ist sehr schwer zu verstehen, was passiert bei einem Banken am Tag Ihres Depots?

[00:08:23]

Da haben Sie gesagt Mit Wachstum und Größe kommt Profitabilität. Ja, ich weiß, Sie wollen nicht darüber sprechen. Aber man muss ja sagen, drei Jahre später. Ihre Erfolgsgeschichte geht weiter. Aber Verluste schreiben Sie trotzdem, und zwar mit 648 Millionen Euro im letzten Geschäftsjahr. Die Märkte Ihrer Branche sind hart umkämpft, und es gibt viel Konkurrenz. Das ist sicher ein Grund von mehreren, warum sie sich nicht festlegen wollen. Aber es ist natürlich das, was spätestens jetzt alle wissen wollen.

[00:08:53]

Wann werden Sie Gewinne schreiben?

[00:08:56]

Oh ja. Ich wünschte, ich könnte sagen, was ich sagen kann und darf. Ist das schon profitabel in Europa? Das haben wir ja gerade geschafft, in Europa letztes Jahr sogar. Jetzt investieren wir sehr, sehr viel in Asien. Fast eine Milliarde, die wir abdecken wollen. Und das werden wir. Mehrere hundert Millionen investiert in diesem Bereich, auch in Lateinamerika. Pro Bestellung fangen wir jetzt an einen kleinen Deckungsbeitrag, aber nicht groß genug, um den Marketing abzudecken.

[00:09:52]

Und so weiter. Dafür brauchen auch und hoffen wir, dass wir dann in den nächsten Jahren erreichen. Aber genau das. Das müssen wir mal abwarten. Klar, wann genau, ist schwer zu sagen, aber vielleicht Ende nächsten Jahres könnte das was werden dieses Jahres?

[00:10:16]

Auf keinen Fall und auch nicht nächstes Jahr. Wir wachsen viel zu schnell. Wir wollen auch weiter wachsen, und wir verdienen pro Bestallung. Wir müssen einfach nur genügend Bestellungen erreichen.

[00:10:26]

Jetzt gibt es ja die Möglichkeit, Anleihen nach Absprache in Aktien einzutauschen. Lassen Sie uns kurz darüber sprechen. Sie haben über solche Wandelanleihen vor kurzem 1,5 Milliarden Euro eingesammelt. Was haben Sie damit vor?

[00:10:39]

Wir haben ein großes Unternehmen in Korea gekauft. Das hat vier Milliarden Dollar gekostet. Das ist ein Grund ist, dass wir eben noch im Service Wachstum. Wir gehen auch in andere Betriebe die Lieferung von Lebensmitteln, sogar Elektronik. Blumen. Eigentlich alles, was man liefern kann.

[00:11:16]

Lohnt sich das? Sie haben es gerade schon gesagt Sie liefern in mehreren Ländern Supermarkt, Produkte und Medikamente aus. Wie viel Potenzial liegt in dem Bereich?

[00:11:25]

Wir glauben, dass es sich lohnen wird. Aber momentan kostet das aufzubauen. Aber wie wir, so wie wir denken, dass die Kunden wollen, das wollen, das haben.

[00:11:39]

Lassen Sie uns mal kurz auf Ihre Absatzmärkte schauen, im Nahen Osten und in Nordafrika. Da sind sie sehr stark und auch profitabel. In Asien sind sie auch stark, aber immer noch mit hohen Verlusten. Jetzt gibt's noch Lateinamerika, besonders durch die Krise. Für Sie ein sehr wachsender Markt. Aber wie sieht es ansonsten im Rest der Welt aus? In Amerika zum Beispiel haben sich ja nun Lieferdienste wie Juba breitgemacht. Wie gehen Sie damit um? Wagen Sie den Kampf?

[00:12:04]

Bis jetzt haben wir den Schritt nicht gewagt. Ob wir das in Zukunft tun, müssen wir schauen. Ich glaube, wir tun es nur, wenn wir wirklich Produkte der fünffach.

[00:12:21]

Was wären denn Kriterien dafür, fünffach besser als die Konkurrenz zu sein?

[00:12:28]

Aber wenn ein Produkt innerhalb von 20 Minuten an den Kunden reinkommt? Die absolute beste Westfalens, wenn man Lebensmittel innerhalb von 15 Minuten bestellen oder E-Commerce Produkte, wie man oft bei Amazon und anderswo vielleicht einen Tag, zwei Tage dauern. Wenn wir das liefern können, dann innerhalb von einer Stunde. Was wir tun, haben wir auch den lokalen Geschäfte nutzen und mit denen das zusammenarbeiten. Dann würde ich mal sagen, dass es ein Vielfaches an Wettbewerbern in den USA könnte Nachhaltigkeit nicht ein Kriterium sein?

[00:13:14]

Mit Blick auf die Zielgruppe, die ja wirklich immer größer wird. Immer mehr Menschen legen total Wert darauf, wie die Produkte hergestellt werden, wie sie angeliefert werden. Das ganze Thema Elektromobilität, das kann ja auch eine Rolle spielen.

[00:13:27]

Genau. Und ich hoffe, Sie legen viel Wert darauf. Wir sind jetzt auch CO2 neutral in Europa, natürlich auch ein Teil davon. Reduktion von CO2 auch viele Millionen in Packungen investiert, um das auch nachhaltig zu gestalten. Nächstes Jahr wollen wir dann auch weltweit CO2 neutral sein.

[00:14:04]

Kurz nochmal zu Korea. Sie haben es schon angesprochen. Sie wollen den dortigen Marktführer Ihrer Branche übernehmen. Jetzt fehlt aber noch die Zustimmung der Kartellwächter. Oder hat sich da mittlerweile etwas getan?

[00:14:15]

Das stimmt. Wir hoffen da ein weiteres halbes Jahr, dass wir die Bestätigung bekommen, dass es nicht kommen soll. Wir werden sehr viele Innovationen, neue Produkte wie zum Beispiel an Lebensmitteln. Wir haben auch da große Konkurrenten wie Google und Facebook. Aber wir machen auch viel Geschäft. Und dann auch Kuban, die von Softbank finanziert sind. Die machen dann aber gerne auch sehr hart. Beim. Aber damit sind wir gewarnt. Sie haben Ihren Hauptsitz in Berlin, aber die marktführung in Deutschland haben Sie damals nicht geschafft.

[00:15:15]

Ist wahrscheinlich ein Grund, warum Sie schon lange an die Konkurrenz verkauft haben. Damals haben Sie gesagt, es war die richtige Entscheidung. Wie sieht das heute aus?

[00:15:24]

Ich glaube, dass die richtige Entscheidung war. Vielleicht sogar ein bisschen größer. Aber um wirklich profitabel zu arbeiten, müsste man sehr viele Bestellungen liefern. Wir verdienen auch sehr, sehr wenig Bestellungen, und deswegen kann man entweder die Preise erhöhen. Was wir aber überhaupt nicht wollen.

[00:15:57]

Sie haben gerade gesagt, Sie verdienen wenig pro Bestellung. Wie viele denn genau?

[00:16:01]

Was verdienen nach Bezahlung an den Lieferdienst? So ungefähr. Das heißt, wenn man im Durchschnitt ungefähr 100 Euro verdienen?

[00:16:16]

Letzte Frage Wie feiern Sie das Upgrade in den Dax? Das habe ich nicht belegt. Ich habe keinen Plan. Es ist sehr gut. Ich bin sehr stolz, was alle geschafft haben, und die Arbeit, die geleistet wurde, am besten. Das Tun ist das Richtige.

[00:16:44]

Ein bisschen feiern dürfen wir aber trotzdem. Corona Herzlichen Dank für das Gespräch. Vielen vielen Dank!

[00:16:55]

Und jetzt schalten wir noch kurz rüber nach Washington zu unserer US Korrespondentin. War Thema heute der Parteitag der US-Demokraten und damit eng verbunden das Chaos um die Wahlen, das sich jetzt schon abzeichnet. Die Post in Amerika ist finanziell stark angeschlagen, und Trump macht keine Anzeichen, dass er hier mit Hilfsgeldern unterstützen möchte. Was folgt daraus? Die Briefwahl in den USA sind stark gefährdet.

[00:17:26]

Dabei will Trump die US-Wahl bewusst gefährden.

[00:17:34]

Er will zumindest nicht dafür sorgen, dass die Wahlen reibungslos ablaufen. Sprich Er verweigert das dringend notwendige Geld für die Wahl Logistik, die in Coruña Zeiten natürlich ganz anders als sonst aufgestellt werden muss. Das muss man sich mal gerade vergegenwärtigen. Ja, wir haben eine Pandemie, was dazu führt, dass viele Menschen per Brief wählen werden. Hier bei mir im Viertel zum Beispiel kommen Briefe teilweise seit zwei Wochen nicht mehr an. Man sieht, irgendwas funktioniert hier nicht. Briefkästen werden abgebaut, Filialen geschlossen.

[00:18:03]

Das ist aus meiner Sicht für das reichste Industrieland der Welt ganz schön erschreckend. Um auf deine Frage zurückzukommen Trumps Kritiker sprechen von Sabotage. Manchmal lese ich sogar den Begriff Diktatur. Ich bin dafür, dass wir ganz, ganz vorsichtig mit solchen Begriffen sind. Aber es ist eben so, dass der Präsident ein Desaster für die US Demokratie in Kauf nimmt.

[00:18:24]

Ja, lasst uns mal kurz auf die Konkurrenz schauen. Heute startet ja der Parteitag der Demokraten. Normalerweise sind die Parteitage so etwas wie eine Riesenparty. In Zeiten von Coruna, da wird das schwer. Wie gehen die Parteien damit um? Welche kreativen Ideen fallen Ihnen hier ein?

[00:18:42]

Die Demokraten und die Republikaner. Normalerweise ist das ein riesen Happening in einer Halle. Und jetzt? Bei den Demokraten ist es so, dass die Beiträge aus allen 50 Bundesstaaten einlaufen. Das ist komplett dezentral, läuft komplett im Internet ab, und die Demokraten veranstalten fast hundert sogenannte Vaz Partys. Popstars streamen ihre Songs. Es werden Anhänger live freigeschaltet, und Trump geht auf die Straße. Er tourt vier Tage lang am Stück durch wichtige Bundesstaaten, um den Demokraten die Show zu stehlen.

[00:19:15]

Was ist denn dein erster Eindruck vom Tandem Joe Biden und Kamarilla Harris?

[00:19:20]

Die beiden wirken ganz schön selbstsicher. Muss ich sagen siegesgewiss. Das liegt vielleicht auch an den Umfragen, die ja ganz gut für sie gerade aussehen. Aber man muss auch sagen, dass sie ganz schön auf Nummer sicher gehen. In der ersten Rede, die die beiden zusammen gehalten haben, gab es keinen einzigen überraschenden Moment. Vielleicht wollen Ihre Strategen ja auch genau das gegenüber Trump solide wirken. Bloß kein Ausrutscher, bloß keine Angriffsfläche. Denn Drama gibt es ja schon genug im Weißen Haus.

[00:19:49]

Die große Frage ist ja jetzt Wie wollen die Demokraten die US-Wirtschaft retten?

[00:19:53]

Mit ganz, ganz viel Geld und ganz viel Staat. Sie wollen viel regulieren. Zum Beispiel die Umweltvorschriften, die Trump alle abgewickelt hat. Wollen Sie wieder auf? Setzen? Grüne Energie, Infrastruktur, Sozialleistungen wie das alles bezahlt werden soll, ist noch ein bisschen unklar. Sie wollen auf jeden Fall die Steuern erhöhen, auch für Wohlhabende. Und die Unternehmenssteuern sollen auch wieder hoch. Ob die Wählerschaft das will, sehen wir im November. Was aber für Europa vor allem interessant wird, ist die Handelspolitik.

[00:20:25]

Den beiden tritt ganz schön protektionistisch auf. Heißt so eine Kehrtwende in der Handelspolitik? Zurück zum Freihandel. Die werden wir auch unter beiden nicht sehen.

[00:20:36]

Jetzt bist du ja ganz nah dran. Du lebst in den USA, du bekommst die Zustände seit Jahren mit. Wie stehst du dazu? Welcher Präsident? Welche Partei hilft Amerika mehr?

[00:20:45]

Das ist schwierig. Ich sehe auch Joe Biden kritisch. Er ist kein perfekter Kandidat, ganz bestimmt nicht. Vor allem, weil er zwei Drittel von seinen Wahlversprechen wahrscheinlich nicht finanziert kriegen wird. Aber was ich schon sehe, ist, dass er mit Camilla Harry's und einem hoffentlich kompetenten Kabinett vielleicht eine Verlässlichkeit zurück ins Land bringt. Und das wäre für das Krisenmanagement der US-Bürger und auch für Europa die bessere Wahl. Ganz lieben Dank für deine Information und liebe Grüße nach Washington.

[00:21:16]

Danke auch. Das war heute unsere Folge von Handelsblatt Today. Redaktionsschluss für diesen Podcast war 16 Uhr. Wenn Sie Anmerkungen, Fragen, Kritik und oder Lob zu dieser Folge haben, schreiben Sie uns gerne per E-Mail an das Handelsblatt Group. Und jetzt einen schönen Feierabend für Sie. Machen Sie es gut bis morgen.