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[00:00:04]

Hallo und herzlich willkommen zu Handelsblatt Today, Ihrem börsentäglich Podcast direkt aus dem Newsroom in Düsseldorf. Wir sprechen über die wichtigsten Nachrichten des Tages und darüber, was die für die Finanzwelt bedeuten. Heute ist Dienstag der erste September, und mein Name ist Lena Bulat.

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Sie ist erst 18 Jahre alt und in 19 Ländern zu Hause. Sie ist berühmt, hat vermutlich schon die ganze Welt gesehen, und sie ist unglaublich stark. Fast könnte man meinen, ich spreche von einem Instagram Sternchen mit Pippi Langstrumpf. Doch weit gefehlt. Die Rede ist von unserer europäischen Gemeinschaftswährung. Der Euro ist im Vergleich zum Dollar auf einen neuen Höchststand geklettert und nähert sich der Marke von einem Dollar 20.. Zugegeben, der Euro hat im Vergleich zum Dollar schon einige Male ordentlich zugelegt und dann recht schnell die Kehrtwende gemacht.

[00:01:04]

Das ist also eigentlich nichts Besonderes, könnte man zumindest meinen. Warum also wird warum gerade jetzt so viel Wind gemacht? Und wie lange hält der starke Kurs verhältniss noch an? Das vergeht Ihnen gleich unser Handelsblatt Finanzmarkts Spezialist Ulf Sommer. Er sagt Die Euro-Stärke hat deutliche Schwächen, denn die Aufwertung kommt in diesem Jahr zur Unzeit. Um Geld geht es auch am Ende der Sendung viel Geld. 15 Milliarden Euro, um genau zu sein.

[00:01:34]

Es hat uns zu den schwersten Einschränkungen unserer Grundrechte geführt bei der Bekämpfung der Pandemie. Und wir haben damit auch die schwerste Krise der wirtschaftlichen Entwicklung in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu bewältigen. Das zeigt sich allein heute an diesem Tag, an dem mehr als sieben Millionen Kurzarbeiter. Sie sind ein Indiz dafür, und es ist klar, dass das Ganze eine mutige Antwort braucht.

[00:02:04]

Wobei es darum geht, Arbeitsplätze zu sichern, die Wirtschaft am Laufen zu halten oder wieder zum Laufen zu bringen, das ist die Dimension des Konjunkturpakets, das wir aufgelegt haben.

[00:02:15]

Eine mutige Antwort, sagt Merkel, sei das Konjunkturpaket und ambitioniert, vielleicht jedoch zu ambitioniert. Denn noch scheint das Konjunkturpaket nicht zu helfen. Mit unserem Redakteur für Finanzpolitik, Jan Hildebrandt, spreche ich darüber, wie viel von dem angepriesenen Geld die Unternehmen tatsächlich schon gesehen haben. Welche Versprechen bislang unerfüllt blieben und auf eine reelle Chance besteht, dass sich bald etwas dran ändert.

[00:02:47]

Zuallererst halten wir in unserer Finanz Redaktion nach Frankfurt und schauen uns an, was die Märkte heute bewegt. In der Leitung ist mein Kollege Jan Malin Jan. Die Inflation im Euroraum ist im August laut der heute veröffentlichten Schätzung des europäischen Statistikamtes Eurostat auf minus 0,2 Prozent gefallen. Wie sind diese Zahlen zu bewerten?

[00:03:08]

Die Zahlen sind äußerst schwach, muss man sagen. Man muss allerdings berücksichtigen, dass auch ein paar Sondereffekte mit rein spielen. Zum Beispiel ist ja in Deutschland die Mehrwertsteuer zum 1. Juli gesenkt worden, von 19 auf 16 Prozent vorübergehend. Das drückt die Inflation. Und dann gab es in Ländern wie Frankreich und Italien noch den Effekt, dass der Sommerschlussverkauf verschoben wurde.

[00:03:35]

Die Europäische Zentralbank gestrebt ja eine Inflation von knapp unter 2 Prozent für den Euroraum an. Dieses Ziel ist jetzt in sehr weiter Ferne. Was bedeutet das denn für EZB Chefin Christine Lagarde und ihre Kollegen?

[00:03:49]

Ja, die stehen dadurch ziemlich unter Druck, weil die EZB das zweiprozent Ziel ja auch schon vor der Krise über längere Zeit verpasst hat. Und jetzt sind die Chancen noch schlechter geworden, dass die Inflation schneller wieder steigt. Von daher sinkt auch ihre Glaubwürdigkeit. Oder die Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel, weil sie einfach ihr Ziel schon seit langer Zeit verpasst.

[00:04:14]

Wie stehen die Chancen, dass die Inflation wieder stärker steigt?

[00:04:18]

Kurz und mittelfristig, würde ich sagen, sind die Chancen eher schlecht. Das liegt vor allem daran, dass im Zuge der Krise die Arbeitslosigkeit stark gestiegen ist, gerade in Ländern wie z.B. Italien oder Spanien. Und das wird auch die Lohnentwicklung erst einmal drücken. Und höhere Inflation gibt es eigentlich nur, wenn auch die Löhne stärker steigen. Jedenfalls in der Regel auf längere Sicht. Kann es schon sein, dass die Inflation wieder stärker steigt, weil ja die Notenbanken jetzt auch als Reaktion auf die Krise sehr viel Liquidität in Umlauf gebracht haben?

[00:04:54]

Und das wird auf längere Sicht dann vielleicht schon die Preise auch stärker stützen.

[00:05:09]

Es folgt nun ein kurzer Beitrag unseres Sponsors. Wir sind gleich wieder da. Der handels Konflikt beleibten Wesen großartige Erliess erwarten. Der Handel muss wieder anziehen. Wie wär's, wenn Sie Ihr Geld anlegen? Und Sie würden dabei nicht nur eine gute Rendite erzielen, sondern auch gleichzeitig etwas für unser Klima und unsere Gesellschaft tun? Wir bei der Hypo-Vereinsbank sind schon seit über 15 Jahren im Bereich nachhaltige Geldanlage aktiv. Ich bin Philipp Starkes, und ich bin Chef Anlagestratege bei der Hypo-Vereinsbank.

[00:05:40]

Meine Kollegen und ich wissen genau, wie sie ihr Geld nicht nur Wert steigernd, sondern auch nach den sogenannten Kriterien anlegen können. Das heißt also nachhaltig mit Blick auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Nachhaltigkeit ist Teil unserer DNA. Wenn Sie mehr darüber wissen möchten, wie wir das traditionelle Bankgeschäft mit gesellschaftlicher Verantwortung verbinden, dann schauen Sie doch mal vorbei persönlich oder gleich hier in den Schauprozeß.

[00:06:10]

Der Euro hat an diesem Dienstag mit einem Wert von 1,1 neun neun sieben Dollar ein neues Jahreshoch erreicht. Höher notierte der Kurs zuletzt im April 2018. Es ist verlockend zu glauben, dass der Grund dafür eine erfolgreiche Krisenpolitik der EU ist. Aber ist das wirklich so? Bei mir im Studio ist jetzt unser Finanzmarkts Spezialist Ulf Sommer. Der Euro hat in seinen noch jungen Jahren im Vergleich zum Dollar schon oft ziemlich stark auf und wieder abgewertet. Es gab ja häufiger Unterschiede von 20 und mehr Prozent.

[00:06:41]

Das letzte Mal war vor zwei Jahren, ist also noch gar nicht so lange her. Aber warum wird der Dollar denn jetzt gerade immer schwächer? Warum wird der Euro jetzt immer stärker?

[00:06:52]

Ja, das hat zwei Gründe. Zum einen die Girona Pandemie, die es in Europa erscheint, die vielen besser im Griff, besser unter Kontrolle zu sein. Im Verhältnis zu Amerika, also in Amerika, ist vieles noch sehr chaotisch, sehr viel durcheinander, weil Trump auch lange, lange Zeit gezögert hat, überhaupt etwas gegen die Krise zu tun. Auch jetzt ist immer noch kein klares Konzept zu erkennen, und das ist in Europa besser der Fall. Das ist der eine Grund, dass man glaubt, dass die Wirtschaften möglicherweise in Amerika noch länger leiden wird unter der Pandemie, unter den vielen, vielen Neuinfektionen.

[00:07:33]

Und zum anderen Das ist, glaube ich, ein wichtiger Grund, dass es gerade in eine sogenannte Ja, man kann schon davon sprechen eine Zeitenwende gibt, was das Zinsniveau angeht. In Europa sind die Zinsen schon sehr lange sehr niedrig, nämlich bei null. Das heißt, hier bekommt man nichts für sein Geld. Es lohnt sich also nicht, sein Geld anzulegen. Das hat sich in Dollarraum in den USA immer noch gelohnt. Hier bekam man immer noch ein, zwei, drei Prozent Zinsen für Staatsanleihen.

[00:07:59]

Aber hier zeichnet sich jetzt wirklich eine Wende ab, weil auch in den USA das Zinsniveau auf null gesunken ist. Das war schon häufiger der Fall. Aber was jetzt anders ist, ist Es rechnet niemand mehr damit, dass die Zinsen in den USA steigen, steigen werden, weil auch die USA sich auf dauerhaft schwierigere Zeiten einstellen. Und das mit niedrigen Zinsen kompensieren wollen. Und gerade die jetzige Neujustierung des Inflationsziel durch die Notenbanken in den USA zeigt das noch dramatischer dass man die Zinsen noch sehr lange nahe null halten wird.

[00:08:38]

Ist die Bezeichnung starker Euro eigentlich irreführend? Wir sprechen also wirklich eher vom schwachen Dollar?

[00:08:44]

Ja, das ist irreführend. Da stimmt das zu Recht. Der Euro ist ja nicht deswegen stark, weil es uns und Europa und Deutschland so gut geht, sondern das ist ja überhaupt nicht der Fall. Aber Amerika geht es schlecht und erfolgen die. Die Ungewissheiten sind hier größer. Deswegen kann man besser von einer Dollarschwäche sprechen. Ja, auf jeden Fall.

[00:09:04]

Nun heißt es ja, die Aufwertung käme 2020 zur Unzeit. Warum ist das denn so?

[00:09:11]

Sie kommen absolut zur Unzeit. Bislang war es in der Vergangenheit, so lange es den Euro gibt. Der Euro wird dann stark, wenn es Europa und Deutschland gut oder besser geht als in der Vergangenheit, wenn die Wirtschaft brummt, wenn sie boomt. So war das vor zwei Jahren. Dann wertet der Euro auf. Das ist aber nicht so schlimm für die Unternehmen, weil die verdienen sowieso blendend und gut. Dann haben sie gewisse geringe Einbußen durch die starke Währung.

[00:09:37]

Jetzt ist das aber ganz anders. Jetzt sind die Gewinne massiv eingebrochen, und sie brechen noch ein durch die Krise. Und sie werden zusätzlich noch geschmälert durch den starken Euro. In dem Moment, wo nämlich die Unternehmen ihre im Dollarraum erwirtschafteten Gewinne in Euro umrechnen müssen, reduziert sich der Gewinn bilanziell noch weiter.

[00:09:58]

Welche Branchen, welche Unternehmen trifft das besonders hart? Aus deutscher Sicht sind das eigentlich so gut wie alle. Das macht es so prekär, weil das sind im Grunde alle Branchen, die viel mit Export zu tun haben, die viel mit Produktion zu tun haben. Und davon hat Deutschland ganz besonders viel. Allen voran beispielsweise die Autobauer.

[00:10:17]

Ist das auch der Grund, aus dem den Unternehmen die Währungsverluste entstehen?

[00:10:21]

Naja, die Währungsverluste entstehen aus zwei Gründen. Zum einen entstehen sie, wenn sie alle Erträge, die sie im Dollarraum erwirtschaftet haben, in Euro umrechnen. Dann gibt es weniger Euro für viele Dollars, weil der Euro so stark ist. Das andere ist Wenn die Waren im Dollarraum verkauft werden, dann sind sie teurer, weil sie aus dem Euro-Raum kommen und damit weniger wettbewerbsfähig gegenüber den amerikanischen Wettbewerbern.

[00:10:50]

Für all das muss es ja auch eine Lösung geben. Wie können sich denn die Unternehmen gegen diese Folgen wappnen?

[00:10:56]

Naja, sie können zum einen im Dollarraum produzieren, dass sie nicht in Europa produzieren, sondern von vornherein im Dollarraum und dort auch. Verkaufen, das tun die meisten ohnehin schon. Dann entstehen allerdings immer noch Währungsverluste, wenn sie anschließend in ihre Bilanz umrechnen. Und die Bilanzen sind nun mal fast immer in Euro. Sie können darüber hinaus aber auch sogenannte Haddsch Geschäfte machen. Hedging Sie können sich gegen Währungsverluste absichern. Sie können also praktisch die Währung schon jetzt kaufen und haben Sie dann in Zukunft zu einem bestimmten Preis?

[00:11:30]

Aber auch das kostet Geld das Cosic Hedging Gebühren. Von daher eine komplette Rundum Wappens ist nicht möglich.

[00:11:38]

Gibt es dann auch auf der anderen Seite Profiteure, die sich über die starke Währung, die sich über diese Aufwertung freuen?

[00:11:45]

Ja, die gibt es. Das sind wenige. Aber ganz paar gibt es Paradebeispiele. Mit oft genannt ist Adidas. Adidas produziert so gut wie ausschließlich in Asien. Das ist im Grunde auch Dollarraum. Da wird überwiegend in Dollar abgerechnet, verkauft seine Produkte aber in Europa, in Deutschland und in Europa. Die haben dadurch Vorteile. Ein zweiter Profiteur wird immer genannt ist die Lufthansa. Weil die Lufthansa, die vor allen Dingen hohe Kosten durch Kerosin und Kerosin wird, traditionell über den Dollar abgerechnet.

[00:12:16]

Das Dumme ist nur, dass so gut wie keinen oder nur wenige Flieger fliegen, und da wird auch wenig Kerosin verbraucht. Hier hat die Lufthansa im Moment fast gar keinen Vorteil.

[00:12:25]

Eine 0 Summe ist denn auf lange Sicht. Lass uns mal in die Zukunft schauen. Ist denn da eine Kehrtwende im Euro Dollar verhältniss absehbar? Bleibt der Euro erstmal stark und der Dollar schwach? Ja, das ist schwierig.

[00:12:37]

Ich tue mich mit der Vorhersage von Börsen, dass es immer schon ein Blick in die Glaskugel, aber eine Vorhersage?

[00:12:44]

Dollar, Euro das ist so, als ob man in zwei Glaskugeln gleichzeitig gucken muss. Man muss hinter der ersten Glaskugel eine zweite Glaskugel. Euro Dollar vorherzusagen. Wie sich das entwickelt, ist traditionell immer ganz schwierig. Im Moment spricht nichts dafür, warum der Dollar plötzlich wieder aufwerten würde. Der Hauptgrund, warum er gerade so abwertet, ist, dass sich das Zinsniveau in Amerika offenbar aus Sicht vieler Anleger dauerhaft bei null eingependelt. Das ist neu. In der Vergangenheit gab es in den USA immer noch ein bisschen Geld zu gewinnen durch Zinsen, und das ist jetzt nicht mehr der Fall.

[00:13:19]

Dass hier eine Trendwende absehbar wäre, ist gerade jetzt auch durch das neu genannte Inflationsziel der Amerikaner in weite Ferne gerückt.

[00:13:28]

Könnte sich das ändern, wenn Trump nicht mehr Präsident ist?

[00:13:32]

Theoretisch ja, aber praktisch nicht. Also ich würde es nicht prognostizieren. Aus Sicht von Anlegern würde das erst recht nicht darauf wetten.

[00:13:41]

Anleger ist aber ein gutes Stichwort. Wie können Anleger denn mit der Situation umgehen?

[00:13:45]

Ja, eine Theorie. Geht das gut? In der Praxis schlecht, würde ich gleich vorweg sagen. Der Theorie geht es gut deshalb, weil man könnte jetzt ja auf Unternehmen und deren Aktien setzen, die vermeintlich profitieren, wie beispielsweise die genannten Adidas und Lufthansa. Oder man wendet sich von Aktien ab, von Unternehmen, die unter der Euro-Stärke besonders leiden, also beispielsweise die Autobauer. Aber ich warne gleich davor. Das bringt in aller Regel nichts. Erstens sind diese Währungsschwankungen so gut wie gar nicht zu prognostizieren und weiß nicht, wie es weitergeht.

[00:14:19]

Mit Blick auf die nächsten ein, zwei Jahre und zweitens, na ja, nicht nur auf den Aktienkurs Einfluss, sondern weit mehr. Wie sich die Geschäfte der Unternehmen entwickeln, wie sich die Geschäfte in der Autobranche entwickeln, wie sich die Geschäfte der Lufthansa entwickeln, ob die Passagiere zurückkommen das ist natürlich viel wichtiger als jede änderung bei Euro und Dollar.

[00:14:42]

Ich danke dir für das Interview. Wir wollen mit Wumms aus der Krise kommen. Wenn wir die Zahl der Infizierten, der Schwerkranken und der Toten blicken, ist Deutschland bisher ziemlich glimpflich durch die ganze Corona Pandemie gekommen. Heute haben wir in der Regierungskoalition ein Bündel an Maßnahmen miteinander vereinbart, die dieses Ziel haben mit Wumms aus der Krise kommen. Deshalb hat unser Konjunkturprogramm auch eine große Dimension. 15 Milliarden in diesem und im nächsten Jahr gesamtstaatlicher 120 Milliarden, die der Bund zu schultern hat.

[00:15:19]

Das ist eine Menge an Investitionskraft und Aufwendung, die damit geschultert werden können.

[00:15:24]

Olaf Scholz viel zitiertes Wumms ist seit der Verkündung des Konjunkturpakets im Juni ein bisschen zum deutschen Yes, we can geworden. Zur scholzen Adaption an Merkels Wir schaffen das. Die Bundesregierung hat 15 Milliarden Euro versprochen, um die Deutschen durch die Krise zu bringen. Doch so richtig Wirkung entfaltet hat das Konjunkturpaket bislang nicht. Mir zugeschaltet ist jetzt der stellvertretende Leiter unseres Hauptstadtbüro, Jan Hildebrandt. Jan, was meinst du so richtig hat es noch nicht, oder?

[00:15:56]

Das kommt drauf an, wie man den Wumms misst. Es ist sicherlich so, dass von diesen 15 Milliarden. Man sich erhofft bisher nur ein relativ kleiner Teil Wirkung entfaltet. Einige Maßnahmen, die schnell umzusetzen sind, wie die befristete Mehrwertsteuersenkung. Das ist für die Regierung relativ leicht zu machen. Vieles andere lässt tatsächlich weiter auf sich warten. Und damit dann auch der Wumms, den sich Olaf Scholz erhofft hat.

[00:16:27]

Ziehen wir einmal eine Bilanz drei Monate nach der Verkündung des Konjunkturprogramms. Was wurde bisher umgesetzt?

[00:16:34]

Als großen Posten haben wir da die schon angesprochene befristete Senkung der Mehrwertsteuer. Seit dem 1. Juli wurde sie reduziert. Und das läuft bis Ende des Jahres. Das wurde umgesetzt. Die große Frage ist Wie viel davon bei den Verbrauchern ankommt, lässt sich noch nicht genau sagen. Was auch umgesetzt wurde. Ein anderer großer Posten 25 Milliarden überbrückungshilfe für die mittelständische Wirtschaft dieses Programm. Das Geld ist verfügbar, abgerufen wurden allerdings bisher erst 700 Millionen. Spricht da nicht viel Geld rum?

[00:17:11]

Es ist aber noch nicht so viel geflossen. Viele andere weitere Punkte, vor allem was Investitionen angeht, und neue Förderinstrumente für Unternehmen stecken hingegen noch in der Feinarbeit in den Ministerien fest. Da werden noch Förderrichtlinien geschrieben. Um diese müssen teilweise noch in Brüssel genehmigt werden. Da ist noch nicht so viel passiert.

[00:17:31]

Konkret ist da erst eins von elf durch.

[00:17:33]

Richtig ist, dass das hatten wir gerade berichtet im Handelsblatt hat eine Unterlage aus dem Finanzministerium gezeigt. Für elf Förderrichtlinien brauche es eine sogenannte notifiziert der EU-Kommission. Die muss also gucken, ob sich das mit dem Wettbewerbsrecht verträgt, was die Regierung da an Unterstützung für Unternehmen plant. Und elf Förderrichtlinien wurden identifiziert von der Bundesregierung selber, die in Brüssel vorgelegt werden müssen. Für eine gibt es erst bisher das Gove aus Brüssel. Das ist die Förderung für den öffentlichen Personennahverkehr. Hier wollen Bund der Bund gemeinsam mit Ländern und Kommunen helfen, weil natürlich weniger gefahren wird und in Bus oder U-Bahn Gesellschaften da Geld fehlt.

[00:18:21]

Vieles andere. Aber da liegt noch keine Genehmigung aus Brüssel vor. Und teilweise hat die Bundesregierung noch nicht einmal etwas nach Brüssel hingeschickt, was dort genehmigt werden könnte.

[00:18:32]

Wie lange dauert so eine Genehmigung? In der Regel. Und heißt das dann, dass die Unternehmen noch gar keinen Cent gesehen haben, wie lange diese Genehmigungsprozess dauern?

[00:18:42]

Es ist sehr unterschiedlich, kommt auch auf das Vorhaben drauf an. Das kann sich über mehrere Monate ziehen. Wenn es jetzt einmal eher heikel ist. Das kann jetzt wie in diesem Fall mit der Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs auch recht zügig innerhalb weniger Wochen gehen. Das hängt von Fall zu Fall ab. Und es ist tatsächlich so Ja, die Unternehmen haben, zumindest wenn man jetzt mal nicht so große Summe, 15 Milliarden einnimmt, mit der er das Konjunkturpaket in den Raum gestellt wurde.

[00:19:10]

Da ist natürlich nur ein Bruchteil geflossen. Wie gesagt, es gibt diese überbrückungshilfe, die sich gerade an mittelständische Unternehmen richten, beispielsweise aus der Reisebranche, Busunternehmen, die leiden, oder aber auch Veranstalter, Messe, Bau und so weiter. Und da sind erst 700 Millionen geflossen. Woran das liegt, das streitet man sich schon ein bisschen. Die einen sagen Da ist es doch gut. Offenbar kehrt das Geschäft sozusagen zurück. Die Umsätze kommen wieder und von daher Die Unternehmen brauchen gar nicht so viel Hilfe.

[00:19:40]

Das ist die positive Deutung. Die etwas kritischere lautet Ja, diese Hilfe gibts nur nach einem relativ komplizierten Antrags Prozess. Da muss man nachweisen, um wieviel der Umsatz zurückgegangen ist. Corona bedingt, und das schrecke dann doch einige Unternehmen ab, oder? Es dauere einfach lange, bis das Geld fließt.

[00:20:00]

Was ist denn jetzt für die Zukunft zu erwarten? Bleibt es bei leeren Versprechungen oder kommt der Wumms doch noch?

[00:20:07]

Ja, der Wumms wird schon kommen. Also Geld, was sozusagen einmal ins Schaufenster gestellt wurde oder was versprochen wurde, das wird in der Regel dann auch schon irgendwie ausgegeben. Die große Frage ist Kommt der halt rechtzeitig? Was wir gesagt haben die Mehrwertsteuer, überbrückungshilfe, unsere paar Sachen. Da fließt Geld, und anderes wird jetzt auf den Weg gebracht. Das Geld wird irgendwann ausgegeben. Nur der Sinn der ganzen üBUNG ist ja, dass es uns in der Coruña Krise hilft.

[00:20:38]

Also jetzt, im Konjunkturabschwung für das kommende Jahr, rechnet die Bundesregierung ja nach ihrer aktuellen Prognose schon wieder mit einem recht deutlichen Wirtschaftswachstum. Von daher war jetzt die Frage Wende ganz viel von diesem Geld. Erst nächstes oder übernächstes Jahr oder 2025 fließt, dann ist das natürlich nicht mehr die Wirkung, die man sich zur Konjunktur stützend erhofft hat. Da geht es dann eher um Investitionen, die deshalb nicht. Sinnvoll sein müssen aber Sie helfen jetzt nicht in diesem Wirtschaftseinbruch.

[00:21:09]

Ich danke dir für die Infos sehr gerne.

[00:21:17]

Redaktionsschluss für diese Folge war um 16 Uhr. Haben Sie noch Fragen? Oder möchten Sie uns Feedback geben? Dann schreiben Sie uns doch eine Mail. Sie erreichen uns und Today Art Handelsblatt Group. Punkt. Kommt, das wars von mir. Ich wünsche Ihnen einen entspannten Feierabend und sage Tschüss bis morgen.