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[00:00:04]

Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Handelsblatt Today, dem börsentäglich ein Podcast aus unserem Newsroom in Düsseldorf. Wir sprechen von Montag bis Freitag über die wichtigsten Nachrichten des Tages und darüber, was sie für die Finanzwelt bedeuten. Heute ist Donnerstag, der 20. August, und mein Name ist Lena Buir.

[00:00:28]

Es ist eine Geschichte, so unglaublich, dass sie auch mit. Es war einmal beginnen könnte eine Geschichte von Korruption und Geldwäsche, Betrug, von Verhaftungen und von Flucht. Sie haben es sicher längst erraten. Ich spreche vom insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard. Solang die Chronologie der Skandale des Unternehmens ist, so kurz ist die Zeit bis zu seinem Börsen aus. Schon morgen heißt es bei Dax und Hallo, ja, was eigentlich? Wie geht es weiter mit dem skandalträchtigen Unternehmen? Wer sichert sich die lukrativen Geschäftsbereiche?

[00:01:03]

Eines jedenfalls ist fast sicher. Der einstige Wirecard Konkurrent aus Amsterdam wird es wohl nicht. Die Niederländer hatten in der Vergangenheit betont, dass sie keine Zukäufe tätigen, sondern nur aus eigener Kraft wachsen wollen. Und es klappt. Seit der Insolvenz des Wettbewerbers legen die Aktien deutlich zu. Welche Unternehmen sich stattdessen an den Wirecard überresten laben wollen, spreche ich gleich mit dem Handelsblatt. Wirecard Experten Felix Holtmann. Im Anschluss richten wir unseren Blick in die Türkei. Dort sorgt der Verfall der Lira für Nervosität.

[00:01:36]

Mittlerweile hat die türkische Währung ihr Rekordtief erreicht. Dagegen könnte die Notenbank angehen, indem sie bei ihrer heutigen Sitzung den Leitzins wieder anhebt. Glaubt man Experten, ist das aber eher unwahrscheinlich. Es schweben einige Fragen in der Luft. Droht nun die nächste Währungskrise? Und warum unternimmt Staatspräsident Erdoğan nichts? Das verrät uns später Handelsblatt Korrespondent Ozan, Dolmetschern.

[00:02:05]

Zum Start blicken wir aber wie immer auf die Märkte und summen heute ganz nah an ein Unternehmen ran, das seit gestern wohl in Feierstimmung sein dürfte. Der Apple Konzern hat an der Wall Street erneut Geschichte geschrieben. Vor zwei Jahren hatte er als erster US-Konzern die Bewertungs Marke von einer Billion Dollar geknackt, und Mitte dieser Woche war es dann sogar die zwei Billionen Dollar Grenze. Damit ist Apple, gemessen am Börsenwert der wertvollste Konzern der Welt. Und genau darüber spreche ich jetzt mit unserer Finanz Redakteuren in Frankfurt, Andrea Kühn, Andrea Ein Börsenwert von über zwei Billionen Dollar.

[00:02:41]

Ist das nicht völlig überzogen?

[00:02:44]

Es klingt natürlich irre. Und wenn es so weitergeht, ist Apple bald doppelt so viel wert wie alle 30 Dax-Konzerne zusammen. Man muss aber auch sagen Apple hat die Welt verändert. Das können nicht viele Unternehmen von sich behaupten. Dass im Januar 2007 auf den Markt gekommene iPhone war quasi der erste Computer mit Internetzugang für die Hosentasche. Das hat viele Nachahmer hervorgerufen und den Umgang mit Technologie in völlig neue Bahnen gelenkt.

[00:03:08]

Und trotzdem Der Aktienkurs hat sich seit Mitte März schon wieder mehr als verdoppelt und ist damit zweimal so deutlich gestiegen wie der US-Leitindex. Du findest das gerechtfertigt?

[00:03:18]

Ja, in gewisser Weise schon. Während bei vielen Unternehmen wegen der Coruna Pandemie die Gewinne jetzt eingebrochen sind, hat Apple im vergangenen Quartal weniger beeindruckende 18 Prozent gesteigert. Das war noch viel mehr, als Analysten erwartet hatten.

[00:03:33]

Das Rekordhoch hat die Aktie bei rund 468 Dollar markiert. Sag mal, werden wir jetzt bald die 500 Dollar Marke sehen?

[00:03:41]

Nein, das werden wir nicht. Und das hat einen technischen Grund. Apple hat für Ende des Monats ein Aktiensplit im Verhältnis eins zu vier angekündigt. Das heißt bei einer Apple Aktie hat, bekommt dafür dann drei weitere. Und der Aktienkurs wird entsprechend durch vier geteilt. Solche Blitz hat Apple schon mehrfach gemacht. Die Aktie sollte für Kleinanleger attraktiver werden.

[00:04:01]

Jetzt hat die Apple-Aktien schon gestern nach dem Rekordhoch wieder nachgegeben. Müssen Anleger sich jetzt Sorgen machen?

[00:04:08]

Nein, die Apple-Aktie ist nicht völlig losgelöst vom Umfeld. Und heute ist übrigens schon wieder mit einem kleinen Plus in den Handel gestartet. Aber die Stimmung der Investoren insgesamt hat ein Dämpfer bekommen. Grund dafür waren Protokolle der jüngsten Sitzung der US-Notenbank. Sie hat gezeigt, dass die US-Notenbank ein bisschen skeptischer ist. Doch mit Blick auf die Wirtschaft. Das hat die US-Börsen leicht im Minus starten lassen und heute übrigens auch den Dax belastet. Danke der andrer!

[00:04:39]

Morgen ist der letzte Tag für Wirecard im Dax Um den Gläubigern gerecht zu werden, soll das Unternehmen jetzt regelrecht ausgeschlachtet und verkauft werden. Vor einigen Wochen hat der vorläufige Insolvenzverwalter von Wirecard gesagt, es gebe 77 Interessenten am Kerngeschäft des Konzerns. Mittlerweile sollen es nach Informationen von Fayence vor Ort unter Berufung auf Brancheninsider nur noch zehn sein. Die sollen bis Anfang August unverbindliche Angebote vorgelegt haben. Felix Die Deutsche Bank liebäugelt ja schon länger mit Wirecard. So zumindest die Gerüchte. Und hat mit Kilian Thalhammer sogar einen der Top-Leute abgeworben.

[00:05:17]

Kann es sein, dass die Deutsche Bank Wirecard übernehmen möchte, dass die Deutsche Bank in Gänze übernimmt?

[00:05:24]

Das halte ich doch für relativ unwahrscheinlich und nicht nur ich, sondern auch viele Marktbeobachter. Möglich ist, dass die Deutsche Bank sich für einzelne Teile des Konzerns interessiert. Die Deutsche Bank hatte ja schon einmal erklärt, dass sie sich ganz grundsätzlich vorstellen kann, dem Unternehmen Unterstützung zu gewähren bei der Fortführung von Geschäftsaktivitäten. Es könnte sein, dass die Deutsche Bank sich einzelne Bereiche genauer anschaut, zum Beispiel die Barakat Bank. Die gilt ja als gut kapitalisiert. Da hat die BaFin, die Finanzaufsicht, ein besonderes Auge drauf.

[00:05:57]

Die Bank hat zahlreiche Fintechs als Kunden, denen sie ihre Banklizenz zur Verfügung stellt. Könnte sein, dass das ein Teil ist, für den sich die Deutsche Bank interessiert oder eventuell auch andere einzelne Bereiche des Konzerns. Eine komplette übernahme ist ausgeschlossen, und das gilt nicht nur für die Deutsche Bank, sondern auch für die anderen Interessenten.

[00:06:18]

Mit der Deutschen Bank haben wir jetzt Nummer eins. Wer ist sonst noch interessiert?

[00:06:24]

Wer jetzt noch in der letzten Runde dabei ist, das wissen wir nicht genau. Wir wissen aber, wer sich grundsätzlich für Wahlkarte interessiert hatte und auch sich auf die Listen hat schreiben lassen des Insolvenzverwalters Herrn Jaffé bzw. wer auch schon in die Daten Räume in Teilen rein geschaut hat, die geöffnet worden sind, sich das Geschäft von Weltkarten die Zahlen genauer angeschaut hat. Das sind zum einen Wettbewerber. Da sind große Namen dabei das französische Unternehmen Jennie Co und der dänische Zahlungsabwicklung Netz.

[00:06:54]

Der soll interessiert gewesen sein oder die US-Konkurrenten First Data. Ob die jetzt bis zum Schluss noch im Rennen sind, das ist, wie gesagt, offen. Aber für einige von ihnen würde sich zumindest eine übernahme von Teilbereichen von Wahlkarte durchaus anbieten. Ursprünglich interessiert gewesen waren Private Equity Häuser, darunter die großen Beteiligungsgesellschaften KKR und Advent. Die haben ja auch schon bereits Erfahrungen auf dem Markt für Zahlungsdienstleister gesammelt, zum Beispiel Heidelberg in Deutschland übernommen. Und auch große Fintechs sollen sich genauer angeschaut haben, zum Beispiel der Dienstleister Rapid aus London.

[00:07:35]

Ja, das ist ein ganz spannender Punkt. Aber noch spannender finde ich, dass das Interesse trotz all den Skandalen weiter besteht. Die haben sich ja in letzter Zeit kein Geheimnis gehäuft. Liegt das allein an dem guten Produkt, oder woran liegt dieses große Interesse?

[00:07:51]

Wie gut das Produkt von Wahlkarte wirklich ist. Da gibt es unterschiedliche Meinungen im Markt sozusagen. Technologisch führend ist, wie es von der alten Konzernspitze immer wieder dargestellt worden ist. Daran gibt es erhebliche Zweifel. Viele Insider beschreiben die Technik als bestenfalls durchschnittlich, zumindest in vielen Bereichen. Richtig ist, dass am Anfang ist nach einem großen Interesse aussah, zumindest nach den offiziellen Zahlen, die der Insolvenzverwalter herausgegeben hat. Natürlich auch ein Interesse daran hat, dass viele potenzielle Käufer findet, sind ja tolle Zahlen genannt worden über hundert Interessenten 140 in Teilen, dann 77 Interessenten für das Kerngeschäft.

[00:08:39]

Das klingt jetzt erstmal gut. Ich glaube, wir müssen da aber doch ein paar Abstriche machen. Erst einmal ist es jetzt keine große überraschung, dass sich viele Interessenten auf die Listen des Insolvenzverwalters schreiben lassen. Dass in die datenroaming gehen, in die virtuellen, die eröffnet worden sind, dass sie sich das Geschäft genau anschauen, schon alleine, um Informationen abzugreifen, um eventuell eigenen Marktüberblick über die Bedeutung von Wirecard und die Kunden die Zahlen zu bekommen, selbst wenn sie am Ende dann gar nicht kaufen und auch sehen müssen.

[00:09:10]

Wer Wirecard kauft, der kauft sich eventuell größere Risiken ein. Eine komplette übernahme des Konzerns und der Bank ist nach Ansicht der allermeisten Marktbeobachter praktisch ausgeschlossen. Warum weiß ich mögliche Interessenten, damit auch große Rechtsrisiken einkaufen würden? Wirecard steht nach dem mutmaßlichen Milliardenbetrag vor einer Klagewelle. Und das wird sich wahrscheinlich kein neuer Interessent. Ins eigene Portfolio einkaufen. Möglich ist, dass der Insolvenzverwalter eine Ausgründung vornimmt, also neue Gesellschaften gründet, die dann Teile der Wahlkarte Geschäftsfelder übernehmen, die dann befreit sind von Rechtsrisiken und die dann zugunsten der Insolvenzmasse verkauft werden.

[00:09:54]

Da könnte es sein, dass einzelne Bereiche gibt, wo es durchaus Interessenten gibt.

[00:09:59]

Welches sind die lukrativsten Bereiche? Wenn wir schon mal da sind, was sich der meisten Beobachter, sind einzelne Landesgesellschaften von Wahlkarte besonders interessant. Brasilien fällt hier immer mal wieder, auch die USA, wo die Gespräche schon relativ weit sein sollen. Auch die Karten ausgebenden Gesellschaft in Großbritannien. Hintergrund ist, dass auf Gesellschaften sind, die erst vor einigen Jahren übernommen hat, zum Beispiel im Fall der USA von der US-Großbank Zitty. Das hat den Vorteil, dass die Gesellschaften regulatorisch sehr unabhängig aufgestellt sind, dass sie auch geschäftlich sehr eigenständig agiert haben.

[00:10:33]

In den letzten Jahren heißt im Klartext mit Aschheim, mit der Konzernzentrale und dem mutmaßlichen Milliardenbetrag. Dort hatten dann einzelne dieser Landesgesellschaften wahrscheinlich nichts am Hut. Sie sind in Teilen auch profitabel, zumindest laut eigener Aussage. Und hier soll es auch zahlreiche Interessenten geben. Der andere Fall wäre die Wahlkarte Bank. Die gilt als gut kapitalisiert. Die stand unter einer besonders engen Aufsicht der Finanzaufsicht BaFin und hat, wie gesagt, auch zahlreiche Fintechs als Kunden. Hier könnte es sein, dass mögliche Interessenten sich für einen Kauf entscheiden.

[00:11:06]

Aber wahrscheinlich werden wir am Ende doch ein deutlich kleineres Bewerberfeld sehen als noch ganz am Anfang erhofft.

[00:11:14]

Jetzt ist die Bank ja losgelöst von einem ganzen Insolvenzverfahren, soll aber dennoch gemeinsam mit dem Kerngeschäft verkauft werden. Wem nützt das denn?

[00:11:24]

Letztendlich ist es eine Frage der Möglichkeiten. Die Wahlkarte Bank ist mit dem Kerngeschäft von wir sehr eng verflochten. Jakarta Ohne Banklizenz, ohne die Bank zumindest was das Kerngeschäft in Deutschland angeht. Wir reden hier jetzt nicht über die ausländischen Töchter, ist eigentlich kaum denkbar. Die Wahlkarte Banklizenz, die sich der Konzern schon in den Nullerjahren gesichert hat, gilt als ein Geheimnis für den Erfolg von Wirecard. Warum Wahlkarte eine ganze Bandbreite an Dienstleistungen abdecken kann, also von der Zahlungsabwicklung über die Ausgabe von Kreditkarten, die Akzeptanz von Kreditkarten, die Betreuung von Fintechs und Start ups und so weiter.

[00:12:05]

Insofern hat das vor allem technische Gründe, dass die zusammen verkauft werden sollen. Die Bank gilt darüber hinaus, wie gesagt, als relativ stabil. Ob das am Ende gelingt, das bleibt abzuwarten.

[00:12:18]

Jetzt haben wir lange und breit über das Unternehmen als solches gesprochen, ist jetzt klargeworden. Da wird sich einiges verändern. Aber auch in anderen Bereichen hat der Skandal Debatten ausgelöst. Was glaubst du denn? Mit welchen Konsequenzen muss zum Beispiel die BaFin rechnen?

[00:12:35]

Finanzminister Olaf Scholz, der zuständige Minister, hat schon angekündigt, dass es Veränderungen bei der Aufsicht geben wird. Wie die genau aussehen, das ist noch nicht sicher. Wahrscheinlich ist, dass das bisherige sogenannte zweistufige Verfahren der Bilanzprüfung, bei dem bisher die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung als privater Verein und die staatliche Finanzaufsicht BaFin gemeinsam zuständig waren, dass das geändert wird.

[00:13:00]

Du hast gerade Finanzminister Scholz und seine Pläne für die BaFin erwähnt. Wir haben einmal kurz rein, was er dazu gesagt hat.

[00:13:08]

Ich bin dafür, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen, die BaFin, mehr handlos Instrumente bekommt, dass sie eine Prüfung durchführen kann gegen den Willen der Unternehmen, dass sie dabei auch Beteiligte befragen kann und von ihnen verlangen kann, dass sie die notwendigen Auskünfte geben, wie das bei dem ist, was man eine forensische Prüfung nennt.

[00:13:27]

Demgegenüber stehen die Wirtschaftsprüfer. Worauf müssen die sich denn einstellen? Ich meine, es wird ja heftig kritisiert, weil die Wirtschaftsprüfer jahrelang eine korrekte Bilanz bescheinigt haben.

[00:13:38]

Ja, das ist natürlich die Frage, wie die Wirtschaftsprüfer Aufsicht geändert werden muss, die es ja beim Bundeswirtschaftsministerium angesiedelt. Auch hier möchte die Bundesregierung überprüfen, ob es zu Veränderungen kommen soll. Auch die Wirtschaftsprüfung selbst steht nun in der Kritik, wie du es ja auch gesagt hast. Zumindest öffentlich bekannt Keine großen Mandate verloren aufgrund des Falls. Aber natürlich werden die Wirtschaftsprüfer sich rechtfertigen müssen. Natürlich stehen sie jetzt auch vor einem größeren Klage. Risiko Zahlreiche Investoren haben schon angekündigt, gegen Ebay klagen zu wollen.

[00:14:14]

Und auch eine Debatte der Vergangenheit nimmt jetzt im politischen Raum wieder Fahrt auf, nämlich die Frage, ob man nicht Prüfung und Beratung trennen muss, also ob es gut ist, dass wie im Fall Wirecard große Wirtschaftsprüfungsgesellschaften auf der einen Seite den Konzern prüfen, auf der anderen Seite aber auch Beratungs Mandate wahrnehmen. Das könnte dann in Zukunft das Geschäftsmodell der Virtuoses. Prüfungsgesellschaft, die er heute mehr mit der Beratung verdienen als mit der eigentlichen Prüfung deutlich beeinflussen, sollte man sich entscheiden, hier zum Beispiel zu einer Trennung zu kommen.

[00:14:47]

Felix Ich weiß, du hast noch ganz, ganz viel in petto. Und genau weil es da so viel zu erzählen gibt, startet ihr nächste Woche auch mit einem exklusiven Wirecard Podcast. Was erwartet uns denn da?

[00:15:00]

Ja, genau, wir freuen uns sehr. Wir sind in der carapax, die moderiert den Podcast und ich als Co-Moderator und die vielen Gäste und Experten, die wir uns eingeladen haben und die wir uns noch einladen werden. Wir machen zwölf Folgen. Einmal die Woche erscheint der Podcast, und wir wollen den ganzen Komplex Kartmann Detail beleuchten. Wir schauen uns um den Aufstieg des Konzerns an. Aus ganz kleinen Anfängen. Wir schauen uns die handelnden Personen an, den Ex-Chef Marcus Braun, der jetzt in Untersuchungshaft sitzt, in Asien Vorstand Jan Musalek, der auf der Flucht ist und mit Geheimdienst Kontakten prahlt.

[00:15:36]

Wir schauen uns aber auch das ganze Umfeld von Wanderkarte an. Wir wollen uns nicht nur den mutmaßlichen Kriminalfall, den mutmaßlichen Miliarden Betrug, anschauen, sondern wir wollen uns auch anschauen, warum dieser nicht früher aufgedeckt bzw. verhindert worden ist. Wir fragen Wofür steht. Stellvertretend steht Weikert pars pro toto für Probleme, die unsere ganze Wirtschafts und Finanzwelt betreffen. Und wir wollen am Ende natürlich auch ein bisschen herausarbeiten, welche Lehren man aus diesem Miliarden Untergang ziehen kann, der ja schon jetzt einer der größten der deutschen Nachkriegsgeschichte ist.

[00:16:10]

Jetzt fast so viel, dass ich am liebsten direkt reinhören möchte. Ich muss mich allerdings, so wie Sie da draußen auch live zuhören, noch bis nächsten Mittwoch gedulden. Dann geht's los. Dann können Sie den Podcast zwei Wochen lang auf allen gängigen Podcast Plattformen hören. Felix Damit sage ich Danke für das Interview und liebe Grüße nach Frankfurt.

[00:16:33]

Seit Murat den Posten des Notenbankchefs in der Türkei übernommen hat, befindet sich der Leitzins auf abwärts Kurs und mit ihm die türkische Lira. Seit Jahresbeginn hat die türkische Währung um fast 24 Prozent zum Euro und 20 Prozent zum Dollar an Wert verloren und damit ihr Rekordtief erreicht. Innerhalb von einem Jahr hat USA Zins von 24 Prozent auf mittlerweile 8,2 Prozent gedrückt. Die Inflationsrate hingegen liegt mit einem noch immer hohen Niveau von rund zwölf Prozent darüber. Der Wertverfall der Lira ist also in vollem Gange.

[00:17:09]

Deshalb schalten wir jetzt nach Istanbul zu unserem Handelsblatt. Korrespondenten aus dem Ozan. Droht der Türkei jetzt eine Währungskrise? Oder ist sie vielleicht sogar schon mittendrin?

[00:17:19]

Ich würde eher die zweite Antwort wählen. Die Türkei befindet sich längst in einer Währungskrise. Und das auch schon mindestens, seit Murat Us-öl den Posten des Notenbankchefs übernommen hat. Seitdem du gesagt hast, befindet sich der Leitzins auf Tiefflug. Dementsprechend auch die türkische Lira. Der Wert hat stark nachgelassen. Hinzu kommen diese Turbulenzen, wie wir sie in den vergangenen Wochen bemerken. Der direkte Wechselkurs zum Dollar ist deutlich schwächer als der reale Wechselkurs der Lira.

[00:17:52]

Wie ist denn die Stimmung in der Bevölkerung angesichts dieses Debakels? Merkst du irgendwas davon?

[00:17:57]

Hier in Istanbul ist die Stimmung erst einmal normal. Das heißt, es rennen keine Leute zum Bankautomaten? Es gibt keine Panik. Die Leute gehen auch einigermaßen normal einkaufen, soweit das mit den derzeitigen abstimmungsregeln zu vereinbaren ist. Die Leute fahren auch in Urlaub. Aber in Gesprächen höre ich immer wieder, wie das Thema Wechselkurs und Lira aufkommt.

[00:18:21]

Auf jeden Fall Gesprächsthema. Was sind denn die Gründe für die schwache Währung?

[00:18:26]

Ein Grund ist ein struktureller Grund. Die türkische Volkswirtschaft, das heißt Firmen und Privatpersonen, aber auch der Staat, geben jedes Jahr mehr aus, als sie einnehmen. Dieses sogenannte Leistungsbilanzdefizit, das muss ja irgendwie am Ende des Jahres finanziert werden. Das geschieht entweder über Investoren aus dem Ausland, die sagen Ja, wir möchten in die Türkei investieren, weil wir glauben, dass das ein gutes Terrain ist für unsere Investitionen oder über Kredite. Die Investitionen aus dem Ausland sind in den letzten Jahren schon zurückgegangen, und zwar wirklich so, dass Milliardensummen, die da aus der Türkei abgezogen worden sind.

[00:19:03]

Und die Kredite, die die Türkei aufnehmen können, werden natürlich umso teurer, je schwächer die Lira wird. Und dieses Defizit lastet auf der Lira. Und das ist der strukturelle Grund, weshalb die Lira so schwach ist. Der andere Grund ist natürlich der Vertrauensverlust von Anlegern, aber auch von Privatpersonen, von Firmen aus dem Ausland. Die Politik in Ankara nicht so recht trauen oder zumindest sagen Wir können gar nicht mehr vorhersehen, ob unsere Investments hier der Türkei noch sicher sind.

[00:19:33]

Das vertrauensproblem, das ist ein gutes Stichwort. Das wäre nämlich die zweite. Währungskrise innerhalb von zwei Jahren. Die letzte 2018. Es muss also irgendetwas passieren, damit die Türkei aus dieser Spirale rauskommt. Eine Erhöhung des Leitzinses würde zum Beispiel enorm helfen. Erdoğan weigert sich aber dagegen. Er will mit dem niedrigen Leitzins die Wirtschaft ankurbeln. Und deshalb, würde ich sagen, schaut auch die Notenbank so ein bisschen davor zurück, den Zins anzuheben. Was unternimmt Sie denn sonst dagegen?

[00:20:02]

Sie hat andere Kanäle, um die Wirtschaft mit Geld zu versorgen, sogenannte übernachte Kredite, die sie an die Geschäftsbanken hier im Land verteilen kann. Die sind nicht abhängig von diesem Leitzins, von denen die Rede ist, sondern das ist ein anderer Zinssatz. Und diesen Zinssatz und auch die Menge an Geld, die darüber vergeben werden kann. Die ist jetzt verkürzt worden und auch zu teureren Konditionen. Das ist sozusagen eine Leitzinserhöhung durch die Hintertür.

[00:20:29]

Schlägt sich das alles schon in den Import und Exportzahlen der Türkei nieder?

[00:20:34]

Ja, die schwache Währung ist ein Problem für jede Firma und auch für jede Einzelperson, die im Ausland Produkte oder Dienstleistungen kaufen will. Das kann man sich ganz einfach vorstellen bei der Autoproduktion. Viele Automobilzulieferer hier in der Türkei benötigen Einzelteile aus Europa oder aus den USA und müssen diese dann dementsprechend in Dollar oder Euro einkaufen. Wenn natürlich die Lira an Wert verliert, dann kostet das Autoteile vielleicht hundert Dollar. Wert ist auf einmal nicht nur 700 Lehrer, sondern 800 Lehrer.

[00:21:07]

Genau das ist in den vergangenen Wochen passiert, und das zerstört sozusagen ein kleines bisschen natürlich auch die Bilanz oder mindestens die Berechnungen der Firmen Manager hier in der Türkei.

[00:21:22]

Gestern hat Präsident Erdogan dann gute Nachrichten versprochen. Ich setze es mal in Anführungszeichen, die will er morgen am Freitag verkünden. Die Liga ist auf diesen Nachrichten direkt um zwei Prozent gestiegen. Was könnten das denn für Nachrichten sein?

[00:21:37]

Es gibt bisher nur Gerüchte. Die kommen zwar aus dem Präsidialamt, sind aber noch nicht offiziell bestätigt worden. Und zwar soll es demnach um einen Erdgas Fund im Schwarzen Meer gehen. Das ist einer der Gründe übrigens auch für das türkische Leistungsbilanzdefizit. Die Türkei ist darauf angewiesen, ihr öL und Erdgas zu importieren, zum Beispiel aus Russland, aber auch aus dem Iran oder aus Katar. Die Differenz aus Importen und Exporten kommt fast ausschließlich durch diese Rohstoff Importe zusammen. Das heißt im Umkehrschluss Wenn die Türkei nicht mehr so viele Rohstoffe importieren muss, dann wäre das Leistungsbilanzdefizit viel, viel geringer oder vielleicht sogar würde es in einen Leistungsbilanzüberschuss übergehen.

[00:22:24]

Und das wiederum würde die türkische Lira automatisch stärken, weil das Defizit nicht mehr durch Kredite finanziert werden muss. Das ist der Grund, warum die türkische Regierung derzeit auch so unnachgiebig im östlichen Mittelmeer nach Erdgas suchen lässt und dafür sogar einen Streit mit den Anrainerstaaten, vor allem mit Griechenland und mit Zypern vom Zaun gebrochen hat und auch die EU sozusagen jetzt nicht gerade auf ihre Seite gebracht hat. Damit drohen vielleicht sogar Sanktionen aus Brüssel. Hintergrund dass der rationale Hintergrund dieser Aktion ist, dass die Türkei, die türkische Regierung, derzeit wirklich alles daran setzt, diese Rohstoff Importe auszugleichen, indem sie in eigenem Territorium diese Rohstoffe findet und dann ausbeuten kann.

[00:23:14]

Liebe Zuhörer, war die heutige Folge von Handelsblatt Today. Redaktionsschluss war um 16 Uhr. Sollten Sie jetzt noch Fragen haben, freuen wir uns, wenn Sie uns schreiben. Das Gleiche gilt, wenn Sie Lob oder Kritik mit uns teilen möchten. Sie erreichen uns unter der E-Mail-Adresse today at Handelsblatt Group Punkt kommen. Damit wünsche ich Ihnen ein geruhsamen Feierabend und sage Tschüss bis morgen.