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Hallo und herzlich willkommen bei Handelsblatt Today. Wir sprechen Börsen täglich von Montag bis Freitag über wichtige Nachrichten und ihre Bedeutung für die Finanzwelt. Heute ist Mittwoch der dritte März und mein Name ist Lena BoJack.

[00:00:22]

For the time.

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Ben fehlte implementieren integrated entre capital market in Europe Think cost growth employment harhar Produktivität of the capital kapselt markets union has to happen fast 40 Geli with what's happening on the European Szene an der Departure of the United Kingdom Brexit-Deal.

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Mensch sagt, ich hau nu Burgern schon Imogen Paul Baumarkt Julian Der freie Kapitalverkehr ist eine der vier Grundfreiheiten des europäischen Binnenmarktes, zumindest in der Theorie. In der Wirklichkeit verhindern rechtliche und bürokratische Unterschiede sowie Intransparenz, dass die Gelder von Investoren in EU-Land A zu Kapital suchenden Unternehmen im EU-Land B finden. Unterm Strich bedeutet das für beide Parteien verpasste Chancen, wo eigentlich ein Gewinn hätte stehen können. Genau aus diesem Grund brachte der ehemalige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker 2015 die Kapitalmarktunion ins Spiel.

[00:01:26]

Die Bemühungen um die Schaffung eines solchen einheitlichen europäischen Kapitalmarktes schienen seither jedoch immer wieder ein bisschen auf der Stelle zu treten. Bis zum Brexit und bis zur Pandemie. Jetzt geht's endlich wieder vorwärts. Im September hat die EU-Kommission einen neuen Aktionsplan für dieses Politikum vorgelegt. Dieser Plan sieht 16 konkrete Maßnahmen vor, um einer echten Kapitalmarktunion in Europa näher zu kommen die Europa Rente, deren finale Verordnung voraussichtlich noch im März veröffentlicht werden soll. Könnte dann ein nächster Schritt in die richtige Richtung sein?

[00:02:02]

Andreas Dombret war viele Jahre im Vorstand der Bundesbank sowie im Supervisorin Board der EZB tätig. Mittlerweile ist er Global Senior Advisor bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman und gleich hier bei uns zu Gast. Er ist überzeugt Europa muss wachsen, um international aufholen zu können. Und das kann mit einer Kapitalmarktunion gelingen. Doch der Weg dahin, der sei noch lang. Im Interview verrät er, warum kleine Schritte manchmal besser sind als große.

[00:02:37]

Zunächst aber ist es Zeit für unseren täglichen Markt Bericht heute mit meinem Münchner Kollegen Christian Schnell Christian. Wieder einmal gibt es heute einen Bund Länder Gipfel, auf dem über mögliche Öffnungs Szenarien gesprochen wird. Hat das am Mittwoch auch die Kurse bewegt?

[00:02:54]

Ja, das war am Vormittag ganz schön deutlich muss man sagen. Der DAX ist da schon auf ein neues Rekordhoch gestiegen. Dazwischen wusste wieder etwas weniger, weil man gerade jetzt warten wir erst einmal ab, was um 14 Uhr dann mit Beginn der Beratungen da überhaupt bei rauskommt. Aber letztendlich ist doch zu sehen. Die Hoffnung auf ein absehbares Ende mancher Einschränkungen ist da und das macht den Anlegern Hoffnung und würde jetzt in den kommenden Monaten beispielsweise es zu Öffnungen kommen, dann würde auch die Wirtschaft womöglich bald zu einer gewissen Normalität kommen.

[00:03:28]

Das ist so die Intuition und deswegen ist man jetzt auch positiv gestimmt.

[00:03:32]

Na, das sind doch schon mal gute Nachrichten für den Anfang. Christian Gösta Gewinner war am Mittwoch die Volkswagen Aktie, die auf das Niveau wie vor der Coruña Krise gestiegen ist. Was war hier der Grund für so viel Optimismus?

[00:03:46]

Ja, es ist die Elektro Strategie, die Konzernchef Herbert Diess ausgerufen hat und die nach Ansicht von Analysten noch nicht ausreichend in die Aktien Bewertung mit eingeflossen ist. Jetzt gab es heute neue Studien von der Schweizer Großbank UBS. Die sind ja ein sehr bedeutender Player am Markt und die sagen, die VW-Aktie müsste eigentlich 300 Euro wert sein. Heute waren wir bei 186 etwa. Da ist also noch deutlich Luft nach oben. Und vor allem sagen Sie dieses Elektro Modell Idee 3, was man jetzt auch schon gelegentlich auf deutschen Straßen sieht.

[00:04:19]

Das ist wirklich in der Zukunft der große Treiber und der wird weltweit das Unternehmen in diesem Bereich nach vorne bringen.

[00:04:27]

Dann lass uns zum Schluss nochmal eine Stufe tiefer schauen. Im MDAX war die Aktie der Siemens Tochter Energy besonders gefragt. Was hat hier den Kurs getrieben?

[00:04:36]

Ja, für die könnte es heute Abend zum Ritterschlag kommen, nämlich die nächste DAX Entscheidung steht an. Und da könnte Siemens Energy bereits in den nächsten Wochen in den DAX aufsteigen. Das ist allerdings noch nicht so ganz sicher. Man kann aber jetzt schon sagen Das ist eine Erfolgsgeschichte. Siemens Energy ging ja erst im September vergangenen Jahres an die Börse. Der Kurs hat seither um knapp 50 Prozent zugelegt. Und wenn man es heute nicht schaffen würde, in den DAX aufzusteigen, dann gibt es ja noch die große Umstellung im Herbst oder Dax von 30 auf 40 Werte erweitert wird.

[00:05:10]

Und dann sagt man heute schon, da ist Siemens Energy garantiert dann dabei ganz spannendes Thema, über das wir gerne ausführlicher sprechen würden.

[00:05:18]

Das machen wir aber morgen. Vielen Dank dir erst mal Christian, für deine Infos gerne.

[00:05:29]

Gleich geht es los mit unserem Schwerpunktthema. Vorab hab ich aber noch eine Empfehlung für Sie. Altersvorsorge, Eigenheim, Finanzierung oder einfach der nächste Urlaub. Gründe, Geld anzulegen, gibt es viele. Mit dem Newsletter Handelsblatt Geldanlage erhalten Sie jede Woche aktuelle Empfehlungen zum Thema Geldanlage fand Deutschlands bedeutendster Wirtschaftsredaktion. Damit sind Sie bestens für die Herausforderungen der Finanzwelt gewappnet. Informieren Sie sich jetzt unter Handelsblatt.com Slash Geldanlage oder in den Shownotes.

[00:06:07]

Europa braucht dringend einen Marshallplan. Das hat erst vor kurzem der ehemalige Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret gesagt. Ihnen darf ich jetzt herzlich hier bei Handelsblatt Today willkommen heißen. Herr Dombret, ich würde gerne auf dieses Zitat von Ihnen eingehen. Zur Erklärung für unsere Zuhörer. Der Marshallplan, das war das große Wiederaufbauprogramm der USA für Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Kann die Kapitalmarktunion aus Ihrer Sicht Teil dieses Marshallplan sein oder Ihnen unterstützen?

[00:06:39]

Das glaube ich ganz gewiss. Die Kapitalmarktunion ist sehr geeignet, die Währungsunion, also unseren Euro, unsere gemeinsame Währung zu stärken.

[00:06:50]

Und alles, was hilft, unsere Währung zu stärken, ist damit auch ein Beitrag, uns in diesen schwierigen Situationen wie der Pandemie zu stabilisieren und wieder auf die Füße zu kommen.

[00:07:03]

Nun war ja zum ersten Mal die Rede von der Kapitalmarktunion bereits 2015. Viel passiert ist seitdem noch nicht. Erst mit dem Brexit und der Pandemie ist das Thema dann wieder so richtig ins Rollen gekommen. Im September hat die EU ja dann den neuen Aktionsplan vorgestellt. Das erweckt so ein bisschen den Eindruck, als funktioniere die Union nur richtig, wenn es kriselt.

[00:07:27]

Das haben sie gesagt. Allerdings stimmt es, dass bei der Kapitalmarktunion tatsächlich viel zu wenig passiert ist, wenn man bedenkt, dass diese Idee skizziert worden ist. Bereits im Februar 2015 und von eigentlich fast allen Seiten als eine lohnenswerte Idee und als ein lohnenswertes Projekt angesehen wird. Und da enttäuscht schon, wie wenig wir uns hier bewegt haben. Wir haben hier viel zu wenig Fortschritte gemacht. Der Brexit ist allerdings aus meiner Sicht ein Grund, sich noch mehr anzustrengen. Mit Blick auf die Kapitalmarktunion Ich bin auch gerne bereit, das zu begründen dann sehr gerne allerhöchste Eisenbahn für die Kapitalmarktunion, auch wegen des Brexit.

[00:08:13]

Warum ihr? Erst recht wegen des Brexit. Wir haben ja beim Brexit zwei Seiten die europäische und die britische Seite. Für die Briten ist es so, dass viele Drittländer dem Finanzplatz London nutzen, um über den Finanzplatz London auch Zugang zur Europäischen Gemeinschaft zu haben. Wenn der Finanzplatz London diesen Zutritt nicht mehr gibt, aufgrund des Brexits aber über die Kapitalmarktunion weiterhin eine sehr enge Verbindung hätte, wäre das für Großbritannien nur von Vorteil. Aus der europäischen Sicht der kontinentaleuropäischen Sicht ist es so, dass selbstverständlich die größte Finanzmarkt in Europa, in London und in Großbritannien liegt.

[00:09:00]

Und das ist nicht nur eine Frage der Liquidität, es ist auch eine Frage des Talent Pools und viele andere Aspekte, die hier eine besondere Bedeutung haben, sodass es auch aus Sicht der Europäer gut wäre, die Briten in der Kapitalmarktunion zu behalten. Es ist also eine, wie man sagt, Win-Win-Situation für beide Seiten.

[00:09:21]

Dann schließt sich direkt die Frage an, ob denn diesmal wirklich damit zu rechnen ist, dass die EU die Kapitalmarktunion diesmal schafft. Was meinen Sie?

[00:09:30]

Ich weiß es nicht. Aber ich gebe zu Protokoll, dass wir in Deutschland im Herbst diesen Jahres Wahlen haben, dass wir in der zweitgrößten Volkswirtschaft, nämlich in Frankreich, im Frühjahr wahrscheinlich nächsten Jahres Wahlen haben. Und Wahlen haben eigentlich immer dazu geführt, dass man die Fortschritte, die man sich vornimmt, nicht gegangen ist.

[00:09:51]

Nun ist ja zumindest klar, dass beinahe überall Konsens darüber herrscht, dass die Kapitalmarktunion ein sinnvolles Projekt ist. Warum ist das so? Was macht Sie so sinnvoll?

[00:10:01]

Zum einen geht es darum, die Rolle der Kapitalmärkte in der Finanzierung der Realwirtschaft zu stärken. Und es geht auch darum, die Kapitalmärkte über Ländergrenzen hinweg mehr und stärker zu integrieren. Dahinter steht eine Frage für Volkswirte, die aber auch, glaube ich, ihre Hörer sehr interessiert. Nämlich die Frage Welches Finanzsystem ist eigentlich das Bessere? Ein Bank basiertes Finanzsystem, das sich auf Kredite von Banken stützt, oder ein sogenanntes Kapitalmarkt basiertes Finanzsystem, das sich auf die Kapitalmärkte stützt, wenn Sie sich die empirische Forschung anschauen?

[00:10:42]

Ja, dann gibt es eigentlich zu diesem Thema keine eindeutige Antwort. Die Frage kann einfach nicht beantwortet werden, welches System dem anderen überlegen ist. Vielmehr ist es so, dass beide Systeme Vorteile haben. Es geht nicht darum, entweder oder vorzugehen. Entweder Bank basiert oder Kapitalmarkt basiert. Die Frage ist vielmehr. Kann das eine System das andere ergänzen, aus deutscher Sicht also können die Kapitalmärkte die Bankkredite ergänzen. Da muss ich Ihnen sagen, gibt es in Europa noch jede Menge Spielraum.

[00:11:22]

Wenn Sie z.B. die europäische Wirtschaftsleistung oder wenn Sie überhaupt die Wirtschaft Witz an der Wirtschaftsleistung messen, dann ist z.B. der amerikanische Aktienmarkt mehr als anderthalb Mal so groß als sein europäisches Pendant. Und da habe ich schon die Briten mit eingerechnet, wenn sie das WAK des Kapital anschauen.

[00:11:44]

Und da gehts ja vor allen Dingen bei kleinen und mittleren Unternehmen und bei sogenannten Venture Capital Unternehmen darum wann ist der Markt in Amerika fünfmal so groß? Wenn Sie die Verbriefung Märkte anschauen, ist der Unterschied sogar noch viel größer. Das heißt, es geht bei der Kapitalmarktunion zumindest nach meiner Überzeugung darum, die Finanzierungsquellen von Unternehmen zu diversifizieren. Das heißt, es geht darum, der Realwirtschaft den Zugang zu Finanzmitteln zu verbreitern und zu verbessern. Es geht also darum, die Effizienz eines Finanzsystems zu erhöhen, um eben ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum besser unterstützen zu können.

[00:12:28]

Und das heißt also, diese Gründe für die Kapitalmarktunion, die bestehen weiter und durch einen Brexit werden die nicht obsolet. Ganz im Gegenteil Wir brauchen eine vernünftige Kapitalmarktunion, um die Risiken besser zu teilen und wirtschaftliche Schocks auf den privaten Konsum besser abzufedern.

[00:12:52]

Inwiefern? Wie genau kann die Kapitalmarktunion solche Schocks abfedern?

[00:12:57]

Die Kapitalmärkte sind ein wesentlicher Puffer. Dafür haben wir Zahlen aus der Zeit vor der Pandemie. Nach der Pandemie sieht das ganz anders aus. Das typische Land für Kapitalmarkt finanzierte Bankensysteme und Finanzierungssystem sind die USA. Und hier ist sind die Märkte für Eigenkapital relativ integriert und können in den USA und 40 Prozent der gesamten konjunkturellen Schwankungen zwischen den verschiedenen Bundesstaaten in den USA abfedern. Was heißt das? Wenn also ein negativer Schock in einer bestimmten Industrie oder in einer bestimmten Region eintrifft, dann wird dieser Verlust über die betroffene Region hinaus auf viele Schultern in den USA verteilt.

[00:13:52]

Im Gegensatz oder im Gegenzug dazu sind die über das ganze Land verteilten Eigenthümer in guten Zeiten dann aber auch an den Gewinnen beteiligt. Also 40 prozent der gesamten konjunkturellen Schwankungen werden durch die Eigenkapital Märkte abgefedert. Die Bedeutung der Kreditmärkte in den USA sind im Vergleich viel geringer und puffern nur ungefähr 25 prozent der konjunkturellen Schwankungen. Ab jetzt vergleichen wir das mit Europa. Hier sieht das Bild, weil wir eben Bank basiert ist ganz anders aus. In Europa sind es vor allem die Kreditmärkte, die als Puffer dienen, aber eben nicht besonders wirkungsvoll.

[00:14:33]

Insgesamt werden nur 40 prozent eines Schocks abgefedert, bevor sie den privaten Konsum beeinträchtigen können. Das ist, wenn sie jetzt mit den USA vergleichen, bei ihr allein schon das Eigenkapital, sodass man also sagen kann, dass die Risiko Verteilung in Europa verbesserungswürdig ist. Um die Schwankungen des Konsums zu verringern mit zunehmender Entwicklung einer Volkswirtschaft wie in Deutschland sind natürlich sehr weit entwickelt, lässt aber die wachstumsfördernde Wirkung des Bankensektors nach.

[00:15:09]

Und die positiven Effekte, das werden Ihnen die ökonomischen Forscher sagen. Der Kapitalmarkt Finanzierungen gewinnen an Gewicht. Gleichzeitig gilt aber auch, dass die Markt basierten Finanzsysteme dazu beitragen, solche Rezessionen abzuschwächen, die als Folge von Finanzkrisen auftreten. Andersherum gilt aber auch Bank basierte Finanzsysteme können normale Konjunkturschwankungen sie überhaupt gibt, besser ausgleichen.

[00:15:36]

Es gibt also nicht richtig oder falsch, sondern nach meiner festen Überzeugung gilt es, das eine Tun ohne das andere zu lassen, um die Quellen der Finanzierung zu diversifizieren und zu erweitern, um im Falle eines Schocks möglichst gut dazustehen.

[00:15:56]

Ich würde gern nochmal auf die Umsetzung zurückkommen. Für eine Kapitalmarktunion müssten alle 27 Länder an einem Strang ziehen. Was da also auf uns zukommt? Um zu einem Ergebnis zu kommen Das ist wahnsinnig komplex, da könnte es helfen, einen Schwerpunkt zu setzen. Wo könnte dieser liegen?

[00:16:14]

Meiner Meinung nach sollte ein Schwerpunkt auf den Märkten für Eigenkapital liegen. Denn gerade das Eigenkapital ist besonders geeignet, als Stabilisator bei der Finanzierung zu dienen. Ich würde das gerne erläutern. Fangen wir mal bei Fremdkapital Finanzierung an. Das kennen alle, die selbst schon einmal eine Hypothek aufgenommen haben oder andere Schuldt Verträge geschlossen haben. Die Bedingungen von solchen schuldt Verträgen, die passen sich typischerweise eben nicht an die jeweilige Situation der Kreditnehmer an. Ein Rückzahlung Betrag, der ändert sich zum Beispiel nicht, wenn ein Kreditnehmer in Schwierigkeiten gerät.

[00:16:58]

Ganz im Gegenteil, der Rückzahlung Betrag bleibt gleich. Das heißt ökonomisch gesehen zu einer Risiko Teilung. Mit dem Kreditgeber kommt es also nur, wenn der Kreditnehmer weitere Kredite aufnimmt, die Kredit gebenden Banken weitere Kredite vergeben, um eben solche Schwierigkeiten des Kreditnehmers zu überbrücken oder wenn im Falle einer Insolvenz ein Schuldenschnitt vorgenommen wird. Das drastischsten Mittel überhaupt. Wenn Sie das jetzt nur mit dem Eigenkapital vergleichen, dann passt sich der Wert des Eigenkapitals immer an die jeweilige Situation an. Eigenkapital wirkt und das ist das Gute an Eigenkapital, wie eine Versicherung gegen Risiken und Eigenkapital bildet einen Puffer, der Verluste auffangen kann.

[00:17:50]

Damit will ich sagen, dass eine stärkere Eigenkapital Finanzierung Insolvenzen vorbeugt und damit auch die Schwankungen von Investitionen und von Wachstum verringert. Das alles ist eine stabilisierende Funktion. Die war übrigens auch während der europäischen Schuldenkrise sehr deutlich zu beobachten. So war waren z.B. die Fremdkapital Finanzierungen in Europa viel anfälliger für Kapitalflucht als die Eigenkapital Finanzierung. Und deshalb glaube ich in der Umsetzung sollten wir uns auf das Eigenkapital konzentrieren und wir sollten auch damit anfangen, um auf die Latte sehr hoch zu legen.

[00:18:28]

Die steuerliche Benachteiligung von Eigenkapital gegenüber Fremdkapital abzuschaffen.

[00:18:34]

Wenn wir das nun einmal runterbrechen auf den Anleger. Wie profitieren wir davon? Von einer Kapitalmarktunion.

[00:18:42]

Wir profitieren von einer Standardisierung. Beispielsweise, dass wir eine stärkere Integration haben, mehr Gemeinsamkeit haben. Nehmen Sie z.B. die Verbriefungen von Krediten. Oder wir nehmen einfach noch spezielle das Beispiel die Verbriefung von Automobil Krediten im Moment. Können Sie das nur Land für Land vornehmen? Dann könnten Sie Immobilienkredite, wenn Sie denn stabilisiert wären, quer über Europa verbriefen und könnten viel liquide und damit auch effizientere Märkte schaffen. Das wäre ein Beispiel. Wir hätten vielleicht im Sinne einer im Rahmen einer Kapitalmarktunion auch ein einheitliches Insolvenz System.

[00:19:23]

Das würde übrigens auch gebraucht. Man wüsste was, wenn es Unternehmens Insolvenzen gibt, dass das überall in Europa sehr ähnlich, wenn nicht sogar gleich gehandhabt wird. Immerhin haben wir ja in etlichen Ländern der Europäischen Union auch eine Währung. Und deshalb sage ich ganz am Anfang, dass ein einheitlicher Währungsraum auch integrierte Finanzmärkte braucht. Wir würden also von diesen Formen von Standardisierung direkt profitieren, weil wir dann tiefere, liquide, effiziente bemerkt hat, was auch den Kosten zugute käme.

[00:19:58]

Nun sind ja die im Aktionsplan vorgestellten Maßnahmen in vielen Teilen sinnvoll, würde ich sagen. Sie verlieren sich aber auch ein bisschen in den Details. Sie führen vor allem immer noch zu keiner starken Kapitalmarkt, Kultur, Vertrauen oder zumindest Verständnis. Das ließe sich meiner Meinung nach zum einen durch eine ordentliche und flächendeckende Finanzbildung schaffen. Was muss denn sonst noch geschehen, um das hinzubekommen? Also das Bewusstsein für den Kapitalmarkt zu schärfen und vielleicht Sparer grenzüberschreitend zu Anlegern zu machen?

[00:20:32]

Da sprechen Sie wirklich eine sehr wichtige Frage an. Es gibt nämlich nicht nur einen institutionellen Rahmen, nicht nur einen rechtlichen Rahmen. Es gibt auch weiche Faktoren. Und diese weichen Faktoren sind ebenfalls für solch eine Kapitalmarktunion sehr wichtig und müssen unbedingt berücksichtigt werden. Noch haben wir immer zum Beispiel unterschiedliche kulturelle Präferenzen für bestimmte Finanzierungsform. Das kann nicht gut sein, solange wir so fragmentiert sind in der Europäischen Union. Was die kulturellen Präferenzen für Finanzierungsformen anbetrifft, auch das Niveau ökonomischer Bildung, was Sie zu Recht ansprechen, ist unterschiedlich.

[00:21:13]

Also auch in diesen Bereichen sollten wir meines Erachtens aktiv werden, um das Ziel einer europäischen Kapitalmarktunion zu erreichen. Ohne das wird es gar nicht gehen.

[00:21:22]

Dennoch gibt es noch ein bisschen so ein Flickenteppich. Ich glaube, dass das immer das Bild, was hier ganz gerne verwendet wird, an unterschiedlichen Zum Beispiel sind Finanzprodukte in der Gege noch immer national reguliert und die Insolvenz gegen die hatten sie auch schon angesprochen. Ich auch noch immer massiv voneinander ab. Wie sieht es aus mit einer Kapitalmarktunion, mit der Besteuerung von Gewinnen und Dividenden? Das ist ja ganz spannend für Anleger. Würden die durch eine Kapitalmarktunion automatisch harmonisiert? Wäre das zugunsten der Investoren?

[00:21:55]

Das wäre meine Erwartung, dass wir hier einheitliche Regeln schaffen und dass es eben von vornherein klar ist, dass diese Besteuerung überall gelten. Aber das sind natürlich die größten und schwierigsten Themen Steuer, Themen und Insolvenzrecht Themen. Damit nehmen sie wirklich die die größten Schwierigkeiten heraus. Und diese beiden Themen werden auch immer wieder von Gegnern der Kapitalmarktunion ins Feld geführt. Dass man doch keine großen Chancen auf eine Kapitalmarktunion habe, weil das Steuerrecht und das Insolvenzrecht ja so unterschiedlich sei. Vielleicht sollte man auch nicht bei den größten Themen anfangen, sondern Schritt für Schritt sich erst einmal mit kleineren Themen begnügen, um diesen Flickenteppich praktisch mehr und mehr abzubauen und mehr und mehr zu vereinheitlichen.

[00:22:48]

Also bis wir das Steuer. Erreicht das tatsächlich sehr unterschiedlich ist harmonisieren. Das wird doch eine gewisse Zeit dauern, dann kommen wir zur letzten Frage hängt am Rad. Schon heute wandern leider vielversprechende Talente und Jungunternehmen aus Europa ab, weil sie hier keine Finanzierung bekommen. Viele zieht es in die USA. Dort nämlich fließen 0,6 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung in die Finanzierung neugegründete Unternehmen, während es in Europa gerade mal null komma null fünf Prozent sind. Sie werden von US-Investoren aufgekauft oder gehen dort an die Börse.

[00:23:23]

Meine Frage Ist die Kapitalmarktunion hier vielleicht die Lösung, um Europa zu stärken und wettbewerbsfähig zu machen?

[00:23:31]

Barclays Kapital ist extrem wichtig, um Volkswirtschaften aufzubauen, zu verändern. Und insofern ist natürlich die Kapitalmarktunion auch für das Wagniskapital eine echte große Chance. Wir brauchen das viel mehr. In Deutschland z.B. findet viel Wagniskapital über die Family Offices in der Regel statt. Wir haben viel zu wenige Venture Capital. Die Bundesregierung versucht zu helfen, aber wir sind gegenüber den großen Volkswirtschaften wie den USA stark benachteiligt. Wir brauchen hier mehr Stabilisierung. Wir brauchen hier bessere Möglichkeiten, einheitliche Regeln, tiefere Märkte, um es Begründern zu ermöglichen, an Finanzkapital zu kommen, um Wachstums starke und interessante Unternehmen aufzubauen, die dann auch Arbeitsplätze schaffen und unsere Volkswirtschaft stabilisieren.

[00:24:27]

Insofern ist die Kapitalmarktunion nicht als Allheilmittel zu verstehen, sondern als eine Möglichkeit, auch Wagniskapital im Thema des Wagniskapital mit den USA ein wenig aufzuschließen. Wir werden den Vorsprung nicht einholen können. Wir können mit der aktuellen Situation aber alles andere als zufrieden sein und müssen uns sehr anstrengen, hier mehr zu tun. Und die Kapitalmarktunion ist ein Rahmen, indem man privatwirtschaftliche Initiativen stärkt, um hier uns unsere Position gegenüber den USA zu verbessern.

[00:24:59]

Ich denke, das ist ein sehr, sehr schönes Schlusswort. Herr Dombret, ich danke Ihnen recht herzlich für Ihre Infos und Ihre Zeit. Dankeschön.

[00:25:05]

Alles Gute. Redaktionsschluss für diese Folge war wie gewohnt um 16 Uhr. An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei Christian Heinemann und Alexander Voss für die Produktion der Sendung bedanken. Auch Ihnen, liebe Zuhörer, vielen Dank fürs Einschalten. Wenn Ihnen die Folge gefallen hat, bewerten Sie uns nach Möglichkeit doch gerne auf Ihrer Podcast App. Ihr Feedback hilft uns sehr. Das können Sie uns übrigens auch gerne per Mail an Today at Handelsblatt.com schicken, ebenso wie Themen, Wünsche, Fragen oder die Antwort auf meine heutige Frage Halten Sie einen einheitlichen europäischen Kapitalmarkt für umsetzbar?

[00:25:46]

Ich freue mich auf Ihre Nachrichten und wünsche Ihnen bis dahin alles Gute. Auf Wiederhören!