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[00:00:04]

Herzlich willkommen zu Handelsblatt Today. Wir sprechen von Montag bis Freitag über aktuelle Nachrichten und ihre Bedeutung für die Finanzwelt. Heute haben wir Montag, den ersten März und ich bin Mary Abdelaziz dzu.

[00:00:25]

Der Aktienmarkt kennt keine Grenzen. 2020 Das Krisenjahr wurde beendet mit einem Allzeithoch.

[00:00:34]

Wir sind in einer Blase und wir sind nicht nur in Amerika in einer extremen Tech Blase, sondern wir sind überall in der Welt.

[00:00:39]

In einer Blase befinden wir uns aktuell schon in einer Aktien Blase. Oder ist das vielleicht erst der Anfang einer richtigen Rally Platz?

[00:00:46]

Jetzt endlich die Blase am Aktienmarkt oder nicht? Diese Blase muss und sie wird platzen.

[00:01:04]

Wenn wir auf die Meinung von Experten hören, dann sind viele Aktien seit Monaten viel zu teuer und damit eben überbewertet. Aber hey, wen interessiert's? Von platzenden Blasen und baldigen Korrekturen ist in letzter Zeit ja ziemlich oft die Rede. Und trotzdem wird an den Börsen munter weiter gekauft. Im Börsen sprechen würde man jetzt sagen. Die Stimmung ist eindeutig bullisch. Und das, obwohl oder vielleicht sogar, weil Coruña die Welt immer noch umtreibt. Also was spricht überhaupt noch für eine baldige Korrektur?

[00:01:40]

Könnte es nicht vielmehr so sein, dass an den Märkten eine zweite Realitäts entstanden ist, in der reale Gewinne einfach keine Rolle mehr spielen? Weiter noch, in der es rein um den Glauben an das Produkt von morgen geht? Vielleicht sind Aktien tatsächlich nur noch nach unserem alten Denkmuster überbewertet? Ja, davon war schon oft die Rede. Aber wer weiß. Im Moment scheint alles möglich. Ein Grund mehr, hier mal tiefer in die Diskussion zu gehen. Unser Haus Aktien Experte Ulf Sommer ist dafür heute bei uns im Studio.

[00:02:13]

Mit ihm sprechen wir gleich dazu.

[00:02:21]

Und wir starten wie gewohnt mit einem frischen Blick auf die Märkte für unseren täglichen Markt Bericht ist uns heute meine Kollegin Mareike Müller aus Frankfurt zugeschaltet. Mareike Es ist schon wieder soweit. Der DAX nähert sich der 14 000 Punkte Marke. Was ist da los?

[00:02:38]

Richtig, Meri. Der deutsche Aktienmarkt hat bisher einen richtig schönen Start in die Woche hingelegt. Kann man gar nicht anders sagen. Wir erinnern uns Letzte Woche hatte der DAX ja null komma sieben Prozent verloren. Aktuell liegt er jetzt also am Nachmittag, aber wieder rund ein Prozent im Plus. Und ein wichtiger Grund ist natürlich der US-Konzern Johnson und Johnson. Der erhielt ja für seinen Coruña Impfstoff die Zulassung in den USA. Mitte März will die EU entscheiden, ob dieser Impfstoff dann auch hier in Europa zugelassen wird.

[00:03:09]

Und das hebt natürlich total die Stimmung. Und dementsprechend sind besonders gefragt im DAX auch Werte der Pharma und Medizin Branchen wie z.B. Fresenius Medical Care Bayer mit Kursgewinnen von 2 prozent. Aber auch der Flugzeugmotoren Hersteller im Tou. Und damit kommen wir dann auch zu meiner Lieblingsfrage Mareike. Wie sieht es mit einem neuen Rekordhoch an den Börsen aus?

[00:03:31]

Das ist wie immer gar nicht so leicht zu sagen. Denn einerseits scheint natürlich der Rekord in greifbarer Nähe zu sein Das aktuelle Rekordhoch im DAX liegt bei 14 000 169 Punkten. Und ob der DAX in den kommenden Tagen diesen Rekord überwinden kann? Das dürfte entscheidend von den Renditen auf US-Staatsanleihen abhängen. Der Grund ist folgender. Denn grundsätzlich sind steigende Zinsen kein gutes Umfeld für Aktien. Denn der ganze Aktien Boom, den wir jetzt gerade erleben, beruht ja eigentlich mitunter darauf, dass die Zinsen eben extrem niedrig oder sogar negativ sind.

[00:04:06]

Und wenn die Rendite für die zehnjährige US-Staatsanleihen jetzt eben noch weiter so ansteigt, wie wir das in den letzten Handelstagen gesehen haben, dann könnte das sogar den DAX Aufschwung, den wir jetzt heute ja auch z.B. mitverfolgen, direkt wieder kippen. Was natürlich auch passieren kann. Dementsprechend, dass der DAX wieder auf ein neues Jahres tief rutscht, dass der Rekord eben nicht nach oben, sondern nach unten geht.

[00:04:30]

Es bleibt also spannend. Wie sieht es denn international an den Märkten aus? Mareike Was gibt's da Neues?

[00:04:35]

Am spannendsten ist es dieser Tage tatsächlich in den USA Marry. Denn das US-Repräsentantenhaus hat ja am Wochenende auch noch Präsident. Beides Konjunkturpaket zugestimmt. Das ermutigt Anleger jetzt natürlich auch zum Kauf von Rohstoffen beispielsweise. Und aus dem gleichen Grund, sagen Analysten, schwanken jetzt auch die Anleihe. Kurse schon wieder etwas weniger. Aber, und das ist natürlich mit Vorsicht zu genießen. Die Abstimmung im Senat steht noch aus. Und da könnte es zu einem Patt kommen. Und genau wie sich das dann auswirken wird.

[00:05:06]

Ich nehme an. Darüber werden wir hier auch wieder sprechen. Ganz sicher.

[00:05:09]

Mareike herzlichen Dank für dein Börnsen Update.

[00:05:20]

Und bevor wir gleich ins große Interview starten, hier noch ein kurzer Hinweis auf ein weiteres spannendes Handelsblatt Produkt Altersvorsorge, Eigenheim, Finanzierung oder einfach der nächste Urlaub. Gründe, Geld anzulegen, gibt es viele. Mit dem Newsletter Handelsblatt Geldanlage erhalten Sie jede Woche aktuelle Empfehlungen zum Thema Geldanlage fand Deutschlands bedeutendster Wirtschaftsredaktion. Damit sind Sie bestens für die Herausforderungen der Finanzwelt gewappnet. Informieren Sie sich jetzt unter Handelsblatt.com Slash Geldanlage oder in den Shownotes.

[00:06:01]

In der Börsen Welt gehören Wörter wie baldige Korrektur, möglicher Crash und platzende Blase momentan bei vielen zum STANDARD Vokabular und nachvollziehbar sind die Gedanken ja, dass Geld Volumen am Aktienmarkt wächst und wächst und wächst. Warum? Das ist ja mittlerweile auch allen klar. Einerseits die lockere Geldpolitik der EZB und der US-Notenbank Fed und andererseits die Alternativlosigkeit im Bereich der Anlagemöglichkeiten. Überbewertete Aktien sind gerade ein heißes Gesprächsthema und deshalb diskutieren wir jetzt mit unserem Aktien Analysten Ulf Sommer darüber. Ulf Mein Kollege Max hat letzte Woche mit dem Analysten Manfred Hübner über eine mögliche Korrektur an den Märkten gesprochen.

[00:06:47]

Er sagt, es könnte tatsächlich im Mai oder Juni soweit sein, weil eben die Angst vor Inflation und natürlich vor steigenden Zinsen die Kurse im negativen Sinne beeinflusst. Was glaubst du denn? Kann das passieren? Eine Korrektur in absehbarer Zeit, ja.

[00:07:01]

Ich frage mich, warum erst im Mai oder Juni, nämlich die von Herrn Hübner angesprochene Angst vor Inflation und höheren Zinsen. Ja, die gibt's doch nicht im Mai und Juni.

[00:07:09]

Die gibt es jetzt jetzt in diesem Moment. Deswegen wird sie ja auch ausgesprochen, die Sorge und auch zurecht finde ich. Und zu glauben, dass das Thema der Inflation die Märkte vielleicht im Mai oder Juni beschäftigen wird. Das mag richtig sein, aber es beschäftigt die Märkte auch jetzt. Insofern kann es sein, dass die Korrektur jetzt kommt. Also ab heute, gestern, ab morgen. Egal wann, wer. Wer weiß. Vielleicht hat sie schon gerade begonnen, weil wenn ich mir die Kurse in den letzten Tagen ansehe, in der letzten Woche, da hat es schon heftige Schwankungen gegeben, größere, als wir in den Wochen davor erlebt haben.

[00:07:43]

Und ja, die größer werdenden Schwankungen, die sprechen dafür, dass eine Korrektur möglicherweise bereits begonnen hat.

[00:07:49]

Du hast ja in den letzten Tagen ja insbesondere mal die Aktien angeschaut, die aus deiner Sicht tatsächlich überbewertet sind, aber überbewertet? Wo genau oder woran genau machst du das fest?

[00:07:59]

Ja, dafür schaue ich mir an, wie viel die Unternehmen verdient haben. Also ich schaue mir erst mal das vergangene Jahr an. Das ist ja zumindest real messbar, wie viel sie im vergangenen Jahr verdient haben und wie viel sie in diesem Jahr voraussichtlich verdienen werden. Es ist immer wichtig, auch in die Zukunft zu gucken, weil die Märkte beschäftigen sich nicht mit der Vergangenheit, sondern immer nur mit der Zukunft. Ja, und dann setze ich die Gewinne der Unternehmen ins Verhältnis zu ihren Kursen, zu ihren Aktienkursen.

[00:08:26]

So lässt sich der Gewinn eines Unternehmens auf jede einzelne Aktie herunterbrechen, also herunter rechnen. Ich brauche dafür nur den Gesamt Gewinn durch die Zahl der Aktien zu teilen. Schon habe ich den Gewinn je Aktie. Und wenn ich dann diesen Gewinn ins Verhältnis zum Aktienkurs bringe Jordan. Er rechnet sich daraus, dass Kurs-Gewinn-Verhältnis ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10 beispielsweise sagt aus, dass es zehn Jahre dauert, bis ein Unternehmen seinen Börsenwert mithilfe seines jährlichen Netto Gewinns verdient hat. Jetzt gibt's eine Faustregel Je niedriger dieses Kurs-Gewinn-Verhältnis.

[00:09:00]

Wir sagen auch KGV, je niedriger dieses KGV, desto günstiger ist die Aktie bewertet.

[00:09:06]

Okay, Kurs-Gewinn-Verhältnis schön und gut. Aber wann ist denn eine Aktie jetzt nun wirklich überbewertet?

[00:09:13]

Wie gesagt, je höher das KGV, desto überbewertet ist die Aktion Unternehmen, die jetzt Jahr für Jahr ihre Gewinne sehr gering steigern und jetzt auch nicht ein ganz so attraktives Geschäftsfeld haben wie beispielsweise Zigarettenhersteller. Die sollten ein geringes KGV haben. Haben sie im Übrigen auch in der Regel fast immer. Andererseits dürfen Technologie Werte, die ihre Gewinne Jahr für Jahr stärker steigen, ruhig ein höheres KGV haben, weil das von Anlegern in der Regel akzeptiert wird. Entscheidend ist nämlich immer das Potenzial des Unternehmens, das Geschäftsmodell und das Gewinn Potenzial.

[00:09:48]

Und auch hier gibt es eine Faustregel Steigert ein Unternehmen seine Gewinne zweistellig und das womöglich Jahr für Jahr die nächsten Jahre, ja, dann darf auch das KGV überdurchschnittlich hoch sein. Umgekehrt sollte aber ein KGV einstellig sein, wenn auch die Gewinne wenig oder sogar gar nicht steigen.

[00:10:07]

Verstehe. Wer ist denn da jetzt besonders aufgefallen?

[00:10:11]

Es gibt im Moment viele Aktien mit einem KGV von 25 und mehr DAX habe ich mir mal angeschaut. Da sind das Linde, Beiersdorf in Neon und Adidas. Bei den Technology Aktien ist ein KGV von 30 und 40 im Moment sogar eher die Regel als die Ausnahme. Wenn ich mir die amerikanische Nasdaq mit Microsoft, Amazon, Alphabet, Tesla also alles Aktien, die fast jeder Anleger kennt, wenn ich mir diese Aktien anschaue, da ist ein KGV von 30, 40 und mehr schon die Regel.

[00:10:41]

Aber wie gesagt, Tech Aktien dürfen ruhig ein etwas höheres KGV haben. Die Frage ist nur, um wieviel höher es sein darf, ohne dass die Aktien krass überbewertet sind.

[00:10:51]

Okay, Tech Aktien sagst du dann lass uns das doch nochmal genauer auseinander nehmen. Also warum sind so viel Technologie Aktien überbewertet?

[00:10:58]

Ja, das ist im Prinzip einfach. Die Kurse steigen seit langem sehr, sehr, sehr viel stärker als die Gewinne der Unternehmen, also als es die Unternehmen schaffen, ihre Gewinne zu steigern. Die Aktienkurse laufen praktisch davon. Und solch eine Entwicklung kann auf Dauer nicht gut gehen. Kurz vor Dokus Verdoppelung Verdreifachung. Wie sie die amerikanische Nesthocker in den vergangenen zwei, drei, vier Jahren gesehen hat. Ja, und gleichzeitig Gewinn zu Wechsel der Unternehmen von nur 10 Prozent.

[00:11:25]

Das ist ein Missverhältnis, wie es einfach nicht ewig gutgehen kann. Denn letztendlich und das finde ich in dem Zusammenhang jetzt ganz, ganz wichtig. Letztendlich sind Aktien Anteilsscheine von Unternehmen und wenn diese Unternehmen an der Börse zu hoch bewertet sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Anleger sie irgendwann verkaufen und dafür Anteilsscheine von weniger hoch bewerteten Aktien kaufen. Und deswegen fallen dann diese Aktien.

[00:11:51]

Aber trotzdem muss es denn jetzt zwangsläufig bei diesen Aktien zu einer Korrektur kommen? Ich meine, bei Big Tech heißt es doch ständig Die Blase platzt. Und so weiter und so fort. Seit Monaten diskutiert man darüber, aber wirklich merken tut man davon nicht so viel bis jetzt.

[00:12:06]

Das stimmt. Das muss nicht sein, dass die Blase platzt oder die Börse empfindlich einbricht. Das kann sein. Das muss nicht sein. Aber es kann etwas anderes passieren. Es kann auch sein. Das ist jetzt das günstige Szenario. Es kann sein, dass die Unternehmen in ihre Bewertung hineinwachsen, die sie hineinwachsen. Was ist, was will ich damit sagen? Die Unternehmen steigern ihre Gewinne in den kommenden Jahren stärker, als ihre Kurse steigen. Dann haben wir praktisch den umgekehrten Fall die die Kurse steigen noch, aber sie steigen langsamer, als die Unternehmen ihre Gewinne steigern werden.

[00:12:35]

Ja, in dem Fall würde sich die Bewertung verringern, ohne dass die Aktienkurse gleich einbrechen müssen. Das kann ich mir im Übrigen bei so einigen Industrie Aktien sehr, sehr viel besser vorstellen als bei den viel beliebteren Technologie Aktien.

[00:12:49]

Also du meinst Industrie Aktien wachsen stärker in ihre Bewertungen hinein als sie bei Anlegern zurzeit beliebten Teck Aktien?

[00:12:57]

Ja, das wäre gar nicht so ungewöhnlich. Nämlich zumindest nicht in einer Konjunktur Phase, in der wir jetzt gerade aktuell stehen, nämlich 2021. Aber dazu muss man wissen 2020 war ja die Konjunktur massiv eingebrochen. Und mit dem Einbruch der Konjunktur ging einher, dass auch die Gewinne der vielen Industrieunternehmen massiv eingebrochen sind. Lass mich das mal am Beispiel sagen. MTU Der Dax-Konzern MTU hat bezogen auf die Gewinne ist ein Spezialist für die Wartung rund um Flugzeuge. Ja, der wird die Gewinne, die in diesem Jahr vermutlich erwirtschaften wird, hat er ein KGV von knapp 30?

[00:13:33]

Das klingt dramatisch überbewertet, aber das jetzt MTU seine Gewinne in den Jahren. 2022 2023 rasant steigert, weil Flugzeuge dann wieder fliegen werden und auch mehr gewartet werden müssen, das ist sehr, sehr sehr wahrscheinlich. Das MTU gewinnt Sprünge hinbekommen wird. Hinzu kommt, dass bei MTU die Gewinne massiv eingebrochen sind und schon allein deshalb das Potenzial für steigende Gewinne unglaublich hoch ist. So, und jetzt die andere Seite. Umgekehrt werden die an der Börse heißgeliebten Tech Werte.

[00:14:05]

Die haben es schwerer, ihre extrem hohen Gewinne, die sie jetzt schon einfahren, weiter rasant zu steigern, denn ihre Gewinne waren gar nicht eingebrochen. Die Ausgangsbasis ist damit also schlechter schwieriger, um Gewinn Sprünge zu schaffen. Das Technologieunternehmen ihre Gewinne weiter steigern ist zwar sehr, sehr wahrscheinlich, aber in einem Aufschwung nach einem vorangegangenen schweren Abschwung, wie wir ihn 2020 erlebt haben, dürften jetzt erst mal die Gewinne der typischen zyklischer und das sind Konjunktur. Empfindliche Unternehmen wie MTU, ja, die dürften ihre Gewinne erst mal stärker steigen.

[00:14:39]

Okay, also die Unternehmen müssen hineinwachsen. In Ihrer Bewertung sagst du aber welche Faktoren führen denn dazu, dass aus ihnen dann letzten Endes das wird, was ihnen ja. Naja, im positiven Sinne durch die hohe Bewertung unterstellt wird?

[00:14:51]

Ja, dazu muss sich die Konjunktur erholen. Das gibt einfach eine gute Basis für steigende Gewinne. Insofern sind die hohen Bewertungen eine Wette auf eine bessere Konjunktur. Zumindest bei den Industrie Aktien. Denn die erholen sich nur dann, wenn die Konjunktur gut läuft. Bei den Tech Aktien ist das anders. Die sind weitgehend oder viel viel Konjunktur unabhängiger. Deswegen mögen Anleger sie auch so gerne, weil ja, da ist man nicht so abhängig von der Konjunktur, weil die Industrie Aktien wohl bei den Technologie werden, kann ich mir ehrlich gesagt aber nicht vorstellen, wie die Unternehmen in die hohen Bewertungen hineinwachsen wollen.

[00:15:28]

Wenn ich mir Unternehmen wie Tesla anschaue oder auch Apple, da erscheinen mir Gewinne Sprünge kaum möglich, weil der Markt mit Smartphones ja da ist ja irgendwann gesättigt schon ein Halten der astronomisch hohen Gewinne von 51 Milliarden Euro im Jahr. Ja, ich hab's extra nochmal nachgeschlagen. Bei Apple sind wirklich 51 Milliarden Euro im vergangenen Jahr da. Das ist mehr als alle 30 Dax-Konzerne zusammen verdient haben. Also schon eine Wiederholung dieser 51 Milliarden bei Äffle. Das wäre ein ganz, ganz toller Erfolg für Apple.

[00:15:58]

Aber das wird Anlegern nicht reichen, denn die hohe Aktien Bewertungen bei Apple signalisiert nämlich, dass die Gewinne weiter und weiter steigen. Und das halte ich für eine riskante Spekulation.

[00:16:08]

Okay, ich würde das Ganze jetzt gerne mal von einer anderen Perspektive beleuchten. Mal ganz ehrlich. Vielleicht ist ja mittlerweile so was wie eine zweite Realität entstanden. Ja, es hat sich jetzt erst einmal vielleicht bekloppt an, aber eine zweite Realität, in der sich viele gar nicht mehr dafür interessieren, ob das Kurs-Gewinn-Verhältnis noch stimmt. Ich meine, der Hype entsteht doch mittlerweile durch den Glauben an das Produkt in der Welt von morgen. So, vielleicht sind diese Aktien nur noch nach unserem alten Glaubensmuster überbewertet.

[00:16:36]

Aber in der zweiten Welt oder zweiten Realität, von der ich gerade sprach, die völlig abgekoppelt ist von der Realwirtschaft, gelten eben neue Regeln. Regeln, in der reale Gewinne keine Rolle mehr spielen. Kann das sein?

[00:16:48]

Ja, ich ahne, worauf du hinaus willst. Mich das ja letztendlich. Ob Aktien gekauft werden oder nicht. Das ist ja alles eine Frage von Angebot und Nachfrage.

[00:16:55]

Ja, ja, es kann theoretisch sein, dass alles, was ich jetzt erzählt habe, gar nicht zutrifft, weil Aktien werden gekauft, Aktien, STIKO, Aktienkurse steigen, wenn es mehr Käufer als Verkäufer gibt. So einfach ist das. Du sprichst einen ganz wichtigen Punkt an, nämlich vielleicht zählt nur noch das Produkt von morgen und übermorgen und der Glaube an die zweite und die Dritte Welt.

[00:17:17]

Aber was ich auch weiß, diese Vorstellung gab es schon sehr oft. Und das sage ich jetzt wirklich nicht nur als Unternehmens und Finanzer Redakteur, sondern als Historiker. Denn das ist, was ich eigentlich gelernt und studiert habe. Und ich bin Historiker. Und 1907, da erlebte die Wallstreet eine beispiellose Spekulation. Industrie Aktien waren damals gefragt, 1929 ebenso. Ja, und auch damals gab es tatsächlich Begriffe wie Neue Ära, Neue Welt, neues Zeitalter. Genau dieselben Begriffe gab es sogar schon.

[00:17:48]

Warum? Um die hohen Bewertungen zu rechtfertigen, hohe Bewertungen, wie wir sie damals hatten und wie wir sie auch jetzt wieder haben. Weil es muss immer eine Rechtfertigung dafür geben. Das wollen Anleger einfach. Im Jahr 2000 war es genau so, auch da hatten Unternehmen, die irgendwas mit Internet zu tun haben könnten, mit einem Mal. Ja, hatte für sie eine neue Welt begonnen. Aber Aktien kehrten immer wieder nach Jahren der Euphorie zu ihren Durchschnitts Bewertungen zurück, egal wie lange die Übertreibungen Phasen mit überbewerteten Aktien dauerte.

[00:18:21]

Das kann aber oft sehr sehr lange dauern. Gerade im Jahr 2000 haben wir das erlebt. 1996 waren Aktien schon überbewertet. Was passierte? Die stiegen immer noch vier Jahre lang weiter, waren vier Jahre lang weiterhin überbewertet. Und da war es kein Wunder, dass man dann irgendwann mal an so eine neue Welt glaubte, weil einfach die Korrektur. Ich kommen wollte. Aber sie kam. Jetzt gibt's auch da eine Faustregel Je länger solche Übertreibungen Phasen dauern, desto schwerer gestaltet sich anschließend der Absturz.

[00:18:48]

Weil ein Hineinwachsen in die Bewertung, was ich eingangs geschildert habe, wird dann natürlich immer schwerer.

[00:18:54]

Und jetzt müssen wir sagen Wir sind ja schon seit einem Jahr in diesem Zustand. Ja, das ist richtig. Vor einem Jahr waren die Aktien auch schon überbewertet und auch da hätte der die Korrektur der Quetsch auch schon morgen oder übermorgen kommen können. Und sie kam es nicht. Und das kann natürlich sein, dass wir in einem Jahr hier wieder zusammensitzen und ich dann genauso sage, ich hätte vor einem Jahr kommen können und es ist immer noch nicht gekommen. Das ist eben das Schwierige.

[00:19:16]

Man weiß nicht, wann es kommen wird.

[00:19:19]

Ja, was glaubst du denn? Welche Rolle spielt die EZB hier beinahe? Also wenn sie ihre Geldpolitik anpasst, ist das dann ein Risikofaktor für Aktien und besonders für überbewertete Aktien?

[00:19:30]

Ja, die die Europäische Zentralbank, die EZB, die spielt eine ganz, ganz große Rolle in dem ganzen Spiel, eine ganz große Rolle. Und nicht allein die EZB, sondern zusammen mit der amerikanischen Notenbank, der japanischen Notenbank und der Bank of England nämlich. Sie alle halten die Zinsen nahe Null und das schon seit längerer Zeit. Dadurch lassen sich die Aktien Bewertungen, die Überbewertung an den Aktienmärkten rechtfertigen, eben weil es für Erspartes nichts mehr gibt und die Aktie konkurrenzlos erscheint.

[00:19:59]

Aber das ist auch zugleich auf Dauer ein Risiko. Denn sobald die EZB irgendwann mal ihre Geldpolitik anpasst, wie du sagst was ja nichts anderes bedeutet, als dass sie die Zinsen erhöht, dann ist das ein enormer Risikofaktor für für Aktien. Und was noch gefährlicher ist allein schon der Glaube der Anleger. Wirklich nur der Glaube der Anleger, dass die EZB etwas tun könnte, ist eine reale Gefahr für die Börsen.

[00:20:23]

Also du meinst, allein der Glaube daran reicht aus? Also du meinst, die EZB braucht quasi gar nichts zu tun? Allein der Glaube daran würde reichen, um ganz real eine Gefahr für Aktien darzustellen.

[00:20:34]

Ja, wirklich nur der Glaube. Das reicht schon aus. Okay, Wahnsinn. Ich glaube tatsächlich, das ist nochmal ein Thema für sich. Lass uns das möglichst bald besprechen. Gerne. Gerne. Ja, super. An der Stelle erst mal ganz lieben Dank euch. Ja bitte.

[00:20:53]

Und das war's für heute von Handelsblatt Today. Redaktionsschluss war wie gewohnt um 16 Uhr. Die Producer dieser Sendung sind Christian Heinemann und Alexander Foss. Haben Sie Fragen, Anmerkungen, Lob oder Kritik für uns? Dann schreiben Sie uns gerne eine E-Mail an Today at Handelsblatt Punkt kommen. Und wenn Ihnen die Sendung heute gut gefallen hat, dann bewerten Sie uns gerne auf Ihrer Podcast Plattform. So können wir weitere Menschen auf unser Format aufmerksam machen. Außerdem möchte ich Sie heute gerne noch auf etwas hinweisen.

[00:21:26]

In genau einer Woche, am Weltfrauentag am 8. März, findet der erste Female CEO Stöckel der The Shift Initiative statt. Die Veranstaltung ist Teil der Themenwoche Business As Female vom Handelsblatt rund um den Weltfrauentag. Mehr Infos dazu finden Sie auf der entsprechenden Website. Der Link befindet sich in den Shownotes. Und jetzt wünsche ich Ihnen einen schönen Feierabend. Oder wenn Sie uns morgens hören einen guten Start in den Tag. Bleiben Sie gesund.