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Die ganze Welt des Wissens Podcast von Bayern 2.

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In einem einzigen ungeheuren Komplex gab es Salons, in denen man seinen Körper mit rauen Tüchern frittieren und anschließend ließ Räume für heiße, warme und kalte Räume. Man konnte sich die Haare waschen, parfümieren und frisieren lassen. Es gab Maniküre, Salons und eine Turnhalle. Man konnte die verschiedensten Kosmetikartikel und Parfüms kaufen.

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Dieser Text ist keine Werbung für einen luxuriösen Wellness-Tempel unserer Zeit.

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Charles Bernhardi beschreibt in seiner Universalgeschichte der ganz gewöhnlichen Dinge vielmehr die Karaca aller Thermen in Rom.

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Etwa 260 nach Christus, lesen wir weiter, wird der Unterschied deutlich. Nachdem er seine gymnastischen übungen beendet hatte, konnte ein römischer Badegast sich zur Lektüre in die angrenzende Bibliothek zurückziehen oder sich in einem Vortragssaal einer Debatte über Philosophie oder Kunst anschließen. Häufig hielten sich in diesem komfortablen Club an einem Tag bis zu zweieinhalbtausend Menschen auf, und das war nur das Bad für Männer. ähnliche, wenngleich weniger große Einrichtungen gab es auch für Frauen. Eine Wellness-Oase, die gleichzeitig Bibliothek und Debattierklub für philosophische und künstlerische Themen ist, passt doch besser in die römische Kaiserzeit.

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Gigantische Thermen entstanden damals. Sie waren von griechischen Bauten inspiriert. Denn prächtig ausgestattete Bade Räume gab es bereits in der mykenischen Zeit 2000 bis elf vor Christus in den Palästen von Knossos Freistoss oder Mykene. Marga Weber weist in ihrem Buch Antike Badekultur auf eine interessante Doppeln Nutzung von Badewannen hin.

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In den minoischen und mykenischen Palästen und Gräbern sind große Mengen bemalter Wannen aus Truhen gefunden worden. Nach dem Gebrauch für das Bad wurden sie auch als Särge verwendet. öffentliche Anlagen entstanden in Griechenland im fünften Jahrhundert vor Christus etwa in Olympia am Ufer des Flusses Claudius. Das Bad für die Athleten war rund 22 Meter lang und sechs Meter breit.

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In der Mitte befand sich ein Brunnen, an der Seite standen elf SIDS Wannen aus Marmor.

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Auch Schwimmbäder sind überliefert. Die Griechen nannten sie Feuermelder. Man saß in kleinen Räumen um ein mit Holzkohle in Glut gefülltes, bonze Becken und geriet durch die strahlungswärme ins Schwitzen. Oder es wurden heiße Steine mit Wasser übergossen. In Olympia kam noch etwas hinzu, so Marga Weber.

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Gleichzeitig wurde ein Schwimmbecken unter freiem Himmel angelegt. Das älteste uns bekannte Freibad Griechenlands. Schon in Olympia waren also Spitzbart, Wannen, Bäder und Freibad verbunden. Die Grundelemente des griechischen Bades.

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Zu jeder Anlage gehörte ein Sall Braum, in dem der Körper nach dem Bad eingeölt wurde. Die ersten Salben der Griechen waren TIR Fette und Butter.

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Später gewann man öle aus Oliven, Nüssen, Mandeln und Sesam. Blüten wurden zu ätherischen ölen verarbeitet, die mit ölen, Safran oder Esels Milch parfümierte man das Badewasser. öle dienten auch zur Reinigung der Haut, ebenso Sand und Pottasche. Die pflanzliche Asche war eine Vorstufe der Seife.

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Marga Weber in antike Badekultur Man lauschte die Pottasche mit Wasser aus und ließ diese Lösung in eindampfen. Es bleibt ein weißes, körnigen Pulver zurück. Bringt man dieses beim Waschen in Verbindung mit Wasser, so kommt es zu einer basischen Reaktion. Die Pottasche ist zur Lauge geworden, die an sich schon eine reinigende Wirkung hat.

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Die Römer haben die griechischen Bäder im Dienst. übertriebener Genuss sucht ausgebildet, wie es der Altphilologe und Schriftsteller Theodor Birth so hübsch formulierte. Den Griechen diente das Bad vor allem zur Reinigung und Erfrischung nach dem Sport. Für die Römer war es ein Ort der Geselligkeit, des Spiels Faulenzen und Schlemmen. In den gigantischen Thermen wärmte man sich zunächst in lauer Luft auf, bevor man in die Wanne mit heißem Wasser stieg.

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Im Sprudel Becken wurde dann so manch eitler Mann entlarvt, spottet Theodor Birth in seinen Ausführungen zur Kulturgeschichte Roms.

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Dann ließ man sich mit lauwarmen Wasser sprudeln, wobei man in einem runden Becken stand. Dabei hat anscheinend auch der Schwamm geholfen. Für gewisse Glatzköpfe war das aber gefährlich. Es gab nämlich alte Ecken, die sich statt Perücken zu tragen, die Haare mit Farbe auf die Glatze malen ließen. Die ganze Herrlichkeit war vorbei, wenn sie ins Nasse kamen.

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Zum Schluss kühlten sich die alten Gurken im Barium ab, bevor sie sich massieren und ölen ließen.

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Die Termen standen jedermann offen den Vornehmen, den Bürgern und dem gemeinen Volk und auch den zahlreichen Dieben, die natürlich unerwünscht waren, ebenso wie Tiere und aufdringliche Schreiberlinge.

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Theodor Bird Augenscheinlich brachte man missbräuchlich auch Hunde mit ins Bad. Ja, auch andere Tiere aufwärts zum Rhinozeros. Das war im schlimmsten Wortsinn sensationell. Die ärgste Plage waren jedoch die Dichter, die entbrannt sind, ihre neuesten Verse vorzutragen. In den Wäldern fanden sie ihr Publikum, denn das Publikum war unbekleidet und konnte nicht entrinnen.

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952 Bäder zählte Birth allein in Rom.

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Sie prägten das Bild der Stadt, bis 537 die Goten einfielen und das gesamte Wasser Leitungssystem zerstörten und damit auch die Thermen. Das war zunächst das Ende der Badekultur in Europa. Als die Mauren im 8. Jahrhundert die Iberische Halbinsel eroberten, brachten sie die islamische Badekultur nach Europa. Die Anlagen der Alhambra, in Granada 131 erbaut, galten als eine der Prachtvolles. Auch die Kreuzfahrer sorgten für ihre Verbreitung, und so kehrten im Mittelalter die öffentlichen Stupende zurück.

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Im 14. Jahrhundert hatte Basel 110, Nürnberg 12, Ulm zehn, Stuttgart sieben, Würzburg 7 und Wien 29 zählt Karl Walker in seinem Werk Das Geld in der Geschichte und illustriert Männlein und Weiblein badeten gemeinsam und völlig nackt im gleichen Zuber, wobei die weibliche Eitelkeit allerdings noch um die gute Frisur und um die richtige Geltung des oft genug noch extra angelegten Schmuckes besorgt war. In der Regel nahm man während des Badens auch noch Speisen und Getränke zu sich selbst. Auf dem Dorf gab es öffentliche Bäder, wohltätige Einrichtungen stifteten Freibäder für Arme, sogenannte Seelen Bäder.

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überliefert ist der Brauch des Hochzeits Bades. Braut und Bräutigam zogen mit ihren Gästen ins Badehaus, verteilten dort Geschenke und luden anschließend zum zäch gelagert. Das gehobene Bürgertum und der Adel vollzogen ihr Badr Ritual in den eigenen vier Wänden. Und das teilten sie gerne mit anderen, wie Karl Walker schreibt.

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Man empfing Gäste, Freunde des Hauses, die man zum Bade einlud und dabei mit Essen und Trinken, Spiel und Scherz unterhielt. Im Mittelalter war der Mensch in einem durchaus gesunden Sinne noch natürlich und unbefangen. Und aus dieser Unbefangenheit heraus machte er auch kein Hehl aus seiner Freude am Dasein, zu der zu allen Zeiten die erotische Spannung hinzu gehört erotische Spannung und lustvolle Baade Genüsse beschreibt.

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Auch der Italiener bot die Gutsche Bratscher Leni. 1717 nahm er als Apostolische Sekretär am Konzil in Konstanz teil und machte dabei einen Abstecher in den Kurort Baden im schweizerischen Aargau, wo der Besuch von drei Bädern täglich üblich war.

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In Der Morgen früher waren die Bäder am beliebtesten. Bin ich selbst badete, stattete seinem bekannten Besucher ab. Von den Galerien herab konnte man mit ihnen sprechen und sie an schwimmenden Tischen essen und speisen sehen. Schöne Mädchen baten um Almosen und warf man ihnen Münzen hinab. So breiteten sie die Gewänder aus, die Münzen aufzufangen und dabei ihre Reize zu enthüllen. Blumen schmückten die Oberfläche des Wassers, und oft halten die Gewölbe wieder vom Seitenspiegel und Gesang. Mittags an der Tafel ging nach Hunger der Becher so lange um, wie der Magen den Wein vertrug.

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Oder die Pauken und Pfeifen zum Tanze riefen. Der Ethnologe Hans-Peter Dürr dagegen misstraut dem EPI Corea Pozzo. Denn sein Ziel sei es gewesen, den Leser zu ergötzen.

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Und schon in den Tagen Ponchos war das Aargauer Baden dafür berüchtigt, dass es dort von Huren wimmelte. Weshalb sehr viele ehrbare Frauen auf einem Bad Besuch an diesem Ort verzichteten.

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In seinem Buch Der Mythos vom Zivilisation widerspricht Dürr auch der These, Männer und Frauen hätten im gleichen Zuber gebadet. Im Gegenteil Der gemeinsame Genuss sei mit Strafen geahndet worden. Vom Verlust der Kleidung über Geld bis hin zu Gefängnisstrafen. Die öffentlichen Badeanstalten kamen tatsächlich in den Verruf, Bordelle zu sein. Einige waren es wohl auch. Zum schlechten Ruf trugen die Bada bei, die sich als Heiratsvermittler und Kuppler betätigten. Die Autoren Franz Siegler und Arnold Lakota in Bettler und Gaukler, Dirnen und Henker.

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Der Aufgabenbereich des Baaders und seines Personals reichte vom Abspülen des Körpers mit heißem und kaltem Wasser über Massieren, Schlagen oder Abreiben mit dem Bade Wedel und der Baade Bürste aus kargen Disteln bis zu Schönheitspflege, Rasieren und Haareschneiden. Was in den meisten Städten zu einem Zwist mit den Bad Sheeran führte. Die fast als selbstverständlich vorausgesetzte Bereitschaft, den losen Sitten der Badegäste zu entsprechen und Sonderleistungen auf sexuellem Gebiet anzubieten, förderten den schlechten Ruf der Badstuber und Barbiere. Dann kamen Pest und Syphilis nach Europa.

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Die damals unheilbare Geschlechtskrankheit schleppten vermutlich spanische Söldner aus Südamerika ein. Wegen der Ansteckungsgefahr schlossen daraufhin die meisten öffentlichen Badehäuser. Baden galt jetzt nicht mehr als Genuss, sondern im Gegenteil als schädlich. 1655 schrieb der französische Arzt Theophrast.

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Das Baden ist außer aus dringenden medizinischen Gründen nicht nur überflüssig, sondern auch sehr schädlich für die Menschen. Das Baden hat eine zerstörerische Wirkung auf den Körper und macht ihn durch das eindringende Wasser für die Einwirkung der schlechten Eigenschaften der Luft empfänglich.

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Diese Meinung teilte er mit vielen ärzten. Die Körperhygiene litt folglich deutlich unter der geschnürten Wasser. Angst Statt sich zu waschen, puder und parfümierte sich der Adel im Barock. Man rubbelt den Schmutz trocken ab mit einem Tuch und wechselte öfter die Unterwäsche.

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Mitte des 18. Jahrhunderts wurde eine neue Losung ausgegeben Im Zuge der Aufklärung und Rückbesinnung auf die Antike hieß es jetzt Warmes Wasser, schwäche und verweichlichte den Körper. Kaltes Wasser dagegen stelle in, und das Baden im Freien kam in Mode. 1762 schrieb Jean-Jacques Rousseau Emile oder über die Erziehung.

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Tatsächlich waschen viele Völker ohne weiteres die Neugeborenen in Flüssen oder im Meer. Unsere Kinder, vor der Geburt schon von der Verweichlichung der Eltern verweichlicht, kommen schon so schwächlich auf die Welt. Härtet ihre Körper ab, taucht sie wie Achilles in die Fluten des Stücks wenn die der Großen. Dichtete Bertolt Brecht über die Leichtigkeit des Leibes im Wasser. Für die Gesundheit empfahlen Mediziner jetzt Fluss und Seebäder auf Main, Donau, der Binnenalster und vielen anderen Flüssen schaukelten Bade, Flöße.

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Bald entstanden auch die ersten Fluss Badeanstalten für die Nichtschwimmer und das waren die meisten installierte man Schwimm Käfige im Wasser. Der Volksmund nannte sie Kästen, sodass man sicher hinter Gittern badete. Die Wanne ist ungefähr 1,5 Meter lang, 80 Zentimeter breit und 70 Zentimeter hoch. Sie besteht aus Kupfer oder beschlagenen Holz.

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So beschreibt Diderot in seiner Enzyklopädie eine mobile Wanne, die sich betuchte Bürger vom Wasser Händler mieteten, der sie mitsamt dem nötigen Warmwasser lieferte. Manch bürgerlicher Haushalt verfügte selbst über eine tragbare Badewanne. Sie wurde entweder als Luxus Ausgabe mit Stoff verkleidet, in die Möbel integriert oder in der Abstellkammer versteckt. 150 Jahre später finden wir eine Wanne in der Abstellkammer wieder in Theodor Fontanes Roman Stechlin. Herr und Frau Hofrat haben ihr Dienstmädchen Hedwig darin einquartiert.

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Eine Badisch Stube ist eine Rumpelkammer, wo man alles unterbringt, alles, wofür man sonst keinen Platz hat. Und dazu gehört auch ein Dienstmädchen. Meine eiserne Badestelle, die abends aufgeklappt wurde, stand immer neben der Badewanne drin. Alle alten Bier und Weinflaschen lagen, und nun driften die neigen aus.

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Im 18. und 19. Jahrhundert kommen Seebäder groß in Mode als Tonika für die Nerven. Vorreiter ist England mit den Bädern in Brighton, Scarborough und Baars, das dank seiner heißen Quellen zum größten Badeort Europas aufsteigt. Das erste Seebad in Deutschland eröffnet 1793 in Bad Doberan an der Ostsee. Norderney und Travemünde folgen die Kur. Bäder sind zunächst einer elitären, reichen Schicht vorbehalten. Die Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach berichtet aus Franzens Bad.

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Die Liste wird eifrig und täglich studiert. Wir kennen den Namen, die Heimat und den Stand eines jeden Badegast. Seine Wohnung, die Zahl seiner mitgebrachten Diener. Wir schließen auf seinen Reichtum oder seine Großmut nach der Summe, die er zu den gemeinnützigen Sammlungen beigetragen. Wir erforschen, weshalb er gekommen. Wie lange er bleibt. Gehört er aber zu einer anderen Kategorie als der unseren? So wird er als ausgestoßener Paria behandelt und suchend geflohen.

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Es sind prüde Zeiten. Die moralische Etikette jener Epoche verlangt strikte Geschlechtertrennung. Als anstößig gilt, wenn Frauen in Sichtweite von Männern baden, obwohl sie vom Hals bis zu den Zehen verhüllt sind. Manche nehmen sogar Gewichte in den Saum ihres Barocks, damit der ja nicht in die Höhe weht. Ein kurioses, ganz koerper Kostüm der damaligen Zeit, gefertigt aus derbem Baumwollstoff, beschreibt Charles Panade.

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So trugen die Frauen zum Beispiel beim Baden ein Kleid aus Flanell, Alpaka oder sängerisch mit einem passenden hochgeschlossenen Oberteil bis zum Ellbogen reichenden ärmeln und einem knielangen Rock, darunter Pluderhosen, schwarze Kniestrümpfe und flache Schuhe, auch Segeltuch.

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Um in den Genuss eines Bades im Meer zu kommen, mussten sich die Kurgäste einen Badekappen mieten, eine hölzerne Bretterbude auf Rädern. In dieser Karre zog man sich um, dann wurde man in ihr ins Meer geschoben.

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Joseph Freiherr von Eichendorff notierte am 22. September 1805 in sein Tagebuch Es sind dies nämlich eine Reihe von Karren, die längst dem Ufer des Meeres hinstehen.

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Jede dieser Karren besteht aus einem kleinen, niedlichen Stübchen mit Stühlen, Stiefel, Knecht und allem Bequemlichkeiten, das auf zwei Rädern steht und auf der Seeseite ganz offen ist. Hat sich nun der Badende in die kleine Wohnung logiert. So wird sie einige Schritte weit ins Meer hinein geschoben, und er kann sich nun auf einer Form angebrachten Strickleiter ohne alle Gefahr so tief in die See herablassen, als er Lust hat. Die Badekappen wurden entweder von Pferden ins Meer gezogen oder auf extra ins Meer gebaute hölzerne Gleise geschoben.

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Badewetter halfen den Herrschaften ins Meer, schwimmen konnten die meisten nicht. Die Männer tauchten tollkühn ein paarmal unter, und die Damen ließen sich von kräftigen Helferinnen in der Brandung hin und her schaukeln. Während des Bades dienen die Karre und eine zusätzliche Plane als Sichtschutz. Nicht nur in den Kuhr Bädern, auch in den Städten galt Anfang des 19. Jahrhunderts Sauberes Wasser gibt es nur für die Reichen. Armut bedeutete Schmutz.

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Ein englischer Bergarbeiter drückte es 1844 so aus Ich wasche nie meinen Körper, ich lasse mein Hemd den Schmutz abreiben, ich im Hals, meine Ohren und mein Gesicht. Meine Schwestern waschen sich nie. Fassen wir das Resultat unserer Wanderung zusammen, so müssen wir sagen, dass 350 000 Arbeiter von Manchester, unseren Vorstädten, fast alle in schlechten, feuchten und schmutzigen Cottages wohnen.

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Mit einem Wort, das in den Arbeiter Wohnungen von Manchester keine Reinlichkeit, keine Bequemlichkeit, also auch keine Häuslichkeit möglich ist, schreibt Friedrich Engels 1845 über die Lage der arbeitenden Klasse in England.

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Bald ging die Zeit des Schmerzes The Great Almost in die sanitaire Revolution über, wobei der Begriff nicht ganz passt, denn die Sauberkeit Offensive wurde von oben verordnet. Hatte die herrschende Klasse bei fortschreitender Industrialisierung doch erkannt, dass saubere und ordentliche Arbeiter bessere Arbeiter waren? Und wieder einmal änderte sich die Kultur des Badens.

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Stefan Muthesius in das Bad Das moderne Sanitäts Wesen beginnt in England um 1850, und das heißt das Bad, das Baden. Der Kontakt des Körpers mit Wasser wurden nun vornehmlich als Methoden des Säubern angesehen. Während die anderen Gesichtspunkte des Bad als Erholung oder das Badehaus als gesellschaftlicher Treffpunkt in den Hintergrund gerieten Baden, duschen war jetzt von öffentlichem Interesse, wurde zur sozialen Norm.

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Den Mediziner hatten erkannt, dass die Cholera in England vor allem durch schmutziges Wasser verbreitet wurde.

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Politiker sahen ein, dass öffentliche Gelder für die Schaffung von Wasserleitungen Systemen bereitgestellt werden mussten. England hatte hier eine Vorreiterrolle, so Muthesius. Es wurden mehr öffentliche Bäder gebaut und gefordert, dass jedes Privathaus ein WC und eine Badr Möglichkeit aufwies.

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In London wurde das ab 1900 realisiert. Alle neun Häuser wurden mit Bad gebaut, bis jedermann seinen Privatparty hatte. Sollten allerdings noch Jahrzehnte vergehen. Oft mussten sich die Mieter eines Hauses eine Badewanne teilen.

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Lange Zeit galt das Motto des 1874 gegründeten Berliner Vereins Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad. Sauberkeit wurde zum Kultur Faktor, wie es Justus von Liebig formulierte Seife ist ein Maßstab für den Wohlstand und die Kultur der Staaten.

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Der Psychoanalytiker Sigmund Freud griff das Zitat in seinem Werk Das Unbehagen in der Kultur auf.

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unsauberkeit jeder Art scheint uns mit Kultur unvereinbar. Auch auf den menschlichen Körper, denen wir die Forderung der Reinlichkeit aus schütteln, den Kopf, wenn uns auf Isola Bella, die winzige Schüssel, gezeigt wird, deren sich Napoleon bei seiner Morgentoilette bediente. Ja, wir sind nicht überrascht, wenn jemand den Gebrauch von Seife direkt als Messer aufstellt. ähnlich ist es mit der Ordnung, die ebenso wie die Reinlichkeit sich ganz auf Menschenwerk bezieht.

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Sie hörten Baade Sitten, Lebensfreude und Prüderie. Von Dorit kreißl. Es sprachen Armin Berger, Katja Schildt und Stefan Wilkening Technik. Susanne Hasim, Regie Dorit Kreissl. Eine Sendung von Radio wissen..