Happy Scribe Logo

Transcript

Proofread by 0 readers
Proofread
[00:00:03]

Die ganze Welt des Wissens Podcast von Bayern 2.

[00:00:11]

Sie war unnahbar, aber immer höflich, distanziert, aber immer zu sprechen. Die Telefonistin. Kein Wunder, dass das Fräulein vom Amt gerne als geheimnisvolle Unbekannte verklärt wurde. Allerdings Die Arbeit der Telefonistin war hart.

[00:00:35]

Es ist ein ganz großer Raum auf der linken Seite waren diese Annahme, dass Sie. Mit 17 Jahren wurde Renate Stocker Ende der 50er Jahre Fräulein vom Amt in Augsburg. Mit 30 anderen Frauen saß sie im Postgebäude an den Schaltern, vor sich einen Stapel Gesprächszeit Blätter. Bei jedem anderen hat sie sich gemeldet. In dem Fall war es Augsburg, und dann hat man den Teilnehmer nach seiner Nummer gefragt und dann, wohin die Verbindung haben musste, auf das Blatt geschrieben werden.

[00:01:19]

Also der Ort und die Rufnummer der habenwollen. Hat man den anderen Stöpselt genommen, hat ihn reingesteckt und hat die Nummer gewählt. Dann hat man gewartet, bis die Verbindung zusammen gekommen ist, und dann hat man den Schalter gekippt. Und dann war Ruhe zum Prüfen reingehört, und dann ist das Gespräch gelaufen.

[00:01:41]

Länger reinhören durften sie nicht. Aber wenn die Fräuleins vom Amt nicht kontrolliert wurden, konnte es schon mal Ausnahmen geben.

[00:01:50]

In Bad Wörishofen kann ich mich schon erinnern, dass da angerufen haben, und da musste man ganz genau, wer wen anruft. Und dann haben Sie alle mitgehört.

[00:02:04]

Wir haben schon Ihre Geflüster. Muss ich vielleicht die einen oder anderen haben schon amüsieren können?

[00:02:21]

Das Fräulein vom Amt wurde manchmal verniedlichend und abwertend Stöpseln Amsel genannt. Vielfach wurde es aber auch regelrecht verklärt. Kinofilme, Lieder und Romane fantasierte von Liebesbeziehungen zwischen Fräulein und Anrufer, ähnlich den Geschichten von Sekretärin und Chef oder Verkäuferin und Kunde. Der Schriftsteller Marcel Proust nannte die neuen Vermittler Rinnen, die nur zu hören waren und Menschen miteinander verbanden, die Hunderte von Kilometern voneinander entfernt waren. Priesterinnen des Unsichtbaren. Dienerinnen des Mysteriums ähnlich wie Boten und Briefträger, die als überbringer einer Nachricht nicht selten mit dem Verfasser verwechselt und deshalb als Liebes Briefträger und Liebhaber imaginiert wurden, wurde auch das Fräulein vom Amt, die neue Vermittlerin, Objekt des Interesses und der Begierde, mystisch und erotisch aufgeladen.

[00:03:22]

Die Schilderungen zeichnen also ein eher positives Bild der Fräuleins und ihrer Arbeit mal eher einfach bis harmlos, mal privilegiert und begehrt. Doch Renate Stocke hörte nach anderthalb Jahren wieder auf, und in einem großen Amt hätte sie erst gar nicht arbeiten wollen.

[00:03:41]

München Es muss ein Moloch gewesen sein, fast eine Fabrik.

[00:03:48]

Auch die Mehrheit der Telefonistin vor ihr, vor allem in der Hochphase des Fräuleins vom Amt in den zwanziger und dreißiger Jahren, wollten schnell wieder weg vom sogenannten Schrank Dienst. Wie waren Leben und Rolle des Fräuleins vom Amt dieser Figur in der Geschichte der Erwerbsarbeit von Frauen, in der begrifflich damals Undenkbares zusammenkam?

[00:04:12]

Das heitere, unbeschwerte, leichtfüßige Fräulein und das seriöse, unnahbare, autoritäre Amt General Post Meister Heinrich Stephan führt 1877 im Deutschen Reichs Telegrafen Amt das Telefon ein. Ein Jahr zuvor war es in den USA erfunden worden. Zunächst gibt es das Telefon nur an Postämtern. Private Haushalte muss er mühsam davon überzeugen. Den Apparat und Benutzung kosten 200 Reichsmark. Ein Lehrer verdient gerade mal 100000 im Jahr. Noch vier Jahre später hat das erste Fernsprecher Netz in Berlin bei der Eröffnung nur vier und neunzig private Teilnehmer.

[00:05:02]

Aber zwölf Jahre später, 1893, gibt es schon 21000 Stellen. Der Bedarf an Personal, das die Verbindungen herstellt, wächst. Es gibt erste Versuche mit weiblichen Hilfsarbeiter.

[00:05:17]

Doch der General Post Meister findet keine Anstalten weniger, als die Reiseverkehrs Anstalten dazu geeignet sind, Frauen in Beschäftigung zu setzen.

[00:05:27]

Trotzdem vervierfacht sich die Zahl von Telefonistin denn zwischen 1897 und 1907 auf 16000. Die Erklärungen sind widersprüchlich bis heute.

[00:05:40]

Auch in der Geschichtsschreibung wird immer gerne betont, man hätte die Frauen wegen ihrer höheren Stimmlage besser verstanden. Praktisch war es aber wirklich so, dass die Post Ende der 80er Jahre hohen Personal Bedarf hatte. Er hatte dann versucht, Projekte gestartet in einzelnen Oberpostdirektion mit der Beschäftigung von Frauen.

[00:06:01]

Lioba Nägele ist Referentin für Nachrichtentechnik am Museum für Kommunikation Frankfurt.

[00:06:07]

Man hatte nämlich gesehen, dass es für diese Bedienung dieser Klappen Schränke durchaus eine gute Mischung brauchte. Es war eigentlich eine langweilige, monotone Arbeit, die man aber mit großer Zuverlässigkeit machen musste. Die männlichen Hilfsarbeiter waren zu schlecht qualifiziert für diese Tätigkeit, die besser ausgebildeten Beamten wollten sie auf Dauer nicht tun. Und genau in diese Lücke sprangen dann die Frauen.

[00:06:33]

Hinzu kommt Viele kleinbürgerliche und mittelständische Familien können ihre Töchter nicht mehr bis zur Heirat ernähren. Ab dem Ersten Weltkrieg 1914 fielen viele Männer, die Familien sind, darauf angewiesen, dass die Frauen verdienen. Vor allem aber wollen viele Frauen genau das, ermutigt von der Frauenbewegung. Zur Jahrhundertwende streben sie nach den neuen Tätigkeiten in Büros und ämtern, nicht mehr den vorindustriellen wie Köchin, Krankenschwester und Lehrerin oder den harten und gering bezahlten industriellen Arbeiten in den Fabriken. Die Fräuleins vom Amt sind in der Regel aus gutem Hause leistungsbereit, höflich, geduldig haben Fremdsprachenkenntnisse und Umgangsformen, die für die reichen Telefon, Abonnenten aus Industrie, Handel, Banken und Verwaltung angemessen erscheinen.

[00:07:30]

Durch die Tatsache, dass nun Frauen in Beamten Positionen kommen und hier kompetent und gut ausgebildet Dienste tun, fühlen sich viele Männer in Frage gestellt und fürchten, ihren Arbeitsplatz zu verlieren.

[00:07:44]

Für die Post war, dass sie eine spezifische Laufbahn sogar eingerichtet hat, für die Frauen die sogenannten Gehilfin, was ja schon daraufhin, dass es jetzt keine höherwertige Tätigkeit war, sondern eher so eine routinetätigkeiten.

[00:08:02]

Die Post teilt die Arbeitsmöglichkeiten in den Behörden in zwei Stränge einer mit Karrieremöglichkeiten für Männer, einer ohne Karrieremöglichkeiten für Frauen. Telefonistin verdienen außerdem weniger als Telefonisten, erhalten keine Rentenansprüche und dürfen nicht verheiratet sein.

[00:08:22]

Das weibliche Posth Personal bedarf einer Ehe der Erlaubnis der zuständigen Behörde. Da sich aber aus der Verwendung von verheirateten Beamtinnen Schwierigkeiten verschiedener Art ergeben können, kann die ihm unterstellten weiblichen Personal die Erlaubnis zur Eingesungen einer Ehe nicht erteilt werden. Buch des Telefonats Nürnberg.

[00:08:46]

Das Heirats verbot ist ein Trick. Die Entlohnung im öffentlichen Dienst ist für Verheiratete und Angestellte mit Kindern höher. Der Lohn soll für eine Familie mit einem allein Ernährer reichen. Frauen soll dieser Lohn nicht zugestanden werden, deswegen das Heirats verbot. Der Gesetzgeber fürchtet außerdem, dass Frauen mit Familie ihren Job nicht richtig machen. Zu Recht geht er davon aus, dass sie ja wie heute noch oft zusätzlich Haus und Familienarbeit machen. Schließlich hat das Heirats Verbot auch zur Folge, dass Frauen viele heiraten, jedoch früh wieder aufhören.

[00:09:24]

Das heißt, sie altern nicht im Amt und erkranken seltener. Und sie bekommen keine höheren Löhne, wie es bei einer Zunahme von Dienstjahren üblich ist.

[00:09:34]

Die Post hat sich nun mit diesen formalen Rahmenbedingungen sehr geschickt gesichert, dass sie sozusagen immer junge, frische, arbeitswillige Frauen hatte. Das war eigentlich eine Arbeitgeber. Freundliche Lösung.

[00:09:48]

In den ämtern passiert ähnliches wie an den neuen Büro Arbeitsplätzen. Vor allem Frauen machen die neuen mechanischen Tätigkeiten an Klappen Schrank, Schreibmaschine oder Rechenmaschine. Die Frauen, denen die männlichen Chefs etwas diktieren, betrachten viele als verlängerte Maschinen. In den USA wird type writer zum Begriff für Schreibmaschine und Stenotypistin.

[00:10:14]

Die ganzen Büro Berufe, ja, die kommen dann eigentlich auch so im frühen 20. Jahrhundert. Und auch da haben wir ja das Phänomen, dass die vorher eigentlich als wirklich wichtiger Tätigkeit des Sekretärs, zum Beispiel als das sich zum typischen Frauenberuf wandelt, eigentlich die Bedeutung dieses Berufes abnimmt. Da gibt es plötzlich die DIB. Das ist natürlich eher despektierlich. Das ist einer der tragischen Aspekte, wenn man sich mit der Geschichte der Frauen Berufstätigkeit beschäftigt, dass damit oft ein Beruf als typisch weiblich gilt.

[00:10:47]

Dass damit eine Abwertung verbunden ist.

[00:10:51]

Trotzdem drängen viele Frauen auf diesen neuen Arbeitsmarkt zwischen Technik und Kommunikation. 1923 ist jede fünfte beschäftigte Person im Post und Fernmelder ämtern eine Frau. Das Fräulein vom Amt wird neben der Sekretärin und der Verkäuferin zum Inbegriff der neuen Frau. Die Figur der neuen Frau ist Ergebnis der Umwälzungen durch den Ersten Weltkrieg, das Ende des Kaiserreichs und der neu errichteten Republik mit sozialistischen Bestrebungen.

[00:11:23]

Illustrierte Werbung, Romane und Filme kultivieren das Bild der neuen Frau selbstbewusst, großstädtisch, gepflegt, modisch, trägt Bubikopf, ist eigenständig, sportlich, finanziell unabhängig von der väterlichen Moral befreit, sexuell liberal und gleichwertige Beziehungs Partnerin des Mannes. Das passt als Bild auch gut zu den wilden Zwanzigern. Aber tatsächlich wohnen die meisten Telefonistin noch bei ihren Eltern und dienen dort ihren Vätern und Brüdern.

[00:11:59]

Eine Frau hat zwei Lebensfragen Was soll ich anziehen und was soll ich?

[00:12:06]

Die neuen Frauen sind vor allem auch rationalisierte Frauen, schreibt die Geschlechter. Historikerin Anita Grossmann im Sammelband Das Fräulein vom Amt, herausgegeben von Helmut Gold und Annette Koch. Rationalisierung als eine neue Art, Arbeit zu organisieren, kommt zur Jahrhundertwende aus den USA nach Europa. Nach dem US Ingenieur Frederick Winslow Taylor, auch Taylor Arisierungen genannt. Sie sieht vor, Arbeitsvorgänge genau zu analysieren und neu zu strukturieren in möglichst kleine, einfache, exakt festgesetzte Schritte, die auch ungelernte möglichst schnell und routiniert, ohne viel Nachdenken und Verständnis fürs Ganze erledigen können.

[00:12:51]

Menschen und Geräte sollen so optimal eingesetzt werden. Tatsächlich erreicht der Theiler damit eine Effizienzsteigerung und mehr Gewinn für die Unternehmer. Im Gegenzug sollten in der Theorie sogar die Arbeits Schichten kürzer und die Löhne höher werden. Doch häufig erledigen nun Sprach, unkundige und nicht gewerkschaftlich organisierte Einwanderer zu geringen Löhnen.

[00:13:16]

Die Tätigkeiten bitte melden! Das Fräulein vom Amt ist der Rationalisierung in besonderer Weise ausgesetzt. Die Frauen sind noch nicht gewerkschaftlich organisiert. Beamten generell verbietet die Regierung noch 1912 Personal und Betriebsräte, denn sie sollen dem großen Ganzen dienen und sich unterordnen. Vor allem aber eignet sich die mechanische und technische Arbeit des Fräuleins vom Amt. An den teuren und nachgefragten Leistungen führt das genaue Abläufe zerpflücken. Ganz anders als die Arbeit einer Krankenschwester zum Beispiel. Telefonistin sollen von nun an bessere Geräte effektiver bedienen und lernen militärisch knappe Redewendungen.

[00:14:02]

Was beliebt?

[00:14:04]

Die überwachung nimmt in den 1910 20er Jahren zu. Häufig sind es weibliche Aufseherinnen, die den Gang zur Toilette kontrollieren.

[00:14:14]

Mit fortschreitender Technik können sich auch Kontroll ämter, ohne dass die Diensthunde Beamtin dies bemerkt, in die Leitung einschalten und den ganzen Dienst überwachen.

[00:14:26]

Neues Wiener Journal 1918.

[00:14:30]

Fehler wie Unkenntnis von Dienstvorschriften oder geistige Anspannung werden festgehalten und zu welchen Uhrzeiten die Fehler Häufigkeit steigt. In den Zwanzigerjahren kommt eine psycho technische Eignungsprüfung für die Fräuleins vom Amt hinzu. Prüfer testen Zahlen, Gedächtnis und Reaktionsfähigkeit der Anwärterinnen.

[00:14:53]

Um 19 Uhr statistisch ermittelt. Das sind 17 Verbindungen in der Minute. Da blieb für Plaudern überhaupt keine Zeit, und es war auch streng verboten, mit dem Kunden mehr als notwendig zu sprechen. Das war alles im Sinne der Arbeit.

[00:15:10]

Streng rationalisiert von 1925 auf 1939 erhöhen sich die vermittelten Gespräche pro Telefonistin um 25 Prozent. Das ist körperlich anstrengend.

[00:15:23]

Sie hat ein Mikrofon auf einem Lederriemen vor dem Mund hängen. Allein schon dieses Gewicht sind damals Metall, Bögge mit Leder, überzug, die aber ziemlich stramm sitzen sollten, damit sie auch gut hört. Dann waren ja ständig. Mit beiden Händen musste sie diese Schnüre stecken beziehungsweise wieder lösen.

[00:15:46]

Besonders unangenehm sind Stromschläge. Die gibt es immer mal wieder wegen technischer Fehler, wegen Gewitter oder wegen starken Kurbelten. So stellen die Anrufer damals den Luftstrom her, kurbeln sie zu heftig, und das Fräulein hat die Kabel schon zum Stecken in der Hand bekommt sie Strom, so heißt es salopp.

[00:16:07]

Warnschilder an den Apparaten sollen die Anrufer vor heftigen Weg Rufen abhalten. Sie führten zu Beschädigungen der Beamten. Doch nicht alle Anrufer halten sich daran. Die Mehrheit der Frauen will damals vom Schrank Dienstweg in Verwaltung oder Anschreibt stellen, so der Bremer Sozialwissenschaftler Dietrich Miles im Sammelband Das Fräulein vom Amt. Gutachter streiten darüber, ob die Stromschläge gesundheitsschädlich sind oder die Frauen nicht vielmehr einfach nur einen Schock oder Schrecken hätten. Heute, so Mielitz, ist klar, dass die Schreck und Schmerz Momente, die die Frauen fürchteten, sogar traumatisieren können.

[00:16:49]

Auch weil die Frauen in diesem Schockmoment nicht wie Menschen, sondern wie Maschinen behandelt werden. Doch ein Dortmunder Nervenarzt empfiehlt der örtlichen Oberpostdirektion, den Anwärterinnen zu sagen, es handle sich bei den Weg Strömen um eine völlige Harmlosigkeit.

[00:17:10]

Die Post Direktion möge außerdem die Warnschilder entfernen und alle Frauen versetzen, die mal krankhafte Erregung Zustände nach Weg strömen hatten. Unabhängig von Knall, Geräuschen und Stromschlägen leiden viele Telefonistin. Die Hälfte sagen Studien aus England an neurologischen Störungen Schwindel, Kopfschmerzen, Raids, Zustände, Konzentrations, lütten Zuckungen und Lähmungserscheinungen.

[00:17:36]

Viele haben auf der Seite, wo sie den Hörer tragen, Hörschäden.

[00:17:41]

Doch Entschädigungen oder Versorgungsansprüche wegen langfristiger Schäden bekommen sie kaum. Im Gegenteil, so Dietrich Mielitz. Das Fräulein vom Amt gilt als Beispiel für die Bemühungen, die seit den frühen 1880er Jahren aufgebauten Leistungen des Sozialstaats zurückzuschrauben.

[00:17:59]

Die Frauen haben zwar versucht, sich auch selbst zu organisieren. Die Beamtinnen bilden so nach 1900 haben auch aktive Berufsverbänden da, wo sie natürlich auch versuchen, ihre Interessen durchzusetzen. Aber ist es tatsächlich so, dass vieles auf Kosten der Frauen tatsächlich sehr lange in Kauf genommen wurde?

[00:18:18]

In Vereinen versuchen sie trotzdem, sich zu organisieren. 90 Prozent von ihnen sind Mitte der zwanziger Jahre im Verband der Deutschen Reichspost und Telegrafen Beamtinnen organisiert. Sie setzen sich dort für Erholungs, Räume, Lesesäle, bezahlbare Mittagstisch und Fortbildungen ein und dafür, dass sie, wenn sie doch heiraten und deswegen ihre Arbeitsstelle aufgeben müssen, wenigstens eine gute Abfindung bekommen. Gegen das Heirats Verbot selbst setzt sich der Verband nie ein. Die Weimarer Reichsverfassung hebt es zwar 1919 wie alle Ausnahmen für weibliche Bedienstete auf, mit der Inflation 1923 wird es aber über eine Personalabbau Verordnung wieder erlaubt.

[00:19:05]

Wirklich enden wird die Praxis erst in den Fünfzigern. Das Fräulein vom Amt bleibt also als einfache Angestellte und Frau stärker als andere den politischen, technischen und wirtschaftlichen Verhältnissen ausgesetzt. Schnell und massenweise entlassen, wenn nötig, schnell und massenweise wieder eingestellt, wenn nötig, auch im Zweiten Weltkrieg. Obwohl das der NS-Ideologie der Frau am Herd widerspricht.

[00:19:34]

Die telefonische Verbindung zwischen den Großstädten funktioniert in Zukunft ohne das Fräulein vom Amt. Ab den Fünfzigern setzt sich die automatische Wählscheibe durch. 1953 bedient ein Reporter auf der Münchner Verkehrshaus Stellung.

[00:19:50]

Ich bin also imstande, beispielsweise hier einen Ort im Bundesgebiet anzurufen. Und sagen wir einmal Düsseldorf nicht ohne daß ich erst einen vernascht, belästigen muss, wenn das, was man hier auf der Verkehrsabteilung gerade in diesem verhältnismäßig kleinen Stand zeigt, einmal Wirklichkeit wird, dann sind wir im Stande, von jedem beliebigen Apparat aus Hamburg sofort anzurufen und jede beliebige Nummer von dort zu wählen.

[00:20:18]

Renate Stocke erlebt in den späten fünfziger Jahren im kleinen, feinen Meldeamt Augsburg das Ende des Fräuleins vom Amt. Sie kann gut Englisch, weil in Folge der Besatzung viele US amerikanische Kinder in ihrer Nachbarschaft leben. Die Lederriemen sind dann nicht mehr so schwer wie früher.

[00:20:37]

Irgendwie hat mir das nicht gefallen, und das war so langweilig, einfach nur aufnahmefähig. Ich glaube, es war nicht länger als ein Jahr, eine Vierteljahr. Warum dann einfach etwas anderes mehr interessiert hat? Dann bin ich eben in Fernschreiben gegangen, und das fand ich wesentlich interessanter.

[00:21:03]

1960, sechs Jahre bevor alle Ortsnetz der Republik automatisiert werden, hört sie auf.

[00:21:11]

War für mich praktisch alle anderen Dinge, die die Post damals angeboten hat, weil ich sie immer als große Familie ist, auseinandergebrochen. Fräulein vom Amt zu sein ermöglichte vielen Frauen in der ersten Hälfte des Jahrhunderts einen modernen Technik Arbeitsplatz, eine Beamten Position und sofern sie nicht aufhörten, weil sie erkrankten oder heirateten. Eine beschauliche Laufbahn. Das Fräulein vom Amt förderte die wachsende Technisierung, die durch Adelung der Welt mit Kommunikation und Versorgungsleitungen, vor allem der modernen Großstädte. Denn das Telefon als Nervenstränge der Gesellschaft verdichtete die räumlich zeitliche Erfahrung, wie Helmut Gold in Das Fräulein vom Amt schreibt.

[00:22:21]

Diese Fräuleins erlebten und prägten die Verhältnisse, sie arbeiteten sprichwörtlich am Nerv der Zeit. Sie hörten das Fräulein vom Amt am Nerv der Zeit. Von Julia Fritzsche gesprochen haben Beate Himmel Stoß und Christian Baumann. Regie Eva Demmel. Huber Technik. Regina Stärke Redaktion. Nicole Ruch lag eine Sendung von Radio wissen..