Transcribe your podcast
[00:00:01]

Radiowecker Die ganze Welt des Westens von Bayern 2.

[00:00:13]

Ein Fremder kommt in ein Dorf und sucht dort Arbeit. Ein vergebliches Unterfangen in einer verschlossenen und feindlichen Welt. Es war spät abends, als K. ankam. Das Dorf lag in tiefem Schnee, vom Schlossberg war nichts zu sehen. Nebel und Finsternis umgaben ihn auch nicht. Der schwächste Lichtschein deutete das große Schloss an. Lange stand K. auf der Holzbrücke, die von der Landstraße zum Dorf führte, und blickte in die scheinbare Leere empor. Kafkas Roman Das Schloss. Dann ging er ein Nachtlager suchen im Wirtshaus war man noch wach.

[00:00:55]

Der Wirt hatte zwar kein Zimmer zu vermieten, aber er wollte von dem späten Gast äußerst überrascht und verwirrt in der Wirtsstube auf einem Strohsack schlafen lassen. K. war damit einverstanden. Einige Bauern waren noch beim Bier. Aber er wollte sich mit niemandem unterhalten, wollte selbst den Strohsack vom Dachboden und legte sich in der Nähe des Ofens hin. Die Bauern waren still. Ein wenig prüfte er sie noch mit den müden Augen er ein. Ein niederländisches Genre Gemälde Ankunft in einer Winternacht.

[00:01:41]

Doch dann wird es seltsam. Aber kurze Zeit darauf wurde er schon geweckt. Ein junger Mann, städtisch angezogen mit Schauspieler, Haft im Gesicht, die Augen schmal, die Augenbrauen stark, stand mit dem Wirt neben ihm. Die Bauern waren auch noch da. Einige hatten ihre Sessel herumgedreht, um besser zu sehen und zu hören. Der junge Mensch entschuldigte sich sehr höflich, karg geweckt zu haben, stellte sich als Sohn des Schloss Castellano vor und sagte dann Dieses Dorf ist Besitz des Schlosses.

[00:02:12]

Wer hier wohnt oder übernachtet, wohnt oder übernachtet gewissermaßen im Schloss. Niemand darf das ohne gräfliche Erlaubnis. Sie aber haben eine solche Erlaubnis nicht. Oder haben Sie wenigstens nicht vorgezeigt? Gleichsam die Ouvertüre des Romans sind schon alle Elemente enthalten, die Kafkas Roman Das Schloss prägen. Ein einsamer, namenloser Mann, der in einer Winternacht in ein namenloses Dorf kommt, wo er ein Außenseiter ist und bleibt. Außenseiter deswegen, weil die Dorfbewohner schwer fassbaren Regeln gehorchen, die er nicht kennt, denen er sich mitunter anpasst.

[00:03:00]

K. hatte sich halb aufgerichtet, hatte die Haare zurecht gestrichen, blickte die Leute von unten her an und sagte In welches Dorf habe ich mich verirrt? Ist denn hier ein Schloss? Allerdings sagte der junge Mann langsam, während hier und dort einer den Kopf über K. schüttelte. Das Schloss des Herrn Grafen West West. Und man muss die Erlaubnis zum übernachten haben, fragte K., als wolle er sich davon überzeugen, ob er die früheren Mitteilungen nicht vielleicht geträumt hätte. Die Erlaubnis muss man haben, war die Antwort.

[00:03:36]

Und es lag darin ein großer Spott für K.. Als der junge Mann mit ausgestrecktem Arm den Wirt und die Gäste fragte. Oder muss man etwa die Erlaubnis nicht haben? Geht zum Gegenangriff über. Als Landvermesser tätig zu werden. Ein Telefonanruf im Schloss zu bestätigen. Er darf die Nacht im Wirtshaus bleiben. Am nächsten Tag will die Finstern im Schloss vorsprechen. Sein Ziel vor Augen bricht er auf in den Wintermorgen.

[00:04:12]

Nun sah er oben das Schloss, deutlich umrissen in der klaren Luft und noch verdeutlicht, durch den alle Formen nachbildet in dünner Schicht überall liegenden Schnee. übrigens schien oben auf dem Berg viel weniger Schnee zu sein, als hier im Dorf nicht weniger mühsam vorwärts brachte als gestern auf der Landstraße. Hier reichte der Schnee bis zu den Fenstern der Hütten und lastete gleich wieder auf dem niedrigen Dach. Aber oben auf dem Berg ragte alles frei und leicht empor.

[00:04:42]

Wenigstens schien es so. Von hier aus müht sich vergebens durch die winterliche Verlassenheit. Die Straße nämlich, die Hauptstraße des Dorfes, führte nicht zum Schlossberg. Sie führte nur nahe heran. Dann aber absichtlich, bog sie ab, wenn sie sich auch vom Schloss nicht entfernte. So kam sie ihm doch auch nicht näher, erwartete, dass nun endlich die Straße zum Schloss einlenken müsse. Und nur weil er es erwartete, ging er weiter. Offenbar in Folge seiner Müdigkeit zögerte er, die Straße zu verlassen.

[00:05:19]

Auch staunte er über die Länge des Dorfes, das kein Ende nahm. Immer wieder die kleinen Häuschen und vereisten Fensterscheiben und Schnee und Menschenleere. Endlich riss er sich los von dieser fest haltenden Straße. Ein schmales Gässchen nahm ihn auf noch tiefere Schnee, das Herausziehen, der Einsinken. Füße war eine schwere Arbeit. Schweiß brach ihm aus. Plötzlich stand er still und konnte nicht mehr weiter.

[00:05:50]

Tatsächlich ist dieser Roman ganz eigentümlich räumlich gestaltet. Da ist das Dorf, und man kommt in dieses Dorf rein über eine Brücke, da gibt es einen Bach, und wenn man reinkommt, ist da ja gleich der Brücken Hof, und wenn man dann ins Zentrum kommt, ist der Herrenshoff, und irgendwo ist das Schloss, und das Schloss gehört zu dieser Welt, territorial und eigentlich doch nicht territorial. Es ist exterritorial, es gibt eine Straße zum Schloss. Da kann man gehen.

[00:06:17]

Aber plötzlich merkt man Diese Straße führt gar nicht zum Schloss. Man kommt ihm zwar näher, aber dann geht man wieder weg. Man kommt nicht an das große Ziel.

[00:06:26]

Oliver Jahraus ist Professor für neuere deutsche Literatur und Medien an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Der Germanist verweist darauf, dass im Roman häufig das Motiv eigentümlicher und Erschöpfung vorkommt, weswegen Menschen ihre Ziele nicht erreichen.

[00:06:43]

Bewegung hat etwas zu tun mit handlungsmacht. In dem Maße, wie die Menschen sich nicht bewegen können, wird eigentlich das Defizit an handlungsmacht deutlich.

[00:06:54]

Da begegnet einigen Bewohnern des Dorfes. Doch überall schlägt ihm Misstrauen und Ablehnung entgegen. Aus einem Haus, in dem er voller Erschöpfung Zuflucht vor dem Schnee gesucht hat, wird er regelrecht hinausgeworfen.

[00:07:07]

Stand noch immer im Schnee, hatte wenig Lust, den Fuß aus dem Schnee zu heben, um ihn ein Stückchen weiter in die Tiefe zu senken. Der Gärtnermeister und sein Genosse, zufrieden damit, endgültig hinaus geschafft zu haben, schoben sich langsam, immer nach Cart zurückblickend, durch die nur wenig geöffnete Tür ins Haus und kava mit dem füllenden Schnee allein.. Gelegenheit zu einer kleinen Verzweiflung fiel ihm ein. Wenn ich nur zufällig nicht absichtlich das Schloss, nicht an diesem ersten Tag das Schloss dort oben merkwürdig noch zu erreichen gehofft hatte, entfernte sich wieder.

[00:07:58]

Kafkas Texte sind eigentümlich abstrakt der Gesellschaft im Dorf unterhalb dieses eigenartigen Schlosses im 19. Jahrhundert. Es gibt allerdings auch technische Geräte, Telefone. Die nächste Frage ist Wo spielt dieser Roman? Das können wir nicht genau sagen, und das provoziert die Leser gerade zu einem unglaublichen Spiel an Interpretationen.

[00:08:31]

Da ist das rätselhafte Schloss, das dem Roman auch den Titel gibt. Als ein Element des Unheimlichen interpretiert Der Roman wird so in die Nähe des Genres in Märchen oft einen gruseligen Aspekt mächtige, unsichtbare Herrscher. Von dort ist nichts Gutes zu erwarten. Kafka schrieb ein Stummfilm Furore Nosferatu. Auch da ging es um unheimliche Vorgänge in einem düsteren Schloss. Kafka spielt mit diesem Versatzstück, schloss wie eine Chimäre, entschwindet. Es ist ungreifbar.

[00:09:15]

Das Schloss, dessen Umrisse sich schon aufzulösen begannen, lag still wie immer. Niemals noch hatte Cart dort das geringste Zeichen von Leben gesehen. Je länger er hinsah, desto weniger erkannte er, desto tiefer sank alles in Dämmerung. Wenn wir jetzt sehr viel Zeit hätten, könnten wir einen großen Katalog machen und dann alle Möglichkeiten eintragen, wofür dieses Schloss eigentümlich stehen kann. Das Schloss als Schauer Roman, das Schloss als Behörde, das Schloss als Herrschafts, Instanz, das Schloss als Repräsentation, das Schloss als Landmarke und ähnliches mehr.

[00:09:53]

Und dann finden wir auch immer irgendwie etwas. Die Frage ist, ob wir uns damit zufrieden geben sollen. Dann sind wir natürlich in einem Spiel, und das Spiel wird uns lange unterhalten.

[00:10:03]

Eine frühe Deutung stammt von einem, der Kafka persönlich gut gekannt hat Max Brod, Kafkas engster Freund und selbst Schriftsteller Brod, setzt in Schloss Roman in Beziehung zu dem acht Jahre vorher geschriebenen Roman Der Prozess.

[00:10:18]

Max Brod hat gesagt In diesen beiden Romanen beschreibt Kafka die Gottheit. Das hat natürlich nur man die beiden Männer in den Blick nimmt natürlich einen jüdischen Kontext. Im Prozess Roman erscheint der eine Aspekt der Gottheit, nämlich das Gericht, und im Schloss Roman erscheint der andere Aspekt der Gottheit, nämlich die Gnade.

[00:10:41]

Kafka beschreibt also, so argumentiert Max Brod, wie dieser Landvermesser K. versucht, ins Schloss zu kommen, also Gnade zu erfahren.

[00:10:52]

Professor Jahraus plädiert hingegen dafür, die Ungewissheit zu ertragen, nicht nur danach zu suchen, was das Schloss bedeutet, sondern auch danach, zu fragen, was es bedeutet, wenn wir immer schon auf der Suche nach der Bedeutung des Schlosses sind. Und dann könnten wir beispielsweise sagen Ja, der K. verhält sich der nicht gegenüber dem Schloss, so wie wir Leser gegenüber dem Schloss Roman. Und wenn K. das Schloss erreicht hätte, hätte er irgendetwas erreicht. Und wenn wir den Roman erreicht hätten, dann hätten wir die Kafka Interpretation.

[00:11:28]

Und dann merkt man. Der Roman baut eine grandiose Struktur auf, um gerade eine solche Vorstellung ad absurdum zu führen.

[00:11:38]

Eine häufige Reaktion der Leser darauf ist eine Enttäuschung. Tritt man mit den herkömmlichen Erwartungen an Kafkas Schloss heran, fragt man sich Was geschieht hier? Welche moralische Botschaft verkündet der Schriftsteller? Doch ein Roman der Moderne hält sich nicht an solche Regeln. Um die Wende zum 20. Jahrhundert besteht das Konzept des klassischen Bildungsromans nicht mehr. Schriftsteller verweigern die eindeutigen Sinn Angebote.

[00:12:09]

Die Welt erlaubt es einfach nicht mehr, das Helden auf eine Reise gehen, dann vielleicht auch tatsächlich erst einmal erfahren, dass sie geirrt haben, aber am Ende dann doch dort ankommen, wo sie einsehen können, wo sie geirrt haben, und dann da sind, wo sie auch gehören.

[00:12:23]

K. ist ja auch kein Held. Seine Figur ist widersprüchlich und schwer fassbar. Seine Vergangenheit bleibt schemenhaft. Selbst ein Beruf ist nicht eindeutig. Nun ist er denn überhaupt ein Landvermesser. Das wissen wir nicht. Der Roman weckt ja ganz explizit Zweifel. Vielleicht ist er in der Tat auch nur ein Betrüger, der daherkommt und sich einen Platz in der Gesellschaft erschwindeln mag. Die Behörde lässt sich darauf ein und erteilt im Jahr eine vorläufige Anerkenntnis seiner Tätigkeit. Aber nur so weit, dass dann überhaupt erst die Suche nach dieser Anerkenntnis noch stärker vorangetrieben wird.

[00:13:07]

Wir haben zwei Instanzen. Die eine Instanz ist das Individuum auf der Suche nach Anerkennung, und auf der anderen Seite gibt es eine Instanz, die offensichtlich in der Lage ist, diese Anerkennung zuzusprechen. Aber genauso offensichtlich nicht willens ist, genau das zu tun.

[00:13:24]

Und dieses Konzept der Anerkennung, so Professor Jahraus, ist charakteristisch für die Moderne Anerkennung, wird eigentlich zum Grundbegriff moderner Individualität und Subjektivität.

[00:13:36]

Man könnte man sagen, das ist jetzt das Subjekt in der Moderne.

[00:13:40]

So versucht K. zunächst, die Anerkennung durch den Schloss Beamten zu erhalten, der im Herrenshoff residiert.

[00:13:47]

Ganz konkret begegnet K. dem Schloss, in dem Beamten klamm und klamm ist, ein Schloss Beamte, und da könnte ja vielleicht einiges tun. An denen müsste er herankommen. Und er kommt ja auch relativ nahe. Aber er kommt nicht wirklich ran. Er sieht ihn ja nur hinter einer Tür. Er blickt durchs Schlüsselloch.

[00:14:08]

An einem Schreibtisch in der Mitte des Zimmers, in einem bequemen Lehnstuhl, saß grell von einer vor ihm nie Dahinden Glühlampe beleuchtet. Ein mittelgroßer, dicker, schwerfälliger Herr. Das Gesicht war noch glatt, aber die Wangen senkten sich doch schon mit dem Gewicht des Alters ein wenig hinab. Der schwarze Schnurrbart war lang ausgezogen, ein schief aufgesetzter spiegelnde Zwicker verdeckte die Augen, den linken Ellbogen hatte klamm auf dem Tisch liegen, die rechte Hand in einer Virginia hielt, ruhte auf dem Knie, auf dem Tisch stand ein Bierglas.

[00:14:48]

Die Rand des Tisches hoch war, konnte Kahn nicht genau sehen, ob dort irgendwelche Schriften lagen. Es schien ihm aber, als wäre er leer. Der ungreifbare Vertreter der Macht ist ein wichtiges Motiv im Roman. Elias Canetti hat einmal über Kafka gesagt, er sei der größte Experte der Macht. Er hat sie in jedem ihrer Aspekte erlebt und gestaltet. Und so geht es auch bei der Beziehung nicht so sehr um Liebe, sondern um Macht. Frida ist die Geliebte Klums.

[00:15:26]

Ein unscheinbares kleines blondes Mädchen mit traurigen Augen und mageren Wangen, das aber durch ihren Blick überraschte einen Blick von besonderer überlegenheit. Im Wirtshaus vor Klums Zimmertür kommt es zu einer seltsamen Liebesnacht. Der kleine Körper brannte in Händen. Sie rollten in einer Besinnungslosigkeit aus, der sich fortwährend, aber vergeblich zu retten suchte. Ein paar Schritte weiter schlugen dumpf an Klums Tür und lagen dann in den kleinen Pfützen, wie es dem sonstigen Unrat, von dem der Boden bedeckt war.

[00:15:59]

Dort vergingen Stunden, Stunden, gemeinsamen Atem, gemeinsamen Herzschlags, Stunden, in denen K. immerfort das Gefühl hatte, er verirrte sich, oder er sei so weit in der Fremde wie vor ihm noch kein Mensch einer Fremde, in der selbst die Luft keinen Bestandteil der Heimat Luft habe, in der man vor Fremdheit ersticken müsse und in deren unsinnigen Verlockungen man doch nichts tun könne als weitergehen, weiter sich verirren. Kafka hat diesen Roman ja begonnen, in der Ich-Form zu schreiben.

[00:16:34]

An der Stelle war es wirklich zu diesem intimen Verkehr. Mit Frida kommt, hat er gemerkt, dass er das nicht mehr durchhalten kann. Dann ist er das ganze Manuskript noch einmal durchgegangen, und überall, wo ich stand, hatte er geschrieben, wo mir stand, hat er sich geschrieben oder korrigiert.

[00:16:56]

Im Januar 1922 hatte Kafka einen Nervenzusammenbruch erlitten.

[00:17:01]

In seinem Tagebuch schreibt er Zusammenbruch, Unmöglichkeit zu schlafen, Unmöglichkeit zu wachen, Unmöglichkeit, das Leben, genauer die Aufeinanderfolge des Lebens, zu ertragen. Tuberkulose.

[00:17:44]

Gerne suchen Leser in ihrer Ratlosigkeit nach den Realitätscheck Partikeln in Kafkas Romanen. Nun liegt es nahe, im Schloss Roman Kafkas persönliche Situation widergespiegelt zu sehen.

[00:17:55]

Die Versuchung ist natürlich groß. Diese Figur heißt K., wie schon im Prozess Roman K. wie Kafka. Solche Namen Spielereien gibts immer wieder bei Kafka.

[00:18:07]

Und auch das Ausgeliefertsein, die Erfahrung, ein Außenseiter zu sein. Zentrale Motive des Romans kann man in Kafkas Lebenssituation wiederfinden.

[00:18:16]

Oliver Jahraus betont Auf der einen Seite haben wir wirklich eine unglaubliche Verwertung von Alltagserfahrungen, aber auf der anderen Seite lässt sich der Text eben nicht auf diese biografischen Elemente zurückführen. Kafka macht uns das Angebot, aber das ist vergiftet. In K. oder Josef K.. Franz Kafka zu sehen. Denn man darf ja nicht meinen, wenn man jetzt irgendwie ein Detail in einem literarischen Text von Kafka als ein biografisches Detail wiedererkennen kann und identifizieren kann, das man dann schon auf dem Weg zu einer Interpretation wäre.

[00:18:54]

Und außerdem hat der Germanist, sollte man umgekehrt auch nicht von dem Werk auf das Leben schließen.

[00:18:59]

Dann erscheint ein Bild von Kafka, der immer so in einer eigentümlichen Krampft Situation ist er nie anerkannt ist. Und das stimmt eigentlich nicht, ganz im Gegenteil. Man muss ja sagen Kafka hat eine wunderbare Karriere hingelegt, hat Jura studiert. Dazwischen Tätigkeiten, ist er dann in der Versicherungsanstalt untergekommen. Er hat in dieser Behörde Karriere gemacht, er ist aufgestiegen. Man muss sich das mal vorstellen. 1917 bricht die Tuberkulose bei ihm auf. Er bemüht sich um Pensionierung, aber seine Chefs wollen ihn nicht pensionieren, weil sie ihn viel zu sehr schätzen als einen ganz, ganz wichtigen Mitarbeiter.

[00:19:40]

Er ist durchaus anerkannt.

[00:19:42]

Auch die Familie weiß, was sie an Kafka hat, wenn er sich Rat suchend, an ihn, wenn es um juristische Fragen geht. Bei seinen häufigen Sanatoriums Aufenthalten, da wird er wirklich sehr zuvorkommend behandelt. Er ist der hohe Beamte.

[00:19:58]

Der amerikanische Schriftsteller Louis Begley hat sich viel mit Kafkas Werk beschäftigt. Seine Gebrauchsanweisung für Kafka. Hüten Sie sich vor dem Trugschluss, in der Dichtung liege die Wahrheit über den Dichter. Eine Unsitte, die ungefähr so viel Sinn hat wie der Wunsch, beim Verzehren eines Sterne-Restaurant sehen zu können. Wie der Koch aus dem Rührei wieder ganze Eier macht.

[00:20:23]

Lassen Sie lieber die Dichtung Ihr Werk tun. Lassen Sie sich auf den Flügeln einer erfundenen Geschichte davontragen.

[00:20:31]

Das Schloss war Kafkas dritter Roman Der verschollene derprozess. Wie die beiden vorherigen sollte auch das Schloss Fragment bleiben. Im September 1922 schreibt er an seinen Freund Max Brod Ich habe die Geschichte offenbar für immer liegen lassen müssen. So bleibt das Ende offen. Und tatsächlich treibt Kafka ja am Ende des Manuskripts des Romans noch einmal ein ganz perfides Spiel. Es scheint so zu sein, als ob K. nun im Herrenhaus tatsächlich in die Lage kommt, ein ganz entscheidendes Gespräch zu führen.

[00:21:11]

Aber er ist zu müde, ist zu müde. Er kann's nicht mehr, und er schläft eigentlich ein. Diese Müdigkeit ist ein existenzielles Charakteristikum der Helden.

[00:21:23]

Ohne eine Aufforderung, sich zu setzen, abzuwarten, sank gleich auf einem der Fässer förmlich zusammen. Dort im Finstern war ihm wohl. Warum beendete Kafka den Roman nicht? Louis Begley hat seiner Kafka Biografie eine überzeugende Erklärung. Kafka hat für das von ihm selbst gestellte Rätsel keine Auflösung gefunden.

[00:21:47]

Sehr wahrscheinlich ist der Roman deshalb unvollendet geblieben und nicht etwa, weil Kafka zu krank und zu geschwächt war. Kafka trieb das Schloss so weit voran, wie er konnte, und gab sich dann geschlagen.

[00:22:02]

Trotzdem gehört dieser Roman zum Ergreifendsten, was Franz Kafka geschrieben hat, auch wenn er konventionelle Antworten verweigert. Er rührt unmittelbar an die Sehnsüchte und ängste der Lesenden.

[00:22:16]

Vielleicht ist es das Schloss, das am nächsten an Kafkas hohen Anspruch kommt, wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns schmerzt. Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in und. Das Schloss von Franz Kafka Autorin Julia Devlin. Eine Führung durch ein großes Stück Literatur von Radio Wissen.

[00:22:59]

Das war ein weiterer Radio Wissen Podcast aus der Literatur. Es sprachen Katja Bürkle, Thomas Loibl, Carsten Fabian und Stephan Märki. Regie führte Irene Schuck.