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Die ganze Welt des Wissens Podcast von Bayern 2.

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Ab wann fühlen wir uns nackt? Das Gefühl der Nacktheit empfinden Menschen überall auf der Welt anders, und meist hat dieses Gefühl wenig mit der Menge der Bekleidung zu tun.

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2004 treten Janet Jackson und Justin Timberlake in der Show des amerikanischen Football finales Superbowl auf. Millionen sehen zu. Um die beiden herum tanzen aufreizend gekleidete Frauen und Männer. Die Bewegungen aller Tänzer sind anzüglich, sexuell aufgeladen. Das übliche eben passt doch zu dem Song.

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Am Ende der Show reißt Timberlake einen Teil von Jacksons Kostüm herunter. Für den Bruchteil einer Sekunde ist ihr nackter rechter Busen zu sehen. Skandal!

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Es hagelt Zuschauer Beschwerden. Unter dem Titel Nippel gat Affäre in Anlehnung an Watergate beschäftigt der nackte Busen monatelang die Medien und die Justiz. Vom Fernsehsender wird ein Bußgeld von 550 000 Dollar verlangt, wenn auch nicht gezahlt. Seitdem wird die Show mit einer Verzögerung von fünf Sekunden übertragen. Sollte wieder mal einer die Grenzen des Anständigen überschreiten, würde das Fernsehbild sofort schwarz werden.

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Die Liedzeile, mit der Timberlake Jacksons Busen entblößte, lautete übrigens Heavy Naked bei Windows Song. Bis zum Ende dieses Lieds wirst du Nacht sein.

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Warum die Aufregung? Gab es jemals eine Zeit, in der nackte Haut so problemlos und selbstverständlich überall zu sehen war wie heutzutage? Wie viele Filme gibt es mit Nacktszenen, wie viel Werbung?

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Kaum ein Theater, in dem nicht mal ein Nackter auf der Bühne steht.

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Warum schockiert ein nackter Busen aber nicht die aufreizende Tanz Nummer der halbnackten Tänzerin daneben? Was bedeutet überhaupt nackt? Was die einzelnen Gesellschaften sagen, was nackt ist und was nicht nackt, das ist so unterschiedlich, dass wir eigentlich kaum für alle Gesellschaften sagen können Nackt bedeutet dies oder dass? Nacktheit hat ja wenig damit zu tun, wie viel wir eigentlich angezogen haben. Wir fühlen uns in einer Badehose oder ein Bikini nicht nackt. In Unterwäsche fühlen wir uns ziemlich nackt. Das heißt, es geht gar nicht so sehr darum, wie viel vom Körper wird gezeigt?

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Sondern wie viel von dem, was normalerweise nicht gezeigt wird, wird gezeigt.

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Thomas Reinhart, Professor für Ethnologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, erfuhr auf einer seiner Forschungsreisen ganz hautnah, wie unterschiedlich Menschen Nacktheit verstehen.

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Vor einigen Jahren war ich im Senegal auf Forschung und habe dort ein Gespräch geführt, irgendwo in einem Innenhof, und im Hintergrund war eine ältere Frau, die den Hof gefegt, und plötzlich zog sie ihr Oberteil aus und oben, ohne dort weiter den Hof gefegt. Und ich war sehr irritiert, weil das ist etwas, was man hier nicht machen würde. Später habe ich mir natürlich überlegt, dass es eigentlich eine Art der traditionellen Bekleidung gewesen, dass Frauen ein Tuch um die Hüften trugen.

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Und diese ältere Frau hat einfach auf die traditionelle Form der Bekleidung zurückgegriffen. Sie war in ihrem Verständnis also keineswegs nackt? Für mich im ersten Moment natürlich schon, weil ich einen solchen Anblick eben nicht gewohnt bin. Leicht könnte man nun zu dem Schluss kommen, dass diese Senegalesen einem Volk angehört, das noch unbefangen und frei mit der eigenen Nacktheit umgeht. Der Soziologe Norbert Elias hätte die Dame oben ohne vielleicht so eingeordnet.

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In seinem 1939 erschienenen Buch über den Prozess der Zivilisation stellt Elias die These auf, dass viele sogenannte primitive Völker noch unbefangen Scham frei und Trieb gesteuert lebten, während die westlichen Gesellschaften ihre tierische Natur weitgehend zu kontrollieren und zu sublimieren wüssten. Nacktheit, Körper, Geräusche, Sexualität all das habe auch bei uns bis zum Ende des Mittelalters öffentlich stattfinden können, ohne Anstoß zu erregen. Inzwischen hätten wir aber einen langwierigen Zivilisation Prozess hinter uns, könnten privat und öffentlich trennen und würden gesittet leben.

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Die primitiven Völker stünden hier noch am Anfang, rund 50 Jahre später legt der Ethnologe Hans-Peter Dürrs sein Veto ein. In seinem vier bändigen Werk Der Mythos vom Zivilisationsbruch stellt er in zahlreichen Beispielen dar, dass der nackte Körper in allen Gesellschaften schon immer Scham besetzt war. So trugen die alten Griechen zwar ihre Wettkämpfe nackt aus, Frauen durften aber nicht zusehen. Keinesfalls setzte sich ein Sportler so hin, dass sein Glied zu sehen war. Sogar der Abdruck der bloßen, hinter Bakken im Sand musste nach dem Aufstehen verwischt werden.

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ähnliche Beispiele liefert dürfe das Mittelalter oder auch für uns ferne Kulturen.

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Und kommt zu dem Schluss, dass dieser Mythos vom Zivilisationsbruch die Tatsache verschleiert, dass es aller Wahrscheinlichkeit nach zumindest innerhalb der letzten 40 000 Jahre weder wilde noch Primitive, weder unzivilisierte noch Naturvölker gegeben hat. Schon längst sind unser aller Augen aufgegangen, und es gehört zum Wesen des Menschen, sich seiner Nacktheit zu schämen. Wie immer diese Nacktheit auch historisch definiert sein mag. Mögen frühere Generationen und fernere Völker offener mit Nacktheit umgegangen sein als wir? Wie Elias meint, oder eben nicht, wie Dürr es darstellt?

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Tatsache ist, dass Kleidung wohl wesentlich zum Menschsein gehört.

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Dazu noch einmal der Ethnologe Thomas Reinhart Alle menschlichen Gesellschaften haben irgendeine Form von Körper, Verzierungen entwickelt. Also auch wenn es gar nicht nötig ist, sich zu bekleiden, weil die Temperaturen warm genug sind, wird am Körper irgendwie markiert. Er ist angezogen, ist bekleidet, er ist in irgendeiner Weise mit Kultur versehen. Und wenn das wirklich nur eine Schnur ist oder eine Bemalungen?

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Die Männer der Yanomami im südamerikanischen Regenwald zum Beispiel tragen nur eine Schnur um die Hüfte.

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Nimmt man sie ihnen ab, fühlen sie sich nackt. Kleidung ist nicht zwingend mit Schutz vor Kälte oder Insekten verbunden. Auch dient sie nicht immer der Bedeckung der Genitalien. Das ist nicht nur eine ethnologische, sondern auch eine philosophische Frage, eine Antwort darauf gibt vielleicht die Urgeschichte der Kleidung oder besser der Nacktheit. Die Geschichte vom Sündenfall. Was passierte als Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis, dass sie nackt waren? Sie hefteten Feigenblätter zusammen und machten sich einen Scherz.

[00:07:29]

Ich halte es für relativ plausibel zu sagen, dass dieser Fall Geschichte dokumentiert das Heraustreten des Menschen aus diesem Reich der reinen Natur, der reinen Unmittelbarkeit, der reinen Sinnlichkeit. Tiere haben ja nicht das Gefühl, nackt zu sein, und sie bedecken auch nicht ihre Blößen. Der Mensch, der Bewusstsein entwickelt, sich selbst zum Gegenstand macht. Mit Hilfe dieses Bewusstseins, die Natur auch seine eigene Natur bearbeitet, der Dinge beginnt zu verhüllen. Wir verputzen unsere Häuser zum Beispiel, wir errichten Fassaden.

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Das heißt, es ist die kulturelle Leistung schlechthin, Natur weiterzuentwickeln, Natur zu verdecken, Natur auch unsichtbar zu machen. Und das trifft auch den eigenen Körper.

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Professor Konrad Paul Liessmann unterrichtet Philosophie an der Universität Wien. Für ihn bedeutet Kultur die Bearbeitung der Natur. Der Mensch wird Mensch, indem er seine tierische Natur verdeckt, gestaltet, kontrolliert. Das heißt jedoch nicht, dass er sie damit gänzlich verliert. Gerade in dem Unvermögen, die Natur völlig zu bezwingen, sieht Liessmann den Ursprung des Charm Gefühls.

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Darüber hinaus ist diese Erkenntnis der eigenen Natürlichkeit auch deshalb mit Scham behaftet gewesen oder vielleicht auch noch immer, weil sich der Mensch gleichsam als bewusstes, reflektierende und vernünftiges Wesen auch gleichzeitig als einen entdeckt, der eine Natur hat der Körper, die Nacktheit steht. Auch für Trieb steht fest Sexualität steht für animal.

[00:09:03]

Und genau darin, so Liessmann, liegt die Provokation der nackten Haut. Sie zeigt, was mühevoll verborgen werden soll, und zwar öffentlich. Im Privaten darf die eigene Triebhaftigkeit noch existieren. In der öffentlichkeit wird sie zum Skandal. Wer nackt im eigenen Bad steht, denkt sich nichts dabei. Wer nackt durch die Fußgängerzone geht, erregt öffentliches ärgernis.

[00:09:25]

Nacktheit hat viel zu tun mit öffentlichkeit und Privatheit. Und im Englischen zum Beispiel heißen die Teile, die man normalerweise bedeckt, Privatparty, also die privaten Teile. Das ist genau der Gedanke, der dahinter steckt. Es gibt Teile des Körpers, die nur sehr wenige Menschen sehen sollen und wann immer Menschen diese Teile sehen, die sie eigentlich nicht sehen sollten. Fühlen wir uns nackt? Sind diese Teile also hässlich oder gar sündhaft, müssen sie verborgen werden, weil sie einen Makel zeigen?

[00:10:02]

Nicht unbedingt, sagt der Philosophieprofessor Liessmann.

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Man kann das verbergen, weil es gerade kostbar ist und weil es nur für wenige andere sichtbar sein soll. Die wechselseitige Entblößung etwa in einem sexuellen Akt oder in einer erotischen Beziehung war ja auch ein Ausdruck einer bestimmten Form von Zusammengehörigkeit, von Intimität, von Verbundenheit. Die auch dokumentierte Das ist jetzt für uns und nicht für die anderen. Das heißt also, wenn ich Nacktheit als Raum des Privaten definiere, dann ist der Ausschluss dieser Nacktheit aus der öffentlichkeit nicht negativ, sondern ist eher exklusiv.

[00:10:44]

Ist ein nackter Körper heute noch exklusiv oder eher alltäglich? Wie schon eingangs erwähnt Nackte Leiber gibt es überall, zu sehen ist der Fachbegriff dafür. Für Liessmann ist das mediale überAngebot an nackter Haut ein Grund dafür, dass wir momentan eine Krise der Erotik erleben.

[00:11:05]

Auf der anderen Seite sehe ich eine Krise der Erotik auch darin. Erotik lebt von Zweideutigkeiten, lebt davon, nicht genau zu wissen, wie die Dinge stehen. Erotik lebt von Versuchung und von Zurückweisungen, Erotik lebt von Spannung, und Spannung bedeutet, dass etwas noch nicht aufgelöst ist. Sonst wäre es ja keine Spannung. Wir tendieren dazu, das Erotische vollkommen zu reduzieren auf ganz klare, eindeutige Aussagen, Verhaltensweisen. Es wird ja auch vorgeschlagen, damit es nicht zu Missverständnissen kommt, dass Menschen, die vielleicht daran denken, die erotische Beziehung miteinander einzugehen, bevor sie noch zu flirten anfangen, schon Vertrag aufsetzen.

[00:11:45]

Punkt für Punkt geregelt ist, welche Handlungen welche Worte gesetzt werden dürfen und welche nicht. Das mag zwar politisch korrekt sein, das mag uns davor schützen, sexuell missverstanden zu werden. Aber es ist der Tod der Erotik überhaupt keine Frage. Erotik wohlgemerkt, hat mehr mit Kleidung als mit Nacktheit zu tun. Ein völlig nackter Körper ist erotischer als einer, dessen Kleidung der Fantasie freien Lauf lässt. Es hat seinen Reiz im Be und Entkleiden. Tänzerin ist völlig nackt.

[00:12:16]

Weil Kultur darin besteht, die Dinge nicht nur als das zu nehmen, was sie sind, sondern sie auch symbolisch zu überhöhen, symbolisch zur Sprache zu bringen, ihnen zusätzliche Bedeutungen zuzuschreiben und das Spiel mit Verdeckten und Entblößen, mit Verbergen und Bergen, mit Zeigen und nichts zeigen, mit anbieten. wieder zurückziehen. Ist ja das Spiel der Erotik schlechthin.

[00:12:45]

Wo ist es also erotischsten da, wo alle nackt sind? Vielleicht also im Paradies, vor allem aber am FKK Strand. Die Freikörperkultur hat nichts mit Erotik zu tun. Im Gegenteil Zu Beginn der Nudisten Bewegung zog man sich in Kabinen aus. Reden über Sex war verpönt, ebenso Zärtlichkeiten.

[00:13:06]

In der öffentlichkeit wurde nicht getanzt oder sonstwie Sport betrieben, um wackelnde Brüste oder hüpfende Glieder zu vermeiden. Das alles ist heute nicht mehr so. Dennoch herrscht immer noch ein strenges Reglement schauen sich ins Gesicht, nicht aufs Gesäß. Gleiches gilt für die Sauna.

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Es ist natürlich unmöglich und undenkbar, dass man in der Sauna sitzt und dann auf die Frau oder den Mann sitzt, den man nicht kennt, der ein Fremder ist, plötzlich lüstern unter begehrlich beginnt anzustarren. Da ist es völlig klar, dass Nacktheit ihrer sexuellen Reizbarkeit und ihrer sexuellen Signalwirkung entkleidet ist.

[00:13:53]

Liessmann geht sogar so weit zu sagen, dass zwischen einer Kanzlerin und einer Frau im Körper Burkini im Prinzip kein Unterschied bestehe. Beide sind dem begehrlichen Blick entzogen. Dem würde vielleicht auch der Sexualwissenschaftler Professor Kurt stãrke zustimmen. Keine sexuellen übergriffe oder andere Achtung vor dem anderen zutage. Einfach anders in seiner Ganzheit. Das macht im Umgang miteinander frei.

[00:14:42]

Starke stammt aus der ehemaligen DDR, also dem Teil Deutschlands, in dem lange Zeit 90 Prozent der Bevölkerung nackt badeten. Er hat sich im Zusammenhang mit seinen Forschungen zu Partnerschaft und Sexualität bei Jugendlichen intensiv mit dem Thema Nacktheit auseinandergesetzt. Auch er spricht von einer Optimierung der Gesellschaft. Schon zeigt sich, dass in den Siebzigerjahren in Ost und West eine sexuelle Liberalisierung auch in Bezug auf Nacktheit zu verzeichnen war. Ein anderes Verhältnis Sexualwissenschaft. Wenn Menschen ständig in ihrem Körper, in ihrem Leib Begleitung, auch moralische Begriffe eine Rolle spielen oder instrumentalisiert werden.

[00:15:42]

Die Allgegenwärtigkeit von Nacktheit führt also nicht zu einem freieren Umgang mit ihr, sondern eher zu einem Rückzug in Tabus. Tatsächlich baden heute immer weniger Menschen nackt, und die Bademode wird immer eine eng anliegende Schwimmbades. Hose trägt keiner mehr. Stattdessen springt man mit weiten Boxershorts ins Wasser. Eher Fehlanzeige. Auch ein unbefangener Umgang mit Nacktheit im Elternhaus ist heute nicht selbstverständlich.

[00:16:10]

Es gibt auch heute noch viele Familien, in denen die Kinder ihrer Eltern niemals erwachsen. Vielleicht noch die Mutter. Wer aber von klein auf nicht lernt, mit Nacktheit unverkrampft umzugehen, der kann so Starke kein positives Gefühl für den eigenen Körper entwickeln. Und so hätten es Jugendliche heute besonders schwer. Einerseits sind sie medial permanent umgeben von Nacktheit. Andererseits nehmen die Tabus im engeren Umfeld eher zu. Im Kindergarten dürfen die Kinder im Sommer nicht nackt herumlaufen. Sie könnten ja von einem pädophilen Nachbarn beobachtet werden.

[00:16:57]

Und auch Küssen und Kuscheln innerhalb der Familie stehen manchmal unter dem Verdacht, sexuell übergriffig zu sein. Auf diese Weise entwickeln gerade Pubertierende ein Schamgefühl, das laut stãrke ganz und gar nicht natürlich ist.

[00:17:11]

Interessant ist, dass diese alte These von besonderem Schamgefühl in der Pubertät sich wissenschaftlich nicht belegen lässt, jedenfalls nicht unter jenen Bedingungen. Wenn ein Kind von klein auf lernt, mit anderen nackt umzugehen, schon im Kindergarten und selbstverständlich zu Hause nackt zusammen und dann Jahr für Jahr mindestens vier Wochen an Stränden nackt herumläuft, dann wachsen ihm plötzlich die Brüste, und dann ist das ganz normal. Und das sieht man sich nicht an, nur weil sich der Körper äußerlich verändert, statt sich in der eigenen Haut wohlzufühlen.

[00:17:45]

So Starke würden sich die Jugendlichen eher von ihrem Körper entfremden. Bizarrerweise bekleiden sich heutige Jugendliche mehr als ihre Vorgängergeneration. Andererseits entblößen sie sich aber auch stärker. Denn unter der langen Badehose sind die Schamhaare abrasiert.

[00:18:03]

Es ist völlig undenkbar, dass an einem Strand jemand ohne Schamhaare herumläuft. Aber die meisten Jugendlichen sind rasiert. Auch die Jungs. Und das ist dieser kulturelle Imperativ, die Haare unbedingt zu entfernen. Dieser kulturelle Imperativ bewirkt dann auch, dass man dann wieder vorsichtiger mit seiner Nacktheit umgeht. Wobei man dann fragen kann Weshalb macht man sich eigentlich, wenn es zieht? Der Grund wird subjektiv so angegeben, aus hygienischen Gründen. Das gefällt mir einfach, und das mache ich nur für mich.

[00:18:32]

Aber im Grunde genommen steht dahinter nicht nur eine Mode, sondern auch eine Form. Ich sage es mal Modifikation der Körper gestaltet.

[00:18:42]

Wer zu sich und seinem Körper steht, so Starke, muss ihn nicht stylen, modellieren und operieren. Am FKK Strand können sich alte Menschen genauso nackt zeigen wie junge. Denn hier gehe es darum, den Menschen in seiner Gesamtheit zu achten. Schönheitsideale spielten hier keine Rolle. Doch die sind am Aussterben. Heute sind Body, Styling und Schönheits-OPs gefragt.

[00:19:09]

Das Verhältnis zur Nacktheit hat sich in unserer Gesellschaft enorm verändert. Der Körper, wie ein Instrument betrachtet, wird manipuliert. Wird natürlich schon vorgezeichnet, dass die Menschen damit nicht glücklich werden.

[00:19:26]

Als während der Show des Superbowl Finales Janet Jacksons rechter Busen entblößt wurde, war übrigens auch ihr Brustwarzen Piercing zu sehen. Die Folge ein Run auf die Piercing Studios in den USA. Alle wollten das gleiche Piercing wie Janet Jackson. Ein neuer Trend war geschaffen, ein neuer Markt entstanden. Die Provokation war ein erfolgreiches Medienspektakel. Silke Wolfrum über das Phänomen der Nacktheit, das seit Jahrtausenden seine vielen Facetten zeigt. Ob mit oder ohne Kleidung das war ein weiterer Radio Wissen Podcast.

[00:20:12]

Regie führte Irene Schuck. In der Technik war Helge Schwarz. Gesprochen haben Beate Himmel Stoß, Christian Baumann und Peter Lersch. Redaktion Bernhard Kastner.