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Radio wissen die ganze Welt des Wissens ein Podcast von Bayern 2.

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Hier ist Radio Wissen. Januar 1871 Das Jahr beginnt hochdramatisch aus dem unabhängigen Königreich Bayern wird ein Bundesstaat des neu geschaffenen deutschen Kaiserreichs unter preußischer Führung. In den Jahren davor ist die Bevölkerung tief gespalten. Befürworter des Anschlusses und Partikularismus liefern sich heftige Propaganda. Schlachten.

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Samstag, 21. Januar 1871 Im Bayerischen Landtag brennt die Luft, in der Abgeordnetenkammer tobt seit zehn Tagen eine erbitterte Rete Schlacht. Königsmörder.

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Preußen. Knechte. Pfaffen. Freunde. Bismarck. Bogen. Kriegstreiber. Fortschritts. Bremser. Es geht hoch her. Es geht um viel, für manche um alles, soll Bayern souverän bleiben oder ins Deutsche Reich eintreten. Das restliche Deutschland gehört bereits dazu. König Wilhelm von Preußen ist seit drei Tagen Kaiser. Nur München stimmt noch ab.

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Nach zähem Streit siegen die Einheits Befürworter. Bayern fügt sich dem Deutschen Haus als Schlussstein ein. Die enttäuschten Reichs Gegner beschwören finstere Zeiten herauf.

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Mehr Kriege, mehr Krüppel, mehr toten Listen, mehr Steuer Zettel, prophezeit der Journalist Johann Baptist Siegl im bayerischen Vaterland.

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Ludwig von der Porten, ein Politiker, der in den Jahren zuvor wie kein anderer um Bayerns Selbstständigkeit rang, schreibt in sein Tagebuch Vor 78 Jahren haben die Franzosen ihren König ermordet.

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Heute haben die Abgeordneten Bayerns ihren König und ihr Land unter die preußische Militärherrschaft Mediatisierung Finis Bavaria. Das Ende Bayerns. Oder die eher zukunftsweisende Antwort auf eine seit drei Generationen schwelende Frage Was ist des deutschen Vaterland?

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Die Antwort lautet fast tausend Jahre lang das Heilige Römische Reich deutscher Nation.

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Im zehnten Jahrhundert errichtet Otto der Große seit 962 Kaiser ein Herrschafts Konstrukt, das die deutschen Stämme durch Lins Bindung und hieß Bann eint. Getragen vom Reichs Gedanken dominieren Ottos Nachfolger ganz Mitteleuropa. Doch als sie nach Italien greifen und mit dem Papsttum in Konflikt geraten, müssen sie die Unterstützung der Fürsten mit Zugeständnissen erkaufen. Die Territorial Herren werden mächtiger, die Zentralgewalt schwächer. Im Lauf der Jahrhunderte zerfällt das Reich in eine Vielzahl unabhängiger Teilgebiete, deren Herrscher die Autorität des Kaisers untergraben.

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Am Beginn des 19. Jahrhunderts führt Napoleon den Deutschen die Folgen ihrer politischen Zersplitterung gewaltsam vor Augen. In mehreren Kriegen zerschlägt er den morschen Rahmen des innerlich ausgehöhlten Reichs und degradiert Länder wie Bayern, Preußen oder Österreich zu abhängigen Vasallen.

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1806 zieht Franz der Zweite die Konsequenz und legt die Kaiserkrone nieder. Das Heilige Römische Reich deutscher Nation ist erloschen. Hier ein. Die Befreiungskriege von 1813 bis 1815 vertreiben nicht nur Napoleon, sie wecken auch bleibende Sehnsüchte nach Parlament, Verfassung und geeinter Nation. Die alten wiedererstarkten Herrscher wollen keine neue Ordnung. Aber sie begreifen, dass sie einzeln zu schwach sind, um gegen innere und äußere Bedrohungen zu bestehen. Der Versuch, den gemeinsamen Schutz und das Verhältnis untereinander zu gestalten, mündet 1815 in die Gründung des Deutschen Bundes, dem 35 Fürsten und vier Reichsstädte angehören.

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Der lockere Zusammenschluss souveräner Staaten ist ein nüchternes Zweckbündnis, das die Schaffung eines Nationalstaats gezielt unterdrückt.

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Das neu geschaffene Gebilde steht von Anfang an unter einer folgenreichen Grundspannung mit Preußen, einem militärisch bürokratischen, wirtschaftlich starken Obrigkeitsstaat und Österreich einem ebenso autoritär regierten Vielvölkerstaat, der bis nach Italien und weit in den Donauraum reicht. Ringen zwei Großmächte um die Vorherrschaft in Deutschland? Ihre Rivalität hält die deutsche Frage auf Jahrzehnte hinaus vage und offen.

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Doch allmählich spitzt sich die Debatte um die künftige Gestaltung Deutschlands auf vier Varianten zu Ein klein deutscher Staat ohne Österreich unter Führung Preußens, ein großdeutsche Staat mit Österreich samt allen Völkern.

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Kein Staat. Aber mehr Zusammenarbeit im Deutschen Bund. Ein umgekehrtes kleien Deutschland ohne Preußen. Als sich die bürgerlichen Kräfte 1848/49 erheben, ist der Sieg der kleinen deutschen Lösung greifbar nahe. In der Frankfurter Paulskirche verabschiedet die revolutionäre Nationalversammlung eine Verfassung für das Deutsche Reich unter Ausschluss Österreichs und trägt den preußischen König, den Kaiser Titel an. Doch Friedrich Wilhelm der Vierte lehnt die Folks Krone ab. Der Aufstand wird gewaltsam niedergeworfen.

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Die Reichs Einigung ist gescheitert. Aber nicht vergessen neue Kräfte tragen sie weiter. Ihr wichtigstes Instrument wird der 1833 gegründete Zollverein, dem nun außer Österreich nach und nach die meisten deutschen Staaten beitreten. Ein einheitlicher Wirtschaftsraum entsteht, der die Vormacht Preußens stärkt und die kleindeutsche Lösung vorbereitet. Als Wien erkennt, was sich für das Habsburgerreich zusammenbraut, drängt es in den gemeinsamen Markt, wird jedoch von Berlin gezielt ausgebremst.

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Die Preußen, die sind so gescheit und wissen, dass Einigung nicht nur über staatliche Zusammenschlüsse funktioniert, sondern auch über wirtschaftliche Zusammenschlüsse. Und in Preußen gelingt es über Jahre, die Österreicher aus dem Deutschen Zollverein draußen zu halten. Und es gibt durchaus gute Argumente zu sagen.

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Das ist schon fast wie eine Vorentscheidung, sagt die Historikerin Dr. Katharina Weigand von der LMU München. Während sich Preußen kleindeutsche ausrichtet, entwickeln in Bayern König Maximilian der Zweite und sein leitender Minister Ludwig von der Porten mit dem Trias Gedancken das Konzept eines dritten Machtblock aus.

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Dann hat man die Idee und die kultiviert, besonders Max II. Dass wenn sich doch dieses dritte Deutschland die Klein und Mittelstaaten zusammenschließen würden, könnte man so eine Art Zünglein an der Waage bilden zwischen den im Dualismus verkeilen den Großmächten Preußen und Österreich.

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Das Projekt scheitert am Führungsanspruch Bayerns. Baden geht auf Distanz. Die Königreiche Württemberg, Sachsen und Hannover wollen sich München ebenso wenig unterordnen wie die beiden hessischen Staaten.

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Die deutsche Frage tritt auf der Stelle. Es geht weder vor noch zurück. In der verfahrenen Situation sieht Österreich eine Chance, die Initiative zu ergreifen. Im August 1863 lädt Österreichs Kaiser Franz Josef, unterstützt von Bayern zum Fürsten Tag nach Frankfurt und legt einen großdeutsche föderalistischen Plan zur Bundes reform vor. Preußen erkennt die Gefahr für seine Hegemonie Bestrebungen, bleibt dem pompösen Treffen der Landesherrn fern und bringt damit das Vorhaben zu Fall. Urheber des kühl kalkulierten Affronts ist Otto von Bismarck, seit dem Vorjahr Ministerpräsident Preußens und glühender Verfechter einer preußisch dominierten Reichs Einheit.

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Ein politischer Erfolg Österreichs ist das Letzte, was er brauchen kann.

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Und man muss sagen mit dem Aufsprengen, mit dem Verweigern zum Fürsten Tag zu gehen und die Preußen einen riesen Punkt gemacht.

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In Richtung kleindeutsche Einigung mit Bismarck drängt ein höchst kreativer Instinkt Politiker ins Rampenlicht. Ein Staatsmann, der konservative Innenpolitik und progressive Außenpolitik problemlos unter einen Hut bringt. Bei der Wahl seiner Mittel ist er skrupellos. Nach dem Frankfurter Fiasko geht das Ringen um die deutsche Vorherrschaft in eine neue Runde. Als sich Dänemark 1863 die Herzogtümer Schleswig und Holstein einverleibt, brechen Preußen und Österreich gemeinsam einen Krieg vom Zaun. Das Berlin, Schleswig und wie in Holstein verwalten soll, ist ein Ergebnis, mit dem sich Bismarck nicht zufrieden gibt.

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Der preußische Ministerpräsident hat radikalere Pläne. Er will Österreich aus Holstein, aus Norddeutschland und schließlich aus ganz Deutschland verdrängen. Am 10. März 1864 stirbt König Max an den Folgen einer Hauterkrankungen. Ihm folgt Ludwig II. Wie sein Vater lehnt er den kleinen deutschen Nationalstaat vehement ab und verteidigt die Selbstständigkeit Bayerns Pforten erneut. Leitender Minister versucht in der Schleswig-Holstein Frage zu vermitteln. Doch 1866 kommt es nach langem Vorgeplänkel zur Eskalation. Bismarck erhebt Anspruch auf Preußens Vorherrschaft in Norddeutschland.

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Österreich will Preußen in die Schranken weisen und ruft Mitte Juni den Bundestag in Frankfurt an. Preußen erklärt die Diskussion für beendet, verlässt den Deutschen Bund und marschiert in Holstein ein. Nun sprechen die Waffen. Die kleineren norddeutschen Staaten halten zu Preußen, alle anderen zu Österreich.

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Am 3. Juli 1866 fällt die Entscheidung. Bei Königgrätz schlagen Preußens Truppen die Österreicher. Die Verbündeten des Habsburger Reichs, darunter Bayern, werden in die Enge getrieben. Noch vor dem Waffenstillstand besetzen die Preußen Würzburg, Bayreuth, Erlangen und Nürnberg. Gegen den Willen seines Königs drängt Bismarck auf einen milden Frieden. Österreich wird geschont. Auch seine süddeutschen Alliierten bleiben territorial weitgehend ungeschoren.

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Jetzt hat Bismarck Österreich dort, wo er es haben will, draußen vor der Tür des gemeinsamen Deutschen Hauses, Bayern und die anderen Südstaaten werden in geheime Schutz und Trutz Bündnisse gezwungen. Nördlich des Mains herrscht Preußen, jetzt unangefochten. Die Kleinstaaten Hannover, Hessen, Kassel, Nassau sowie die Reichsstadt Frankfurt werden annektiert. Die übrigen Länder zum Norddeutschen Bund zusammengeschlossen. Der neue Machtblock mit Staats Charakter erhält eine moderne konstitutionell föderale Verfassung mit allgemeinem Wahlrecht. Mit einem Wort Werbung pur für einen gesamtdeutschen Nationalstaat unter preußischer Führung.

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Das starke Signal verhallt bei den Liberalen aller Länder nicht ungehört.

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In München ist er als Kriegsverlierer verbrannte Porten nicht mehr zu halten. Ludwig II. Beruft Fürst Chlodwig zu Hohenlohe, Schillings Fürst zum Nachfolger. Diese Personalentscheidung leitet einen Kurswechsel ein. Hohenlohe steht der kleinen deutsch gesinnten Fortschrittspartei nahe, die die Mehrheit in der Abgeordnetenkammer behauptet, und sucht die Nähe zu Preußen. Damit steht er im offenen Widerspruch zum König und zu großen Bevölkerungsteilen.

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Spätestens jetzt ist Bayern ein gespaltenes Land. Das konservativ katholische Altbayern mit seiner tiefen historischen, affektiven und wirtschaftlichen Nähe zu Österreich lehnt einen kleinen deutschen Nationalstaat mehrheitlich ab. Schwaben, Franken und die Pfalz sympathisieren mit Preußen. In den großen Städten und den protestantischen Regionen dominieren einheits deutsche Kräfte. Auch das aufstrebende Wirtschafts Bürgertum befürwortet in der Hoffnung auf gedeihliche Geschäfte eine klare Nord Orientierung.

[00:13:00]

Hohenlohe und seine liberalen Helfer vollziehen nicht nur außenpolitisch einen Schwenk. Sie wollen Bayern auch innen und sozialpolitisch umkrempeln, ohne Rücksicht auf die Stimmung im Land. Setzen sie eine Reform Flut in Gang, die im konservativen Milieu für Unwillen sorgt.

[00:13:18]

Die geplante Entmachtung der Kirche bringt dann das Fass zum Überlaufen. 1868 kommt es zur Gründung des Vereins der Bayerischen Patrioten. Der Zusammenschluss bündelt die unterschiedlichen Strömungen des bayerischen Widerstands, ist Kirchen freundlich, kompromisslos, anti preußisch und pocht auf die Unabhängigkeit Bayerns.

[00:13:40]

Die Landtagswahlen 1869 werden zur Kraftprobe um die Zukunft der Wittelsbacher Monarchie. Das Resultat ist eine schallende Ohrfeige für die Politik. Hohen Los mit einem Erdrutschsieg erringt die aus dem Patrioten Verein hervorgegangene Patrioten Partei auf Anhieb die Mehrheit in der zweiten Kammer.

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Während sich in Bayern die wertkonservativen Reichs skeptischen anti preußischen Kräfte formieren, sieht Bismarck im Sommer 1870 die Zeit gekommen, die deutsche Frage durch Blut und Eisen zu klären. Frankreich, das die Entwicklung in Deutschland mit Argwohn betrachtet, liefert die entscheidende Steilvorlage. Denn als sich Leopold von Hohenzollern Sigmaringen, gefördert von Bismarck, im Frühjahr 1870 Hoffnungen auf den verwaisten spanischen Thron macht, sieht Napoleon der Dritte die Chance, dem preußischen Entfaltung drang einen Dämpfer zu verpassen. Er drängt den Prinzen zum Rückzug seiner Kandidatur und fordert vom preußischen König neben einer Entschuldigung den immerwährenden Verzicht der Hohenzollern auf die spanische Krone.

[00:14:59]

Damit hat er den Bogen überspannt. Bismarck lanciert eine zugespitzte Version der französischen Forderung Die Presse schnappt den Köder und hetzt gegen Frankreich. Am 19. Juli 1870 erklärte Napoleon Preußen den Krieg.

[00:15:15]

Aber der französische Kaiser hat sich verrechnet. Wider Erwarten halten die süddeutschen Staaten zu Preußen. Durch ganz Deutschland rollt eine Welle der Kriegs euphorie, die auch Bayern erfasst. König Ludwig sieht sich zur Waffenhilfe gezwungen. Bevor die Truppen marschieren, muss aber der Landtag noch die Kriegskredite bewilligen.

[00:15:38]

Die Abstimmung wird zum Spektakel. Die Patrioten bestehen auf der Neutralität Bayerns und wollen den Militäretat kippen. Aber sie haben die Zeichen der Zeit verkannt. Ganz München grölt die Wacht am Rhein. Fanatische Studenten besetzen die Tribünen des Landtags und pfeifen die Kriegsgegner lautstark nieder. Die aufgeheizte Stimmung steckt an. Mehrere Patrioten fallen um. Die Kammer winkt den Haushalt durch. Krieg gegen Frankreich. Endlich. Und Bayern ist dabei.

[00:16:13]

Täglich plakatierte Sieges, Meldungen und Front. Berichte entfachen Begeisterungsstürme in der Schlacht von Sedan, die im September 1870 den Kriegs Ausgang entscheidet. Kämpft Bayern erfolgreich an der Seite seiner norddeutschen Brüder.

[00:16:28]

Im Siegesrausch, der keine Parteien mehr kennt, sondern nur noch Deutsche.

[00:16:33]

Gilt der Ruf nach Bayerns Eigenstaatlichkeit unter. Das ist Bismarcks Stunde Die Saat von Blut und Eisen ist Ernte reif. Im Herbst 1870 lädt er die süddeutschen Länder zu Einheits Gesprächen ins Hauptquartier des Generalstabs im Versailler Schloss führt Bismarck getrennte Verhandlungen und spielt die Gesprächspartner geschickt gegeneinander aus. Bayerns Delegationsleiter Graf Otto von Bre Steinberg erkennt rasch, dass ein Anschluss an den Norddeutschen Bund unvermeidlich ist. Ihm bleibt nur noch hartnäckig um Sonderrechte zu feilschen.

[00:17:13]

Prä bewährt sich als gewiefter Taktiker. Bayern bleibt ein selbstständiges Königreich, darf diplomatische Vertretungen im Ausland unterhalten, wahrt seine Kulturhoheit, verwaltet Post, Eisenbahnen und Telegraphen Wesen in Eigenregie und behält die Einnahmen aus der Bier und Branntwein Steuer. Zudem untersteht die Armee in Friedenszeiten dem bayerischen König. Bismarcks Kalkül geht auf die in erster Linie psychologisch bedeutsamen Zugeständnisse helfen den Bayern bittere Kröten wie die Preisgabe der Außenpolitik, steigende Militärausgaben und den preußischen Oberbefehl in Kriegszeiten zu schlucken. Gedrängt durch die Verhandlungs Dynamik in Versailles und den öffentlichen Druck daheim unterzeichnen Bayerns Unterhändler am 23.

[00:18:01]

November 1870 die Beitritts Verträge. Nun ist nur noch die Keiser Frage offen. Bismarck plant ein preußisches ERP Kaisertum. Doch König Wilhelm zaudert. Für ihn ist der Kaiser Titel nur annehmbar, wenn er ihm von den gesalbten deutschen Fürsten angeboten wird. Das Antragsrecht steht Ludwig zu demnach Wilhelm ranghöchsten kleinen deutschen Fürsten. Der bayerische König stellt sich zunächst stur, ist aber schließlich bereit, einen von Bismarck vorformulierten Brief an Wilhelm zu schicken. In diesem Schreiben bittet er den preußischen König, die Kaiserkrone anzunehmen.

[00:18:42]

Am 3. Dezember 1870 überreicht Prinz Luitpold in Versailles diesen Kaiser Brief. Dem preußischen Monarchen.

[00:18:50]

Was den Sinneswandel des bayerischen Königs veranlasst, ist eine Streitfrage unter Historikern. Fakt ist, dass in den folgenden Jahren insgesamt 5,2 Millionen Mark aus einer schwarzen Kasse Bismarcks in die Privatschatulle des hoffnungslos überschuldeten Ludwig fließen. 1884 kommt noch eine Sonderzahlung von einer Million Mark dazu. Hat sich der bayerische König kaufen lassen? Die Historikerin Katharina Weigand ist skeptisch. Ich lehne mich doch so weit aus dem Fenster, dass ich das Wort Bestechung nicht verwenden würde. Und ich glaube auch nicht, dass Ludwig II.

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Das als einen Bestechung Vorgang gesehen hatte. Die Kaiser Proklamation hätte Bismarck mit Sicherheit auch ohne den Kaiser Brief auf irgendeine Art und Weise durchgezogen. Es hat erleichtert, was Ludwig II. Mit diesem Brief ins Rollen gebracht hat. Und dann sah sich Bismarck in der Position zu sagen Dem, der mir jetzt die Arbeit erleichtert hat. Dem werde ich einen größeren Geldbetrag für seine Schloss Bauten zukommen lassen.

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Wie auch immer, mit Ludwigs Keiser Brief biegt die Reichsgründung in die Zielgerade. Bis Ende 1870 schließen sich die süddeutschen Länder dem Reich an.. Einzige Ausnahme Bayern. Hier zögern die Abgeordneten der zweiten Kammer die nötige Verfassungsänderung hinaus.

[00:20:12]

Eine Verfassungsänderung kam nicht. Der Monarch allein oder nicht seine Minister herbeiführen, sondern da braucht es das Parlament und das Parlament muss mit beiden Kammern zustimmen.

[00:20:21]

In der ersten Kammer der Reichs Räte, vergleichbar mit dem britischen Oberhaus, sitzen überwiegend königstreue Honoratioren. Ihr klares Ja liegt am 30. Dezember vor. Doch in der zweiten Kammer stemmt sich die patriotische Mehrheit noch immer erbittert gegen die Preisgabe der bayerischen Eigenstaatlichkeit, während der Landtag debattiert.

[00:20:45]

Schafft Bismarck Tatsachen? Zum 1. Januar 1871 tritt das Reich in Kraft. Am 18. Januar wird Wilhelm im Spiegelsaal zu Versailles zum Kaiser ausgerufen.

[00:21:01]

Obwohl die Reichs Einigung de facto vollzogen ist, setzen die Patrioten im bayerischen Landtag ihren Kampf um die staatliche Eigenständigkeit fort. Ein Nein der zweiten Kammer könnte zwar nicht mehr das Reich, wohl aber den Beitritt Bayerns verhindern. Die schwindende Souveränität seiner Heimat vor Augen, wettert der Patrioten Führer Edmund Josef Jörg gegen Verpixelung, Identitätsverlust, Entwertung der Monarchie und Militarisierung.

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Dieses Volk ist für Frieden geboren. Es ist den Frieden gewohnt und es wird unendlich bitter fühlen, was es heißt, das dienende Glied eines großen Militaer Nationalstaates zu sein.

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Wie viele seiner patriotischen Mitstreiter sieht sich Jörg ausserstande, in den Untergang. Bayerns einzuwilligen.

[00:21:48]

Wir können nicht, was sie von uns verlangen. Berufen sie sich an das Volk. Es möge andere Hände schicken, die unsrigen bebend zurück. Sie werden das Grab nicht graben, wie man es von uns verlangt.

[00:22:07]

Alles umsonst. Wie schon im Jahr zuvor bei der Bewilligung des Militäretat wechselt ein Teil der Patrioten die Seiten, schließlich segnen zwei Drittel des Landtags die Verfassungsänderung ab. Am 30. Januar 1871 setzt König Ludwig die Beitritts Verträge nachwirkende in Kraft. Bayern ist jetzt ein Bundesstaat des deutschen Kaiserreichs. Das war Radio Wissen, ein Podcast von Bayern, zwei Autoren dieser Folge Simon Demmel Huber und Volker Eckel Cover. Regie führte Kirsten Böttcher. Es sprachen Beate Himmel Fotos, Thomas Birn Stil und Yagami Technik.

[00:22:56]

Peter Preuß Redaktion. Thomas More Ovids. Wenn Sie keine Folge mehr verpassen wollen, abonnieren Sie Radio Wissen unter Bayern 2D Slash Podcast und überall, wo es Podcasts gibt.