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Die ganze Welt des Wissens Podcast von Bayern 2.

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Die erste Idee ist natürlich die Vorstellung von mir selbst als einem absolut freien Wesen mit dem freien, selbstbewussten Wesen tritt zugleich eine ganze Welt aus dem Nichts hervor, die einzig wahre und denkbare Schöpfung aus nichts. Die Idee nur untergeordnet die Ideen einer höheren Idee sind. Aus dem so genannten ältesten System Programm des Deutschen Idealismus, verfasst von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Schelling und Friedrich Hölderlin, entstanden in den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts.

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Alles, was ich je bin und werde, bin ich und werde ich schlechthin notwendig. Und es ist unmöglich, dass ich etwas anderes sei.

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Johann Gottlieb Fichte, Philosoph des deutschen Idealismus. Er lebte von 1662 bis 1814.

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Für mich ist der Deutsche Lissabons der großartige Versuch, die interne Einheit von Natur und Geist auf den Begriff zu bringen, wie es so schön im deutschen Idealismus geheißen hat. Und das ist etwas, was wir leider in der Gegenwart als Philosophie vergessen haben.

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Der Bonner Philosophieprofessor Dieter stoma. Es ist keine Organisation denkbar ohne eine produktive Kraft. Eine solche Kraft aber ist nur die Kraft eines Geistes. Also können Dinge nicht durch sich selbst wirklich sein. Sie können nur Geschöpfe, nur Produkte eines Geistes sein. Friedrich Schelling Philosoph. Eine Frage, die die Philosophie seit Anbeginn beschäftigt. Was hält die Welt im Innersten zusammen? Was verändert sie? Wie entstehen unsere Gedanken, Wünsche und Handlungen? Sind die Bewegungen, Kräfte, Materie, Atome?

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Die gesellschaftlichen und ökonomischen Verhältnisse? Oder ist es unser Verstand, das Bewusstsein? Die Idee? Eine besondere Zuspitzung erfuhr dieser Streit gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Vor allem in Deutschland entwickelte sich eine philosophische Richtung, die man später Idealismus nennen sollte.

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Ihre Akteure waren hauptsächlich die Philosophen Hegel, Schelling und Fichte, aber auch Dichter wie Friedrich, Schiller, Hölderlin und Novalis.

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Die Texte des deutschen Idealismus gelten als die am schwersten verständlichen in der Philosophiegeschichte. Denn die genannten Denker waren nicht nur sprachliche Könner, sondern auch intellektuelle Perfektionisten, die sich keine Blöße geben wollten und extrem filigran argumentierten. Dies wird besonders deutlich in dem schon erwähnten ältesten System Programm des deutschen Idealismus, das erst im Jahr 1917 entdeckt wurde.

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Auf knapp zwei Seiten wird eine enorm dichte Beschreibung einer zukünftigen Philosophie entworfen.

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In einer zuweilen poetischen Sprache.

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Der federführende Autor ist höchstwahrscheinlich der Dichter Friedrich Hölderlin gewesen.

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So müssen endlich Aufgeklärte und Unaufgeklärte sich die Hand reichen. Die Mythologie muss philosophisch werden und das Volk vernünftig, und die Philosophie muss mythologisch werden, um die Philosophen sinnlich zu machen.

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Diese wenigen Zeilen des Systems sind ja nur zwei Seiten, beinhalten natürlich weit umfassende Programmatik in dieser Form als unüberbietbar gelten kann auch im Rahmen des deutschen Idealismus. Wenn dort aber von Selbstbewußtsein geredet wird, die Schöpfung aus dem Nichts vorgestellt wird, dann ist damit nicht das psychologische Selbstbewußtsein gemeint oder irgendeine Form von psychologischer Selbsterkenntnis. Und das macht auch einen besonderen Beitrag des deutschen Idealismus aus.

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Die Außenwelt, so die Denker des Idealismus, existiert nicht unabhängig von unserer Vorstellung. Insofern ist eine so verstandene Selbsterkenntnis das Wissen darum, daß man selbst erkennt.

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Ein Gedanke, der auf Immanuel Kant zurückgeht. Die Welt ist nicht existent, ehe sie von einem denkenden Subjekt erschaffen wird.

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Johann Gottlieb Fichte prägt in diesem Zusammenhang den Begriff des sich selbst setzenden Ichs, dem das nicht ich der Außenwelt entgegengesetzt ist und mit dem es sich auseinandersetzen muss. Ein radikaler Gedanke, denn weitergedacht beinhaltet es ungeheure Freiheit und Sorgfalt, für sein Denken selbst verantwortlich zu sein. Das von Johann Gottlieb Fichte gemeinte Ich ist das Individuum, das sich als sein eigenes Produkt begreift. In seiner Schrift Die Bestimmung des Menschen sagt er dazu.

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Belehrungen wurden mir entgegen gebracht, ehe ich ihre begehrte. Es wurde mir geantwortet, ehe ich die Fragen aufgeworfen hatte. Ohne Prüfung und ohne Teilnahme ließ sich alles an seinen Ort gestellt sein. Ich will, dass es nicht länger so sei. Alles Fremde sei aufgegeben. Ich will selbst untersuchen. Dieses selbst untersuchen, von dem der Denker spricht, ist ein bestimmendes Merkmal des deutschen Idealismus. Diese Untersuchung erstreckt sich vor allem auch auf die Funktionsweise unseres Bewusstseins. Auf die Frage Was geschieht eigentlich, wenn wir denken?

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Johann Gottlieb Fichte näherte sich diesem Problem mit einem Beispiel. Hätte ein Walchsee Bewusstsein und Erkenntnisfähigkeit, würde er die Spiegelbilder der Bäume, die sich auf ihm abzeichnen, untersuchen und nicht etwa die Bäume selbst. Aufgabe des Denkens ist es, nach Fichte diese Unterscheidung immer im Blick zu haben. Der Philosoph befasst sich nicht mit Gegenständen, sondern mit bewusstseins Prozessen, mit Voraussetzungen des Wissens.

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Johann Gottlieb Fichte bringt hier den Begriff der tathandlung ins Spiel. Was damit gemeint ist, beschreibt der Philosoph Dieter Stürmer.

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Der Begriff der tathandlung ist von Fichte so verstanden worden, dass er einen Zug kenntlich macht, nämlich dass ich aktiv sein muss, um Handlungen, mentale Akte oder was auch immer aus der Vielfalt der möglichen Daten des Bewusstseins in eine Bestimmung, in eine Erfahrung oder eine Praxis umzusetzen. Fichte meint, dass diese Aktivitäten Rolle unter bestimmt ist. Wenn Fichte aber von der tathandlung spricht, sollten wir auch hier nicht den Fehler machen, dass wir glauben, dass es eine Handlung so wie wir sie im Alltagsleben vollziehen.

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Denn Handeln ist für Johann Gottlieb Fichte nicht nur ein pragmatischer Akt, sondern auch eine seelisch moralische Leistung. Der Gelehrte hat eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Er muss fähig sein, ständig hinzu zu lernen und dieses Gelernte weiterzugeben. Fichte geht sogar so weit, den Intellektuellen als Lehrer des Menschengeschlechts zu bezeichnen. überspitzt lässt sich sagen, dass das sich selbst setzende Ich mitten in der Gesellschaft sitzt und nicht im obersten Stockwerk eines Elfenbeinturms handeln, handeln.

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Das ist es, wozu wir da sind wollten. Wir zürnen darüber, dass andere nicht zu vollkommen sind als wir.

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Wenn wir nur vollkommener sind, ist nicht eben diese unsere größte Vollkommenheit, der an uns ergangene Ruf, dass wir es sind, die für die Vervollkommnung anderer zu arbeiten haben.

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Lassen Sie uns froh sein über den Anblick des weiten Feldes, das wir zu bearbeiten haben. Die Studenten der Jena Universität, an der Johann Gottlieb Fichte zeitweise unterrichtete, waren begeistert von dem Konzept der tathandlung. Die meisten jedenfalls. Einige jedoch sahen in diesem Denken einen rebellischen Aspekt Das Ich solle nur sich selbst gegenüber verantwortlich sein und nicht dem Fürsten. An allem sei zu zweifeln, am Ende wohl auch noch an der Religion. Johann Gottlieb Fichte war ein unbequemer Selbst und Querdenker.

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Resultat Mehrere Male muss der Philosoph nach dem Glazer schicken. Denn schwerst betrunkene Studenten schmeißen ihm des öfteren die Fensterscheiben ein. Fichtes Vorgesetzter in Weimar ist ein gewisser Herr von Goethe, der die Vorgänge selbst untersucht, nachdem er die Bescherung gesehen hat, notiert der Dichter.

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Freilich ist es von den nicht ich, die man doch gesetzt hat, sehr unhöflich, durch die Scheiben zu fliegen.

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Was den deutschen Idealismus für ungefähr 20 Jahre am Ende des 18. und zu Beginn des 19.Jahrhunderts zur bestimmenden Denkrichtung macht, ist nicht zuletzt die politische Situation in Europa. Der Kontinent ist gebeutelt von den ständigen Kriegen Napoleons. Die Welt scheint aus den Fugen. In dieser Situation wirkt es wie ein philosophisches Gegenmittel, das die Welt von den Denkern des deutschen Idealismus als ein System begriffen wird, als eine Ordnung, die vom Verstand erkannt werden muss.

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Hinzu kommt, dass nach Auffassung der idealistischen Denker dem Geist niemals seine Autonomie genommen werden kann.

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Das ist es, was die Welt konstituiert und nicht die politischen oder historischen Verhältnisse. Das Bewusstsein bestimmt das Sein. Es sind Ideen, die uns zum Menschen machen. Alles, was wir außer uns erblicken, ist auch immer nur ein Teil von uns selbst.

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Man kann sich das vielleicht so vorstellen, dass die Form menschlichen Bewusstseins etwas sehr Einzigartiges ist. Es ist dort eine Präsenz, die eine Umgebung deutet. Und um diese Deutungen zu machen, muss ich aktiv sein. Das ist schon richtig, dass jedes Urteil, auch schon jede Wahrnehmung, eine Aktivität ist, indem man von einem Zustand zum anderen übergeht. Wahrnehmung ist Aktivität oder fordert sie zumindest heraus? Ersetzt man den Begriff der Wahrnehmung durch den der Empfindsamkeit, so hört man das Echo einer literarischen Bewegung dieser Zeit, die wie kaum eine andere mit dem deutschen Idealismus in Verbindung gebracht werden muss.

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Die Romantik Dichter wie Friedrich, Hölderlin oder Novalis nehmen die Gedanken des Idealismus nicht nur auf, sondern sind selbst idealistische Philosophen, die als Künstler wesentliche Impulse geben.

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Hören wir noch einmal das wahrscheinlich von Friedrich Hölderlin verfasste System Programm des deutschen Idealismus.

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Der Philosoph muss ebenso viel ästhetische Kraft besitzen als der Dichter. Die Menschen ohne ästhetischen Sinn sind unsere Buchstaben Philosophen. Die Philosophie des Geistes ist eine ästhetische Philosophie. Die Poesie bekommt dadurch eine höhere Würde. Sie wird am Ende wieder, was sie am Anfang war Lehrerin der Menschheit.

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Ich würde vor allen Dingen für das letzte Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts gar keine große Unterscheidung machen zwischen Philosophie der Romantik und Realismus. Denn wir haben da Figuren wie Novalis, der bedeutende überlegungen zu Fichte angestellt hat. Hölderlin ist auch jemand. Es gibt da noch viele andere Namen, an die man denken kann. Die 90er-Jahre des 18. Jahrhunderts sind dadurch gekennzeichnet, dass hier Romantik und Sozialismus in vielen Zügen kaum zu unterscheiden sind. Dazu gehört das Interesse an Kunst, was dort eine große Rolle spielt.

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Verantwortlich hierfür ist vor allem Friedrich Schelling, der von 1975 bis 1854 lebte in Jena, Würzburg, München und schließlich Berlin. Philosophie-Professor war. Im Unterschied zu Johann Gottlieb Fichte sah er die Außen und Innenwelt als die zwei Seiten eines Ganzen an. Und Natur, das betrachtende Subjekt und das betrachtete Objekt, sind lediglich zwei Pole eines Planeten. Identitäts Philosophie nennt Schelling sein System. Die Kunst wird zum Organ der Philosophie erklärt. Eine wichtige Rolle für Schellings Einfluss auf die Romantik spielt jedoch seine Auffassung von der Natur und ihrem Wert für den Menschen, wie er in seinem Buch System des transzendentalen Idealismus beschreibt.

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Die Natur ist dem Künstler der unvollkommene Widerschein einer Welt, die nicht außer ihm, sondern in ihm existiert. In der Sprache der romantischen Kunst bedeutet dies Natur und Geist. Die Empfindungen des Menschen ergänzen sich gegenseitig. Gefühle und Stimmungen werden hervorgerufen durch die Betrachtung der Natur. Und dies im wörtlichen Sinne, denn sie sind immer schon da.

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Der Einzelne muss lediglich empfindsamer für die Sprache der Natur und ihrer Schönheiten werden. Was dies für unsere Erkenntnisprozess bedeutet, erläutert der Karlsruher Philosoph und Schelling Kenner Frieder Laux.

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Das Denken und die Erkenntnis von innen kommen einer der Sätze, die mich ganz besonders beeindruckt haben, dass er gesagt hat Vom inwendig werden fängt alles Wissen und Begreifen an. Das heißt, man muss beispielsweise als Historiker die alte Zeit in sich aufleben lassen. Man muss sich versenken in die Zeiten der alten Zeit. Man muss die Ruinen sehen, man muss die Bilder sehen von damals. Und dann erst, wenn man das verinnerlicht hat, kann man darüber schreiben. Das ist meines Erachtens ein typisch romantischer Gedanke.

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Philosophie also ist nichts anderes als eine Natur, Leere unseres Geistes. Das System der Natur ist zugleich das System unseres Geistes. Und jetzt erst kehrt unser Wissen zum Forschen und Versuchen zurück.

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Sein Gefühl war ihm das Wichtigste. Seine, wie er gesagt hat, Ahnung. Er meinte, der Mensch hat eine Ahnung vom Beginn der Schöpfung her. Es ist also eine Zeit übergreifende Jenseits Bindung. Und diese Bindung, der übrigens auch schon Platon beschrieben hat. Diese Bindung befähigt ihn, das auszusprechen, was er nicht weiß, was man nicht durch Experimente erforschen kann, sondern er meinte Ich kann mich der Natur nähern. Ich kann sie verstehen, durch meine Ahnungen, durch mein Gefühl, durch meine Einsicht in das Wildgänse.

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Das Leben behält aber am Ende immer recht. Und so droht denn zuletzt von dieser Seite der Philosophie Gefahr. Die Natur lässt sich nur von innen her von der Verwandtschaft mit dem eigenen Leben erschließen, indem der Mensch die Natur erkennt, erkennt er sich selbst. Ein geradezu moderner Gedanke, wenn man an die zeitgenössische ökologie denkt. Sie begreift die Umwelt als ein lebendiges Wesen, das Schmerzen empfindet.

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Trost, Fürsorge und Hilfe braucht. Friedrich Schelling beschrieb sehr früh, wie es zu Naturzerstörung und Ausbeutung der Schöpfung als rohstoffquelle kommen könnte und letztlich auch zur völligen Entfremdung des Menschen von den Bedürfnissen der ihn umgebenden natürlichen Welt.

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Schellings Philosophie kann verstanden werden als einer der ersten Versuche, die geteilt heit der Welt in Geist und Natur zu überwinden.

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Solange ich selbst mit der Natur identisch bin, verstehe ich, was eine lebendige Natur ist, so gut. Als ich mein eigenes Leben verstehe. Sobald ich aber mich und mit mir alles Ideale von der Natur trenne, bleibt mir nichts übrig als ein totes Objekt.

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Und ich höre auf zu begreifen, wie ein Leben außer mir möglich sei. Wenn die Natur zum Objekt gemacht wird, so Friedrich Schelling, dann spaltet sich der Mensch von ihr ab und zerstört eine ursprüngliche Identität. Als Herrscher über die Natur nutzt er sie nur mehr als Naherholungsgebiet und sieht sie nicht mehr als Teil seiner selbst. Die Schöpfung wird ihm fremd zu einer Ressource, die es auszubeuten gilt. Die Aktualität der philosophischen Warnungen Friedrich Schellings beschreibt Rieder Laux Man.

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Das Zukunftsweisende an Schelling ist, dass wir heute genau wieder vor diesem Problem stehen. überALL wird die Vernunft seitens der Naturwissenschaft als das einzig mögliche Erkenntnis, dies vielleicht nicht der richtige Ausdruck. Der einzig richtig Erkenntnis weg ist die objektivierbare wissenschaftliche Vernunft, und dadurch gehen uns sehr viele Einsichten, die man damals hatte und die in anderen Völkern verbreitet sind. Auch beispielsweise das Tor zur Religion geht dadurch verloren. Schelling hat sich ja bewusst zu einem religiösen Denken bekennt. Er hat ja gesagt, es ist ein Greuel, Gott aus den Gesetzen, aus der Moral herzuleiten.

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Das dient ja nur den Mächtigen, um die Leute bei der Stange zu halten, dass sie brav sind. Das hat er grundsätzlich abgelehnt. Er hat gesagt, der Mensch muss sich seelisch auf Gott einstellen und sich ihm anvertrauen. Nur so kann der Mensch sein eigenes Leben finden. Friedrich Schelling wollte die Welt als etwas begreifen, das vom Menschen frei hervorgebracht und erschaffen wird. Und wenn der Mensch in völliger Unabhängigkeit entwickeln und gestalten soll, muss zunächst geklärt werden, wie Freiheit überhaupt verstanden werden sollte.

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ähnlich wie Johann Gottlieb Fichte machte sich auch Friedrich Schelling Gedanken über das Wesen der menschlichen Freiheit. Zu welchen Schlüssen er dabei kam, beschreibt Frieda Laakmann.

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Schelling hat gesagt Das Bekenntnis zur eigenen Persönlichkeit das ist die Freiheit zur Verfügung steht im Vertrauen in den großen Welt Zusammenhang. Er hat gesagt, der Mensch ist schon vor dem Anbeginn der Schöpfung außerhalb der Zeit in einem zeitlosen Raum geboren und geschaffen, und dort wurde er ausgewählt, und er hat sich selbst erwählt. Und dadurch, dass er zu sich steht und weiß Ich bin, der ich bin. Ich kann nur so handeln, wie ich handeln muss. Darin sieht er die Freiheit.

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Kaum eine philosophische Richtung ist in der Geistesgeschichte so angegriffen worden wie der deutsche Idealismus. Für Karl Marx und Friedrich Engels standen diese Systeme buchstäblich auf dem Kopf. Nur dazu geeignet, die Wirklichkeit so lange hin zu biegen, bis sie in ein verqueres Denken passte. Für Arthur Schopenhauer produzierten Fichte und Schelling Wolkenkuckucksheim, die so wörtlich den Sinn Leers Kram enthielten, an welchem Platz Köpfe jemals ihr Genüge fanden. Doch bei nüchterner Betrachtung muss man feststellen, dass der deutsche Idealismus eine der einflussreichsten Philosophien seiner Zeit war und sich auch in gesellschaftliche Prozesse eingemischt hat.

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Johann Gottlieb Fichte ließ sich das selbst Denken nicht verbieten und flog 1799 von der Jena Universität. In Berlin wurde er dann zu einem geistigen Vater der Befreiungskriege gegen die napoleonische Herrschaft. Friedrich Schelling kassierte in Würzburg einen scharfen kurfürstlichen Rüffel, weil er sich als Beamter häufig in öffentlichen Debatten zu Wort meldete. Wie die Moderne von dieser ungemein produktiven Phase der Philosophiegeschichte profitiert, fasst Dieter Störmer von der Universität Bonn zusammen.

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Für mich ist der deutsche Limbus der großartige Versuch, die interne Einheit von Natur und Geist auf den Begriff zu bringen, wie das so schön im deutschen Idealismus geheißen hat. Das ist etwas, was wir leider in der Gegenwart als Philosophie vergessen haben. Wir sind eher der Meinung, dass wir uns auf die Natur oder auf das Bewusstsein konzentrieren. Aber dieses großartige Projekt, beides als miteinander verwoben zu denken und das nicht nur einfach emphatisch pathetisch zu beschreiben, sondern zum Gegenstand von systematischen überlegungen zu machen, das ist in dieser Form einzigartig und hat im übrigen ja auch zu einer unglaublichen Produktivität geführt, wenn man sich mal anschaut, was in dieser Zeit passiert, dass es in dieser Dichte, in der Philosophie allenfalls noch mit der antiken Klassik zu vergleichen.