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Die ganze Welt des Wissens Podcast von Bayern 2.

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Was tun, wenn sich in offenem Gelände fünf Tonnen Lebendgewicht direkt auf einen zubewegen? Dreieinhalb Meter hoch, mit flatternden Ohren und erhobenem Rüssel wegrennen scheint sinnlos.

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Also Schluss. Nomi Baumgartl Die Augen beweg dich nicht! Würde sie den Tierpfleger Chris schreien. Doch in Momenten, wo Flucht und Angriff sinnlos scheinen, schaltet unser archaisches Gehirn von ganz alleine auf Stillstand.

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Die Fotografin ließ die Kameras auf den Boden gleiten, faltete die Hände, vertraute ihrem Schicksal und schloss die Augen. Nur ihre Sinne nahmen über das Vibrieren des Bodens wahr. Dass der Koloss Timbuktu, der größte Elefantenbulle in Nordamerika, immer näher kam. Dann war plötzlich alles still.

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Sie öffnete die Augen, stand in einem gewissen Abstand zu mir und hat dann seinen Rüssel auf den Rücken gelegt und ist dann in Zeitlupe genau in dem Abstand seiner Rüssel Länge voll mit seinem Rüssel in mein Gesicht und hat mich eingeatmet, eingesogen. Und es war wirklich wie ein Staubsauger, wo ich dachte, jetzt komme ich hinten bei dem Elefanten wieder raus und konnte auch nichts mehr sehen, hatte nur, schlabbert von dem Rüssel in meinem Gesicht und über den Augen. Und als dann dieser Sog nachgelassen hat und losgelassen hat, habe ich meine Augen wieder aufgemacht und ist wirklich erlöst auf mich zugekommen und hat mich natürlich auch gefreut, dass es so ein Happy End gehabt hat.

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Diese unheimliche Begegnung mit einem Elefanten erlebte die Münchner Fotografin Nomi Baumgartl, als sie Aufnahmen über die tiefe Freundschaft zwischen dem alten Hollywoodfilm Elefanten und seinem Betreuer bei einem Ausflug nach einem amerikanischen Privat machte. Elefanten.

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Wenn Menschen Aug in Aug, dem größten Land Lebewesen dieses Planeten, gegenüberstehen, dann ist das ein unvergessliches Ereignis. Begleitet von einer gewissen Korrektur des Selbstbildes. Aus der Krönung der Schöpfung werden in diesem Moment kleine Wesen, die angesichts der Giganten demütig, vorsichtig und ehrfürchtig werden.

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Das gilt auch dem Kölner Zoodirektor Udo Pagels nicht anders.

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Ich selber bin immer sehr beeindruckt, wenn ich mal in Afrika bin und dann merke, wie so ein Elefantenherde an mir vorbeizieht. Das ist schon sehr beeindruckend.

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Elefanten sind einfach charismatisch. Sie ziehen uns eigentlich immer in ihren Bann. Ob ihrer Größe, aber auch b ihre Sozialverhaltens, denke ich. Wie bei allen Tieren, die ins Kindchenschema passen, passen immer kleine Elefanten unheimlich gut rein. Wir finden sie einfach schön. Diese riesen Tiere begeistern einfach.

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Doch diese Begeisterung hat auch ihre Schattenseiten. Faszination und Bewunderung auf der einen Seite, Ausbeutung und gnadenlose Bejagung auf der anderen Seite. Unsere Beziehung zu den grauen Riesen steckt voller Widersprüche.

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Der Jumbo-Jet am Flughafen oder der Jumbo Markt gleich nebenan sprechen eine eigene symbolische Sprache vom Bimbo für die Kleinen oder dem Elefanten Oberst Hattie im Dschungelbuch ganz zu schweigen.

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Der Gigant wird zum graphischen Zeichen, zur Witzfigur oder zum Steiff verniedlicht, muss in der Werbung für Dienstleistungen und Produkte Trompeten oder im Büro als Jumbo PC mit ungebremster Schnelligkeit und Leistungskraft unsere digitalen Sehnsüchte nach Hochleistung abdecken. Kein Zweifel, wir sind schon lange auf den Elefant gekommen. Doch kennen wir ihn wirklich?

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Was wissen wir von seinem Leben, seinen Wesenszüge, die beiden oder die drei Elefanten Orten, die es gegenwärtig noch gibt? Die lassen sich relativ leicht auch für den Laien daran unterscheiden, dass die beiden Afrikaner sehr große Ohren haben und einen buckligen Körperbau. Der indische Elefant ist zwar insgesamt im Durchschnitt kleiner als seine Ohren, sind erheblich kleiner, häufiger auch mit rosa Flecken. Und dann gibt es noch den Unterschied in Rüssel, ob er einen Finger hat oder zwei, drei Finger.

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Aber das ist mehr oder minder eine Nebensächlichkeit. Zoologisch betrachtet ist es richtig, dass man sie zu zwei verschiedenen Gattungen gestellt hat, weil sie lange genug evolutionär gesehen voneinander getrennt ihre Entwicklungen durchgemacht haben. Aber biologisch ökologisch stehen sie einander sehr, sehr nahe. Gemeinsam ist allen dreien das Eindrucksvolle der Größe. Die Elefanten sind die größten Lebenden. Und noch lebenden Tiere, die es gibt, verglichen mit den nächstgrößeren, den Nashörnern oder auch den tonnenschwer im Flusspferden, natürlich geradezu charmant in ihrer Lebensweise, in ihrer Intelligenz.

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Auch der Evolutionsbiologe Josef Reichholf gerät ins Schwärmen angesichts dieser späten Nachfahren aus der Ordnung der rüsseltiere, die schon vor 55 Millionen Jahren mit 350 Arten die Erdteile bevölkerten, als der Homo sapiens noch lange nicht entstanden war. Vielleicht erinnern sich unsere Gene auch noch an die Mammuts, jagten unsere steinzeitlichen Vorfahren jenen, denen wir und das Klima den Garaus machten. Drei Gattungen sind übrig geblieben. Der afrikanische Elefant, der asiatische und der noch wenig erforschte waldelefanten.

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Vor 300 Jahren gab es noch zirka 100 Millionen Elefanten, heute geschätzte 500000 Kolosse, die eine Höhe von bis zu vier Meter und ein Gewicht von sieben Tonnen erreichen können. Der enorme Körper steht dabei auf besonderen Füßen. Ein dickes Polster aus gelernt. Gewebe, das sich beim Auftreten in der Sohle ausbreitet, verteilt das Gewicht optimal auf dem Boden und hinterlässt fast keine Spuren.

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An die 60 000 Muskeln betätigen seinen Rüssel, mit dem er atmet, wittert, trompetet und greift, kämpft und schlägt, trägt, dirigiert und liebkost, sich Nahrung zuführt und zwecks Erfrischung und Sonnenschutz die Haut mit Wasser und Staub besprüht. Legendär ist sein sanftes Gemüt, sprichwörtlich sein enormes Gedächtnis. Verhaltensforscher verbürgen sich für seine hohe Intelligenz. Sein geselliges Wesen, seinen Spaß am Spiel und seinen erstaunlichen Familiensinn. Doch sie stehen kurz davor, sagt Josef Reichholf, langfristig das Schicksal ihrer Vorfahren, der Mammuts, zu teilen.

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Je größer ein Lebewesen geworden ist, umso mehr Raum braucht es zum Leben und in der Regel natürlich auch umso mehr Nahrung. Elefanten machen ja deswegen in unserer Zeit auch den Menschen vielerorts Probleme, weil ihr Futter bedarf, so riesig ist und die Pflanzen, die der Mensch anbaut, besonders attraktiv sind, weil sie gut verdaut, gut verwertet werden können von den Elefanten. In früheren Zeiten lösten die Elefanten dieses Problem mit weiträumigen Wanderungen. Das ist heute praktisch nicht mehr möglich.

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Dadurch führt die Einengung der Elefanten auf die ihnen noch zu gebilligten Lebensräume, zu schweren Zerstörungen der Vegetation.

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Was sie so faszinierend macht, ist zugleich ihre beeindruckende Größe. Ihr komplexes Sozialverhalten, ihre Intelligenz. In Asien gibt es kaum mehr wilde Elefanten, Herden in den Wäldern von Indien, Sri Lanka, Laos, Thailand, Myanmar oder Kambodscha. Die meisten der 38 000 Tiere sind längst als Elefanten im Dienst der Menschen. Sie helfen beim Roden ihres eigenen Lebensraumes, können das Dreifache ihres Gewichtes ziehen, schleppen bis zu 700 Kilo schwere Waren und werden trotzdem nach und nach von PS starken Maschinen verdrängt.

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Die Zähmung begann schon vor 4000 Jahren. Spätestens seit dem ersten vorchristlichen Jahrhundert schufteten zahme Elefanten zwischen Jangtse und Indus für den Menschen. Im 16. Jahrhundert besaß der indische Mogul Kaiser alleine 14 000 Elefanten. Sie bildeten mit ihren Körpern Brücken über Flüsse und Sümpfe, trotzten als lebende Schützenpanzer, anstürmenden Infanterie und donnerten mit gepanzerten Köpfen Stadttore nieder.

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Doch die Erhabenheit der grauen Riesen führt auch zu ihrer metaphysischen überhöhung.

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In Sri Lanka gilt bis heute die Elefanten Prozession in der alten Königsstadt Kandy im Bergland als der Höhepunkt des Jahres. Hunderte von prunkvoll geschmückten und mit bunten Glühbirnen dekorierte Elefanten aller Größen bewegen sich bei der hinduistisch buddhistischen Pera Hara durch die Straßen. An ihre Spitze ein riesiger Elefantenbulle, der in vergoldeten Schrein als Reliquie einen Zahn von Gautama Buddha trägt. Ein beeindruckender Anblick.

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Doch auch hier lauern die Schatten der Faszination, sagt der singhalesische stämmige Brian Betts, der im Kölner Zoo seit 25 Jahren die Elefanten betreut. Er hat nur Mitleid mit dem verehrten Tempel.

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Elefanten, Tempel, Elefanten in Sri Lanka sind Tiere, die besonders heilig sind. Nur der Bulle, der dominante Bulle in Sri Lanka, darf alles schön und gut.

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Aber solche Bullen, die sehr viel Respekt verdient haben, dass sie auch heilig sind, dann sind sie meistens angekettet und stundenlang angekettet, weil sie nicht arbeiten darf. Und das finde ich auch. Quälerei. Gott, Goethe in Ketten, und das finde ich schon ein sehr guter Ausdruck, weil die verheert, aber doch misshandelt.

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Im hinduistischen Indien ist der Elefant als Ganesha von keinem Hausaltar wegzudenken. Die Figur des Körpers mit einem Elefanten Kopf gilt auf dem asiatischen Subkontinent heute als eine Art Glücksbringer.

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Doch auch hier leiden die Tempel, Elefanten, Qualen. Und der Gotz liegt in den Ketten des Trivialen, sagt der in Indien hochverehrte Religions, Reformer und alternative Nobelpreisträger Swami Agni. Die eigentlichen Werte aber sind vergessen Symbolik.

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Der Elefant steht für Scharfsinn, Großzügigkeit, intellektuelle Klarheit, Tiefe der Wahrnehmung.

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Ganesh ist der Gott dieser Qualitäten und symbolisiert im sozialen Kontext den guten Herrscher, der Respekt verdient, aber auch Verantwortung trägt.

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Insofern steht er für positive Macht. Die Qualität des tiefen Denkens, die Verpflichtung für das Wohl der Allgemeinheit zu verehren, heißt, guten Segen für die Gemeinschaft zu erbitten.

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Das ist die eigentliche Idee, die in Afrika kam es nicht zu solcher Domestikation, religiösen Verehrung oder zu Tempel und Kriegs. Elefanten, Mensch und Elefant gingen sich hier eher aus dem Weg. Trotzdem sieht es nicht gut aus für den Afrikanischen Elefanten, denn menschliche Siedlungen breiten sich immer weiter aus, und die Nationalparks können die Wildnis nicht ersetzen. Zuwächsen bei der Elefanten Population In Botswana, Gabun, Südafrika, Namibia und dem Kongo stehen die katastrophalen Verluste in Tansania, Sambia, Sudan, Uganda und Kenia gegenüber.

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Allein die letzten beiden Länder verloren in den vergangenen 20 Jahren 85 Prozent ihres Bestandes an Elefanten. Zwar sagt eine uralte afrikanische Weissagung Sterben die Elefanten, stirbt erst das Land und dann die Menschen. Doch die archaische Weisheit scheint vergessen.

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Das Verhältnis zu den sanften Riesen ist fraglos widersprüchlich. Erst recht in Europa 212 vor Christus überquert Hannibal von Osten kommend die Alpen Richtung Italien. Seitdem waren Elefanten jahrhundertelang hier fast so etwas wie fabeltier Wesen, die man nur vom Hörensagen kannte. Die Berichte darüber wurden entsprechend mythologisch ausgeschmückt. Der erste Elefant in Europa war Abul Abbas, ein Geschenk des persischen Kalifen Harun al Raschid an Karl den Großen. Im 9. Jahrhundert, erst im Zeitalter des Kolonialismus, wird der Elefant zur Massenware.

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In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts werden ganze Herden gefangen und Tausende nach Europa und Amerika verschifft.

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50 köpfige Elefantenherde werden zum Statussymbol der Zirkusse Mit Tieren werden ihrer Natur zuwider laufende Dressur Akte abverlangt.

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Trainiert wird mit der Peitsche, gehalten werden sie in Ketten. Was das Publikum staunen und jubeln lässt, bedeutet für die Elefanten meist nur Qual. Ihre Auftritte verherrlichten, ähnlich wie die zeitgleich ausgestellten Indianer und Eskimos, die Herrschaft weißer Herrenmenschen über die ganze Welt und ihre Geschöpfe.

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Mythos, diplomatische Gabe, Schau, Objekt, Sensation. Pressiert das Monstrum Jumbo? Das sind die Stationen des Elefanten im Abendland. Nach Jahrhunderten der artfremden Haltung hat man in der Gegenwart endlich begonnen, die riesigen Tiere mit neuem Respekt zu behandeln und ihnen auch im Zoo eine artgerechte Haltung zu ermöglichen, sagt der Kölner Zoodirektor Udo Pagels, der dies in dem riesigen Elefanten Park der Domstadt modellhaft umgesetzt hat.

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Protected Contact ist das Stichwort geschützter Kontakte, das der Pfleger nicht mehr direkt arbeitet. Die Hand am Tier, so wie es vielleicht aus dem Zirkus kennt, das aus Ursprungsländern Härkingen, sondern bei uns ist es so, dass der Pfleger immer auf einer anderen Seite einer Barriere stehen muss. Er fasst die Tiere ganz klar. Er hat auch noch einen guten Kontakt zu ihnen. Aber zwischen ihm und dem Tier ist immer eine Gitter. Wir hätten gar nicht mehr. Unsere Elefanten leben 22 Stunden am Tag in der sozialen Gruppe tags und nachts in der Herde zusammen.

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Die Zeiten, wo Elefanten in Zoos abends angekettet wurden, sind vorbei.

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So können sich die Tiere freier bewegen und werden nicht mehr mit Peitsche, Eisenstangen und Nadelspitze picken zum Gehorsam gezwungen. Damit sind auch die vielen schweren Unfälle deutlich zurückgegangen. Denn falsch gehalten sind Elefanten gefährlicher als Großkatzen oder Nashörner. Auf jeden in Ketten gehaltenen Elefantenbullen kam bislang statistisch gesehen ein getöteter oder lebensgefährlich verletzter Tierpfleger. Je restriktiver ein Tier gehalten wird, desto aggressiver verhält es sich. Auch ohne diese kettenschaltung bleibt der Elefant gefährlich. Doch kann er so viel eher jene Charakterzüge zeigen, die ihn im Volksmund zum sanften Riesen gemacht haben.

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Im Prinzip sind es schon sanfte Riesen, wenn sie sehen, wie sanftmütig sie im wahrsten Sinne umgehen mit Jungtieren, leben also unter einer Kuh, diese Elefanten?

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Die Männer kommen nur gelegentlich mal vorbei. Da gibt es immer, wie in anderen sozialen Systemen auch, Rangeleien. Und die sind natürlich ob der Größe geschuldet, schon deutlich heftiger.

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Doch trotz aller Rangeleien ist Solidarität und Mitgefühl die evolutionäre überlebensstrategie der großen Säuger. Wird ein Tier verletzt oder krank, kümmert sich die ganze Herde um den Artgenossen, bringt Nahrung, versorgt Wundt mit Schlamm. Packungen wartet geduldig auf Heilung. Familienbande halten bis über den Tod hinaus. So kehren manche der Herden Tiere regelmäßig zu den Gebeinen ihrer Verwandten zurück, um die Knochen sanft samt Mutter. Familien garantieren enge individuelle Beziehungen zwischen den Elephantine, einen geschützten Geburts, Verlauf und die erfolgreiche Aufzucht der Jungen.

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Kaum ist ein Elefanten Kind geboren, eilen die Tanten und Geschwister herbei, begrüßen und betasten es, sagt der Biologe Josef Reichholf.

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Das kann auch so weit führen, was er üblicherweise bei Säugetieren kaum auftritt. Dass Verwandte, Tanten oder unter Umständen gar nicht so nahe Verwandte, weibliche Elefanten, die noch Milch für ein fremdes Junges trinken lassen das erklärt sich am besten aus der Sozialstruktur dieser Elefanten. Und das macht man sich meist nicht so sehr bewusst. Eigentlich ganz entscheidend durch die Dauerhaftigkeit geprägt ist durch das lange Leben.

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38 bis 60 Jahre sind die Regel, aber auch ein Alter von 86 Jahren wurde schon erreicht. Die enge Gruppenbildung wird auch durch ein komplexes akustisches Kommunikationssystem aufrechterhalten, das neben der ausdrucksstarken Körpersprache existiert und erst unlängst entdeckt wurde.

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Immer wieder berichteten Pfleger von einem eigenartigen tiefen Rumpeln im Elefanten Bauch. Tatsächlich ist es ein mithilfe des Resonanzkörper Bauch erzeugter Schall, der im für den Menschen fast unhörbaren Infraschall Bereich zwischen 14 und 35 Hertz liegt.

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Mit dieser gemeinsamen Sprache lässt sich erklären, warum Elefanten sich in freier Wildbahn plötzlich zu einer Herde formieren oder kollektiv vor einer Gefahr fliehen. Diese Infraschall Dialoge, über die übrigens auch Wale wie der Blauwal und der Filmball kommunizieren, funktionieren bis zu 100 Kilometer weit, und die Tiere wissen dabei genau, mit welchem Artgenossen sie gerade Kontakt haben. Sie können so um Hilfe rufen.

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Die Herde zusammenhalten und bei Wanderungen Anweisungen geben, ihre körperliche Befindlichkeit mitteilen, einen Partner rufen, sich gegenseitig identifizieren. Und die tief rumpelnden Dialoge funktionieren anscheinend sogar in der Stadt, berichtet der Kölner Zoodirektor Udo Pagels.

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Wir haben ja mehrfach Elefanten in den Zoo geholt und hatten Lkw unterwegs, waren Elefanten drin, und wir waren mit Mobiltelefonen und mit Funkgeräten in Verbindung. Und dann wurde angerufen. Wir sind jetzt gleich da. Und dann wurde uns gesagt Haben wir angerufen, weil unsere Elefanten schon seit zehn Minuten in die Richtung gucken und ganz nervös sind? Da war es so, dass die schon mitbekommen hatten Hoppla, da kommt ja jemand.

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Die hatten sich untereinander schon verständigt, der Elefant, das immer noch weitgehend unbekannte Wesen. Dennoch halten sich die alten Klischees über dieses faszinierende Lebewesen. In kirchlichen Texten des Mittelalters galt der Elefant als Symbol der Keuschheit. Doch vielleicht ist er einfach klug genug, um die unsäglichen Bedingungen der Gefangenschaft in Ketten dem eigenen Nachwuchs ersparen zu wollen.

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Auch der sprichwörtliche Elefant im Porzellanladen als Metapher für Unbeholfenheit und Tollpatschigkeit hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Im Gegenteil Elefanten können balancieren, in schwierigen Lagen das Gleichgewicht bewahren und verletzen auch im Kampf Situationen, ihre Jungtiere nicht unter den massiven Körpern Schutz suchen. Am hartnäckigsten aber hält sich das Klischee vom Dickhäuter, sagt Udo Pagels.

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Der Dickhäuter ist ein Dünnhäutiger. Das ist wirklich so. Die haben nicht so eine dicke Haut, wie man allgemein durch diesen Begriff Dickhäuter meinen könnte. Sie haben eine relativ empfindliche Haut für diese sehr viel tun. Regelmäßig Elefanten bewerfen sich nach dem Baden in der Regel mit allen möglichen, was sie finden können, ob das Schlamm ist, Heu und Stroh. Bei solchen Elefanten, die gerade im Rückenbereich viele Haare haben, bleibt natürlich entsprechend viel liegen.

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Das dient eben als Schutz gegen Zecken und anderes Getier. Was denen da zu schaffen machen könnte.

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Was die großen und klugen Tiere aber an den Rand der Ausrottung gebracht hat, ist die Gier, die der Mensch dem Elfenbein entgegenbringt. Die gewaltigen Stoßzähne erzielen bis heute Höchstpreise und verleiten gerade in den unterentwickelten Ländern Afrikas Menschen in sozialer Not zum Wildern. Kilo Preise von bis zu 150 Dollar förderten das große Schlachten, das zwischen 1980 und 1990 Afrikas Elefanten Population von 1,3 Millionen auf 600 000 mehr als halbierte. Jahrelange Handelsverbot für das weiße Gold führten zur Erholung der Bestände. Doch das Moratorium ist in Gefahr.

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Das überLeben der grauen Riesen ist langfristig nicht gesichert. Im Gegenteil. Schuld daran ist auch das, was man international den Human Elephant Konflikt nennt der Kampf zweier Gattungen um Reviere und Nahrung.

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Nicht nur Afrikas, auch Asiens Bevölkerung hat sich in wenigen Jahrzehnten mehr als verdreifacht. Menschliche Siedlungsgebiete und damit einhergehend die Landwirtschaft dehnen sich immer mehr aus und verkleinern den enormen Flächenbedarf hungriger Elefanten.

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Herden auf traditionelle Elefanten. Wege hat man heute nicht selten Plantagen gepflanzt. Dann wird der sanfte Riese zornig. Gewaltsame Zusammenstöße mit Toten auf beiden Seiten sind seitdem in Sri Lanka und Indien ebenso wie in Kenia und Tansania an der Tagesordnung. Und trotz seiner Größe und Intelligenz zieht das größte Land Lebewesen dabei regelmäßig den Kürzeren. Noch ist also nicht auszuschließen, dass wir die Elefanten. Nachdem wir nun endlich damit begonnen haben, sie zu verstehen, in freier Natur endgültig verlieren könnten.