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Die ganze Welt des Wissens Podcast von Bayern 2.

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Eine neue Folge Radio wissen. 1945 warfen die USA Atombomben über Hiroshima und Nagasaki ab, Hunderttausende Menschen starben entweder sofort oder später an den Folgen der Strahlung. Die Begründung damals für den Abwurf lautete, man habe so Japan zur Kapitulation gezwungen und den Zweiten Weltkrieg verkürzt. Heute gibt es Zweifel an diesen Annahmen. Anfang August 1939. Albert Einstein ist in großer Sorge. Er schreibt einen Brief an den damaligen US-Präsidenten Franklin Roosevelt. Neue wissenschaftliche Untersuchungen würden darauf hindeuten, dass es schon bald möglich sein könnte, eine nukleare Kettenreaktion in einer großen Menge von Uran auszulösen.

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Das würde gewaltige Energiemengen freisetzen. Und dann kommt der Schlüsselsatz Dieses Phänomen könnte auch zum Bau von Bomben führen.

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Einstein warnt, dass jemand bereits dabei sein könnte, diese neue, ungeheuer gefährliche Bombe herzustellen die Nationalsozialisten. Er empfiehlt den USA, selbst eine solche Bombe zu bauen eine Atombombe. Die US-Führung ist jetzt alarmiert, erklärt Gerhard Krebs. Der Historiker hat intensiv zur Endphase des Zweiten Weltkriegs geforscht und unter anderem in Berlin und Tokio gearbeitet.

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Man fürchte, dass die Deutschen den Amerikanern zuvorkommen und die Atombombe zuerst haben und einsetzen. Deswegen braucht man ein Gegengewicht und eine Abschreckung. Waffe, die sich gegen Japan eingesetzt wurde, lag daran, dass sie zu spät fertig wurde für Deutschland.

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Im August 1945, fast auf den Tag genau sechs Jahre nach Einsteins Brief, werden die USA die weltweit erste Atombombe abwerfen über der japanischen Stadt Hiroshima. Drei Tage später eine weitere über Nagasaki. Der Einsatz der Atombomben ist bis heute umstritten. Waren die Bomben und das Leid, das sie verursachten, gerechtfertigt? Wurde der Zweite Weltkrieg damit tatsächlich schneller beendet?

[00:02:28]

Im Sommer 1939 aber herrscht in den USA noch große Einigkeit Man möchte den Nationalsozialisten unbedingt zuvorkommen und die Atombombe zuerst entwickeln. Die Eile ist verständlich. Dem Deutschen Otto Hahn ist kurz zuvor in Berlin die erste Kernspaltung gelungen. Deutsche Wissenschaftler gelten als führend auf dem Gebiet der Kernphysik. Präsident Roosevelt befiehlt umgehend den Ausbau der US amerikanischen Atomforschung. 1942 startet dann ein gigantisches Forschungsprogramm, das sogenannte Manhattan Project. In der Wüste Mexikos entsteht ein streng geheimes Labor. Los Alamos. Hier arbeiten Tausende hochqualifizierte Physiker und Techniker.

[00:03:15]

Albert Einstein gehört übrigens nicht dazu. Er gilt politisch als nicht zuverlässig genug. Im Wettlauf um die Atombombe mit den Nazis spielt Geld keine Rolle. Insgesamt werden in das Manhattan Project damals zwei Milliarden Dollar investiert. Umgerechnet auf die heutige Kaufkraft während schätzungsweise über 20 Milliarden Dollar.

[00:03:40]

Der Zweite Weltkrieg ist voll entbrannt.

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Die USA und ihre Verbündeten Großbritannien massiv, bleiben offiziell, aber neutral. Das ändert sich im Dezember 1941. Japan greift überraschend an der US Pazifik Flotte auf Hawaii, Dutzende Schiffe werden zerstört, weit über 2000 Menschen sterben. Nur einen Tag später erklären die USA Japan den Krieg.

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Die amerikanische öffentlichkeit war mehrheitlich lange dagegen, dass sich die USA am Zweiten Weltkrieg beteiligen. Viele US-Bürger drängen jetzt immer stärker auf eine harte Bestrafung der Japaner.

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Die amerikanischen Wissenschaftler machen unterdessen gewaltige Fortschritte. 1942 gelingt die erste von Menschen eingeleitete nukleare Kettenreaktion. Diese könnte riesige Energiemengen produzieren. Ein Meilenstein auf dem Weg zur Atombombe.

[00:04:40]

Von solchen Erfolgen sind die Forscher im Deutschen Reich zur gleichen Zeit weit entfernt. Deshalb werden andere Prioritäten in der Waffen Entwicklung gesetzt. Ganz eingestellt wird die Forschung an der Atombombe zwar nie, aber der von den USA angenommene Wettlauf mit dem NS-Regime ist schon früh keiner mehr. Das wird endgültig klar, als Anfang 1945 die größten Teile Deutschlands besetzt sind. Die Entwicklung der Atombombe wird in den USA trotzdem mit großem Einsatz fortgesetzt. Mitten in der entscheidenden Schlussphase des Krieges am 12. April 1945 stirbt völlig unerwartet Präsident Roosevelt.

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Der Mann, der den Bau der Atombombe befohlen und maßgeblich vorangetrieben hat. Neuer Präsident der Vereinigten Staaten wird Harry Truman, der bisherige Vizepräsident. Jetzt zeigt sich, wie geheim die Entwicklung der Atombombe tatsächlich ist.

[00:05:41]

Truman wird erst nach seiner Amtseinführung in das Projekt eingeweiht. Dazu kommt Truman gilt auf der Bühne der Weltpolitik als völlig unerfahren. Viel Zeit zur Einarbeitung hat er nicht. Jetzt, gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, muss er täglich wichtige Entscheidungen treffen, darunter auch den weiteren Umgang mit der Atombombe. Zwar kapituliert das Deutsche Reich am 8. Mai, und der Krieg in Europa ist beendet.

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Aber Präsident Truman warnt Unser Sieg ist nur halb gewonnen. Der Westen ist frei. Aber der Osten ist immer noch der verräterischen Tyrannei der Japaner ausgeliefert. Erst wenn die letzte japanische Einheit bedingungslos kapituliert hat, dann ist unsere kämpferische Aufgabe erledigt.

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Im Frühjahr 1945 haben die USA fast uneingeschränkte Lufthoheit über den japanischen Inseln.

[00:06:41]

Die Luftwaffe fliegt jetzt immer verheerender Bombenangriffe. Aber trotz der immer hoffnungslosen Lage ist Japan weit davon entfernt, sich zu ergeben. Noch immer kontrolliert es unter anderem die koreanische Halbinsel und die Mandschurei, ein großes Gebiet im Nordosten Chinas. Noch immer verkündet die japanische Führung aggressive Durchhalteparolen.

[00:07:05]

In den USA ist Präsident Truman inzwischen informiert worden, dass die erste Atombombe schon in wenigen Wochen fertig ist. Eine Frage wird jetzt immer drängender Ob und wie sollte eine Atombombe eingesetzt werden? Ursprünglich waren ja nur deutsche Städte als Abwurf vorgesehen. Jetzt gerät Japan in den Fokus. Wissenschaftler um den Physiker James Frank versuchen in dieser Zeit, Truman davon zu überzeugen, die Bombe nicht gegen Japan einzusetzen. Im sogenannten Frenk Report warnen sie vor einem Wettrüsten und schlagen stattdessen eine Demonstration der Atombombe vor der Weltöffentlichkeit über bewohntem Gebiet vor.

[00:07:48]

Solche Vorschläge werden im sogenannten Komitee beraten. Politiker, Militärvertreter und andere Experten besprechen unterschiedliche Strategien zum Umgang mit der Atombombe. Die überraschend eindeutige Empfehlung lautet schließlich Die Bombe soll so schnell wie möglich und ohne Vorwarnung über japanischen Städten abgeworfen werden. Der persönliche Berater von Präsident Truman und spätere US-Außenminister James Burns spielt bei dieser Empfehlung eine entscheidende Rolle. Er hat vor allem die Bevölkerung in den USA im Blick. Eine Mehrheit fordert nach dem Angriff auf Pearl Harbor maximale Härte gegenüber Japan.

[00:08:30]

Burns hat großen Einfluss auf den unerfahrenen Truman, erklärt Gerhard Krebs.

[00:08:35]

Eigentlich war die Mehrheit der Politiker und Militärs dafür, die Waffe nicht gegen Japan einzusetzen ohne Vorwarnung und möglichst auch nur gegen militärische Ziele. Der Scharfmacher war Burns kippte die Stimmung, bei der das Ohr von Truman erhielt, des Präsidenten Präsidentenamt, der entscheidest.

[00:08:58]

Im Juli 1945 überschlagen sich die Ereignisse. In den Laboren von Los Alamos ist es gelungen, die erste Atombombe der Welt fertig zu stellen und für eine Test Zündung vorzubereiten. Am 16. Juli explodiert sie am frühen Morgen in der Wüste von New Mexico auf einen gleißend hellen Blitz folgt ein orange gelber Feuerball, der in Sekunden in den Himmel steigt.

[00:09:27]

Zum ersten Mal entsteht der typische Atompilz. Noch in über hundert Kilometern Entfernung ist die Druckwelle zu spüren. Die Wissenschaftler sind völlig überrascht. Die Explosion ist dreimal so stark wie berechnet. Es ist tatsächlich die verheerende Bombe eines neuen Typs, die Einstein vorhergesagt hatte. Währenddessen reist US-Präsident Schuman nach Potsdam. Nach dem Ende des Krieges in Europa wollen die Alliierten hier beraten, wie es weitergehen soll. Auch der britische Premierminister Winston Churchill und Josef Stalin, der sowjetische Regierungschef, kommen zur sogenannten Potsdamer Konferenz.

[00:10:07]

Die Nachricht vom erfolgreichen Atombombentests erhält, ist er euphorisiert. Nicht eingeweihte Beobachter in Potsdam registrieren überrascht, wie selbstbewusst Schumann plötzlich auftritt. Stalin könne allerdings kaum beeindrucken durch einen Spion in Los Alamos ist der bestens über die Fortschritte der Amerikaner informiert.

[00:10:29]

Der 24. Juli ist dann ein entscheidender Tag. Truman berät sich mit seinen engsten Vertrauten, darunter auch Hardliner James Burns. Und dann ordnet er von Potsdam aus an, über Japan sollen Anfang August Atombomben abgeworfen werden. Im Einsatzbefehl werden auch gleich vier mögliche Ziele genannt, darunter die Städte Hiroshima und Nagasaki. Beide haben Militärbasen oder Rüstungsindustrie. Vor allem aber wurden sie bislang nur wenig zerstört. Ideal, um die Wirkung der neuen Bombe zu testen. Wenige Tage nach diesem Befehl wird die sogenannte Potsdamer Erklärung veröffentlicht.

[00:11:11]

Unterzeichnet ist sie von den USA, nicht aber von der Sowjetunion. Diese befindet sich offiziell nicht mit Japan im Krieg und gilt als neutral. Die Erklärung soll eine letzte Warnung an Japan sein.

[00:11:26]

Am Ende heißt es Wir rufen die Regierung Japans auf, nunmehr die bedingungslose Kapitulation aller bewaffneten Kräfte Japans zu erklären und angemessene und adäquate Garantien ihres guten Willens in dieser Aktion zu zeigen. Die Alternative für Japan ist seine prompte und vollständige Zerstörung.

[00:11:46]

Dass damit auch der Einsatz von Atomwaffen gemeint ist, erfährt die öffentlichkeit nicht. Niemand rechnet damit, dass Japan jetzt kapitulieren würde. Und tatsächlich erklärt der japanische Premierminister in einer Pressekonferenz, dass seine Regierung die Potsdamer Erklärung ignorieren werde. Diese eindeutige Haltung der japanischen Regierung bedeutet in den Augen der USA Die Atombomben werden abgeworfen. Der erste Atom Sprengkörper ist bereits auf einem Schiff unterwegs zu US Stützpunkten im Südpazifik. Diese öffentlich verkündete Absage Japans passt allerdings nicht zu dem, was hinter den Kulissen in der japanischen Führung diskutiert wird.

[00:12:30]

Hier gibt es sehr wohl kritische Stimmen, weil die Lage hoffnungslos ist, wollen Sie ein schnelles Kriegsende erreichen. Der japanische Botschafter in Moskau sendet seit einiger Zeit vorsichtige Signale an die sowjetische Führung.

[00:12:44]

Die Idee Die offiziell neutrale Sowjetunion soll zwischen den Kriegsparteien vermitteln. Die japanische Elite hofft, dabei noch einen akzeptablen Frieden zu erreichen und die geforderte bedingungslose Kapitulation zu verhindern.

[00:13:00]

Denn eine zentrale Bedingung haben die Japaner, erklärt der Historiker und Japanologie Gerhard Krebs Sie wollen um jeden Preis das Kaisertum erhalten.

[00:13:10]

Haben Sie sich als einmalige Staatsform in der Welt? Der Kaiser war ja immerhin göttlicher Abkunft. Ohne Kaiser konnten sich die Japaner ein Weiterbestand ihrer Nation einfach nicht vorstellen.

[00:13:24]

Für Kaiser Hirohito sind die Japaner bereit, den schon so gut wie verlorenen Krieg fortzusetzen, auch wenn das den Untergang bedeutet. Die Reaktionen aus Moskau auf die japanischen Botschaften waren allerdings sehr verhalten. Die Sowjetunion hatte längst beschlossen, Japan in Kürze selbst den Krieg zu erklären. Die Sowjets wollen sich die von Japan besetzten Gebiete sichern.

[00:13:52]

Dann kommt der 6. August 1945 Vom US Luftwaffenstützpunkt mitten im Südpazifik startet um kurz nach Mitternacht 29 Bomber. Sein Ziel ist Hiroshima, etwa 2500 Kilometer weit weg. An Bord ist nur eine einzige Bombe. Es ist die Atombombe mit dem Codenamen Kleiner Junge, etwa drei Meter lang, vier tonnenschwer. Um 9 Uhr 15 kommt Hiroshima in Sicht. In einer Höhe von 10000 Metern klingt die Besatzung die Bombe aus und dreht ab. Sekunden später explodiert die Atombombe über dem Stadtzentrum.

[00:14:37]

Ein Gleißen Teller Blitz zog durch den Morgenhimmel. Im Kern der Explosion ist es mehrere Millionen Grad heiß, am Boden herrschen immer noch an die 3000 Grad. Gebäude und Bäume verglühen.

[00:14:52]

Die folgende Druck und Hitzewelle zerstört die Innenstadt Hiroshima fast komplett. Die Explosion der Bombe entspricht etwa der von 11 bis 13 000 Tonnen des herkömmlichen Sprengstoffs TNT. Eine genaue Zählung der Toten ist unmöglich. An die 75 bis 80 000 Einwohner Hiroshima sterben sofort. Von vielen bleibt nichts zurück. Die Körper verdampfen in der Explosion. Sitze an den Spätfolgen der radioaktiven Strahlung werden in den Jahren danach noch weitere Zehntausende Menschen sterben. Darunter sind zwar auch Soldaten. Die übergroße Mehrheit sind Zivilisten.

[00:15:30]

Dieses Leid ist für US-Präsident Truman weit weg.

[00:15:34]

In einer Ansprache stellt er das Geschehen anders dar.

[00:15:40]

Die Welt muss zur Kenntnis nehmen, dass die erste Atombombe auf Hiroshima abgeworfen wurde.

[00:15:45]

Eine Militärbasis? Wir haben in diesem ersten Angriff versucht, so weit wie möglich zu vermeiden, dass Zivilisten sterben. Aber dieser Angriff ist nur eine Warnung vor dem, was kommen kann.

[00:15:58]

Eine offizielle Reaktion aus Japan auf den ersten Atombombenabwurf gibt es dagegen nicht.

[00:16:06]

Schon drei Tage später, am Morgen des 9. April 1945, hebt wieder ein B 29 Flugzeug in Richtung Japan ab. An Bord ist eine weitere Atombombe, Deckname fährt man Ackermann. Das Ziel ist eigentlich eine Stadt im Norden der japanischen Insel Kyushu. Da sie wegen einer dichten Wolkendecke nicht auszumachen ist, entscheidet sich die Crew, das Umsatzziel anzufliegen. Nagasaki um 11 Uhr 2 explodiert über der Stadt. Diese Bombe ist anders gebaut als die Hiroshima-Bombe. Die Explosion ist fast anderthalb Mal so stark.

[00:16:49]

Die Ausbreitung der typischen Schockwelle wird allerdings durch Hügel am Stadtrand abgebremst. Dennoch sterben auch in Nagasaki mindestens 20 000 Menschen, nach anderen Schätzungen sogar 70 bis 80 000. Tausende in der Zeit danach an den Spätfolgen, etwa durch die radioaktive Strahlung. Auch hier sind die meisten Opfer Zivilisten. Das eigentliche Ziel hat die Bombe verfehlt. Einen Tag später dann die Wende. Zwar sind immer noch Teile der japanischen Führung vehement dafür, den Krieg fortzusetzen. Aber nach einem Machtwort von Kaiser Hirohito erklärt Japan, dass man nun bereit wäre zu kapitulieren.

[00:17:38]

Am 15. August hören viele Japaner zum ersten Mal die Stimme des Kaisers. In aller Radioansprache verkündet er das Ende des Krieges.

[00:17:47]

Der Feind habe begonnen, eine neue, ungeheuer grausame Bombe einzusetzen, deren Zerstörungskraft unermesslich sei und unschuldige Leben fordere, sagt er. Der Zweite Weltkrieg ist vorbei und eine kontroverse Debatte beginnt, die bis heute geführt wird. Waren die Anwürfe der Atombomben gerechtfertigt? Dank der Atombombe kapitulierte Japan und der Zweite Weltkrieg ging deutlich früher zu Ende. So ist es in vielen Lexika bis heute zu lesen, und davon sind nach wie vor viele Historiker und auch große Teile der US amerikanischen öffentlichkeit überzeugt.

[00:18:25]

Die USA hätten keine andere Möglichkeit gehabt, als die beiden zerstörerischen Bomber einzusetzen, um den Krieg zu beenden. Manche gehen noch weiter und erklären, dass die Atombombe auch Leben gerettet hätten. Denn ohne die Bomben wäre eine Invasion auf den japanischen Insel nötig gewesen, und die hätte Zehntausende US-Soldaten möglicherweise das Leben gekostet. Nicht nur in den USA, auch in Japan haben bis heute manche ein großes Interesse daran, dass diese Version weiterverbreitet wird. Auch der Kaiser hatte ja betont, dass die Bomben der entscheidende Grund für die Kapitulation Japans waren.

[00:19:03]

Die Logik dahinter? Japan hat zwar in Ostasien einen aggressiven Angriffskrieg begonnen. Dank der Atombomben konnte man sich jetzt aber auch zum Opfer einer heimtückischen Waffe erklären. Die massiven Kriegsverbrechen, für die Japan verantwortlich ist, versuchen manche dahinter zu verstecken.

[00:19:22]

Aber waren die Atombomben wirklich kriegsentscheidend? Dafür ist die Zeit zwischen den Atombombenabwürfe besonders interessant, da versucht Japan nochmal in Moskau vorzuführen. Man hofft immer noch auf eine Vermittlung eines möglichst annehmbaren Friedens durch die Sowjets. Aber stattdessen erklärt die Sowjetunion am 8. August 1945 Japan den Krieg. Sowjetische Soldaten greifen wenige Stunden später japanische Truppen in China an. Vergleicht man die sowjetische Kriegserklärung mit den Atombombenabwürfe, dann steht für Historiker Gerhard Krebs fest Der Kriegseintritt der Sowjetunion war sicher der größere Schock.

[00:20:06]

Andere Historiker sehen das inzwischen ähnlich. Sie sind überzeugt Die Atombomben hatten zwar eine bis dahin ungekannte Zerstörungskraft. Gleichzeitig war ihre Wirkung vergleichbar mit dem, was Japan in den Monaten zuvor schon viele Male erlebt hatte, nämlich verheerende amerikanische Flächenbombardements mit Tausenden Sprengkörpern. üBer die Folgeschäden durch radioaktive Strahlung war damals noch wenig bekannt. Außerdem ging Japan davon aus, dass die USA nur wenige einsatzbereite Atombomben haben würden.

[00:20:40]

Der Kriegseintritt der Sowjetunion trifft Japan dagegen doppelt. Zum einen muß Japan nun an einer weiteren Front kämpfen, und es befürchtet, daß der Kommunismus sich immer mehr ausbreiten könnte. Zum anderen ist jetzt klar Alle Hoffnungen der Japaner waren umsonst. Die Sowjets werden nicht dabei helfen, einen Frieden zu vermitteln. Japan ist endgültig allein.

[00:21:03]

Auch wegen solcher Erkenntnisse wächst in den Jahren nach 1945 die Kritik an den USA. Hätten die USA die Folgen des sowjetischen Kriegseintritt nicht besser mit einkalkulieren können, mußten die Bomben fallen. Schon allein, um die gewaltigen Milliarden-Investitionen zu rechtfertigen, hätten die USA früher kompromissbereiter sein sollen gegenüber Japan. Nach Kriegsende durfte der Kaiser nämlich, wie von Japan gefordert, tatsächlich im Amt bleiben. Eine Hoffnung der USA war, daß die japanische Gesellschaft so kooperativer sein würde. In der Nachkriegszeit.

[00:21:42]

Dazu kommen überlegungen, dass die Atombomben möglicherweise auch abgeworfen wurden, weil sich der Kalte Krieg schon ankündigte. Auch das spielte wohl eine Rolle, glaubt Gerhard Krebs.

[00:21:54]

Sicher wurde Truman auch die Sowjetunion beeindrucken. Er hatte ja schon Bauchschmerzen wegen der Ausbreitung der Sowjets in Osteuropa, besonders in Polen. Und das sollte sicher auch als Warnschuss für die Sowjetunion dienen.

[00:22:10]

Und für manche Wissenschaftler steht fest Die USA hätten den Weg der Friedensinitiative der Japaner über Moskau ernster nehmen sollen. Dann wäre ein Frieden schnell möglich gewesen. Allerdings konnte diese Position etwas zu optimistisch sein. Zu unklar waren die japanischen Positionen, zu laut die offizielle Propaganda, die den Krieg unerbittlich fortsetzen wollte.

[00:22:36]

Mit Blick auf die Atombombe steht für Gerhard Krebs aber insgesamt fest Man hätte es anders lösen sollen, nicht ohne Vorwarnung die Bomben abwerfen sollen und vor allen Dingen nicht die zweite so schnell. Auch viele Beteiligte bereuten später die Art und Weise, wie mit den Atombomben umgegangen wurde, und Albert Einstein vertraut einige Jahre später einem Bekannten an, wie sehr er es bedauert, dass er einen entscheidenden Anstoß für die Entwicklung der Atombomben gab.

[00:23:12]

Ich beging einen großen Fehler meines Lebens, als ich den Brief an Präsident Roosevelt unterschrieb, indem ich die Herstellung der Atombombe empfahl.

[00:23:26]

Das war Radio Wissen, ein Podcast von Bayern 2 Autor Linus Löring, Regie Irene Schuck. Es sprachen Helma Michel, Andreas Neumann und Jimmy Technique. Peter Preuß Wenn Sie keine Folge mehr verpassen wollen, abonnieren Sie Radio Wissen unter Baiern 2D, Slash Podcast.