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Die ganze Welt des Wissens Podcast von Bayern 2.

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Hier ist Radio, wissen Die Menschen am Vorabend der Reformation waren hin und hergerissen zwischen Todesangst und Heilserwartung. Von der Muttergottes hat man sich besonders wirksame Hilfe erhofft. Der letzten großen, Marijn Wallfahrt in Regensburg, hat Luther ein Ende gemacht. Nach Altötting dagegen wird nach wie vor gepilgert.

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Alles kommt in Bewegung. Es ist eine Zeit großer Unruhe. Diese Jahre um 1600 Kaufleute, seltener fahrende Schüler und vor allem fromme Pilger und Wallfahrer sind unterwegs auf den Straßen, Flüssen und Meeren Europas und bald auch darüber hinaus. Was sie und alles treibt, ist hauptsächlich Es gibt die Möglichkeit dazu. Es lohnt sich. Es verspricht Gewinn materiell wie für das eigene Seelenheil.

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Dieser rasanten Entwicklung entspricht das optimistische Menschenbild des Humanismus. Beide bestärken und fördern einander Erfolge und neue Erfahrungen spornen an, sich noch Größeres vorzunehmen, noch mehr zu wagen. Das neue Wissen nimmt nicht nur exponentiell zu, es kann im Druck massenhaft vervielfältigt werden. Die Welt wird größer, komplexer, vielfältiger und faszinierender von Tag zu Tag. Doch das ist die Erfahrung.

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Nur ganz wenige Unternehmer und Humanisten, weiteste Teile der Bevölkerung sind von diesem dynamischen Prozess ausgeschlossen. Sie machen ganz andere Erfahrungen. Die Verelendung auf dem Land, aber auch in den Städten nimmt in dem Maße zu, wie die durch den Fernhandel und den Bergbau aufkommende Geldwirtschaft an Bedeutung gewinnt.

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Dagegen erheben sich vielerorts die Unterdrückten. Es bleibt nicht bei Protesten. Es kommt zu Unruhen, die nur durch hartes Durchgreifen der Obrigkeit erstickt werden können. Vorstellbar, wie der Aufstand in Augsburg, der arme Konrad ohne einen religiös motivierten. Der Schrei nach Gerechtigkeit ist nicht zuletzt auch Ausdruck einer empfundenen überforderung durch das irdische Leben. Die Angst vor dem Tod und den Qualen der Hölle verfolgt die Menschen auf Schritt und Tritt. In den Haaren von um 1500 verstorbenen Menschen haben Forscher Stress Ablagerungen festgestellt.

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In einer Konzentration, wie sie nicht einmal bei den gehetzten Jetsetter unserer Tage auftreten, voller Sehnsucht, hoffen diese Menschen auf eine Möglichkeit der Verdammnis zu entkommen. Fiebern Sie nach einer noch so Warenkunde von einem Ort, der Rettung verspricht?

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Pilgerfahrten ins Heilige Land sind eine exklusive Mode und für die meisten unerreichbar. Reisen zu den Gräbern der Apostel nach Rom oder Santiago de Compostela erfordern mehr Zeit und Muße, als viele aufbringen können. Orte, an denen heilige Gegenstände und Reliquien aufbewahrt und den Gläubigen gezeigt und zur Verehrung ausgestellt werden, gibt es dagegen viele. Immer neue Orte tun sich auf, an denen sich Heil und Heilung offenbart. Vor allem Maria, die Muttergottes, steht im Zentrum einer ausufernden Sehnsucht und Verehrung.

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Dass Maria sich an so vielen Orten zeigt und Wunder bewirkt, liegt auch daran, dass sie gesucht wurde, weil man am ehesten von ihr Hilfe erwarten durfte. Der strenge und strafende Gott steht über allem. Das Jüngste Gericht ist unabwendbares Schicksal eines jeden Menschen. Das verkündet die Kirche, dessen ist sich jeder gewiss. Wie aber kann man der Verdammnis entgehen? Gott selbst und Jesus Christus sind so hoch und heilig. Sie sind unerreichbar wie Papst, Kaiser, Fürst und Bischof.

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Maria aber ist die Gottes gebären. Sie ist keine Gottheit. Doch durch sie kommt das Göttliche in die Welt. Da sie den Mensch gewordenen Gottes Sohn geboren, gesäugt und liebevoll umsorgt hat, darf sie als Mutter angerufen werden. An sie darf man sich um Beistand und Trost wenden. Als schmerzender Mutter, die ihren toten Sohn beweint hat, kennt sie den Schmerz und das Leid der Welt, wo sie sich zeigt, in Bildern und Figuren gegenwärtig ist, wendet sie sich den Menschen zu, hat ein offenes Ohr für die Sorgen, Nöte und das Leid derer, die sich ihr anvertrauen.

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Dabei gewährt sie nicht selbst die Rettung. Sie bittet vielmehr ihren Sohn, der seiner Mutter nichts abschlagen kann und sich seinerseits an Gott Vater wendet.

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Dies ist reiner Volksglaube und führt weit weg von den Lehren der Kirche. Dass diese solche Art der Frömmigkeit nicht nur duldet, sondern organisiert, hat mehrere Gründe. Zum einen kann sie die Vorgänge kontrollieren, ihre Zuständigkeit für alle Fragen des Heils der ganzen Menschheit manifestieren. Zum anderen hat sie Zugriff auf die Gaben und Stiftungen, die die Gläubigen zum Dank und zur Verstärkung ihrer Bitten zu opfern bereit sind. Es entsteht eine Konkurrenz der Gnade. Der Erfolg bemisst sich an der Größe und der Anzahl der geschehenen Wunderheilungen und Anhörungen.

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Dafür ist entscheidend, dass diese auch bekannt wurden. Hier eröffnet der Druck mit beweglichen Lettern neue und erfolgversprechende Möglichkeiten.

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Die Gier der einzelnen Gnade ist zu groß, die Aussicht auf Ruhm und Einnahmen ist zu verlockend.

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Also macht jeder weiter, versucht, die Konkurrenz mit immer unglaublichen Geschichten der Rettung und anschwellenden Pilger Zahlen zu übertreffen.

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Doch Wallfahrten bringen Unruhe in das Gemeindeleben. Daheim zurückgekehrte Wallfahrer glauben sich im Besitz der Gnade und sind dem Gemeindepfarrer gegenüber und folgsam aufmüpfig.

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Der Boom der Marine Wallfahrten ist Ausweis der Krise, in die die Kirche durch die schlecht ausgebildeten und unwilligen, schlecht bezahlten Gemeinde Priester sowie durch die Prachtentfaltung der Kirchenfürsten und Prälaten geraten war. Höhepunkt und Schlusspunkt dieser Art der Frömmigkeit vor der Reformation ist die Wallfahrt zur schönen Madonna in Regensburg, die sich im Frühjahr 1519 binnen weniger Wochen rasant entwickelte. Vorausgegangen ist und in engstem Zusammenhang steht mit dieser Wallfahrt die Vertreibung der Juden aus Regensburg ein eklatanter Rechtsbruch. Die große Zeit der mittelalterlichen Handelsmetropole war vorbei.

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Nürnberg und Augsburg hatten Regensburg im Fernhandel mit Italien und dem Orient längst den Rang abgelaufen. Die Stadt musste sich verschulden. Allein die Zinsen überstiegen die jährlichen Einnahmen um 2000 Gulden. Zudem war es eng in der Stadt. Es gab viel Herrschaft und wenig Raum. Denn in der Stadt hatten neben dem Kaiser der Herzog von Bayern der Fürstbischof der Reichs, Abt von Sankt maran und die äbtissin des Ober und des Nieder Münsters eigene Rechte. Im Süden der Stadt existierte eine Judengasse mit Synagoge.

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Die Gemeinde hatte vielleicht fünf Mitglieder. Es existierte eine berühmte Talmud Schule mit rund 80 Studenten. Der wirtschaftliche Niedergang der Stadt wirkte sich auch auf die Juden aus. Hinzu kamen Verbote, Kredit von Juden zu nehmen. Es kam zu Pöbeleien und Verleumdungen. Immerhin verhinderte der Kaiser, der Schutzherr der Juden, freilich gegen die Zahlung von Sondersteuern, Verurteilungen oder Schlimmeres. Das änderte nichts an der judenfeindlichen Stimmung in der Stadt. Diese wurde weiter angefacht durch flammende Hasspredigten des 1716 von Ingolstadt nach Regensburg berufenen Dump Predigers Balthasar Hobmeier.

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Wegen dieser Hetzreden wurde er 1718 vor dem Reichstag in Augsburg zitiert. Zwar musste er einen Verweis hinnehmen, doch hatte er bemerkt, dass Kaiser Maximilian todkrank war und die Juden von Regensburg bald ihren Schutzherr verlören.

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Das rasche und planvolle Vorgehen des Rates in der Folge zeigt deutlich die Handschrift Hubers ohne ihren Schutz Herren waren die Juden der Willkür der Stadtoberen ausgesetzt. Am 21. Februar 1919 wurde ihnen verkündet, dass sie in fünf Tagen die Stadt zu verlassen hätten. Nur zwei Stunden sollten ihnen bleiben, die Synagoge zu übergeben. Albrecht Altdorfer, hoch berühmter Maler und Kupferstecher, dazu Ratsmitglied, erhielt die Erlaubnis, Zeichnungen vom Inneren der Synagoge zu machen, um danach zwei Kupferstiche anzufertigen. Wer sollte solche Stiche kaufen?

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In der Stadt selbst gab es bald keine Juden mehr, die diese Andenken hätten erwerben wollen. Waren seine Adressaten die Judenhasser in der Stadt? Auf jeden Fall waren die Blätter einen Eindruck von der zerstörten Synagoge. Die Abrissarbeiten begannen noch am selben Tag. Die Juden mussten Ende Februar bei eisiger Kälte die Stadt verlassen. Etliche von ihnen, darunter zwei schwangere Frauen, sollen auf der Flucht erfroren sein. Die etwa 30 Häuser der Judengasse wurden bis auf eines den sogenannten Judenstaates, in dem pikanterweise später Baltasar Hochmair seine Wohnung nahmen, abgebrochen.

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Täglich sollen drei bis viertausend Menschen auf Frauen und Kinder aus der Stadt und umliegenden Dörfern dabei geholfen haben. Der Rat rechtfertigte der kaiserlichen Regierung gegenüber das Vorgehen mit dem Hinweis, die Stimmung gegen die Juden sei wegen einiger Rituale Morde an Kindern so bedrohlich geworden, dass man die Juden nicht mehr habe schützen können. Man habe sie daher zu ihrem eigenen Schutz der Stadt verwiesen. Die Vertreibung war nur der erste Teil des Plans, den Hochmair mit dem Rat verabredet hatte. An der Stelle der Synagoge sollte eine Marien Wallfahrt entstehen, ein Fehrs machte die Runde.

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Die Judengasse zerstören der Himmel Königin zu ehren. War zu Anfang nur geplant, dass eine Kapelle zu Ehren Mariens als Sühne für die von den Juden angeblich begangenen Lässt errichtet werden sollte? Ereignete sich ein Unglück, das der Wallfahrt zusätzliche Aufmerksamkeit sicherte. Beim Abbruch der Synagoge stürzte der Steinmetz Meister Jakob Kern vom Dach und wurde unter 20 Cent Bauschutt begraben. Er überlebte den Sturz und erschien tags darauf wieder zur Arbeit. Ein Wunder war geschehen.

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Hochmair wurde mit der Untersuchung und der Befragung des Steinmetz beauftragt. Dieser ergab wunschgemäß, dass Kern in seinem Fall die Muttergottes gesehen und sie angefleht habe, sie daraufhin ihre Arme ausgebreitet und ihn gerettet habe. Bedurfte es noch eines weiteren Beweises, dass Maria an diesem Ort Heilung verspricht und verehrt werden wollte? Dessen war sich Hochmair gewiss.

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Am 18. März begann am Ort der abgerissenen Synagoge der Bau einer Holze Kapelle zur schönen Maria. Bereits acht Tage später wurde der Altar geweiht. In der alten Kapelle, einer Stiftskirche am Dom, befand sich ein Marien Bild im byzantinischen Stil, das die Muttergottes mit dem Jesuskind auf dem Arm zeigt, so wie es der Apostel Lukas in ihrem Auftrag gemalt haben soll. Ob dieses Bild oder eine Kopie zum Gegenstand der Verehrung wurde, lässt sich nicht mehr. Vor der Holz Kapelle wurde eine Steinsalz errichtet, auf die eine Muttergottes Statue gesetzt wurde.

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Altdorfer erhielt die Erlaubnis, kleine Kupferstiche des Marine Bildnissen in verschiedenen Ausführungen zu erstellen. Auch gehen die Entwürfe für die Gussformen von Pilger Abzeichen auf ihn zurück. Sie wurden in verschiedenen Größen angeboten. Allein 1719 wurden 10000 172 bleierner und 2400 30 silberne Abzeichen verkauft. Denn das Wunder der Rettung des Steinmetzen hatte sich rasch herumgesprochen und Scharen von Pilgern angelockt.

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Weiteren Zulauf erhielt die neue Wallfahrt durch einen päpstlichen Ablass, der für bestimmte Tage den Erlass von hundert Tagen Fegefeuer verhieß.

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In rascher Folge wurden in Weißenburg, Ansbach, Kelheim, Landshut, Straubing und vielen weiteren Städten und Dörfern Wallfahrten zur schönen Madonna organisiert. So ein Erfolg der Wallfahrt hatte wohl auch Hobmeier und den Rat der Stadt überrascht. Dem Ansturm wurde die kleine hölzerne Kapelle auf Dauer nicht gerecht. Mit den bereits eingenommenen Geld und in der Hoffnung auf weiterhin fließende Opfergaben konnte am 9. September, dem Tag nach Maria Geburt, der Grundstein für eine steinerne Wallfahrtskirche gelegt werden.

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Noch 1819 erschienen zwei sogenannte Mirakel Bücher, die detailliert von weiteren Wundern berichteten, die sich in Regensburg binnen weniger Wochen ereignet hatten.

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Maria hatte bei schwerer Geburt der Pest, bei Epilepsie sucht Irrsinn und bei der Franzosen Krankheit der Syphilis geholfen. Als Werbung für die Wallfahrt waren diese Miracle Bücher unerlässlich, auch wenn sie sich an ein lebendes Publikum richteten. Ging ihre Wirkung doch weit darüber hinaus. Auf Plätzen und in Schenken boten Vorleser ihre Dienste an, gegen Entgelt verkündeten sie, was sich jüngst in Regensburg zugetragen hatte. Manch einer dieser Vorleser konnte aber gar nicht lesen. Er hatte sich durch aufmerksames Zuhören den Inhalt der Broschüren gemerkt und gab alles aus dem Gedächtnis wieder.

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Der Effekt blieb sich gleich Die Pilger strömen zur schönen Madonna in Regensburg, wollten kein Ende nehmen.

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Das erste Mirakel, Buch eines Wallfahrtsorte überhaupt, erschien 1992 in Nürnberg und schildert Wunder, die sich in Altötting ereignet hatten.

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Unter dem Titel He heben sich an die große Wunder Zeichen unser lieben Frauen, die das Geschehen zu alten Ottinger werden auf vier Blättern insgesamt 27 Wunder verzeichnet, die sich dort ereignet haben soll.

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Lange Zeit, so wird berichtet, habe die Statue der Gottesmutter aus Fleisch in der Finsternis verborgen gestanden.

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Nun aber hat sie offenbar angeklebt an vieleMenschen.

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Gleich das erste der Altötting, öttinger Wunder, hat Tausende zu Tränen gerührt. Ein dreijähriger Bub war in den nahen Bach gefallen und eine halbe Stunde abwärts getrieben. Die verzweifelte Mutter zieht den leblosen Körper aus dem Wasser und trägt ihn, weil sie sich nicht zu helfen wusste. Zur uralten Kapelle auf der grünen Matten.

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Sie legt ihn auf den Altar der dunklen Rotunde zu Füßen der dort aufgestellten marinen Figur mit dem Jesuskind.

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Die Gottesmutter erhört ihr Flehen, und der Knabe kommt wieder zu sich. Eine ähnliche Rettung vollzieht sich an einem Sechsjährigen, der unter die Räder eines Wagens geraten war. Beide Anrufungen sind spontan und geschehen, ohne Zutun oder Vermittlung eines Geistlichen. Das macht sie in den Augen des Volkes erst recht glaubwürdig.

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Strom setzt ein, der vergleichbar ist nur mit den ganz großen Wallfahrten nach Aachen oder zum heiligen Rock nach Trier. 1992 waren rund 15 000 Pilger nach Altötting gekommen. Sie opferten Geld, Wachs, Kleider, Pelze, Schmuck, Kleinvieh, Flachs, Hühner, Getreide, Schmalz, Käse und Eier. Insgesamt im Wert von 375 Pfund, 400 Pferden oder 660 Kühen entspricht, wie eine erhaltene Abrechnung ausweist.

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Auch wenn diese Summe später wohl nie wieder erreicht wurde, konnte in den folgenden Jahren nicht nur die Kapelle um ein Langhaus und ein spitz Dach sowie einen überdachten Rundgang erweitert werden, sondern auch die Stiftskirche bis 1711 neu erbaut werden. Herzog Ludwig der Reiche von Bayernland HUD konnte sich 1898 aus dem Altötting die ungeheure Summe von 57 000 Gulden leihen. Sein Schwiegersohn Herzog Rupprecht noch einmal zehn tausend fünf hundert Gulden. Das Geld voran Landshuter Erbfolgekrieg, unter dem auch die Wallfahrt arg zu leiden hatte.

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Als es 1609 an die Rückzahlung ging, war der Vormund der beiden unmündigen Erben Otto, Heinrich und Philipp dazu nicht in der Lage. Stattdessen wurde das ursprünglich aus dem Französischen stammende berühmte Goldene Rössl übergeben, das noch heute wertvollster Besitz, der alte öttinger Schatzkammer ist.

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Mit seiner Chronik von Altötting aus dem Jahr 1818 erfand Johannes Argentinisch die Legende von einem Stamm der Bayern und begründete damit die enge Verbindung der Wittelsbacher zu diesem Ort. Noch vor München oder Andechs schien Altötting geeignet, die Herrschaft der Wittelsbacher über das wiedervereinigte Herzogtum zu festigen. Daran sollten spätere Generationen anknüpfen.

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Der Erfolg von Altötting war für Regensburg in vieler Hinsicht Vorbild. Die Stadt profitierte enorm von der blühenden Wallfahrt Herbergen und Schenken, Händler und Handwerker machten gute Geschäfte. 1620 wurden 109 1198 bleierner und 1763 silberne Pilger Abzeichen verkauft. Offenbar gab es aber auch einen Markt für gehobene Ansprüche. So führte Albrecht Altdorfer einen farb Holzschnitt der schönen Madonna aus, der sich trotz seines horrenden Preises gut verkaufte.

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Der Lärm, den Martin Luthers 95 Thesen im ganzen Reich verursachten, vermochte die Rufe der Wallfahrer von Regensburg nicht zu übertönen. Anders verhielt es sich jedoch mit Luthers drei Schriften, die im Jahr 1520 erschienen.

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An den christlichen Adel deutscher Nation von der Freiheit eines Christenmenschen Sermon von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche.

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Insbesondere in der Schrift An den christlichen Adel wandte Martin Luther sich scharf gegen das Wallfahrten. Gute Werke machten keinen guten Menschen, aber ein guter Mensch schaffe gute Werke. Die Mutter Jesu könne keine Wunder bewirken und Gnaden erweisen. Erlöst sind wir durch Jesus Christus allein Gnade kann man sich nicht verdienen. Auch habe die Kirche keine Verfügung über solche Gnade. Mit diesem Frontalangriff traf Luther die Wallfahrten ins Mark. Am 26. August 1823 wandte sich Martin Luther persönlich an den Rat der Stadt Regensburg und forderte das Ende der Wallfahrt.

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Die Stadt Herren waren hin und hergerissen. Es dauerte noch zwei Jahre, dass die Stadt das Ende der Wallfahrt anordnete. Die Schlussrechnung ergab die Summe von vier und 774 Gulden. Davon hatte mehr als die Hälfte bereits der unfertig gebliebene Bau der Wallfahrtskirche verbraucht. 1541 Ironie der Geschichte wurde aus der hergerichteten Wallfahrtskirche die lutherische Neu Pfarrkirche der Reichsstadt Regensburg. übrigens Balthasar Ruschmeier war bis 1822 als Prediger in Regensburg tätig. Danach war er Pfarrer in Waldshut, wo er sich der Reformation und später dem Täufer TUM zuwandte.

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In Nicoles Burg in Böhmen gründete er eine Teufe Gemeinde, geriet in die Fänge der Obrigkeit und wurde 1728 in Wien verbrannt. Auch in Altötting brach die Wallfahrt zusammen Obwohl durch herzoglichen Mandate geschützt und ausdrücklich gefördert, trauten sich Mitte des 16. Jahrhunderts nur vereinzelt Pilger an den einst so verehrten Gnaden Ort.

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Erst mit dem Abschluss des Konzils 1963 war die Grundlage für die Erneuerung der katholischen Kirche und einer erneuerten marinen Frömmigkeit geschaffen.

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Es ist sicher kein Zufall, dass der berühmte Jesuit Petrus Canisius gerade in Altötting 1870 an einer Adeligen erfolgreich eine Teufelsaustreibung vornahm. Mit der Veröffentlichung dieses Wunders setzten auch wieder Berichte von neuen Wundern ein. Herzog Albrecht der Fünfte, schrieb seine Rettung vor einem Gewitter auf dem Starnberger See der Gottesmutter von Altötting zu. Zum Dank unternahm er 1671 eine Wallfahrt von München aus dorthin. Sein Enkel, Kurfürst Maximilian, unterstellte 1715 sein ganzes Land der Muttergottes, die seitdem als Patronat Bavaria verehrt wird.

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Er war der erste Wittelsbacher, der sein Herz in einer silbernen Urne in der Kapelle aufstellen ließ. Unter dem Bild fand man in einer Schatulle einen versiegelten Brief, den Maximilian mit eigenem Blut geschrieben hatte.

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Hier gebe ich mich ganz zu eigen, und weil mich die Jungfrau Maria dies bezeugt mit seinem Blut und eigenhändig Maximilian, der Anführer der Sünder. Alle seine Nachfolger bis zum Ende der Monarchie zeigten demonstrativ durch Stiftungen und Besuche ihre Verbundenheit zu Altötting.

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Die Verbindung von Thron und Altar erwies sich als dauerhaft und für beide von Vorteil.

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Die alte öttinger Wallfahrt blieb bis in die jüngste Vergangenheit populär, und auch wenn die nachweisbaren Wunder weniger, auch weniger wichtig wurden, bewahrt das Gebet zur Gottesmutter in der Kapelle ihre Aura und ihre Trost spendende Kraft. Entscheidend für den Erfolg der Wallfahrt war und ist die Kraft, die sie im Bewusstsein der Menschen zu entfalten vermag. Das war Radio Wissen, ein Podcast von Bayern. Autor Christian Lappe, Regie Sabine Höfer sprachen Helma Michel, Stefan Wilkening und Friedrich Schlaffer Technik Daniela Röder Redaktion Thomas Moura Wetz.

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Wenn Sie noch mehr zum Wallfahrtsort Altötting und zur Verehrung von Reliquien hören wollen, empfehlen wir Ihnen die Folge Reliquien. Heilige Knochen von Thomas Gras Berger. Und wenn Sie keine Folge mehr verpassen wollen, abonnieren Sie Radio Wissen unter Baiern 2 D Slash Podcast.