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Die ganze Welt des Wissens Podcast von Bayern 2.

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Hallo, hier ist Radio Wissen. Das Pferd frisst keinen Gurkensalat! Diese Worte gehörten zu den ersten, die in ein Telefon gesprochen wurden. Philipp Reis hat den Apparat in den 1860er konstruiert. Doch seine Idee hat sich nicht durchgesetzt, weil das Gerät noch Schwächen hatte. Und so war es das Telefon von Alexander Graham Bell, das von den USA aus die Welt eroberte, und Reis. Der geriet erst einmal in Vergessenheit. An den Erfinder, dem zu Lebzeiten die wissenschaftliche Anerkennung weitgehend versagt blieb, erinnert David Lohbeck.

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Die 1830er Jahre waren eine Zeit großer Umbrüche, wissenschaftliche Entdeckungen und technische Erfindungen veränderten die Welt.

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Man lernte, wie man mit Magneten und etwas Draht elektrischen Strom erzeugen kann, und baute so Dynamos und Transformatoren.

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Moors und andere Forscher entwickelten brauchbare Telegrafen.

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Zwischen Nürnberg und Fürth entstand die erste Eisenbahnverbindung mit einer Dampflokomotive in Deutschland.

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Langsam begann auch hierzulande die industrielle Revolution, und es deuteten sich politische Umwälzungen an. Mitten hinein in dieses bewegte Jahrzehnt wurde am 7. Januar 1834 im hessischen Gelnhausen Johann Philipp Reis geboren, Beckers Sohn.

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Fünf Generationen. Becker und er selbst war ein Tüftler, der schon in der Backstube der Eltern getüftelt hatte. Er nannte das Basteln an allen möglichen Alltagsgegenständen herum getüftelt, erklärte Verleger Dr. Wolfram Weimer.

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Er hat ein Buch über Rais geschrieben, den, wie er ihn im Titel nennt, vergessenen Erfinder. Der naturwissenschaftlich interessierte Bäcker Sohn musste so manchen Schicksalsschlag verkraften Seine Mutter starb, als er ein Jahr alt war. Mit neun verlor er auch seinen Vater. Als Waisenkind wurde er Schüler am Institut Louis Frédéric Garnier in Friedrichsdorf, einem kleinen Ort im Taunus, erzählt Dr. Erika Dittrich. Die Kunsthistorikerin leitet dort das Stadtarchiv und ist unter anderem zuständig für das Museum im ehemaligen Wohnhaus von Philipp Reis.

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Das Institut Garnier war eine Privatschule, die er besucht hatte, und die lief darauf hinaus, dass man eigentlich in die Kaufmannes Richtung ausgebildet wird. Es gab so Fächer wie doppelte Buchführung, aber auch Französisch und Englisch.

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Außerdem hatte das Institut eine umfangreiche Bibliothek, die Rais ausgiebig nutzte. Den Schulabschluss machte er aber nicht an diesem Knaben in Talat, sondern in Frankfurt am Main. Danach wollte er etwas Naturwissenschaftliches studieren. Seine Lehrer hatten ihm das Polytechnikum in Karlsruhe empfohlen. Die spätere Technische Hochschule. Doch der Wunsch des 16-Jährigen ging nicht in Erfüllung.

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Damals hat sein Vormund für ihn beschlossen, er solle Kaufmann werden. Er hat zunächst eine Ausbildung bei einem Händler in Frankfurt gemacht.

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Anschließend hat er noch kurz eine Privatschule besucht, eine Polytechnische Einrichtung, in deren Schüler Liste sich Reiss selbstbewusst als künftiger Techniker einschrieb. Er fand in dem Institut offenbar auch Spaß daran, selbst zu unterrichten. Jedenfalls strebte er nach seinem Militärdienst ein entsprechendes Examen an. Doch dann half der Zufall nach.

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Er wollte Lehrer werden und kam noch mal hier nach Friedrichsdorf, um seinen alten Lehrer Louis Frederik zu besuchen. Der hat ihn gleich vom Fleck weg engagiert, wahrscheinlich sein Talent schon erkannt und ihm aber für Experimente schon einen Zuschlag gewährt.

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Bald fand Drais auch den idealen Platz für seine Versuche. Der 24-Jährige kaufte in Friedrichsdorf eine Haus und zog mit seiner Frau Margarete, die er am 1. September 1858 geheiratet hatte, dort ein.

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Zu dem Haus gehörte auch noch eine Scheune, und diese Scheune hat er sich zum Labor der Werkstatt ausgebaut. Da hat er getüftelt, so viel hatte er sogar den Spitznamen der Schlosser, weil er immer so dreckige Fingernägel hatte.

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In der Scheune entstanden die unterschiedlichsten Dinge. Manches war nützlich, anderes wohl eher Spielerei, beschreibt der Biograf Wolfram Weimer.

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Er hat zum Beispiel eine der frühen Varianten des Rollschuhe erfunden, indem er Metall Räder an den Kufen von Schlittschuhe befestigte.

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Diese ungewöhnliche Konstruktion probierte er anschließend selbst aus. Allerdings verfolgte er das Projekt nicht besonders intensiv.

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Es gab damals kaum ebene Flächen, wo man Rollschuh laufen konnte. Deswegen wurde das auch wieder vergessen. Er hat ein Velo gebaut, es war ein mit Atomkraft betriebenes frühes Fahrrad. Solche Dinge.

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Für seine Frau etwa konstruierte er eine Mechanik, damit sie bequem vom ersten Stock aus mit dem Fuß das Hoftor öffnen konnte. Wenn es läutete, schreinern, drechseln, Schlosser arbeiten. Rais will das alles leicht. Schließlich begann er auch, mit Elektrizität zu experimentieren.

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Er war Autodidakt. Er hatte weder eine handwerkliche Ausbildung noch ein akademisches Studium, noch kann man sagen vom Elternhaus her schon eine technische Grundausstattung für irgendetwas.

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Und das ist das Bemerkenswerte an ihm ein Autodidakt, der einfach die Neugier gelebt hat und die Dinge immer ein Stück weit selber verbessern wollte und gebastelt hat, was ihn letztlich zu einem Pionier der Telekommunikation machen sollte.

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Wenn ihr Preis zu tüfteln begann, dann kam die Anregung dazu oft aus dem Alltag, aus seiner direkten Umgebung. Ein konkretes Problem, das es zu lösen galt. Doch es gab auch eine Idee, die schon länger mit sich herum trug, erklärt Erika Dittrich.

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Das wurde deutlich, als Rais Mitte der 1950er Jahre eine Reise mit seinem Lehrer vom Polytechnischen Private Institut unternahm.

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Da hat er unterwegs eine Reihe von Telegrafen Masten gesehen, und dort hat er dann das erste Mal seinem Lehrer erzählt, er hätte die Idee, dass man Sprache auch übertragen könne, nur hätten seine Versuche eben noch keine Früchte getragen.

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Dazu bedurfte es wieder einmal eines konkreten Anstoßes Er war ein sehr engagierter Lehrer.

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Er hat oft Modelle für den Unterricht selbst gebaut, einfach um besser erklären zu können. Er hatte einen sehr lebendigen Unterricht, und als die Werkzeuge auf dem Stundenplan standen, er das Ohr erklären sollte, hat er das ja versucht zu simulieren.

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Dafür schnitzte er eine Ohrmuschel aus Eichenholz. Und das war offenbar die Initialzündung. Er brachte am Ende des Gangs eine Membran an ein zartes Tier Häutchen. Darauf befestigte er mit Sigel Lack ein winziges Härchen aus Draht. Gegenüber davon brachte er einen dünnen metallstreifen an Sobald die Spitze des Hebels diese Metallstange berührte, konnte Strom fließen Strom, den zwei galvanische Elemente, also Batterien, lieferten. Der gesamte Aufbau lehnte sich ans menschliche Ohr.

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An die Drähte entsprechen ja fast die Nervenbahnen im Körper. Die Membran entspricht dem Trommelfell und hinten dieser Metall Kontakt entspricht wiederum dem Hammer im Ohr, sehr stark noch nach der menschlichen Anatomie gearbeitet.

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Sobald nun Schallwellen auf das Holztor trafen, versetzten sie die Membran in Schwingung. Dadurch floss genau im Takt der Membran Bewegung immer wieder für winzige Bruchteilen einer Sekunde Strom durch einen Kupferdraht. Doch wie ließ sich dieser schwankende bzw. zerhackte elektrische Strom wieder hörbar machen? Philipp Kreishaus In Friedrichsdorf hat man den Versuchsaufbau nachgestellt. Eine wichtige Rolle spielt dabei eine Geige.

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In die Geige hinein ist eine stricknadel gesteckt, und um diese stricknadel herum ist nochmal der Kupferdraht geschlungen. Und wenn jetzt der Strom hier ankommt, baut sich in dem Moment ein Magnetfeld auf. Die stricknadel schwingt. Und so entstehen ganz zart Töne. Um die noch mal lauter zu machen, hat man die Geige als Resonanzkörper dazugestellt.

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Damit gelangen ihm 1860 erste Experimente. In den folgenden Jahren baute er etliche weitere Prototypen und variierte dabei besonders die Form des Schall aufnehmen.

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Jedes Mal ein Ohr mit allen Windungen zu schnitzen ist sehr aufwendig. Dann hat er die Form reduziert, vereinfacht. Das Ohr wurde zum Beispiel zu einem Trichter.

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Diese Apparate führte er zunächst im kleinen Kreis vor. Dafür zog er Drähte von der Werkstatt in der Scheune zum Wohnhaus an. Eine der frühen Versuche erinnerte sich viele Jahre danach. Der Musiklehrer Heinrich Friedrich Peter. Für diese Vorführung hatte Reiss seinen Schwager eingespannt.

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Zuerst versuchten wir es mit Singen.

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Dann las Reiss Schwager aus Spiess Turnbull lange Sätze vor, die Rais, der am anderen Ende lauschte, ausgezeichnet verstand und laut für uns wiederholte.

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Ich sagte zu Philipp Du kennst ja das ganze Buch auswendig, denn ich wollte erst dann glauben, dass das Experiment so erfolgreich verlaufen war, bis er mir einen Satz wiederholte, den ich ihm sagen wollte.

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Deshalb ging ich in den Raum, in dem das Telefon stand, und sprach einige sinnlose Sätze wie Die Sonne ist von Kupfer, was Rais als die Sonne ist, von Zucker verstand.

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Oder Das Pferd frisst keinen Gurkensalat. Wovon er nur das Pferd frisst verstand. Ein legendärer Satz, der wohl für immer mit dem Namen Philipp Reis verbunden bleiben wird. Hatte er doch bewiesen Die Erfindung funktionierte. Doch gleichzeitig offenbarte der unvollständige Satz auch So ganz ausgereift war der Apparat noch nicht. Ausgerechnet bei der übertragung von Sprache zeigte er Schwächen. Trotzdem wollte Rai seine Erfindung endlich auch vor Wissenschaftlern präsentieren. Doch das war gar nicht so einfach, erklärt Wolfram Weimer.

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Er hatte das Problem, dass er keinen akademischen Grad hat. Er hatte noch nicht mal studiert, und deswegen war er ein Außenseiter. Er war ein Hilfslehrer, der in einer Scheune ein Gerät gebastelt hat.

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Doch er bekam eine Chance, und zwar durch den Physikalischen Verein Frankfurt, bei dem er schon als 17-Jähriger Mitglied geworden war. Am 26. Oktober 1961 führte er seinen Apparat in einem Experimental Vortrag vor.

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Der Titel über die Fortpflanzung musikalischer Töne auf beliebige Entfernungen durch Vermittlung des galvanischen Stroms von Sprache war nicht die Rede.

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Reys kannte schließlich die Mängel seines Geräts.

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Er ließ in einem hundert Meter entfernten Raum unter anderem ein Horn spielen. Die Melodien waren im Sitzungssaal leise, aber offenbar gut erkennbar aus dem stricknadel Empfänger zu hören. Unter den Mitgliedern des Vereins erregte der Apparat einige Aufmerksamkeit.

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Die haben erkannt, dass das ein Durchbruch ist, und haben ihn auch wertschätzt, haben das dann auch wissenschaftlich dokumentiert und haben ihm Rückendeckung gegeben. Aber er drang eigentlich nicht über diesen Frankfurter Raum hinaus.

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Daran änderten auch weitere Vorträge nur wenig. Die. In den folgenden Jahren hielt 1664 vor der Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und ärzte in Gießen, wo alle namhaften Physiker nicht nur Deutschland, sondern auch das benachbarte Ausland zugegen war, und er hatte die Chance, ein Telefon zu präsentieren.

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Und an diesem Tag funktionierte es so schlecht, dass man praktisch nur Geräusche gehört hat. Und er fiel an diesem großen Tag mehr oder weniger durch.

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Dabei hatte er ausgerechnet auf jenen Vortrag enorme Hoffnungen gesetzt, auch wenn es ihm damals nicht gelang, mit seiner Erfindung in die Riege der anerkannten Physiker vorzustoßen.

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Zumindest der Name, den er seinem Apparat gegeben hatte. Der sollte sich durchsetzen.

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Damals war es Mode, mit altgriechischen Begriffen zu arbeiten, sagte also, über die Entfernung den Ton zu übertragen. Das nenne ich Telefon.

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Parallel konstruiert zum Wort Telegraf, dem Gerät, mit dem man über eine Entfernung hinweg schreiben konnte. Trotz aller Widrigkeiten ließ sein Telefon ab 1863 in einer kleinen Serie bauen. Im Vergleich zu den ersten Versuchen hatte es sich äußerlich deutlich verändert. Die Membran steckte inzwischen in einem Holz Würfel, aus dem schräg ein kleiner Schalltrichter herausragt.

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Um die Töne wiederzugeben, nutzte Reis immer noch einen mit Draht umwickelt Metallstab. Doch er war inzwischen auf einem Zigarrenkiste ähnlichen Resonanzkörper befestigt.

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Für die Allgemeinheit war dieses Telefon allerdings nicht gedacht, betonte Erika Dittrich. Es war schon recht teuer als zwölf Gulden gekostet. Die sehr guten Geräte sogar bis zu 25 Gulden, sagt uns heute nicht zu viel, aber man hätte für den Preis auch eine Kuh kaufen können.

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Trotz dieser großen Summe. Einige Interessenten fand ihren Preis dann doch für sein Telefon.

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Er hat es schon in die ganze Welt verschickt. Das war auf der Weltausstellung in London zu sehen. Es haben sich Physiker auf der ganzen Welt mit diesem Apparat auseinandergesetzt. Aber mehr als wissenschaftliches Instrument. Man hat es noch nicht als Mittel für die Kommunikation gesehen. Das schreibt auch Werner von Siemens später Wir Esel. Wir haben zwar diese Erfindung wahrgenommen, aber die Vision, dass man damit eben Gespräche führen kann, die hatten wir damals noch gar nicht.

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Das moderne und schnelle Kommunikationsmittel, das war zu dieser Zeit die Telegrafie In den 1860er Jahren gab es bereits ein internationales Netz von Verbindungen quer über den Atlantik waren Kabel verlegt worden. Dass man statt zu morsen aber auch einfach über große Entfernungen miteinander reden konnte, das kam offenbar erst ein paar Jahre später dem Amerikaner Alexander Graham Bell in den Sinn.

[00:15:12]

Und wer verhalf dem Telefon dann tatsächlich zum Durchbruch? Denn eigentlich war die Zeit damals reif für einen Fernsprecher Apparat.

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Es ist tatsächlich so, dass in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts offensichtlich diese Erfindung so ein bisschen in der Luft lag. In praktisch allen europäischen Ländern haben sich Ingenieure mit diesem Thema befasst, sind zu unterschiedlichen Lösungen gekommen, ist es geradezu faszinierend, dass praktisch jedes Land stolz einen Erfinder des Telefons präsentiert, der aber allen anderen unbekannt ist, meint Lioba Nägele.

[00:15:49]

Sie ist kustoden für Nachrichtentechnik am Museum für Kommunikation Frankfurt. Zu diesen eher unbekannten Pionieren gehört zum Beispiel der gebürtige Belgier Scharl. Er beschrieb schon 1854 in einem Aufsatz, wie man Sprache elektrisch übertragen könnte.

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Allerdings hat er, anders als Philipp Reis, keinen funktionierenden Apparat hinterlassen. ähnlich sieht es beim Italiener Antonio Santé Giuseppe Mucki aus. Er behauptete schon Mitte der 1950er Jahre per Telefon von Stockwerk zu Stockwerk mit seiner kranken Frau gesprochen zu haben. Doch überragt all diese Erfindung einschließlich Philipp Reis, wie Wolfram Weimer bedauert.

[00:16:36]

Alexander Graham Bell hat das Telefon genommen und hat es perfektioniert. Das Telefon hatte viele technische Probleme, man konnte Sprache kaum verstehen, Musik konnte man viel besser übertragen. Es ging nur in eine Richtung und nicht in beide Richtungen.

[00:16:54]

Ein aus Schottland stammender amerikanischer gehörlosen Lehrer löste diese Probleme. Dabei war er aber offenbar nicht besonders zimperlich, wenn es darum ging, auf die Geistesblitze anderer zurückzugreifen. Und es gelang ihm ein entscheidender Coup mit seinem Telefon und vor allen Dingen hatte er es patentiert.

[00:17:14]

Damit hatten alle anderen Erfinder das Nachsehen. Doch warum war Philipp Reis nicht auf diese Idee gekommen? Schlicht weil es noch gar kein einheitliches deutsches Patent Gesetz gab, als er an seinen Apparaten tüftelte. Reis hätte ohnehin nichts davon gehabt Als 1876 sein Patent anmeldete, war der deutsche Erfinder bereits seit zwei Jahren tot. Er war am 14. Januar 1874, nur eine Woche nach seinem vierzigsten Geburtstag, an Tuberkulose gestorben. Wahrscheinlich wäre er auch vor Gericht unterlegen. Bell konnte im Laufe der Jahre so gut wie jeden Prozess rund ums Telefon zu seinen Gunsten entscheiden.

[00:17:56]

Es waren Hunderte. Doch er setzte sich nicht nur juristisch durch, sondern auch auf dem Markt. All die anderen Telefone Pioniere gerieten darüber erst einmal in Vergessenheit.

[00:18:14]

Auch wenn etliche Ideen für den Fernsprecher von europäischen Forschern stammten. Seinen Siegeszug trat das Telefon von Amerikahaus an. Anders als viele preis. gelang es Alexander Graham Bell, die Geräte alltagstauglich zu machen. Der Amerikaner nutzte zum Beispiel ein anderes Prinzip, um die Schallwellen umzuwandeln mit einem Magneten und Draht spulen. Das sorgte zum einen dafür, dass Sprache besser verständlich war, und es brachte einen weiteren Vorteil, betonte Lioba Nägele vom Museum für Kommunikation Frankfurt.

[00:18:47]

Bei ihm sind Geber und Empfänger genau gleich gebaut. Man kann das gleiche Telefon als Geber und als Empfänger verwenden, während bei Reis der Empfänger nur empfängt, der Geber nur sendet. Das ist keine Kommunikation, wie wir es heute vom Telefon selbstverständlich voraussetzen, dass man nämlich in beide Richtungen sprechen kann.

[00:19:06]

Mit Bells Apparat funktionierte das hingegen von Anfang an, offenbar zweifelte Bell auch nicht am Erfolg seines Telefons. Bereits ein Jahr, nachdem er das Patent erhalten hatte, gründete er eine Telefongesellschaft.

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Bell war sicher jemand, der auch ein cleverer Vermarkter der eigenen war. Das unterscheidet sich ja auch ganz gewaltig als Reis, was ich ja selbst davon überzeugt. Aber hatte da nicht die Kontakte? Hatte vielleicht auch am Schluss nicht mehr die Kraft, um seine Erfindung wirklich zu kämpfen. Und Reis war, so die massenhafte Verwendung, doch sehr fern.

[00:19:47]

Der Tüftler aus dem hessischen Friedrichsdorf geriet mit seiner Erfindung deshalb rasch in Vergessenheit. Und so begann er selbst in seiner Heimat das Telefon Zeitalter mit Bell Geräten. Der Leiter der Englischen Post Behörde hatte 1877 ein einzelnes Paar davon an seinen deutschen Kollegen weitergegeben.

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General Postminister Heinrich von Stephan, der diese Apparate dann wieder in Deutschland getestet hat und für gut befunden und so die Geschichte des Telefons in Deutschland beginnt.

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Oder zumindest der erfolgreiche Teil dieser Geschichte. Ausgerechnet am 26. Oktober 1877, also auf den Tag genau 16 Jahre nachdem Philipp Reis seinen Apparat im Physikalischen Verein Frankfurt vorgeführt hatte, ließ von Stefan mit dem Bell Telephone die ersten Fernsprecher Versuche in Berlin durchführen. Fünf Tage später gelang bereits eine Verbindung zwischen Berlin und dem rund 150 Kilometer entfernten Magdeburg. Von Stefan war begeistert und erteilte den Auftrag, die Bell Geräte nachzubauen. Ironischerweise sorgte dies für eine zumindest vorübergehende Wiederentdeckung von Rais, wie Wolfram Weimer beschreibt.

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Als nämlich deutsche Telefon Hersteller, insbesondere Siemens, Geräte bauen wollten und die Amerikaner dann auf einmal Gebühren verlangten. Und dann erinnerten sich unter anderem die Siemens Brüder, aber auch andere in Deutschland, auch die Reichsregierung in Berlin. Dass das doch eigentlich eine deutsche Erfindung sei. Wie kann das sein, dass man für eine deutsche Erfindung jetzt den Amerikanern patent gebühren sein kann?

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Doch dieses Erinnerungs Revival war auf Deutschland beschränkt, und es war selbst dort nicht von Dauer.

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In der Weltöffentlichkeit erschien dann der Eindruck, auch weil Bell ein Unternehmen gründete. Die Bell Company, die dann weltweit bekannt wurde, schien der Eindruck, dass Bell Telephon und er sei wohl der Erfinder.

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Der Name Philipp Reis verblasste daneben rasch wieder. Auch heute hört man häufig auf die Frage, wer denn das erste Telefon präsentiert habe. Alexander Graham Bell. Vielleicht auch, so vermutet Wolfram Weimer, weil andere Länder wie die USA liebevoller, sorgsamer und selbstbewusster mit großen Leistungen der Vergangenheit umgehen.

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Verdient hätte es jedenfalls auch Philipp Reis, dass man sich an ihn und seine Erfindung erinnert.

[00:22:18]

Philipp Reis hat es im Leben wirklich schwer gehabt.

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Er hatte wirtschaftliche Probleme, er wurde nicht anerkannt. Er wurde sehr früh krank. Er blieb aber bei alledem ein unglaublich heiterer Mensch.

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Er war ein wirklich lustiger Zeitgenosse, ein Menschenfreund und auch einer, der wahrscheinlich aufgrund dieses Optimismus immer weitergemacht hat und deswegen auch nur das Telefon erfunden hat.

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Er gehörte zu dem Typus Mensch, von dem man sagen kann, er war verliebt ins Gelingen, und zu den Dingen, die ihm gelungen sind, gehört eben jenes Telefon, selbst wenn es noch nicht perfekt war. Das war Radio Wissen, ein Podcast von Bayern 2, Autor dieser Folge David Klobig, die Regie führte Martin Trauner Sprachen, Christoph Blanka und Frank Meinhold Technik. Regina Stärke Redaktion. Spiegelman Wenn Sie keine Folge mehr verpassen wollen, dann abonnieren Sie doch Radio Wissen unter Baiern, 2D, Slash, Podcast oder überall, wo es Podcasts gibt.