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[00:00:06]

Einen schönen guten Namen allerseits Mein Name ist Gabor Steingart und wir starten jetzt gemeinsam in den acht Tagen. Wir wollen uns anstrengen, Deutschland, Europa, vielleicht auch die ganze Welt neu zu denken. Es geht beim achten Tag, das wissen Sie längst darum, Ideen miteinander auszutauschen. Ideen für eine bessere Welt, um nach der Corona Pandemie nicht mit leeren Händen oder gar noch schlimmer einem leeren Kopf dazustehen. Heute kommen diese Denkanstöße von einem gestandenen Unternehmer, der in der Wirtschaftswelt oft als Preiss Papst tituliert wird, weil er sich besonders für Angebot, Nachfrage und die Preisbildung interessiert.

[00:00:51]

Preis ist das wirksamste Instrument zur Gewinnsteigerung, und Käse ist der Titel meines Buches. Am Gewinn ist noch keine Firma kaputtgegangen, und wer Gewinne vernachlässigt, der gefährdet sein Unternehmen. Es ist also sozial, wenn ein Unternehmen Gewinne macht. Und es ist asozial, wenn ein Unternehmen nur Verluste hereinbringen. Ich bin Hermann Simon, im Hauptberuf Chairman, und Simon Kucher Partners, einer weltweit tätigen Unternehmensberatung. In meinem ersten Leben war ich 16 Jahre Professor. Und dann dachte ich, ich sollte das anwenden, was ich in Forschung und Lehre dort untersucht habe.

[00:01:38]

Leider schneiden deutsche Unternehmen beim Gewinn im internationalen Vergleich sehr schlecht ab.

[00:01:45]

Professor Dr. Hermann Simon hat den Begriff der Hidden Champions geprägt, für ihn die Speerspitze der deutschen Wirtschaft. Und er meint damit Familienunternehmen, die durch Werte geprägt sind und die in ihrer Branche in ihrer Industrie Weltmarktführer geworden sind. Als Berater hat Hermann Simon weltweit Konzernen geholfen, wirtschaftlicher zu arbeiten und als Gastprofessor an den Universitäten wie Yale und Stanford den Nachwuchs unterrichten. Gerade ist er der einzige Deutsche in der Hall of Fame der Dancers fifty, wo die weltweit einflussreichsten Unternehmensstrategien gelistet werden.

[00:02:26]

üBer 35 Bücher hat er über Unternehmensstrategie, Marketing und wir haben es kurz erwähnt Preis Management geschrieben. Einige seiner Abwandlungen sind inzwischen weltweite Standardwerke. Und auch hier und heute Abend will Hermann Simon einen neuen STANDARD setzen.

[00:02:45]

Vielleicht habe ich zunächst mal. Wahren Gewinn, definierenden Gewinn ist das, was der Unternehmer behalten darf, wenn er alle seine Verpflichtungen gegenüber Arbeitnehmern, Lieferanten, Banken und dem Staat gegenüber erfüllt hat. Nur das ist echter Gewinn. Und hier klaffen in der Tat die Vorstellungen der Menschen und die Realität weit auseinander. Ich habe eine Umfrage gemacht mit folgender Frage Wenn ein Unternehmen 1000 Euro als Umsatz einnimmt, wieviel bleibt davon als Gewinn nach Abzug aller Kosten und aller Steuern übrig?

[00:03:33]

Die Leute auf der Straße meinen, das seien zwei und zwanzig komma acht Prozent. In Wirklichkeit sind es über viele Jahre 3,4 Prozent, und damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich weit, weit hinten. Nur Japan ist noch konsistent, schlechter. Man kann grob sagen, dass diese durchschnittliche Umsatzrendite, der Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz in der Welt etwa doppelt so hoch liegt wie in Deutschland. Die Mathematik ist einfach, denn Gewinn ist gleich Preis mal absatzmenge minus Kosten. Die Formel ist also einfach Man hat nur drei Treiber Preis, Absatz, Kosten.

[00:04:21]

Und die Frage ist Wie wirksam sind diese Treiber zur Verbesserung des Gewinnes? Und hier kann man grob quantitative Werte angeben. Wenn es mir gelingt, den Preis um ein Prozent zu erhöhen, ohne dass ich Menge verliere, dann steigt mein Gewinn in der Regel um zehn Prozent. Das heißt, der Preis hat einen Gewinn Faktor von zehn Prozent. Preis ist das wirksamste Instrument zur Gewinnsteigerung. An zweiter Stelle stehen die Kosten, und erst an dritter Stelle kommt die absatzmenge.

[00:04:57]

Die Gewinnschwelle deutscher Unternehmen hat viele Ursachen, und es fängt an mit der Zielsetzung Das will ich mal am Beispiel von Volkswagen erklären. Dort war über Jahre das Ziel, der größte Autohersteller der Welt zu werden. Und dieses Ziel hat man tatsächlich 2018 erreicht. VW hat mehr Autos verkauft als Toyota.

[00:05:23]

Aber über Jahre liegt der Gewinn von Volkswagen bei der Hälfte des Gewinnes von Toyota. Und das ist natürlich keine gute Relation. Wenn man an Notwendigkeit von Investitionen in Elektromobilität, Forschung und Entwicklung denkt.

[00:05:39]

Volkswagen hat im vergangenen Jahr weltweit mehr Fahrzeuge verkauft als jeder andere Autobauer.

[00:05:44]

Der VW-Konzern steht glänzend da. Wie nach der Aufsichtsratssitzung bekannt wurde, hat der Wolfsburger Autobauer weltweit zehn komma sieben Millionen Autos verkauft ein neuer Rekord.

[00:05:54]

Volkswagen hat mehr Autos ausgeliefert als je zuvor und hebt sich damit von seinen Konkurrenten ab. Experten schätzen, dass der Konzern damit den Titel als weltgrößter Autobauer zum vierten Mal in Folge behauptet hat. Also falsche Ziele sind ein wichtiges Problem. Dann haben wir Unternehmen vor allem in reiferen Branchen. Wir sind nicht in den Branchen, wo Apple, Google et cetera unterwegs sind, sondern mehr in konventionellen Branchen, wo weniger verdient wird. Dann haben wir einige sehr spezifische Deutschlands Gegebenheiten, zum Beispiel Gesamtverantwortung des Vorstandes.

[00:06:36]

In anderen Ländern hat der Vorstandsvorsitzende die alleinige Verantwortung. Das führt zu einer konsequenteren gewinnorientierung. Auch die Mitbestimmung ist ein Problem. Ich bin nicht gegen Mitbestimmung, aber man muss sich dieser Nebenwirkung bewusst sein, dass Mitbestimmung eher zu einer Verwässerung der Ziele führt. Ebenfalls ein Problem sehe ich in den zu weichen Banken. Das gilt insbesondere für Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die ja sehr eng mit den mittelständischen Unternehmen verbunden sind und vielleicht nicht genügend Druck auf die gewinnorientierung ausüben. Auf Dauer ist das eine sehr gefährliche Situation, weil es führt auch zu entsprechend höheren Börsenwertes bei den ausländischen Unternehmen.

[00:07:26]

Apple alleine und Microsoft sind heute an der Börse mehr wert als alle Dax-Unternehmen zusammen. Eigentlich unvorstellbar. Aber das bestimmt die Kaufkraft bei übernahmen von Unternehmen et cetera. Ich halte das für eine sehr gefährliche Situation für deutsche Unternehmen.

[00:07:48]

In Deutschland gibt es viele mittelständische Unternehmen und jedes einzelne von ihnen stärkt unsere Wirtschaft Wirtschaft.

[00:07:54]

Hidden Champions, das sind mittelständische Unternehmen, die in ihrem Marktsegment Weltspitze sind, aber Endverbrauchern kaum.

[00:08:01]

Bekannt macht aus, dass eine Marke sind, die sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern immer weiter danach sucht. Eine bessere Lösung zu finden.

[00:08:12]

100Prozent Qualität, 100 Prozent made in Germany.

[00:08:16]

Deutschland ist Mittelstand, und wir sind die Mittelstandsbank.

[00:08:23]

Champions sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Aber das sind nur in meiner neuesten Liste knapp 16 500 Unternehmen. Und das ist nicht die ganze deutsche Wirtschaft. Und wir müssen uns leider messen mit den besten international. Und wenn ich dann mal wieder die großen Unternehmen, die gewinnträchtig deutschen Unternehmen sehe die großen Umsatz meist nicht in der Kategorie der Gewinne Stars der Welt. Beispiel VW Der Umsatz von VW liegt über dem von Toyota. Der liegt in der Größenordnung des Umsatzes von Apple.

[00:09:11]

Aber die Gewinne dieser ausländischen Firmen sind ungefähr dreimal so hoch.

[00:09:21]

Und da frage ich mich Wie soll das gut gehen? Wir brauchen Gewinne, um in die Zukunft zu investieren, um Forschung und Entwicklung zu betreiben. Und zwar in dieser Zeit ganz besonders, wo Klimawandel, Elektromobilität, Digitalisierung gigantische Investitionen erfordern. Und dann stehen wir rop mit einem Drittel der Gewinne der internationalen Stars dort. Wenn wir das nicht korrigieren, dann werden uns auch die Champions da nicht rausreißen können als Volkswirtschaft. Wir wirtschaften vernünftig. Wir machen gute Produkte. Wir fall Nachlässigen aber oft die wirtschaftliche Seite.

[00:10:07]

Das heißt, unsere Wirtschaft ist stärker Ingenieur und Wissenschafters getrieben, als Management getrieben. Und dies ist eine der Ursachen, warum wir im internationalen Gewinn Vergleichst so schlecht abschneiden. Corona verschärft diese Situation, und zwar sowohl im Rückblick. Unternehmen, die in der Vergangenheit nicht genügend profitabel waren und entsprechend Rücklagen bilden konnten, sind natürlich durch Corona gefährdet. Und wer in Zukunft nicht profitabel ist, wird nicht in der Lage sein, die erhöhten Schulden, die durch Corona notwendig werden, zurückzuzahlen.

[00:10:53]

Wie wollen Lufthansa und TUI, die ja sehr schwer betroffen sind, diese höheren Schulden lasten in der Zukunft tilgen? Das ist eine sehr offene Frage. Die einfach nur gelöst werden kann, indem die Lage verbessert wird. Wir wollen mit Wumms aus der Krise kommen. Wir müssen jetzt die Voraussetzungen dafür schaffen, dass es auch für unsere Kinder und Enkelkinder ausreichend gute Arbeitsplätze gibt.

[00:11:18]

Genau deshalb haben wir ein sehr umfassendes Konjunkturpaket auf den Weg gebracht, das uns dabei hilft, mit voller Kraft aus dieser Krise zu kommen, damit Sie Ihre wirtschaftlichen Erfolgs Geschichten fortsetzen können.

[00:11:32]

Ja, es gibt natürlich politische Aspekte. Die Steuern haben einen Effekt auf den Nettogewinn, denn ich habe ja Gewinn als das definiert, was übrigbleibt, wenn man alles inklusive der Steuern abgezogen hat. Ich glaube aber, noch wichtiger sind gesellschaftliche Aspekte. Gewinn ist in Deutschland ein Tabu. Gewinnmaximierung gilt als unethisch. Und selbst Unternehmer sprechen nicht gerne über den Gewinn, weil sie befürchten, dass das Neid Reaktionen hervorrufen kann. Kürzlich sagte mir der Dekan der Harvard Business School Das ist sozusagen der Vatikan des Managements.

[00:12:15]

Die erste soziale Verantwortung eines Unternehmens ist, Gewinn zu machen. Wer keinen Gewinn macht, wird nicht überleben, gefährdet damit Arbeitsplätze, bringt Lieferanten in die Bredouille und zahlt natürlich keine Steuern. Und man kann auch sagen Wenn es einem Unternehmen gut geht, dann geht es auch den Arbeitnehmern gut. Lieferanten der Gemeinde, in der das Unternehmen sitzt, und der Gesellschaft generell. Und wenn ein Unternehmen Verluste macht, geht es allen diesen Gruppen schlecht. Deswegen muss die gewinnorientierung in Deutschland einfach eine größere Bedeutung gewinnen, sonst wird sich die Situation nicht verbessern.

[00:13:01]

Wir haben große Studien gemacht mit unserem Unternehmen, und nur 28 Prozent der Befragten das waren mehrere Tausend, sagen, dass sie Unternehmen Gewinn orientiert, steuern. Das halte ich für eine viel Orientierung, die dringend korrigiert werden muss. Wenn wir international mithalten wollen und nicht zu einer Kolonie von Amerikanern oder Chinesen werden, die wesentlich höhere Bewertungen erzielen und damit höhere Kaufkraft, Unternehmen zu übernehmen.

[00:13:47]

Wie sieht die Wirtschaft der Zukunft aus? Industrie 4.0? Sie wird unser gesamtes Wirtschaftssystem, unseren Konsum, unsere Arbeit stark verändern. Welche Nationen, welche Unternehmen in 20, 30 Jahren die Welt beherrschen, darüber lässt sich nur spekulieren. Noch ist man hierzulande stolz auf Made in Germany.

[00:14:08]

Im Moment sind wir natürlich durch Corona alle ziemlich pessimistisch, bestimmt. Aber keiner weiß, wie das mit Corona weitergeht. Insofern versuche ich mal zu abstrahieren und einige Stärken der deutschen Wirtschaft herauszustellen. Zum einen sind wir in unseren Pro-Kopf Exporten weit vor allen anderen großen Ländern mehr als das Doppelte der großen europäischen Ländern. Exportieren wir und das sind in der Regel Hochtechnologie Produkte, qualitativ führende Produkte und dahinterstehen Millionen von Arbeitsplätzen in Deutschland. Ein zweiter Riesenvorteil, den wir gegenüber allen anderen großen Ländern haben, ist, dass wir weitaus stärker global aufgestellt sind.

[00:15:02]

Man muss sich mal vorstellen Volkswagen ist Marktführer in China. In China gibt es acht tausend fünf hundert deutsche Firmen, die mehr als 2000 Fabriken betreiben. In Deutschland gibt es erst vier chinesische Fabriken, die hier neu gebaut wurden. Wir sind in der Digitalisierung bei Industrieprodukten ebenfalls führend, leider nicht bei Verbraucher Produkten. Wir müssen also weiter machen mit dem technologischen Fortschritt, da unseren Abstand halten. Wir müssen uns global anders aufstellen, denn im Moment ist eine Entwicklung, die den Export behindern wird.

[00:15:45]

Deswegen müssen wir noch stärker vor allem in Amerika und auch in China investieren. Wir sind wettbewerbsfähig, aber wir müssen den Wert unserer Produkte. Besser in Preisen und Gewinnmargen realisieren, Denn wie wir eben gesehen haben, ist der Preis das effektivste Instrument, um den Gewinn zu verbessern.

[00:16:11]

Ich hoffe, dass ich meinen Zuhörern einen ersten Geschmack gegeben habe, mehr über Gewinn zu erfahren und zu lesen. Dazu kann ich nur sagen Am Gewinn ist noch keine Firma kaputt gegangen. Vielen Dank Professor Simon!

[00:16:31]

Für diese klaren Worte, die letztlich natürlich ein Appell an jeden Unternehmer und jede Unternehmerin sind. Ihnen danke ich fürs Zuhören und fürs Mitdenken, und ich freue mich, wenn Sie auch beim nächsten Mal wieder dabei sind. Bleiben Sie mir gewogen. Ich wünsche Ihnen jetzt eine geruhsame Nacht. Es grüßt Sie auf das Herzlichste, Ihr Gabor Steingart.