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[00:00:06]

Einen schönen guten Abend allerseits! Mein Name ist Gabor Steingart und wir starten jetzt gemeinsam in diesen achten Tag. Schön, dass Sie dabei sind, wenn wir auf ein neues versuchen, unsere Welt weiterzudenken. Fortschritt bekanntermaßen im Kopf. Heute geht es um den jüngsten Teil unserer Welt. Das Digitale.

[00:00:30]

Guten Abend und vielen Dank, dass Sie heute Abend dabei sind, wenn wir nichts Geringeres vorhaben, als gemeinsam die Demokratie zu retten. Mein Name ist Inga Dreger. Ich bin Geschäftsführerin des Ich bin hier e.V. Und ich möchte mit Ihnen zusammen Digitalisierung und Medienkompetenz zusammendenken. Ich bin hier e.V. klärt Menschen ganz allgemein und ganz konkret betrachtet, die Nutzerinnen und Nutzer sozialer Medien, politische Entscheidungsträger, Medien, Institutionen auf. üBer das Thema Hass im Netz. Wir klären auf über die Ursachen von Hassrede, die Verbreitung der Hassrede und ihrer fürchterlichen Auswirkungen.

[00:01:16]

Wir unterstützen Menschen und Institutionen in allen Gesellschafts Bereichen dabei, sich gegen digitale Angriffe zu wappnen und selbst Gegenrede zu betreiben.

[00:01:28]

Zusammen mit Tausenden Mitstreitern und Mitstreiterinnen kämpft Inga Draeger gegen verbale Gewalt im Netz. Sie ist Kommunikationsexperten, war jahrelang in der Privatwirtschaft tätig und fördert nun demokratische Diskurse in den sozialen Netzwerken. Jetzt habe ich ja gerade angekündigt, wir wollen heute zusammen die Demokratie retten und jetzt fragen Sie sich vielleicht, wie ich darauf komme. Ganz einfach und doch so komplex. Der Pluralismus, die vielfältige Darstellung und der vielfältige Austausch von Meinungen kann als das Leitbild unserer modernen Demokratie schlechthin betrachtet werden.

[00:02:16]

Was meine ich damit? Der Pluralismus bedeutet den ständigen Prozess zwischen verschiedenen Meinungen, verschiedenen Interessen und Zielen.

[00:02:27]

Und das ist überhaupt nicht problematisch, sondern es gehört zu einer Demokratie schlicht und ergreifend dazu. Der Pluralismus formt unseren politischen Prozess. Mehrheiten ändern sich, politische Haltung und Prioritäten unserer Gesellschaft entwickeln sich weiter. Verschiedene Interessen stehen sich gegenüber und setzen sich gegenseitig Grenzen. Damit aber dieser Austausch von Meinungen funktionieren kann, ist öffentlicher Diskurs notwendig. Und das meint Diskurs sowohl in Massenmedien als auch ganz schlicht am Küchentisch.

[00:03:03]

Jetzt haben digitale Plattformen einen weiteren Raum für diesen ganz essentiellen Diskurs geöffnet. Digitale Plattformen wie beispielsweise Facebook oder Twitter bieten ungeahnte Möglichkeiten für den direkten Austausch mit anderen Bürgerinnen und Bürgern, zum Beispiel auf den Facebook-Seiten von Medien kann jeder seine Meinung zum aktuellen Tagesgeschehen Nachrichten, Kolumnen, Meinungen, Artikeln kundtun und mit anderen dazu ins Gespräch kommen. Und das nicht an sich eine fabelhafte Vorstellung. Nur leider ist die Realität häufig eine ganz andere, wie zum Beispiel die Geschehnisse um Renate Künast eindrucksvoll zeigen.

[00:04:02]

Heute im Studio Judith Rakers. Guten Abend, meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zur Tagesschau. Im Kampf gegen Beschimpfungen in sozialen Netzwerken hat die Grünen-Politikerin Künast einen Teilerfolg erreicht. Das Berliner Landgericht ändert eine Entscheidung vom vergangenen September und stuft sechs von insgesamt 22 Kommentaren nun doch als Beleidigung gegen die Politikerin ein. Damit kann Künast von Facebook verlangen, die persönlichen Daten der Kommentatorin herauszugeben, um zivilrechtlich gegen sie vorzugehen.

[00:04:35]

Renate Künast ist nur ein prominentes Beispiel für ein sehr großes Problem, das sich in den sozialen Netzwerken verbreitet.

[00:04:45]

Motiviert vom Zuspruch anderer, versteigen sich in den sozialen Medien nämlich Kommentatoren und Kommentatoren in die wüsten Beschimpfungen. Fake News und abstruse Verschwörungstheorien werden in Länge und Breite diskutiert und immer weiter verbreitet. Dabei wird der Boden des Grundgesetzes leider immer häufiger verlassen. Menschenrechte wie das Asylrecht werden negiert. Personen werden aufgrund ihrer Herkunft, Religion oder Geschlechts auf eine Weise herabgesetzt, die man nur noch als menschenunwürdig bezeichnen kann. Einigen Menschen geht es gezielt darum, das Ansehen von Medien, Politik, Wissenschaft oder Rechtsstaat zu schädigen.

[00:05:28]

Was an den Säulen unserer Gesellschaft rüttelt. Wie groß das Problem von Hassrede ist und wie sehr nicht nur Spitzenpolitikerin, sondern auch kommunalpolitisch engagierte oder ganz allgemein Bürgerinnen und Bürger davon betroffen sind. Diesem Thema hat sich sogar unser Bundespräsident gewidmet.

[00:05:50]

Wir haben ein Problem, und ich habe sehr früh begonnen, mich vor allen Dingen um Bürgermeister von kleineren Gemeinden zu kümmern, die Opfer von Hass-Mails oder von Drohungen, Gewalt, Drohungen oder gar Gewalt geworden sind. Und eine Bürgermeisterin? Ich erinnere mich sehr genau, sagt mir Wissen Sie, wir haben früher auch Kritik ertragen müssen. Und auch früher waren Bebauungspläne schon umstritten. Aber dass jemand, der unzufrieden war mit dem Bebauungsplan, mir einen Galgen in den Garten gestellt hat, so etwas ist wirklich neu.

[00:06:20]

Und das ist natürlich das Ergebnis einer Verrohung in der politischen Auseinandersetzung, der Zunahme von Hass und Hetze, gerade auch in den sozialen Medien, die sichtbar die Hemmschwelle sinken lassen. Und ich wünschte mir sehr, dass wir uns einig darüber bleiben, dass Hass und Hetze nicht in die politische Auseinandersetzung gehört, dass wir uns bereit finden, zurückzukommen zu einer Streitkultur, die weiterhin von Vernunft geprägt ist.

[00:06:48]

Hengsbach entfaltet eine sehr gefährliche Wirkung und schwappt schlimmstenfalls aus der digitalen Welt auch in die analoge rüber. Eine lautstarke Minderheit wird zur scheinbaren Mehrheit erzeugt für sich und krude Positionen eine überproportionale Deutungshoheit. Stille Leserinnen erkennen diese als gesellschaftlichen Konsens an. Trauen sich nicht mehr, eigene Positionen zu vertreten. Die Norm des SAK bahren verschiebt sich, der pluralistische Diskurs wird ausgehebelt. Und damit, und da sind wir beim eigentlichen Problem angelangt. Damit droht sich der demokratische Grundkonsens aufzulösen. Und hier sind wir wieder angekommen bei der These Wir müssen Digitalisierung und Medienkompetenz zusammendenken.

[00:07:46]

Wir brauchen mehr Medienkompetenz. Wir müssen lernen, Fakten von Meinungen zu unterscheiden. Fake news von Empirie. Und wir müssen ganz wichtig lernen, wie man die Validität von Quellen richtig einzuschätzen lernt. Letztendlich brauchen wir dann so gerüstet mehr digitale Zivilcourage in Form von Gegenrede, also da nicht still zu sein, wo der Boden des Grundgesetzes verlassen, Menschen entmenschlicht und krude, hasserfüllte Thesen vertreten werden.

[00:08:25]

Gegenrede betreiben beispielsweise die 45 000 Mitglieder der Aktionsgruppe.

[00:08:31]

Ich bin hier die Mitglieder vertreten ganz unterschiedlichste Meinungen, haben ganz unterschiedliche politische Richtung. Die Gruppe ist absolut überparteilich, hat Mitglieder aus allen Altersgruppen mit ganz unterschiedlichen Berufen und Herkünfte. Die Gruppe ist Vielfalt, aber es gibt eine ganz unumstößliche gemeinsame Grundlage, nämlich die freiheitlich demokratische Grundordnung der Bundesrepublik. Hier ist es wieder das Grundgesetz, das sie schon mehrfach zitiert habe. Es ist einfach das wichtigste Dokument, was wir in Deutschland haben, und wir bekennen uns alle gleichermaßen zur Deklaration der Menschenrechte.

[00:09:17]

Auf dieser an sich so trivialen und doch gleichzeitig so wichtigen Basis stürzen sich die Mitglieder tagtäglich in die Kommentarspalten, um Hass und Desinformation, Sachlichkeit und Menschenfreundlichkeit entgegenzustellen. Dass dieser Ansatz, den ich bin, hier verfolgt und das Instrumentarium, was wir entwickelt haben, tatsächlich funktioniert, belegt beispielsweise auch eine Studie der Universität in Düsseldorf. 14 000 Kommentare und die jeweils fünf ersten Antworten auf diese Kommentare wurden analysiert, und das Ergebnis zeigt, dass Kommentare, die respektvoll geschrieben wurden, auch respektvolle Antworten erhielten.

[00:10:03]

Das heißt Wer sich sachlich und respektvoll an ONLINE Diskursen beteiligt, trägt zu einer gesteigerten Discours Qualität bei und bringt andere discours teilnehmer dazu, sich ebenfalls an diesen Prinzipien der Sachlichkeit und der Menschlichkeit im Austausch zu bedienen. Also ist der pluralistische Diskurs in der digitalen Welt überhaupt noch zu retten? Ja, aber es liegt an uns, uns daran auch zu beteiligen und den Diskurs positiv zu gestalten. Nicht jeder, nicht jeder sieht sich dafür gut gerüstet. Und da ist es uns.

[00:10:49]

Ich bin hier auf ein ganz wichtiges Anliegen zu unterstützen, um noch mehr Menschen zu digitaler Zivilcourage zu befähigen, bietet der Ich bin hier e.V. offline und online Schulungs Formate an, beispielsweise Simulationen, in denen Gegenrede ganz praktisch trainiert wird, und dass das, was ganz Relevantes und Wichtiges ist. Und es wird das Haarknoten machen. Das sehen auch Spitzenpolitiker so Meunier ist Lars Klingbeil.

[00:11:18]

Ich finde es toll, dass Menschen zusammenkommen, um sich gegenseitig zu stärken. Das ist, glaube ich, das Allerwichtigste. Und dann geht es darum, sich als Zweites bewusst zu machen. Wir sind mehr, die anderen sind vielleicht lauter, aber die sind niemals die Mehrheit. Und deswegen geht es um befähigungen. Es geht ja darum, Netzwerke zu bilden, so wie das heute der Fall ist. Aber das ist der zweite wichtige Punkt. Der dritte ist, dass wir lernen müssen, uns mit den Argumenten oder mit den vermeintlichen Argumenten der anderen Seite auseinanderzusetzen.

[00:11:44]

Hass und Hetze werden gesät, und wir brauchen starke Antworten. Deswegen müssen wir auch Argumentation stark sein, uns nicht wegducken. Wir müssen uns auch hier gegenseitig bestärken. Das ist der dritte Punkt, der eine Rolle spielt. Natürlich geht es im Politischen auch um die Frage Wie kann man strafrechtlich gegen die Vorgehen hetzen und Hass sehen und die auch bereit sind zu Morddrohungen und all dem, was man dort Furchtbares im Netz lesen muss? Es geht auch um die Frage, wie man die großen Plattformen die Hand in die Haftung nehmen muss und in die Verantwortung nehmen muss.

[00:12:12]

Das sind alles Dinge, die uns zum Politischen umtreiben. Aber am wichtigsten ist das andere.

[00:12:18]

Jetzt haben wir mit unserem Anliegen durchaus einiges an Unterstützung. Es gibt aber auch bei vielen noch gehörigen Nachholbedarf Bedarf. Einige verstehen auch 2020 unter Digitalisierung immer noch eine E-Mail Adresse für jede Schülerin und jeden Schüler. Damit ist es aber nicht getan. Wir müssen Digitalisierung und Medienkompetenz untrennbar zusammendenken. Es geht nicht um Tools, zumindest nicht ausschließlich. Sondern es geht um die Fähigkeit, Fakten von Meinungen, Fakten von Lügen zu unterscheiden und sich selbst in diesen digitalen demokratischen Diskurs gewinnbringend einbringen zu können.

[00:13:08]

Sonst ist unsere Demokratie langfristig nämlich am Ende. In den USA sehen wir gerade, was passiert, wenn Fakt und Fiktion nicht mehr voneinander unterschieden werden. Dort findet gerade das Endgame statt, zwischen Posth, faktischer Autokratie und Demokratie. Und an diese Wegscheider sollten wir in Deutschland gar nicht erst geraten.

[00:13:39]

Ich bin hier finden Sie Informationen, wie Sie selbst aktiv werden und digitale Zivilcourage betreiben können? Ich würde mich sehr freuen, sich für dieses Thema sensibilisiert und vielleicht sogar zu eigenem Engagement inspiriert zu haben. Bedanke mich sehr, fürs zu hören.

[00:13:59]

Wir sind jetzt eine neue Aufgabe. Das lohnt sich nicht, denn jeder Versuch ist. Vielen Dank Inga Dräger für dieses wichtige gesellschaftliche Engagement. Und Ihnen allen Dankeschön fürs Zuhören und fürs Mitdenken. Ich würde mich freuen, wenn Sie beim nächsten Tag wieder dabei bleiben, Sie mir gewogen. Ich wünsche Ihnen jetzt eine geruhsame Nacht. Es grüßt Sie auf das Herzlichste. Gabor Steingart.