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Shteyngart Warning Briefing der Podcasts. Einen schönen guten Morgen allerseits! Mein Name ist Gabor Steingart, und wir starten jetzt gemeinsam in diesen neuen Tag. Heute ist Dienstag, der 25. August. Ob Friedrich Merz Erfolg hat, das weiß ich nicht. Aber was er hat, ist Stehvermögen. Er hat gegen Angela Merkel verloren. Damals, als es um die Führung der CDU CSU-Fraktion ging. Und er ist aufgestanden. Er hat gegen Annegret Kramp-Karrenbauer verloren. Als es kürzlich um die Führung der CDU ging und erst aufgestanden.

[00:00:41]

Nun bewirbt er sich erneut um den CDU Vorsitz gestern im Düsseldorfer Fortuna Stadion fand vor zirka 500 1000 Besuchern eine Art öffentliches Bewerbungsgespräch statt, zu dem die Rheinische Post geladen hatte.

[00:00:55]

Ich komme jetzt auch nicht aus der Altersteilzeit zurück, sondern ich habe zwischendurch full time, einen Beruf ausgeübt.

[00:01:05]

Ich gebe zu, es ist keine gewöhnliche parteipolitische Karriere. Dafür entschuldige ich mich aber auch nicht. Ich habe immer gesagt, ich mache Politik aus Leidenschaft. Aber ich mache es nie aus wirtschaftlichen Gründen, und deswegen habe ich immer einen Beruf gehabt. Ich habe ihn bis auf wenige Jahre, wo ich Fraktionsvorsitzender war, immer ausgeübt. Und ich bin sofort nach dem Ausscheiden aus dem Deutschen Bundestag Resozialisierung fähig gewesen. Und das würde ich gerne in Zukunft auch bleiben.

[00:01:34]

Während Friedrich Merz auf dem abgedeckten Fußball Rasen stand und die Zuschauer von den Rängen die meisten mit Maske zuhörten, ging es natürlich auch um die Kanzlerkandidatur. Und dann natürlich die Kanzlerschaft.

[00:01:49]

Ich habe die Entscheidung für Franz Josef Strauß in der Bundestagsfraktion aus nächster Nähe miterlebt. Ich habe Stoiber natürlich 2002 aus nächster Nähe miterlebt. Jeder hatte zu seiner Zeit den notwendigen Wumms, um auch Kanzler zu werden. Und Markus Söder ist derjenige, der vielleicht sogar von allen dreien die größte Akzeptanz außerhalb Bayerns heute hätte.

[00:02:12]

Er spiele auf Sieg, nicht auf Platz. Hat Merz gesagt, als er sich erneut um den CDU Vorsitz bewarb. Und an Sieg statt Platz scheint er selbst nach wie vor zu glauben. Jetzt also in aller Bescheidenheit.

[00:02:28]

Aber ich liege in allen Umfragen, sowohl in der Partei als auch in der öffentlichkeit von den drei Kandidaten, die sich um das Amt des Parteivorsitzenden der CDU bewerben, vorne. Warum fangen Sie bei mir anzufragen, ob ich verzichten soll?

[00:02:41]

Die Lösung, die man innerhalb der CDU jetzt lautstark fordert, die hat er als taktische Raffinesse durchschaut und lehnt sie natürlich ab.

[00:02:53]

Dieses Wort von dem Team also, wenn mir mal jemand gesagt hätte, wie dieses Team denn aussehen sollte, hätte man ja konkret überreden können. Aber Team war im Februar März also schon mal als Begriff. Verwendet wurde immer das Synonym Merz muss aufhören zu kandidieren. Und dann haben wir ein Team. Aber das war nie meine Vorstellung von Team.

[00:03:13]

Aber was denken die, die ihm gestern zugehört haben? Das will ich jetzt gleich von Eva Padberg hören. Sie ist Leiterin des Parlaments, Büros der Rheinischen Post und war im Stadion dabei. Und kaum war Merz von der Bühne gesprungen, da habe ich sie angerufen. Jetzt also gleich Ihre Einschätzung. Unsere Themen heute? Die Regierung will ihre Korona regeln, auch und gerade sogar für Kinder und Jugendliche durchsetzen. Aber welche dieser Schutzmaßnahmen sind sinnvoll und welche total überflüssig? Darüber spreche ich jetzt gleich mit Professor Dr.

[00:03:52]

Wolfgang Kelsen, einem der profiliertesten Kinder und Jugendmedizin unseres Landes.

[00:03:58]

Diese Regeln sind für eine kurze Zeit sicherlich möglich, aber die Zeit ist aufgebraucht, glaube ich. Und deshalb reagieren die Jugendlichen ja auch so, weil sie das, was wir an Regeln tatsächlich aufstellen, für sie nicht mehr für glaubwürdig halten.

[00:04:11]

Sophie Schimanski, unsere Reporterin an der Wall Street, berichtet, wie der Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf ein Verbot von tektonisch regelrecht hinarbeitet. Wir sprechen über den Rückzug von Donald Trumps bekanntester Beraterin, die nämlich, die das Wort von den alternativen Fakten erfunden hat. Außerdem gratulieren zwar gratulieren, wer Claudia Schiffer zu ihrem heutigen, zu ihrem fünfzigsten Geburtstag. Corona belastet auch unsere Kinder und Jugendlichen 70 Prozent von ihnen fühlen seelischen Stress, fühlen Angst. Depression durch Geron? So hat es vor kurzem eine Studie der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf herausgefunden.

[00:05:03]

Vor allem die Masken Pflicht in vielen Schulen, in NRW sogar in allen Schulen und die geschlossenen Clubs überall in deutschen Städten und Dörfern sind ein ärgernis. Polizisten und Ordnungsämter haben das in den vergangenen Wochen zu spüren bekommen. Aber als wenn nichts wäre, diskutiert die Politik und vorneweg die Kanzlerin über neue und auch schärfere Maßnahmen, um eine zweite Welle, wenn sie denn kommt, zu begrenzen. Zu diesen schärferen Maßnahmen gehören eine bundesweite Masken, Pflicht womöglich an allen Arbeitsplätzen und an allen Schulen, aber auch bundesweit.

[00:05:42]

Einheitliche Obergrenzen für private Feiern sind im Gespräch. Rund 9,3 Millionen junge Menschen haben wir in Deutschland. Menschen zwischen 14 und 24 9,3, also fast zehn Millionen. Was macht die Situation mit diesen zehn Millionen unserer jüngeren Bürgerinnen und Bürger? Und wie viel Regeln lassen sie sich überhaupt noch auferlegen? Darüber spreche ich jetzt mit Prof. Dr. Wolfgang Horst, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche der Städtischen Kliniken Mönchengladbach. Der Zweite Vorsitzende beim Bundesverband der Kinder und Jugendärzte und Kinder Chirurgen Deutschlands ist er auch.

[00:06:25]

Einen schönen guten Morgen!

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Professor Wolfgang Kelsen Ja, ich grüße auch. Ich bin gespannt, was jetzt kommt. Hoffentlich sind wir alle schon wach, dass wir uns gut zuhören können.

[00:06:33]

Herr Professor, jede staatliche Anordnung ist ja nur so gut wie Ihre praktische Umsetzbarkeit. Da wollte ich Sie fragen Wie lebensnah ist das, was für die Schulen gerade beschlossen und auch das, was da noch diskutiert wird? Abstand halten, Masken tragen, im Unterricht Hygieneregeln beachten. Ist das ein Set von Regeln, mit denen man leben kann? Oder ist das gegen die menschliche Natur?

[00:06:58]

Ja, es gibt ja in Deutschland Hunderte von Regeln, und jede Schule macht inzwischen seine eigenen Regeln. Jedes Bundesland treibt das Spiel anders. Und wenn man die Verordnung sich anschauen? In Nordrhein-Westfalen ist die insoferne natürlich nicht schlüssig. Selbst wenn man glaubt, dass die Maske da etwas bringt, dann muss man natürlich verlangen, dass auch die Lehrer aufziehen. Man kann ja nicht verlangen von den Schülern, dass sie die aufziehen und die Lehrer nicht, weil alle Untersuchungen zeigen, ja, dass er, der Lehrer, die Schüler ansteckt als umgekehrt.

[00:07:28]

Hinzu kommt natürlich, dass die Schüler, die ja morgens im Bus oder mit dem Fahrrad oder gehen, zu Fuß zur Schule. Da haben die in der Regel keine Maske. Das heißt, wir müssen das immer sehr differenziert abwägen, wie wir jetzt vorgehen. Das ist natürlich gut. Es ist gut, wenn so eine Maske aufgezogen werden wird. Das ist kein absoluter Schutz. Und wie jeder weiß Inzwischen bin ich so eine Maske, schafft das ja eine pseudo Sicherheit.

[00:07:57]

Ich schütze mich ja selber nicht, sondern ich schütze vielleicht den anderen. Auch da gibt es wenige Untersuchungen, die das bei Kindern eigentlich belegen, wie groß der Schutz da eigentlich sein soll.

[00:08:07]

Aber warum macht man eigentlich für Schüler Regeln, die ja für sie und für mich in den Betrieben, in den Unternehmungen so nicht gelten? Denn die Maske am Arbeitsplatz ist ja bislang nicht Pflicht. Warum eigentlich für Schüler? Daraus müsste ja Wenn man vom Mars auf die Erde guckt, müsste man daraus schließen, sie seien besonders gefährdet. Das sei Risiko Gruppe schlechthin. Aber das sind Sie doch gar nicht?

[00:08:28]

Nein. Alle Untersuchungen weisen darauf hin Kinder, Jugendliche sind nicht die Sprayer, die infizieren nicht die Erwachsenen. Es kann natürlich Fälle geben, aber man muss sich mal überlegen In Deutschland sind 200 Kinder 200 Kinder, und Jugendliche unter 16 Jahren sind bisher im Register gemeldet, dass sie mit Covic positiv waren und erkrankt waren, leicht erkrankt waren. Es gibt drei Todesfälle unter 20 in Deutschland nach keiner Statistik. Wir reden über etwas, was extrem, extrem selten ist Gott sei Dank, Gott sei Dank.

[00:09:09]

Was hinter allen Risiken, über die sie ja zum Teil auch publiziert haben, von Cannabis bis anderen Drogen, dann weit auch in der Mortalität weit hinterher steht.

[00:09:18]

Ja, das ist eine Unverhältnismäßigkeit. Und was riskieren wir? Wir riskieren, dass diese jungen Leute jetzt seit sieben Monaten keine Bildung mehr kriegen, keine Struktur kriegen, übergewicht kriegen, weil sie keinen Sport machen, weil sie sich nicht ausreichend bewegen, weil sie nur noch Computerspiele machen. Der häusliche Stress ist brutal zu. Diese Krise ist wie ein Brandbeschleuniger für unsere Probleme, die wir haben. Die ausgesprochen schlechte Situation über Jahre in den Schulen, wo man sich nicht um die Digitalisierung gekümmert hat, wo man sich nicht um kleine Gruppen gekümmert hat, wo man gesagt hat 28, 29 können hier ein Abitur Kurs machen.

[00:10:00]

Das sind ja Dinge, die wir über Jahre erzeugt haben. Alle diese Probleme hat nicht das Kobelt zu uns gebracht, sondern diese Virus ist ein Sendboten, meiner Ansicht nach der zukünftigen Probleme, die wir lösen müssen.

[00:10:12]

Ein Sendboten ja, eigentlich auch, der uns zur Veränderung auffordern sollte. Aber genau das, Herr Professor, passiert ja nicht, sondern der Gesetzgeber will ja einen Zustand zementieren, so wie er vorher auch war. Mit diesen Regeln soll ja gar nicht Zukunft. Sie haben Digitalisierung mal in den Raum geworfen. Das wird ja gar nicht adressiert. Aber dann heißt das ja, dass diese ganze Corona Schul Politik eigentlich ein Irrweg ist.

[00:10:37]

Es ist ein Irrweg in Bezug auf unsere Zukunft, die Sicherung der Zukunft und die Gruppe der Kinder und Jugendlichen, die ja in besonderer Weise betroffen.

[00:10:47]

In einer Metropole wie Berlin, Hamburg, Frankfurt, wo das Clubleben tatsächlich ein Teil unserer Jugend damals ausgemacht hat, das sich begegnen, tanzen gehen können. Die Nähe zum anderen Geschlecht suchen all das ist ja de facto im Moment tatsächlich stillgelegt, verboten. Was macht das mit so einer Jugend psychologisch?

[00:11:08]

Na ja, wir leben ja alle davon und auch Jugendliche genauso, dass wir Körperkontakt haben. Das fängt an durch einfache Hand geben. Das fängt an dadurch, dass man sich gegenseitig begrüßt, indem man sich Menschen, die man gut kennt, zu denen man Empathie hat, indem man sie in den Arm nimmt. Das ist ja im Augenblick alles blockiert, nicht nur bei den Jugendlichen. Das empfinden wir als wenig hilfreich, weil wir verzichten auf die sogenannte Oxytocin du.

[00:11:35]

Es ist ein Hormon, das im Körper produziert wird. Was ein Wohlgefühl.

[00:11:40]

Bei Bewegung und Berührung, bei Bewegung und Berührung.

[00:11:44]

Und das schalten wir aus. Dadurch, dass wir das im Augenblick nicht zulassen. Die Frage ist natürlich Party rund um die Uhr. Muss man das? Im Augenblick vielleicht zurückstellen, weil man dann sagt Das ist vielleicht doch ein Wunsch, den man in einem Augenblick zurückstellen kann.

[00:12:01]

Aber kann der Mensch das zurückstellen? Unabhängig das, was Chefärzte und Bundeskanzler wollen und wünschen, wenn wir mit unserem Medienchef abends durch Berlin fahren Wir sehen Party an jeder Ecke. Warum? Es scheint ein menschliches Bedürfnis zu sein. Und deswegen frage ich Sie ja als Arzt Sind diese Regeln überhaupt menschlich?

[00:12:20]

Diese Regeln sind für eine kurze Zeit sicherlich möglich. Aber die Zeit ist aufgebraucht, glaube ich. Und deshalb reagieren die Jugendlichen ja auch so, weil sie das, was wir an Regeln tagtäglich aufstellen, für sie nicht mehr für glaubwürdig halten.

[00:12:35]

Und sie sagen ja auch selbst Sie sind nicht glaubwürdig.

[00:12:37]

Die Regeln, weil die Regeln sind nicht mehr überzeugend sagt, greifen ja auch immer zunehmend mehr Leute sie ignorieren und nicht mehr wahr haben wollen.

[00:12:46]

Und der Staat reagiert aber seinerseits sehr autoritär. Frau Merkel spricht jetzt im Vorfeld der Konferenz mit den Ministerpräsidenten am Donnerstag darüber, die Zügel straffer in die Hand zu nehmen. Soll der Staat hier härter zugreifen oder begeht der Staat, würden Sie sagen, hier tatsächlichen Kardinalfehler auch im Umgang mit seinen jungen Bürgern?

[00:13:05]

Wenn ein autoritärer Staat wie China das nicht schafft, den Virus sozusagen einzufrieren, dann glaube ich, dass er ein freiheitlich demokratischer Staat, den wir alle schätzen. Wird er das auch nicht schaffen? Das heißt, wir brauchen Regeln, Spielregeln, die es mit dem Fingerzeig auf irgendwelche vermeintlich Regeln, die nicht umzusetzen sind bzw. nicht mehr glaubwürdig sind. Wird er das auch nicht umsetzen können? Ich glaube nicht, dass das die richtige Rezeptur ist für die Zukunft, für die nächsten Monate.

[00:13:37]

Was fürchten Sie für diesen Jahrgang? 20, 20, vielleicht auch 20, 21? Was ist Ihre Prognose? Was hier mit den Jugendlichen passieren wird?

[00:13:47]

Es gibt ja jede Generation, die Generation öBS. Nehmen wir die Generation Z. Und diese Generation Coruña wird, wenn sie zehn Jahre weiter ist, denken, dass waren irgendwie in, was wir da gemacht haben. Das haben wir nie verstanden. Das hat dazu geführt, dass der eine oder andere keine Abiturs Abschiedsfeier machen konnte. Das hat dazu geführt, dass wir in der Schule monatelang nicht wussten, wo es langgeht, und dass wir letztendlich einem autoritären System unterworfen waren.

[00:14:17]

Was wir nicht verstanden haben. Und das wird Folgen haben. Was man auf jeden Fall jetzt schon sagen kann, ist, dass wir eine Zunahme haben an Auffälligkeiten im psychischen Bereich. Man muss sich das ja auch mal vorstellen. Es gibt ja viele Kinder, die jetzt vorher vor Coruña schon Konzentrationsschwäche waren, die Schule schwach waren, die keine Lust hatten mehr auf Schule. Und diese Randgruppen? Wenn dann noch hinzukommt, dass sie vielleicht aus bildungsfernen Familien nicht so unterstützt werden können.

[00:14:48]

Da gibt es ja auch die ersten Untersuchungen, die das klar belegen. Da muss man Sorge haben, dass die, die am Rand stehen. Von den jungen Leuten weiter abgehängt werden und dass wir es nicht mehr schaffen, das aufzuholen. Das heißt, Ihre Stimmung ist im Moment ziemlich behangen?

[00:15:08]

Nein, ich bin immer ein Optimist, weil sonst haben wir als Menschen keine Chance zu überleben.

[00:15:12]

Wenn wir ein angestrengter Optimist, vielleicht ja, Moment, angestrengt nachdenklicher Optimist.

[00:15:17]

Und wir müssen etwas dafür tun. Und wir müssen vor allen Dingen was dafür tun, dass wir nicht die Botschaften der Vergangenheit versuchen, wieder in die Zukunft zu retten, sondern wir müssen neue Botschaften haben und bereit sein für Veränderung. Danach kann nichts mehr kommen.

[00:15:31]

Herr Professor, die Stimme der Vernunft. Ich stimme zu und bedanke mich für dieses aufklärerische Gespräch.

[00:15:38]

Ja, ich freue mich, dass Sie den Mut gehabt haben, so kritische Fragen, so spannende Fragen zu stellen. Und bin gespannt, wie es bei den Menschen, die uns zuhören werden, ankommt. Friedrich Merz und die CDU das ist eine schwierige Beziehungskiste, man schätzt die, man applaudiert seinen Reden. Aber wann immer die CDU ihm hätte Verantwortung übertragen können, zögert und zaudert die Partei. Jetzt stellt er sich ein letztes Mal mit seinen bald 65 Jahren zur Wahl.

[00:16:14]

Nach langer Pause der Politik beginnen ja jetzt wieder die öffentlichen Veranstaltungen.

[00:16:19]

Gestern Abend war im Düsseldorfer Fortuna Stadion mächtig was los. Die Rheinische Post hatte geladen. Friedrich Merz war der Gast. Aber wie war er? Das wollte ich vom politischen Kopf dieser bedeutenden Regionalzeitung wissen, von Eva Padberg, mit der ich direkt nach dem Abgang von Merz gesprochen habe. Einen schönen guten Abend nach Düsseldorf. Hallo?

[00:16:44]

Guten Abend, Herr Steingart! Nach Berlin. Der klassische und traditionelle Ständehaus Treffe in Düsseldorf fand ja heute im Stadion statt. Sie sind ja noch im Stadion. Friedrich Merz hat die Bühne verlassen. Mittlerweile die schlichte Frage Wie war er?

[00:17:00]

Er machte einen sehr offensiven Eindruck.

[00:17:03]

Er kam gebräunt an und war gut aufgelegt, auch zum Widerspruch aufgelegt, und man merkte so nochmal Was hat er denn Spitzen ausgeteilt gegen die Mitbewerber oder vielleicht sogar gegen den Mann in Bayern, da noch zurückhaltend.

[00:17:19]

Er hat Armin Laschet zwischendrin sogar gelobt bzw. hat gesagt, dass die Kritik an Armin Laschet in Nordrhein-Westfalen überzogen sei. Dann hat er sich aber am Ende doch nicht nehmen lassen. Auszuteilen hat ziemlich gewettert gegen die Schulpolitik in Deutschland insgesamt, da besonders in Nordrhein-Westfalen, wo es mit der Digitalisierung der Schulen überhaupt nicht vorangeht.

[00:17:39]

Zuletzt hatte Friedrich Merz ein paar Umarmungen in Richtung der Grünen gemacht und sich auch als Macher einer schwarz grünen Koalition angeboten. Wie war das heute Abend? Was ist das Profil, mit dem er vor die fast 500 Gäste im Stadion trat?

[00:17:55]

Heute war er wieder in der Laune, gegen die große Koalition zu wettern. Er hat beispielsweise gesagt, das, was die große Koalition jetzt vorhat, nämlich die Fristverlängerung beim Insolvenzrecht, da hat er dringend abgeraten. Und er hat auch gesagt die Verlängerung des Kurzarbeitergeld von zwölf auf 24 Monate, das das sehr skeptisch sieht. Er sagt, das sei im Grunde genommen nichts anderes als eine Form von Arbeitslosigkeit. Und beim Insolvenzrecht? Da hat er sehr gemahnt und gesagt, das würde einfach noch mehr Firmen in die Pleite reißen.

[00:18:27]

Und das Publikum? Wird das Publikum nach langer Pause wieder einen Spitzenpolitiker begrüßen zu dürfen. Wie wird das Publikum aufgenommen?

[00:18:37]

Er hat recht viel Applaus bekommen, und wenn er dann so seine spitzen Antworten gegeben hat, auch viele spontane Lacher. Das Publikum war hinterher sehr zufrieden. Die Leute haben gesagt Ja, gute Antworten, guter Mann. Da er auf jeden Fall für dieses Publikum richtig performt, dann bedanke ich mich für die schnelle Einschätzung aus dem Stadion und wünsche noch einen fröhlichen Abend.

[00:19:01]

Ich danke Ihnen auch noch einen schönen Abend.

[00:19:05]

Und was ist eigentlich heute in der Hauptstadt los? Na ja, der Regierende Bürgermeister dieser schönen Stadt, Michael Müller, kämpft nicht ums überLeben. Aber er kämpft um seine Zukunft, denn er will das Amt des Regierenden verlassen und in den Bundestag. Das aber scheint nicht so einfach zu sein.

[00:19:22]

Bei mir ist Minsky der stellvertretende Chefredakteur von Pionier Gordon. Was ist da los mit Michael Müller?

[00:19:28]

Aber tatsächlich ist es nicht ganz so einfach, wie sich Michael Müller das vorgestellt hat. Zuerst hat er sich nicht getraut, in seinem Heimatbezirk in Tempelhof anzutreten, weil ihm da das Duell mit dem Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert drohte. Es ist nach Charlottenburg gegangen, und da hat er jetzt gleich das nächste Duell vor der Nase. Er muss antreten gegen die, ist 42 Jahre alt, Tochter palästinensischer Einwanderer, und die war zuletzt pikanterweise seine eigene Staatssekretärin für bürgerschaftliches Engagement.

[00:19:57]

Das sind die direkten Wahlkreise geworden. Aber wie jedes Kind weiß auf der Landesliste hat doch so ein Regierender Bürgermeister, sicherlich den ersten Platz. Sicher oder nicht?

[00:20:06]

Selbst das ist noch nicht klar. Da muss er sich streiten. Mal wieder mit Kevin Kühnert. Denn der ist mittlerweile ja stellvertretender Parteivorsitzender und hat natürlich auch den Anspruch, den ersten Platz zu belegen.

[00:20:17]

Und das bedeutet Für Michael Müller war es eine Demütigung. Oder vielleicht sogar auch, dass Karriere aus.

[00:20:22]

Wenn er das erste Duell verliert, das nämlich um den Wahlkreis Schibli, dann wäre es wahrscheinlich, dass Karriere für den Regierenden Bürgermeister. Wenn er sich in dem Duell um den ersten Listenplatz nicht durchsetzt, dann würde Michael Müller wahrscheinlich auf Listenplatz drei mit einem blauen Auge in den Bundestag einziehen wollen.

[00:20:39]

Berlin ist ja nicht die einzige Stadt und nicht der einzige Landkreis, in dem jetzt diese Listenaufstellung verfahren beginnen. Die Bundestagswahl wirft hier ihre Schatten voraus. Und ihr schaut euch. Nur Berlinern? Nein, nein, wir gehen jetzt in das Wahljahr und schauen uns ein Bundesland nach dem anderen an. In Berlin haben wir nur begonnen, weil es die Hauptstadt ist. Es geht weiter in den Folgetagen mit dem Norden Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen. Und dann arbeiten wir uns durch die Republik bis ganz in den Süden.

[00:21:05]

Und überall gibt's diese Duelle? Ja, überall ist Spannung angesagt. Und wer sich für die Details interessiert, der kann das gerne verfolgen. Vielen Dank, Gordon!

[00:21:15]

Und was war heute Nacht an der Wall Street in New York bleibt das mögliche Verbot der chinesischen Videoplattform weiter ein Top Thema. Zum einen will der Betreiber, wollen die Chinesen gegen Donald Trump noch in dieser Woche Klage einreichen. Zum anderen kommt jetzt ans Licht. Auch Facebook-Chef Mark Zuckerberg spielt in diesem Streit eine Rolle, möglicherweise eine größere Wahl. Er könnte der Gewinner eines Verbots in den USA sein. Mehr weiß auf jeden Fall unsere Börsen. Reporterin an der Wall Street Einen wunderschönen guten Morgen sowie Guten Morgen aus New York.

[00:21:54]

Mark Zuckerberg höchstpersönlich soll ja beim Präsidenten lobbyiert haben. Nicht ganz uneigennützig, teils Sofi sind von diesem Gespräch zwischen Zuckerberg und Trump bekannt.

[00:22:08]

Zuckerberg scheint nicht ganz unschuldig daran zu sein, dass die US-Regierung sehr misstrauisch gegenüber Tiki-Taka ist. Der Republikaner, Demokraten und Trump selbst gerne, beruft sich auf vertrauliche Quellen und sagt, Zuckerberg habe letzten Herbst seinen Tick tack gemacht bei einem Abendessen mit Trump. Zuckerberg warnte offenbar, dass chinesische Technologiefirmen ein Risiko für die amerikanischen Werte wie Meinungsfreiheit zum Beispiel darstellen und auch die technologische Dominanz des Landes bedrohen. Im September traf sich Zuckerberg mit Demokraten. Und kurz daraufhin forderten die dann im Oktober eine Untersuchung von tektonisch.

[00:22:53]

Kurz darauf wurde eine nationale Sicherheitsüberprüfung gestartet, und Trump unterzeichnete eine Verordnung zum Verbot der App in diesem Monat. Unter Berufung auf nationale Sicherheitsbedenken. Also bitte. Alles Zufall? Das glaub ich nicht. Wenn das geht, dann hat Facebook natürlich einen Konkurrenten aus dem Weg geräumt. Oder aber sie haben den Kaufpreis gedrückt bzw. die Not vergrößert zu verkaufen. Microsoft ist ja ganz hoch im Kurs als Käufer. Aber wer weiß, wer da alles noch mitmischen will?

[00:23:29]

Und was geht eigentlich gar nicht? Das die Karriere das Familienleben zerstört, wie jetzt wohl gerade bei der Familie Conway aus Washington geschehen. Conway, die ehemalige BarCamp Managerin und bis heute engste Beraterin des Präsidenten im Weißen Haus, hat gestern total überraschend ihren Rückzug aus dem Weißen Haus angekündigt.

[00:23:54]

Sie gilt als Erfinderin des Wortes alternative Fakten, dass es hierzulande 2017 immerhin zum Unwort des Jahres gebracht hat.

[00:24:05]

Und auch ihr Ehemann George, ein Anwalt und bekennender Weise, kein Trump. Das gibts auch innerhalb einer Familie. Der Konflikt, dieser Mann, dieser George, tritt jetzt beruflich ebenfalls kürzer. Der Grund ist bei ihm wie bei ihr die 15 jährige Tochter Claudia Conway. Die twitterte kürzlich das Folgende Der Job meiner Mutter hat mein Leben ruiniert.

[00:24:29]

Es ist herzzerreißend, dass Sie diesen Weg nach Jahren des Leidens Ihrer Kinder weiter beschreitet. Absolut egoistisch. Es geht nur um Geld und Ruhm. Außerdem bat sie, ebenfalls über Twitter, die demokratische Kongressabgeordnete Alexandra Casio Cortés, sie zu adoptieren. Was für eine Provokation gegenüber der Mutter und gegenüber dem Präsidenten. Das schreit nach der Notbremse, die die Converse jetzt als Familie gezogen haben. Respekt dafür? Hoffentlich nicht zu spät.

[00:25:07]

Was hatte ich heute Morgen wirklich überrascht?

[00:25:09]

Dass Claudia Schiffer früher tatsächlich mal schüchtern gewesen sein soll, sich in der Schule absichtlich in der letzten Reihe platziert habe, weil sie jedes Mal, wenn sie aufgerufen wurde, rot anlief. Und auch ihre Entdeckung als Model, als Superstar wäre fast an dieser Schüchternheit gescheitert.

[00:25:33]

Alles begann in Düsseldorf. Einer Diskothek tanzen sprach mich ein Mann mit französischem Akzent an und redete von Fotoaufnahmen in Paris. Das alles war mir sehr unangenehm. Schneller die Situation herauszukommen, gab ich ihnen die Telefonnummer meiner Eltern. Damit war dieses Erlebnis für mich beendet, aber nicht.

[00:25:49]

Gudrun meldete sich bei den Models gut und nicht sehr viel später zog Tochter Claudia mit gerade mal 18 Jahren nach Paris und startete dort ihre Weltkarriere. Und vielleicht war sie auch so etwas wie das erste Supermodel. Schnell hatte sie jedenfalls die ersten Vergleiche mit Brigitte Bardot abgestreift und schuf ihre ganz eigene Marke La Schiffer, die Muse von Karl Lagerfeld.

[00:26:18]

Oder stimmt das etwa nicht, der Lagerfeld das Wort Muse wie Gemüse ausdrückt, indem sie im Vergleich zu anderen zusammengearbeitet? Und auch Freunde?

[00:26:33]

Auf über tausend Titelseiten hat Claudia Schiffer es geschafft. Sie war nie so wild wie Kate Moss, nie so schwierig wie Naomi Campbell. Und nicht so offen und locker wie Cindy Crawford. Eben typisch deutsch, könnte man sagen, kühl, aber extrem edc. Heute lebt sie mit ihrem Mann Mathieu, einem Filmproduzenten, in einem Townhouses im Londoner Stadtteil Notting Hill. Dort gibt es zu wenig Platz für ihre Garderobe, sagt sie. Da bewahrt sie den Großteil ihrer Kleider in einem Hubschrauber Hangar auf, angeblich der größte begehbare Kleiderschrank der Welt.

[00:27:13]

Vielleicht trinkt sie heute, an ihrem 50. Geburtstag, ihren lieblings Trick, eine ihrer selbst gemixten maracuja Martinis. Und vielleicht schaut sie dann auch das Video der Band, indem sie nämlich selber mitspielt, sich und das Milieu der Vorstadt ironisiert abtauen. Ich wünsche Ihnen einen gut gelaunten, einen beschwingten Start in diesen neuen Tag. Bleiben Sie mir gewogen auf das herzlichste.