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[00:00:17]

Sternen Geschichten Folge 402. Das Orion Projekt, das Orion Projekt das klingt nach dem Titel von einem schlechten Smilla oder nach Science-Fiction, und ein bisschen Science-Fiction ist heute auch dabei. Das eigentliche Thema ist aber Raumfahrt beziehungsweise nicht Raumfahrt allgemein, sondern ein ganz spezieller Antrieb für Raketen und Raumschiffe. Ein Antrieb, mit dem es theoretisch auch möglich wäre, in halbwegs vernünftiger Zeit zu anderen Sternen zu fliegen. Und ein Antrieb, dessen Bau theoretisch innerhalb unserer technischen Möglichkeiten liegen würde. Die Grundidee Die klingt einerseits einfach, andererseits komplett absurd.

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Das Raumschiff wird mit Atombomben durchs Weltall gesprengt.

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Wenn man sich die Sache aber ein bisschen genauer anschaut, dann klingt die nicht mehr ganz so absurd. Im Prinzip geht's ja bei jedem Raketenantrieb um das Rückstoß Prinzip. Vereinfacht gesagt Man nimmt, was in die eine Richtung weggeschleudert wird. Dann wird man sich in die andere Richtung bewegen kann. Bei einer klassischen Rakete sind das die heißen Gase, die bei der Verbrennung des Treibstoffs enorm schnell ausgestoßen werden, wodurch sich die Rakete dann ebenso enorm schnell in die andere Richtung bewegt.

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Aber das Prinzip kann man auch anders umsetzen, zum Beispiel durch Explosionen. Der deutsche Erfinder Hermann Ganswindt hat schon 1880 eine Idee gehabt Er wollte Dynamit Explosionen nutzen, um ein Raumschiff im All anzutreiben. Und auch der Russe Nikolai Iwanowitsch geballt schick. Der hat zur gleichen Zeit unabhängig von ganz Wien, die Idee gehabt, eine Rakete durch Bombenexplosionen fortzubewegen. Der hat sich in seinem Leben immer schon durchaus intensiv mit Bomben beschäftigt. Unter anderem hat er eine gebaut, die am 1.

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März 881 den russischen Zar Alexander den zweiten getötet hat, weswegen er verhaftet wurde und zum Tod verurteilt worden ist. Bis zur Hinrichtung hat es knapp zwei Wochen gedauert. Und die Zeit im Gefängnis, die hart geballt schick genutzt, um einen kurzen Artikel über Raketen, Antriebe mit Bombenexplosionen zu schreiben. Ob das jetzt echtes Interesse an der Raumfahrt war oder nur der Wunsch, seinen tödlichen Bomben auch noch einen friedlichen Zweck zu geben, das ist unbekannt. Ein bisschen schlechtes Gewissen war dann vielleicht auch in den 1990er Jahren dabei, als man in den USA das Projekt Orion gestartet hat.

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Im Bomb bauen war man da mittlerweile und leider wirklich sehr gut geworden. In den 1980er Jahren hat Amerika intensiv am Bau der Atombombe geforscht. Am 16. Juli 1942 ist die erste davon erfolgreich gezündet worden, und im August hat man die neue Waffe in Hiroshima und Nagasaki erstmals gegen Menschen eingesetzt. Dann fing das große Wettrüsten zwischen den USA und der Sowjetunion an, und Atombomben waren überall. Manche Wissenschaftler haben aber nicht nur über den Einsatz der Atombombe als Waffe nachgedacht, sondern wollten diese neue und schreckliche Technik auch für andere und friedlichere Zwecke einsetzen.

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Stanislaw Ghulam zum Beispiel, der als Mathematiker einer der führenden Forscher beim Bau der amerikanischen Atombomben war. 1946 hat er die Möglichkeit eines nuklearen Puls Antriebs untersucht, was nichts anderes heißt, als die Explosion von Atombomben als Schubkraft für ein Raumschiff verwenden. Natürlich muss man sich vorher sehr gut überlegen, was und wie man es anstellt. Das allgemeine Prinzip, das sieht so aus. Zuerst kann man natürlich nicht irgendwelche Atombomben nehmen, die müssen schon speziell für diesen Zweck gebaut werden und sind im Allgemeinen kleiner als die Dinge, die man konstruiert, um Städte zu zerstören.

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Man will auch möglichst wenig von Oud haben, also radioaktives Zeug, das bei der Explosion frei wird. Und außerdem sollten diese speziellen Bomben auch Treibmittel ausstoßen, also Material, das mit der Explosion aus der Bombe geschleudert wird. Einerseits kann dieses Treibmittel dann ein Teil der radioaktiven Strahlung abschirmen, andererseits beim Antrieb helfen. Und um das geht es ja. Man nimmt also eine Bombe und stößt die hinten aus dem Raumschiff, aus ein paar Meter, ein paar Dutzend Meter weit weg.

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Dort explodiert die Bombe dann, und das ganze Zeug, das bei der Explosion freigesetzt wird, trifft auf eine spezielle Schallplatte. Das ist ein sehr wichtiges Ding, und dieses sehr wichtige Ding ist am Heck des Raumschiffs montiert. Also hinten diese Platte. Die wird von der Wucht der Explosion getroffen. Der dabei entstehende Schub, der bewegt das Raumschiff nach vorne. Die Platte muss also auch in der Lage sein, diese Wucht auszuhalten. Was man dann auch noch dringend braucht, sind Stoßdämpfer.

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Denn bei so einer Atombombe kann man nicht langsam Gas geben oder die Geschwindigkeit behutsam erhöhen, die explodiert und fertig. Die starke Beschleunigung, die dann über die. Auf das Raumschiff übertragen wird. Die muss man abfangen und dämpfen, damit die Nutzlast und oder die Besatzung beschädigt. Und das war's auch schon wieder, zumindest wenn es um das grundlegende Prinzip geht Die Bombe explodiert, das Treibmittel wird ausgestoßen, trifft auf die pralle Platte und schiebt das Raumschiff an mit einer einzigen Bombe wird man allerdings nicht sehr weit kommen.

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Man muss in regelmäßigen Abständen immer wieder Bomben zur Explosion bringen, ungefähr eine pro Sekunde, wenn man das Raumschiff auf eine vernünftige Geschwindigkeit bringen will. Man braucht also Tausende Bomben, um so ein Raumschiff wirklich im Weltall anzutreiben. Denn da ist wirklich einiges an Masse zu bewegen. Erstmal die ganzen Atombomben, die ja auch nicht unbedingt leicht sind, und dann das ganze massive Schiff selbst. Denn was auch immer man mit einem nuklearen Pulks Antrieb antreiben will das Ding muss massiv gebaut sein, einmal, um die ganze Belastung auszuhalten, und dann natürlich auch, um eine eventuelle Besatzung vor der radioaktiven Strahlung zu schützen.

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Je größer man das Schiff baut, desto größer und massiver muss auch die Braml plattes sein. Was aber andererseits auch heißt, dass das Schiff dann noch effektiver beschleunigt werden kann. In dem Fall ist also ein massives Schiff nicht unbedingt ein Nachteil. Wie gesagt, das Prinzip ist nicht so wahnsinnig kompliziert. Es spricht wissenschaftlich gesehen nix dagegen, dass das alles so funktionieren kann. Und genau deswegen hat man in den 1950er Jahren auch angefangen, dieses Prinzip ernsthaft zu erforschen. Zuerst bei der Firma General Atomic.

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Die ist im Wesentlichen gegründet worden, um neue Methoden für die Nutzung von Atombomben und Atomenergie zu finden. Viele der Forscher, die beim Bau der Kernwaffen mitgearbeitet hatten, die waren noch an dieser Forschung beteiligt und eines der Projekte war ein nuklearer Puls Antrieb. Man hat da große Pläne gehabt. Man wollte bis 1962 zum Mars fliegen und bis 1970 noch weiter hinaus ins Sonnensystem, bis zum Saturn. Kurze Zeit später ist tatsächlich das erste künstliche Objekt durchs All geflogen, allerdings nicht mit Atombomben angetrieben, sondern der sowjetische Satellit Sputnik.

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Und die USA hat angefangen, ein bisschen hektisch zu werden, um nicht den Anschluss in der Raumfahrt zu verlieren. Das Verteidigungsministerium hat jede Menge Raumfahrt Forschung gefördert, unter anderem auch den nuklearen Puls Antrieb von General Atomkurs, der mittlerweile den Namen Project Orion bekommen hat. 1958 hat das Verteidigungsministerium die Forschung am Atombomben Antrieb selbst übernommen, und man hat sogar ein echtes Modell gebaut. Im November 1950 ist das immerhin hundert Meter hoch geflogen und natürlich nicht von echten Atombomben angetrieben worden, sondern mit ganz normalen Sprengstoff.

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Und das Ding war auch noch 120 Kilogramm schwer. Aber es ist geflogen, und man hat demonstriert, dass das Prinzip wirklich funktioniert. Vor allem haben jetzt auch all die, wie das ganze Projekt für kompletten Quatsch gehalten haben, direkt sehen können, dass es prinzipiell machbar wäre. 1959 ist dann die Forschung am Projekt Kurieren an die militärische Airforce gekommen. Die wollten dann aber auch unbedingt an einem militärischen Einsatzzweck dafür finden, was aber nicht so ganz geklappt hat, weswegen sie das dann nicht mehr finanziert haben.

[00:08:34]

Die Wissenschaftler, die mitgemacht haben, die haben bei der Nasa gefragt, ob die vielleicht Interesse an dem Ding haben. Hat die Nasa aber nicht so wirklich gehabt. Die haben es nur widerwillig gefördert. Die Nasa wollte lieber bei den normalen konventionellen Raketenantrieb bleiben. Am Ende war es dann eine Mischung aus Vernunft und Bürokratie, die 1065 zum Ende vom Projekt Orion geführt hat. 1961 ist der internationale Vertrag zum Verbot von Nuklearwaffen Tests in der Atmosphäre, im Weltraum und unter Wasser in Kraft getreten.

[00:09:05]

Das war äußerst vernünftig. Ja, denn die ganzen Atombombentests haben jede Menge unangenehme Auswirkungen auf die Umwelt gehabt. Man hat, es ist noch nicht mal wirklich vernünftig an Atombomben für Raumschiff Antriebe arbeiten können. Und dann gab es auch noch bürokratische Streitigkeiten die Airforce vom Verteidigungsministerium, die wollte nur mitarbeiten an dem Ding, mit die Nasa richtig viel Geld in das Projekt steckt. Die Nasa wollte aber lieber richtig viel Geld in die Apollo-Programm für den bemannten Flug zum Mond stecken und hat die Finanzierung für das Projekt 1964 komplett gestrichen.

[00:09:37]

1962 ist das ganze Projekt dann auch offiziell beendet worden. Wer weiß, wie die Welt heute aussehen würde, wenn man damals ernsthaft am Projekt weitergearbeitet hätte? Wie gesagt, rein technisch wäre der Bau eines Raumschiffs durchaus möglich. Die Saturn 500 Raketen zum Beispiel, mit der man in den 60er Jahren Menschen ja wirklich ins All und bis zum Mond gebracht hat. Die waren ja auch nicht viel weniger kompliziert. Die Saturn 500, die hatten die gesamte Masse von 3000 Tonnen, ein Orion Raumschiff je nach Bauart, irgendwas zwischen 1000 und 4000 Tonnen, die Saturn 500.

[00:10:14]

Die war 111 Meter hoch, ein Orion. Wer mit 50 bis 60 Meter nur halb so groß gewesen. Und im Gegensatz zu den knapp 50 Tonnen Nutzlast, die die Saturn auf dem Mond bringen konnte, hätte man mit ihren weit über tausend Tonnen auf dem Mond transportieren können. Man hätte dann im Mondstation bauen können, und ich habe nur ein paar Leute zum Herumspazieren hinschicken. Man hätte mit Orion auch zum Mars fliegen können oder sogar zu einem anderen Stern, je nachdem, wie man dann zum interstellaren Ori und Schiff gebaut hätte.

[00:10:45]

Hätte man damit das nix gelegener Sternensystem Alpha Centauri in hundert bis tausend Jahren Flugzeit erreichen können? Das ist immer noch lang länger, als ein Mensch lebt. Aber wenn wir jetzt nicht Zehntausende oder Hunderttausende Jahre unterwegs sein will. Und wenn man sich auf technisch machbare Lösungen beschränkt und nicht ewig Science-Fiction, Konzepte von Warp Antrieb oder Wurmlöcher in Betracht zieht, dann ist der nukleare Pulsen Trip die beste und die einzige Lösung, die wir für so interstellare Raumfahrt Projekte haben. Natürlich wäre es so ein Industrielandes Raumschiff immer noch enorm teuer und kompliziert, viel teurer als mit einem Ori und Schiff zum Mond zu fliegen.

[00:11:25]

Der Bau eines interstellaren Raumschiffes hätte damals ein paar hundert Milliarden bis Billionen Dollar gekostet. Und trotz der prinzipiellen technischen Machbarkeit wären immer noch genug Probleme übrig geblieben, wenn man von der Erde aus startet. Dann wäre es zwangsläufig zu einer radioaktiven Verseuchung der Atmosphäre gekommen. Nicht so, dass wir alle sterben hätten müssen. Aber auch nicht so, dass es komplett unbedenklich gewesen wäre. Und was, wenn irgendwo bei der ganzen Sache ein Unfall passiert? Das ist schon tragisch genug, wenn es bei einer normalen Rakete passiert, was da wirklich mehrmals in der Geschichte der Raumfahrt passiert ist.

[00:12:01]

Wenn es jetzt aber einem Raumschiff passiert, das Tausende Atombomben an Bord hat, dann wird es wirklich unangenehm. Und dann kommt man eben bei der ganzen Sache nicht umhin, unzählige Atombomben zu bauen. Die wären zwar für einen friedlichen Zweck vorgesehen, aber Menschen sind eben Menschen, und Menschen sind manchmal sehr dumm. Wer weiß, was uns eingefallen wäre, wenn wir all diese Bomben wirklich gebaut hätten. Das Projekt Orion ist ein faszinierendes Stück Raumfahrt, Geschichte und die Technik, die es heute immer noch so korrekt, wie sie es damals war.

[00:12:33]

Wenn wir wollten, könnten wir immer noch per Atombomben durchs All und zu den Sternen fliegen. Aber vielleicht ist es auch ganz gut, dass wir die Sache in den 60er Jahren sein haben lassen.