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Sternengeschichten Folge 425 Der Pferdekopf Nebel der Pferdekopf Nebel ist ein Nebel, der aussieht wie ein Pferdekopf. Das taugt als Erklärung aber nicht viel und reicht schon gar nicht für eine komplette Folge der Sternengeschichten. Aber glücklicherweise gibt es über dieses faszinierende Objekt noch viel mehr zu erzählen, als z.B. das Hubble Weltraumteleskop im Jahr 2001 seinen elften Geburtstag gefeiert hat. Hat man im Internet eine Umfrage gemacht. Man wollte wissen, welches Himmels Objekt man zur Feier des Tages beobachten soll. Die Wahl fiel natürlich auf den Pferdekopf Nebel und 2013, zum 23.

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Geburtstag des Teleskops, war dieser Nebel noch einmal der Ersatz für den Geburtstagskuchen. Und dazwischen hat das KOB ebenfalls jede Menge Bilder davon gemacht. Genauso wie davor und danach. Und nicht nur das berühmte Weltraumteleskop schaut sich gern den Pferdekopf Nebel an. Der wurde im Lauf der Zeit von allen möglichen Menschen beobachtet. Aus wissenschaftlichen Gründen genauso wie einfach nur aus Spaß an der Freude. Wobei das Teil gar nicht so einfach zu beobachten ist. Auf jeden Fall nicht ohne optische Hilfsmittel.

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Und auch dann ist es schwer zu sehen. Man kann zwar schon mit einem kleinen Teleskop erfolgreich sein, aber dann muss man genau wissen, was man macht, wohin man schaut, was für ein Anblick zu erwarten ist. Man braucht einen extrem dunklen Himmel und muss die Augen vor der Beobachtung sehr gut an die Dunkelheit anpassen. Also mindestens eine Stunde oder länger. Vereinfacht gesagt ins Dunkle starren, bevor man damit anfängt, auch nur irgendetwas annähernd Helles zu beobachten. Dass es Objekte wie dem Pferdekopf Nebel überhaupt gibt, kann man auf die Arbeit des Astronomen Wilhelm Herschel zurückführen bzw.

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das Wissen über diese Objekte beherrschen. Hat diese Dinge natürlich nicht selbst gemacht. Herschel jedenfalls hat bei seiner Beobachtung des Himmels mit einem Teleskop immer wieder auch Bereiche entdeckt, die wie dunkle Löcher im Sternenhimmel ausgesehen haben. Und für genau die hat er sie auch gehalten. Mehr über die Sache hat man dann erst im 19.Jahrhundert rausgefunden. Der amerikanische Astronom Edward Charles Pickering war ab 1877 Direktor der Sternwarte des Harvard College. Auf Anraten seines Bruders William Henry, der ebenfalls ein Astronom war, hat er angefangen, sich intensiv mit der damals noch recht neuen Disziplin der astronomischen Fotografie zu beschäftigen und hat angefangen, den Himmel auch systematisch ab zu fotografieren.

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Er hat sicher den Orion Nebel ausgesucht, um diese ganzen Techniken auszuprobieren und ab 1887 hat er diverse Aufnahmen von dieser Region gemacht und hier unterbrechen wir die geschichtliche Abhandlung kurz und schauen uns den Orion Nebel ein bisschen genauer an. Oder bzw. nicht. Denn das ist zwar auch ein Nebel, aber ein anderer als der, um den es heute gehen soll. Aber wer Lust hat, dunklen Himmel und gute Augen, der kann gerne mal probieren, den Orion Nebel zu beobachten.

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Das geht theoretisch schon ohne Hilfsmittel. Dann sieht man aber nur ein verschwommenes Etwas und nicht den berechtig leuchtenden Gas Nebel den großen Teleskope sichtbar machen können. Was man aber zumindest in den Wintermonaten auf der Nordhalbkugel ohne Probleme sehen kann, sind die hellen Sterne des Sternbild Orion. Die sind fast so leicht zu erkennen wie die vom Großen Wagen z.B. der Himmels Jäger Orion aus der griechischen Mythologie, der es mit ein bisschen Phantasie sogar als Strich Figur zu sehen und um seine Mitte hatte einen Gürtel aus drei sehr hellen Sternen.

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Einer davon, der heißt All Mittag oder auch Zeta Orion ISS. Und genau diese Region des Himmels ist auf eine Aufnahme von Edward Charles Pickering abgebildet, die am 6. Februar 1888 gemacht wurde. Was auf dieser Foto Platte mit der Nummer B 2 3 1/2 zu sehen ist, das schaut wirklich nett aus. Drei sehr helle Sterne im oberen Teil des Bildes und der Linke von ihnen ist Zeta Orions. In dessen Nähe erkennt man ein paar Nebel artige Strukturen, vor allem eine längliche Wolke, die sich nach Süden, also im Bild nach unten weisend dahin hinzieht.

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Um mehr Details dort zu erkennen, muss man aber wirklich sehr genau schauen. Und genau das hat die Astronomen William Mina Fleming getan. Die wurde 857 in Schottland geboren, hat dort als Lehrerin gearbeitet und ist dann mit 21 Jahren nach Boston in die USA übersiedelt. Dort ist sie von ihrem Mann verlassen worden, als sie gerade schwanger war. Sie hat also schnell einen neuen Job gesucht und hat ihn gefunden. Als Hausangestellte von Edward Charles Pickering, und der war sehr beeindruckt von ihr und von ihrer Intelligenz, und weil er mit den Angestellten an der Harvard Sternwarte unzufrieden war, hat er einfach William Mina Fleming eingestellt, um seine männlichen Kollegen zu demütigen.

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Aber mit Sicherheit auch, weil er einer Frau deutlich weniger Gehalt zahlen müssen als einem Mann. Aber so oder so. Fleming hat ihre Chance genutzt und ihren Job hervorragend erledigt. Der hat unter anderem darin bestanden, die ganzen Himmels Fotografien zu klassifizieren, zu sortieren, auszuwerten und zu analysieren. Und dabei hat sie die Grundlage für die heute noch verwendete Methode gelegt, wie man Sterne anhand ihrer Temperatur und Helligkeit einteilt. Wie ich schon in Folge 132 erzählt habe. Dabei sind ihr auch die Aufnahmen der Orion Region unter die Finger bzw.

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unter die Augen gekommen. Und auch hier hat sie ganz genau beschrieben und sortiert, was da zu sehen war. Im Jahr 1890 ist dann ein wissenschaftlicher Aufsatz mit dem Titel Detection of Newton Nebula bei Photographie erschienen und in einer Tabelle ist dort ganz genau vermerkt, welche neuen Nebel artigen Regionen mit Hilfe von Fotografie gefunden wurden. Unter Punkt 21 kann man dort lesen, dass ein großer Nebel sich von CETA Orions nach Süden erstreckt. Das ist genau der Teil, von dem wir vorhin schon gesprochen haben.

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Es wird hier aber auch ein ganz bestimmtes Detail vermerkt, nämlich eine halb kreisförmige Einbuchtung. Und genau die ist es, die uns jetzt interessiert. Die Arbeit aus dem Jahr 1890 ist veröffentlicht worden, ohne explizit anzugeben, wer sie verfasst hat. Aber man kann erstens davon ausgehen und man tut das auch, dass sie von Edward Charles Pickering geschrieben worden ist. Und im Text selbst ist auch nochmal ganz extra angemerkt, dass die Untersuchung der Photo Platten von William Mina Fleming durchgeführt worden ist und eine spätere Arbeit aus dem Jahr 1908.

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Die lässt dann wirklich keine Zweifel mehr offen in dem Text. Nebula des Caberta, der Harvard College Observatory, wo, wie der Titel erklärt, alle Nebel aufgelistet sind, die in Harvard entdeckt wurden, findet man als Nr. 62 genau das ganze Objekt, von dem wir schon die ganze Zeit reden. Und als Entdeckerin ist dort explizit William Mina Fleming gelistet. Sie ist also die Entdeckerin des Pferdekopf Nebels. Es war also Fleming und nicht etwa Hershel oder Pickering, wie man lange Zeit in diversen Artikeln und an diversen Stellen lesen hat können.

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Der Amateur Astronom Steven Baldi, der hat die ganze Sache in einer sehr langen und sehr ausführlichen Recherche in den 1980er und 1990er Jahren mehr als klargestellt. Jetzt wissen wir also, wer das Ding entdeckt hat, aber immer noch nicht so genau, um was es sich eigentlich handelt. Wolken artige Gebilde, die kann man in großer Zahl am Himmel sehen, am besten die, die selbst leuchten. Das sind die sogenannten Emissions Nebel. Dabei handelt es sich um große Wolken aus Gas, fast ausschließlich Wasserstoff, aber auch ein paar andere Elemente wie Helium, Sauerstoff oder Stickstoff sind dabei.

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Diese Wolken aus Gas befinden sich zwischen den Sternen, die aber von den Sternen in der Umgebung angeleuchtet werden. Und wenn es sich dabei um junge heiße Sterne handelt, dann kann die starke Strahlung die Atome der Wolke zum Leuchten anregen. Und genau das ist im Orion der Fall. Denn solche Wolken sind ja auch genau die Regionen, in denen neue Sterne entstehen. Wir haben also Wolken, durchsetzt von heiß leuchtenden Sternen, wodurch auch die Wolken selbst leuchten. Aber nicht alle.

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Manche tun das nicht und die heißen wenig überraschend dunkle Wolken. Die sind im Allgemeinen ein bisschen dichter als die anderen Wolken und bestehen auch nicht nur aus Gas, sondern enthalten auch Staub. Und die absorbieren das Sternenlicht. Die bleiben also so lange dunkel, bis auch in ihrem dichten Kern ein neuer Stern entsteht. Das helle, Nebel artige Gebilde, das Wilhelmina Flemings südlich des Sterns Zeta Orion ist, beschrieben hat. Das ist ein Emissions Nebel, der heute die Bezeichnung Kefir 3:4 trägt.

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Der leuchtet hell und von uns aus gesehen. Genau davor befindet sich eine dunkle Wolke. Das ist diese halb kreisförmige Einbuchtung im Nebel, die Fläming entdeckt und beschrieben hat, die aber keine Einbuchtung im Nebel ist, sondern eben ein Bereich des Nebels, dessen Licht wir nicht sehen können, weil es von der davor liegenden Dunkel Wolke absorbiert wird. Pickering und Fläming, die haben damals noch nicht gewusst, dass es sich um eine dunkle Wolke handelt, dass es sowas gibt und dass diese dunklen Gebiete keine Löcher im Himmel sind, wie Herschel es gedacht hat.

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Das geht auf die Arbeit des amerikanischen Astronomen Edward Barnard und die des deutschen Astronomen Max Wolf zurück. Beide. Großartige Aufnahmen verschiedener Nebel gemacht, unter anderem auch von der Region, die auch Flaming schon untersucht gehabt hat, und darauf war die dunkle Region viel besser zu sehen. Mit diesen Daten konnten Bahners und Wolf dann erkennen, dass da nicht einfach nur aus irgendeinem Grund keine leuchtenden Sterne waren, sondern dass die dunklen Flecken durch Staub und Gasmasken verursacht worden sind, die das Licht blockieren.

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Barnard hat einen Katalog erstellt, wo alle von ihm entdeckten oder ihm bekannten dunklen Wolken drin waren. Und Nr. 33 darin ist der Pferdekopf Nebel, der deswegen ab und zu auch als Barnard 33 bezeichnet wird. Damals hat man aber immer noch nicht Pferdekopf Nebel dazugesagt. Wenn man sich moderne Abbildungen anschaut, z.B. die Geburtstags Bilder von Hubble. Dann zieht diese dunkle Wolke dem Kopf eines Pferdes wirklich überraschend ähnlich, aber auf den alten Aufnahmen des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

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Da ist wirklich nicht mehr zu erkennen als eine Einbuchtung. Wer dem Ding den Namen Pferdekopf gegeben hat, ist unklar. Auf jeden Fall konnte das erst dann passiert sein, als die Bilder wirklich gut genug waren, um diese Form auch zu sehen. Steven Waldi, den ich vorhin schon erwähnt habe, der ist auch dieser Frage ausgiebig nachgegangen und hat die erste veröffentlichte Erwähnung des Namens Pferdekopf Nebel in einem Astronomie Lehrbuch aus dem Jahr 1926 gefunden. Verfasst vom amerikanischen Astronom John Charles.

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Danke. Und tatsächlich hat Danken auch einige Aufnahmen des Nebels gemacht und sie gehören zu den frühesten Bildern, auf denen dieser Pferdekopf die Form deutlich erkennbar ist. Das in seinem Lehrbuch abgebildete Foto stammt aus dem Jahr 1920. Es gibt aber auch noch einen Briefwechsel zwischen den beiden Astronomen Frederick Sears und George Eloi aus dem Jahr 1921, in der auch die Bezeichnung Pferdekopf vorkommt, ohne weitere Erläuterung. Das muss also damals wirklich schon in Gebrauch gewesen sein. Ob es jetzt wirklich danken und sein Bild aus dem Jahr 1990 waren, die diesen Namen angestoßen haben?

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Oder doch irgendein anderer? Das lässt sich heute nicht mehr eindeutig klären. Ist aber auch egal, denn dieses Wissen braucht man nicht unbedingt, um dem Pferdekopf Nebel beeindruckend zu finden oder ihn zu erforschen. Was man natürlich ausführlich getan hat. Dieser Nebel ist 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt und ungefähr dreieinhalb Lichtjahre groß. Seine ganze Masse beträgt das 27 fache der Masse unserer Sonne und er besteht hauptsächlich aus Wasserstoff. Man findet dort aber auch jede Menge komplexe Moleküle aus Wasserstoff, Kohlenstoff, Sauerstoff und Schwefel.

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Der ganze Staub mitsamt dem Gas ist in Bewegung. Der Pferdekopf wird im Laufe der Zeit, als es seine Form verlieren und sich auflösen. Das wird aber erst in zirka 5 Millionen Jahren passieren. Es bleibt also noch genug Zeit, sich dem Pferdekopf im Weltraum anzusehen.