Happy Scribe Logo

Transcript

Proofread by 0 readers
[00:00:16]

Sternengeschichten Folge 427 Der Einschlag des Asteroiden 2008 TTC 3 in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober 2008, da war der amerikanische Astronom Richard Kowalski am Mount Lemmon Observatorium in Arizona gerade damit beschäftigt, den Himmel zu beobachten vom Gipfel des zwei tausend sieben hundert neunzig Meter hohen Berges. Da hat er eine gute Sicht gehabt und die war auch nötig, um die Anforderungen des Catalina SkyWay Service zu erfüllen.

[00:00:49]

Denn im Jahr 1998 hat der amerikanische Kongress die NASA beauftragt, mindestens 90 Prozent aller Asteroiden in Erdnähe ausfindig zu machen, die größer als ein Kilometer im Durchmesser sind. Und diese Aufgabe wurde unter anderem am Mount Levon Observatorium durchgeführt und Kowalski war gerade wieder einmal dabei, nach potentiell gefährlichen Asteroiden zu suchen. Und kurz vor Mitternacht Ortszeit. Da war er erfolgreich. Er hat einen Asteroid gefunden und die erste Bahnbrechenden hat gezeigt, dass er mit der Erde kollidieren könnte. Das Außergewöhnliche an dieser Sache Als Kowalsky den Asteroiden das erste Mal gesehen hat, da war der Grad noch außerhalb der Umlaufbahn des Mondes.

[00:01:31]

Wenn der wirklich auf die Erde trifft, dann würde das in sehr naher Zukunft machen. Und wie nahe das ist, diese Zukunft. Das haben die hunderten Beobachtungen gezeigt, die überall auf der Welt dann kurz nach der ersten Sichtung gemacht worden sind. Nicht einmal 24 Stunden würde es dauern, nach europäischer Zeit, am frühen Morgen des 7. Oktobers. Da wäre es soweit. Im nördlichen Sudan würde dieser Asteroid einschlagen, in der nubischen Wüste. Und genau so ist es passiert.

[00:02:01]

Der Absturz. Der fand am 7. Oktober 2008 statt, um vier Uhr und 46 Minuten mitteleuropäischer Sommerzeit. Der Asteroid, der es exakt so aufgeschlagen wie vorher berechnet und das in der kurzen Zeit zwischen Entdeckung und Einschlag keine weltweite Massenpanik stattgefunden hat. Dass dieser Einschlag keine weltweite Katastrophe vorsagt hat. Das liegt daran, dass es hier um die Realität geht und nicht um einen Hollywood-Film. Wie ich in den Sternengeschichten ja schon oft erzählt habe, muss ein Asteroid groß genug sein, damit er erstens einen Krater auf der Erde verursachen kann und zweitens muss er noch viel größer sein, wenn eine weltweite Katastrophe auslösen soll.

[00:02:45]

Die allermeisten Asteroiden sind aber klein. Große Brocken wie die auf deren Suche des Catalina Skies Serve. Eigentlich war dies in Zelten und weil sie so groß sind, stehen die Chancen sehr gut, dass man die sehr lange vor einem etwaigen Einschlag auch findet. Kleine Objekte sind viel häufiger, aber auch viel schwerer zu sehen. Verursachen aber auch keine so großen Schäden. Meistens erreichen die nicht einmal den Erdboden. Damit Asteroiden Einschlags Krater verursachen kann, muss er zirka 50 Meter groß sein.

[00:03:16]

Je nach Material auch ein bisschen mehr oder weniger. Und damit der Einschlag weltweite Folgen hat, muss das Ding mindestens einen Kilometer groß sein. Der Asteroid, den Kowalsky entdeckt hat, der war aber gerade mal vier Meter groß. Diese Entdeckung war alles andere als ein Grund zur Panik. Die war eine enorm große Chance für die Wissenschaft. Denn bis dahin ist es noch nie gelungen, den Einschlag eines Asteroiden vorherzusagen und diesen Einschlag nun auch zu beobachten. Wir sehen immer wieder ähnlich große oder kleine, je nachdem Objekte bei ihrem Flug durch die Atmosphäre aufleuchten und verglühen.

[00:03:53]

Das kennt man auch als Sternschnuppe, aber wir wissen nicht, wo die herkommen. Unser erster Blick auf die ist auch unser letzter. Aber hier was anders. Der Asteroid, der die Bezeichnung 2008 GT3 bekommen hat, der war ausreichend lange vor dem Einschlag gefunden worden, damit man seine Bahnen bestimmen konnte. Wir haben also gewusst, wo im Sonnensystem sich der rumgetrieben hat, bevor er der Erde einen endgültigen Besuch abgestattet hat. Die Geschichte, die ist damit aber noch lange nicht vorbei.

[00:04:21]

Die fängt eigentlich erst an die Beobachtungen während der Kollision. Die haben gezeigt, dass 2008 TC 3 in einer Höhe von 37 Kilometern auseinandergebrochen ist und dann durch die Reibung mit der Atmosphäre explodiert. Das hat man mit Eliten beobachtet, mit Webcams von der Erde aus und sogar von einem Passagierflugzeug, das gerade in der Gegend rum geflogen ist. Und auch am Boden gab's Augen und Ohrenzeugen, die den Feuerball der Explosion gesehen und auch gehört haben. Das waren schon mal jede Menge sehr interessante Daten.

[00:04:55]

Im Dezember 2008 hat sich dann der Astronom Peter Jennys Cans gemeinsam mit Moravia Sadat von der Universität Khartum auf die Suche nach Überresten des Asteroiden gemacht. Und tatsächlich haben sie 15 Bruchstücke gefunden in der Nähe einer Zug Haltestelle mit der Bezeichnung Station 6 was auf arabisch. Alma hat. Kita heißt und zum Namen für diesen Meteorit geworden ist. Wenn ich habe schon in einem anderen Podcast erklärt. Aber um Verwirrung vorzubeugen, sage ich es nochmal. Solange ein Objekt durchs All fliegt, heißt es Asteroid und in dem Fall wars der Asteroid mit der Bezeichnung 2008 TTC 3.

[00:05:34]

Und diese Bezeichnungen werden aus dem Zeitpunkt der Entdeckung gebildet. Wenn dann Teile eines Asteroiden auf der Erde landen, werden die Meteoriten genannt und üblicherweise werden die nach der nächstgelegenen vernünftigen geographischen Bezeichnung benannt. In dem Fall war es eben Alma hÃrter Kita. Später hat man noch ein paar hundert weitere Bruchstücke entdeckt. Insgesamt hat man knapp zehn Kilogramm des Alma hÃrter Kita mit Dorit finden und bergen können. Und das hat der Wissenschaft völlig neue Untersuchungen ermöglicht. Mit Meteoriten an sich gibt's ja genug.

[00:06:07]

Also die Sammlungen der Museen und die Labore der Wissenschaft sind jetzt nicht direkt überfüllt. Aber es reicht und gute Forschung anstellen zu können. Bei so gut wie allen Meteoriten haben wir aber keine Ahnung, woher die kommen. Wir können zwar aus geologischen Untersuchungen in Einzelfällen gute Vermutungen aufstellen und manche Meteoriten bestimmten Himmelskörpern zuordnen. Also wir wissen dann, ob der Meteorit jetzt vom Mond oder vom Mars kommt. Aber die überwiegende Mehrheit der Meteoriten, die wir entdeckt haben, die sind einfach so auf der Erde rum gelegen, ohne uns zu verraten, wo sie herkommen.

[00:06:40]

Der Fall von 2008 These 3 war ein weiteres Mal einzigartig. Wir haben zuerst den Asteroid im All entdeckt. Wir haben es eine Bahn berechnet und den Einschlag auf der Erde vorhergesagt. Dieser Einschlag, der ist genau so eingetreten und konnte beobachtet werden. Und dann haben wir auch Meteoriten gefunden. Wir haben das Ding, das zuerst nur als Lichtpunkt im All und später als Explosion am Himmel zu sehen war, jetzt auch konkret angreifen und im Labor untersuchen können. Was man natürlich auch gemacht hat und dabei festgestellt hat, dass es sich um einen sehr speziellen Meteorit handelt.

[00:07:19]

Die erste Probe, die man untersucht hat, hat gezeigt, dass der zur seltenen Gruppe der Ure Lite gehört. Das sind Stain Meteoriten mit einem hohen Anteil von Kohlenstoff, der da unter anderem in Form von winzigen Diamanten zu finden ist. Als man dann aber später die restlichen Proben untersucht hat, hat sich gezeigt, dass zirka ein Viertel des Meteoriten zu einer anderen Klasse von Stein Meteorit gehört. Das heißt, dass 2008 GT3 aus geologisch unterschiedlichen Stücken zusammengesetzt sein muss.

[00:07:49]

Und das wiederum heißt, dass er selbst eine sehr interessante Vergangenheit haben muss. 2008 3 war kein Felsbrocken, der in der Form schon seit viereinhalb Milliarden Jahren durch Sonnensystem fliegt. Damals, vor der Entstehung der Planeten, haben sich aus Staub und Eis ja zuerst mal die Asteroiden und Kometen gebildet und erst daraus, dann Planeten wie die Erde. Nur das übrig gebliebene Baumaterial. Das nennen wir heute noch Asteroiden. Aber 2008 GT3. Der muss selbst einmal Teil eines größeren Objekts gewesen sein.

[00:08:21]

Ich habe in Folge 111 der Sternengeschichten schon von Asteroiden Familien erzählt, also von Gruppen von Asteroiden, die alle eine ähnliche Zusammensetzung haben und durch Zusammenstöße von größeren Objekten entstanden sind. Aus den Bahnen Daten von tausend acht, DZI drei und aus den geologischen Informationen der Meteoriten. Da hat man zeigen können, dass dieser Asteroid vermutlich aus der Nyssa Polana Familie stammt. Die befindet sich am inneren Rand des Asteroiden Gürtels zwischen den Umlaufbahnen von Mars und Jupiter. Die Mitglieder der Familie sind circa zweieinhalb Mal weiter von der Sonne entfernt als die Erde.

[00:08:59]

Die haben alle vergleichsweise kreisförmige Umlaufbahnen, die nicht stark gegenüber der Erdbahn geneigt sind. Die Familie selbst, die setzt sich aus zwei Untergruppen zusammen. Die werden wenig überraschend die Nyssa und die Polana Gruppe genannt. Und diese Untergruppen sind chemisch unterschiedlich. Man vermutet jetzt, dass acht T3 bei einer Kollision aus zwei Bruchstücken aus diesen beiden Untergruppen entstanden ist. Wenn die Kollision langsam genug stattfindet, was bei den Umlaufbahnen dieser Asteroiden nicht unwahrscheinlich ist, dann können die vereinfacht gesagt einfach zusammenpacken und einen neuen Asteroid formen.

[00:09:36]

Und darüber hinaus wissen wir auch, dass die Nyssa Polana. Asteroiden sich in einer Gegend des Sonnensystems befinden, wo die gravitativen Störungen des Jupiters dafür sorgen, dass immer wieder Objekte aus der Familie hinaus in Richtung Erde umgeleitet werden. Das war aber bei weitem noch nicht alles, was wir von 2008 GT3 gelernt haben. 2018 hat man sich die Diamanten in den Meteoriten nochmal genauer angeschaut. An sich sind solche Mini Diamanten nicht weiter besonders. Die können entstehen, wenn zwei Himmelskörper kollidieren und für kurze Zeit ein enorm hoher Druck herrscht.

[00:10:13]

Und 2008 GT3 hat. Definitiv eine Kollision. Reiche Vergangenheit hinter sich die in ihm gefundenen Diamanten, die sind aber zu groß, um während einer kurzen Kollision Phase entstanden zu sein. Die Mineral logische Untersuchung hat gezeigt, dass das Material für sehr lange Zeit einem Druck von mindestens 200 000 bar ausgesetzt sein musste, damit sich Diamanten wie bei den Almer hat der Kitt der Meteoriten bilden konnten. Solche Bedingungen, die findet man nur im Inneren von ausreichend großen Himmelskörpern, vergleichbar mit dem Merkur z.B..

[00:10:50]

Zumindest ein Teil des Gesteins, aus dem sich 2008 GT3 gebildet hat, muss also irgendwann mal im Inneren eines Planeten großen Objekts gewesen sein. Das zeigt auch eine Arbeit aus dem Jahr 2020, die ein ganz spezielles Mineral gefunden hat, das sich ebenfalls nur unter ausreichend großen Druck bei bestimmten Temperaturen und während einer entsprechend langen Zeit unter Anwesenheit von Wasser gebildet haben kann. Bedingungen, die ebenfalls nur in großen Himmelskörpern herrschen. Der Ursprung von 2.8 GT3 muss also ein Objekt gewesen sein, das mit den großen Asteroiden wie Ceres oder Pluto oder kleinen Planeten wie dem Merkur zu vergleichen ist.

[00:11:35]

Durch eine oder mehrere Kollisionen muss Material aus diesem großen Objekt herausgebrochen sein und mit anderen Bruchstücken den kleinen Asteroid gebildet haben, der etwas 1:8 auf die Erde gefallen ist. Der Ursprungs Körper von 2.8 GT3, der existiert längst nicht mehr. Der ist so wie viele anderen Planeten großen Objekte schon vor langer Zeit verschwunden. In der chaotischen Frühzeit des Sonnensystems haben noch sehr viel mehr große Himmelskörper ihre Runden um die Sonne gezogen als heute. Die acht Planeten und die Handvoll großer Asteroiden, die wir haben, die sind nur das, was übrig geblieben ist.

[00:12:12]

Der Rest ist bei Kollisionen zerstört oder aus dem Sonnensystem rausgeworfen worden. 2008 TED QE3 hat uns also einen faszinierenden Blick auf die unwiderruflich verlorene Welt des jungen Sonnensystems gezeigt, hat uns in eine Vergangenheit schauen lassen, in der es noch sehr viel wilder zuging und in der Planeten um die Sonne gekreist sind, die es heute nicht mehr gibt. Und vielleicht lernen wir von ihm auch noch etwas über unseren eigenen Ursprung. Das 19. hat man im Gestein der Almer hÃrter sieht, da Meteoriten das Vorhandensein von Aminosäuren nachgewiesen.

[00:12:46]

Diese chemischen Moleküle, das sind die Bausteine, aus denen Proteine bestehen. Und die sind das, ohne das kein Lebewesen auskommt, das wir kennen. Die Bausteine des Lebens also, wie es gerne in den Medien heißt. Das heißt jetzt nicht, dass irgendetwas auf oder einen 2008 GT3 gelebt hat, ja auch nicht auf dem Ursprungs Körper. Aber es zeigt, dass sich die Moleküle, die für die Entstehung des Lebens nötig sind, auch im Weltall bilden können.

[00:13:15]

Das haben wir vorher auch schon gewusst. Wir haben Aminosäuren auch schon auf anderen Asteroiden und Kometen gefunden. Insofern war das bei 2008 GT3 nicht besonders. Besonders war allerdings die Tatsache, dass die Aminosäuren die hohen Temperaturen beim Einschlag eigentlich nicht überleben hätten sollen. Entweder also, die sind tief im Inneren des Gesteins vielleicht doch besser geschützt, als wir gedacht haben und können auch leichter durch Meteoriten aus dem All auf Planeten verteilt werden, was die Entstehung des Lebens erleichtert. Oder aber diese Aminosäuren sind erst beim Einschlag entstanden, als die hohen Temperaturen entsprechende chemische Reaktionen möglich gemacht haben.

[00:13:53]

Und das ist ebenfalls interessant, weil in der Frühzeit des Sonnensystems wesentlich mehr Asteroiden auf die Erde gefallen sind als heute. Ständiges Bombardement mit großen Schäden aus dem All ist natürlich schlecht für die Entstehung des Lebens. Aber vielleicht ist es auch notwendig, um die Chemikalien und Voraussetzungen zu schaffen, damit Leben entstehen kann, wenn das Bombardement vorbei ist. Objekte wie 2008 TTC drei sind ein absoluter Glücksfall für die Wissenschaft. Das Ding war der erste Asteroid, dessen Geschichte wir so gut erforschen konnten und dessen Weg aus dem All auf die Erde direkt nachvollziehbar war.

[00:14:33]

Es mag seltsam klingen, wenn man sich wünscht, dass mehr Asteroiden auf der Erde einschlagen, aber wenn sie so klein sind wie der hier, dann bin ich als Astronom auf jeden Fall dafür.