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SWR 2 wissen.. John trägt einen gut sitzenden Anzug. Zwei Jahre hat der Sohn eines Kleinunternehmer sind Kenias Hauptstadt Nairobi Management studiert. Und er weiß sich immer noch zu kleiden. Zu vielen Partys aber, sagt er, habe er das Studium geschmissen. Er wurde Marktschreier für Ma, Tatoos, Kleinbusse, drinking. Schaut mal, kann.

[00:00:31]

Wenn du trinkst, fühlst du dich motiviert. Du spürst Energie in dir, kannst lauter schreien und schneller rennen. Und je mehr Leute du zu deinem Matar Auto bringst, desto mehr Geld verdienst du. Nach der Arbeit fühlst du dich aber gestresst und müde. Du willst dich hinsetzen, entspannen und trinken. Und dafür hast du ja jetzt Geld.

[00:00:56]

John lebt im Slum Massacre im Osten Nairobis Wellblechhütten. Provisorisch verlegte Stromkabel qualmen von Straßen, Küchen und Imbissstände. Schon um elf Uhr früh staksen Betrunkene durch verrottenden Unrat. Das Leben hier sei oft ein Albtraum, sagt die junge Lehrerin Caroline Aquino.

[00:01:24]

Der Mann meiner Nachbarin Evelyn kam gegen Mitternacht nach Hause.

[00:01:28]

Völlig betrunken. Wenig später begann Evelin zu schreien. Bitte schlag mich nicht mehr auf, mich zu schlagen und brüllte Ich schlage ich, bis ich ordentliches Fleisch zu essen kriege.

[00:01:40]

Blutüberströmt stand Evelin dann auf der Straße, und am nächsten Morgen lief sie mit den Kindern weg.

[00:01:47]

Aber er holte sie gewaltsam zurück und trinkt, trinkt, trinkt weiterhin Alkohol, Alkohol.

[00:01:54]

Konzerne erobern Afrika. Eine Sendung von Thomas Großauheim.

[00:01:59]

In Afrika trinkt bis heute eine deutlich geringere Zahl von Menschen Alkohol als in Europa. Besonders wenige sind es in muslimischen Ländern. Doch Afrika gilt neben Südasien als Markt der Zukunft für Bick Alkohol. Die internationalen Alcohol Konzerne vor allem, seit in Europa und den USA der Absatz stagniert. Afrika, das ist eine junge, rasant wachsende Bevölkerung mit einer wachsenden Mittelschicht, die sich Markenprodukte leisten will.

[00:02:28]

Bier des niederländischen Baukonzerns Heineken zum Beispiel, Heineken Chef Jean-Francois van Bocks. Mehr. Hat sich seine Sporen in der Demokratischen Republik Kongo verdient.

[00:02:46]

Afrika ist bis heute neben Indien der am wenigsten entwickelte Biermarkt weltweit. Das Glas ist sozusagen erst halbvoll. Das heißt, Afrika und Indien werden langfristig immer wichtiger für Heineken Afrika.

[00:03:04]

Das dürfte ein ernstes Problem für afrikanische Gesellschaften verschärfen.

[00:03:09]

Die relativ wenigen Alkohol Konsumenten dort trinken pro Kopf viel zu viel. Die Konzerne wissen, dass sie wissen, dass ihre Produkte in Afrika mehr Menschen töten als anderswo. Deshalb manipulieren sie die öffentlichkeit. Deshalb korrumpieren sie Politiker, internationale Organisationen und die Wissenschaft.

[00:03:33]

In afrikanischen Dörfern werden seit Urzeiten traditionelle Alkoholika gebraut aus Maniok, Sorghum oder Kokosnüssen. Ihr Alkoholgehalt ist meist gering. Gebrannte Spirituosen brachten erst die Europäer mit. Dort, wo Traditionen noch gelten, unterliege Alkoholkonsum strenger sozialer Kontrolle, erzählt Paul. Er ist Psychologe und leitet ein Rehabilitationszentrum für Suchtkranke außerhalb Nairobis.

[00:04:04]

B. Drink Alkohol, ein Tee? Ich durfte erst Alkohol trinken, als ich auf meinem eigenen Feld Zuckerrohr anbauen konnte. Daraus musste ich dann mit Obst zusammen Moratti herstellen, traditionellen, fruchtbarem. Mein Vater probierte davon und sagte Weil du jetzt Moratinos machen kannst, darfst du auch Alkohol trinken. Damit mein Vater mir überhaupt ein Zuckerrohr abtrat, musste ich verheiratet sein, und eine Frau konnte ich mir erst suchen, nachdem ich beschnitten war. Was bei uns Kikuyu mit etwa 20 Jahren der Fall ist.

[00:04:37]

Und so war ich, als ich meinen ersten Alkohol trank, fast 30.

[00:04:43]

B. Drink Alkohol. Musterte.

[00:04:47]

Dunga spricht von einer langsam untergehenden Welt. Immer mehr Afrikaner leben in der Stadt. Sie sehen im Fernsehen und in sozialen Medien, wie in Industrieländern gelebt wird. Geblieben sei ihnen die Freude in der Gemeinschaft, erklärt Philipp Erkundigen. Einer kleinen Organisation in Kenia, die Alkoholmissbrauch bekämpft.

[00:05:12]

Kenianer lieben es, mit Freunden beim Bier zusammen zu sitzen und jede Gelegenheit einen Feiertag, ein Event, einen Geburtstag, eine Betriebsfeier. Nutzen Sie, um zu trinken. Damit verbunden ist sozialer Druck. Willst du als cool und loyal gelten? Solltest du mit Trinken das Gleiche, wenn du von guten Geschäfts Gelegenheiten erfahren willst oder von einem preiswerten Grundstück? Nur beim Trinken triffst du zum Beispiel den Leiter der guten Schule, auf die du dann deine Kinder schicken kannst.

[00:05:51]

Bier ist das meistverkaufte Alkohol Getränk in Afrika. Der Umsatz wuchs in den vergangenen Jahren dreimal so schnell wie im Rest der Welt. Bis zum Beginn der Coruna Pandemie. Denn mit den Coruna Londons wurde in vielen afrikanischen Ländern auch der Verkauf von Alkohol unterbunden oder gar verboten. Das allerdings dürfte nur vorübergehend sein und den allgemeinen Trend nicht aufhalten. Nutznießer des afrikanischen Bierdurst Es sind wenige internationale Konzerne, allen voran der größte Brauerei Konzern der Welt. Anheuser-Busch Inbev, kurz AB Inbev mit Sitz in Brüssel, verkauft fast ein Viertel des industriell gebrauten Bieres weltweit mit Marken wie Budweiser, Beck's und Löwenbräu.

[00:06:39]

Gerade halb so groß sind der zweitgrößte Bier Verkäufer Heineken und Diageo, der größte Spirituosen Produzent weltweit mit Marken wie Johnnie Walker, Whisky und Smirnow Vodka. Alle drei Konzerne verdienen hervorragend. 2009/10 erzielten sie zusammen über zehn Milliarden Euro Umsatz und machten über 16 Milliarden Euro Gewinn. Woran das Wachstum in Afrika maßgeblich beteiligt war Heineken zum Beispiel verkauft in Afrika 15 Prozent eines Biers, erzielt dort aber 21 Prozent seines Gewinns. Die Konzerne könnten Premium Produkte dort ähnlich teuer verkaufen wie in Europa, sagt Philip.

[00:07:23]

Wenn sie massiv dafür werben auf haushohen Anzeigetafeln, in Fernsehen, Radio und sozialen Medien Orlowski.

[00:07:40]

An Anthem Followers So wird für Tosca geworben.

[00:07:49]

Das Premium Bier des Konzerns Diageo in Kenia trinken laut der Werbung gut aussehende Männer, die mit gut gebauten geliebten Luxusautos fahren und den Traum Villen leben. Dass Trinker, so die Botschaft, haben Erfolg und Status. Sie sind gesund. Echte Männer und voller Kraft.

[00:08:08]

Das locke die neue dynamische Mittelschicht Afrikas, meint Big Alkohol Kritiker nie erkunde Bendix Growing Mittelklasse in der Mittelschicht in Kenia wächst und europäische Alcohol.

[00:08:23]

Konzerne tun alles, um diesen Markt zu erschließen. Für so viele Alcohol Marken wird inzwischen bei uns geworben. Süße pinkfarbene Vodka Produkte für Frauen haben sie auf den Markt gebracht. Coole Drinks für junge Leute und angeblich zuckerfreie und deshalb gesunde für ältere Männer. Jedes Segment des Marktes versuchen sie zu erreichen.

[00:08:50]

Es ist ein Markt aus meist wenig gebildeten Konsumenten, die sich nach einem besseren Leben sehnen und nur allzu gern die Glitzer Botschaften der Alkohol. Konzerne glauben, dass sie auch auf Jugendliche abzielen, bestreiten die Konzerne zwar, sie sponsern aber Fußball und Rugby Mannschaften, deren Anhänger überwiegend Jugendliche sind, und das Diageo Unternehmen East African Rice Limited, kurz Eibl, machte kürzlich eine Popgruppe zum Markenbotschafter Dishonored um die History Wodka Hashtag.

[00:09:33]

Wir haben eine Boyband hier in Kenia soll einer unserer besten Gruppen mit tollen Liedern und extrem populär unter Jugendlichen. Genau diese Band wurde nun von FiBL als Markenbotschafter engagiert für einen Billig Wodka mit dem Namen Krone. Die Zielgruppe sind junge Leute. Du hast nicht viel Geld, lautet die Botschaft. Trotzdem kannst du dir Chrome leisten und Spaß haben mit deinen Freunden. Natürlich auch als Frau. Probiere das süße Chrome. Lemmon Du wirst es genießen. Und mit der Band Saudi soll als Markenbotschafter veranstaltet der Alkohol Konzern Konzerte in Universitäten und rührt dabei die Werbetrommel.

[00:10:16]

So werden viele Afrikaner stellen Alkohol auch illegal her. Im slama Sarid zum Beispiel ist es nicht schwer, den Weg zu Agnès Action zu finden. Sie brennt changer unter den Armen Kenias überaus populären Schnaps aus Hirse, Mais und Sorge. Agnès Brennerei besteht aus drei großen, aufeinander gestellten Gefäßen, alle Ritzen sorgfältig mit Lehm abgedichtet, darunter ein qualmende Feuer.

[00:10:49]

Savimbi.

[00:10:52]

Um Changer herzustellen, mische ich Hirse mit Zucker und Wasser und lasse die Mischung zwei Wochen lang gären. Den vergorenen Brei erhitzte ich dann in diesem Topf. Das Destillat steigt als Dampf in den Topf darüber, und auf dem steht ein dritter Topf mit Kühlwasser. Sechsmal wechsle ich das Wasser, und nach drei Stunden habe ich dann sechs Liter Changer, einen wunderbar gebrannten Schnaps, wie ihn schon unsere Großväter getrunken haben.

[00:11:19]

Ohne chemische Zusätze wie den Liter Changer verkauft Agnès für 600 kenianische Schilling umgerechnet fünf Euro, und am Wochenende ist Party. Ein kleines Glas kostet dann 20 Schilling, für weniger als zwei Euro kann man sich betrinken. Und wenn einer nicht zahlen kann, gilt das Karussell Prinzip Merry go round. Wer Geld hat, zahlt. Die anderen sind das nächste Mal dran. Changer aus den Slums enthalte oft Methanol, Flugzeug, Benzin und andere giftige Chemikalien, die die Wirkung verstärken sollen, berichtet, wenn die Geier, leitende Mitarbeiterin der kenianischen Drogen Behörde NAKAGAWA, zwischen 2009 und 2016 seien 3000 Kenianer an illegal produziertem Alkohol gestorben.

[00:12:12]

Das wiederum sei ein willkommener Grund für Alkohol, Konzerne, illegale Produkte und auch traditionell hergestellte Getränke wie Palmöl, Wein und Bananen. Bier pauschal zu verteufeln sagt, wenn die gaja als Alternative empfiehlt Bihac, Alkohol, industriell gebrautes, billig Bier kak Bier.

[00:12:35]

Sie nennen das billige Bier kak und verkaufen es in. Ein Getränk für wenig kaufkräftige Kunden Das, so sagen die Alcohol Unternehmen, wesentlich gesünder sei als illegal hergestellte Getränke. Und sie verlangen sogar Steuervergünstigungen für ihr billig Bier. Mit hohen Steuern verhindere die Regierung, dass arme Menschen gesünderen Alkohol tränken. Die Regierung fördere also illegale Schnapsbrennerei. Mehr Menschen würden dann an illegal hergestellten Alkohol sterben, und verantwortlich dafür sei die Regierung.

[00:13:12]

In Afrika leben 15 Prozent der Weltbevölkerung, aber 25 Prozent der Coma Säufer. Und während in Mitteleuropa nur zwei bis drei Prozent der Erwachsenen alkoholkrank sind, dürften es in vielen afrikanischen Ländern bis zu fünfmal so viel sein. In Kenia führt ihr Leben Gundi, das exzessive Trinken unter anderem darauf zurück, dass Bick Alkohol systematisch die Freude der Menschen am Feiern instrumentalisierte. Neben allen möglichen Anlässen und den Wochenenden würden nun auch die Abende während der Woche zu Events stilisiert, die man unbedingt begießen müsse.

[00:13:55]

Am Mittwoch haben wir die Ladies Night, am Donnerstag dem Försters Day, den durstigen Donnerstag, und Radiostationen und soziale Medien machen lauthals Werbung für Tagestief. Bands mit diesem oder jenem DJ im Haus hamburg.de.

[00:14:19]

Der Psychologe Pollen Kunduz hört in seinem Reha-Zentrum für Suchtkranke.

[00:14:24]

Tag für Tag von den Lebensumständen, die viele in den Alkohol treiben.

[00:14:30]

An Happiness Today gab es so viele Kenianer leben heutzutage in Unzufriedenheit, Hektik und Dauerstress.

[00:14:40]

Jeder versucht, sich und seiner Familie den Lebensunterhalt zu sichern. Bei sehr begrenzten Ressourcen. Viele haben einen Schul und Universitätsabschluss, aber keinen ordentlichen Job.

[00:14:51]

Und neidisch blicken sie auf Schulkameraden, die nie gut im Unterricht waren, aber irgendwann eine Gelegenheit beim Schopf ergriffen und reich geworden sind.

[00:15:02]

Nairobi Hunderttausende Menschen in Nairobi stehen morgens um fünf auf, stehen stundenlang im Stau, um um acht am Arbeitsplatz zu sein. Das gleiche nach Feierabend. Da gehen viele lieber in eine Bar, warten, bis sich der Verkehr ein wenig beruhigt hat, und fahren um neun oder zehn heim. Und dort gibt es dann Streit ums knappe Geld. Viele Kinder sind deshalb psychisch gestört, und es gibt viel außerehelichen Sex. Wer all das bewältigen muss, flieht oft in den Alkohol.

[00:15:40]

Das hat katastrophale Folgen für den sozialen Zusammenhalt und die öffentliche Gesundheit.

[00:15:50]

Das Zentrum illegaler Schnapsbrennerei im slama ist ein Albtraum. Dutzende schäbige, von Qualm gehüllte Brenn, Anlagen an einer mit Unrat bedeckten Uferböschung des unerträglich stinkenden Flusses, verwahrloste Betrunkene, die lallen und sich übergeben. Frauen, die sich ordinär flüsternd entblößen. Hier jetzt für einen Drink. Caroline Martinu, die als freiwillige Sozialarbeit für eine kleine Hilfsorganisation macht, will, dass der Reporter die ganze herbe Realität sieht.

[00:16:30]

Wer ist ein schlimmer Ort?

[00:16:34]

Sie haben ja gesehen, wie Sie dort Changer abbrennen, mit schmutzigen Wasser aus dem Fluss, und sie setzen dem Stoff Chemikalien wie Methanol zu, um die Wirkung noch zu verstärken. Viele Leute, die Changer aus Mondsee trinken, haben ein aufgequollen Gesicht. Sie werden krank. Betrunkene in Bonney haben auch Sex auf offener Straße und vergewaltigen sogar Kinder. Niemand kümmert sich darum. Wenn du sie anzeigt, kommen sie vielleicht nachts und verbrennen dich in deinem Haus.

[00:17:10]

In einer schmalen Gasse unweit der Alkohol Hölle Bondi toben vielleicht 30 Kinder vor einem fensterlosen Wellblech Verschlag. Der Wiener Django, die 20 jährige Kindergärtnerin, sitzt auf einem plastics Sessel und spielt mit ihrem Handy. Die Eltern, viele ihrer Kinder, seien Tag für Tag betrunken, sagt sie.

[00:17:36]

Wenn Eltern ihren Kindern mittags etwas zu essen bringen, stürzen sich oft andere Kinder wie wild auf das Essen und stopfen es in sich hinein. Diese Kinder sind völlig ausgehungert. Sie haben kein Frühstück bekommen und wohl auch kein Abendessen am Tag zuvor. Manche Kinder werden auch am Nachmittag nicht abgeholt.

[00:17:55]

Ich muss sie heim bringen in ein Zuhause, in dem die Eltern nicht selten alkoholkrank sind. Das ist schlimm für die Kinder und hat schwerste Folgen für die Gesundheit der Alkoholkranken selbst Diabetes, Krebs an Kehlkopf, Speiseröhre und Bauchspeicheldrüse. Depressionen, die oft in Selbstmord münden, auch bei Angehörigen der Trinker früh einsetzende Demenz. Ein zerrüttetes Immunsystem, zehn Prozent aller Tuberkulose Fälle weltweit beruhen auf Alkoholkonsum, der auch eine wichtige Triebkraft der HIV Aids Pandemie ist. Wer betrunken ist, achtet weniger auf sicheren Sex.

[00:18:35]

Aus Südafrika berichtet Charles Perry, Professor für öffentliche Gesundheit an der Universität Kapstadt.

[00:18:45]

HIV positive Patienten, die Medikamente nehmen, zeigen exakt das gleiche Trinkverhalten wie der Rest der Bevölkerung.

[00:18:53]

Und wir haben festgestellt Je mehr HIV positive trinken, desto unregelmäßiger nehmen sie ihre Medikamente, und ihre Viruslast steigt. Ein wichtiger Indikator dafür, wie infektiös sie sind und wie es um Ihre Gesundheit bestellt ist. Das sind große Probleme, aber niemand kümmert sich darum.

[00:19:12]

Insgesamt trägt Alkoholkonsum in Afrika erheblich dazu bei, dass sich nicht ansteckende Erkrankungen verbreiten. Diabetes und Bluthochdruck, Krebs und Herz-Kreislauf-Leiden. Die Behandlung dieser Erkrankungen ist schwierig und teuer. Die karg ausgestatteten Gesundheitssysteme Afrikas sind damit völlig überfordert.

[00:19:33]

Besonders schlimm wirkt sich Alkoholkonsum von Schwangeren auf deren ungeborene Kinder aus. Experten sprechen von fetalen Alcohol Spectrum Störungen und bei voll ausgebildeten Symptomen vom Fetalen Alcohol Syndrom. Betroffene Kinder bleiben sehr klein. Sie leiden an Missbildungen des Gesichts und Schäden am Nervensystem. Ihr Gehirn ist unterentwickelt. Sie sind lernschwache, verhaltensgestört und enden später oft im Gefängnis. Da in Südafrika inzwischen viele Frauen trinken und das auch während der Schwangerschaft, hat das Land die mit Abstand höchste Rate alkoholbedingten Frucht. Schäden weltweit.

[00:20:14]

Jahr für Jahr werden in Südafrika 70 bis 80 000 Kinder mit fetalen Alcohol Spectrum Störungen geboren, berichtet Professor Perry Sound Levels in Lücking.

[00:20:29]

In einer Gemeinde haben wir ein Viertel der Kinder an öffentlichen Schulen mit einer fetalen Alcohol Spektrums Störung diagnostiziert. Sie können sich vorstellen, wie sehr dies die Gesellschaft belastet und ihr Potenzial einschränkt. All diese Kinder bringen später nur wenig Leistung. Sie benötigen stattdessen jede Menge Ressourcen, sind eine Last für ihre Eltern und das Schulsystem. Und natürlich ist die Lebensqualität dieser Kinder beeinträchtigt.

[00:21:02]

Mindestens drei Millionen Menschen in Südafrika sind von Geburt an Alkohol geschädigt. Besonders betroffen ist die Weinbau Region um Kapstadt, wo Arbeiter zum Teil bis heute mit Wein und Schnaps bezahlt werden.

[00:21:21]

Widersteht den Verführungen des Teufels, ruft der Prediger einer Kirche in Nairobis lamassoure.

[00:21:28]

Vor fast leeren Bänken in einem rostigen Wellblech, Kirchlein.

[00:21:33]

Auch viele Politiker in Afrika wettern gegen Alkohol, geben dann aber Freibier aus. Immerhin hat die Weltgesundheitsorganisation WHO 2010 Empfehlungen zur Kontrolle des Alkohol Gebrauchs verabschiedet.

[00:21:48]

Regierungen sollen Alkoholwerbung in Verbindung mit sportlichen und kulturellen Aktivitäten verbieten und den Verkauf in der Nähe von Schulen, die Alkohol steuern, sollen möglichst hoch liegen, weil das erwiesenermaßen den Konsum reduziert. Die Konzerne setzen gegen solche Maßnahmen ihre Macht als Wirtschaftsfaktoren ein Heinicke zum Beispiel strebt an, zwei Drittel seiner Rohstoffe wie Sorghum, Maniok und Gerste von heimischen Bauern zu beziehen. AB Inbev hat in den letzten drei Jahren allein 200 Millionen US-Dollar in Südafrika investiert. Diageo baut für 150 Millionen Dollar eine Brauerei in Kenia.

[00:22:29]

Damit verbunden sind tausend Arbeitsplätze und Lieferverträge für 15 000 sorgen. Bauern. Vordergründig appellieren die Konzerne auch an die Konsumenten, verantwortungsbewusst zu trinken, ohne allerdings zu sagen, was verantwortungsbewusstes Trinken ist. Tatsächlich verdient Big Alkohol vor allem am exzessiven Trinken. In Afrika werden 80 Prozent des Alkohols im Rahmen von Alkoholexzessen getrunken, in Südafrika sogar 94 Prozent. Alkohol pflegt diskrete Beziehungen zu Politikern. In Südafrikas Parlament schmort seit 2013 ein vom Kabinett längst verabschiedetes Gesetz, das Alkoholwerbung drastisch einschränken soll.

[00:23:15]

Und Professor Charles Perry musste erleben, wie der Brauerei Konzern Heineken eine Alcohol Konferenz südafrikanischer Politiker und Wissenschaftler kaperte.

[00:23:29]

Als ich daran teilnahm, sah ich plötzlich, dass man die Veranstaltung in enger Zusammenarbeit mit Heineken organisiert hatte.

[00:23:37]

Die Geschenke für die Redner bestanden aus Alkohol und einer Heineken Kühltasche. Der Chef von Heineken war eingeflogen und hielt einen Powerpoint Vortrag während eines Abendessens, das Heineken bezahlte. All das wusste ich vorher nicht. Erst vor Ort erfuhr ich, dass die gesamte Veranstaltung von Heineken mitorganisiert und mitfinanziert war.

[00:24:02]

Heineken aus den Niederlanden?

[00:24:03]

Schließlich berichtet der Journalist Olivier van Bremen über ein kleines ostafrikanische Land, das am Tropf des Brauerei Konzerns hängt.

[00:24:12]

In Burundi eine Fifties.

[00:24:17]

In Burundi, wo Heineken seit den späten 50er Jahren präsent ist, operiert der Konzern unter einem Diktator, der sich kürzlich per Referendum bestätigen ließ, dass er bis 2034 regieren darf. Heineken erwirtschaftet in Burundi mindestens 10 Prozent des Sozialprodukts und mehr als 30 Prozent des Steueraufkommens. Geld, das vor allem dazu dient, Polizisten und Soldaten zu bezahlen, die ihre eigenen Landsleute unterdrücken. Es liegt also auf der Hand, dass Heineken in die Unterdrückung der Bevölkerung Burundis verwickelt ist.

[00:24:55]

Immer wieder nennt das Unternehmen Gründe, das Land nicht zu verlassen. Wir müssen an unsere Mitarbeiter denken, sagen sie. Wenn wir gehen, haben sie keine Arbeit mehr, und ohne uns sähe es noch schlechter im Lande aus. Tatsächlich ist Burundi heute das zweit ärmste Land der Welt. Die Menschen geben dort 17 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Alkohol und Tabak aus. Aber so gut wie nichts für Bildung und Kleidung. Die Situation dort kann also kaum noch schlechter werden. Und doch will Heineken um jeden Preis in Burundi bleiben.

[00:25:31]

Olivier von Bremen hat ein kritisches Buch über Heineken veröffentlicht, das in den Niederlanden, dem Stammland des Konzerns, für einiges Aufsehen sorgte. Im Kampf um die öffentliche Meinung mobilisiert der Konzern nun die Wissenschaft.

[00:25:50]

Heineken hat die Universität Leiden beauftragt, Auswirkungen seines Engagements in Afrika zu erforschen. Da geht es um für ein sozialwissenschaftlich Projekt gewaltige Summen. Heineken schlägt vor, mit einem Finanzvolumen von bis zu zweieinhalb Millionen Euro zu forschen.

[00:26:11]

Ein Forschungsprojekt, finanziert von dem Unternehmen, über das geforscht wird. Das Ergebnis ist absehbar. Bremen kritisiert auch, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO viel zu wenig tue gegen die Umtriebe von Big Alkohol. Die Welt brauche eine Konvention, die alle Staaten verpflichte, wirksam den Alkoholkonsum einzudämmen. Ein Vorbild dafür existiert im Rahmenabkommen zur Eindämmung des Tabak Gebrauchs von 2003, das eine enorme Wirkung entfaltete. Zu einem drastischen Rückgang des Alkoholkonsums in Afrika hat nun immerhin die Coruña Pandemie geführt. Etliche Regierungen verboten zeitweise den Alkoholverkauf, und viele Menschen haben dafür schlicht kein Geld mehr.

[00:27:00]

Eine wissenschaftliche Untersuchung in Südafrika dokumentiert, dass dort während des Lock Downs inklusive Alkohol Verkaufsverbot rund 70 Prozent weniger Gewaltopfer in die Krankenhäuser eingeliefert wurden. Mitte Juli hat deshalb Südafrikas Regierung erneut ein Alcohol Verkaufsverbot verhängt. Die Regierung will die knappen Krankenhausbetten freihalten für Corona Patienten. Die Welt verstehe jeden Tag SWR 2 Wissen, Manuskripte und weiterführende Informationen zu unserem Podcast und den einzelnen Folgen gibt es unter SWR 2 wissen. De.