Happy Scribe
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SWR2 wissen. Ein Nachfolger noch eine echte Bühne gibt es nicht auf der ist.Wenn Comfort Floating Lounge in Berlin. Dafür haben die Comedians und das Publikum einen fabelhaften Blick auf die Spree und die Oberbaumbrücke sowie.

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Die Lounge ist das Deck Häuschen eines Bootes, das in der Spree vor Anker liegt. Gegenüber den Mauerreste der East Side Gallery. Hier organisiert Chris Döhring die Living Spree Comedy-Show.

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Gerade jetzt hier im Sommer haben wir vornehmlich Touristen, die herkommen zu der Show. Der Rest sind vor allen Dingen zwei Jahren Berlin, aber natürlich englischsprachige. Das heißt, es sind vornehmlich Expats, die leben dann so vier bis fünf Jahre, manchmal mehr. In Berlin arbeiten hier geradezu die Startup-Szene.

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Wir sind ein Haufen Leute mehr dazu kommen jetzt in den letzten Jahren und die versuchen ja auch, Anschluss zu finden. Dafür ist zum Beispiel eine Community schon total gut. Also ich glaube, auch Berlin an sich hat einfach einen Ruf, cool zu sein durch die Musiklandschaft, die Techno-Szene, die elektronische Musikszene.

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Das spricht auch vor allem junge Leute an. Ich sehe wir irgendwie gut. Bleib doch in Berlin.

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Geschichte einer Metropole von Orellana, so To. Friedrichshain, das ausg viertel schlechthin, ist auch das Mekka der Berliner Expats. In der Pause schwärmen die Gäste draußen ans Deck und trinken Bier.

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Das hier in Berlin Pale Ale heißt Nationalfahne.

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Ich heiße Nathan, komme aus Australien, bin 2014 nach Berlin gezogen. Davor habe ich zwei Jahre in Jena Umwelt Ökonomie studiert, in Jena gefordert.

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Die Mieten sind gestiegen, ja, aber im Vergleich zu Australien oder auch England kann man hier noch günstig leben. Und es gibt eine offene, sympathische Atmosphäre. Viele internationale Leute. Anders als in Australien. Der Winter. Aber mir gefällt's hier. Es gibt eine große Vielfalt.

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Ich finde es toll.

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Aber ich habe hier ja Lace.

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Günter Boerse Berlin ist wieder international geworden. Eine Metropole, die Menschen aus aller Welt anzieht. Dabei existiert es so wie wir es kennen, offiziell erst seit dem 1. Oktober 1920. Davor war das heutige Stadtgebiet in acht Städte und unzählige Landgemeinden aufgeteilt. Mehr Provinz als Metropole. Kaum verwunderlich, dass Berlin immer noch wie ein Sammelsurium verschiedener Städte und Dörfer daherkommt. Ein Zentrum. Berlin hat keins oder viele. Am Alex, wie die Berliner den Alexanderplatz nennen, wimmelt es an diesem Sommernachmittag von Menschen.

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Sie eilen von der SS zur U-Bahn, warten an den Straßenbahn Haltestellen, schieben Rollkoffer über den Steinboden oder sonnen sich auf den Stufen des Brunnens der Völkerfreundschaft. Der Platz ist zusammen mit dem anliegenden Park am Fernsehturm eine Shopping-Mall unter freiem Himmel geworden.

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Burgerking, C und A. Primark, allerlei Imbisse, Eisdielen und Coffeeshops haben sich der Galeria Kaufhof hinzugesellt, die früher mal Centrum Warenhaus hieß.

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Ja, klar. Ich glaube schon, dass es uns allen gefällt.

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Und das ist das Zentrum, das im Mittelpunkt von uns allen und deswegen am einfachsten zu erreichen, sagt Lisa, die mit drei Mädchen und einem Jungen auf einer Bank sitzt und sich das bunte Treiben auf dem Alex anschaut.

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Es gibt hier alle Geschäfte und alles, was man braucht im Kino. Ich wohne im Tiergarten. Sie wohnt in Pankow und er auch. Sie wohnt gar nicht in Berlin, besuchte sie jetzt. Gerade haben wir uns getroffen, haben was zu trinken holen. Heute ist der Alexanderplatz vor allem ein Verkehrsknotenpunkt, an dem sich U. S Bahn und Straßenbahnlinien kreuzen. Für DDR-Bürger war der Platz mit seinem Fernsehturm, dem Wahrzeichen Ostberlins, das Zentrum ihrer Hauptstadt. Historisch betrachtet lagen sie nicht ganz falsch.

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Das ursprüngliche Zentrum habe sich ganz in der Nähe befunden, sagt Markus Thur, besingen Professor für Entwurf und Denkmalpflege an der Fachhochschule Potsdam.

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Das historische Zentrum, auch wenn es heute nicht mehr physisch vorliegt, ist irgendwo zwischen Alexanderplatz und dem Beginn von Unter den Linden. Dort ist die mittelalterliche Stadt angelegt und sie hatte eine klare, mehr oder weniger runde Form.

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Im Mittelalter bestand Berlin eigentlich aus zwei Städten Berlin und Köln mit C und Doppel Tobias Hönig, Architekt und statt Forscher auf der nördlichen Seite der Spree Cripps slawische Ansiedelung Fishers Siedlung und im Süden der Spree haben sich über die Zeit Kaufleute aus dem Rheinland, aus den Niederlanden angesiedelt. Und in dieser direkten Nachbarschaft haben die beiden Teilschritte ganz gut gelebt.

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Ein gemeinsames Rathaus wurde auf der langen Brücke gebaut, der heutigen Rathaus Brücke. Beide Städte behielten jedoch ihr Hoheitsrecht, bis die Hohenzollern, Markgrafen und Kurfürsten der Mark Brandenburg 1748 die Stadt an sich rissen.

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Nördlich des Rathauses bauten sie eine Burg, aus der dann quasi zentral die Stadt, aber dann später auch die Mark Brandenburg regiert wurden. Und bei dieser Burg hat es sich um die erste Inkarnation des heutigen Berliner Stadtschlosses gehandelt. Und aus Sicht von Fürstenhaus ist eine Stadt und ein Land. Beherrscht ist natürlich in gewisser Weise das Schloss, die Burg, der Palast immer der zentrale Ort, an dem die Fäden zusammenlaufen. Und so ist es dann eigentlich auch bis 1918 geblieben.

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Im Krieg wurde das Stadtschloss zerstört. 1950 ließ Walter Ulbricht dessen Reste sprengen. Seit 2013 wird neu errichtet. Es steht fast fertig da mit seiner Barock Fassade und der glatten Ostflanke aus Beton. Architekt Franco Stella hat sie ihm verpasst, damit sie an die Zerstörung des Originals erinnert, also daran, dass das Schloss ein Fake ist. Die selbstironische Pointe eines italienischen Baumeisters Berliner trifft man hier eher nicht, aber die Touristen, die da vorher entlang spazieren, sind entzückt.

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Ich finde das ganz toll. Das passt genau rein, wenn man über die Brücke kommt. Und auf dieses Schloss zu kommen ist einfach wunderschön.

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Einst verband ein Königlicher und Kaiserlicher reinweg das Stadtschloss mit dem Schloss Charlottenburg, das Kurfürstin Sophie Charlotte ab 1795 bauen ließ. Es wurde die Sommerresidenz der Hohenzollern und gab der umliegenden Gegend seinen Namen.

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Im Schlosspark Charlottenburg weht noch ein Hauch 18.Jahrhunderts, ein Barock Garten mit Bruder Rhin, Vasen und Skulpturen, eine ausladende Steintreppe, die zu einem Teich führt, Haine, Baumreihen, Wiesen und stille Pfade. Eine Rokoko Idylle trotz des Verkehrs Rauschens der nahen Autobahn. Obgleich sie das älteste erhaltene Zeugnis Berliner Hof Lebens sind, gehörten Park und Schloss bis 1920 gar nicht zu Berlin. 1705 machte König Friedrich der Erste das Dorf, das um das Schloss herumstand, zur Residenzstadt. Ihre Eigenständigkeit verteidigten die Charlottenburger dann unbeirrt.

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Mit Spandau war Charlottenburg die Stadtgemeinde, die sich am längsten gegen eine Fusion mit Berlin wehrte, statt Forscher Tobias Hönig, weil es Lottes Bulc ist lange Zeit reichste Stadt im Deutschen Reich.

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Natürlich Berlin gegenüber stand eine sehr Arbeiterinnen geprägte Stadt war, würde man spekulieren, dass die Freude der Charlottenburger daran, ihr Geld für die Arbeiterinnen aus der Nachbarstadt auszugeben, relativ gering war.

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Die Müllerstraße ist eine Verkehrs Achse, die den Wedding durchschneidet. Seit der Bezirks EU-Reformen 2001 gehört der Stadtteil zum Bezirk Mitte. Aber hier reihen sich auf den Bürgersteigen weder Hipster, Cafés noch Luxus Boutiquen, sondern Dönerbuden, türkische Konditoreien, Drogerien, Supermärkte und allerlei Läden für den täglichen Bedarf. Ein massives Backsteingebäude beherbergt das Amt für Soziales des Bezirksamts Mitte. Hier liegt das Büro von Ephraim Gothe, Bezirks Stadtrat für Stadtentwicklung, Soziales und Gesundheit.

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Da gibt es eine sehr beeindruckende Zahl, dass wir pro Jahr nur für den Bezirk Mitte 230 Millionen Euro ausreichen, an Haushalte, die ihre Miete sich gar nicht oder nicht vollständig leisten können. Und diese 32 Millionen verteilen sich auf 35 000 Bedarfsgemeinschaften.

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Ein großer Teil dieser bedürftigen Haushalte wohnt in Wedding. Der Stadtteil hat anders als etwa der Prenzlauer Berg, den Charakter eines Arbeiterviertel behalten. Schon um 1820 ließen sich Industriebetriebe am nördlichen Stadtrand Berlins nieder. 1871 setzte die Hoch Industrialisierung ein.

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Der eine große Wachstumsschub ist ja tatsächlich in der sogenannten Gründerzeit entstanden, als das Kaiserreich neu gegründet wurde mit einem deutschen Kaiser, der in Berlin sitzt. Und das bedeutete damals, dass Berlin, das davor nur Hauptstadt von Preußen war, eben noch Hauptstadt eines viel größeren Zusammenhangs im Deutschen Reich wurde. Das hat unglaubliche wirtschaftliche Kräfte freigesetzt. Berlin war um 1900 die größte Industriestadt Europas, wo die Automotive Werke wie Borsig und dann später Siemens und AEG mit dem Beginn der Elektrifizierung riesengroße Produktionsstätten hatten, die einen unglaublichen Hunger nach Arbeitskräften hatten und die dann eben aus Schlesien, aus Norddeutschland, aus vielen umliegenden Ländern Arbeitskräfte angezogen haben.

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Lebten in Preußens Hauptstadt im Jahr 1800 etwa 170 000 Menschen, hatte sich die Bevölkerungszahl 1861 schon mehr als verdreifacht. 1889 wohnten eineinhalb Millionen Menschen in Berlin. Zur Unterbringung der Zuwanderer wurden Mietskasernen gebaut, bau Blöcke mit einem oder mehreren Höfen, um die sich vor der Häuser Seitenflügel und Hinterhäuser gruppieren. Baurat James hob recht, machte die Mietskaserne zum Grundbaustein des Bebauungsplans für Berlin und Charlottenburg, den er 1861 vorlegte. Ein Netz von Haupt und Nebenstraßen, symmetrischen Plätzen und Ring Boulevards, nachdem bis Ende der Kaiserzeit ganz Berlin bebaut wurde.

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Die Verwaltung sparte sich aber die vorgesehenen Nebenstraßen. Die Grundstücke wurden mit Mietskasernen vollgepackt. So wohnten in Wedding, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Lichtenberg, Neukölln und Kreuzberg bis zu 60 000 Menschen auf einen Quadratkilometer.

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Stadtrat Ephraim Gothe Diese Quartiere, die waren unglaublich dicht belegt. Und das war die soziale Problematik. Es war nicht die Baumstruktur selber, sondern es war die totale Überbelegung. Und interessanterweise ist es ja so, dass heute auf dem freien Markt die höchsten Mieten von den Wohnungssuchenden nicht etwa in dem Siedlungsbau geboten werden, sondern sie wollen dahin, wo die Stadt am dichtesten ist.

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Da werden die höchsten Mieten erzielt, weil da die größte Nachfrage entlang der Gruene sehen Kette ist Berlin gar nicht Berlin. Die Stadt ist hier ganz grün. Schimmerndes Wasser, rascheln das Laub, Himmel und Stille, dazwischen stattliche Villen mit Seeblick. Zu der Zeit, als Fabrikarbeiter den Norden und Osten Berlins füllten, zog das Berliner Bürgertum hierher oder in eine der anderen ländlich geprägten Gemeinden westlich und südlich des Tiergartens, erzählt Markus Tobey sing. In Grunewald, Wilmersdorf, Steglitz, Zehlendorf, Lichterfelde entstanden Villen, Vororte, sodass es einfach, wenn man es grob in Himmelsrichtungen ausdrücken müsste, ein sozialer Ausgleich von Süden nach Norden stattfinden müsste.

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Und grob gesagt von Westen nach Osten. Das war im Prinzip, was sich als dringend notwendig erwiesen hat.

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Stadt und Land waren aufeinander angewiesen, schon wegen der Kanalisation. Die Oberbürgermeister Arthur Hob recht nach dem Entwurf seines Bruders James bauen ließ. Sie leitete die Abwässer in sogenannte riesen Felder ab, in denen das Wasser regeneriert wurde. Stadt Forscher Tobias Hönig.

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Und dann gab's das erste Problem, weil diese Felder konnten nicht mehr auf Berliner Grundlagen, sondern sie mussten vor den Toren der Stadt liegen. Ein Ort, der das heute markiert. Es hob Rechtsfälle, das immer noch nicht zu Berlin gehört, das zum Teil von Brandenburg ist. Und diese Arto berichtet eben festgestellt, dass, um eine vernünftige Stadtentwicklung für Berlin langfristig herstellen zu können, es Sinn machen würde, mit den Umlandgemeinden und auch mit den umliegenden Städten wie Charlottenburg zu fusionieren und eine gemeinsame Planung auf die Beine zu stellen.

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1875 schlug Arthur Hopp Recht der Berliner Stadtverordnetenversammlung erstmals eine Fusion vor. Doch die Abgeordneten lehnten den Vorschlag ab. Der politische Wille, sich zu vereinen, fehlte noch. Dabei sorgte der Arbeitsalltag tausender Berliner. Ende des 19.Jahrhunderts längst dafür, dass die Stadt zusammen wuchs.

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Faktisch sind ganz viele Stadtbewohner jeden Tag vom Wedding nach Charlottenburg gefahren, um von ihrem Wohnort zum Arbeitsplatz zu gelangen. Bis in die 1890er Jahre hat sich der Eisenbahnverkehr mehr oder weniger durch private Gesellschaften gestaltet. Um die 1890er Jahre kommt die preußische Staats Eisenbahn mit ins Spiel und sie hat primär das Ziel, ein Verkehrssystem aufzubauen, ein kommunales Verkehrssystem. Die Staats Eisenbahn beginnt also erst einmal damit, den Einheits Tarif einzuführen. Das heißt, die Bewohner der gesamten Metropole konnten mit einem Ticket zwischen den unterschiedlichen Linien umsteigen, ohne neu zu bezahlen.

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Und ab 1890 kam eine brandneue Entwicklung dazu. Das waren die Regionalzüge, die Bahnen, der Regionalverkehr und das brachte den Pendelverkehr mit sich.

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1871 ging die erste Teilstrecke der Ringbahn in Betrieb. 1892 wurde die Stadtbahn eingeweiht, die bis heute Ost und Westberlin verbindet. 1902 die erste U-Bahn. Aber das drosselte den Autoverkehr nicht, der mit der ersten Zulassung eines Kraftfahrzeug 1892 begann. Der Potsdamer Platz wurde bald zum verkehrs reichsten Platz Europas.

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Potenz Bätschi laufen im Galopp die Stadt. Berliner queren den Potsdamer Platz.

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Sie unterhalten sich. Sie hören gleichzeitig die Hupen der Autos. Das Tuten der Omnibussen. Das Hallooo des Kutschers. Das Sausen der Untergrundbahn. Das Schreien der Zeitungsverkäufer, die Töne eines Lautsprechers und können diese verschiedenen akustischen Eindrücke auseinanderhalten, schrieb der Künstler Lazlo Moly noch 1925.

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Wenige Jahre zuvor war dem Berliner Oberbürgermeister Adolf Wermuth die Fusion zu Groß-Berlin gelungen. Nach der Novemberrevolution 1918 war der Zusammenschluss möglich geworden.

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Ephraim Gothe Man muss sich ja vorstellen, der Erste Weltkrieg war gerade vorbei, die Monarchie wurde gestürzt, der deutsche Kaiser ist ins Exil gegangen. Andere deutsche Könige sind auch ins Exil gegangen, und die Weimarer Republik wurde geboren.

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Am 27. April 1920 passierte das Gesetz über die Bildung der neuen Stadtgemeinde Berlin, die preußische Landesversammlung.

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Mit ihm wurden acht Städte, 59 Landgemeinden und 27 Guts Bezirke zu Berlin zusammengeschlossen.

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Das ist schon eine historische Geschichte gewesen, die vermutlich nur dadurch zu erklären ist, dass es eben überhaupt diese große gesellschaftliche Umwälzung gab, die solche Türen öffnete, die normalerweise sich nicht öffnen, weil die konservativen Strukturen eine viel stärkere Beharrungskraft entfaltet hätten.

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Damit wuchs die Fläche Berlins von sechs und sechzig komma neun drei Quadratkilometer auf acht hundert acht und siebzig Quadratkilometer. Die Stadt wurde flächenmäßig zur zweitgrößten der Welt und mit drei Millionen 800 000 Einwohnern zur drittgrößten nach der Einwohnerzahl. Um jene zu besänftigen, die auf Autonomie beharrten, wurde Berlin in 20 Bezirke aufgeteilt, mit jeweils eigener Verwaltung, eigenem Parlament und eigener Regierung. Durch eine Verwaltungsreform 2001 sind die Bezirke auf zwölf geschrumpft, aber genauso eigenständig geblieben wie 1920.

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Der Gloria Palast schillert, ein Schloss, ein Schloss. Es ist aber Kino und Café und Berlin W. Und drüben das Romanische Café mit den längeren Haaren von Männern. Und da verkehre ich einmal Abend für Abend mit einer geistigen Elite, was eine Auswahl ist, was jede gebildete Individualität aus Kreuzworträtseln weiß. Zeilen aus Irmgard Coins Das Kunstseide Mädchen In dem Roman porträtiert Keun das Berlin der 20er Jahre Die goldenen Jahre, die Berlin zum Mythos machten. Damals wurde die Stadt zur Kulturmetropole, die aus allen Winkeln Kreativität versprühte, zum Hort der Künste, der Freiheit und der Ausschweifung Gäulen.

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Waren die 20er Jahre jedoch nicht für alle. Inflation, Arbeitslosigkeit, Wirtschaftskrise. Stürzten die Arbeiter Schichten ins Elend. Kurt Tucholsky besuchte die Mietskasernen des Berliner Nordens und Ostens und berichtete Wir haben Kinder gesehen, Mädchen von 6 und 7 Jahren.

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Die waren 90 Zentimeter hoch. Und andere, die den ganzen Tag nicht auf die Straße gehen konnten, weil sie mit Ausnahme eines kleinen Kittels ganz nackt waren. Der Ernährungs Zustand ist durchweg trostlos. Die Kinder leben von Brot und Margarine und Kohl.

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Um die Wohnungsnot zu lindern, legte der Berliner Senat unter der Leitung von Stadtbaurat Martin Wagner ein soziales Wohnungsbauprogramm auf, das Architekturgeschichte geschrieben hat.

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Tobias Hönig, Stadt der Berliner Mietskaserne kommen die Siedlungen der Berliner Moderne, die vor allen Dingen mit Namen wie Bruno Taut und Martin Wagner in Verbindung stehen. Da geht's eigentlich um eine Emanzipation der Arbeiterinnen in Berlin, die in den Mietskasernen gewohnt haben. Wie kriegt man das hin, dass die qualitativ hochwertige Wohnungen haben? Wie kriegt man nochmal einen Sprung hin, wenn es um Fragen wie Hygiene und Gesundheit geht?

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Auch Licht, keine Hinterhöfe und kein Fassaden Schmuck, sondern klare, schlichte Formen, Balkone, Luft und Licht. Drumherum viel Grün die Siedlungen der Berliner Moderne. Heute auf der Welterbe Liste der UNESCO waren Prototypen der architektonischen Moderne, jener Moderne, der Hitler den Garaus machte.

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Macht Übernahmen. Das war immer eine Oase. Meine Großmutter hatte wurde den Thron. Die hat sie geliebt.

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Es war ja ein Busch von Rhododendron und Oleander von Natascha Paulick Terrasse lässt sich auf Berlin hinab blicken, als wäre man seinem steinernen Dickicht in den Himmel entkommen. Im Westen ragt die Spitze des Fernsehturms empor. Im Osten verliert sich der Blick in die Ferne. Auch auf der Straße, darunter der Karl-Marx-Allee, ist alles Weite, Breite und Licht. Ich bin auch in dieser Wohnung aufgewachsen.

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Mein Großvater hat diese Wohnung für sich während der Konzeption gebaut, für sich und seine Familie.

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Und nach dem Tod meiner Großmutter 1993 bin ich in diese Wohnung gezogen.

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Nataschas Großvater Richard Paulick gehörte dem Architekten Team an, das zwischen 1949 und 1958 die Karl-Marx-Allee schuf. Stalinallee hieß sie damals. Bis zu Stalins Tod außer dem Haus Karl-Marx-Allee 71 entwarf Paulick das Haus gegenüber und die Sporthalle, die irgendwann abgerissen wurde, darf man nicht vergessen.

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Berlin war unglaublich zerstört. Friedrichshain war der meist zerstörte Bezirk. Die Straße war weitestgehend. In den Fünfzigerjahren 52 haben die Arbeiten hier begonnen. Auf der Allee war weitestgehend schon in Trümmern. Hier ging es erst einmal darum, Wohnraum zu schaffen, weil die Leute hatten auf gut Deutsch nichts zu fressen und es gab nicht genügend Betten. Es ging also um das Eingemachte und nicht, um sich persönlich hervorzutun und neuen Weg zu beschreiten. Man brauchte Wohnungen und baute Paläste mit Säulen, Dach, Gesimse und rieser Eliten.

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Nicht etwa für das Großbürgertum, sondern für die Werktätigen. Und man baute schnell. Im Sommer 1951 begann die Planung, im Dezember 1952 wurde das erste Haus bezogen. Die Stalinallee war ein Vorzeigeprojekt. Arbeiter aus westlichen Bezirken sollen mit Bussen dorthin gekarrt worden sein, um die sozialistischen Arbeiter Paläste zu bestaunen.

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Das ist ja Geschichtsschreibung. Das war ja so vorgesehen von der DDR und von der Regierung, um zu zeigen, dass der Sozialismus das Wahre ist. Und dafür waren ja diese Bauten auch gedacht, um das zu repräsentieren. Das war ein typischer Innenstadt Bezirk mit sechs bis acht stöckigen Wohnhäusern aneinandergereiht Altbau und ein typisches Viertel für Rechtsanwälte Ärzte, so etwas. Und es ist total zerbombt worden, bis auf ein einziges Haus in der Bach Straße, das es jetzt immer noch gibt, weil es so viel stehen geblieben war, dass man es reparieren konnte.

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Alles andere waren Trümmer. Sie sei erst nach dem Krieg nach Berlin gezogen, erzählt Hannah Knee Busch. Davor habe sie das Viertel nicht gekannt. Heute besteht das Hansa Viertel aus Hochhäusern und Zeilen, bauten flach Bauten und Einfamilienhäusern einzeln durch die Landschaft des nördlichen Tiergartens verstreut. Mit 90 Jahren ist Hanna Knee Busch die älteste Bewohnerin des Hansa Viertels. 1959 zog sie mit Mann und Tochter in das Haus, das sie immer noch bewohnt. Ein Werk des dänischen Architekten Arne Jacobsen.

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Der Berliner Senat hatte getan, was er konnte, um da ein Schaufenster der Freiheit zu errichten, so der Westberliner Oberbürgermeister Ernst Reuter. Die namhaftesten Architekten wurden aus aller Welt eingeladen, das zerstörte Viertel neu zu entwerfen. Ihre Entwürfe wurden gebaut und als Unterbau 1957 Internationale Bauausstellung gezeigt. Eine Antwort auf die Stalinallee Die Unterbau sollte den eintönigen Häusern im Osten die Vielfalt moderner Bauformen im Westen entgegenstellen.

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Können Sie sich vorstellen, welchen Eindruck diese modernen neuen Häuser und vieles an den Häusern war? Vollkommen neu. Welchen Eindruck die auf die Besucher machten? Wir sind in dieses Haus zum Beispiel reingekommen und ich habe gehört zu meinem Mann Hans, hast du diesen Fenster gesehen? Schau dir die Fenster an, die gab es nämlich vorher nicht.

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Hanna Knee Bush zeigt auf die Fenster Wand, hinter dem ihr Garten liegt, ein kleiner wilder Garten voll blühender Kräuter. Auf der anderen Seite des Wohnzimmers ist durch eine zweite Fenster Wand ein kleiner Innenhof zu sehen. Eine hohe Mauer schirmt das Grundstück von außen ab. Aber das Haus ist lichtdurchflutet.

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Ich war fünf Minuten zu Fuß vom Bahnhof Zoo und in so einem Luxus an Ruhe und Licht zu wohnen.

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Besser kann man es nicht haben. Mitten in der Stadt mit allen Anbindungen U-Bahn, S-Bahn, Busse. Die Moderne ist in Berlin nicht mehr en vogue. Derzeit wächst die Stadt um 60 000 Menschen pro Jahr. Luft, Licht und Grün kann man sich nicht mehr leisten. Es wird gebaut, was das Zeug hält, jede Lücke geschlossen. Berlin beginnt, sich über die eigenen Grenzen hinaus auszudehnen. An der Wand im Büro von Stadtrat Gote hängt eine riesige Karte Berlins und seines Umlands.

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Die Stadtgrenzen sind darin nicht markiert.

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Was man aber sieht, ist die tatsächlich vorhandene Stadtstruktur, die ebenso ein sternförmigen Gebilde ist mit Siedlungsstruktur, die wie ein Seestern mit den Armen ins Berliner Umland ragen. Und die Fach Planer reden immer vom Siedlungs Stern. Das ist die tatsächliche Stadtstruktur, die nichts zu tun hat mit dem Land Berlin selber oder der Stadt Berlin selbst im administrativen Sinn. Weil eben wie gesagt, diese Arme, die zu dem Gebilde dazugehören. Die liegen alle in Brandenburg.

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Es sind die Eisenbahnschienen, die um 1900 angelegt und später weiterentwickelt wurden.

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Das Tolle daran ist, dass man tatsächlich diesen Stern weiterentwickeln kann. Man kann diese Strukturen nach verdichten, ohne Ende. Da kann man noch unglaublich viel bauen und hat immer die Gewähr, dass die auch an den Schienen Trassen liegen. Aber die Stadtplaner wollen, dass dann eben die sogenannten Achsen Zwischenräume da die durch Freiraums Strukturen geprägt sind, Äcker und Wälder und Naturschutzgebiete und alles mögliche, dass die freigehalten werden. Und die Idee ist, dass man eben acht Regional Parks schafft, die Fächer farbig um Berlin herum angeordnet sind, aber auch alle bis Berlin reingehen.

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Die Wälder, die Berlin zerwühlt reichsten Metropole in Europa machen, sollen auf jeden Fall erhalten bleiben. Aber die Stadt dehnt sich weiter aus. Die Welt verstehen jeden Tag SWR2 Wissen, Manuskripte und weiterführende Informationen zu unserem Podcast und den einzelnen Folgen gibt es unter SWR 2 Wissen D.