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SWR 2 wissen.. Wir befinden uns in Schwabing, einem Stadtteil von München.

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Zwischen Cafés und kleinen Ladengeschäften befindet sich im Keller eines hinter Hauses ein Tonstudio. Hier arbeitet Amadeus Bodys. Er ist Geräusche machen.

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Wir vertonen Filme.

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Das heißt, wir machen Geräusche nach. Zum einen für internationale Tonfalls, aber natürlich auch in der ursprünglichen Fassung. Machen wir Geräusche dazu, die die Aussage des Films verstärken, sagen eilige Schritte, geschlagene Türen, knarzende Balken.

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Wenn so etwas benötigt wird, kommt ein Geräusch gehmacher ins Spiel.

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Wenn es jetzt um Schritte und Bewegungen geht, das ist ja eigentlich unsere Hauptarbeit. Dann geht es eigentlich darum, sich in die emotionale Situation der Protagonisten einzufühlen. Die Bewegung ist sehr stark von der Stimmung abhängig. Bei Schritten ist es deutlich zu sehen. Aber auch bei bestimmten Handbewegungen, wenn etwas fahrig wird oder nervös. Es funktioniert nur, wenn man weiß Wie fühlt er sich jetzt gerade? Was geht in dem ab?

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Gerade packt Bodys ein paar Requisiten aus, denen er später einige Klänge entlocken wird. Eine große Messing farbene Kuhglocke ist dabei, verschiedene dünne und zerknitterte Plastikfolien. Ein Geschirrtuch, eine Eisenketten und natürlich ein Mikrofon.

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Kugel, Niere, Keule und das Mikrofon vom Profi gerät zum Alltagsgegenstand von Jan Holdhaus.

[00:01:42]

Mikrofone sind aus unserem Alltag nicht wegzudenken. Ein großer Teil unserer Kommunikation erfolgt über Mikrofone. Sie sind eingebaut in Telefone, Computer und Sprechanlage.

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Es gibt wohl kein Volksfest, kein Rockkonzert, keinen Wahlkampf ohne Mikrofon. Im Kino müssten wir uns immer noch mit Stummfilmen begnügen. Ohne Mikrofone gäbe es auch keinen Rundfunk, kein Fernsehen und keine Radiosendung wie diese. Und auch die Arbeit von Geräusche mache Amadeus Bodys wäre ohne Mikro nicht möglich.

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Es ist unser Werkzeug, das unsere Kamera sozusagen.

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Ehrlich gesagt, arbeiten wir fast immer mit den gleichen, nämlich mit Membranen, Kondensator, Mikrofonen. Mit einer normalen Charakteristik, von Ausnahmen abgesehen.

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Und auf die haben wir uns so ein bisschen eingeschossen, weil wir der Meinung sind, dass die detailreiche Wiedergabe vor allem von leisen Geräuschen, groß. Membranen, Kondensator, Nieren, Charakteristik.

[00:02:42]

Um solche Fachbegriffe zu verstehen, müssen wir uns erst einmal ein bisschen mit den Grundlagen der Schall Wandlung auseinandersetzen.

[00:02:53]

Schall, also das, was wir als Sprache, Töne und Klänge wahrnehmen, ist zunächst einmal nichts anderes als eine periodische Schwingung.

[00:03:01]

Wenn wir singen oder sprechen, schwingt zunächst einmal unser Stimme Apparat.

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Diese mechanische Flatter Bewegung unserer Stimmlippen regt Luft Moleküle an, bis die in derselben Frequenz schwingen.

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Und diese Schwingung breitet sich in den Raum aus und regt wiederum unser Trommelfell zum Schwingen an. Oder auch andere Gegenstände.

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Auch das Mikrofon nimmt den Schall auf. Aber es wandelt ihn um in ein elektrisches Signal. Das kann allerdings auf vielfältige Weise geschehen, denn es gibt bei den Schall Wandler ganz unterschiedliche Techniken.

[00:03:37]

Jedes Mikrofon hat eine sogenannte Membran. Das ist üblicherweise Kunststofffolie, die durch den Schalldruck Schwankungen von Schall in Bewegung versetzt wird. Und dann gibt es sogenannte tauchschulen Mikrofone. Die haben an dieser Membran hintendran eine sogenannte Schwing Spule. Das ist tatsächlich eine aufgewiegelt. Da trat der steckt in einem permanentmagneten. Und wenn sich diese Schießbude in einem permanentmagneten bewegt, dann wird eine Spannung induziert, und das ist im Grunde direkt das elektrische Signal, was wir dann aufnehmen können. So funktioniert auch das Mikrofon, wo wir gerade drüber sprechen, erklärt Klaus Kirch.

[00:04:15]

Er ist Mitarbeiter der Firma Bayer Dynamic, einem großen Hersteller von Mikrofonen und Kopfhörern mit Sitz in Heilbronn. Der Mikrofon Typ, den Kirchhof hier beschreibt, zählt zu den dynamischen Mikrofonen. Das kann man sich leicht merken, weil das elektrische Signale durch Induktion entsteht, also etwa wie bei einem Fahrrad.

[00:04:34]

Dynamo Baia Dynamik baut auch andere Mikrofone, Arten. Aber diese dynamischen Tauch, Spulen, Mikrofone sind gewissermaßen Namensgeber der Firma. Das mit der Schwing Spule und der Membran funktioniert übrigens auch in Kopfhörern. Nur dass es hier eben umgekehrt läuft.

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Das elektrische Signal wird im Hörer in eine Membran Bewegung und damit in Schall umgewandelt.

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Wie eng verwandt ein gewöhnlicher Kopfhörer und ein tauchschulen Mikrofon tatsächlich sind, merkt man, wenn man. Kopfhörer an den Mikrofone, Eingang eines Aufnahmegeräte anschliesst. Ich spreche nämlich gerade in einer der Ohrmuscheln hinein. Nutze also den Kopfhörer als Mikrofon. Wie Sie hören, klingt das ein bisschen rosig. Aber es funktioniert so, aber jetzt schalte ich mal wieder um auf ein Mikrofon mit einer Kondensator Kapsel. Das ist ein weiteres Wandler Prinzip.

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Neben der Induktivität kann man nämlich auch die elektrische speicherfähigkeit nutzen. Die sogenannte Kapazität. Vielleicht erinnern Sie sich ja noch an den Physikunterricht. Da gab es ein Experiment mit einem sogenannten platten Kondensator zwei Metallplatten, zwei Elektroden stehen sich gegenüber und können elektrostatisch aufgeladen werden. Je nachdem, welchen Abstand die Platten zueinander haben, ist die Ladung und damit die Kapazität entweder größer oder kleiner. Und diesen Effekt macht man sich bei Kondensator Mikrofonen zunutze.

[00:05:56]

Die haben nämlich eine leitfähige Membran und hinter der Membran eine sogenannte gegen Elektrode und über die Abstands änderung zwischen der beweglichen Membran und der Festen gegen Elektrode. Wird eine Kapazitätserweiterung zunächst einmal erzeugt und über eine Elektronik wird die dann zum Tonsignal umgeformt. Das ist der Grund, warum Kondensator Mikrofone auch immer eine Versorgungsspannung brauchen.

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Die liegt in der Regel so um die 50 Volt und wird meist über die sogenannte Phantom Speisung von professionellem Equipment direkt an das Mikrofon geliefert. Weil diese Phantom Speisung aber nicht in jedem Gerät zur Verfügung steht, hat man noch eine Variante des Kondensator Mikrofons entwickelt, das sogenannte elektrische Mikrofon. Die Kapseln sind genauso aufgebaut wie Kondensator Kapseln, allerdings mit einer modifizierten gegen Elektrode.

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Bei elektrischen Mikrofonen ist in einer Teflon Folie, auf der Rückseite dagegen Elektrode diese Spannung eingefroren. Das ist eine Teflon Folie, die mit Elektronen beschossen wird. Und dann hofft man, dass ein paar Elektronen da kleben bleiben. Und die halten dann Ein Teil dieser Spannung ist definitiv weiter verbreitet, weil man weniger Spannung braucht, um die Dinger zu betreiben. Solche Mikrofone finden halt in allen Geräten des täglichen Lebens statt, also Handys. Sprachsteuerung. Mobile Rekorder.

[00:07:20]

Es gibt noch einige weitere Schall Wandler, Prinzipien, Bändchen, Mikrofone beispielsweise, die gelegentlich als Gesanges Mikrofone im Studio eingesetzt werden, oder Pir Mikrofone, die eher für technische Nischen Anwendungen gedacht sind.

[00:07:34]

Elektrische Kapseln, dynamische Mikrofone mit Tauch, Spule und Kondensator. Mikrofone dürften allerdings die gängigsten Wandler bei handelsüblichen Mikrofonen sein.

[00:07:46]

Mikrofon Bau ist nach wie vor mit recht viel Handarbeit verbunden. Das sieht man zum Beispiel in der Werkstatt, in der bei Bayer Dynamic in Heilbronn die Membranen gefertigt werden. Hier sind einige Mitarbeiterinnen damit beschäftigt, sehr dünne Kunststofffolien in Maschinen einzulegen, die ein bisschen an Waffeleisen erinnern.

[00:08:04]

Wir bekommen als Membran Rohmaterial, runde, flache Teile aus Kunststoff, Folien aus verschiedenen Materialien. In verschiedenen Dicken mit verschiedenen Oberflächen und mit Druck und Hitze prägen wir die Membran aus und stanzen sie dann anschließend aus. Das ist im Grunde das Herzstück von jedem Wandler, den wir hier bauen. Und das kommt hier aus diesem Raum.

[00:08:28]

Direkt nebenan werden die Schwing Spulen gefertigt, indem ein Hauch feiner lackierter Kupferdraht aufgewickelt wird. Bis vor etwa zehn Jahren hat man das auch noch in Handarbeit erledigt. Aber inzwischen machen das spezielle, von Bayer Dynamics selbst entwickelte Maschinen.

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Die nächste Station ist dann hier ganz rechts. Die Kollegin bekommt dann die Membran drüben aus dem ersten Raum und die schwenkbaren von der Kollege neben ihr. Und auch da haben wir wieder so eine Art Karussell. Sie legt die Membran unten rein, oben wird die Schießbude draufgelegt und verklebt, und das Ganze fährt dann einmal im Kreis. Bis es getrocknet ist. Dann kann die Form wieder rausnehmen. Und das ist dann im Grunde eine fast fertige Schwing Einheit. Hier bei Bayer Dynamik wird fast alles im Haus gefertigt.

[00:09:13]

Nur die günstigen Einsteiger Mikros werden in Fernost produziert. üBer den Daumen gepeilt kann man sagen Mikros, die im Laden deutlich unter 1000 Euro kosten, sind eher nicht made in Germany.

[00:09:26]

Als Käufer eines Mikrofons fragt man sich natürlich, wo jetzt eigentlich die Unterschiede liegen. Ist ein dynamisches Mikrofon besser oder eines mit Kondensator? Die Antwort lautet wie so oft Es kommt ganz darauf an, nämlich auf das, was man mit dem Mikrofon vorhat. Ein Beispiel Ich versuche, das Ticken einer Armbanduhr aufzunehmen, also ein recht leises Geräusch mit einem dynamischen, tauchschulen Mikrofon. Klingt das so?

[00:09:56]

Wie Sie hören, hören Sie vor allem ein deutliches Rauschen. Das liegt daran, dass dynamische Mikros mit ihrer Membran auch die Spule bewegen müssen, also eine größere Masse. Das heißt, dass die Membran durch sehr leisen Schall eben nicht besonders stark ausgelegt wird.

[00:10:11]

Das elektrische Ausgangssignal ist also sehr, sehr schwach und muss in großem Umfang verstärkt werden.

[00:10:16]

Durch diese Verstärkung werden aber auch die Störgeräusche und das Rauschen des Mikrofons und der Verstärker Elektronik deutlich wahrnehmbar. Die Membran eines Kondensator Mikrofons ist sehr viel leichter und daher auch empfindlicher. Das Ticken ist damit schon sehr viel besser hörbar.

[00:10:35]

Die leichtere Membran sorgt auch dafür, dass Kondensator Mikrofone sehr hohe Frequenzen in der Regel besser abbilden können als dynamische Mikrofone. Dafür gelten dynamische, tauchschulen Mikrofone landläufig als etwas robuster.

[00:10:50]

UPS, ja, man sollte beide Mikrofone sorgen nicht fallen lassen. Vielleicht zählt das dynamische Mikrofon zweimal runterfallen aus und das Kondensator Mikrofon nur einmal. Aber beides ist eigentlich eine viel Bedienung.

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Neben dem Schall Wandler Prinzip Dynamisch, Kondensator, Elektrolyt gibt es ein weiteres entscheidendes Kriterium bei einem Mikrofon, nämlich die sogenannte Richt Charakteristik.

[00:11:15]

Sie hängt von der Bauart des Mikrofons ab und bestimmt, in welcher Richtung ein Mikrofon besonders empfindlich ist. Aber das lässt sich viel einfacher demonstrieren als erklaeren. Ja, ich stehe jetzt an einer viel befahrenen Straße hier in Karlsruhe und ich habe Mikrofone mit unterschiedlichen richtwirkung dabei und Stöpsel, die mal nacheinander an mein Aufnahmegerät. Im Moment spreche ich in ein Mikrofon mit einer Kugel Charakteristik. Das bedeutet, es nimmt den Schall aus allen Richtungen mehr oder weniger gleich gut auf. Es ist also Ungerechtes.

[00:11:49]

Und wie Sie hören, klinge ich laut und deutlich. Aber Sie hören auch jede Menge Straßen, Geräusche, die von der Seite ins Mikrofon einfallen. Ich stelle es einmal kurz um.

[00:12:01]

Ganz anders hört sich das schon mit einer sogenannten Nieren Charakteristik an. Das ist ein Mikrofon, das in erster Linie den von vorne eintreffenden Schall aufzeichnet. Die Straßen Geräusche sind schon deutlich weniger zu hören, und das Ganze lässt sich noch zuspitzen mit speziellen Formen der Nieren Charakteristik. Die werden dann so ähnlich wie ein Teleobjektiv bei einer Kamera und ermöglichen einen noch engeren Fokus. Augenblick gleich. Hören Sie, was ich meine? Ja, das ist jetzt ein Mikrofon mit einer sogenannten hyper-v Charakteristik.

[00:12:30]

In diesem Fall spricht man sogar von einer Keule. Das sind Mikrofone, die zum Beispiel Reporter ganz gerne einsetzen, wenn sie Umfragen machen, auf Straßenfesten oder in Stadien und der umgebungslärm einfach deutlich reduziert werden soll. Dann gibt es da noch die Charakteristik. Die nimmt von vorne und von hinten auf, von der Seite allerdings so gut wie überhaupt nicht. Für diese Straßen Situationen ist das natürlich denkbar ungeeignet. Aber wenn sich beispielsweise in einem Studio zwei Gesprächspartner gegenübersitzen, dann kann man diese acht in die Mitte stellen und hört beide perfekt so.

[00:13:06]

Und wenn ich jetzt der Straße in östlicher Richtung folge, lande ich im Karlsruher Stadtteil Duala. Hier, mitten in der Altstadt, in dem Gebäude einer ehemaligen Brauerei, befindet sich die Firma Spieltechnik Dr. Schöps. Das Unternehmen fertigt hier seit fast 700 Jahren Kondensator, Mikrofone für den Studio und filmte Wohnbereich.

[00:13:27]

Florian, Marketingmanager bei Schöps und nimmt mich mit in die Produktion. Hier sieht es aus wie in einer Schlosserei. Wir laufen vorbei an drey Benken, CNC fräsen und Tischen. In Gita Boxen liegen Mikrofone, Rohlinge aus Messing. Wir betreten einen Raum, in dem einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Tischen sitzen. Hier herrscht konzentrierte Stille bei der Arbeit.

[00:13:53]

Wie man sieht, sitzen hier auch relativ viele Leute, und es ist auch relativ viel Handarbeit. Hier wird unter Mikroskopen mit Pinzetten die Kapsel gefertigt.

[00:14:05]

Wer hier arbeitet, braucht nicht nur einen kühlen Kopf, sondern vor allem auch eine ruhige Hand. Die Werkzeuge ähneln denen eines Uhrmacher. Eine Mitarbeiterin dreht gerade Schrauben, die ungefähr halb so groß sind wie ein Reiskorn in eine Kapsel.

[00:14:19]

Das ist eine relativ komplexe Kapsel haltbar. Die hat meines Wissens ungefähr 60 oder 70 Teile Kleinteile, verschiedene Schrauben, Plastik, Kleinteile gegen Elektrode und so weiter.

[00:14:34]

Und das alles untergebracht in einer Kapsel, die gerade mal den Durchmesser eines 20 Cent Stücks hat, das hier sehr exakt gearbeitet wird, sieht man sofort. Aber eine präzise Fertigung allein macht noch kein gutes Mikrofon.

[00:14:48]

Es gibt eine Reihe von Meßdaten, die man natürlich zu Rate ziehen kann.

[00:14:53]

Das ist Dr. Helmut Wittek, Co-Geschäftsführer bei Schöps. Das ist der Frequenzgang. Das ist die Dynamik spricht das Grundrauschen und der maximale Pegel in ein Mikrofon verträgt. Dann ist es wie klingt das Mikrofon von vorne? Wie klingt es von der Seite? Dann ist es Zuverlässigkeit. Wie altert das Mikrofon, und wie robust ist es gegenüber Umwelteinflüssen? All dies kommt zusammen, all dieses messbar. Und bei allen diesen Werten versuchen wir natürlich, top zu sein.

[00:15:27]

Das Komplizierte bei der Entwicklung und Fertigung von Mikrofonen Jede Variable, die man am Mikrofon verändert, um einen bestimmten gewünschten Effekt zu erzielen, beeinflusst wiederum andere Parameter.

[00:15:39]

Ein Beispiel Als Faustformel sagt man Je größer die Membran eines Kondensator Mikrofons, desto weniger stark ist das Rauschen. Das ist zum Beispiel einer der Gründe, weshalb große Membran Mikrofone für bestimmte Anwendungen gerade im Studio sehr beliebt sind. Eigentlich ein positiver Effekt, aber mit zunehmendem Membrane Durchmesser nimmt auch wieder die Membran Masse zu, und damit sinkt die Empfindlichkeit für hohe Frequenzen.

[00:16:05]

Man muss also immer wieder Kompromisse eingehen.

[00:16:09]

Außerdem hat auch die Charakteristik Einfluss auf den Klang. Ein Mikrofon mit ihren Charakteristika beispielsweise verfärbt den Klang je nach Abstand, den das Mikrofon von der Schallquelle hat.

[00:16:20]

Ich spreche gerade aus einem Abstand von etwa 15 Zentimetern in ein Mikrofon, wenn ich näher. Mikrophonen heranrückenden, dann merken Sie, wie meine Stimme plötzlich wärmer und voluminöser klingt. Das liegt daran, dass die tiefen Frequenzen deutlich angehoben werden. Ein physikalischer Effekt, den nicht nur via Radio Leute gerne anwenden, wenn wir ihnen ins Ohr säuseln wollen. Philomena neue geben. Weil man für so einen Sound wie hier beim Sänger Leonard Cohen schon wirklich sehr nah an das Mikrofon rangehen muss, heißt dieser Effekt auch Naa Effekt, manchmal auch Nachbesprechung Effekt.

[00:17:11]

Geräusche mache Amadeus Bodys nutzt den n'a Effekt beispielsweise, wenn er ein Gewitter imitieren will. Das macht er gelegentlich bei Live Hörspielen oder in Theateraufführungen.

[00:17:22]

Dazu nimmt er eine, etwa Dinah. Vier große Plastikfolie hält sie ganz knapp vor sein Mikrofon und beginnt, sie vorsichtig zu schütteln.

[00:17:32]

Da hört man schon ein kräftiges Gewitter heranziehen, und wenn der Blitz erst mal einschlägt, Amadeus Bodys einfach mit dem Finger gegen die Folie schnippt. Dann hat man hier ein Paradebeispiel für den Nãhe Effekt. Geht man weiter weg vom Mikrofon, klingt das Ganze absolut unspektakulär.

[00:17:53]

Eine klangliche Verfärbung des Scharl Signals durch das Mikrofon kann also durchaus erwünscht sein. Klang, Färbung bzw. die Beurteilung von Klängen ist allerdings nicht nur eine Frage der Physik, sagt auch Schöps Geschäftsführer Helmut Wittek.

[00:18:07]

Man darf sich da nicht täuschen lassen. Die Psychologie spielt natürlich eine große Rolle, wenn es darum geht, einen Klang zu beurteilen. Sein Klang ist immer etwas Subjektives. Es ist immer der Faktor Mensch dabei.

[00:18:20]

Deshalb hat man bei Schöps ein Experiment gemacht. Den Teilnehmern wurden am Rechner verschiedenfarbige Mikrofone angezeigt, jeweils verbunden mit einem Klang.

[00:18:31]

Dann sollte man sagen, ob es eine schöner, heller, dunkler, lauter, leiser als das andere erscheint. Da hatten wir grüne, blaue, graue, schwarz rote Mikrofone bei Sahara, sandfarben das Mikrofon und natürlich unser klassisches Grau, für das wir bekannt sind.

[00:18:50]

Und naja, die Versuchsteilnehmer haben das dann bewertet. Was wir ihnen nicht gesagt haben, war natürlich, dass tatsächlich der Klang, den sie gehört haben, in diesem Klang vergleich, immer dasselbe war. Trotzdem kam ein signifikantes Ergebnis raus. Es war ganz klar, dass zum Beispiel ein grünes Mikrofon wesentlich schlechter klingt als ein graues, ein schwarzes Klang, langweiliger ein Zahara Farben. Es klang wärmer und ein blaues Klang kälter. Diese Ergebnisse waren hoch signifikant, obwohl wir hier nicht Studenten und Teilnehmer haben lassen, sondern tatsächlich Profis.

[00:19:24]

Und wenn wir selber teilgenommen hätten, wir hätten wahrscheinlich genau dasselbe gedacht dabei.

[00:19:29]

Wegen solcher psychologischer Aspekte versuchen manche Mikrofon Hersteller zum Beispiel, sich über das Design von der Konkurrenz abzugrenzen.

[00:19:37]

Denn technologisch gesehen sind die gängigen Mikrofone zumindest innerhalb derselben Preisklasse auf einem hohen, aber mehr oder weniger auch gleichbleibenden Stand der Technik angekommen.

[00:19:47]

Die Mikrophonen Technik als solche hat sich seit vielen Jahrzehnten eigentlich nicht wesentlich geändert.

[00:19:54]

Wenn man direkten Vergleich zieht zwischen Mikrofonen, sagen wir mal aus den Mitte der Siebzigerjahre und heute wird man überrascht sein, dass die Unterschiede gering sind.

[00:20:05]

Zwar haben sich in den vergangenen zehn Jahren die Materialien verändert, auch die gesamte Elektronik ist mit der Erfindung der Transistoren kleiner, leichter und natürlich auch leistungsfähiger geworden. Aber die größten Entwicklungssprung im Mikrofon, Kapsel, Bau, haben schon zwischen 1860 und 1930 stattgefunden.

[00:20:25]

Am besten kann man sich das im Frankfurter Museum für Kommunikation anschauen.

[00:20:30]

In einer riesigen Halle in der Außenstelle Heusenstamm im klimatisierten Keller stehen endlose Regalreihen voll mit Fernsehern, Radios, Grammofon, Kameras und Telefonen.

[00:20:42]

Lioba Nägele ist Kulturhistoriker und hier zuständig für den Sammlungen der Telefon und Nachrichtentechnik. Sie bleibt vor einer langen Stahl Schrankwand stehen.

[00:20:52]

Hier ist chronologisch unsere Apparate Sammlung, Telefon, Apparate von der Erfindung von Raids und Bell, die kompletten Holz, Apparate bis in die 20er Jahre untergebracht, und die Schränke sind für die Objekte, die Objekte mögens, kühl, dunkel, Staub und Licht geschützt.

[00:21:13]

Hier lagert auch eines der ersten Mikrofone von Philipp Reis. Der Telefon Pionier hat Mitte des 19.Jahrhunderts versucht, menschliche Sprache oder auch Musik elektrisch zu übertragen. Das Mikrofon, das Reißt dafür entwickelt hat, ist ein hölzerner Würfel mit einer Kantenlänge von etwa zehn Zentimetern.

[00:21:31]

Genau in diesem Würfel gibt's vorne einen Ansprache Trichter, durch den man spricht. Dann treffen die Schallwellen auf die Membran in der Mitte. Auf der Membran liegt lose auf Kontakt, Winkel und sozusagen die Schwingungen, die dann durch die Sprache, doch den Schall in der Membran entstehen, bringen. Auch diesen Kontakt Winkel zum Schwingen. Und so wird die angeschlossene Batterie, das Strom sozusagen analog zur Sprache moduliert. Es ist im Prinzip ein Kontakt. Mikrophon.

[00:22:03]

Eine große Verbreitung hat dieser Mikrophonen Typ nie erreicht. Denn tatsächlich war er schwer anzuwenden. Man durfte. Laut noch zu leise rein sprechen und die Membran aus Tierhaut war extrem, Feuchtigkeit empfindlich. Aber Reis konnte mit diesem Mikrofon immerhin zeigen, dass eine elektrische übertragung von Sprache prinzipiell möglich ist, was im ausgehenden 19. Jahrhundert ein wichtiger Meilenstein war und die Grundlage legte für die weitere Entwicklung die Verbesserung von Mikrophonen.

[00:22:33]

Das läuft im Prinzip parallel mit der Erfindung von Telefon Apparaten, also das Mikrofon sozusagen als Sende Teil des Telefons. Da gibt's ganz viele Menschen, die sich Mitte der 70er Jahre mit diesen Prinzipien und Verbesserungen beschäftigen, weil klar war, dass eine bestimmte Reichweite nur mit verbesserter Technik zu überbrücken ist.

[00:22:53]

So entwickelte der Erfinder und Unternehmer David etwa die UVS in den 1870er Jahren das coole Mikrofon. Das basiert auf dem Effekt, dass Strom durchflossen, Kohle bei Druck ihren Widerstand ändert, wenn Schallwellen auf die Kohle Körnchen treffen. Wird die angelegte Gleichspannung durch die ständigen Widerstands änderungen moduliert, und man kann den Schall elektrisch übertragen.

[00:23:16]

Solche coole Mikrofone wurden in den 1920er und 30er Jahren dann auch im neuen Medium Rundfunk verwendet, dann aber recht bald durch Kondensator, Mikrofone oder dynamische Mikrofone ersetzt, weil die schlicht eine bessere Klangqualität abgeliefert haben.

[00:23:33]

Weder im Telefon Bereich, wo sowieso nur ein sehr begrenztes Frequenzspektrum übertragen wurde, blieben coole Mikrofone immerhin bis in die 1970er Jahre im Einsatz, bevor sie dort dann allmählich von Mikrofonen abgelöst wurden.

[00:23:48]

Bei allen bisher genannten Mikrofonen gibt es allerdings eine Gemeinsamkeit Sie alle benötigen eine Membran, die durch Schallwellen in Bewegung versetzt wird.

[00:23:57]

Mit allen Nachteilen.

[00:23:59]

Denn die Beschaffenheit und die Masse dieser Membran beeinflusst immer auch das spätere Signal.

[00:24:05]

Wenn man diese stille Größe ausklammern möchte, muss man ein Mikrofon ohne Membran bauen. Ich rufe bei einer Firma in Wien an. Die stellen nämlich solche Mikrofone her. Ja, das ist richtig. Das ist die Eigenheit unseres Mikrofons, dass es eben keine Membran hat.

[00:24:22]

Das ist Dr. Balthasar Fischer, Geschäftsführer der Firma Marion Laser Akustik. Er spricht zwar gerade in das herkömmliche elektrische Mikrofon seines Smartphones, aber die Mikrofone, die seine Firma baut, funktionieren Membran los mit Licht, genauer gesagt mit Laserlicht.

[00:24:37]

Das Prinzip Was wir anwenden für unser Mikrofon basiert auf der Tatsache, dass der Laserstrahl je nach Dichte des Mediums geringfügig langsamer oder schneller wird. Das heißt, im Vakuum ist die Lichtgeschwindigkeit maximal, und je dichter das Medium wird, desto langsamer wird das Licht. Es ist jetzt nicht massiv, dass wird jetzt nicht Schrittgeschwindigkeit, aber doch ein bisschen langsamer das Licht. Und damit verändert sich auch die Wellenlänge des Lichts, und das kann man im metrisch messen. Wenn sich jetzt also eine schallwelle durch die Luft bewegt, was ja eine periodische änderung der Dichte ist, dann ändert sich eben periodisch dementsprechend auch die Wellenlänge des Lichts.

[00:25:18]

Und das kann man dann messen, und das ist das Ausgangssignal unseres Mikrofons.

[00:25:22]

Die Mikrofone Kapsel selbst ist ungefähr so groß wie die Spitze eines Kugelschreibern. Und sie besteht im Grunde nur aus einem Glasfaserkabel und einer winzigen SPIEGEL Einheit, in der der Laserstrahl mit der Luft interagieren kann. Ursprünglich wollte Fischer mit dieser Technologie ein Studio Mikrofon entwickeln, hat dann aber gemerkt, dass das von ihm erdachte Prinzip eher für spezielle Anwendungen geeignet ist.

[00:25:46]

Zum Beispiel kann man das Mikrofon dort einsetzen, wo man mit herkömmlichen Geräten nicht hinkommt.

[00:25:52]

Hochspannungsleitungen können ganz schön viel Lärm machen, insbesondere wenn es ein bisschen Nieselregen gibt oder ein Nebel. Man kennt das vielleicht, wenn man unter einer überlandleitungen spaziert ist. Dann macht das Geräusch, und jetzt können solche leistungsziele mit verschiedenen Beschichten versehen werden, dass sie leise sind. Und im Umfang der Studien von solchen Beschichtungen wollte man genau das Schallwellen vermessen. Und da haben wir eben unsere optischen Mikrofone montiert. Und dieses Geräusch ist eher gemäßen.

[00:26:27]

So klingt eine Hochspannungsleitung bei 380000 Volt aus einem Abstand von etwa 15 Zentimetern. So etwas kann man nur mit nicht leitenden Materialien wie Glasfasern aufzeichnen. Würde man diesen Leitungen mit einem gewöhnlichen Mikrofon zu nahe kommen, gäbe es nämlich einen ordentlichen Blitzschlag. Der Blitzschlag, den sie hier gehört haben, stammt von Geräusche Mache Amadeus Bodys. Wenn er vorsichtig auf die Mikrofone Membran pustet und mit einem Tuch wedelt, entwickelt sich aus dem Blitzschlag schnell ein Flächenbrand. Und mit einem Tischtennisball und einer knisterte Folie brutzelt er sich über dem Feuerchen noch schnell ein.

[00:27:14]

Man merkt Bodys an, dass er Spaß daran hat, unsere Ohren zu täuschen und dabei auch die klanglichen Eigenheiten seines Mikrofons auszunutzen.

[00:27:22]

übrigens In dieser Sendung haben sie insgesamt 18 verschiedene Mikrofone gehört und einen als Mikrofon zweckentfremdeten Kopfhörer.

[00:27:36]

Die Welt verstehen. Jeden Tag SWR 2 Wissen, Manuskripte und weiterführende Informationen zu unserem Podcast und den einzelnen Folgen gibt es unter SWR 2 wissen. De.