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SWR 2 wissen.. Das ist ein sehr kurioser Ja und kurioser zeigt uns im détail, welche Informationen wir heute mit den technischen Möglichkeiten von den Tieren hier lernen können. Hier steht ein lebensgroßes Kuh Modell Schwarzweiß, gescheckt. An Rosa baumeln eine ganze Menge Sensoren, zum Beispiel, die wiederkomme Aktivität. Das ist die Herzfrequenz, die Herzfrequenz, Variabilität, die Atemfrequenz, die Körpertemperatur. Wir erfassen die Oberflächentemperatur mit Wärmebildkameras und auch das Verhalten der Tiere über kamerasysteme. Die Menge der Sensoren, die an Roser hängen, demonstriert, wie umfassend der Gesundheitszustand von Kühen heute registriert werden kann.

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Messungen an realen Kühen gehören auch zu diesem großangelegten Forschungsprojekt. Thomas Amun leitet die Abteilung Technik in der Tierhaltung am Potsdamer Leibniz-Institut. Seine Modelle Kuriosa blickt direkt auf das Herzstück des Projekts.

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Es ist ein Modell vom Stall der Zukunft. Der intelligente Stall. Mehr Tierwohl für Kuh und Schwein von Martin Robert.

[00:01:18]

Thomas Amon macht ein kurzes Zeichen, ein mächtiger Ventilator springt an, scharfer Wind bläst in den offenen Kuhstall. Er wirkt wie ein Spielzeug. Stall ist nicht mal einen halben Meter hoch. Das Modell ist detailgetreu einem echten Kuhstall nachgebaut, nur hundertfach verkleinert. Stall, Gitter, Ruhe, Boxen für die Tiere. öffnungs, Luken und Bäume und Hecken um den Stall herum. Lampen tauchen alles in ein gespenstisch grünes Licht. Es macht feine Partikel Wolken sichtbar, die aufsteigen, ihre Richtung ändern und sich vermischen.

[00:01:57]

Wolken aus Keimen und Stäuben, die im Kuhstall auftreten, sowie Gase wie Methan und Ammoniak, die die Kühe produzieren. Das Windkanal Modell gehört zu einem Projekt, an dem Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern interdisziplinär zusammenarbeiten. Auch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung gehört dazu. Sie wollen einen Algorithmus entwickeln, der die Prozesse im Tier Stall intelligent steuert.

[00:02:24]

Das ist eine erklärte Herausforderung, ein erklärtes Ziel, den Stall der Zukunft so zu entwickeln, dass er mit den Informationen, die uns die Tiere geben, mit den Informationen, die wir über Wetterprognosen, über Klimamodelle erhalten, und das so zu kombinieren, um den Stall der Zukunft intelligent zu machen, auch mit Möglichkeiten des maschinellen Lernens.

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Die Forscher nutzen also die neuesten Methoden der künstlichen Intelligenz, um die immensen Daten überhaupt analysieren zu können, die im Stall Modell auftreten Windgeschwindigkeit, strömungsrichtung, Temperatur, Konzentrationen von Methan und Staub und so weiter und so fort.

[00:03:03]

Wenn klar ist, es gibt eine Warm Front, das hier frühzeitig dann der Stahl in seinen Zuluft, Abluft, öffnungen reagiert oder auch gewisse Möglichkeiten, die man den Tieren anbieten kann, Wärme abzutransportieren, Hitze, Stress, entlastend zu wirken. Es gibt eine ganze Fülle von technischen Möglichkeiten, die aber dann in sich, in ihrem Zusammenwirken zeitlich so im Stall umzusetzen sind, dass dann das Stadtklima und die Strömung so ist, dass sich ein Tier wohl gut bestmöglich einstellen kann und aber gleichzeitig auch die Emissionen verringert sind.

[00:03:39]

Wir müssen ja beides im Auge haben.

[00:03:41]

Es muss sich beides positiv entwickeln. Ein intelligenter Stall schafft ein gutes Umwelt Klima. Aus ihm entweicht zum Beispiel möglichst wenig Methan, und er sorgt gleichzeitig dafür, dass es den Tieren gut geht. Auf diese Weise könnte zum Beispiel weniger Ammoniak im Stall entstehen, dass Kühe Lungenkranke machen kann. Gesunde Kühe, die sich wohlfühlen, liegen außerdem durchschnittlich 14 Stunden lang entspannt pro Tag am Boden. Bei Hitze Stress dagegen stehen sie viel länger. Ein intelligent gesteuerter Stall, so die Idee, würde Hitze, Stress mit Hilfe von Kühlsysteme vermeiden, die vorausschauend auf Wetter und Klima Meldungen reagieren.

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Sensoren an den Tieren würden dann permanent rückmeldung, wie gut die aktuelle Steuerung des Stalls funktioniert.

[00:04:29]

Unsere Forschung soll wesentliche Beiträge leisten, um bestehende Zielkonflikte zu lösen. Dass wir eine Tierhaltung umsetzen können, die den Ansprüchen der Tiere gerecht wird, die den Ansprüchen der Umwelt gerecht wird und aber auch den landwirtschaftlichen Betrieben die Möglichkeit gibt, ein adäquates Einkommen zu erzielen, sodass Landwirtschaft im ländlichen Raum auch erhalten bleiben kann und auch die Erzeugung heimischer Lebensmittel möglich ist.

[00:04:56]

Auf die Dauer Landwirte können heute schon Messwerte ihrer Tiere in digitale Geräte eingeben und erhalten dann durchgerechnet Verbesserungsvorschläge für die Tierhaltung.

[00:05:06]

Der intelligente Stall würde das automatisch in seine hochkomplexe Steuerungs Anlage integrieren. Können Landwirte noch mehr für den Stall der Zukunft tun?

[00:05:25]

Der Verhaltensforscher Lars Schrader meint Ja. Der Leiter des Celler Instituts für Tierschutz und Tierhaltung verweist darauf, dass intelligente Teilprojekte wie das Potsdamer mit ihrer Komplexität zu kämpfen haben. Die Tiere würden zum Beispiel an unterschiedlichen Stellen im Stall koten und ihre Gase erzeugen. Das macht die Berechnung schwierig.

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Tierwohl ließe sich jedoch mit viel weniger Technik verbessern.

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Unsere Idee ist jetzt, bei den Rindern die kognitive Leistungsfähigkeit zu nutzen zum Wohle der Umwelt und zum Wohle des Tieres, weil, wenn wir die Tiere trainieren könnten, in eine bestimmte Ecke nur zu koten und zu warnen. Dann hätten wir schon einmal gewonnen, dass die emissions aktive Oberfläche sehr beschränkt ist. Wir könnten an dieser einen Stelle, wenn man so will, ein Klo integrieren.

[00:06:15]

Das Spezialschiff für Rinder könnte verhindern, dass sich Kot und Harn vermischen. Damit ließe sich die Bildung von Ammoniak verhindern. Das wäre der positive Umwelt Effekt.

[00:06:27]

Der positive Effekt wäre, dass die Tiere zum einen eine bessere Klauen Gesundheit hätten, weil Kot und Hannu in einer Ecke anfallen. Und das hat dann mit der Kognition zu tun. Dieses Training, das Klo zu benutzen und die Erwartung, dass es dann, wenn sie dort Quoten haben, eine Belohnung gibt. Das ist eine kognitive Umwelt. Einreichungen für die Tiere, wo wir die Hypothese zumindest erst einmal aufstellen, dass das sich auch auf das Wohlbefinden der Tiere positiv auswirken kann.

[00:06:56]

Lars Schrader möchte die geistigen Eigenschaften der Tiere berücksichtigen. Ihre kognitiven Fähigkeiten baue einen Stall, in dem der Geist der Tiere gefördert und belohnt wird. Dann wird es ihnen gut gehen. Schrader ist ein Wissenschaftler, der auch aus ethischen Gründen an Nutztieren forscht. Sein Institut gehört zum Friedrich-Loeffler-Institut, einer selbstständigen Bundesbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

[00:07:25]

Natürlich war die Motivation auch die Lebensbedingungen für die Nutztiere zu verbessern.

[00:07:39]

Die Vorstellung, Schimpansen, Hunde oder Katzen in engen Käfigen zu halten, zu töten und zu essen, löst bei den meisten Menschen Empörung aus.

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Warum aber hält sich die Empörung in Grenzen, wenn Schweine, Ziegen oder Hühner in engen und schlecht belüfteten Käfigen leben? Eine mögliche Antwort lautet Der Mensch will Tiere offenbar nur dann menschlich behandeln, wenn sie ihm ähneln. Schweine, Kühe, Ziegen und Hühner scheinen ganz anders zu sein. Doch Schraders Forschungen laden zum Umdenken ein. Sie revidieren beispielsweise die uralte Vorstellung vom dummen Huhn.

[00:08:17]

Man denkt ja immer, dass es so eine große Herde und die Hühner sind blöd und gackern dämlich rum und picken und finden hin und wieder auch mal ein Korn. Wir haben aber lernen, versuchen mit denen gemacht. Das sind im Grunde genommen so aus, dass die in der ersten Stufe lernen sollten, zwei Symbole zu unterscheiden.

[00:08:37]

Erste Stufe des Experiments Hühner bekommen zwei Symbole gezeigt, die sich in Form und Farbe unterscheiden.

[00:08:45]

Das eine ist ein Kreuz, das andere ein Kreis. Das eine ist gelb, das andere rot. Auf der ersten Stufe bekommen die Hühner nur eine Belohnung, wenn sie die Formen unterscheiden und die Farben ignorieren.

[00:08:58]

Picken sie zum Beispiel auf den Kreis, gibt es Futter, picken Sie auf das Kreuz, gibt es nichts. Oder umgekehrt? Die Tiere lernen das. Die zweite Stufe des Experiments Die Tiere bekommen keine Belohnung mehr, wenn sie Formen unterscheiden, sondern nur, wenn sie die richtige Farbe antippen.

[00:09:18]

Rot oder gelb?

[00:09:20]

Sie lernen auch, dass. In der dritten Stufe mussten sie dann lernen, dass weder die Form noch die Farbe wichtig ist, sondern plötzlich die Größe des Symbols. Und auch das haben die Tiere gelernt. Was zum Beispiel Menschen mit einer psychischen Erkrankung dann schon nicht mehr lernen können. Das zeigt uns, dass sie eben lernen, dass plötzlich eine andere Regel, die vorher noch gültig war, jetzt nicht mehr gültig ist und eine neue Regel jetzt gültig ist.

[00:09:50]

Farbe, Form und Größe von Symbolen sind für Hühner sehr abstrakte Eigenschaften. Offenbar können sie regelhaft Zusammenhänge zwischen ihnen und der Futter Gabe herstellen und flexibel auf Veränderungen reagieren. Ein höheres kognitives, also geistiges Vermögen, das man in anderer Form inzwischen sogar bei Schweinen nachweisen kann.

[00:10:15]

Ein Schweinestall in Dumas Dorf nahe Rostock. Das dortige Institut für Verhaltens Physiologie gehört zum Leibniz-Institut für Nutztier Biologie. Manche Schweine liegen hier faul in kleinen Stall, buchten herum, andere stehen zusammen, wieder andere kauen Stroh oder grunzen sich an. Der Stall ist fast so groß wie ein Fußballfeld, und die Tiere fühlen sich offenbar sehr wohl.

[00:10:39]

Nutztiere, das sind Tiere, wie wir auch Hunde haben, oder Katzen, mit denen wir eine ganz andere Beziehung haben. Das sind unsere Freunde, und wir leben mit diesen Tieren und machen einen unglaublichen Aufwand. Teilweise ist es ihnen gut. Geht. Aber Schweine, die essen? Meine Motivation war eigentlich. Was können diese Tiere?

[00:11:00]

Birger Puppe leitet das Institut für Verhaltens, Physiologie. Als Sohn einer Biologin hat er sich früh für Tiere interessiert und wunderte sich immer mehr darüber, warum wir eigentlich mit Hunden und Katzen so anders umgehen als mit Nutztieren.

[00:11:15]

Was erstaunlich ist, passiert auch bei mir etwas, was bei vielen Menschen passiert. Je mehr ein solches Tier nähergebracht wird vom Verhalten, dann ist das Gefühl, dass wir diese Tiere essen oder anderweitig nur nutzen und nicht als Tier sehen, schon ein Gefühl, was man im Hinterkopf hat.

[00:11:32]

In einer Studie, die ihn zum Grübeln brachte, untersuchte er, in wieweit sich Mensch und Schwein in puncto Willenskraft unterscheiden.

[00:11:40]

Menschen können ihren Willen kontrollieren. Der deutsch amerikanische Forscher Walter Michel stellte in berühmt gewordenen Experimenten zwei bis sechsjährige Kinder vor die Wahl Entweder bekommst du einen Marshmallow sofort oder zwei Marshmallows später. Schon Vierjährige schafften es, sich zu beherrschen.

[00:12:00]

Bei den Nutztieren waren es keine Marshmallows. Birger Puppe ließ seine Schweine zwischen normalem Futter oder leckeren Rosinen wählen.

[00:12:08]

Wir haben hier erste Versuche bei Schweinen gemacht und konnten zeigen, dass die Schweine auch in der Lage sind, zu einem gewissen Maße diese Impulskontrolle zu haben. Beispielsweise warten in den letzten Versuchen die Tiere fast eine Minute darauf, diese höherwertige Belohnung zu bekommen und auf diese kurzfristige Belohnung zu verzichten. Das heißt, Sie haben eine gewisse planerische Voraussicht, was kommen wird. Das ist schon eine erstaunliche kognitive Leistung.

[00:12:35]

Die Tiere haben Schweine, machen etwas, das wir als typisch menschlich bezeichnen würden. Sie unterdrücken ihren unmittelbaren Impuls und schauen Planens in die Zukunft. Seit dem neunzehnten Jahrhundert werden Nutztiere in immer größeren Ställen industriell gehalten und in abgelegenen Schlachthöfen getötet. Das hat sich auf die Beziehung zwischen Mensch und Nutztier ausgewirkt. Wir realisieren nicht mehr, dass das lebendige Huhn im Stall und das Fleisch in der Pfanne zusammengehören. Birger Puppe hofft, dass die jüngsten Erkenntnisse über die Fähigkeiten der Nutztiere dazu auffordern, sie neu zu sehen.

[00:13:15]

Ich glaube, wir brauchen dieses Gefühl wieder. Diese Entfremdung zwischen Nutztier, das irgendwo in Ställen lebt, und zwischen dem, was wir in der Theke kaufen. Diese Beziehung führt dazu, dass wahrscheinlich das als ein Produkt gesehen wird, was möglichst billig zu kaufen ist. Und das ist es aber nicht. All diese Produkte sind Subjekte, sind Tiere. Sie haben Emotionen. Sie haben kognitive Fähigkeiten. Und klar, der Mensch hat sich entschlossen. Da musste er auch sich entwickeln, sie zu essen und durch sie auch zu überleben.

[00:13:46]

Aber wir sollten wenigstens dafür Sorge tragen, dass wir in der Zeit, wo sie bei uns leben, entsprechend ihren Bedürfnissen, ihrem Verhalten so gehalten werden, dass es ethischen Ansprüchen genügt.

[00:13:56]

Der Coruña Skandal beim Massen schlachtbetrieb Turniers hat der öffentlichkeit drastisch vor Augen geführt, unter welch katastrophalen Bedingungen nicht nur Menschen arbeiten müssen, sondern Tiere gehalten und geschlachtet werden, um billiges Fleisch anbieten zu können. Die weit verbreitete Empörung bietet mehrere Chancen. Umweltverbände und Verbraucherschützer unterstützen die Idee eines Fleisch, Zuschlags bzw. einer Tierwohl. Abgabe 38 Cent pro Kilogramm Fleisch hatte ein Beratergremium dem Bundeslandwirtschaftsministerium schon Anfang des Jahres empfohlen. Sie sollen den Umbau zu einer artgerechte Tierhaltung beschleunigen. Tierschützer hoffen, dass nun endlich ernster genommen wird, was das deutsche Tierschutzgesetz unter Wohlbefinden der Tiere versteht.

[00:14:45]

Birger Puppe möchte, dass die neuen Forschungsergebnisse in diesen Begriff einfließen.

[00:14:50]

Wir haben eine sehr komplizierte, aber wissenschaftlich, wie ich finde, sehr valide Definition entwickelt, nämlich Wohlbefinden als ein Zustand der physischen und psychischen Gesundheit von Tieren zu betrachten, der sich vor dem Hintergrund ihrer individuellen, vor allen Dingen aber auch kognitiven Ansprüche und Fähigkeiten ergibt.

[00:15:20]

Der verhaltensbiologe Birger Puppe plädiert wie Lars Schrader dafür, Geist und Psyche der Nutztier im Stall viel stärker als bisher anzuregen. Cognitive Umwelt Anreicherung heißt das neue Konzept. Nutztiere müssten so gehalten werden, dass sie ihre Gefühle und ihre intellektuellen Fähigkeiten ausleben können, solange sie leben. Wohlgemerkt, denn das Schlachten ist nach wie vor vorgesehen. Deshalb sieht die Berliner Philosophin und Tierrechte Aktivistin Friederike Schmitz vom Verein Mensch, Tier, Bildung das Konzept skeptisch.

[00:15:54]

Ich finde, dass die sogenannten Nutztiere natürlich auch an ihrem Leben hängen. Und gerade wenn sie jetzt ein gutes Leben hätten, gerade dann ist es doch total komisch zu sagen, dass man ihnen dann nichts wegnimmt, quasi, wenn man sie tötet. Oder dass das kein Problem sei, sondern gerade dann ist es doch offensichtliches Unrecht in dieses Leben zu nehmen.

[00:16:14]

Ein Grundsatzstreit, in dem Lars Schrader vom Celler Institut für Tierschutz und Tierhaltung auf die Realitäten verweist.

[00:16:22]

Wenn wir uns einig sind, und das scheint heute noch die Mehrheit der Bevölkerung zu sein. Doch wir wollen Tiere nutzen können, dann können wir über Verbesserungen der Tierhaltung reden. Und die Hypothese ist, dass sie sich wohler fühlen. Wenn sie selber entscheiden können und auch Aspekte ihrer Haltungs Umwelt selber bestimmen können.

[00:16:40]

Ist das Konzept der kognitiven Umwelt Anreicherung überhaupt praktikabel? Gerade in Massen Ställen, in denen Tausende Tiere gehalten werden. Im Prinzip richtet sich das Konzept an alle Formen der Tierhaltung. Die Forscher experimentieren im Moment jedoch mit kleinen, übersichtlichen Stellen. Ein Projekt der kognitiven Umwelt Anreicherung im Doma Stoff liefert bereits gute Ergebnisse. Die Forscher haben Schweinen Namen antrainiert.

[00:17:09]

Ein Schwein hört zum Beispiel auf den Namen Turbine, das andere auf Beate, das dritte auf Adèle. Entspannte Stimmung im Dumas Dorfer, Schweinestall, mehrere Schweine stehen bewegungslos nebeneinander. Plötzlich kommt eine Lautsprecherdurchsage. Ein Schwein zuckt leicht. Bleibt aber stehen und schaut nach rechts. Dort setzt sich ein anderes Schwein in Bewegung. Es ist Adèle.

[00:17:43]

Adèle läuft zu einer Box, deren Türen sich öffnen. Dahinter steht ein Futtertrog, an dem sie sich nun alleine versorgen kann. Die anderen Schweine bleiben zurück.

[00:17:53]

Normalerweise gibt es am Futtertrog Zank unter den Schweinen, erzählt Christian Maan Teufel, der das Thomas Dorfer namens Aufruf System betreut. Jedes Schwein will das erste sein. Es kommt zu Gedränge und Verletzungen. Wenn die Schweine aber einzeln mit ihrem Namen aufgerufen werden, warten sie artig. Sie lösen nicht nur die denkaufgaben Adèle Das bin ich beziehungsweise Adèle, das bin ich nicht.

[00:18:21]

Sie lernen offenbar auch, dass es stressfreier ist, wenn wirklich nur ein Schwein zur Futterstelle geht.

[00:18:26]

Es gibt so ein Verhalten, dass die Tiere sich gegenseitig bedecken und saugen, was auch zu Verletzungen führen kann, wenn es so intensiv durchgeführt wird. Sowas wird verringert. Verletzungsrisiko Krankheitsrisiko wird verringert. Das heißt, es gibt Probleme mit der Stabilität, wo sie stürzen und sich verletzen. Sowas kann natürlich reduziert werden und dadurch einen auch finanziellen Mehrwert für den Landwirt bringen.

[00:18:47]

Wenn man so etwas verringern kann Ruhezeit im dummer Staufer, Schweinestall. Die Tiere liegen faul auf dem Boden, dösen vor sich hin oder schlafen leicht auf die Seite gerollt, mit ausgestreckten Beinen. Dann ertönt wieder die Stimme aus dem Lautsprecher.

[00:19:04]

Alle Tiere mit anderem Namen bleiben liegen, schlafen und dösen weiter vor sich hin.

[00:19:10]

Nur Turbine wird aus seinen Träumen gerissen, rappelt sich blitzschnell hoch und rennt zum Futtertrog.

[00:19:17]

Das Fütterungen System arbeitet zu erfolgreich, dass Christian Maan Teufel es für landwirtschaftliche Betriebe finanziell interessant machen will.

[00:19:25]

Er rechnet vor Im Moment liegt es bei 1700 Euro netto, was schon eine Menge ist, was aber selbst in diesen Größenordnungen nicht unrealistisch ist dass sich das rentieren kann, wenn man mal überlegt, dass ein Ferkel, wenn es mal aufgezogen wurde, vielleicht 60 Euro bringt. Eine Sau hat man konservativ kalkuliert, 100 Ferkel, dann sind das schon mal 600 Euro. Und wenn so ein Tier ausfällt durch eine Verletzung, dann fehlen irgendwie 600 Euro plus die Sau. Und dann muss das nur zwei, drei Mal passieren.

[00:19:54]

Dann hat man die Kosten wieder drin. Es ist realistisch, dass sich das rentiert, wenn eine gewisse Zeit. Wie schnell das geht, das muss man noch feststellen. In einem anderen Stall in Dummys Dorf schauen entspannte Ziegen neugierig zu, wie der Verhaltens Wissenschaftler Jan Langbein in einen Beutel greift, von dem sie wissen Da sind Leckereien drin.

[00:20:17]

Jan Langbein verwöhnt die Ziegen nicht nur regelmäßig mit Leckereien. Er führt auch Experimente mit ihnen durch. Erkennen die Tiere, unter welchem von zwei Hütchen eine Belohnung versteckt ist?

[00:20:29]

Jetzt können wir entweder beide Hütchen heben und wieder senken und das Tier wählen lassen. Dann ist es relativ einfach.

[00:20:35]

Aber Jan Langbein hat die Anforderungen an seine Ziegen in einem Experiment mächtig erhöht.

[00:20:41]

Dann wurden die Becher vor dem Tier vom Experimentator gekreuzt und einmal so, dass der köderte Becher vor dem Tier wanderte und einmal aber auch, dass der bekümmerte Becher hinter der Hand des Menschen wanderte, was natürlich für das Tier noch viel schwieriger ist. Und auch in diesen Situationen konnten unsere Ziegen sehr wohl der versteckten Futter Belohnung unter dem Becher und der Bewegung des Bechers folgen. Man muss sich ja mal klarmachen Die Tiere müssen sich im Kopf vorstellen, da ist immer noch eine Belohnung, obwohl sie sie gar nicht sehen.

[00:21:10]

Das ist das, was man ein Objekt Permanenz nennt. Und das ist natürlich eine tolle Leistung.

[00:21:14]

Immer wieder können die Ziegen im Stall ihr Hirn anstrengen und zeigen, was in ihnen steckt.

[00:21:24]

Jan Langbein führt Besucher gerne in eine ganz besondere Experimental Ecke im Stall. Dort steht eine Ziege mit Hellbraun im Fell gerade aufmerksam vor einem Monitor. Sie sieht dort vier Felder mit vier unterschiedlichen Symbolen Pinguin, Dreieck, Kreis und Welle.

[00:21:45]

Behände drückt die Ziege mit ihrer Schnauze auf das Feld, mit dem Pinguin Knopf. Ein Tonsignal verkündet Die Wahl war richtig. Als Belohnung gibt es Wasser.

[00:21:57]

Jan Langbein konnte in mehreren Experimenten in Mosdorf zeigen, dass Ziegen bis zu sechs verschiedene Motive voneinander unterscheiden können. Sie lernen und merken sich, wann sie den Pinguin wählen müssen, um Wasser zu bekommen. Wann zum Beispiel den Kreis? Nicht nur ihr Gedächtnis ist offenbar groß. Die Symbole, die sie unterscheiden, erfordern auch ein ziemliches Abstraktionsvermögen. Und manchen Tieren scheint es sogar Spaß zu machen, solche Aufgaben immer wieder zu lösen.

[00:22:27]

Wir haben einen Versuch gemacht, wo wir die Tiere trainiert haben auf diese vierfach vahl Aufgaben zur Unterscheidung von Mustern, die wir präsentieren, und haben ihnen dann aber auch beigebracht, aus einer ganz normalen Tränke zu trinken.

[00:22:38]

Die Tiere konnten wählen. Will ich aufwendig testen, ob ich immer noch das richtige Symbol kenne? Oder will ich einfach bequem trinken?

[00:22:47]

Und dann können wir feststellen, dass etwa 32 Prozent der Ziegen nach wie vor zum Lernen Automaten gegangen sind, um sich dort das Wasser, was sie gleichzeitig auch völlig frei und ohne jeden Aufwand hätten haben können, abgeholt haben. Und das ist für uns sozusagen ein Beleg dafür, dass die Tiere an dieser Kernaufgabe, an dieser Umwelt Anreicherung, wie wir es nennen, ein Interesse über die Belohnung hinaus haben.

[00:23:11]

Mehrere Studien belegen inzwischen, dass sich solche Anreicherung des Stadtlebens tatsächlich positiv auswirken. Birger Puppe, der Direktor der Dumas Eitorfer Forschungseinrichtung, fasst zusammen Wir konnten feststellen, dass Tiere, die erfolgreich Aufgaben lösen, keine erhöhte Stressbelastung haben.

[00:23:30]

Ihre Aktivität ist tatsächlich besser. Sie hatten eine verbesserte Wundheilung. Sie hatten eine erhöhte Bewegungs Aktivität, zeigten weniger Verhaltens, Anomalien und auch in bestimmten Tests verringerte Angst und Furcht. Reaktionen Im Bereich der Herzfrequenz konnten wir zeigen, dass ihr autonomes System ein bisschen in Richtung Pacher Sympathikus, also der Entspannung, verschoben war.

[00:23:53]

Nutztieren, die sich geistig betätigen, geht es besser als gelangweilten Artgenossen. Das sieht auch die Tierrechte bewegte Philosophin Friederike Schmitz vom Verein Mensch, Tier, Bildung so. Aber es reicht ihr nicht.

[00:24:07]

Ich denke schon, dass das Schwein in der Nutztierhaltung besser und schlechter gehen kann und dass da bestimmte Spielzeug, Anreicherung oder eben solche Aufgaben, die die Schweine bekommen, und solche Verbesserungen tatsächlich auch das Leid, das die Schweine da erleben müssen, verringern und das Leben etwas erträglicher machen. Aber ich denke, dass das immer noch fast nichts damit zu tun hat, was Schweine eigentlich für ein gutes oder erfülltes Leben brauchen. Ich denke, dass Schweine nicht nur das Bedürfnis haben, ein bisschen beschäftigt zu sein und sich nicht quasi 94 Stunden lang zu langweilen, sondern haben auch das Bedürfnis zu wühlen.

[00:24:44]

Zum Beispiel sich zu suhlen, komplexe sozial verhältnisse, soziale Beziehungen zu pflegen.

[00:24:52]

Bühner gehen einen labyrinthischen Weg entlang, der sich plötzlich gabelt. Sollen sie nach links oder nach rechts gehen? Zuerst entscheiden sie nach dem Zufallsprinzip. Aber dann kommen sie allmählich dahinter. Nur in einer Richtung erhalten sie Futter. Eine Testgruppe dieser Hühner wurde in Celle isoliert im Stall gehalten, bevor sie auf die Gabelung Bauaufgabe losgelassen wurde. In einer Vergleichsgruppe hatten die Hühner dagegen eine Woche lang Auslauf und konnten die Umwelt selbstständig erkunden. Tobias Krause vom Celler Institut für Tierschutz und Tierhaltung, die diese Woche die Umwelt Anreicherung hatten durch den Auslauf, waren weniger ängstlich.

[00:25:35]

Und wenn sich das eigentliche Lernen angeschaut hat? Die Tiere, die den Auslauf hatten, die angereicherte Umwelt hatten, konnten deutlich schneller lernen.

[00:25:43]

Spricht dieses Experiment nicht dafür, dass Nutztiere einfach mehr Platz und eine natürliche Umgebung brauchen, damit es ihnen gut geht, also das, was Biobauern mit ihrer ökologisch ausgerichteten Tierhaltung sowieso anbieten? Die kognitive Umwelt Anregung, mit ihren Spielen und übungen für die Tiere wäre dafür nur ein künstlicher Ersatz. Friederike Schmitz zieht aus solchen überlegungen radikale Konsequenzen.

[00:26:10]

Wenn wir da schauen, was Tiere eigentlich für ein erfülltes Leben brauchen, dann kommt raus, dass das mindestens unter kommerziellen Bedingungen eben nicht umsetzbar ist. Da hilft dann auch diese Forschung nicht weiter, die nur kosmetische Verbesserungen tatsächlich erreichen kann, weil sie eine Forschung für eine kommerzielle Industrie ist, die eben immer nur das umsetzen können wird, was auch wirtschaftlich machbar ist. Und da stößt auch der höchste Tierwohl Begriff an seine natürlichen Grenzen. Das alles viel mehr Geld kostet, als da Leute bereit sind, dafür auszugeben.

[00:26:52]

Solange die Gesellschaft nicht bereit ist, auf Tier Fleisch zu verzichten, wird es die kommerzielle Nutztierhaltung geben. Damit stellt sich die Frage, wie das Wohl der Tiere in den Ställen verbessert werden kann. Die Verhaltensbiologen Birger Puppe und Lars Schrader gehen davon aus, dass die kognitive Umwelt Anreicherung in allen Stallungen eingeführt werden könnte, in denen sich Tiere bisher nur wenig geistig betätigen können. Ob das auch in einem Hühnerstall mit Tausenden Hühnern möglich sein wird, ist allerdings schwer vorstellbar. Aber die neuen Forschungen setzen Akzente, die auch die Politik beschäftigen sollten.

[00:27:30]

Und sie spitzen die alte ethische Debatte um das Tierwohl noch einmal zu.

[00:27:37]

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