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SWR 2 wissen.. Jedoch die größte Frechheit im Auftischen bahren Unsinns Zusammen schmieren sinn. Lehrer rasender Wortgefechte, wie man sie bis dahin nur in toll. Häusern vernommen hatte, trat endlich im Hegel auf und wurde das Werkzeug der Plumpes, den allgemeinen Mystifikation, die je gewesen mit einem Erfolg, welcher der Nachwelt fabelhaft erscheinen und ein Denkmal deutscher Albernheit bleiben wird. Hegel und seine Gegner machen. Er ist einer der meistgehassten und doch meistgelesenen und auch einflussreichsten Philosophen Deutschlands. Georg Wilhelm Friedrich Hegel, geboren in Stuttgart am 27.

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August 1770, gestorben am 14. November 1831 in Berlin.

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Als sein wohl größter Feind gilt bis heute sein Zeitgenosse Arthur Schopenhauer, der Hegels Schriften gerne als Gipfel der Scharlatanerie bezeichnet. Vor allem dann, wenn er bei Hegel lesen muss.

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Logisch ist der Anfang. Indem er im Element des frei für sich seienden Denkens im reinen Wissen gemacht werden soll, vermittelt er hiermit dadurch, dass das reine Wissen die letzte absolute Wahrheit des Bewusstseins ist. Die Logik hat insofern die Wissenschaft des erscheinenden Geistes zu ihrer Voraussetzung, welche die Notwendigkeit und damit den Beweis der Wahrheit des Standpunktes, der das reine Wissen ist, wie dessen Vermittlung überhaupt enthält und aufzeigt.

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Für Schopenhauer ist dies leeres Geschwätz. Er widersetzt sich einer reinen Logik jenseits von Inhalt und Erfahrung, so wie Hegel sie gerne präsentiert.

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Logik als reines, als gereinigtes, sozusagen als Ausgeleert. Das Wissen ist nach Schopenhauer nichts weiter als ein steriles Gedanken Konstrukt. Aber nicht nur er, sondern auch andere Philosophen und Staats Theoretiker haben am Denken von Hegel viel auszusetzen.

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Hegels Anspruch, ein vollendetes philosophisches System geschaffen zu haben, provoziert viele von ihnen, wie etwa den um einige Jahre jüngeren dänischen Zeitgenossen Sören Kierkegaard.

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Dieser macht sich lustig über das allzu weit schweifende hegelsche denksystem So gut wie irgendeiner bin ich bereit, vor dem System anbeten nieder zu fallen, wenn ich es bloß zu sehen bekommen könnte. Vereinzelte Male bin ich ganz nahe am Anbeten gewesen, aber in dem Augenblick, wo ich schon mein Taschentuch ausgebreitet hatte, um bei dem Kniefall nicht meine Beinkleider zu beschmutzen. Wenn ich da ganz treuherzig zum letzten Mal zu einem der Eingeweihten sagte, sagen Sie mir nun aufrichtig, ist es nun auch ganz fertig.

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Denn in dem Falle will ich mich niederwerfung. Selbst wenn ich ein paar Hosen dadurch verderben sollte, so bekam ich immer die Antwort Nein. Noch ist es wohl nicht ganz fertig. Und so wurde es denn wieder aufgeschoben. Mit dem System und mit dem Kniefall. Die Kette der Kritiker reißt nicht ab, sie reicht bis in die heutige Zeit Von Hegel zu Hitler heißt etwa das Buch von Hubert Kiesewetter, in welchem er nachweisen will, dass Hegel in seiner Rechtsphilosophie einem totalitären staatsmodell huldigte, während er gleichzeitig Werte wie Individualismus, Liberalismus und Parlamentarismus verworfen habe.

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Diese These hat in den letzten Jahren Hegels Ruf geschädigt. Wobei die Aussage selbst zweifelhaft ist.

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Eine direkte ideologische Verknüpfung von der Staatsphilosophie Hegels zum totalitären Machtapparat Hitlers kann man eben nicht nachweisen.

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Das meinen Hegel Spezialisten wie Michael Quanta, Professor für Philosophie an der Universität Münster.

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Das ist aus verschiedensten Gründen falsch, weil Hegel zwar eine Idee hat von Einzelstaaten.

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Er war kein Anhänger eines weltbürgertum, sondern er glaubte, dass kulturelle Identität und Anerkennung, Beziehungen zwischen Staaten, auch Konflikte. Zentrale Elemente sind, so etwas wie ein normative Selbstverständnis auszubilden. Das ist aber keine biologische Größe. Die Kategorie der Rasse oder des Volkes ist für ihn überhaupt keine relevante. Und es geht ihm als Ziel aller politischen Ordnung darum, Menschen ein individuell selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Und nichts kann weiter weg sein als totalitäre Macht. Phantasien, die dann im Dritten Reich brutalst ausgelebt wurden von dieser Kernidee.

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Georg Wilhelm Friedrich Hegel tritt zwar als Unterstützer national konservativer staatsmodell auf, verabscheut jedoch die deutschnationalen Bewegungen wie die Burschenschaften. Den Begriff Deutschtum verballhornt er gerne als Deutschtum, dann gilt er auch als Inspirator der aufkommenden sozialistischen Bewegungen. Angeblich wird er zweimal in seinem Leben für die große Französische Revolution aktiv. Noch zur Studienzeit und mit seinen Studien Kameraden, dem Dichter Friedrich Hölderlin und dem Philosophen Wilhelm Joseph Schelling soll er zu Ehren der Französischen Revolution am Neckar Ufer einen Freiheitsraum errichtet haben. Als Hauslehrer in Frankfurt spielt er dann sogar den Nachrichten KURIER für den pro jakobinischen Verschwörer Carl Friedrich von Pinnacle.

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Einige Jahrzehnte später jedoch, um 1835 16, vertritt er im württembergischen Verfassungsstreit die Position des Königs gegen die bürgerlichen Stände. Wie ist ein solcher Gesinnungswandel möglich? Es sei kein Gesinnungswandel, erklären viele Hegel Spezialisten, sondern Teil seiner Philosophie. Hegel verschließe sich jedweder einseitigen ideologischen Vereinnahmung, da er Partikularinteressen immer nur als einen Teil eines größeren Ganzen verstehe, also als einen Teil von vielen Interessen. Darum erhebt er keinesfalls den Anspruch, eine absolute Wahrheit zu vertreten, erklärt Sebastian Stein, Dozent für Philosophie an der Universität Heidelberg.

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Wer sich durchaus bewusst, dass er selber bestenfalls als einzelner Philosoph, der auch geschichtlich situiert ist, nicht die Wahrheit selber ist er sagt alle Philosophen von Thales angefangen oder noch früher bis in alle Zukunft. Bestenfalls können Philosophen der Wahrheit dienen, der Wahrheit zum Sprachrohr werden, natürlich ohne die eigene Subjektivität zu verlieren. Man muss aktiv sein als Individuum, man muss sich entschließen zu denken, man muss ganz bewusst und mit ungeheurer Mühe den Geist dorthin bringen, sich wirklich der Vernunft zu öffnen.

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Für seine Anhänger ist Hegel schon immer mehr als nur ein angesehener Intellektueller. Der etwas behäbige schwäbische Familienvater, der gerne mal mehr als nur ein Gläschen Wein zu sich nimmt, ist in ihren Augen der größte deutsche Denker aller Zeiten und seine Philosophie das umfassendste denksystem überhaupt.

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Die Hörsäle an der Universität Berlin sind während seiner Vorlesungen überfüllt, und der Philosoph selbst erhält Fanpost von Vertretern unterschiedlichster Berufsstände, von Juristen, Ministerialen, Räten, Geistlichen, Kavalleristen und Fabrikanten.

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In Berlin herrscht zu seiner Zeit ein regelrechtes Hegel Fieber auf ein neues, berühmtes Bild aus der Werkstätte eines berühmten Malers herauskam. Oder ob eine neue, vielversprechende Erfindung die Aufmerksamkeit der Industriellen auf sich lenkte. Ob irgendein genialer Gedanke aus den Wissenschaften in die gelehrte Welt einschlug oder ob das Fräulein Sonntag im Konzert sang. In allen Fällen fragte ganz Berlin Was denkt Hegel darüber?

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Die Berühmtheit Hegels war so groß, dass sie sogar Friedrich Wilhelm dem Zweiten zu weit ging, wie der Hegel Biograf Sebastian Austritt schreibt.

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Zu Hegels 56. Geburtstag seine Frau und Kinder sind verreist veranstalten seine Freunde eine opulente Feier im neu eröffneten Lokal Unter den Linden. Eine studentische Delegation tritt auf, um dem Lehrer feierlich einen Silber, becher und gebundene Gedichte zu überreichen. Dem Geburtstagskind unbekannter Geburtstags entpuppt sich als der Bildhauer Ludwig Wiechmann, dem die Aufgabe übertragen worden ist, Hegels Büste zu erstellen. Und als es dann Mitternacht schlägt und aus dem 27. der 28. August wird, wird nun auch Goethes Wiegenfest begossen. Die Zeitung berichtet derart ausführlich über das Ereignis, dass sie damit die Eifersucht eines anderen August Kindes weckt.

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Friedrich Wilhelm, der Dritte, der am 3. August desselben Jahres ebenfalls 56 Jahre alt geworden ist. Er lässt kurz nach dem Erscheinen des Artikels eine Kabinetts, mit der die Zensurbehörde angewiesen wird, Berichte über private Feiern in Zukunft zu unterbinden.

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Nicht nur in Preußen steht der Name Hegel für ein Denken, das die gesamte Spannbreite der menschlichen Vernunft, der Moral, des Rechts, der Religion, der Kunst, der Politik und der Geschichte umfasst.

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Was viele fasziniert, ist auch seine Dreiteilung des menschlichen Geistes, das heißt der menschlichen Vernunft Zunächst einmal, so Hegel, gibt es den subjektiven Geist, der alles unmittelbar erlebt und bestimmt.

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Daraus kann der Mensch, der sein Denken schult, den objektiven Geist entwickeln, der aus der rein subjektiven Sphäre heraustritt, um die Welt nach seinem Willen zu gestalten, und auch eigene Werte hervorbringt. Im Bereich des Rechts, der Moral und der Sittlichkeit. Daraus folgt der wesentlich höher stehende absolute Geist, der aus dem im Wissen um sich selbst und über die Beschäftigung mit Kunst, Religion und Philosophie erwächst. Ein solcher Mensch, der diese Geistes Schulung betreibt und bis zum absoluten Geist vorstößt, ist dann fähig, auf allen Ebenen der Gesellschaft das Vernünftige zu vertreten.

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Wichtig dabei ist zu wissen, dass für Hegel die Vernunft eine Kraft ist, die das gesamte Universum ausmacht und beherrscht. Alles in diesem Kosmos ist vernünftig und intelligent zusammengefügt, und die Aufgabe des Menschen liege nun darin, diese in allen Dingen und Lebewesen lebende Vernunft zu erkennen und damit das gesellschaftliche Leben zu gestalten.

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Sebastian Stein ist nämlich solcher Art, dass die Vernunft im Prinzip immer schon in uns, in uns allen wirkt und dadurch auch wir immer Zwiesprache von ihr werden können, und zwar so, wie sie wirklich ist, also nicht, wie sie jetzt zu sein scheint oder wie sie sein könnte als Möglichkeit, sondern wie sie wirklich ist. Aber das ist natürlich auch der Anspruch, den laut Hegel unausweichlich alle Philosophen immer gehegt haben. Die wollen einfach ein Selbstverständnis ihrer eigenen Wissenschaft, immer das Unbedingte, das nicht korrigierbar, das Ewige auf eine Art und Weise ausdrücken, wie es die anderen Wissenschaften dann vielleicht auf solche Art nicht versuchen.

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Sag ich mal, weil ich von Anfang an sagen Das Projekt macht keinen Sinn, kann ich nicht, will ich nicht.

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Nach seiner Geschichtsphilosophie liegt das Prinzip zugrunde, dass die Vernunft den Lauf der Geschichte bestimme und dass diese Vernunft. Hegel nennt sie Weltgeist. Dass sich dieser Weltgeist bestimmter historischer Persönlichkeiten bediene, die genau wissen, was zu tun sei, um die Geschichte durch den Lauf der Zeit zu ihrer Vollendung zu führen. Nun ist Hegel ein Zeitgenosse der Französischen Revolution und der Napoleonischen Kriege. Er hat darum seine Vorstellung von der Vernunft der Geschichte im Angesicht der bürgerlichen Befreiung entwickelt. In unserer heutigen Gesellschaft, die von historischen Katastrophen wie dem Nationalsozialismus und dem Stalinismus geprägt worden, ist eine solche Idee natürlich nicht mehr zeitgemäß.

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Doch das ist normal, erklärt Michael Quanta von der Universität Münster. Kein philosophisches System ist hundertprozentig auf unsere Zeit übertragbar.

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Um bei Hegel zwei Beispiele zu nehmen, wo aus meiner Sicht die Grenzen seines Systems erreicht sind. Er basiert einige soziale Ordnung auf biologisch geläuterten sozialen Rollen von Geschlechtern. Da ist nach 250 Jahren so viel passiert in der Welt, dass man das nicht tun sollte.

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Er hat zugleich aus nachvollziehbaren Gründen eine konstitutionelle Monarchie für plausibler gehalten als basisdemokratisch nicht kontrollierbare staatsmodell. Auch da haben wir sicher zu viele Dinge gelernt in den letzten 250 Jahren, als dass das für uns noch attraktiv sein könnte.

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Trotzdem ist es seine Vorstellung von der Bedeutung des menschlichen Denkens, das ihn heute mehr denn je wieder aktuell werden lässt, erklärt Michael Quanta. Autonome Menschen sind für Hegel viel mehr als nur rationale Rechenmaschinen, die irgendwelche fest vorgeschriebenen ökonomischen Ziele verfolgen. Linth einem technologischen Zeitgeist gehorchen und sich von scheinbar allgemeingültigen politischen Meinungen manipulieren lassen.

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Er hat immer gesagt, dass soziale politische Gebilde störanfällig sind. Sie sind, wie er sagt, objektiver Geist, nicht absoluter Geist.

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Das bedeutet, sie haben Voraussetzungen, die sie selber nicht garantieren können. Eine Naturkatastrophe, ein Erdbeben, aber auch andere Ereignisse wie ein Militärputsch können ein vernünftiges politisches Gebilde zerstören, ohne dass es sich immer dagegen schützen kann.

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Der zweite moderne Punkt Wir dürfen politische Institutionen nicht mit Wünschen und Zielvorstellungen überfrachten, unter denen sie zusammenbrechen müssten. In dem Sinne kein utopischer Denker. Ich denke, dass wir in Zeiten wie diesen gute Gründe haben, den Realismus unserer Erwartungen an politische Ordnungen sehr ernst zu nehmen, um keine überzogenen Hoffnungen und Wünsche in die Welt zu setzen, die charismatische Leute vorgeblich erfüllen und im Endeffekt eben nicht erfüllen.

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Was aber ist nun das Besondere an der Philosophie Hegels? Es ist die Vorstellung, dass alle staatlichen und gesellschaftlichen Phänomene sowie auch ihre Institutionen aus dem denkenden, autonomen Willen des Menschen heraus entstehen sollen. Der Weg dieses Denkens ist jedoch nicht einfach und auf keinen Fall frei von Widersprüchen.

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Der Mensch, der wirklich denken lernen will, muss Widersprüche begreifen und sich von Widerspruch zu Widerspruch durchkämpfen. Diejenigen, die einfache Lösungen und klare Weltbilder anbieten, sind von vornherein auf dem Holzweg. Denn, so schreibt Hegel in seiner Phänomenologie des Geistes.

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Der Dogmatismus der Denkungsart im Wissen ist nichts anderes als die Meinung, dass das Wahre in einem Satz, der ein festes Resultat ist oder auch der unmittelbar gewusst wird.

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Erst die Einheit aller Dinge am Ende der Geschichte kann überhaupt erst zeigen, was Wahrheit war und in Ewigkeit irgend sein wird. Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze ist nur das durch seine Entwicklung sich ändernde Wesen. Es ist von dem Absoluten zu sagen, dass es erst am Ende das ist, was es in Wahrheit ist.

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Bis zu diesem Ende aller Zeiten muss sich der Mensch damit abfinden, dass an jedem Gedanken und in jedem Wert Widersprüchliches steckt. Im Sein steckt eben auch das nicht Sein in der Identität. Der Unterschied und das, was in einem Moment das Gute zu sein scheint, kann in einem anderen Moment Böses anrichten. Hegel ist ein radikaler Widerspruchs Denker, denn er sagt, dass alle Dinge aufgrund eben dieser inneren Widersprüchlichkeit vergehen. Nur das Denken kann diese Widersprüchlichkeit spekulativ, also durch Nachfragen und Vergleichen aufheben.

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Es erkennt zwischen Sein und Nichtsein das Werden, zwischen Identität und Unterschied das andere und zwischen Gut und Böse das Notwendige. Das nannte Hegel Dialektik, die Denkerin Bewegung von einem Widerspruch zu einem anderen.

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Kein anderer Philosoph hat sich je so detailliert mit der Bewegung des Denkens auseinandergesetzt, erklärt die Philosophie Professorin Violetter Weibel der Universität Wien.

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Auf jeder Stufe, die ich reflexiv durchlaufe, komme ich zur neuen Unmittelbarkeit. Alles, was ich durch das habe, was ich begriffen habe, ist ein Denken, das ein vermitteltes Denken ist. In der Sprache und Terminologie von Hegel. Aber in dem Augenblick, wo ich bestimmte Dinge begriffen und verstanden habe, zeigen sich neue Dinge, die ich noch nicht begriffen habe. Und das ist eben das Wunderbare, das wir von Hegel lernen können. Diese fortlaufende Reflexion, diese Erfahrung des Bewusstseins mit sich selber.

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Diese fortschreitende Erfahrung des Bewusstseins, das sich immer tiefer ereignen sieht, begreift zu einem begriffenen Selbstbewusstsein, gelangt zu einem Begriff Vernunft gelangt, zu einem begriffenen Geist gelangt und auf diesem Wege immer mehr erstens mal in der Intensität durchdenkt, begreift, entfaltet, aber auch einen immer größeren Zusammenhang erfasst.

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Das bedeutet aber auch, dass richtiges Nachdenken ein langwieriger Prozess ist. Indem ich alle Facetten und Widersprüche einer Situation, eines Wertes, einer Angelegenheit oder auch eines Buches Denkerin erfassen soll, wodurch ich nicht nur die Sache, sondern auch mich selbst besser verstehen lerne. Umgesetzt auf das praktische Leben heißt dies Wenn wir nachdenken, verzichten wir zunächst einmal auf jede Form der Wertung und Bewertung, erklärt auch der Hegel Spezialist Thomas Avenger aus Wien.

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Wir geben solchen Bestimmungen wie dem Positiven oder Negativen, einem bestimmten Ort. Was wir ordnen das in gewisser Weise räumlich zu. Die Forderung, die alles Simpelste, wäre jetzt einmal logisch und spekulativ, logisch sowieso, das Positive nur darüber zu bestimmen, dass es nicht das Negative ist und genau umgekehrt, dass das Negative nur dadurch bestimmt ist, dass es nicht das Positive ist.

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Gedanken wie diese haben den Philosophen Arthur Schopenhauer verärgert. Er nennt so etwas Sinnleere Wort, Geflechte. Denn wie soll man über positiv und negativ sprechen, wenn man dafür keinen Anlass hat? Was soll das bringen? Für einen Hegel Janna sieht das ein wenig anders aus. Es hat etwas mit einer inneren Distanz zu tun, die ein Denkender in Bezug auf jede Art von Wertung einnimmt.

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Thomas Avenger Das wäre ein wichtiger Punkt, von diesen Wertungen einmal wegzukommen. Wertungen, Bewertungen und letztlich alles, was in einer bestimmten sozusagen noch alles mitschwingt, verschiedenen Bedeutungen, die damit in unsere Handhabe hat oft etwas mit Wertung zu tun. Aber es gibt natürlich auch andere Bezüge, wo wir versuchen, von Haus aus etwas einzuordnen.

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Sich zunächst einmal von jeder Art von Bewertungen befreien zu wollen, verändert natürlich den Umgang mit allen Belangen des Lebens. Es macht bedächtiger, überlegter und differenzierter, erklärt violetter Weibe.

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Wenn man also seine reflexive Verhältnis gewinkt, um für bestimmte Zusammenhänge auch ein selbst Verhältnis zu entfalten und ein Verhältnis zu den anderen zu bekommen, ist das eine wunderbare Voraussetzung, um dann auch Rechtsphilosoph, Fisch und Staatsphilosophie Fisch vorbereitet zu sein und sich damit eben auch dafür vorzubereiten. Ein aufgeschlossener Bürger zu sein und zu werden. Das Entscheidende und Wichtige ist ja, dass man Subjektivität, subjektive Formen des Denkens, subjektive Willens, äußerungen unterscheiden kann von dem, was das Allgemeine ist.

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Kann uns all das heute noch etwas sagen? Sind wir nicht bereits die Rationalisten aller Zivilisationen? Aufwand und Nutzen abzuwägen, weiß man nicht im Hegelschen Sinne, meint Sebastian Stein von der Universität Heidelberg mit unserer von den Neurowissenschaften geprägten Vorstellung vom menschlichen Gehirn als Zentralstelle des menschlichen Denkens und Fühlens.

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Diese komischen Naturalismus oder ismus oder was da gerade auch um sich greift er sich in Englands acht Jahre gelebt, und da ist der Naturalismus ja sozusagen die einzige Alternative zum religiösen Fanatismus. Also sind alle Philosophen, Naturalisten, also so eine Art von Naturalismus, der wirklichen begriffliche Tiefe geht, sondern relativ oberflächlicher mechanistische, biologistische oder sonstwie naturwissenschaftlicher Naturalismus? Da würde ich sagen Ja, da geht ganz viel verloren, wenn man, wenn man nur so über die Welt und die Menschen denkt, unter anderem die Freiheit, die selbst die Autonomie, aber in letzter Instanz, wenn man konsequent durchgeht, auch die Menschenwürde, die besondere Stellung des Menschen gegenüber der Natur.

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Heißt denn nicht nur Wir müssen die Natur auf das Niveau eines Menschen heben, sondern dann geht eben auch der Umkehrschluss auf Einmal sinkt der Mensch auf das Niveau der Natur zurück. Und dann gibt es keinen Grund mehr, den Menschen besonders zu behandeln. Das sind alles extrem gefährliche Konsequenzen von einem Naturalismus, der konsequent durch gedacht., teilweise ganz andere Konsequenzen war, als die Leute beabsichtigen, die ihn vertreten.

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Auch Professor Ulrich Schlösser von der Universität Tübingen unterstreicht die besondere Stellung der Vernunft bei Hegel. Und Vernunft meint freies, spekulatives Denken. Dabei geht es immer darum, der Widersprüchlichkeit in den menschlichen Handlungen und Ideen gewahr zu werden, nicht etwa, um nicht mehr zu handeln, um vor lauter Zweifeln handlungsunfähig zu werden, sondern um genau zu wissen, was man von sich selbst und auch von anderen einfordern darf und manchmal sogar einfordern muss. Ulrich Schlösser findet, dass gerade heutzutage, in Zeiten der Migration, Hegels Theorien der Anerkennung besonders hilfreich wäre.

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Anerkennung heißt.

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Irgendwie ist diese doppelte Bewegung des Ich sozusagen mich selbst im anderen wiederfinde. Ich sehe den auch als Mensch, als Subjekt und so weiter und so weiter als so etwas wie ich selbst. Auf der anderen Seite muss ich ihn aber als anderes freilassen. Das heißt, er ist so eine implizite Ambivalenz darin, dass ich mich mit ihnen identifiziere. Aber die Identifikation ist so, dass ich sozusagen meine über Griffigkeit zugleich zurücknehmen muss und dem anderen sozusagen in diesem Verhältnis seine Freiheit.

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Und während heutige Theoretiker der Anerkennung das meistens als eine relativ harmonische Angelegenheit fassen, ist es für Hegel ein Instrument, viele verschiedene Verhältnisse auffassen zu können.

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Das heißt, wir können niemals vom anderen verlangen, einfach nur so zu sein wie wir selbst. Aber auch der andere kann von uns nicht einfach verlangen, nur so zu sein, wie er es gerne hätte. Entdecken und Artikulieren der Widersprüche, die über die vielen Kulturen aufeinanderprallen, kann eine menschliche Gemeinschaft dann sozusagen über das Denken eine Lösung herausarbeiten. Dazu gehört aber der Wille von zwei oder mehreren Seiten, dies auch gemeinsam zu tun. Die Idee der Anerkennung hilft sozusagen einerseits das Subjekt in den anderen, auch denen, die uns mitunter relativ fremd erscheinen, irgendwie zu sehen.

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Auf der anderen Seite können wir aber nicht immer die rigiden Forderungen stellen, sondern müssen auch eine gewisse Freiheit der eigentlich zulassen. Und die Anerkennung ist irgendwie interessant. Das ist ja auch ein Theoreme, in dem auch Leute aus dem Kommunitarismus so interessiert sind, weil sie natürlich verhindern soll, dass wir in die Gesellschaft der bloß atomisiert Individuen zerfallen, die überhaupt keine gemeinsame Welt mehr haben. Und das ist ja auch etwas, was die ökonomische Entwicklung verstärkt die Atomisierung der Gesellschaft, aber natürlich auch die Heterogenität der Hintergründe.

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Es soll also nicht so weit gehen, dass wir uns sozusagen völlig in verschiedene Gruppen zerfallen. Aber innerhalb des gemeinschaftlichen Bewusstseins verlangt sozusagen das Moment der Anerkennung. Auch das Freilassen der unterschiedlichen Selbstverständnis, so der unvermeidliche Unterschied, artikulieren Perspektiven. Immer noch aber in dem Bemühen, dass wir etwas Gemeinsames, Richtiges finden.

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Hegel hat das Denken zwar in den Mittelpunkt des menschlichen Lebens gestellt, war aber auch fasziniert von den Naturwissenschaften. Auch in praktischer Hinsicht. So hat er mit Johann Wolfgang von Goethe Experimente gemacht und sich sehr für die Morphologie der Pflanzen interessiert. Entscheidend bei Hegel ist jedoch, alles praktischer und pragmatischer, nicht einfach nur als Fakten aufzunehmen, sondern immer mit dem doppelten Blick auf das Allgemeine und auf die eigene persönliche Anwendung zu hinterfragen. Diese innere Distanzierung zu den eigenen Gefühlen, zu eigenen Impressionen und Meinungen und der Aufruf zum ausgewogenen und vergleichenden Nachdenken ist das, was in der heutigen krisengeschüttelten Zeit am notwendigsten wäre.

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In diesem Punkt zeigt uns der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel mehr als jeder andere Philosoph, wie wichtig es ist, das Leben denkend zu durchdringen. Der Mut der Wahrheit.

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Der Glaube an die Macht des Geistes ist die erste Bedingung der Philosophie. Der Mensch, da er Geist ist, darf und soll sich selbst des Höchsten würdig achten. Von der Größe und Macht seines Geistes kann er nicht gross genug denken. Die Welt verstehen. Jeden Tag SWR 2 Wissen, Manuskripte und weiterführende Informationen zu unserem Podcast und den einzelnen Folgen gibt es unter SWR 2 wissen. De.