Happy Scribe Logo

Transcript

Proofread by 0 readers
Proofread
[00:00:01]

SWR 2 wissen.. Wenn es regnet im Amazonasgebiet, ist das gut. Es ist schließlich ein Regenwald. Und wenn es regnet, haben es Brände schwerer.

[00:00:18]

Das waren letztes Jahr riesige illegale Brände im Amazonasgebiet, und sie wurden von einer politischen Hetze befeuert. Der Regenwald wird gleich von mehreren Seiten bedroht durch illegale Abholzung, durch die Politik von Präsident Balser Narrow und vom Klimawandel, der das Amazonasgebiet immer trockener werden lässt.

[00:00:41]

Zum Glück begann im letzten Jahr in Brasilien die Regenzeit früh. Der Regen löschte die Feuer. Sonst hätten wir eine noch größere Katastrophe gehabt. Ist der Amazonas Urwald noch zu retten? Von Gudrun Fischer Hier im zentralen Amazonas Regenwald ist die Welt noch in Ordnung. Es gibt kaum Straßen, die Menschen bewegen sich auf Flüssen fort. Der Wald ist größtenteils noch intakt. Entspannt laufe ich an einem Morgen in der Nähe eines Forschungs Camps. Durch dieses zentrale brasilianische Amazonasgebiet fliegen pfeilschnell zwischen den Bäumen umher.

[00:01:18]

Die bunten Schnäbel nach vorne gereckt. Ich habe in den letzten 30 Jahren im Regenwald viele kaputte Flächen besichtigt. Die Gewalt, die mit Abholzung, Staudamm, Bauten, Goldsucher und Bergbau einhergeht, ist erschreckend. Doch war für mich der größte Teil des Amazonas Gebiets bislang ein durch und durch von Süßwasser getränkes grünes Paradies. Wunderschön, unbesiegbar, unwirtlich und versprechend. Meine erste Etappe liegt am Südrand des Amazonas Waldes. Hier treffe ich den Forstwissenschaftler wie Nikos Seguro. Er sitzt in seinem Büro im Waldschutz Projekt.

[00:02:00]

CW. Die Abkürzung steht für Instituto Centro de Vida, übersetzt Institut lebens. Zentrum. Ein Blick auf seinen Bildschirm genügt, um zu sehen. Sobald in den Urwald Straßen geschlagen werden, droht Gefahr.

[00:02:20]

Sehen Sie dieser gerade Strich auf dem Bildschirm ist die Bundesstraße Nummer 163. Das ist die größte Fernstraße in unserem Bundesstaat Mato Grosso. Sie führt durch die Städte. Sie nob uns sowieso, wo heute kein Urwald mehr steht, sondern große Soja Felder. Dann führt sie ins Amazonasgebiet.

[00:02:38]

Mato Grosso heißt übersetzt Dichter Wald. Doch davon ist nicht mehr viel übrig. 20 Prozent der Waldflächen im Amazonasgebiet gelten als zerstört und weitere 20 Prozent als geschädigt. Das zeigen Satellitenfotos, die wenig Gero von der brasilianischen Raumfahrtbehörde Pee bekommt. Am schlimmsten ist es im sogenannten Abholzungen Gürtel, der sich vom Süd und Ostrand immer tiefer in das Zentrum des Amazonas Urwaldes bohrt.

[00:03:10]

Und genau hier liegt unsere Stadt. Walter Florestan. Hier sind wir ein paar hundert Kilometer nördlich von uns beginnt der Bundesstaat Paras. Dort gab es diesen Tag des Feuers. Das war Anfang August letzten Jahres. Viehzüchter und Großgrundbesitzer verabredeten, gleichzeitig Feuer zu legen. Es gibt Beweise, dass es eine Gruppe von Großgrundbesitzern aus der Umgebung der Stadt Novo Progressive war. Sie gründeten eine WhatsApp-Gruppe und verabredeten, Brände zu legen.

[00:03:41]

Von diesem illegal ausgerufenen Tag des Feuers. Es war der zehnte August 2019, berichtete später die brasilianische Presse. Auch auf Satellitenbildern war zu sehen, dass ab diesem Zeitpunkt die Zahl der illegalen Brandherde im Amazonasgebiet explodierte. Bis heute wurde niemand deswegen vor Gericht gestellt, sagt der Biologe Eduardo Darwin. Ein Kollege von Venice, Joseph Geo am FCW.

[00:04:11]

Wir sahen ein paar Tage lang keine Sonne mehr, der Himmel war von Rauch bedeckt. Auch hier um Alta Florestan brannte es. Aber die meisten Brände brachen in den nördlichen Gebieten aus. Oder Abholzung Strub. Groß ist. Ich arbeite hier seit sieben Jahren und hatte so etwas noch nicht gesehen. Wir trugen damals keine Masken, weil der Rauch weiter weg war. Aber wir rochen das Feuer, und der Himmel war von morgens bis abends grau.

[00:04:40]

Die Rauchwolken der Brände im Amazonasgebiet zogen im letzten September sogar bis zur Metropole Sao Paulo, die über 2000 Kilometer entfernt liegt. Auch dort bedeckte der Rauch den Himmel. Straßen dienen als Einfallstor für Abholzung, illegale Landnahme und Brandrodung. Und nun hat Jajah Bull, so Nao. Der rechtsextreme Präsident Brasiliens, gefordert Das Amazonasgebiet muss wirtschaftlich erschlossen werden. Vom August 2018 bis Juli 2019 stieg die Rate um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zeigen Daten der Raumfahrtbehörde inpeking. Die neuesten Zahlen für den Beobachtungszeitraum August 2009/10 bis Juli 2020 zeigen sogar eine weitere Erhöhung der Entwaldung im Amazonasgebiet um 34 Prozent.

[00:05:44]

In einer heimlich mitgeschnittenen Kabinettsitzung spekulierte im April 2020 der brasilianische Umweltminister Ricardo Sanchez, der sehr gut mit Präsident Bolls Nao harmoniert, dass diese Zeit der Coruna Pandemie strategisch nutzbar wäre. Die Menschen seien abgelenkt und würden nicht mitbekommen, wenn der Regenwald schrumpft. Ricardo Salehs sagte, jetzt sei der Moment, die Herde durch das Amazonasgebiet zu treiben und Waldschutz Gesetze abzuschaffen. Er will, so scheint es, Tatsachen schaffen.

[00:06:17]

Das Institut liegt in der Kleinstadt ãlter Florestan. Was Hoa Urwald bedeutet? Wir haben 32 Grad, aber in den Räumen des ICBC kühlt eine Klimaanlage die Luft.

[00:06:31]

Der Biologe Eduardo Darwin Es herrscht hier ein Klima der Straflosigkeit gegen Umwelt, Verbrechen. Die Leute fühlen sich dadurch zu, Mãssen Abholzung und Brandrodung ermutigt in einem Ausmaß, wie es das schon lange nicht mehr gab. Ich denke, diese Verbrechen wurden von unseren Politikern angeheizt. Natürlich hat niemand von den Kleinbauern Feuer gelegt. Wir schützen den Urwald. Wir werden vom Internationalen Amazonas Fonds gefördert, der von Norwegen und Deutschland finanziert wird. Unsere Leute in den kleinen Projekten verloren letztes Jahr sogar Wald und Weiden.

[00:07:12]

Es war schwierig, mit ihnen Termine zu vereinbaren, denn Sie hielten auf Ihren Grundstücken Wache, um die Feuer zu löschen, die von Nachbargrundstück übergriffen.

[00:07:23]

Im Amazonasgebiet von Mato Grosso herrscht zwischen August und Oktober eine kurze, regen arme Periode. In dieser Zeit ist es ausdrücklich verboten, Feuer zu legen. Eigentlich brechen von alleine keine Feuer im Amazonasgebiet aus, erklärt Pedro Paulo Dias. Er kommt aus der Hauptstadt des Bundesstaats Guyana und arbeitet als Natur Führer im überschwemmungsgebiet Panta. Das Panthern grenzt südlich an die Amazonas Region. Auch dort gab es im letzten und auch in diesem Jahr erschreckend viele Brände.

[00:08:03]

Die Großgrundbesitzer reinigen ihre Felder mit Hilfe des Feuers. Sie sagen vorher der zuständigen Umwelt, Polizei oder der Naturschutzbehörde Bescheid. Sie müssen auch den Nachbarn Bescheid geben. Dann müssen sie die Umgebung vor dem überspringen des Feuers schützen. Dazu roden sie rund um das Gebiet einen Streifen von ein bis zwei Metern Breite. Das stoppt das Feuer. Jedes Jahr gibt es Feuer. Das ist ganz normal. Im August, September und Oktober haben wir Feuer und viel Rauch.

[00:08:33]

Pedro Paulo Dias findet Brandrodungen normal. Er weiß zwar, dass es auch illegale Feuer gibt. Aber er ist davon überzeugt, dass diese illegalen Feuer von Umweltschutzgruppen gelegt werden.

[00:08:49]

Ich habe das in den Medien gesehen, im Fernsehen. Da bezahlt jemand einen anderen dafür, dass er im Urwald Feuer legt. Eine andere Person macht davon aus. Weiter ferne Fotos. Dann wirkt das Feuer größer. So ein Foto bringt viel Geld 70000 Reais, über 100 000 Dollar. Umweltgruppen zahlen viel Geld für ein Foto. Und dann fließen die Spenden. Die Menschen sind betroffen und wollen helfen. Sie zahlen 2 3 Millionen Dollar, um den Amazonas Urwald zu retten.

[00:09:20]

So wurde das im letzten Jahr eingefädelt. Es war eine politische Kampagne gegen Brasilien, gegen unseren Präsidenten.

[00:09:26]

Wir sind in Brasilien in den letzten Jahren viele Menschen begegnet, die ähnlich wie Pedro Paulo Dias denken. Sie glauben Ihrem Präsidenten zu. Nao behauptete nach den verheerenden Waldbränden im letzten Jahr mehrmals, dass es Umweltgruppen gewesen seien, die Feuer legen ließen.

[00:09:46]

Unser Präsident arbeitet hart, und die Leute wollen ihn nicht arbeiten lassen. Es brannte doch auch in Australien. Da sind viele Menschen gestorben, und niemand hat etwas gesagt. Auch in Portugal brannte der Wald. Dort starben neun Menschen, und alle Welt schwieg. Abgebrannte Flächen wachsen doch wieder nach. Und wir hatten hier nicht eine indigene Person, die wegen der Brände im. Ich notiere Ersticken im Feuer. Alle Welt ist besorgt um das Amazonasgebiet, aber die Strände sind voller Müll und voller Flaschen.

[00:10:20]

Die Leute sorgen sich doch gar nicht um die Umwelt.

[00:10:22]

Tatsächlich ist bisher während der illegalen Waldbrände in Brasilien noch kein Mensch gestorben. Doch relativiert diese Tatsache die enormen Schäden, die illegale Brände im Amazonas verursachen. Dass ein Urwald wie vorher nachwachsen kann, ist falsch. Die biologische Vielfalt ist bei aufgeforstet Flächen weit geringer als in ursprünglichen Urwäldern, den sogenannten primär Wäldern.

[00:10:52]

Private Grundbesitzer im Amazonasgebiet sind gesetzlich dazu verpflichtet, 80 Prozent des Urwalds stehen zu lassen. Auf den meisten privaten Farmen im Amazonasgebiet steht nicht annähernd so viel Wald. kleinbäuerinnen und Kleinbauern müssen mit kleinen Flächen zurechtkommen. Viele organisieren sich in Genossenschaften wie die Genossenschaft Guadalupe. Sie betreibt biologischen Anbau und wird vom Biologen Eduardo Darwin betreut. Das Ziel des Instituts FCW ist, möglichst viel Urwald aufzuforsten und trotzdem gute Verdienstmöglichkeiten auf dem bebauten Land zu schaffen. Heute besucht Eduardo Darwin die fein Gemüse Bäuerin Marcia Ma Solo.

[00:11:38]

Sie pflanzt Tomaten und Salat und hält auf ihrem ein Hektar großen Land auch eine Handvoll Schweine. Es ist früh am Morgen. Marcia Mascolo läuft mit dem Schlauch an langen Salad Reihen entlang und gießt. Sie habe 60 Kilogramm Tomaten auf dem Biomarkt in Alter Florestan verkauft, sagt sie. üBer den Amazonas Fonds bekam sie einen Kredit. Damit kaufte sie Plastikplanen für ein Gewächshaus.

[00:12:13]

Wir werden immer die Kleinen bleiben. Für den Kauf von Rinderherden gibt es Kredite. Aber wir bekommen von brasilianischen Banken nichts.

[00:12:21]

Gestern erst habe ich zu meinem Mann gesagt, wenn wir hier drei weitere Gewächshäuser hätten, unser Einkommen wäre um so viel besser.

[00:12:30]

Eigentlich haben wir noch Regenzeit.

[00:12:32]

Aber in diesem Jahr kommt wenig Regen, und wir müssen unsere Gemüsebeete gießen. Weiter im Norden kann viel Wasser.

[00:12:38]

Richtige überschwemmungen gab es da, doch hier regnet es zu wenig.

[00:12:44]

Ich weiß nicht, ob das mit der Abholzung zusammenhängt oder mit dem Klimawandel. Wie trocken wird es dann erst in der Trockenzeit im August und September werden?

[00:12:58]

Eduardo Darwin berät auch das Ehepaar ADIA und Mary Leni Rodrigues da Silva. Sie bewirtschaften ein kleines, zwei Hektar großes Grundstück und pflanzen neben Gemüse auch Heilpflanzen und Bäume an. In der Umgebung sind sie für ihre Heilpflanzen bekannt, und die Menschen kommen zu ADIA und seiner Frau, um sich von ihnen behandeln zu lassen.

[00:13:25]

Wir sind Bio-Landwirtschaft. Leider nehmen uns die Großgrundbesitzer nicht als Vorbild. Manchmal versprühen sie ihre Pestizide bis an das Ufer unserer Flüsse. Wir haben uns gewehrt. Jetzt müssen wir ihr Gift Bombardement nicht mehr ertragen. Unsere Genossenschaft hat denen gesagt Hier leben Menschen. Sie benötigen Schutz vor dem Gift. Wenn wir nicht aufpassen, dann dringen die Großgrundbesitzer bei uns ein. Oder sie drängen uns, unser Land zu verkaufen. Die sind mächtig. Jetzt haben sie sogar Soja angebaut. Weil wir uns aber gegen das Gift wehrten, haben sie nur ein einziges Mal Soja angepflanzt.

[00:14:04]

Wir haben 2000 Unterschriften gesammelt. Unser Argument war das Bienensterben wegen der Pestizide. Auch in anderen Gegenden um ãlter Florestan tauchen seit kurzem Soja Plantagen auf. Die Viehweiden sind ausgelaugt. Viel bringt nicht mehr so viel Geld. Wer die finanziellen Mittel hat, investiert jetzt in Erntemaschinen, in gentechnisch verändertes Saatgut und Pestizide. In der Region ist ein Umstieg auf Soja Anbau zu beobachten.

[00:14:36]

Zuerst werfen sie Mittel von kleinen Flugzeugen ab, oder Waldarbeiter versprühen sie direkt im Wald. Wir wissen das, weil die Waldarbeiter manchmal zur Behandlung zu uns kommen. Sie sprühen das Gift und werden davon krank. Sie sollen dann das wertvolle Holz aus dem Wald schlagen. Wir haben von einem Mann gehört, der in Paraná ITA das ist nicht weit von hier 400 Hektar Urwald abgeholzt hat.

[00:15:01]

Die Technik wird kalte Entlohnung genannt.

[00:15:06]

Es sind nicht die armen Leute, die mit dem Fahrrad in den Urwald fahren und Brände legen. Da werden Leute beauftragt, die schnell wieder verschwinden.

[00:15:14]

Der Großgrundbesitzer, der Auftraggeber, sitzt in Sao Paulo, der Ruf eines Brüllaffen Männchens schallt aus dem Urwald. Wir sind im Amazonas, Bundesstaat Acre. Es ist meine zweite Station in diesem Bericht. Agree liegt im äußersten Westen Brasiliens an den Grenzen zu Peru und Bolivien. Die Hauptstadt ist Rio Branco. Am Stadtrand, nahe einem Naturschutzgebiet, steht die Staatliche Universität von Accra, wo der Botaniker Evan droh Ferreira arbeitet.

[00:15:57]

Ihr Warnruf Herrera betritt einen Schuppen und greift in prall mit Blättern gefüllte Säcke. Mit seinem Team sammelte er alle paar Wochen das Laub unter ausgewählten Urwald Bäumen, erklärt er. Sie untersuchen, warum manche hohe Urwald Bäume in der Trockenzeit ihre Blätter abwerfen. Der Urwald im südlichen Amazonasgebiet ist, so vermutet er, ein Laub abwerfen da trockener Urwald. Doch der botanische Nachweis dafür steht noch aus, sagt Ferreira. Wir gehen in sein Büro, wo er auf einen Bildschirm deutet.

[00:16:32]

Ein Satellitenfotos zeigt ein Urwald Dach, das aussieht wie ein unendliches, dunkelgrüne, eisiges Feld.

[00:16:42]

Bei uns ist es trockener als im zentralen Amazonasgebiet um Manaus. Manaus liegt 1000 Kilometer nördlich von hier. Viele Klimamodelle zeigen, dass wir in agree die Auswirkungen des Klimawandels zuerst spüren werden.

[00:16:56]

Der Botaniker zeigt auf ein Foto von einem Urwald, in dem sich Lücken auftun.

[00:17:03]

Wir sprechen von der Savanne des Amazonas Gebiets. Der Urwald wird hier in agree mit dem Anstieg der Temperaturen nicht mehr in der Lage sein, die besonders hohen Bäume mit Wasser zu versorgen. Dann kann das passieren, was Sie auf dem nächsten Foto sehen. Der Urwald fängt Feuer. Die Menschen, die hier leben, sagen, dass es das früher nicht gab. Der intakte, dichte Urwald fing nie von alleine Feuer. Er war zu feucht für Warnruf. Herrera untersucht ein besonderes Problem in diesem Abschnitt des Amazonas Urwaldes die Verbreitung von zwei Bambus Arten.

[00:17:40]

Immer wenn Bäume aus dem Wald heraus geschlagen werden, entsteht eine Lücke. Und wenn die hiesigen Bambus Arten im Unterholz vorhanden sind, drängen sie in die Lücke. Ich arbeite mit einer Studentin an einer Studie über die Gefahr, dass sich ein Teil des dichten Urwaldes in eine Bambus. Kultur verwandeln könnte Der Bambus scheint sich in der Region wegen des Holzeinschlag tatsächlich auszubreiten.

[00:18:05]

Ivan Pereira kann dabei zusehen, wie sich der Urwald in seiner Region verändert. Es geht schneller, als er dachte. Er beobachtet sogar schon neue, an die Trockenheit angepasste Baumarten. Schon vor 30 Jahren hieß es in einer richtungsweisenden Studie Wenn 1,00 Prozent des Amazonas Urwaldes abgeholzt oder abgestorben sind, setzt die Savanne Unbildung ein. Kann es sein, dass die zunehmende Trockenheit den Urwald stärker verändert als illegale Abholzung und Brände? Ist das eigentliche Problem für den Amazonas Urwald der von Menschen verursachte Klimawandel?

[00:18:48]

Dieser Frage geht der Forscher Christiano Mazur Jessy an der Amazonas Mündung im äußersten Nordwesten Brasiliens nach meiner dritten Etappe.

[00:19:01]

Wir haben eine Ships Expedition mit einem deutschen Forschungsschiff organisiert, der Maria Merian das Schiff fuhr. Die Nordostküste Brasiliens hoch bis in die Karibik, zur Insel Barbados. Auf halber Strecke an der Mündung des Amazonas in den Atlantik ließen wir das Schiff ankern und zogen Sedimente proben. Das Mündungsgebiet des Amazonas in den Atlantik liegt im Osten des Amazonas Gebiets. Wir waren von Studien alarmiert, die zum Ergebnis kamen, dass ein bestimmter KiB Punkt im globalen Klimasystem bald erreicht ist. Es geht um die atlantische Umwelt zirkulation, also die kalten und warmen Ströme im Atlantik, zu der auch der Golfstrom gehört.

[00:19:46]

Durch die beschleunigte Gletscherschmelze wird sich die Meeresströmungen verlangsamen, und im Amazonasgebiet wird es trockener werden. Es hieß, dieser Prozess sei unumkehrbar.

[00:20:01]

Das war der Grund für die Sedimente Untersuchungen Christiano Mazur CIR. Sie wollte mit seiner Arbeitsgruppe herausfinden, in welchem Zeitraum mit dem Kippen für den Amazonas Urwald zu rechnen ist.

[00:20:15]

Wir ziehen diese Proben in acht Meter lange Rohre. Der Meeresboden beginnt in 2000 Metern Tiefe. Und von da gehen wir mit den Proben nochmal 2000 Meter tief.

[00:20:26]

Aus diesem mächtigen Sediment lese ich die geologische Geschichte der Region ab. Es zeigt mir, wie sich das Meerwasser früher zusammensetzte und welche Vegetation im Amazonasgebiet vor Urzeiten wuchs. Denn die pflanzlichen Reste der Urwald Bäume legten sich in der Sediment im Mündungsgebiet des Amazonas Stroms ab.

[00:20:47]

Kiki ist Geologe und arbeitet eigentlich als Hochschullehrer an der Staatlichen Universität von São Paulo. Um die Sediment Proben zu analysieren, ging er in ein Labor an der Universität Bremen.

[00:21:01]

Sedimente auf dem Meeresboden können Zehntausende, manchmal Hunderttausende Jahre alt sein.

[00:21:08]

Gerade spritzt eine Maschine Stickstoff auf ein CO2 Molekül aus einer Muschel, die im Sediment gefunden wurde. Diese Muschel lebte vor 15 000 Jahren Christiano Mazur. Sie will wissen, in welcher Isotopen Form das CO2 dieses Fossils vorliegt. Der Forscher zeigt auf die Maschine, mit der die Proben untersucht werden. Es ist ein sogenanntes Massenspektrometer.

[00:21:35]

In dieser Apparatur analysieren wir die Isotope von Sauerstoff und Kohlenstoff in unseren Muschel Fossilien. Die Proben verraten auf diese Weise auch, wie kalt, wie salzig und wie sauer das Meerwasser war und wie viel Kohlendioxid früher im Meerwasser gelöst war.

[00:21:56]

Auch Pflanzenreste im Sediment liefern Informationen, etwa darüber, welche Bäume vor 15 000 Jahren wuchsen. Damals ging die letzte Eiszeit allmählich zu Ende. Es wurde langsam wärmer. Kelsey kann sagen, dass im nördlichen Amazonasgebiet Savannen typische Bäume mit Wachs beschichteten Blättern wuchsen. Und er beweist, dass das Meer am äquator vor 15 000 Jahren wärmer war als heute. Durch das Schmelzen der Gletscher in Nordamerika wurde das Meerwasser weniger salzig und somit leichter. Daraufhin verlangsamte sich die Umwelt zirkulation, und der Atlantik am äquator wurde wärmer.

[00:22:38]

Alle Daten, sagt der Geologe, deuten daraufhin, dass damals die Winde im Tropen Gürtel südwärts zogen. Sie nahmen den Regen mit. Aus einem Teil des nördlichen Amazonas Urwaldes wurde in dieser Trockenperiode eines Havana. Mit anderen Worten Vor 15 000 Jahren passierte das, was Forscher jetzt für die Zukunft fürchten. Nur dieses Mal menschengemacht.

[00:23:06]

Je mehr wir in unserer Forschung vorankommen, desto mehr sehen wir, dass der cip Punkt, an dem keine Umkehr mehr möglich ist, näher rückt, als wir dachten. Unsere Aussichten sind nicht gut. Unglücklicherweise. Ich hätte gerne positivere Nachrichten.

[00:23:22]

Wird der kippt für den Amazonas Urwald im Jahr 2100 oder im Jahr 2200 erreicht sein? Je später, desto besser. Dann bleibt uns mehr Zeit zum Gegensteuern, sagt Christiano Mazur Cissé. Was im Amazonasbecken geschieht, hat weltweit Auswirkungen. In der Vergangenheit hat der Amazonas-Regenwald geholfen, das Klima zu stabilisieren. Je trockener die Region wird und je mehr abgeholzt wird, desto weniger ist der Wald dazu in der Lage. Und viele Tausende Kilometer entfernt in der Karibik haben sich in den letzten Jahren immer wieder braunalgen Teppiche gebildet, die bis nach Westafrika reichten, 8000 Kilometer lang.

[00:24:07]

Es gibt deutliche Hinweise, dass diese braunalgen ihr schnelles Wachstum den Düngemitteln und Nährstoffen verdanken, die neuerdings über die Amazonas Mündung in den Atlantik gespült werden.

[00:24:18]

Sie kommen von den Soja Plantagen zurück zu meiner ersten Etappe und den kleinbäuerlichen Projekten in Alter Florestan im südlichen Amazonasgebiet. Es ist Markttag. Marcia Ma Solo steht mit ihren Tomaten, ADIA Rodrigues da Silva mit seinen Heilkräutern und seinem Gemüse an einem Stand. Die 20 landwirtschaftlichen Biobetriebe der Genossenschaft haben zur Unterhaltung der Kundschaft eine Band engagiert. Die brasilianische Countrymusik spielt hier, und hier verkaufen hier zweimal die Woche ihre Ware. Pro Verkaufstag nehmen sie 100 bis 200 Euro ein. In Brasilien ist das ein gutes Einkommen.

[00:25:05]

Vor einem Jahr musste das Institut ICBC fast seine Türen schließen. Der Amazonas Fonds stoppte die Finanzierung und die Gehälter wurden eingefroren. Trotzdem arbeiteten alle weiter. Bis heute ist unklar, ob der Amazonas Fonds sich aus Brasilien zurückzieht. Präsident Nao wollte das Geld des Fonds umleiten. Die Großgrundbesitzer im Amazonasgebiet sollten damit ihre straff Bescheide wegen illegaler Abholzungen bezahlen. Norwegen und Deutschland wiesen diese Idee empört zurück. Auch ohne Amazonas Fonds will das Institut lebens. Zentrum FCW seine Projekte fortführen und hofft auf direkte Förderung durch die EU.

[00:25:48]

Im abgedunkelten Raum des Forst Ingenieurs Venice José Guerrero, laufen immer noch Satellitenbilder über die Bildschirme.

[00:25:57]

Alter Florestan stand von 2008 bis 2012 auf der Liste der Landkreise mit erhöhter illegale Abholzung. Dann kamen die Sanktionen, das Embargo. Wer hier in Alter Florestan sein Rindfleisch verkaufen wollte, wurde boykottiert.

[00:26:13]

Das Embargo von 2008 bedeutete, das große Fastfood-Ketten von gelisteten Urwald Verbrechern kein Rindfleisch mehr kauften. Wegen der Negativ-Schlagzeilen bemühte sich die lokale Umweltbehörde, illegale Machenschaften zu verfolgen. Und so sanken die Zahlen der illegalen Brände in Alter Florestan von 1500 im Jahr 2004 auf nur noch 80 Brände im Jahr 2019. Aber auch wenn die Zahlen für Alta Florestan heute gut aussehen. Tatsache ist, dass der Abholzungen Gürtel Alter Florestan hinter sich gelassen hat. Nun wälzt er sich weiter in Richtung des zentralen Amazonas Gebiets.

[00:26:58]

Wahrscheinlich wird es in den nächsten Wochen viele weitere Brände geben. Vielleicht helfen dem Amazonas Urwald, Embargos, vielleicht helfen kleinbäuerliche Projekte. Doch eine wirkliche Wende ist für das Amazonasgebiet unter dem Präsidenten Wolfson haru nicht in Sicht. Die Welt verstehen. Jeden Tag SWR 2 Wissen, Manuskripte und weiterführende Informationen zu unserem Podcast und den einzelnen Folgen gibt es unter SWR 2 wissen. De.