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SWR 2 wissen.. In der Slow Fashion Werkstatt an der Hochschule Hannover Schaufensterpuppen stehen zwischen Nähmaschinen und einem Bügelbrett. Sarah Gruber kleidet eine Puppe an. Mit öko Mode ist das Business Outfit mit Schal Kragen liegt nicht fürs Büro, ohne Bläser, Blazer, Bleistiftrock, Kombination.

[00:00:27]

Vor einem Regal mit Garrn Rollen in allen Farben zupft die junge Designerin an einer zweiten Puppe die Kleidung zurecht. Das ist ein bisschen Jugendlicher, hat Rüschen. Es ist ein bisschen trendiger, eher für eine jüngere Zielgruppe. Anfang Mitte 20, weil gerade die denken, dass für sie bei uns nichts zu finden sein wird.

[00:00:49]

Blazer, Bleistiftrock und Rüschen, Hemd. Sarah Kuba führt vor, dass schöne Kleidung und Rücksicht auf die Umwelt gut zusammenpassen.

[00:01:00]

Nachhaltige Mode, die Kleidung von morgen. Eine Sendung von Stefanie Eichler.

[00:01:08]

Man sieht ja schon Mein wertvollstes Schmuckstück, das ich heute trage, ist eine Kette, ein Collier aus Kastanien.

[00:01:15]

Ich trage dazu eine abgezirkelte Strickjacke, die aus alten Männer Pullovern entstanden ist.

[00:01:23]

Martina Glemp ist die Professorin von Sarah Kuba. Sie leitet den Studiengang Modedesign an der Hochschule Hannover. Zusammen mit Studentinnen und Absolventen beteiligt sie sich am Forschungsprojekt Slow Fashion, um herauszufinden, wie die Modebranche umweltfreundlich und fair werden kann.

[00:01:42]

Die Forscherin ist ökologisch vorbildlich gekleidet. Ihre Jeans sind aus Rot dennen und tragen somit dazu bei, Wasser zu sparen. Bei der Herstellung entfällt das aufwendige Waschen.

[00:01:53]

Und ich habe handgemachte Londoner Schuhe von William Westwood an, die, auch wenn sie noch so uralt sind, immer noch gut passen und bestimmt Jahrzehnte halten werden. Ich trage Schuhe, meistens 20, 30 Jahre lang, und ich schäme mich auch nicht, wenn mal irgendwo Lockes oder eine billige Stelle.

[00:02:16]

Die Schuhe mit schwarzen Schlangenlinien auf grünem Hintergrund ließ Professorin Glemp schon etliche Male neu beseelen. Sie stammen aus ihrer Zeit als Chefdesignerin bei der britischen Modemacherin Vivienne Westwood. Zehn Jahre lang arbeitete Glemp für sie.

[00:02:32]

Das Label steht für verspielte, ungezwungene Mode, Lieblingsstücke, die lange halten und von Hand gefertigt sind. Ist das schon nachhaltig ein wertvolles Gut gearbeitet?

[00:02:44]

Das Kleidungsstück ist nachhaltiger als ein Pullover, der Massen produziert, ist ganz klar.

[00:02:51]

Denn wenn die Qualität stimmt, fällt das Kleidungsstück lange. Der Ramsch Pullover aber geht schnell kaputt. Leiert aus, zieht Fäden. Ein neuer Pulli muss her. Auf diese Weise werden Ressourcen verschwendet. Zum Beispiel die Anbaufläche, auf der die Baumwolle wächst oder Erdöl aus dem Chemiefasern hergestellt sind. An der Hochschule erprobt Martina Glemp die vielen verschiedenen Möglichkeiten der Designer, die Umwelt zu schonen.

[00:03:18]

Der Modedesigner, der irgendwo steht und sagt Ich habe eine tolle Idee, ich brauch acht Meter wertvolle Seide. Das ist vorbei. Das ist nicht mehr überlebensfähig. Es ist viel wichtiger zu sehen. Wo sind Probleme, wo kann ich Lösungen finden?

[00:03:33]

Designer sollten dazu beitragen, dass Kleidung nicht entsorgt, sondern wiederverwertet wird. Denn das klappt heute meistens nicht. Baumwolle Jeans beispielsweise werden weltweit mit einem Polyester Farben verarbeitet. Die beiden Materialien lassen sich nicht voneinander trennen. Wird die Baumwolle recycelt, enthält sie eine fremde Faser, die sich nach dem Färben als andersfarbige Stelle bemerkbar macht. Der Modemarkt fragt solche Stoffe nicht nach. Ehemalige Lieblings, Hosen oder Jacken enden deshalb in vielen Fällen als Putzlappen oder Dämmmaterial für Autos. Das müsste nicht sein.

[00:04:12]

Ein Designer kann Methoden erfinden, wo eben kein Reißverschluss aus Polyester knüppelhart an Baumwolle genäht ist, sondern andere Verschluss Möglichkeiten gefunden werden, sodass sich die Materialien oder Rohstoffe einfacher trennen lassen.

[00:04:25]

Auch Gloss Studentin Sarah Kuba will Müll vermeiden. Mit ihrem Business Outfit und dem Rüschen Hemd ist ihr das gelungen. Diese Kleidung ist zwar nicht recycelt, aber beim Zuschnitt entsteht kein Abfall. Das ist beachtlich. Im Allgemeinen werden beim Zuschneiden von Kleidung rund 20 Prozent eines Stoffes weggeschnitten.

[00:04:45]

Ich habe mich in meinem Bachelor sehr damit auseinandergesetzt, mich von den traditionellen Designen Strategien zu lösen, weil es jährlich knapp 60 Millionen Quadratkilometern ein Verschnitt kommt. Alleine dadurch, dass wir Klamotten herstellen und. Wahnsinnige Menge ist wahnsinnig viel Energie, die quasi für die Katz ist. Die meisten Stoffreste werden nicht weiter verwertet. Sie sind zu klein, oder ihre Form ist zu unregelmäßig. Oder es lohnt sich finanziell für die Unternehmen nicht. Eine gängige Lösung, um Verschnitt zu vermeiden, besteht darin, sich in Tücher zu kleiden.

[00:05:25]

Dabei wird kein Stoff weggeschnitten, weil die ganze Stoffbahn verwendet wird. Ein Schlitz für den Kopf und fertig ist der Poncho oder die Kutte.

[00:05:35]

Allerdings ist das keine Kleidung, die die Mehrzahl der Menschen täglich anziehen möchte.

[00:05:41]

Ganz anders die Mode von Sarah Kuba. Die junge Frau räumt mit dem Vorbehalt auf, öko Kleidung sei nicht modisch. Sie hat ein weiteres Modell heran gerollt. Die Puppe trägt einen knielangen, eleganten Mantel aus Schurwolle. Meine komplette Kollektion ist eine Kollektion, also. Alle Kleidungsstücke, die wir hier sehen können, sind ohne Verschnitt entstanden. Sie unterscheiden sich nicht großartig von Kleidungsstücken, die konventionell hergestellt werden. Worauf ich einen sehr, sehr großen Fokus gelegt habe, damit die Kleidung auch wirklich an den Konsumenten ankommt.

[00:06:15]

Sarah Kuba puzzelt auf der Stoffbahn Die einzelnen Schnitt teile gekonnt ineinander, anstatt sie nur nebeneinander zu legen. Das könnten auch die Designer für die großen Modehäuser so machen. Kuba träumt davon, dass die Siro weiße Technik in der Textilindustrie STANDARD wird. Sie hat vor, ihr Schnitt System weiterzuentwickeln, um die Null Abfall Mode auch am Computer zu entwerfen.

[00:06:41]

Ich habe tatsächlich sehr, sehr experimentell gearbeitet und habe mittlerweile aber allgemein gültige Version und Konstruktionen gefunden, die sich auf jeden Stoff breite radieren lassen. Das Ganze möchte ich irgendwann dazu entwickeln, dass wir quasi das herkömmliche Schichtsystem, das wir haben, mit dem wir hier in der Uni arbeiten können, im Programm, dass wir das Ganze auch in der Technik haben werden.

[00:07:08]

In der Fußgängerzone einer x beliebigen Innenstadt Geschäfte wie H und C und A, Zara und Mango stehen dicht an dicht, die Menschen eilen von einem Laden zum nächsten. Ob sie öko Kleidung gut finden? Ja, muss man das gut finden. Wenn wir das Geld hätten, hätten wir damit überhaupt kein Problem. Finde ich gut, sollte man darauf achten. Wenn man es machen kann, muss man ja nicht unnötig die Umwelt damit belasten. Aber ich persönlich achte nicht drauf.

[00:07:40]

Darf ich mal in Ihre Einkaufstüte schauen? Dürfen Sie keine öko Mode dann wahrscheinlich auch das Doppelte bezahlt? Ich finde sie gut. Wo ich etwas dagegen habe, wie die Menschen missachtet werden, um unsere Kleidung zu nähen. Sagen Sie den öko mode, dass ich da erst mal nachgucken würde. Wo ist das hergestellt? Nein, weil es mir steht. Wenn es mir passt und so, dann ist mir das egal.

[00:08:08]

Umfragen, die die Slow Fashion Forscher vor drei Jahren durchgeführt haben, haben ergeben, dass rund die Hälfte der Konsumenten findet umweltfreundliche und faire Kleidung gut aber kauft sie nicht. Ein Grund dafür Kleidung wird häufig beim Bummeln durch die Stadt spontan erworben. Und in den üblichen Einkaufs Gegenden ist nachhaltige Mode so gut wie nicht zu finden. Dort wird meist billig produzierte Massenware aus China, der Türkei oder Bangladesch verkauft. Doch durch Friedrichs for Future hat sich in den vergangenen Monaten das Bewusstsein für mehr Umweltschutz geschärft.

[00:08:44]

Viele Menschen entscheiden sich dafür, auf neue Kleidung zu verzichten oder auf Nachhaltigkeit zu achten, auf öko label wie George Best und Made in Green oder auf den grünen Knopf, den die Bundesregierung im September 2019 eingeführt hat. Sie alle garantieren Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Anbau der Faser auf dem Feld bis zum Verkauf des fertigen Kleidungsstücks im Laden. Eine langgestreckte Werkhalle, das Dach aus Glas In einem abgetrennten Bereich stehen computergesteuerte Maschinen zum Weben und Flechten, Nähen und Stricken.

[00:09:26]

Hier entwickelt Holger CSUler öko Socken. Der Professor für Textilmaschinen und Verfahrens Entwicklung an der TU Chemnitz will beweisen, dass nachhaltige Kleidung nicht mehr Geld kosten muss. Ganz im Gegenteil Mit ECB Glas, öko Socken kann der Verbraucher Geld sparen.

[00:09:46]

Wenn wir uns heute von den Socken kaufen, dann ist es meist die günstigste Phase drinnen die kürzeste Phase mit der geringsten Lebensdauer. Das ist einfach so. In der textilen Kette ist das praktisch das Abfallprodukt oder das günstigste Produkt. Damit haben wir automatisch in diversen Bereichen allen Steuerbereich Schwachstellen.

[00:10:07]

Alle kennen das Baumwoll. Socken gehen schnell kaputt. An den Zehen, den Ballen und den Fersen entstehen Löcher. Die Verbraucher schmeißen die Socken weg und kaufen neue. Dabei könnte man mit einer einfachen Methode Strümpfe so fertigen, dass sie lange halten. Holger CSUler und sein Kollege Andreas Degen stricken einen Baumwoll Socken an den empfindlichen Stellen verstärken sie den Strumpf mit Hand in das Klemmbrett einer Strick Maschine, die aussieht wie eine Wäsche. Mangel sind ein weißer und ein roter Faden eingespannt.

[00:10:47]

Der Weiße aus Hand. Der rote aus Baumwolle. Ich hatte ja zwei Versuche gemacht, da gab es auch noch 37. Hatte also doch zwei Drittel Hanf eingesetzt. Das Niveau war dann ganz gut im Strick Programm, hat festgelegt, dass der Socken aus Baumwolle gestrickt wird, weil sie sich auf der Haut schön weich anfühlt. An den Stellen, die schnell verschleißen, also an Ferse und Ballen, wird Hanf Garn dazu gestrickt, da es haltbarer ist. An diesen Stellen zieht die Maschine aus dem Klemmbrett zwei Fäden ein.

[00:11:27]

Degen überprüft, ob die Fäden optimal gespannt sind und das Garn gut läuft. Er hat bereits verschiedene Mischungsverhältnis getestet. Wenn der Handball enteilt überwog, überzeugten die Eigenschaften nicht. Die Maschine konnte nicht reibungslos arbeiten, weil die Fäden rissen. Grenzwertig finde ich nur etwas zurückgegangen, aber ich sage nicht, dass das nicht geht. Auch in die ersten Stoffpuppen hat das Team bereits mit Martin Heilmethode getestet, einem in Forschung und Industrie gebräuchlichen Verfahren, um die Belastbarkeit von Textilien zu ermitteln.

[00:12:07]

Dabei wird eine natürliche Abnutzung der Stoffe simuliert. Sie werden mit einer vorgeschriebenen Gewichts Belastung gegen einen wollenen STANDARD Stoff gerieben. Das Ergebnis Die verstärkten Stoff Proben von Andreas Degen halten bis zu zehnmal so lange wie herkömmliche Socken. Sie sind umweltfreundlich. Je länger die Lebensdauer des Stromfirmen, desto weniger Baumwolle wird für neue Socken benötigt. Wasser und Energie werden gespart, und es fällt weniger Müll an. Obendrein schonen die Kunden und der Kunde ihren Geldbeutel.

[00:12:39]

Und das ist, denke ich, ein schönes Beispiel. Meistens heißt es Nachhaltige Kleidung muss teurer sein, denn die Lebensdauer pro Costanzo ist deutlich günstiger.

[00:12:49]

Ein Paar verstärkter Socken müsste im Handel vielleicht 50 Cent mehr kosten, um die zusätzlichen Materialkosten und den Aufwand zu decken. Libuda geht davon aus, dass die Kundinnen und der Kunde bereit sind, diesen Aufpreis zu zahlen. Er ist bereits mit einem Bekleidungshersteller im Gespräch, der die Hanf Socken im großen Stil produzieren und in den Handel bringen soll. Um die Chance zu erhöhen, dass die Konsumenten zugreifen, sollte vermittelt werden, wie lange die Socken halten. Für mehr Transparenz bräuchte der Handel ein Pflicht.

[00:13:21]

Label Ich als Kunde hab heute keinen Einblick mehr, welches Kleidungsstück lange hält und welches nicht. Ich kann Markenprodukt kaufen, ist genauso kurz wie ein billigprodukt, und das ist ein Grundproblem dieser Vertrauensverlust in den Marken. Das heißt, dort wäre weder die Offenheit eine Information zu haben. Wie lange hält man ein Kleidungsstück? Denn dann könnte ich ein anderes Modell machen und sagen Okay, das Produkt hat jetzt geringe Lebensdauer, lange Lebensdauer und so weiter.

[00:13:51]

Holger Sibylla und seine Kollegen haben in Chemnitz die Sustainable Textteil School ins Leben gerufen, eine jährliche Veranstaltungsreihe mit Vorträgen, Diskussionen und Workshops. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen sind Vertreter der Textilbranche. Sie kommen aus der ganzen Welt, aus Industrie, Politik und Wissenschaft. Eines der wichtigsten Ziele dabei Die Hersteller von Kleidung sollen Einblick erhalten in die Forschung und erkennen, dass nachhaltige Mode technisch machbar ist.

[00:14:22]

Wir hatten als Beispiel den äthiopischen Industrieminister letztens hier, der sagt Wir wollen als äthiopien Platz fünf der produzierenden Länder im Textil, nicht die gleichen Fehler wie Bangladesch machen. Wir wollen nachhaltige Produkte vor allem ansiedeln und haben sich deswegen bei uns informiert, was sie denn besser machen können.

[00:14:41]

Im Büro des Professors lehnt ein Fahrrad an der Wand. Sibylla fährt damit jeden Tag insgesamt 16 Kilometer zur Arbeit und zurück nach Hause. Er tut etwas, um die Natur zu schonen. Allerdings weiß er genau, wie schwer es ist, beim Kleider tragen eine weiße Weste zu behalten und auf öko umzusteigen. Er trägt ein weißes Baumwoll, Hemd.

[00:15:05]

STANDARD, hochwertiges Hemd, bügelt frei. Das heißt, dort kommen Schwefelsäure etc. zum Einsatz, um die Performing so hinzubekommen wie immer. Ich hätte gern das Gleiche aus einer anderen Faser Hanf, von allein auch frei. Aber da fehlt einfach noch 50 Jahre Forschung.

[00:15:22]

Hanf ist nicht Bögl frei und liegt auch nicht so angenehm auf der Haut wie moderne Baumwolle. Die Pflanze wächst in äquatornähe in Indien, China, den USA und vielen Ländern Afrikas.

[00:15:34]

Eigentlich müssen wir zwingend weg von der Baumwolle. Die Baumwolle ist zwar eine natürliche Faser, aber nicht zwingend eine nachhaltige Faser. Baumwolle wächst nur in diesem Baumwolle Gürtel. Diese Flächen fehlen natürlich für Nahrungsmittel. Auf der einen Seite braucht viel zu viel Wasser, und speziell in den Regionen, wo wir kein Wasser haben oder zu wenig Wasser haben. Das ist das Problem der Baumwolle. Trotzdem ist Baumwolle das beliebteste Material, weil sich die Faser so angenehm anfühlt und praktisch ist Bügel oder knitterfrei.

[00:16:06]

Umfragen haben ergeben, dass das für Dreiviertel der Bundesbürger die wichtigsten Kauf Kriterien sind. öko Hemden aus Hanf können da nicht mithalten, auch wenn Hanf Hemden viel nachhaltiger sind.

[00:16:19]

Vorteil von diesen Grad von Hanf ist Es wächst wie Unkraut. Man braucht kein Pestizideinsatz und nichts. Das ist eine der Pflege leichtesten Fasern. Die wächst fast weltweit. Vom Prinzip her wäre das eine regionale Faser ohne Chemie oder Chemie einsetzen.

[00:16:35]

Landwirte in Westfalen und Thüringen haben begonnen, Hanf für die Kleider Produktion anzubauen. Doch damit Mode aus Hanf mehr Käuferinnen und Käufer findet, ist noch viel Forschung nötig. In China und den USA arbeiten Wissenschaftler daran.

[00:16:55]

Leider finde ich schön taillierten Schnitt, aber es ist tatsächlich der obere Part hängt sehr runter.

[00:17:07]

Es ist einfach zu groß in einem Secondhand Geschäft in Prenzlauer Berg in Berlin tritt Vreni Jäckle aus der Garderobe. Die 25-Jährige hat einen Vintage Kleid anprobiert, also ein Kleid, das mindestens fünf Jahre älter ist als sie selbst. Das gute Stück ist sehr lang rot und rund ums Dekolleté mit Stickereien verziert. Doch es sitzt nicht. Schade, aber so irgendwie. Ich hab jetzt auch nicht das Gefühl, dass nur weil ich in dem Laden bin kaufen muss man das nicht.

[00:17:42]

Ist halt auch nicht.

[00:17:45]

Auch wenn die Kleider Branche im Allgemeinen noch nicht so weit ist und kaum nachhaltige Blusen, Hemden, Röcke und Hosen produziert. Gelingt es der jungen Frau, beim Kleider tragen durch und durch nachhaltig zu agieren? Seit rund drei Jahren schon. Darüber schreibt sie den Blog Jäckle und Hösle. Wenn René Jäckle eines ihrer Kleidungsstücke lange nicht mehr getragen hat, tauscht, verkauft oder verschenkt sie es, wenn sie neue Kleidung kauft, dann nur zertifizierte öko Mode. Am liebsten sind ihr aber Röcke und Hosen, die andere aussortiert haben.

[00:18:24]

Das hier ist eine Mütze, die habe ich in Berlin, in Neukölln, in den Second-Hand-Laden gekauft, für 19 Euro. Ich habe irgendwie ein Ding mit alten Männer hüten, da ich sehr gerne aus ihrem Kleiderschrank.

[00:18:40]

In einem WG-Zimmer hat Vreni Jäckle eine dunkelblaue Portiers, Mütze mit goldenen Kordeln und Stickereien hervorgeholt.

[00:18:48]

Die sind gerade wieder Trend. Letztens hat jemand zu mir gesagt Ja, irgendwie immer so voll up to date mit deiner Kleidung, und ich finde es immer ganz lustig, weil das sind halt voll die alten Sachen, meistens Reni.

[00:19:01]

Jäckle streicht vorsichtig über eine Jacke. Man spürt, dass sie an ihrer Kleidung hängt. Sie pflegt sie, bessert kaputte Stellen aus und wäscht ihre Mützen und Jacken, so wie auf der Anleitung vermerkt. Im Zweifelsfall lässt sie die Vintage Mode reinigen.

[00:19:20]

Die hatte ich letztes Jahr gekauft, so 34 Euro. Und das ist ein alter winterschläfer von Escada aus grünem Samt, auch mit ganz viel Stickereien. Ich freue mich immer sehr, wenn ich sehe, was gerade bei denen jetzt auch hat. Er total schön, dass ihr da seid, voll gut genährt. Das ist halt auch ein Ding. Das hält nochmal 20, 30 Jahre locker. Man braucht manchmal einfach wirklich nicht diese neuen Sachen, weil es so schöne Sachen gibt.

[00:19:51]

Hundert Milliarden neue Kleidungsstücke überschwemmen jährlich den globalen Markt. Denn bisher gilt Gekauft wird, was billig ist. Die Chefs der großen Bekleidungs Konzerne verdienen gut daran. Laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace spielt die Branche jährlich 1,3 Billionen US-Dollar ein. Karl Johan Persson, der Kopf von Hound, und Manuel Ortega, der Gründer von Zara, gehören zu den reichsten Menschen der Welt. Die Billig Mode schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch den Arbeiterinnen in den Fabriken. Sie arbeiten unter schlechten Bedingungen und können von ihrem Lohn oft nicht menschenwürdig leben.

[00:20:30]

Doch auch die Bekleidungsindustrie denkt um Unternehmen, die zukunftsfähig bleiben wollen, müssten das neue Umweltbewusstsein zum Bestandteil ihrer Strategie machen. So jedenfalls die Einschätzung von Matthias Horx vom Think-Tank Zukunftsinstitut. Im Herbst 2019. Abgesehen davon kann Mode nur nachhaltig werden, wenn Konsumenten ihren Verbrauch reduzieren.

[00:20:52]

Wir wollen den Durchsatz von Kleidung verlangsamen und verringern. Das klingt ein bisschen altmodisch.

[00:20:58]

Aber natürlich gehört dazu auch Ich muss da meine Freundin und Chefin Vivienne Westwood zitieren, die richtige Wahl zu treffen. Boyles, sagt Westwood, und das kann man nur empfehlen. Wenige Stücke, die toll sind.

[00:21:13]

Martina Glemp Für die Professorin mit der Kastanien Kette steht fest, dass die Konsumenten anders mit Mode umgehen müssen.

[00:21:20]

Der Prozess, in einen Laden zu gehen und sich für fünf Euro etwas zu kaufen, ist für ein Abenteuer und Erlebnis geworden. Und wir wollen das Abenteuer und das Erlebnis wieder in die Kleidung bringen. Die Mode, dass es Spaß macht, sich anzuziehen, auch mal mit etwas Altem und Ungewöhnlichem zu kombinieren und nicht einfach nur in die Innenstädte zu gehen und für fünf Euro ein T-Shirt zu holen. Da holt man sich doch lieber ein Eis.

[00:21:42]

Die Wissenschaftlerin hat herausgefunden, dass es mit bestimmten Geschäftsmodellen möglich ist, Menschen dazu zu motivieren, ihre alten, kaputten Kleidungsstücke zu reparieren. Hat Julia Eschmann gegründet, eine ehemalige Studentin von Martina Glemp. Ich habe mich selbstständig gemacht mit einer Freundin, die auch hier studiert hat. Und wir haben eine üppige änderungsschneiderei aufgemacht, mit Maßanfertigung, wo die Entwürfe dazu dienen, die Leute ins Geschäft anzulocken, zu zeigen. Das geht nichts mit alten Hosen. Könnt ihr das machen?

[00:22:17]

Ein paar alte Hosen hat die Julia Eschmann in die Hochschule Hannover mitgebracht.

[00:22:22]

Bei einer Jeans sind die abgewetzten Partien ersetzt in kunstvoller Patchwork Mania, angewiesen auf Workshops, an dass sie auch die Kleidungsstücke neu überdenken, die sie dann im Schrank hängen lassen und nicht mehr tragen, weil sie nicht mehr passen und altmodisch aussehen.

[00:22:37]

Die Kundinnen geben auch ihre alte, kaputte Lieblings Kleidung bei Julia Schmidt ab. Die Designerin arbeitet die Stücke so auf, dass sie noch lange halten.

[00:22:47]

Letzte Woche hatten wir einen Pullover, der die Bündchen sehr ausgefranst hatte, und dann haben wir uns mit der Person unterhalten darüber, was sie so gerne hätte. Und haben das einfach neu gemacht. Und dann sind die Frau mit dem Pullover, sagte sie dann. Das war früher ein Menuett, Pullover. Ich liebte den, aber jetzt sieht er noch mehr wie Pullover aus. Ganz glücklich.

[00:23:07]

Auch in anderen Städten, vor allem in Berlin, gründen sich zunehmend kleine Textilunternehmen. Ein großer Schritt in die richtige Richtung, damit der Markt an öko Mode wächst. Denn Kleidung made in Germany ist schon deshalb nachhaltig, weil die Umwelt und Sozialstandards hierzulande hoch sind. Mode im Inland zu produzieren bedeutet, in Chemnitz an eine alte Tradition anzuknüpfen.

[00:23:31]

1910 kamen über 90 Prozent der Socken von ganz Europa aus Chemnitz. Das sind Zahlen, die wir heute fast gar nicht mehr erfassen.

[00:23:40]

Chemnitz galt einst als textile Hauptstadt Europas. 1936 stellte die Firma Ehrhard Wunsch vor den Toren der Stadt die ersten Nylons Feinstrumpfhosen in Deutschland her. Hier war der Standort des VfB Trikots, dem größten Trikot Hersteller der DDR. In Wohn und Aerzte Häusern lassen sich noch die alten Arbeitsstätten der Textilbranche erkennen. Die Spinnereien, Webereien und Strümp, Fabriken. Mit der Wiedervereinigung gingen die Großbetriebe zwar insolvent, doch wir haben noch viel Textilindustrie.

[00:24:16]

Wir sind eines der wenigen Bundesländer, die noch Volkstum sind. Das heißt, wir haben eigentlich den kompletten Prozesse noch vom Spinden über die Flächen, Bildung, über Konfektion, Ausrüstung.

[00:24:26]

Wir haben in Sachsen noch alles, aber jedes Jahr gehen weitere Betriebe ein. Die Konkurrenz aus dem Ausland ist zu billig. Das liegt auch daran, dass die Umweltstandards in den Produktionsländern in Asien und Afrika so niedrig sind.

[00:24:42]

Dann wird von der heimischen Industrie erwartet, dass sie die Chemikalie jene und so weiter nicht einsetzen dürfen. Wenn aber ein Produkt importiert wird, dann ist es egal, ob diese Chemikalien drauf sind, wie zum Beispiel als Kühl Phenole.

[00:24:55]

Sie werden zum Waschen der Textilien während des Verbunds genutzt. Mit dem Abwasser entsorgt, können sie die Entwicklung der Geschlechtsorgane von Fischen stören oder krebserregende Schwermetalle Cadmium, Blei, Kupfer und Chrom. Sie stecken in Farbstoffen und Pigmenten und werden zum Gerben von Leder benutzt. Weitere Gifte wie kolorierte Lösungsmittel können das zentrale Nervensystem schädigen sowie Leber und Nieren. Die Leidtragenden sind die Konsumenten und vor allem die Arbeiter und Arbeiterinnen in den Textilfabriken. Sie müssen die giftigen Stoffe anwenden, die niedrigen Umweltstandards in den Produktionsländern machen darüber hinaus der heimischen Textilindustrie zu schaffen.

[00:25:42]

Da würde ich mir wünschen, dass die Politik endlich mal durchsetzt, dass diese Dinge dann auch nicht importiert werden dürfen. Dann hätte auch die heimische Industrie in manchem wirklich wieder wettbewerbs Auskleidung kein Nachteil mehr. Das ist aus meiner Sicht wirklich überfällig.

[00:25:59]

Greenpeace macht Druck und leistet einen wichtigen Beitrag. Damit die Modebranche nachhaltiger wird. Um die Reduktion von Chemikalien in den Hersteller Ländern zu bewirken, hat Greenpeace im Jahre 2011 die Detox Kampagne gestartet und inzwischen einiges erreicht. Rund 80 Unternehmen, Modefirmen, Discounter, Outdoor Marken und textile Lieferanten garantieren, dass sie auf den Einsatz giftiger Chemikalien verzichten. Diese Betriebe erwirtschaften mittlerweile zusammen etwa 15 Prozent der globalen Textilproduktion.

[00:26:33]

Es ist so viel passiert in den letzten Jahren. Das sehe ich extrem optimistisch. Ich denke, es findet weltweit ein Umdenken statt. Aber wir sind alle aufgefordert, von der Politik über Industrie bis zum Endkonsumenten dort dort mehr zu machen.

[00:26:49]

Das heißt immer wieder in der Werkhalle an der TU. Experimentiert Andreas Degen mit umweltfreundlichen Materialien wie CSL, einem Garn aus Algen und Zellulose? Ein kompostierbare Material läuft sehr gut. Ich bin da überrascht. Gibt es überhaupt keine Probleme, und wir haben eine ganze Reihe von verschiedenen Wüstung auf einmal ausprobiert. Die habe ich ja als Probe gestrickt. Man kann doch nicht sagen, ich mache das schon jetzt 35 Jahre lang, und deshalb hab ich mal ein bisschen Oranjes. Ich weiß alles nicht wirklich Neues.

[00:27:24]

Die Forscher engagieren sich damit. Der Markt für öko Kleidung wächst. Doch bis die Branche soweit ist und nachhaltige Mode STANDARD sein wird, bleibt es jedem Einzelnen überlassen. Bei der Kleiderwahl die richtige Entscheidung zu treffen. Die Welt verstehe jeden Tag SWR 2 Wissen, Manuskripte und weiterführende Informationen zu unserem Podcast und den einzelnen Folgen gibt es unter SWR 2 wissen. De.