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SWR 2 wissen.. Mit der Aula und dem Thema neuronale Fitness Wie lernt das Gehirn am Mikrofon?

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Ralf Caspary Es kursieren ziemlich viele neuro Mythen darüber, wie man sein Gehirn täglich fit machen kann, zum Beispiel durch das berüchtigte Lernen im Schlaf, durch Lernen bei guter Laune. Lernen mit bestimmten Assoziationsketten oder Memos Techniken. Dabei wird das Gehirn oftmals mit einem Muskel verglichen, den man beliebig trainieren könne. Doch was ist dran an diesen Mythen? Wie lernt das Gehirn nun wirklich? Antworten gibt der Hirnforscher Professor Martin Korte von der TU Braunschweig.

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Die erste Frage, die sich erst einmal jeder von uns stellen wird Kann man als Erwachsener noch wirklich etwas Neues lernen? Oder ist dies Kindern und Jugendlichen und Studenten und Auszubildenden vor behalten? Da kann man zunächst einmal sagen Jeder von uns kann ein Leben lang lernen. Es macht sogar die Spezies Mensch aus, dass wir auch im Alter noch lernen können. Allerdings müssen wir daran denken, dass nur der lernen kann, der auch an Veränderung glaubt und sich diese auch zutraut.

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Vor allem aber, dass man noch glaubt, dass diese Veränderungen, die wir dann ja lernen, nennen, auch wirklich, dass wir diese selbst notwendig haben. Wir brauchen also auch ein Ziel, was wir beim Lernen verfolgen. Und hier gilt, was Leo Tolstoi einmal zu Recht festgestellt hat Viele zerbrechen sich den Kopf darüber, wie man die Menschheit ändern könnte. Aber kein Mensch denkt daran, sich selbst zu ändern. Dabei können wir uns ändern. Wir können lernen.

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Wir müssen nur als Erwachsene und auch als ältere Menschen daran denken, dass wir dann am besten lernen, wenn wir Altes mit neuem Wissen verbinden, wenn wir uns auf das konkret zu Lernende konzentrieren und nicht als Nebentätigkeit verwenden. Viele Erwachsene meinen, sie könnten etwas Neues lernen, indem sie parallel die Spülmaschine einräumen oder andere Alltags Tätigkeiten verrichten. Völlig vergessen, dass wir auch als Jugendliche, Kinder, Studenten, Auszubildende uns voll aufs Lernen konzentriert haben. Stunden am Tag damit verbracht haben.

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Zur Schule, zum Ausbildungsplatz oder eben in die Vorlesung zu gehen, um hier explizit etwas zu lernen. Das heißt, wir müssen als Erwachsene ganz besonders daran denken und uns dann auf einen Lernprozess zu konzentrieren und unsere ganze Aufmerksamkeit diesem Lernprozess zu verwenden.

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Und dann können wir auch als Erwachsene noch wunderbar lernen. Zugegebenermaßen werden wir für das meiste etwas länger brauchen. Wir werden häufiger wiederholen müssen, und wir werden vor allen Dingen auch Praxis Anteil erhöhen müssen. Denn es reicht nicht, nur mal kurz zu lesen Wir müssen es auch üben. Hier helfen auch Lerngruppen, die man auch als Erwachsener noch gründen kann. Vor allen Dingen, das zeigen viele Beispiele von Menschen, die Besonderes geleistet haben. Brauchen wir beim Lernen Hartnäckigkeit das, was man im Englischen als grid bezeichnet, das heißt, am Ball zu bleiben, hier auch dann nicht aufzugeben, wenn mal die erste Frustration einen erreicht.

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Denn nur Hartnäckigkeit führt dazu, dass man langfristig ein Lernziel erreichen kann.

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Für diese Hartnäckigkeit hilft es im übrigen auch, wenn man sich selber Zwischenziele setzt, um dann eben auch beim Lernen immer wieder Erfolgserlebnisse zu haben. Denn auch gerade neueste Studien zeigen, dass Menschen sich sehr schnell durch eine große Zahl von Fehlern frustrieren lassen. Frustration führt zu Stress, und Dauerstress ist vor allen Dingen hinderlich, weil das Gehirn unter Situationen, die Stress behaftet sind, besonders schlecht lernt. Entsprechend wichtig, dass wir immer auch Erfolgserlebnisse suchen und diese auch bewusst versuchen zu verarbeiten und abzuspeichern.

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Denn Belohnungen sind der Treibstoff des Gehirns, um dann wieder zu neuen Ufern aufzubrechen. Das bedeutet Wer langfristige Ziele hat, sollte diese Ziele in Etappen unterteilen, damit jedes Erreichen einer Etappe auch als Belohnung empfunden wird, damit man eben genau diese Hartnäckigkeit aufbringen kann, um ein Ziel zu erreichen. Die besondere Bedeutung von Hartnäckigkeit ist in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen an Menschen, die Besonderes geleistet haben, dargestellt worden und belegt wurden. Nehmen Sie Olympiasieger, nehmen Sie Nobelpreisträger. Nehmen Sie zum Beispiel die Harvard Professoren, die sich alle dadurch auszeichnen, dass Sie eine besondere Hartnäckigkeit daran an den Tag legen, wenn Sie ein Problem lösen wollen.

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Wir selber schützen uns häufig vor zu großem Einsatz. Indem wir bei anderen Menschen meinen, die besonders herausragend halten. Die haben eben ein Talent in die Wiege gelegt bekommen wir. In der Lage sind, nachzueifern, Wir können das nicht erreichen. Entsprechend braucht man sich auch gar nicht erst auf den Weg zu machen. Es lohnt sich nicht, sich anzustrengen, um solche Leistungen zu vollbringen, die diese herausragenden Athleten, herausragenden Denker und Forscher erbracht und geleistet haben.

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Da muss man allerdings sagen Machen wir uns uns etwas zu einfach. Denn fast alle Menschen, die Herausragendes geleistet haben, haben sich herausragend eingesetzt, haben eine Hartnäckigkeit bewiesen, wie sie kaum andere Menschen gezeigt haben. Wenn wir uns zum Beispiel anschauen, dass Leonardo da Vinci sich ein Leben lang mit Flugobjekten beschäftigt hat. Er war klug genug, diese nicht selbst auszuprobieren.

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Aber er hat sich zeit seines Lebens damit beschäftigt, wie man dem Menschen das Fliegen beibringen könnte. Und er hat hervorragende Ideen gehabt. Vom Hubschrauber bis zum Ballon, wie das zu realisieren gewesen wäre.

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Worauf ich hinaus möchte, ist Wir sollten nicht zu früh schon vom Lernen einer schwierigen Tätigkeit die Flinte ins Korn werfen. Denn auch die meisten herausragenden Menschen haben, um etwas Besonderes leisten zu können, hier sich sehr ins Zeug gelegt. Lange etwas probiert, bevor es dann am Ende geklappt hat. Friedrich Nietzsche hat das mal so beschrieben. Die Menschen sprechen er sichtlich dort, allein von Gini, wo ihnen die Wirkung des großen Intellekts am angenehmsten sind und sie wiederum nicht Neid empfinden wollen.

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Jemanden göttlich nennen heißt Hier brauchen wir nicht zu wetteifern. Sodann Alles Fertige, Vollkommene wird angestaut, alles Werdende unterschätzt. Nun kann niemand beim Werk des Künstlers zusehen, wie es geworden ist. Das ist ein Vorteil, denn überall, wo man das werden sehen kann, wird man etwas abgekühlt, was Nietzsche hier meint. Ist das auch große Leistungen, wenn man sie in Etappen unterteilt, in einzelne Abschnitte unterteilt, nicht nur dem angeborenen Genie des Künstlers, des Athleten, des Forschers, des Schriftstellers zu Buche geschrieben werden können, sondern vor allen Dingen des langen Einsatzes.

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Und das sollten wir uns als Beispiel nehmen und eben auch diese Art der Hartnäckigkeit beim Lernen an den Tag legen, weil es eben eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür ist, auch Ziele zu erreichen.

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Andererseits ist es natürlich auch wichtig, die Ziele genau zu formulieren. Das heißt, wir müssen genau wissen Wo wollen wir eigentlich hin? Was ist das, was wir erreichen wollen, und was müssen wir tun? Auf dem Weg dahin, um das zu erreichen.

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Wer eine Fremdsprache erlernen möchte, sei es für den beruflichen Alltag oder sei es für den nächsten Urlaub. Er sollte sich genau überlegen Welchen Level möchte ich erreichen? In welchen Umständen möchte ich welche Sprache mit welcher Richtigkeit sprechen? Können sich dann Zwischenziele setzen, wie man das erreichen kann? Vielleicht doch in dem Fall Sprachkurse besuchen oder sich zumindest in Gruppen mit Menschen treffen, die auch Lust haben, diese Sprache zu erlernen. Man sollte sich auch klar im Kopf simulieren, in welchen Gesprächssituation man diese Fremdsprache anwenden möchte.

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Denn je genauer ich mir die Situation simulieren, wo ich hin möchte, je genauer ich mein Ziel definieren kann, umso eher ist das Gehirn auch bereit, hierfür einen Aufwand zu betreiben und andere Dinge, die uns im Alltag sonst Zeit kosten, hinten anzustellen. Denn hier zu meinen, all diese Ziele so nebenbei zu erreichen, wird einfach nicht funktionieren. Das heißt, wir müssen auch hinlänglich motiviert sein, um ein Ziel erreichen zu können. Und ich habe es eben schon erwähnt.

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Wir müssen auch lernen, mit Fehlern umzugehen. Denn wer etwas Neues lernt, vor allen Dingen wer mit Gewohnheiten bricht, neue Gewohnheiten erlernen möchte, der muss auch bereit sein, zu seinen Fehlern zu stehen und aus diesen Fehlern zu lernen. Denn wenn wir Fehler als Niederlagen empfinden, wenn wir daran glauben zu scheitern und nicht glauben, aus Fehlern etwas zu lernen, werden Fehlern zu etwas Negativen und Wiley und behindern das Lernen. Und ganz, ganz viele Menschen, die sagen, sie können etwas Bestimmtes nicht mehr lernen, sind gar nicht erst losgelaufen.

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Die haben gar nicht erst den ersten Schritt gemacht, sondern haben aus Angst vor dem Versagen gar nicht erst begonnen, etwas Neues zu lernen. Und das sollten wir von Anfang an verhindern, indem wir uns klarmachen Ja, wenn wir Neues lernen, werden wir auch Fehler machen. Wir werden mit Gewohnheiten brechen. Die neuen Gewohnheiten sind noch nicht etabliert. Wir werden Dinge nicht richtig aussprechen. Wir werden nicht sofort alles memorieren können, was wir versucht haben, uns zu merken.

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Aber wir sollten anhand der Fehler, die wir machen, schauen, wie wir es das nächste Mal besser machen können. Man nennt das auch ein dynamisches Weltbild haben, wo man versucht, anhand seiner Fehler dazuzulernen und die nicht als Niederlage oder gar als Versagen zu empfinden.

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Im übrigen auch anderen Menschen helfen, indem wir ihnen klarmachen, dass nicht jeder Fehler, den sie machen, an ihrer Persönlichkeit sagen muss, dass man aus Fehlern lernen muss. Und wenn es zum Beispiel die eigenen Kinder sind, dass immer klar ist, dass wir zwar hohe Ansprüche an sie haben, aber dass sie niemals einen Fehler dazu beiträgt, dass irgendwas in der Beziehung der Eltern mit den Kindern gestört wird, sondern die Eltern werden immer ihren Kindern den Rücken stärken.

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Auch Lehrer, Mentoren, Auszubildende sollten genau dieses Gefühl ihren Schützlingen geben, damit immer klar ist, dass man zu seinen Fehlern stehen kann und dass nicht die Angst vor dem Versagen sich erhöht.

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Ganz wichtig ist diese Fehlerkultur, um auch hinlänglich motiviert zu sein. Und hier heißt es auch Neugierde wecken.

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Wir sollten, wenn wir etwas Neues versuchen zu lernen, uns nicht nur klarmachen Wofür lernen wir das? Sondern wir sollten uns auch fragen Was interessiert uns an dieser Fragestellung? Was könnte spannend sein? Wie kann ich die Neugierde befriedigen, die jeder Mensch in sich trägt? Ich würde sogar soweit gehen zu sagen Menschen haben einen kapier Trip. Das heißt, wir wollen Neues entdecken. Wir wollen Dinge verstehen. Wir sind nicht immer zu jeder Tageszeit bereit, dafür den entsprechenden geistigen Aufwand zu treiben.

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Aber Neues treibt uns an, beflügelt uns, hält uns wach und kann auch riesig Spaß machen, um den Alltag besser zu bewältigen. Den nächsten Urlaub besser gestalten zu können oder auch beruflich voran zu kommen. Denn Neugierde ist eine der stärksten Motivations, Triebfedern des menschlichen Verhaltens und damit auch des menschlichen Gehirns. Biochemisch in unseren Gehirnen betrachtet. Ist die Triebfeder hier mit dem Namen Dopamin verbunden?

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Dopamin ist ein Botenstoff, der im Gehirn immer dann ausgeschüttet wird, wenn das Erwartungen System unseres Gehirns die Annahme hat, dass wir eine schwierige Aufgabe erfolgreich bewältigen können. Sie sehen, warum das Rückenstärkung und das Selbstvertrauen so wichtig ist. Denn dieser Turbolader im Gehirn wird nur zugeschaltet, wenn a eine Situation als schwierig eingestuft wird. Und b wir trotzdem glauben, dass wir die Aufgabe lösen können. Das heißt, wir müssen an uns glauben. Oder wenn es um andere Menschen geht, denen auch sagen Wir trauen dir das zu, dass du das leisten kannst.

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Und wenn du scheitert, trauen wir dir zu, dass du wieder anlaufen kannst und es das nächste Mal bewältigen kannst.

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Und dies ist die Erwartung. System des Gehirns ist eine riesige Triebfeder, die nicht nur unser Konzentrations Vermögen steigert und damit die Lernfähigkeit, sondern über den Botenstoff Dopamin werden Nervenzellen auch angeregt, Informationen dauerhafter zu speichern. Das heißt, wir lernen nicht noch schnell und oberflächlich, sondern wir können das Gelernte auch im Gedächtnis Arealen ablegen, die wesentlich dauerhafter sind, als dies beim Kurzzeitgedächtnis der Fall ist. Die andere Besonderheit des Dopamin Systems besteht darin, dass immer dann, wenn wir eine Aufgabe erfolgreich erledigt haben, manchmal sogar überraschend erfolgreich erledigt haben oder ein Problem gelöst haben oder etwas gelernt haben oder eine besonders positive soziale Rückmeldung von anderen Menschen bekommen.

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Dass dann im Gehirn eine Gehirn, eigene Drogen, Apotheke, der Nucleus aktiviert wird, um mit Opium und Morphium verwandte Substanzen auszuschütten, die zum einen helfen den Gesamtkontext der Situation, indem wir gelernt haben, indem wir ein Problem gelöst haben, positiv abzuspeichern, sodass wir das nächste Mal, wenn wir in einer vergleichbaren Situation sind, dem System was mit Dopamin Arbeit signalisieren Hey, diese Situation hattest du schon. Hier warst du die letzten Male besonders erfolgreich. Es lohnt sich also auch jetzt anzustrengen und zu versuchen, das Problem zu lösen oder etwas besonders Schwieriges zu lernen.

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Aber diese körpereigenen, mit Opium und Morphium verwandten Drogen haben auch noch einen anderen Effekt Sie sorgen dafür, dass das, was wir gelernt haben, eben auch zusammen mit der Wirkung von Dopamin besonders dauerhaft in unseren Gehirnen eingespeichert wird. Sie sehen, warum, wie ich anfangs gesagt habe, Belohnungen, Zwischenziele so wichtig sind. Weil sie auch das Gehirn dahingehend beeinflussen, dass es bereit ist, zukünftig zu lernen, was wir glauben, zukünftig leisten zu können. Und wenn wir wieder in einer vergleichbaren Situation sind.

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Ob das Gehirn dann besonders motiviert, besonders konzentriert versucht zu lernen oder ob es schon frustriert abwinkt und sagt, dass es das letzte Mal nicht geschafft hast, du dich sogar blamiert, bis du vielleicht sogar von anderen bloßgestellt wurden. Also lasst uns die Situation meiden und es gar nicht erst versuchen und probieren. Das gilt für uns selber.

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Zwischenziele setzen Belohnungen, registrieren danach eine Pause, machen sich zu überlegen, wie man sich selber belohnt. Aber es ist auch wichtig, dass wir andere Menschen belohnen, vor allen Dingen über soziale Wertschätzung, dass sie sich eingesetzt haben, etwas Neues zu lernen. Und hier gilt Je überraschender eine Belohnung oder auch ein Ergebnis ist, umso größer ist die eigene Belohnung.

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Das bedeutet zum Beispiel am Umgang mit Kindern, dass man nicht eine Zeugnisnoten mit einer bestimmten Geldsumme belegt, sondern dass man sich immer etwas Neues einfallen lässt, wie man Kinder belohnen kann für ihre Leistung zum Beispiel. Zeit mit den Eltern. Gibt auch lustige Sachen bei kleinen Kindern sie mal im Bett schlafen können. Die Eltern schlafen in Kinderbetten. Es gibt verschiedenste Ideen, wie man das machen kann, bis hin zum Arbeitsplatz, wo man abgesehen von Boni Zahlungen eben durch die besondere Wertschätzung von Menschen für ihre Arbeit diese belohnt.

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Besonders wertschätzend ist es übrigens für uns, wenn uns Kollegen loben, nicht nur der Chef, sondern Leute, die mit uns auf einem Level sind, Büro, Nachbarn, die für eine besondere Leistung eine besondere Wertschätzung entgegenbringen.

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Das bedeutet, wenn wir das einmal atmosphärisch nüchtern betrachten wollen, was an Biochemie in unseren Gehirnen abläuft, wenn wir für eine Aufgabe besonders motiviert sind, dann bedeutet das zum einen, dass Dopamin ausgeschüttet wird, was als Turbolader im Gehirn die Leistungsfähigkeit des Gehirns steigert. Vor allen Dingen die Leistungsfähigkeit unseres Konzentrations Vermögens, welches ebenso wichtig ist, um die selektive Aufmerksamkeit genau auf die Faktoren zu richten, die wir lernen möchten. Je Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und vor allen Dingen ablenkende, eingehende Reize zu ignorieren.

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Lange bei der Sache zu bleiben und das, was wir gelernt haben und das Problem, was wir versucht haben, zu lösen, dann eben auch möglichst dauerhaft abzuspeichern. Dabei hilft das Dopamin. Wir haben auch schon erwähnt, die körpereigenen Opiate, die Opioide oder auch Endorphine, wie sie genannt werden, die das Belohnungssystem darstellen. Wenn wir eine Aufgabe besonders erfolgreich erledigt haben, wenn wir überraschend eine Belohnung bekommen. Unser Ziel erreicht haben, die dann bewirken, dass sich bis hin zur Euphorie ein positiver Zustand in unserem Gehirn einstellt.

[00:17:23]

Positive Gefühle, die dann eben noch dazu führen, dass wir in einer neuen Situation, die aber mit der vergleichbar ist, in der wir ein Problem gelöst haben, eben auch bereit sind, unsere volle Geisteskraft dieser neuen Aufgabe zu widmen. Es gibt aber noch etwas Drittes, Wichtiges, was immer wieder darauf hinweist, warum es auch für Erwachsene wichtig ist, nicht allein im stillen Kämmerlein zu lernen. Denn man hat Substanzen gefunden, die an Synapsen, also an den Kontaktstellen zwischen Nervenzellen, ausgeschüttet werden.

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Und hier das Abspeichern von neuen Informationen besonders gut möglich machen, die immer dann ausgeschüttet werden, wenn wir im sozialen Kontext etwas lernen. Es geht hier um das Oxytocin, etwas, was aus dem Blut System schon lange als Hormon bekannt ist, manchmal noch populär als kuschel Hormon bezeichnet wird, was aber im Gehirn auch ausgeschüttet wird und dort eine handfeste Aufgabe hat, nämlich Synapsen flexibler zu machen. Wir sagen in der Wissenschaft plastischer zu machen. Denn die Speicher Vorgänge, die dazu führen, dass wir uns Neues merken, gehen damit einher, dass Synapsen ihre Stärke verändern.

[00:18:30]

Das heißt, wie gut Informationen weitergeleitet werden und wie groß diese synaptischen Kontakte sind. Und das wird es Oxytocin beeinflusst, und zwar positiv.

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Allerdings wird das Oxytocin nur ausgeschüttet, wenn wir uns in einer sozial abgesicherten Situation befinden. Auch hier spielen soziale Bindungen eine Rolle.

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Spielt es eine Rolle, dass wir nicht einen uns einsam fühlen oder ausgeschlossen? Entsprechend ist es auch wichtig, dass wir immer wieder in Gruppen lernen, dass wir Menschen suchen, die mit uns gemeinsam ein Problem lösen. Oder auch für Studenten und Schüler und Schülerinnen gilt, das es auch immer wieder wichtig ist, in Gruppen zu lernen, in Gruppen unterwegs zu sein.

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Entsprechend ist es einer der wichtigen Voraussetzungen dafür, dass dieser Dreiklang aus Dopamin, aus den körpereigenen Opioiden und aus dem Oxytocin ausgeschüttet wird. Das Interesse an einem Thema haben. Das heißt, wenn wir uns selber etwas vornehmen, was Neues zu lernen, muss uns klar sein Warum machen wir das hier fremdgesteuert? Einem Interesse zu folgen? Weil zum Beispiel ein Neurowissenschaftler gesagt hat, Tanzen wäre besonders gut für unsere Gehirne, um deren Funktionalität zu erhalten. Was im übrigen in der Sache richtig ist, werden wir diese Tätigkeit aber nicht lange verfolgen, wenn wir keinen Spaß an dieser Tätigkeit haben werden.

[00:19:47]

Also das Interesse muss geweckt sein, und wir sollten uns hier vergewissern, dass unser Interesse noch da ist. Bei anderen Menschen sollten wir immer wieder helfen, deren Interesse zu wecken. Der nächste Aspekt, der ganz, ganz wichtig ist, ist soziale Anerkennung und persönliche Wertschätzung für Auszubildende, Mentoren und Lehrer heißt zum Beispiel, den Blickkontakt mit den Schülern, Auszubildenden, Schützlingen zu suchen. Weil dies schon eine Form der persönlichen Wertschätzung ist.

[00:20:14]

Selber ein gutes Vorbild sein ist etwas anderes, was wichtig ist. Der Mediziner Ulrich Schweitzer hat mal gesagt Ein Vorbild zu sein ist nicht die einzige Möglichkeit, dass Menschen etwas lernen, sondern es ist die wichtigste Möglichkeit, damit Menschen von einem etwas lernen können. Das heißt, mit unserer Vorbildfunktion machen wir es Menschen leichter, das durch Nachahmung gelernt werden kann. Und auch wenn wir immer Affen sagen, muss man sagen Die Spezies auf diesem Planeten, die am besten durch Nachahmung lernt, ist der Mensch.

[00:20:52]

Wir sind aber nur bereit, jemanden nachzuahmen und ihm zu folgen, wenn wir ihn auch für authentisch halten. Wenn wir also glauben, dass er selber zu dem steht, was er auch vertritt. Ich sage mal spaßeshalber Der Vater, der das Schnitzel ist, aber den Salat predigt, wird bei seinen Kindern nicht bewirken, dass diese Salat essen. Gleiches gilt übrigens für die digitale Mediennutzung der in sein, die in sein Handy tippen. Mutter wird die Kinder nicht überzeugen, das Tablet wegzulegen.

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Da muss man dann die Zeit gemeinsam verbringen, da braucht man ritualisierter Abläufe, wann es familiärer erlaubt ist, digitale Medien zu verwenden und wann nicht. Ein anderer wichtiger Motivations Faktor ist Wir müssen uns fair behandelt fühlen, und wir müssen natürlich die Chance auf Erfolg sehen. Dafür sind Erfolgserlebnisse ebenso wichtig, und auch das ist für alle beruhigend zu wissen. Man darf auch Ansprüche stellen, denn der Turbolader Dopamin wird nur dann zugeschaltet, wenn wir auch herausgefordert werden. Und wenn uns die Antwort zu einer Aufgabe nicht sofort gegeben ist.

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Wenn wir also danach suchen müssen, wenn wir herausgefordert werden und wir eben nicht eine langweilige Aufgabe verfolgen müssen. Während des Lernens. Nachdem wir unsere uns unserer Motivation versichert haben, uns immer wieder unserer Hartnäckigkeit versichert haben und auch das Ziel, was wir erreichen wollen, ist es natürlich wichtig. Mit was für Mechanismen und Methoden kann man während des Lernens am besten vorankommen? Und hier, muss man sagen, ist Assoziation Trumpf. Wann immer wir neues Wissen mit altem Wissen verbinden können, zum Beispiel über Metaphern, über Bilder, indem wir das, was wir lesen, in die eigene Sprache übersetzen, in den eigenen Horizont einbauen.

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Umso leichter fällt es uns, dieses Wissen nicht nur abzuspeichern, sondern auch sicher wieder abzurufen. Das hängt damit zusammen, dass auf der elementarsten Schaltstelle des Lernens Assoziationen eine so herausragende Rolle spielen. Denn an den schon erwähnten Kontaktstellen von Nervenzellen, den Synapsen, verändern sich diese Synapsen besonders leicht, wenn die Vor und die nachgeschaltete Nervenzelle, die eine solche Synapsen bilden, gleichzeitig aktiviert werden. Wenn wir also die einfachste Form der zeitlichen Assoziation, die Koinzidenz haben, dann verändern sich diese Synapsen besonders leicht.

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Das bedeutet Wir haben assoziative Speicher, die mit Hilfe von Assoziationen besonders leicht sich Dinge merken können. Diese Assoziationen können wir beim Lernen hervorrufen, indem wir das, was wir lesen oder gehört haben, noch einmal in eigene Worte zusammenfassen. Hier hilft es zum Beispiel, sich Notizen zu machen. Den Text zu bearbeiten sind tatsächlich Dinge herausstreichen, sie zu unterstreichen, sie farbig zu markieren. Das heißt, mit dem Text regelrecht zu arbeiten, damit wir beim Lernen aktiv involviert sind.

[00:23:50]

Aber tatsächlich hilft es auch, sich eigene aufschreibe zu machen und dabei auch die eigene Handschrift zu verwenden. Denn wir merken uns die Zusammenhänge nicht nur lautmalerisch, nicht nur über graphische Zusammenhänge, nicht nur über bedeutungs Zusammenhänge, sondern auch darüber, mit welcher Motorik wir diese Wörter schreiben. Da ist die Handschrift eben immer noch ein eindeutiger associations Faktor, weil ein Wort auf bestimmte Art und Weise motorisch kodiert geschrieben wird, während alles, was wir mit Tablet, Laptop, Computer schreiben, motorisch immer gleich ist.

[00:24:22]

Das wird also nicht so gut funktionieren, wie etwas mit der Hand aufzuschreiben. Auch hier lohnt es immer wieder, die eigene Handschrift zu verwenden. Vor allen Dingen ist der Vorteil, wenn ich mir selber Notizen machen. Und in dem Fall ist es egal, ob im Laptop oder mit der Hand, dass ich mit meinen eigenen Worten noch das zusammenfasste, was ich gehört habe Oberbegriff bilde und damit auch die Chance erhöhe, dass ich später das Lesen und das Wissen auch abrufen kann.

[00:24:50]

Ein anderer Faktor, der besonders in heutiger Zeit besonders wichtig ist, ist beim Lernen selbst das Multitasking zu meiden. Denn menschliche Gehirne können nicht gut das Multitasking betreiben. Wo wir also schnell zwischen verschiedenen Tätigkeiten hin und her wechseln. Lenken wir uns immer von der eigentlichen Aufgabe ab, und es fällt dem Gehirn am Ende schwer, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Und hier ist es tatsächlich bedenklich, dass es meist nur 5 Sekunden dauert, bis ein deutscher Arbeitnehmer auf eine eingehende E-Mail reagiert.

[00:25:22]

Was bedeutet, dass wir diese e-mail-programme immer anhaben und auch noch uns selbst konditionieren und fast süchtig meinen, wir müssten sofort auf solche Nachrichten reagieren. Dabei wäre es viel, viel wichtiger, dass man bestimmte Stunden am Tag eben die E-Mails im Hintergrund ausschaltet. Auch alle Leucht, Signale, alle eingehenden Töne und Vibrations Geräusche von Handys nicht nur ausschaltet, sondern sogar die Handys und Smartphones aus unserem Blickfeld entfernt. Denn man kann zeigen, wenn wir beim Lernen nur ein Handy im Blickfeld haben, die schon eine ablenkende Wirkung hat.

[00:25:59]

Selbst wenn es ausgestellt ist, weil in unseren Gehirnen Nervenzellen immer wieder vor sich hin feuern und sich vornehmen, nicht auf das Handy achten, nicht auf das Vibrations Geräusch achten, nicht an den nächsten Termin denken, was ein Rechenkapazität kostet für sein Konzentrations Vermögen, was man ja eben auf das Lernen verwenden möchte. Das heißt, hier ist es gut, auch mal einige Stunden am Tag die Erreichbarkeit zu üben. Im übrigen auch mit dem Effekt, dass dadurch unsere Konzentrations vermögen und das Arbeitsgedächtnis gestärkt wird.

[00:26:32]

Was wiederum bedeutet In den Situationen, wo wir tatsächlich schnell zwischen verschiedenen Tätigkeiten wechseln, möchten wir das eben besonders gut machen können. Und machen wir uns hier nichts vor. Wir werden im Laufe eines Tages sehr, sehr häufig abgelenkt. Studien zeigen, dass wir etwa 88 Mal am Tag auf unser Handy schauen, 35 Mal tatsächlich kurze, harmlose Unterbrechungen, aber 53 Mal tatsächlich längere Unterbrechungen, die uns beim Denken und Lernen stören. Neben allen anderen Ablenkungen uns alle 18 Minuten in unseren Tätigkeiten unterbrechen und das ganze Risiko Zeitfresser ist, der zweieinhalb Stunden am Tag in Anspruch nimmt.

[00:27:15]

Wir sollten also beim Lernen eine ABC Regel beachten. Ganz einfach Das A steht für Achtsamkeit im englischen Erschwernis. Wenn immer wir durch etwas abgelenkt werden, das kann auch mal ein Gedanke sein oder tatsächlich ein Geräusch uns zwingen, bei der Tätigkeit zu bleiben, die wir machen wollen oder bewusst umschalten, wenn uns die andere Tätigkeit wichtig ist, aber nicht konditioniert auf alles zu reagieren, was einläuft. Das zweite ist Atmen, wie im Englischen breest, übersetzung für Atmen.

[00:27:47]

Einmal tief durchatmen, bevor man auf ein Eingehen des Signal reagiert und diese Atempause nutzen, um sich nicht doch zu fragen, ob man nicht lieber in seiner Tätigkeit weitermacht. Das dritte ist C wie im deutschen entscheiden, sich also ganz bewusst entscheiden, ob man in einer Tätigkeit weitermacht oder nicht. Das ist auch vor dem Hintergrund wichtig, dass wir 15 Minuten brauchen, um uns in eine neue Tätigkeit einzudecken. Auch hier lohnt es sich vor allen Dingen. Aber, und damit möchte ich schließen, ist es wichtig, dass wir mit Leidenschaft lernen, um hartnäckig unsere Ziele zu verfolgen, wie der Begründer der Bio Psychologie, William James, einmal gesagt hat.

[00:28:24]

Es ist stets die Leidenschaft, die uns retten wird und die darüber entscheidet, welche Früchte unsere Bemühungen tragen werden. Denn wenn das Ziel nur ausreichend wichtig für uns ist, werden wir es erreichen. Und ich bin mir sicher, dass sie unter dieser Voraussetzung ihre Lernziele erreichen werden, und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.

[00:28:44]

Das war die Aula heute mit dem Thema neuronale Fitness. Wie lernt das Gehirn? Sie hörten einen Vortrag von und mit dem Hirnforscher Professor Martin Korte von der TU Braunschweig.

[00:28:57]

Sie hörten die Wiederholung einer Sendung vom Januar 2020. Sie können diese und alle anderen Sendungen wie immer nach Hören und nach lesen. Infos dazu finden Sie auf der Homepage www.

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Eswäre 2D Schrägstrich wissen. Die Welt verstehen. Jeden Tag SWR 2 Wissen, Manuskripte und weiterführende Informationen zu unserem Podcast und den einzelnen Folgen gibt es unter SWR 2 wissen. De.