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[00:00:01]

SWR 2 wissen.. Wir machen es mit ein bisschen Stimme dazu. Das Annehmen von einer anderen Rolle hat auf jeden Fall schon einen Reiz außerhalb von der Schule an verschiedenen Stellen mal in Verbindung damit geraten und hatte natürlich das Wahlfach Literatur und Theater schon großen Reiz auf mich. Darum habe ich auch gewählt.

[00:00:23]

Und ich würde euch bitten, jetzt einfach wieder drauflos zu schreiben. Nochmal vier Minuten. Was tun eure Figuren? Was wünschen Sie sich? Und wie fangen sie jetzt an zu handeln?

[00:00:34]

Darf ich mein Auge und Geleit anzutragen?

[00:00:37]

Und er hat eine Rezension drüber geschrieben und hat gesagt Das, was die Schüler da gelernt haben, in der Vorbereitung, in dem Schreiben von einem Stück spielen, das lernen sie in keinem Schuljahr in anderen Fächern.

[00:00:53]

Interessant zu sehen, wie sowas halt einfach entsteht, wie sich so etwas mit der Zeit einfach entwickelt. Und jetzt wird es unbedingt Schauspielerin werden. Schultheater fürs Leben eine Sendung von Detlef Berentzen. Erste Stufe Stühle wieder wegsterben, Schultheater fasziniert.

[00:01:18]

Alles ist anders. Statt dem üblichen 45 Minuten tobt das vorgeschriebene Pensum. Zu lernen wird gespielt in einem umfassenden Sinn. Rollen werden ausprobiert, Phantasien entwickelt, Sätze gebaut, Dialoge geschrieben, Literatur rezipiert. Ob biografisches Theater, eigene Stücke oder die Inszenierung des modernen oder klassischen Theaters. Es finden Begegnungen mit Körpern, Figuren, Ideen und den eigenen Möglichkeiten statt. Kein Wunder, dass das baden württembergische Landesinstitut für Schulentwicklung sich auf seiner Homepage selbst dafür beglückwünscht. Ab dem Jahre 2012 die theatralische Form von Lernen und Begegnung endlich als reguläre Schulfach in den Oberstufen der Gymnasien eingeführt zu haben.

[00:02:07]

Der Oberstufen, Kurs, Literatur und Theater hat sich innerhalb erstaunlich kurzer Zeit an vielen Gymnasien Baden-Württembergs etabliert, und die Nachfrage seitens der Schülerinnen und Schüler scheint stetig zu steigen. Eine erfreuliche Entwicklung, die zeigt, dass man auf dem richtigen Wege ist.

[00:02:32]

Ich glaube, das ist der ganz große Wurf, weil wir da tatsächlich nochmal ein Feld aufmachen, was spektakulär ist. Einfach, weil man ja auch in diesen Abiturs Fächern immer diese Aufgabe hat, als Schüler mit dem Kopf zu lernen. Lernen, lernen, lernen. Es geht immer über den Kopf. Wenn die Theaterpädagogik Erfahrungen machen zu tun hat, ist es ja so, dass die Schüler über die Erfahrung des Theaterspielen das Theaterstück bzw. Literatur kennenlernen. Ein ganz anderer Zugang nochmal.

[00:03:05]

Carola Schwielen. Die gelernte Schauspielerin arbeitet nach einer entsprechenden Zusatzausbildung seit Jahren als Theaterpädagogin am Theater Lindenhof. Dort und in den Schulen der umliegenden Orte trainiert sie oft genug mit Schülerinnen und Schüler auch Theater, organisiert Theater, Clubs, betreut auch jedes Jahr die Mädchen. Eine Studie theatertage. Hoch droben auf der Schwäbischen Alb, immer wieder mit jenem Erfolg, der so viele am Schultheater begeistert.

[00:03:35]

Es ist einfach toll zu sehen, wie Schüler, die auch in anderen Fächern oder in ihrem Leben vielleicht erst einmal zurückhaltender sind und sich weniger trauen, in ganz vielen Fällen über diese Theaterarbeit an Selbstbewusstsein gewinnen.

[00:03:50]

Mutiger, frecher werden sie sich mehr zutrauen. Das ist eine Erfahrung, die wir immer wieder haben als Theaterpädagogen.

[00:04:01]

Damit der Schultheater den aktuellen und hochgelobten Stellenwert bekam, brauchte es Pioniere, Vorkämpfer, Engagements in allen Bundesländern, auch in Baden-Württemberg. Die Mehrheit der Gründerinnen und Gründer des Schwäbischen Theaters Lindenhof gehören zu dieser Avantgarde. Das haben sie bereits vor Jahrzehnten auf der Bühne des Reutlinger Theaters Tonne bewiesen. Da waren sie größtenteils noch Schüler und Lehrlinge und führten ihr erstes Theaterstück auf. Zu einer Zeit, als von einem Theatertreffen der Schulen, von einem Fach wie Literatur und Theater noch gar keine Rede und freche Theaterarbeit in Schulen gar nicht vorgesehen war.

[00:04:47]

Bericht über die Lage von 400 Jugendlichen mit Hauptschulabschluss im 77. Jahr.

[00:04:58]

Wir sind 400 junge Leute in dieser reichen Stadt, die viele Multimillionärs Arbeitsplätze hat. Lehrstellen sind viermal 400, Lehrlinge fünfmal 400. Ja, man kann an einer Hand abzählen, wie. Vom Thema war es ja die zweite Zeile der abenteuerliche Alltag des Lehrlings Thomas Bernhard, das damals schon gespielt, war nun kein klassischer Lehrling, aber er hätte sein können. Und er hat es wunderbar verkörpert in dieser Schultheater. Vielleicht 20, 25 und die Hälfte waren Lehrlinge, die durch ihren Beruf Schultag angezogen wurden.

[00:05:54]

Dagmar war Friseur, Lehrling, hatte die Hauptrolle im Turm, und sie war seine Freundin, und die Glinde war das Flugblatt Mädchen.

[00:06:05]

Uwe Zillmer, ein quicklebendige Grandseigneur und Geschichten Sammler, über den das SWR Fernsehen neulich noch sagte, dass die süddeutsche Theaterlandschaft ohnehin bedeutend ärmer wäre. Zillmer ist aber nicht nur Autor und Schauspieler, sondern auch seit Jahrzehnten engagierte und vom Land Baden-Württemberg ausgezeichneter Lehrer in Sachen Schultheater. Der studierte Sportlehrer und Germanist arbeitete in den 1970er Jahren als ambitionierter junger Student, Referendar am Technischen Gymnasium der Reutlinger Steinbeis Schule, gründete da selbst eine der ersten Schultheater Agios und organisierte für Schüler und Lehrlinge immer wieder Freizeiten der Schüler, Mitverantwortung zum Schreiben von Hörspielen und im Spielen von Sketchen genutzt wurde.

[00:06:55]

Ich hatte in der zwölften Klasse Galilei als Thema von einem gewissen Brecht ein gewisser hingegangen.

[00:07:04]

Haben uns das angeguckt. Das war eine sehr schöne Inszenierung von Volker Beck mit Puppen und so. Die ganze Vatikanum Puppen, das war schon herrlich hier, eingeladen im Unterricht und der erste große Erfolg von Helmers Schultheater.

[00:07:20]

Arbeit war im Jahre 1977 sein Stück. Die erwähnte Geschichte des Lehrlings Tom, gespielt von dem blond gelockten und hochbegabten Schüler Bernhard Urumqi, genannt Berni, ein Akteur, der für Spiel und Engagement inzwischen unter anderem längst mit dem Hölderlin Ring ausgezeichnet wurde und seit knapp 38 Jahren auf der Bühne des Theaters Lindenhof steht. Denn eben dieses Theater hat die begeisterte Amateur Truppe um den späteren Studienrat Zillmer auf der Suche nach einer eigenen Spielstätte im Jahre 1981 ins Leben gerufen, was man durchaus als die Geburt des weithin bekannten Regional Theaters aus dem inspirierten Geist einer antiautoritären Schultheater AG bezeichnen könnte.

[00:08:22]

18 mal gespielt, also über ein Jahr hinweg über 20 Tilla mitgewirkt haben. Es gab die berühmte Wandzeitung in der Schule zurück in die Warnung vor den linken Rattenfängern Lasst eure Kinder nicht Theater spielen. Das war schon sehr außergewöhnlich, und das gab dann den Grundstein für ein paar Mitmenschen.

[00:08:45]

Das machen wir weiter Richtung Landesinstitut für Schulentwicklung.

[00:08:53]

Zurzeit deutet alles darauf hin, dass die fachlichen Anforderungen, die an Theater, Lehrerinnen und Theater Lehrer gestellt werden, in Zukunft eher noch steigen werden. Je mehr ein Fach wie Literatur und Theater normaler Bestandteil des gymnasialen Fächerkanon wird und je selbstverständlicher es als Abiturprüfung gewählt wird, desto wahrscheinlicher ist es, dass an die Qualifikation der Lehrkräfte dieselben Maßstäbe angelegt werden wie bei anderen Fächern.

[00:09:22]

Wir sind ja da, um mit euch ein bisschen Theater zu spielen. Ein Einstieg zu finden in das Stück von Goethes Faust, Goethes Faust, und wir haben ja letztes Mal schon ein bisschen dazu improvisiert.

[00:09:34]

Und heute machen wir einfach ein bisschen weiter im Theaterraum des Massing Ostwald Gymnasiums, ein Klavier, ein CD-Spieler, dazu Tische, Stühle, jede Menge Fenster mit Blick ins Offene des späten Nachmittags. Der Raum an sich wirkt ein wenig nackt. Noch bespielt Stöcklin, Benedict, Tim und einige andere Schülerinnen und Schüler der Oberstufe sind schon gespannt. Carola Schwerin bereitet sie auf den Besuch der abendlichen Probe am Theater Lindenhof vor. Goethe steht dort auf dem Programm. Faust spielen vom Himmel durch die Welt zur Hölle, so der Titel des Stücks.

[00:10:10]

Premiere ist im März. Stimmt die Kids auf das Stück ein, macht sie mit der Story bekannt. Es soll um Figuren, Entwicklung und Szenen Gestaltung gehen.

[00:10:20]

Bevor ihr aber schreibt, gibt es ein Aufwärmphase, weil zum kreativen Prozess gehört, dass wir drei Sachen beachten. Das eine ist Badie. Der Körper meint die Birne. Und dann kommt so Spirit. Und dann sind wir im Theater angelangt. Deshalb müssen wir diese drei Stufen durchlaufen. Wenn wir das fertig haben, machen wir eine kleine Pause, und dann fahren wir zum Theater hoch. Treffen die Schauspieler und gucken mal, wie weit die gekommen sind. Es ist ein Experiment.

[00:10:50]

Ja, wir werfen einfach alle zusammen rein und haben ein bisschen Spaß miteinander. Um viel mehr geht es eigentlich gar nicht.

[00:11:15]

Jeder weiß, wie wichtig diese welche sind nicht nur Theater, Kunst und Musik.

[00:11:21]

Es gibt Pädagogen und Pädagogen, die sagen Das sind die drei wichtigsten Felchen überhaupt an Schulen. Alles andere kann man ja heutzutage im Internet nachschauen. Aber die Schlüsselkompetenzen, die dadurch erworben werden, die kriegt man in keinem anderen Fach.

[00:11:37]

Julian Huis, die verantwortliche Theaterpädagogin des Gymnasiums, und die gebürtige Engländerin engagiert und begeistert. Heute ist sie nicht nur wegen der nervenden Brexit Debatte ein wenig müde, sitzt am Rand des Geschehens, hat an der Schule ohnehin gerade aufwendige Proben für den kleinen Prinzen gehabt und ist froh, dass Kollegin Carola Schwielen vom Lindenhof die neugierigen Kids mit dem Sound des alten Goethe bekannt macht. Kilian nickt Ja, das Prüfungs, relevante Fachliteratur und Theater hat die Schulen in den letzten Jahren beatmet, sie sehr beliebt.

[00:12:21]

Doch bräuchte es, so meint sie, im Grunde ob der großen Nachfrage schon jetzt mehr ausgebildetes Personal, auch mehr Stunden für die Entwicklung all der Kompetenzen, die mit der Theaterarbeit verbunden sind. Da könnten die Damen und Herren im Regierungspräsidium Tübingen ruhig mal ein Einsehen haben.

[00:12:39]

Ich finde, die sollten nicht in den Unterricht kommen und sehen, was wir da machen. Das ist wirklich Hand und Fuß. Hat es die Schüler des ernst nehmen, dass es nicht bloß darum geht, es beim Aufwärmen Spiele machen und dann auch noch spielen?

[00:12:52]

Barnard Theorie lernen die Theorien von Stanislawski und Brecht kennen. Wir schreiben an Klausuren. Es hat wirklich Hand und Fuß. Wenn wir erleben würde, wie manche dann am Anfang vom Schuljahr darstellen und wie sie da nach einem halben Jahr sagen Ich habe jetzt keine Angst mehr, vor der Klasse zu stehen. Wenn es in Anführungszeichen nur das wäre, dann wäre es unheimlich wertvoll.

[00:13:17]

Dabei haben wir drei Figuren den Faust, Mephisto und Gretchen. Schreib bitte in Ich-Form in der Ich-Perspektive. Was habe ich an? Wie sehe ich aus? Ich Faust oder ich Mephisto?

[00:13:32]

Ich Gretchen geht jetzt in die Figuren, Arbeit rein, Zuschauer. Ich würde aufs oberschülern gebeten, und ich dachte Gott weiß, was kommt schon wieder.

[00:13:52]

Und dann haben die mir da offenbart durch Anregung von Hannes Rettich, dem Koordinator bei Später gab es ein Theater Lehrer Cours. Ob ich denn da wohl mit machen möge? Und ich habe mir, überlege ich mir. Man muss sich nicht lang überlegen, und dann gab es diesen Theaterleben und die ersten dreißig, die dann die tease Lehrer, Ausbildung oder Hinführung so gemacht haben. In Schwäbisch Hall regelmäßig super.

[00:14:29]

Und da wurden dann auch sehr starke Kräfte eingeladen in allen Bereichen Lehrkräfte, Lehrkräfte, Theater, Kräfte, Regie und Musik waren sehr gute Sachen.

[00:14:42]

Würde es eigentlich in Baden-Württemberg Theatergeschichte?

[00:14:45]

Schultheater, kann man sagen. Es gab sicher schon im Gymnasium normalen Gymnasium. Gab hier die eine oder andere Haus Tradition? Aber Theater Lehrer war der Anfang.

[00:14:56]

Uwe Zillmer, nach den Reutlinger anfing, viele Jahre Theater, Lehrer in Tübingen und Regisseur von vielen Schultheater. Aufführung rund um die Alb. Noch heute die Kulturpolitik von Lothar Späth. Nachdem der baden württembergische Ministerpräsident in Sachen Kultur anfangs noch recht zögerlich war, attestierte die Presse dem Christdemokraten gegen Ende der 1980er Jahre einen regelrechten Rausch. In alle Kulturbereich wurde mächtig investiert, auch ins Theater. Auch ins Schultheater keine Unsummen, aber immerhin die Konzeption, die Hannes Rettich, Späths Kunst Coordinator, voller Enthusiasmus entwickelt hatte.

[00:15:39]

Tut der Ministerpräsident im Jahr 1989 sogar als Regierungserklärung vor. Im Vorwort dieser Konzeption stehen Sätze zu lesen, die gerade in Bezug auf das Fach Literatur und Theater noch heute brandaktuell sind.

[00:15:54]

Kunst und Kultur haben den Elfenbeinturm verlassen, sie sind zu einer sozialen Notwendigkeit unseres Zusammenlebens geworden. Diese Entwicklung ist eine Herausforderung sowohl für die Bildungspolitik wie für die Kulturpolitik. Das Ziel einer ganzheitlichen Persönlichkeitsbildung kann nur erreicht werden, wenn gleichzeitig neben die Wissensvermittlung eine Erziehung zur selbstverantwortlichen, kritischen und schöpferischen Gestaltung der Lebenswelt tritt. Wir brauchen Menschen mit kreativer Fantasie, die den Problemen der Gegenwart mit zukunftsgerichteten Ideen begegnen.

[00:16:31]

Gab es ein Schultheater? Koordinator Hans-Jürgen Klink. Wir waren sehr gut befreundet. Lebte in Lindenhof, und wir haben mir sehr viel Curse hier veranstaltet. Das war toll und ging dann auch mit meinem Schulleiter in Tübingen. Ja, nee, das ist schon wichtig. Die Regierung will das auch, und so sei es dann schon richtig, mal 600 Stunden her zu tun. Und damit fing es an, dass ich mir da mein Schultheater zusammengebaut habe.

[00:17:00]

Ich habe mit 45 war ich schon bei 70.

[00:17:13]

Der gemeinsame Nenner aller Künste gesagt kann Auf jeden Fall ist es gut. Das ist das, was diese Arbeit hier ausgemacht hat, dass sich hier immer ausmacht Training und Spiele mit Musik und bewegt sich da im Saal zwei Stunden bis zur Erschöpfung. Es hat natürlich auch gefallen, dass sie gefordert waren und aus dem Training heraus, aus den übungen dann eine gewisse Erschöpfung, eine gewisse Ruhe. Alle liegen auf dem Boden, im Saal, und ich sage Jetzt träumt man jetzt mal fünf Minuten Stille oder zählen dann was zu ängsten, bitte.

[00:17:56]

Also konzentriert euch, guckt in eure Texte, ihr könnt auch Sachen wiederholen. Ihr habt jetzt Gestaltungsmöglichkeit. Es geht nicht darum, dass wir den ganzen Text einfach unterläßt. Wenn das Gefühl Habt ihr es nur ein Wort im ganzen Text wichtig, dann könnt ihr auch einfach nur das eine Wort. Ja, wir machen jetzt eine Collage.

[00:18:11]

Ich würde gern noch etwas erleben oder jemanden kennenlernen. Aber ich weiß nicht, wie. Bisher war ich mit meinem Leben nicht unzufrieden. Wie gern wäre ich mal richtig fröhlich. Zu Recht kann ich mich selbst nicht als glücklichen Menschen. So kann es nicht weitergehen. Jetzt ändere ich etwas an meiner Situation. Denn so kann es nicht weitergehen. Ich will feiern.

[00:18:32]

Das ist letztendlich eine Form des ganzheitlichen Lernens. Das hört sich dann auch immer wieder so nach einer Pädagogik aus den 70er Jahren an. Was ich immer vermessen finde, wenn man das so kleinredet. Aber es ist ja tatsächlich ganzheitliches Lernen über den Körper, den Geist und wieder zurück. Und so hat man einfach an ganz runden Weg. Und es ist auch für die Schüler, die den ganzen Tag sitzen, eine wunderbare Erfahrung, einfach mal ins Spiel zu kommen und dann auch viel leichter zu lernen ins Spiel kommen.

[00:19:01]

Genau das sollen die Schüler, müssen sie sogar überall. Und nicht nur in Baden-Württemberg. Auch nicht nur in der gymnasialen Oberstufe. Es braucht ob der aktuellen Dominanz des Homo faber und der komplizierten Apparate, die sein Leben fremdbestimmten, dringend auch den Homo ludens, den spielenden Mensch. Folgt man den Briefen über die ästhetische Erziehung des Schwaben Friedrich Schiller, so ist das Spiel für eine ganzheitliche Entwicklung des Menschen schier unerlässlich.

[00:19:32]

Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.

[00:19:40]

Ich, Gretchen, bin 13 Jahre alt und habe braune Haare, die in zwei Zöpfen geflochten sind. Ich will mehr erleben und weiß aber nicht wie. Ich sehe brav aus und habe rote Lippen und ein weißes Kleid mit einer Schürze, die rot ist, passend zu meinen Lippen.

[00:19:56]

Die kleine Theatertruppe im Gymnasium ist jetzt hellwach, vibriert, überschreitet Altersgrenzen. Am Anfang noch zögern war, wird jetzt umstandslos improvisiert. Der Stoff geriet zum Dialog. Sätze entstehen wie von selbst Stimmen und Körper entwickeln zunehmend Energie. Ein Prozess, der staunen macht. Und in jede Schulform gehört heute nicht nur Carola Schwielen, die gerade den Faust in die Jetztzeit ruft, sondern auch Theaterpädagogin Jillian, die mittlerweile gespannt dasitzt, ihren First World Kids begeistert zuschaut und sich wie ich auch nichts sehnlicher wünscht, als es solche quicklebendigen Erfahrungen von SPIEGEL, Begegnung und Leichtigkeit demnächst in allen Schulen möglich sind.

[00:20:43]

Meine Vision ist, dass man unsere Schüler mit Schülern aus anderen Schularten zusammenbringt. Wir haben ja hier alle Schularten im Messengern, und ich fände es sehr wichtig, dass man die zusammenbringt und eine Art Spiel Club oder so einrichtet, wo wirklich alle Bildungsniveaus zusammenkommen, alle kulturellen Hintergründe zusammenkommen. Man sieht, das Theater verbindet und dass man durch Theater unheimlich schnell zum gegenseitigen Verstehen kommt.

[00:21:10]

Ich sitze mit Mephisto im Auto auf dem Weg irgendwohin. Wir fahren einfach weg. Mephisto versprach mir alle Freude. Und so sind wir wahrscheinlich auf dem Weg genau dorthin. Mein Leben muss sich ändern. Für meine 65 Jahre habe ich nichts erlebt und das Gefühl, alles verpasst zu haben.

[00:21:28]

Landesinstitut für Schulentwicklung als wesentliches Element begleiten Theaterbesuche, wenn möglich zum aktuellen Kurs. Thema. Die Arbeit im Kurs. Durch die Rezeption verschiedener Inszenierungen werden nicht nur Theatergeschichte, geschichtliche und theoretische Aspekte anschaulich, sondern auch Rezeptionist, Spektrum und Gestaltungsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler erweitert.

[00:21:58]

Am Abend dann das Theater Lindenhof, hoch droben auf der Alp. Die Schüler haben bereits den Fundus mit den Kostümen verschiedener Inszenierungen bestaunt und streben jetzt, geführt von Theaterpädagogin Carola. Durch den Flur in Richtung. Das ist einer der Schauspieler hier Christoph Bielmeier, der Regisseur Claudia Bühnen und Kostümbildnerin Kistner, der Dramaturg des Stückes, Gert Blankenhorn, ein weiterer Schauspieler und hier die Vereinsfußball, Gymnasium, Literatur und Theater. Das habt ihr wahrscheinlich mitgekriegt, dass der Goethe sich ein ganzes Leben lang mit dem Faust beschäftigt hat.

[00:22:45]

Dieser Faust als Scharlatan oder als Wissenschaftler, der von Mephisto von dem Teufel verführt wird.

[00:22:53]

Wir wollten dann einfach mal gucken Wo stehen wir eigentlich? Was sind denn unsere Meinungen zur Welt? Ist ja eine komplizierte Welt, in der Magerrasen sind. Und so gesehen haben wir jetzt angefangen, einfach diese Texte zu lesen, und uns aber ganz viel darüber unterhalten. Was kann das heute für uns sein? Wo sind denn Assoziationen zu heute, wo sind Analogien?

[00:23:16]

Regisseur Christoph Bielmeier erklärt den Stand der Proben. Heute ist alles noch gar nicht gediehen und stimmt sich noch ein, kommt in Berührung, macht sich mit dem Stoff bekannt. Aktualisiert, assoziiert. Nicht viel anders als eben noch die Schüler in ihrer Theaterwerkstatt. Da kann man sich doch austauschen, inspirieren lassen. Also tragen die Schüler dem Team um Bielmeier zunächst einmal ihre gerade eben entstandene Figuren Entwicklung vor.

[00:23:42]

Ich bin vielleicht Mitte vierzig und habe einen roten Umhang. Meine Haare sind glatt und reichen mir fast bis zu Stirn. Ich trage manchmal einzylinder. Ich trage auch einen Gürtel, der aussieht wie ein Rocker. Gürtel. Zart und schüchtern bin ich. Und ich bin fast verliebt. Er lässt mich so fühlen, wie ich mich bei niemanden fühle. Er ist interessant und bringt mich immer zum Lachen.

[00:24:04]

Ich verändere Wahrnehmungen. Ich bin wie eine Droge, und man kann mir nicht widerstehen. Statt den Beinen habe ich blauen Rauch, und ich schwebe einfach rum. Die Gravitation scheint sich in meiner Gegenwart zu verändern. Ich liebe die Dunkelheit.

[00:24:20]

Vorstellen die Figuren das Leinen los!

[00:24:27]

Es folgt, wie sie selbst betonen, die allererste Probe der Profis.

[00:24:32]

Die Schülerinnen und Schüler sitzen längst wieder, als die Schauspieler Blankenhorn und halbmayr ihre Figuren ins Leben zitieren.

[00:24:40]

Blankenhorn gibt den Mephisto haidlmayr, den Faust, den Suchenden, den Unzufriedenen, der mehr will, mehr als das Aufstehen, arbeiten, schlafen gehen und zwischen Aufstehen und Arbeiten im Stau stehen und dann alle auf alles verzichten, was irgendwie interessant gewesen wäre.

[00:25:00]

Und immer wieder hört man im Ohr Du musst, du musst, du musst, du musst es schaffen. Fluch sei der Saft der Trauben. Fluch je nach höchsten Liebes und Fluch, sei der Hoffnung, Fluch dem Glauben und vor allem der Geduld. Jetzt kommt verfluchte Bausparvertrag. Verflucht, was als Besitz und schmeichelt, verflucht er auch Frau, Kinder?

[00:25:24]

Alles wird betrachtet als Besitz und Flucht zu all seinen Werkzeugen. Wie war das noch?

[00:25:36]

Theaterbesuche erweitern. Zitat Die Rezeption zum Gestaltungsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler steht im Bildungsplan des baden württembergischen Wahlvolks, Literatur und Theater zu lesen. Das gilt erst recht, wenn die eigene Arbeit am Stück um das Spiel der anderen bereichert wird. Die Kids sind nach der Probe der Lindenau Höfler begeistert.

[00:25:58]

Ich fand besonders interessant Wenn man den Text hat, dann müssen erst mal überlegen, was heißt in die jetzige Zeit übersetzen? So interessant, wie alle einem Text arbeiten, um den Namen richtig rüberzubringen.

[00:26:10]

Was ist daran? Spannend ist eigentlich die Rolle von dem Regisseur, der da immer wieder seine gedankenjahr zugibt und der dann neue Ideen hat und die dann integriert? Die Rolle vom Regisseur, die sogar noch am spannendsten interessant.

[00:26:25]

Denen zuzuschauen, wie sie so etwas entwickeln und wie sie das lernen.

[00:26:30]

Auf jeden Fall ist interessant, wie viel Arbeit dahinter steckt. Das hätte ich mir nicht ausmalen können. Man geht ja nicht ins Theater, schaut es an und ist dann so hin und hinterfragt eigentlich gar nicht, was da überhaupt geprobt haben. Ich meine, das sind ja ganz viele Prozesse drin, und das habe ich gar nicht realisiert. Ich fand es schön, wie sich jeder irgendwie einbringen konnte, auch derjenige, der nicht mitgespielt hat. Ich hätte gerne selber auch ein paar Sachen dazu gesagt, dass Kohl mehr Anerkennung kann es nicht geben.

[00:27:01]

Bleibt die Verabredung fürs nächste Treffen in der Theaterwerkstatt am Gymnasium Schultheater motiviert? Spiel und Fantasie. Der Schüler ist ganz, wo er spielt. Da hat der alte Schiller tatsächlich recht. Noch glänzen die Augen der Kids. Aber es ist spät geworden, Zeit zu gehen.

[00:27:31]

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