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SWR 2 wissen.. Ich habe noch weiß, aber ich weiß auch noch Wir haben als Mädchen was versucht. Ich sage mal so eine Art Penis gebastelt aus einem zerschnittenen Luftballon mit Watte da drunter und sowas.

[00:00:23]

Und ich weiß noch Wenn wir alleine waren, dann haben wir das auch alles ausprobiert. Und den hat meine Mutter mal gefunden.

[00:00:28]

Isabel, 76 Jahre alt, da stand sie vor mir mit dem Ding in der Hand und sagte Was ist das denn?

[00:00:34]

Ich hab gesagt, das ist mein Watsche, Tupfer. Ich wusste, das macht man offenbar nicht. Aber das hat mich nicht daran gehindert, mich damit zu beschäftigen.

[00:00:47]

Mit einer Freundin zusammen. Eine liegt unten, eine oben fällt mir jetzt wieder.

[00:00:52]

Eines war Duisberg Sexualität im Alter. Das Begehren bleibt eine Sendung von Katrin Albinos.

[00:01:00]

Ich bin heute in meinem Alter dankbar dafür, dass ich meine Sexualität immer sehr unbeschwert ausleben konnte. Sehr genussvoll. Es gab kein Aids, es gab die Pille. Ich hatte nie Angst vor Schwangerschaft.

[00:01:15]

Elisabeth hat als Journalistin gearbeitet, war nie verheiratet. Sie hat diverse langjährige Beziehungen geführt, ist heute Rentnerin und lebt allein. Bis Ende 60 hatte sie noch intensive sexuelle Begegnungen.

[00:01:29]

Und es ist auch nicht bei allen Gleichaltrigen so gewesen. Meine älteste Freundin hat irgendwann mal viel, viel später gestanden, dass sie mit 15 ihren ersten Orgasmus hatte. Da hab ich gedacht Oh Gott, die ärmste. Aber so was hat es halt auch gegeben in meiner Generation.

[00:01:50]

Mit 76 Jahren auf ein erfülltes Sexualleben zurückschauen zu können, ist den meisten Frauen wie Männern dieser Generation nicht vergönnt. Allerdings geben auch heute in Umfragen etwa die Hälfte der Männer und Frauen in den mittleren Jahren an, nicht zufrieden mit ihrem Sexualleben zu sein.

[00:02:08]

Die Rahmenbedingungen liegen jedoch Welten auseinander Anrainer, Frauen, Haushalt, die Oma, die Mutter, die Schwester, und der Vater war im Krieg, und als ich zwölf war, da hat meine Mutter mal mit mir gesprochen.

[00:02:24]

Ella, 80 Jahre alt, gelernte Fotografin, war 38 Jahre verheiratet, wurde mit 60 geschieden.

[00:02:31]

Heute lebt sie glücklich mit ihrem Hund zusammen, erzählt sie.

[00:02:34]

Merkte man, dass ihr das schwer fiel? Aber ich wollte mich darauf vorbereiten, nicht die Regel.

[00:02:40]

Kriege zwischen Mann und Frau gibt es ja nicht mehr so geheimnisvoll. Es wurde nie offen drüber gesprochen. Ich hatte das Gefühl, Sexualität gibt es gar nicht richtig.

[00:02:56]

Louise, 77 Jahre alt, gelernte Krankenschwester, war zweimal verheiratet, lebt heute allein.

[00:03:06]

Louise, Elsa und Ella sind Freundinnen.

[00:03:10]

Sie gehören einer Generation an, die unzureichend aufgeklärt wurde und lange kaum über Verhütungsmethoden verfügte.

[00:03:18]

Nicht wenige der Menschen, die heute 70, 80 oder 90 Jahre alt sind, haben sexuelle Gewalt erlebt. Ob im Krieg oder auch in der Ehe sie sind in einer diktatorischen Gesellschaft aufgewachsen, in der Geschlechtsverkehr der Vermehrung der arischen Rasse diente und meist nur mit einem Partner verschämt unter der Bettdecke stattfand. Sex galt als schmutzig, und sündhaft war vor allem Scham besetzt.

[00:03:43]

Es war nie so, dass es auch Spaß macht. Ich war schon sehr ängstlich, sehr vorsichtig. Mein erster Freund war mein erster Mann.

[00:03:54]

Die Angst galt auch den Folgen einer sexuellen Begegnung, insbesondere für die Frau. Heute ist die Verhütung sichergestellt. Scheint Sexualität von allen alten Beschränkungen befreit, es um nichts anderes mehr zu gehen als um den Spaß an der Sache. Doch der Berliner Sexualwissenschaftler und klinische Psychologe Christoph Joseph Ahlers beklagt ein nach wie vor verhängtes Verständnis von Sexualität, nämlich entweder Fortpflanzung oder Lust.

[00:04:22]

Wenn keine Lust, dann ist kein Sex zwischen Fortpflanzung und Lust. Liegt das, worum es eigentlich geht? Das ist die Kommunikations Funktion von Sexualität. Sie ist der einzige Grund, warum wir Menschen noch Paare bilden. Eben nicht. Die Erregung kann jeder alleine eben nicht die Fortpflanzung kann jeder alleine ein Kind im Labor machen lassen. Das Einzige, wofür ich eine Partnerschaft brauche, ist, eine echte Beziehung erleben zu können, in der ich das Gefühl bekomme, okay zu sein von jemanden, der mir etwas bedeutet und dem ich was bedeute.

[00:04:54]

Und das kann ich mit einem solchen Menschen lebenslang erleben. Denn wenn ich jemanden umarmte, der mir etwas bedeutet, dann erlebe ich nicht in ästhetischen Qualitäten. Viele Menschen haben bei Umarmungen und beim Küssen die Augen geschlossen. Dann können Sie die Heidi Klum Schablone gar nicht abgleichen, sondern sie können entweder etwas erleben oder nicht.

[00:05:21]

Dem Himmel auf Erden, wie das jüngst veröffentlichte Buch von Christoph Joseph Ahlers heißt, kann also erleben, wer nicht kritisch jedes Detail beäugt. Das Alter müsste dafür eigentlich wie geschaffen sein. Doch wir leben in einer Gesellschaft, die stark auf äußerlichkeiten achtet. Einer der Gründe dafür, dass Sexualität im Alter immer noch ein Tabu ist, weil viele Menschen annehmen, dass Sexualität an ein jugendliches Aussehen und Attraktivität gekoppelt sei.

[00:05:51]

Und das verkennt die eigentlichen Wirkmechanismen, die uns in sexuelle Partnerschaften führen und auch in diesen Partnerschaften dazu anhalten, immer wieder miteinander schlafen zu wollen. Das wäre ja gar nicht möglich, wenn wir, um erfüllende Sexualität zu haben, reale Körper besitzen müssten. Denn das ist ein Promille der Bevölkerung, der über solche Körper verfügt. Da müssten ja alle anderen auf der Strecke bleiben. Das ist natürlich nicht der Fall. Nur aus der Körper narzißtischen Perspektive unserer gesellschaftlichen Bewertungssystem erscheint Sexualität alter Menschen als unappetitlich, als unästhetisch Elefantenhochzeit.

[00:06:40]

Und das alles möchte man so eigentlich nicht sich vorstellen und auch nicht sehen möchte.

[00:06:51]

Wie lange wollen Sie denn hier schon 14 Jahre?

[00:06:56]

Peter, 79 Jahre alt, Witwer, lebt seit zwölf Jahren allein. Peter hat lange seine Frau gepflegt, die vor ihrem Tod jahrelang im Rollstuhl saß. Heute nimmt er gelegentlich die Dienste einer Sexual Assistentin in Anspruch.

[00:07:12]

Viele Leute denken ja, wenn man alt ist, das alte Menschen gar keine Sexualität mehr haben, oder wollen gerade das schön streicheln.

[00:07:29]

Doch das heißt im Grunde diese Wünsche oder Phantasien oder so. Das wird eigentlich gar nicht auf eine. Sexualität im Alter wird heute für immer mehr Menschen zu einem Thema, weil die Lebenserwartung deutlich zugenommen hat.

[00:07:52]

Die Dauer einer Ehe lag noch im 19. Jahrhundert bei 20 Jahren, dann starben die Menschen.

[00:07:59]

Sie liegt heute zumindest gemessen an der Lebenserwartung doppelt oder dreimal so hoch. Das führt zu der Herausforderung, dass wir immer länger Beziehungen auch sexueller Art führen können. Und weit mehr Menschen als allgemein angenommen möchten das auch. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat Untersuchungen veröffentlicht, die deutlich machen, dass sexuelle Aktivitäten nicht zwangsläufig mit dem Alter, sondern eher mit der Dauer der Beziehung abnehmen. Wer im Alter eine neue Beziehung beginnt, hat auch wieder mehr Sex.

[00:08:40]

Viele Männer haben ab siebzig leichte Erektionsstörungen, aber die wenigsten sind impotent und können auch jenseits der 90 noch eine Erektion haben.

[00:08:50]

Frauen, so heißt es oft verallgemeinernd auch von Medizinern, würden aufgrund der hormonellen Umstellung jenseits der Menopause das Interesse an Sex verlieren, litten an Trockenheit und Schmerzen beim Verkehr. Tatsächlich kann, muss es aber keineswegs zu Beeinträchtigungen kommen.

[00:09:08]

Ja, aber das stimmte bei mir nicht, das weiß ich einfach. Da war nix mit Trockenheit.

[00:09:14]

Eine Untersuchung von Schweizer Forschern ergab, dass bei über 50 Prozent der befragten Frauen das sexuelle Interesse während der Wechseljahre gleich blieb. Bei acht Prozent stieg es sogar an, die meisten Frauen waren laut der Studie bis Ende 70 sexuell interessiert, und die Erregbarkeit und Orgasmus Fähigkeit blieben unverändert erhalten. Laut einer repräsentativen bundesweiten Befragung aus dem Jahr 2005 haben allerdings nur etwa ein Viertel der Frauen ab dem 65. Lebensjahr noch ein aktives Sexualleben. Unter den Männern derselben Altersgruppe sind dagegen über die Hälfte gemäß der Befragung noch sexuell aktiv.

[00:09:55]

Erst ab dem 75. Lebensjahr nimmt dies deutlich ab. Das sexuelle Verlangen, Fantasien und der Wunsch nach Geschlechtsverkehr bleiben aber bis ins hohe Alter bestehen. Das macht auch der 79 jährige Peter deutlich. Er bekommt ab und zu Besuch von einer sexual Assistentin, die er mithilfe seines Pflegedienstes kennenlernte. Deren Dienstleistung Geschlechtsverkehr aber ausschließt, was Peter beklagt.

[00:10:22]

Was wünsche ihr denn von ihr? Darf ich fragen? Dinge, die man nicht tut, was das sexuelle Verlangen, Wünsche oder Fantasien bei älteren Frauen angeht, ist das Bild weniger klar. Sexuelle Fantasien und auch Selbstbefriedigung sind stärker tabuisiert, wie die Psychologin Kirsten von Sydow bei einer Befragung von Frauen im Alter zwischen 50 und 90 Jahren feststellte. Generell wünschten sich ältere, aber auch schon jüngere Frauen mehr Zärtlichkeit.

[00:11:02]

Immer wieder äußern alte Frauen aber auch ganz offen, froh darüber zu sein, dass es vorbei ist mit der Sexualität. Was nicht verwundern sollte. Denn Sex galt auch vor dem Gesetz noch bis in die 1990er Jahre hinein als eheliche Pflichtübung. Vergewaltigung in der Ehe ist erst seit 1997 strafbar. Um die Befriedigung der Frau brauchte der Mann sich lange nicht zu kümmern, denn es galt als naturgegeben, wenn die Frau nichts empfand. Dass sie es doch tat, wurde erst durch den Kinsey Report Mitte der Fünfzigerjahre Teil des öffentlichen Bewusstseins.

[00:11:38]

Im Zuge der sexuellen Revolution war das für dich so, dass du das Gefühl hatte, dass man Sexualität auch zur Verfügung stellen muss.

[00:11:47]

Es war so auch, und ich wurde Dania geschieden. Nach vielen Ehejahren, und dann, einige Jahre danach, hatte ich den besten Sex meines Lebens mit einem viel jüngeren Mann.

[00:12:01]

Und das war ein Geschenk ohne Orgasmus, total erfüllten Sex. In einer Gesellschaft, die von ewiger Jugend träumt, haben es alte Menschen generell schwer. Männer allerdings doch etwas leichter. Denn für sie gilt der Double STANDARD of Age 2 Schönheitsideale, das des Knaben, des jungen Mannes und das des Herrn mit den grauen Schläfen. Für Frauen gibt es dagegen nur ein Schönheitsideal das des Mädchens der jungen Frau. Männern fällt es daher leichter, ein Selbstverständnis zu pflegen, das es ihnen auch in fortgeschrittenem Alter erlaubt, sich attraktiv für deutlich jüngere Frauen zu fühlen.

[00:12:50]

Das bringt auch der 79 jährige Peter zum Ausdruck, als er das Alter der sexual Assistentin moniert, die ihn regelmäßig besucht.

[00:12:58]

Wie alt ist sie denn? Wie alt sollte die Frauen sein? Und warum soll es eine junge Frau sein?

[00:13:15]

Das Ideal der Jugendlichkeit hat sich nicht erst unsere moderne Gesellschaft ausgedacht und auch nicht die betagten Herren. Das Phänomen ist viel älter, erklärt der sexual Psychologe Christoph Joseph Ahlers.

[00:13:28]

Seit der ägyptischen Hochkultur. Dann, durch unsere gesamte Kulturgeschichte Griechenland, Rom und so weiter, haben wir immer das Speth Jugendliche, früher wachsende körperliche Erscheinungsbild. Und das hat eben auch evolutionsbiologisch und evolutionär psychologische Gründe, nämlich das rankt sich um das zwanzigste Lebensjahr, und das ist der Zeitpunkt, zu dem unsere Fortpflanzungsfähigkeit optimal ist. Das ist der Zeitpunkt, bei dem bei allen Naturvölkern die Vermählung und die Familiengründung beginnt, häufig schon zweite Hälfte Teenagerzeit. Und die körperliche Erscheinung in dieser Zeit wird deswegen als besonders schön erachtet und von den meisten Menschen auch objektiv als besonders attraktiv angesehen.

[00:14:18]

Unsere gesellschaftlichen Vorstellungen vom Alter, durch medizinische Informationen noch gestützt, folgen einer Defizit Hypothese Alles wird immer schlechter die Gesundheit, das Aussehen, die Körperfunktionen. Die Haut wird schlaff, der Hormonspiegel sinkt, die sexuelle Funktionstüchtigkeit erlahmt. Aufgrund dieser Zuschreibungen entwickeln alternde Menschen geradezu die Erwartung, sie müssten zu asexuellen Wesen werden, auch wenn sie anders empfinden. Nur wenige nehmen diese Empfindungen ernst und den Kampf für ihre Bedürfnisse auf. Sie sind es, die bei Christoph Joseph Ahlers in der Praxis landen.

[00:14:58]

Und die erste Frage, die die meisten Klienten beschäftigt, lautet Dürfen wir das noch?

[00:15:03]

Ist das okay, wenn wir? Darf das sein? Wenn ich jetzt noch auf unsere alten Tage. Und dann kommt in zweiter Hinsicht natürlich die Frage nach körperlichen Gebrechen, Grunderkrankungen und deren Behandlungen, dann kommen viele Fragen dazu. Geht das denn noch?

[00:15:21]

Wenn das so ist unter den Paaren, die zu Christoph Joseph Ahlers in die Praxis kommen, sind auch solche, die schon über 80 sind. Einige erleben nach einer Phase der Klärung das erste Mal in ihrem Leben Angst und stressfrei Intimität. Der Schlüssel dazu liegt in einem erweiterten Verständnis von Sexualität.

[00:15:41]

In dem Moment, in dem das Menschen klar wird, dass ein Mensch mit 80 Jahren im Altersheim nicht not geil ist, sondern ein Mensch, der elementaren Kontakt sucht, nämlich Hautkontakt, um dadurch das Gefühl zu bekommen, noch zu existieren und mit jemandem etwas teilen zu können. Und die intensivste und intimste Form, das zu erfüllende Sexualität und Sexualität zu verstehen. Dann verliert sie jeden Ruch von versaut, von schmuddelig, von unanständig. Dann ist sie integriert in unser Mensch sein, und das würde in jedem Altersheim helfen.

[00:16:19]

Im Alter können die alten Schwierigkeiten rund um die Sexualität einfach weiter bestehen bleiben. Und im Seniorenheim kommen manchmal noch neue Probleme hinzu. Es kann aber auch zu unverhofften Begegnungen, Erfüllung und einer Befreiung kommen.

[00:16:37]

Bei uns ist es durchaus nicht unüblich, dass ein, zwei oder drei Freundinnen gleichzeitig hat, da er vergessen hat, welche nun gerade die aktuelle ist. Das Schöne ist, dass auch die Freundinnen dann durchaus toleranter werden, erzählt Silvia Ulrich, Leiterin des Bereichs Demenz im Sankt Markus Seniorenzentrum in Hamburg.

[00:17:00]

Die Damen werden aber auch notgedrungen liberaler. Denn von den 116 Senioren im Alter zwischen 60 und 102 Jahren sind hier nur 20 Prozent Männer. Sexualität kommt noch vor. Selbst bei den ältesten ist jedoch insgesamt eine Randerscheinung. Wenn Sex ein Thema wird, dann in der Regel, weil es zu Problemen kommt. Durch herausforderndes Verhalten, wie es in den Heimen heißt. Das geht überwiegend von Männern oder erkrankten Bewohnern aus.

[00:17:31]

Menschen mit einer Demenz Erkrankung sind ein spezial Problem, und sie sind das Problem in den Heimen, was die Sexualität betrifft. Schwierig ist in den Heimen, wenn es zu diesen übergriffen kommt, also zum Beispiel dem Personal einer weiblichen Pflegekraft in den Schritt gegriffen wird. Wenn in den Ausschnitt gegriffen wird, dass Demenz erkrankte sich in der Zimmertür verirren und suchen einfach die Nähe im nächsten Bett und schlafen lieber kuschelig an eine andere Person angeschmiert als allein in ihrem Bett. Aber da wird dann nicht gefragt, ob der Person das Recht ist.

[00:18:08]

Die Sozialwissenschaftlerin Ruth van der Klusmann arbeitet als gesetzliche Betreuerin, kennt durch ihre Arbeit viele Pflegeeinrichtungen. Sie hat das Buch Kein Sex im Altenheim geschrieben, wobei das kein in Klammern steht, was das Dilemma bereits gut beschreibt. Denn natürlich gibt es ihn doch wie überall sonst pflegen auch die Heime lieber das Bild der netten alten Menschen, die sich für Geselligkeit, Essen und das Fernsehprogramm interessieren. Doch sicher nicht mehr für sechs. Dass eine Einrichtung offen für den Umgang mit alter Sexualität ist.

[00:18:42]

Das Bedürfnis ernst nimmt, wird nach außen meist nicht sichtbar. Das Thema taucht auf der Webseite in der Regel ebenso wenig auf wie in informativen Broschüren über eine Einrichtung oder im Leitbild Biografie Bögen, die neue Bewohner oder deren Angehörige beim Einzug ausfüllen. Werden alle Lebensbereiche sehr detailliert abgefragt Tagesablauf, Schlafgewohnheiten, Mobilität, Hobbys und Interessen, Kontakte, Körperpflege, Essgewohnheiten. Auch Vorstellungen über die letzte Lebensphase oder die Beerdigung können geäußert werden. Der gesamte Bereich intimer Bedürfnisse oder sexueller Gewohnheiten aber bleibt eine Leerstelle.

[00:19:27]

Ich habe lediglich herausgefunden, dass es lautete Die Menschen können hier in der Rolle als Mann oder Frau leben, so was das jetzt genau bedeutet. Nachgefragt habe, dann war es ja die männliche oder weibliche Kleidung Sie können sich schminken oder die Schmuck individuell wählen. Es kam nicht auf den Punkt Sexualität bereits.

[00:19:51]

Die Rahmenbedingungen erschweren in vielen Einrichtungen ein Gefühl der Geborgenheit, das für eine gelingende Intimität nötig wäre. Es fehlt meist an heimeligen Ecken, an Zeit und Rückzugsräume und an der nötigen Kommunikation. Außerdem an der Bereitschaft, durch die Heimleitung oder das Personal die Bewohner dabei zu unterstützen, erotische Bedürfnisse zu befriedigen.

[00:20:15]

Eher wird Sexualität als Störfaktor wahrgenommen, den es zu beseitigen gilt.

[00:20:20]

Wie in diesem besonders krassen Fall Es war ein Mann, der keine Morgen Erektion haben sollte, weil die Zimmernachbarn irgendwie stört.

[00:20:29]

Es war ein Mehrbettzimmer, und er hat seinen Unmut geäußert. Auch der Sohn ist noch eingeschritten und hat gesagt Warum soll er das denn nicht haben? Und das Pflegepersonal hat sich darüber amüsiert. Hat gesagt Was braucht der denn mit 55 noch einem Morgen Erektion? Es wurde dann, damit es Ruhe gibt, über seine Belästigungen, die das Pflegepersonal so empfunden hat, in der Tat der Psychiater gerufen, und es wurde wegen einer Anpassung Störung ein weiteres anderes Medikament verordnet.

[00:21:03]

Das war so die Gabe von Trieb dämpfenden Mitteln ist allerdings die Ausnahme, und vielerorts fehlt es auch gar nicht so sehr an der Offenheit der Mitarbeiter dem Thema gegenüber. Wohl aber an der Zeit, sich mit dem vergleichsweise nachrangigen Bedürfnis zu befassen.

[00:21:19]

Es geht um satt, sauber, trocken. Das muss man erst einmal schaffen am Tag.

[00:21:24]

Und wenn ich sehe, es ist ein Pfleger auf einem ganzen Wohnbereich mit 20 oder 30 Bewohnern, da hinterherläuft, wir das Essen zu den Menschen bringt, gleichzeitig Essen austeilt, auf Tellern, im Gemeinschaftsraum aber noch etliche auf dem Gang. Die Nahrung reichen muss. Ich weiß nicht, wo jetzt da noch der Platz ist. Das ist einfach der Notstand näher.

[00:21:49]

Es ist keine Frage. Das kenne ich schon, auch diese rein funktions Häuser, wo funktionsfähige gemacht wird.

[00:21:58]

Ina Grave Lay ist Pflegedienstleiterin, seit 35 Jahren in der Pflege tätig, seit 13 Jahren im Sankt Markus Altenheim in Hamburg.

[00:22:07]

Bei uns ist es ja so Wir haben Beziehungspflege. Das heißt, ein Kollege versorgt vier, fünf, sechs Leute. Man kennt sich ja. Die Kollegen kennen ja die Menschen, die hier leben, und ist oberste Prämisse es. Die Menschen sind hier zuhause, und wir sind im Prinzip zu Besuch. Das ist so ein bisschen der ambulante Gedanke.

[00:22:24]

Der Einrichtung gelingt es sichtlich, eine wohnliche Atmosphäre zu schaffen. Der Boden in den Gängen ist mit Teppich ausgelegt. Es gibt kleinere Wohneinheiten, die auch in den Gemeinschafts Bereichen individuell und einladend möbliert sind. Die Zimmer sind abschließbar, und man ermöglicht Paaren ein intimes Zusammenleben, etwa indem die vorgeschriebenen Sichtkontrolle zu abgesprochenen Uhrzeiten stattfinden, sodass Pflegekräfte nicht überraschend herein platzen. Doch auch im Sankt Markus kennt man Herausforderndes Verhalten passiert nicht jeden Tag dauert.

[00:22:59]

Aber natürlich passiert es auch eine große Aufregung, da plötzlich ein Mann unterläßt. So kann man sich ja vorstellen, denn reagiert uns schnell auf zwei, kümmern sich um den Mann und versuchen zu beruhigen.

[00:23:15]

Auch der Umgang mit übergriffen gehört zum Pflege, Alltag und erfordert Sensibilität und Klarheit auch gegenüber dem Pflegepersonal.

[00:23:23]

Gab jetzt noch den anderen Fall auch noch, wo dann tatsächlich ein an Demenz erkrankter Mensch immer in ihren Ausschnitt gegriffen hat. Häufiger und die Pflegedienstleitung verlangt hat, das habe sie auszuhalten. Das war ja krankheitsbedingt, und das ist so etwas. Das kann ich nicht tolerieren.

[00:23:39]

Im Sankt Markus Seniorenheim versucht man besonders junge Pflegekräfte gar nicht erst in eine solche Situation kommen zu lassen, sondern Menschen, die schon damit umgehen können und den Leuten einfach ganz klar Grenzen setzen können oder auch zu zweit reingehen.

[00:23:57]

London Moeglichkeit. Beim Thema Sex im Altenheim stehen oft Probleme im Mittelpunkt und die Frage, wie man sie beseitigt. Ein guter Lösungsansatz ist, Intimität zunächst einmal zu ermöglichen, gerade auch für Menschen mit Demenz. Da der wohltuende Einfluss von körperlicher Nähe und Sexualität bei ihnen besonders deutlich spürbar ist, berichten Pflegekräfte. Die Menschen kommen zur Ruhe, sind ausgeglichener, geselliger und weniger übergriffig. Eine Maßnahme kann daher darin bestehen, eine Sexarbeiterin einzustellen. Doch manchmal ist das gar nicht nötig.

[00:24:41]

Wenn sich zum Beispiel ein Paar in der Einrichtung zueinander hingezogen fühlt. Probleme tauchen nur dann auf, wenn sie ihre Aktivitäten etwa im Speiseraum ausüben, wo ein dezentes Paar vielleicht anfängt, sich auszuziehen. Das, sagt Markus heim, sucht er nach einer Lösung und kam dabei auf einen Overall, also einen richtigen Handwerker Hose.

[00:25:02]

Wie sich das gehört? Verkehrt herum, dass die Knöpfe am Rücken waren, und das hat wunderbar geholfen. Immer dann, wenn die beiden mit Essen fertig waren, haben wir die in sein Zimmer gebracht, und dann konnten die gegenseitig sich die Knöpfe aufmachen. Und das hat wunderbar funktioniert. Uns war immer wichtig, dass bestimmte Dinge, an denen sich andere stoßen, nicht begafft werden können. Dass man sozusagen, dass man die Menschen, die das früher nie gemacht hätten, so entwürdigt, sondern dass die das in ihren eigenen vier Wänden machen.

[00:25:36]

Man muss da sensibel sein und ein bisschen die Fantasie spielen lassen. Die Soziologin Ruud van der Klusmann erhofft sich für die Zukunft mehr offene Kommunikation zu dem Thema.

[00:25:57]

Und sei es nur in Form von erweiterten Biografie Bögen, die vielleicht auch schon vorsorglich zu Hause ausgefüllt werden können.

[00:26:04]

Die Schriftform hat den Vorteil Man muss nicht über das Thema reden und erspart damit den Senioren, den Mitarbeitern im Altenheim und vor allem den Angehörigen ein Gespräch, bei dem sich vermutlich alle sehr unwohl fühlen.

[00:26:17]

Ein Sexualleben ist mir wichtig. Ja, nein oder könnten die betroffenen Personen ja vorher ankreuzen? Ich habe gern Sex mit Frau Mann oder ist mir egal. Man darf mir gerne Hilfsmittel geben, und zwar Magazin oder Video, Porno oder Vibrator oder Dildo oder von mir aus auch noch andere Sextoys wie die Puppe. Wenn möglich, hätte ich gern so und so oft die Woche oder im Monat Sex. Und vielleicht kann ich ja hinschreiben Mit wem könnte ja mein Partner sein oder ein Freund?

[00:26:50]

Ich finde, sowas gehört auch mal gesagt zu dürfen. Sexualität gilt. Es gibt altersbedingte Veränderungen, aber keine Altersgrenze. Wer sich von herkömmlichen Vorstellungen frei macht, kann die Sache entspannter angehen und noch eine Menge erleben. Und entdeckt dabei vielleicht, dass das Wesentliche an der Sexualität ganz unspektakulär sein kann.

[00:27:19]

Es ist vielleicht total albern, aber ich habe es geliebt, seine Brusthaare zu kraulen. Das war etwas, was ich bis dahin nicht kannte.

[00:27:31]

Der andere muss mit seiner Schönheit nicht mehr meinen Selbstwert belegen, und ich muss durch meine Sexiness nicht mehr seinen Status heben. Das alles ist weg. Und das ist die Befreiung.

[00:27:51]

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