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[00:00:01]

SWR 2 wissen.. Diese massiven Kopfschmerzen hatte ich quasi fast durchgängig ein halbes Jahr. Das war ganz, ganz furchtbar.

[00:00:17]

Es war ein Gefühl, als wäre ich einer permanenten Bedrohungssituation, als würde ein Krieg stattfinden. Meine ganzen Nerven völlig angespannt. Veränderung der Persönlichkeit. Ich bin total aggressiv. Ich habe ganz wilde Träume gehabt, schweißgebadet, wach geworden. Ich habe immer diesen Täter in die Füße geschossen. Ich habe später nochmal eine Untersuchung gemacht und da hat man sehr hohe Kortisol Werte gefunden. Der Arzt sagt Das kann nicht sein. Eine Fehleinschätzung. Aber in dem Moment war mir klar Es ist kein Fehler.

[00:00:57]

Es hat einen Hintergrund, traumatisiert. Die Psyche im Ausnahmezustand. Eine Sendung von Beate Krol.

[00:01:08]

Ein bewaffneter Raubüberfall, ein schrecklicher Unfall, Misshandlungen, sexueller Missbrauch, Bombenhagel, Folter, Terroranschläge. Menschen können entsetzliche Dinge zustoßen. Bei zwei Dritteln der Betroffenen. Schock und Schmerz nach einer gewissen Zeit wieder ab, und das Leben normalisiert sich bei einem Drittel. Jedoch hinterlässt das Erlebte so tiefe Spuren, dass das Leben aus der Bahn gerät. Sie haben ein Trauma.

[00:01:36]

Natürlich geht es oft um Gewalt oder auch um Vernachlässigung bei ganz vielen Menschen bereits in frühen Lebensphasen, Kindes und Jugendalter, körperliche Gewalt, sexualisierte Gewalt oder eben das nahe Bezugspersonen nicht in ausreichendem Maße für sie da sein konnten oder da waren. Und all diese Erlebnisse führen zu ähnlichen Folgen, die neben der posttraumatischen Belastungsstörung, die vor allem nach Gewalt, Erlebnissen auftritt, Auswirkungen typischerweise auf den Selbstwert von Betroffenen, auf ihr Verhältnis zu anderen Menschen nicht selten. Es prägt oft die ganze Biografie.

[00:02:15]

Der Psychiater und Psychologe Ingo Schäfer leitet das Zentrum für Interdisziplinäre Sucht Forschung am Universitätsklinikum Eppendorf und ist im Vorstand der deutschsprachigen Gesellschaft für Psycho Trauma Theologie. Zusammen mit Kollegen arbeitet er an den neuen medizinischen Leitlinien zur posttraumatischen Belastungsstörung und anderen sogenannten Trauma. Folge Störungen bei Traumata so tief in das Leben der Betroffenen eingreifen. Ist es wichtig, das Krankheitsbild ernst zu nehmen? In letzter Zeit wird der Begriff oft bedenkenlos benutzt als Erklärung für alle möglichen privaten oder beruflichen Schwierigkeiten. Doch es macht einen Unterschied, ob ein Mensch traumatisiert ist oder ob er eine schwere Situation im Leben meistern musste, die ihn belastet etwa die Scheidung der Eltern, eine Trennung berufliches Scheitern oder Mobbing Erlebnisse.

[00:03:11]

Die Medizinprofessor und Stress Forscherin Christine Heim leitet das Institut für Medizinische Psychologie der Berliner Charité.

[00:03:19]

Die Unterscheidung zwischen akutem normalem Stress und Trauma ist letzten Endes eine psychiatrische Klassifikation. Systematik von Trauma spricht man im Allgemeinen dann, wenn eine Stresssituation tatsächlich lebensbedrohlich ist oder die eigene körperliche Unversehrtheit bedroht oder man das bei anderen direkt beobachtet und gleichzeitig extreme Hilflosigkeit, Horror, Schrecken erlebt. Und infolge von Trauma können sich dann noch einmal ganz bestimmte posttraumatische Stresssymptome ausbilden, die dann unter dem Begriff der posttraumatischen Belastungsstörung zusammengefasst und als Störung diagnostiziert werden.

[00:04:04]

Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung PTBS leiden unter quälenden Flashbacks, die sie nicht kontrollieren können. Aber auch ohne Flashbacks können Traumatisierungen vorliegen. Allerdings sind sie schwerer zu diagnostizieren und werden oft übersehen.

[00:04:25]

Das geschieht besonders dann, wenn die traumatisierenden Ereignisse lange zurückliegen wie bei Matthias Brinkmann. Weil er anonym bleiben möchte, trägt er hier einen anderen Namen.

[00:04:35]

Es hat angefangen vor fünf, sechs Jahren, dass ich sehr niedergeschlagen war, depressiv war, Schlafstörungen hatte, nachts Angstattacken, Schweißausbrüche ich jetzt nicht zuordnen konnte. Es war eine Zeit, in der zwar viele äußeren Belastungen in meinem Leben waren, durch Arbeit, Familie, Krankheit in der Familie, Erkrankung meiner Frau. Es sind ganz viele Dinge zusammengekommen. Trotzdem war die Reaktion, die ich gezeigt habe, irgendwie ungewöhnlich. Matthias Brinkmann ist heute 58 und hat in seinem Leben etliche traumatisierende Situationen erlebt.

[00:05:17]

Manche davon ergaben sich, weil er als junger Mann drogenabhängig war. Mehrfach wurde er überfallen, zusammengeschlagen. Einmal in der öffentlichkeit vergewaltigt.

[00:05:27]

Die erste dramatische Situation erlebte er jedoch zu Hause.

[00:05:32]

Die Situation war meinem Vater als ganz junges Kind gesehen habe, dass er zusammengebrochen ist, epileptischen Anfall und meine Mutter in Todesangst ihn gehalten hat und ich das gesehen habe. Aber keiner hat gesehen, dass ich das gesehen hab, und ich dachte, mein Vater stirbt für mich, da keine Möglichkeit war, mit irgendjemandem darüber zu sprechen. Das absolute Tabuthema war Mein Vater war nicht krank. Diese Krankheit existierte nicht.

[00:06:03]

Nach diesem Erlebnis spielte Matthias Brinkmann, seine Mutter, immer wieder epileptische Anfälle vor seinen Vater, der gebrochen aus dem Krieg zurückgekommen war und auch unter Depressionen litt. Hielt er hingegen auf Distanz. Er sprach nicht mit ihm, verbot die mit zum Fußballspielen zu kommen, und ging ihm aus dem Weg. Gleichzeitig litt Matthias Brinkmann unter der Schwere und Sprachlosigkeit zu Hause. Er fühlte sich wie erstarrt und innerlich versteinert.

[00:06:33]

Für Maria Böttiger ist das ein typisches Anzeichen dafür, dass ein Mensch ein traumatisches Ereignis abgespalten hat. Die Psychologin ist im Vorstand der deutschsprachigen Gesellschaft für Psycho Trauma Theologie und leitet die Forschungsabteilung des Berliner Zentrums überleben. Das einstige Zentrum für Folteropfer hat sich auf die Therapie von traumatisierten Flüchtlingen und die Therapie Forschung spezialisiert.

[00:07:00]

Wenn man die negativen Spitzen sozusagen abschneidet, schneidet man auch die positiven Spitzen ab. Im Endeffekt bleibt dann fast sowieso Brei übrig. Es gibt nichts Positives mehr, richtig, aber auch nichts Negatives mehr. Richtig, sagt der Mensch, bewegt sich wie in so einer Wolke wie in einem weißen Rauschen. Und wenn einem Menschen sowohl die positiven als auch die negativen Gefühle nicht mehr hat, dann ist er eigentlich auch nicht mehr richtig am Leben. Dann fehlt ganz viel. Was das heißt, hat die 57 jährige Franziska Kurth erfahren, die ebenfalls anonym bleiben möchte.

[00:07:35]

Sie wurde überfallen, einmal mit 17 und jetzt ein zweites Mal an einem Freitagabend, 20 Uhr.

[00:07:42]

Als ich von der Arbeit nach Hause wollte und zur S-Bahn ging, stand plötzlich ein vermummter Mann vor mir und wollte mein Geld, drängte mich gleichzeitig gegen ein Brückengeländer und drückte eine Pistole in meinen Oberkörper, sodass ich gar nicht richtig denken konnte.

[00:08:05]

Es war ein totales Chaos in meinem Kopf, und der erste Instinkt war weg, was mir nicht gelang. Der zweite Instinkt war Kämpfen. Auch das hatte keinen großen Erfolg, weil er mich festhielt und ich merkte, die Pistole drückte immer tiefer in die Brust, dass meine Sinne anfingen zu schwinden.

[00:08:31]

Weil in diesem Moment ein junger Mann eingriff, konnte Franziska Kurth dem Täter entkommen. Dennoch war ihr Leben, wie sie es bisher gekannt hatte, nach dem überfall vorbei.

[00:08:42]

Diese massiven Kopfschmerzen. Die hatte ich quasi fast durchgängig ein halbes Jahr. Ich habe über ein halbes Jahr kein Radio gehört, keine Musik gehört, keine Musik gespielt, nichts gelesen und nichts geschrieben, nichts mit dem Kopf, kein Computer anstellen, gar nichts. Das war ganz schockierend für mich, dass ich nicht einmal länger als vielleicht fünf Minuten einen Text erfassen konnte. Das klingt nicht mehr. Dann sah ich nur noch schwarz und weiß. Mein Gehirn sagte Ich habe keine Lust mehr.

[00:09:21]

Ich kann nicht mehr. Und dann gingen die Augen zu. Ich konnte überhaupt nicht das Steuer.

[00:09:27]

Dazu kamen Blackouts, im Fachjargon Dissoziation.

[00:09:32]

Franziska Kurth ging zu Hause los, und plötzlich stand sie in einer vollkommen fremden Straße.

[00:09:39]

Oder sie hatte nach dem Aufräumen des Kellers Kratzer im Gesicht, die sie sich nicht erklären konnte. Einmal kam sie mit einem entsetzlich brennenden Mund wieder zu sich. Da hatte sie statt der Mund Spülung das Putzmittel genommen.

[00:09:54]

All diese Symptome sind typisch für eine PTBS und seit den Achtzigerjahren in der Diagnose Handbüchern der Weltgesundheitsorganisation und der US. Psychologen Vereinigung beschrieben Was genau dazu führt, dass sich traumatisierte Menschen derart verändern, ist hingegen noch nicht geklärt. Aber die Wissenschaft arbeitet daran. Auch Christine Heim vom Institut für Medizinische Psychologie leitet ein Forschungsprojekt. Es heißt Kids to Helf. Mit einem interdisziplinären Team der Charité untersucht sie, wie sich traumatischer Stress auf Kinder auswirkt.

[00:10:34]

Kinder, die schon früh im Leben negative Erfahrungen machen mussten, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, später nicht nur an psychiatrischen Erkrankungen zu leiden, sondern auch an körperlichen Erkrankungen wie kardiovaskuläre, metabolische, unabhängige Erkrankungen. Und das geht hin bis zu einer erniedrigten Lebenserwartung. Und was uns im Speziellen interessiert, ist, welche Mechanismen eigentlich erklären können, wie es solche frühen Stress Erfahrungen regelrecht unter die Haut gehen und ein Leben lang die Krankheit Anfälligkeit beeinflussen.

[00:11:13]

Dazu entwickelten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vier verschiedene Studien. Die erste ist bereits abgeschlossen.

[00:11:20]

Die erste Kohorte haben wir schon in den letzten Jahren untersucht in der Berliner Kinder Studie. Das sind Kindern mit Misshandlungen, Erfahrungen, vorwiegend emotionale Misshandlung, aber auch körperliche Misshandlung, die im Alter von drei bis fünf Jahren über Hilfseinrichtungen in Berlin in die Studie rekrutiert wurden.

[00:11:40]

Die 86 Kinder der Berliner Kinder Studie haben das, was man eine schwierige Kindheit nennt. Ihre Eltern kümmern sich wenig um, sie sind schnell gereizt und werden leicht wütend. Zudem ist die finanzielle Lage der Familien oft angespannt. Um herauszufinden, wie sich dieser extreme und traumatisierende Stress auf die Kinder auswirkt, testeten die Forscherinnen, wie gut die Kinder sprechen, wie sie sich bewegen und über welchen Intelligenzquotienten sie verfügen. Außerdem nahmen sie Speichelproben der Kinder und vermaßen ihre Gehirne in kindgerechten Magnetresonanztomografen.

[00:12:20]

Die Ergebnisse verglichen sie mit einer gleich großen Gruppe von Kindern ohne Misshandlungen. Erfahrungen. Die Eltern haben in den zwei Jahren, in denen die Studie lief, zwar gelernt, wie sie besser mit ihren Kindern umgehen können. Doch der traumatische Stress hat bereits deutliche Spuren hinterlassen.

[00:12:38]

Was wir jetzt zum Beispiel schon gesehen haben, ist, dass wir bereits bei drei bis fünfjährigen Kindern änderungen im Immunsystem der Stresshormone regulationen, aber auch im Gehirn sehen die wahrscheinlich klinischen Symptomen zugrunde legen. Wir sehen Entwicklungsverzögerungen, affektive Symptome, auch Effekte auf die kognitive Entwicklung. Und es scheint so zu sein, dass Entzündungsreaktion erhöht sind, bestimmte Hirnregionen sich anders entwickelt haben.

[00:13:18]

Die psychiatrischen Interviews ergaben, dass von den Kindern mit Misshandlung Erfahrung 60 Prozent eine psychiatrische Diagnose hatten. Vorwiegend litten sie unter ängsten. Bei der Kontrollgruppe waren 15 Prozent der Kinder betroffen. Außerdem fiel den Forscherinnen auf, dass die Kinder mit Misshandlungen, Erfahrungen einen kleineren Hippocampus hatten. Der Hippocampus gehört zum limbischen System und besitzt Andockstellen für das Stresshormon Cortisol, das den Menschen in einer Stresssituation mit ausreichend Energie versorgt, um flüchten oder kämpfen zu können. Schüttet ein Mensch aufgrund von traumatischen Stress zu viel Cortisol aus, kann das den Hippocampus regelrecht vergiften.

[00:14:03]

Cortisol bindet an spezielle Bindungsstellen im Gehirn an, und wenn sehr viel Cortisol im Hippocampus ankommt, dann kann es dort zur neuronalen änderungen kommen. Die den dritten bilden sich zurück. Die zellkörper werden kleiner. Es kommt zu einer atrophie, die Region schrumpft, und im Hippocampus entstehen auch kontinuierlich neue Neuronen. Das nennt man Neuro Genese und wird durch Stresshormone gestört.

[00:14:38]

Von Menschen, die gut mit schweren Lebensereignisse umgehen können, also Resilienz sind, weiß man, dass sie über ein regis nerven Wachstum im Gehirn verfügen. Umgekehrt heißt das Wenn das nervend Wachstum im Gehirn aufgrund einer Traumatisierung geschwächt ist, können Menschen nicht so gut mit schweren Lebensereignisse umgehen. Auch Erwachsene, die unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leiden, haben oft einen verkleinerten Hippocampus.

[00:15:07]

Das könnte erklären, warum sie sich oft emotional taub fühlen, sich nur bruchstückhaft an das traumatische Ereignis erinnern und an Flashbacks leiden. Denn der Hippocampus ist für Emotionen und die gedächtnisbildung zuständig. Außerdem fällt es traumatisierten Menschen oft schwer, sich zu konzentrieren, und sie können ihre Affekte und Impulse schlechter beherrschen.

[00:15:31]

Das ist angesiedelt in unserem Frontal Kortex. Unter dem akuten Stress wird unser Gehirn im Prinzip umorientiert, und die frontale Kontrolle nimmt ab. Durchblutung. Insofern begünstigt das Gehirn unter Stress dann auch impulsiver Verhalten. Aggressionen generell, emotionale Regulation. Und das kann dann natürlich mittelfristig auch wieder zu Depressionen beitragen.

[00:16:06]

Oder Suchtverhalten als traumatisierter Bundeswehrsoldaten? Vor ein paar Jahren mit ihrem Leiden an die öffentlichkeit gingen, berichteten sie häufig über Aggressionen und Fremdheit, Gefühle selbst ihren Familien gegenüber. Auch von traumatisierten Vietnam Kriegsveteranen weiß man, dass viele aus der Gesellschaft herausfallen. Und auch viele Kriegsflüchtlinge haben psychische und physische Probleme. Eine Studie ergab, dass drei Viertel von ihnen mindestens eine, meist aber mehrere traumatische Situationen durchlebt haben.

[00:16:42]

Psychologen sprechen in diesen Fällen von einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung. Maria Böttiger und ihre Kolleginnen und Kollegen vom Berliner Zentrum über Leben begegnen ihr oft, wenn man sich die komplexe posttraumatische Belastungsstörung anguckt.

[00:16:59]

Da geht es viel um Probleme im personellen Bereich. Ich fühle mich nicht mehr zugehörig zu den Menschen, die mir eigentlich wichtig sind. Das heißt, sie fühlen sich abgeschnitten, fühlen sich fast wie taub innerlich. Sie sitzen in einer Gruppe von Menschen, lachen vielleicht äußerlich, fühlen sich aber innerlich überhaupt nicht zugehörig und denken sich was. Was mache ich eigentlich?

[00:17:18]

Der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung wird in den neuen Leitlinien zum ersten Mal ein eigenes Kapitel gewidmet. Und auch die Frage, wie man traumatisierte Kinder behandeln kann, taucht zum ersten Mal auf. Die Leitlinien sollen den Therapeuten bei der Wahl der Therapieansätze helfen. Das Autorenteam hat dazu Studien weltweit zusammengetragen und ausgewertet. Doch die Leitlinien richten sich nicht nur an Therapeuten. Der Psychiater und Psychologe Ingo Schäfer hofft, dass sie auch von Krankenkassen und Politikern gelesen werden.

[00:17:53]

Ich glaube schon, dass es gerade in Bezug auf das Trauma Thema nach wie vor eine gewisse Skepsis gibt oder zumindest ein Unverständnis, dass Betroffene oft langwierige und komplizierte Krankheitsverläufe haben und entsprechend auch intensivere Therapien brauchen. Und wir hoffen natürlich, dass Kostenträger oder Verantwortungsträger auch in den Bereichen, wo es um Versorgungsspannung geht, mehr oder minder schwarz auf weiß sehen können, was die Studienlage dazu sagt und welche Empfehlungen auch die Experten Landschaft dazu zum Ausdruck bringt und das noch besser gesehen wird.

[00:18:28]

Welche Bedarfe bestehen, was auch finanziert werden muss von Kostenträgern?

[00:18:32]

Dass sich die Politik und Gesellschaft mit traumatisierten Menschen schwertun, ist nicht neu. Vielmehr begleiten Abwehr und Misstrauen die Diagnose von Anfang an José Bruna ist Professor am Institut für Wissenschafts, Philosophie und Geschichte der Universität Tel Aviv und von dort per Skype zugeschaltet. Bruna hat die Diskussionen um das Trauma erforscht.

[00:18:56]

Der Ursprung dieser medizinischen Auseinandersetzung mit Traumata ist in England im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts und hängt sehr stark mit der Entwicklung der Eisenbahn zusammen. Eisenbahnen waren damals ein neues Verkehrsmittel, das zum ersten Mal auch riesige Unglücke schaffte und denen Menschen an irgendwelche Folgen hatten, die nicht körperlich erklärbar waren und im Unterschied zu anderen Szenarien, die wir uns ausdenken können.

[00:19:30]

Ging es bei diesen Eisenbahnen Unfällen erst mal darum, dass es eine größere Zahl von Menschen waren, und zweitens, dass es klar jemand geben musste, der dafür Verantwortung übernehmen musste, um sich vor der Verantwortung und den damit einhergehenden Zahlungen zu drücken, zweifelten die Betreiber der Eisenbahnen die Traumata der Verunglückten an und der junge Berliner Neurologe und Charité Arzt Hermann Oppenheim in den 1880er Jahren verunglückten Arbeitern eine traumatische Neurose diagnostizierte, gab es sogar einen eigenen Begriff dafür die Renten Neurose. Damit unterstellte man den Arbeitern, dass sie die von Oppenheim beobachteten Symptome wie Desorientierte und Sprach, Verlust Schüttel, Zustände, Schlafstörungen und die Unfähigkeit zu stehen nur simulierten, um Zahlungen der Rentenversicherung zu kommen.

[00:20:30]

Die Bismarck gerade eingerichtet hatte.

[00:20:34]

Diese entwürdigende Strategie setzte sich fort Traumatisierte Soldaten des Ersten Weltkriegs wurden als Kriegsveteran stigmatisiert, traumatisierte Frauen als Hysteriker.

[00:20:47]

Weil Hysterie natürlich eine Krankheit ist, die verdächtig ist, das heißt sie nicht als eine wirkliche Krankheit gilt, sondern bei der ein Teil immer als Einbildung angesehen wird. Die Symptome hysterische Frauen. Die Lähmung einer hysterischen Frau ist keine wirkliche Lähmung. Das heißt nicht eine Lähmung, die aus somatischen Gründen entsteht, weil ihr Körper in irgendwelcher Art nicht wirklich funktioniert, sondern weil sie psychisch ihren Körper lähmt. Das Gleiche bei Männern, also Männer, die als hysterisch diagnostiziert wurden, galten eben teilweise als Männer, die sich selbst wie die Ergebnisse aus der aktuellen Trauma Forschung zeigen.

[00:21:32]

Wurde den Menschen damit Unrecht getan? Symptome wie Flashbacks, Schlaflosigkeit, Herzrasen, Konzentrationsstörungen, starke ängste, Zittern und Blackout sind keine Einbildung, sondern haben ihre Ursachen in einem. Testsystem und einer veränderten Hirnstruktur. Deshalb können traumatisierte Menschen auch nicht einfach umschalten. Aber wie können sie dann wieder zur Normalität zurückkehren? Oder ist das gar nicht möglich? Doch, sagt Ingo Schäfer. Aber es ist schwierig, denn bei traumatisierten Menschen kommen oft mehrere Bilder zusammen. Traumatisierte behandeln will, muss sich auch mit Suchterkrankungen, Depressionen und Angststörungen auskennen.

[00:22:21]

Und er muss Störungen parallel behandeln können.

[00:22:24]

Am Anfang steht immer eine gute Diagnostik, ein gemeinsames Verständnis von Krankheit, US-Modell. Was kommt hier zusammen? Was hat sich woraus entwickelt? Und was ist im Moment an Therapie? Bedarf da, und es kann gut sein, dass es eine Kombination sein muss, zum Beispiel Stabilisierung einer Suchterkrankung, dann aber auch schnell zu reagieren darauf, dass dahinter auch noch andere Symptome stehen, zum Beispiel Wiederlesen im Rahmen der posttraumatischen Belastungsstörung oder schwere Depressionen, sodass all diese Bedarfe bei Betroffenen dann auch zeitnah berücksichtigt werden.

[00:22:59]

Eine gute Traumatherapie ist ein Potpourri aus unterschiedlichen Techniken und unterschiedlichen Therapie Komponenten, sagt auch Therapie Forscherin Maria Boethius vom Zentrum überleben.. Bei der unmittelbaren Bearbeitung des Traumas gilt die sogenannte Trauma Konfrontation als Mittel der Wahl.

[00:23:18]

Maria Boethius wendet sie auch bei Flüchtlingen an Da gehe ich Ihnen das Trauma mit allen Sinnesorgan, die mir zur Verfügung stehen. Im Präsens fasse ich imaginäre und stelle mir vor, wie genau dieses das Trauma abgelaufen. Da gehe ich sehr tief rein. Dann gehe ich in die Emotionen, und da leite ich den Patienten auch dahin, dass er das erleben muss.

[00:23:40]

Trauma Konfrontation gilt als psychisch und körperlich anstrengend. Laut der aktuellen Studienlage hilft sie aber. Wichtig ist, dass die Therapeuten darin ausgebildet sind. Wird die Methode falsch angewandt, kann es zu Ree Traumatisierungen kommen. Franziska kurd macht eine solche Therapie und sieht deutliche Fortschritte. Außerdem lernt sie bei ihrem Therapeuten Entspannungs Methoden. Mathias Brinkmann hat eine koerper Therapie geholfen, die sich so Matic experience nennt. Dabei sprechen die Therapeuten mit Hilfe von Wahrnehmungs übungen. Das Straßensystem an eine Gesprächstherapie schlug bei ihm nicht an.

[00:24:20]

. Der renommierte Psychiater und Psychotherapeut Christian Peter arbeitet viel mit dem biografischen Ansatz. Er hat die Panorama Fachkliniken für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Scheidegg aufgebaut und geleitet. Als Kind wurde er selbst misshandelt und vernachlässigt und war als Jugendlicher heroinabhängig.

[00:24:45]

Biographischer Ansatz heißt Wie kann ich lernen, dass ich trotz Traumatisierung mein Leben normalisieren? Integriert wird in die Biografie. Es ist Teil meines Lebens, aber viele andere Dinge sind auch Teil meines Lebens. Da ist es wichtig, diese anderen Dinge verstärkt zu sehen. Was hast du bewältigt? Statt immer wieder daran hängen zu bleiben Wo bist du im Versagen gewesen?

[00:25:11]

Immer wieder provoziert Christian Peter Dogs auch gezielt Patienten, um unterdrückte Wut zu kommen. Die haben Traumatisierte häufig, vor allem, wenn die Täter wie beispielsweise bei sexuellem Missbrauch und frühen Misshandlungen aus der Familie kommen. Christian Peter Dogs befürwortet bei bestimmten Patienten aber auch Medikamente. Dazu gehören beispielsweise traumatisierte Kindersoldaten, die er ehrenamtlich therapiert.

[00:25:41]

Ein Kind, das solche Dinge erlebt hat, ist komplex. Traumatisierter ist wirklich unheimlich viel kaputtgegangen. Welche Werte sind da aufgebaut worden? Welche Normen sind da aufgebaut, die dann wirklich zu von. Das halte ich für eine große Herausforderung. Meiner Ansicht nach ohne Medikamente.

[00:26:02]

Trauma Forschung hat die Behandlung mit Medikamenten im Blick. Die Wissenschaftler hoffen, dass sich mithilfe ihrer Ergebnisse eines Tages Medikamente entwickeln lassen, die schädliche Prozesse im Gehirn und im Stress System von traumatisierten Menschen stoppen oder Schäden sogar rückgängig machen können. Dazu müssen sie aber noch genauer als bisher sagen können, was bei Traumatisierungen im Körper passiert. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Das Team um Stress Forscherin Christine Heim an der Berliner Charité bereitet gerade die nächsten Schritte vor. In der zweiten Kohorte geht es um Flüchtlingskinder, in der dritten untersuchen sie Neugeborene von Müttern, die als Kind traumatisiert wurden.

[00:26:49]

In der vierten Kohorte schließlich stehen Kinder mit Adipositas im Mittelpunkt. Möglicherweise, so die Vermutung, könnte diese Erkrankung auch auf Traumata zurückgehen. Die Kinder der Berliner Kinder Studie bekommen Traumatherapie. In der Hoffnung, dass ihr Gehirn elastisch genug ist, um sich auch ohne Medikamente wieder zu regenerieren. Die Welt verstehe jeden Tag SWR 2 wissen. Manuskripte und weiterführende Informationen zu unserem Podcast und den einzelnen Folgen gibt es unter SWR 2 wissen. De.