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[00:00:04]

Das Erste deutsche Fernsehen mit der Tagesschau. Heute im Studio Susanne Downer. Guten Abend, meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zur Tagesschau. Die Bundesregierung will die Zahlung von Kurzarbeitergeld offenbar deutlich länger ermöglichen als bisher. Diese Entscheidung wird noch am Abend vom Koalitionsausschuss erwartet, der seit dem Nachmittag berät. Unklar ist, in welcher Höhe das Kurzarbeitergeld fortgeführt wird. Der Bund hatte den Betrag wegen der Coruña Krise vorläufig aufgestockt. Größter Streitpunkt der heutigen Beratungen ist die geplante Reform des Wahlrechts.

[00:00:49]

Sie soll verhindern, dass die Zahl der Sitze im Bundestag nochmals deutlich anwächst. Das erste Treffen der Koalition nach der Sommerpause und die Stimmung ist angespannt. Immerhin Es gibt auch ein Thema, bei dem man sich anscheinend einig ist das Kurzarbeitergeld. Das soll von bisher zwölf auf 24 Monate verlängert werden. Strittig ist aber noch, ob es bei der Erhöhung auf maximal 87 Prozent des Nettolohns bleibt oder ob man wieder auf maximal 67 Prozent zurückkehrt.

[00:01:22]

ärGer gibt es beim Thema Wahlrechtsreform. Alle sind sich einig, dass der Bundestag nicht noch größer werden soll. Aber wie man das erreicht, ist strittig. Der bayerische Ministerpräsident Söder hatte zuvor in einem Interview gesagt. Ich habe aber das Gefühl, dass einige SPD-Strategen denken, ein größeres Parlament könnte für ein rot rot grünes Bündnis erfolgversprechender sein. Die Verzögerung beim Koalitionspartner wirkt also taktisch motiviert. Diesen Vorwurf nennt die SPD-Spitze unseriös.

[00:01:56]

Es muss Schluss sein mit einem schwarze-peter-spiel. Ich ärgere mich ehrlich gesagt etwas darüber, wenn ich sehe, dass Vorschläge vonseiten von CDU und CSU immer am Ende zu einem Ergebnis führen in indem diese beiden Parteien im Parlament einen größeren Anteil haben an Abgeordneten, als ihnen das Wahlergebnis zubilligt.

[00:02:14]

Schon seit Ende vergangenen Jahres liegt ein Gesetzentwurf von Grünen, Linken und FDP vor, wie man den Bundestag verkleinern könnte. Der fand aber keine Mehrheit im Parlament. Jetzt drängt die Zeit. Denn eigentlich sollten ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl die Regeln feststehen.

[00:02:30]

Dazu müsste die Koalition sich schnellstmöglich einigen.

[00:02:35]

Zum Treffen der Koalitionsspitzen im Kanzleramt jetzt Oliver Köhler live aus Berlin. Um es gleich vorweg zu sagen Im Kanzleramt geht es alles andere als harmonisch zu Gegenseitige Vorwürfe, teilweise schon vor Beginn der Runde, teilweise aber auch erst in der Runde erhoben, machen die Verhandlungen nicht leichter. Dabei sind sich Union und SPD bei beiden großen Themen in der Sache ziemlich einig. Das Kurzarbeitergeld soll verlängert werden. Die Frage ist jetzt bis 2022, wie es Arbeitsminister heil möchte oder nur bis nächstes Jahr.

[00:03:10]

Aber das dürfte sich lösen lassen. Hauptsache, es läuft bis nach der Bundestagswahl, denn niemand möchte plötzlich deutlich mehr Arbeitslose kurz vor der Wahl. Schwieriger ist es beim Wahlrecht. Da sind die Fronten verhärtet, weil jeder dem anderen unterstellt, nur den eigenen Vorteil im Blick zu haben. Die Befürchtung, der nächste Bundestag könnte statt knapp 600 Abgeordnete wie vorgesehen und statt gut 700 wie aktuell dann mehr als 800 Abgeordnete haben. Und da gibt es zurzeit keine Bewegung. Zwischenzeitlich sollten die beiden großen Themen auch miteinander verwoben werden, um so eine Gesamtlösung zu erreichen.

[00:03:46]

Das soll aber wieder verworfen worden sein. Und so könnte es am Ende so kommen, wie CSU-Chef Söder sagt 100 Abgeordnete mehr wären auch keine Katastrophe für die Demokratie. Und stand kurz vor 20 Uhr, sagen alle Parteien. Sie sehen trotzdem noch eine Chance auf eine Einigung, auch wenn es noch ein langer Abend werden könnte. Zurück zu Susanne Downer.

[00:04:09]

Mecklenburg-Vorpommern will erstmals seit den Coruña Beschränkungen vom März wieder Reisende für Tagesausflüge ins Land lassen. Bislang waren Urlaubsgäste aus anderen Bundesländern nur zugelassen, wenn sie mindestens eine Nacht blieben. Diese Beschränkung fällt zum 4. September weg. Als Begründung nannte Ministerpräsidentin Schwesig niedrige Zahlen im Land. Bundesweit allerdings zeichnet sich in den vergangenen Wochen ein steigender Trend ab. Dem Robert-Koch-Institut wurden 1278 neue Fälle innerhalb eines Tages gemeldet. Sorge bereiten auch die schnell steigenden Coruna Neuinfektionen in Frankreich. Das Auswärtige Amt hat deshalb für Teile des Landes eine Reisewarnung ausgesprochen, wie es sie bereits für Spanien und Kroatien gibt.

[00:04:58]

Für Rückkehrer aus der Region Ehl de France mit der Hauptstadt Paris sowie der Mittelmeerregion Provence Alp Kota gilt damit eine 14 tägige Quarantäne. Pflicht Nicht notwendige Reisen dorthin sollten vorerst vermieden werden.

[00:05:15]

Am Eiffelturm herrscht Masken, Pflicht und auch auf den Champs-élysées. Doch längst nicht jeder hält sich daran. Seit rund zwei Wochen steigen die Covic Zahlen in Frankreich wieder alarmierend knapp 5000 Neuerkrankungen am vergangenen Sonntag. Paris ist jetzt Risikogebieten. Urlaub ist gebucht.

[00:05:34]

Wenn man das fertig machen und dann Testung machen.

[00:05:38]

Ich glaube, alle Maßnahmen zur Sicherheit sind vernünftig. Ich kann daran nichts kritisieren. Achtung, Coronavirus, Masken, Pflicht auch im Zentrum von Marseille. Ein Brennpunkt in Südfrankreich. Lange Schlangen bilden sich vor den Test Labors. Frankreich hat die Kapazitäten immerhin erhöht. Nizza an der Côte d'Azur hat jenseits des laufenden Badebetrieb an den Stränden unterdessen eine generelle Masken Pflicht im gesamten Stadtgebiet eingeführt. Sie haben mich gestoppt, weil ich keine Maske trug. Ich war überrascht. Eigentlich ist es ja auch viel zu heiß dafür.

[00:06:16]

Ungeachtet der steigenden Covic startet die Tour de France am Samstag in Nizza mit Publikum. In ganz Frankreich gilt vom 1. September an in allen Büros und Arbeitsstätten eine Masken Pflicht, und auch die Schulen bereiten sich auf den Unterrichtsbeginn mit Maske vor. In Paris tagte heute der Sicherheitsrat für Makros. Regierung hat die covert Krise höchste Priorität. Mit neuen, verschärften Sicherheitsmaßnahmen wird in den nächsten Tagen gerechnet. Die deutsche Reisewarnung trifft Frankreich nicht unerwartet. Nach den Alleingängen im Frühjahr war die Maßnahme diesmal laut Elysée zwischen Berlin und Paris abgestimmt worden.

[00:07:00]

Dass allerdings die Tour de France am Samstag trotz der dramatischen Entwicklung starten darf, gilt nicht nur hier als äußerst umstrittene Entscheidung.

[00:07:10]

Im Streit zwischen der Türkei und Griechenland um Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer versucht Deutschland zu vermitteln. Bei Gesprächen in Athen und danach in Ankara warnte Außenminister Maas die benachbarten Länder heute nachdrücklich vor einer militärischen Eskalation und rief sie zu direkten Gesprächen auf. Griechenland und die Türkei beanspruchen beide die Erkundung und Ausbeutung von Bodenschätzen in den Seegebiete vor ihren Küsten.

[00:07:40]

Ein griechisches Kampfflugzeug landet auf der Insel Zypern. Athen hat ein dreitägiges Militärmanöver im östlichen Mittelmeer gestartet. Eine Reaktion auf die von türkischer Marine begleitete fortgesetzte Suche der Türkei nach Erdgasfelder in den Seegebiete, die Griechenland beansprucht. Auch Ankara hat ein Manöver in der Region angekündigt. Der deutsche Außenminister Maass warnt vor einem Spiel mit dem Feuer und will seine Amtskollegen in Griechenland und der Türkei zum Dialog bewegen.

[00:08:08]

Wenn dort aber Militär, Schiffe, Kriegsschiffe unterwegs sind, übungen mit scharfer Munition vorgenommen werden, befinden wir uns in einer Phase, in der auch Unfälle zu einer militärischen Eskalation führen können.

[00:08:21]

Doch trotz der gefährlichen Lage klingt Athens Außenminister nicht so, als ob man in Kürze zum Gespräch mit Ankara bereit sei. Während wir hier sprechen, agiert die Türkei weiter illegal, eskaliert, provoziert. Und das trotz des Drängens der Nachbarn. Der Partner der Verbündeten, das türkische Schiff, sucht im östlichen Mittelmeer nach Erdgas.

[00:08:45]

Dabei bewegt es sich in einer Region, die aufgrund eines internationalen Seerecht Abkommens zu Griechenland gehört. Seit einigen Monaten beansprucht die Türkei Teile der Region. Mit Einschränkungen zeigt sich der türkische Außenminister am Abend gegenüber Gesprächen mit Athen offen. Aber dafür darf der Türkei niemand Bedingungen stellen.

[00:09:05]

Vor allem mit den Bedingungen Griechenlands geht es nicht.

[00:09:10]

Bedingung ist, dass Ankara seine Suche nach Erdgas in den umstrittenen Gebieten umgehend einstellt. Es sieht so aus, als ob der Druck auf beide Seiten für einen direkten Dialog noch erhöht werden muss. Am Donnerstag will der deutsche Außenminister seinen EU-Amtskollegen von den Gesprächen berichten. Russland hat die Europäische Union und die USA noch einmal davor gewarnt, sich in den Konflikt in Belarus einzumischen. Es dürfe keinen Versuch geben, Druck auf die Führung in Minsk auszuüben, weder in politischer Hinsicht noch durch Sanktionen, hieß es aus dem Außenministerium.

[00:09:44]

Die Proteste gegen Präsident Lukaschenko dauern inzwischen seit mehr als zwei Wochen an. Die Regierung erhöht zunehmend den Druck auf die Demokratiebewegung. Wieder demonstrieren sie auf dem Unabhängigkeitsplatz in Minsk Hau ab, rufen sie wie jeden Tag. Gemeint ist Präsident Lukaschenko. Etwa 2000 sind gekommen. Die Opposition fordert die Freilassung der Gefangenen und freie Wahlen. Sie will, dass der von ihr initiierte Koordinierungsrat Verhandlungen mit der Regierung führt. Doch das lehnt Lukaschenko ab. Er erklärt den Rat für illegal. Zwei Mitglieder wurden bereits verhaftet.

[00:10:26]

Beide Inhaftierte hier Sergej der Jetski, wurden heute per Eilverfahren zu zehn Tagen Haft verurteilt. Am Mittag demonstrieren bereits Lehrer vor dem Erziehungsministerium. Sie waren Wahlhelfer, haben Stimmen gezählt. Doch diejenigen, die die Regierungsvorhaben nicht unterstützten, sollen jetzt entlassen werden. Aus dem Exil in Litauen meldete sich Swetlana Herrndorfs Kaja zu Wort. Mit einer Klarstellung.

[00:10:54]

Revolution in Belarus ist keine geopolitische Revolution. Sie ist nicht die für oder gegen Russland.

[00:11:05]

Sie ist nicht für oder gegen die EU. Es ist eine demokratische Revolution.

[00:11:13]

Ethics Die Demonstration auf dem Unabhängigkeitsplatz. Sie verläuft friedlich. Auffallen. Im Unterschied zu den letzten Tagen ist kaum Polizei zu sehen. Für das kommende Wochenende sind wieder Demonstrationen geplant. Die Frage ist Was macht das Militär? Die Befehlshaber stehen wohl noch hinter Lukaschenko. Hören wir doch bei den Soldaten soll es Bedenken geben. Gegen einen Militäreinsatz. Die russische Regierung sieht weiterhin keine Beweise für eine Vergiftung des Kreml-Kritiker Alexej Nawalny. Aus ihrer Sicht gibt es deshalb keinen Grund, Ermittlungen einzuleiten.

[00:11:55]

Den deutschen ärzten warf der Kreml Sprecher eine voreilige Diagnose vor. Nawalny liegt nach wie vor in der Berliner Charité im Koma. Die dortigen ärzte hatten gestern erklärt, es gebe Hinweise auf einen Giftanschlag. Die EU und die Bundesregierung haben Russland aufgefordert, den Fall transparent und lückenlos aufzuklären.

[00:12:16]

Antrittsbesuch im Iran? Der neue Chef der Internationalen Atomenergiebehörde? Großzahl ist zu Gesprächen über die Umsetzung des Atomabkommens nach Teheran gereist. Seine Behörde vermutet zwei geheime Atomstaat Orte im Land. Bislang wurde Inspektoren der Zugang verwehrt. Irans Außenminister Sarif räumte Differenzen mit der UN-Behörde ein. Man hoffe aber, erneut eine Vertrauensbasis aufzubauen. ähnlich hatte sich zuvor auch der Leiter der iranischen Atomenergie-Organisation, Szalai, geäußert.

[00:12:47]

In Israel ist eine weitere Neuwahl abgewendet. Die Regierungskoalition hat sich im Haushaltsstreit auf einen Kompromiss geeinigt. Der Likud von Premierminister Netanjahu und das blau weiße Bündnis von Verteidigungsminister Gantz verständigten sich darauf, die Abstimmung über den Etat auf Dezember zu verschieben. Die Abgeordneten beschlossen gestern Abend eine entsprechende Gesetzesinitiative. Kurz vor Ablauf einer Frist, die eine Auflösung des Parlaments nach sich gezogen hätte. In Kinojahr im US-Bundesstaat Wisconsin hat es bei Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus heftige Ausschreitungen gegeben. Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein.

[00:13:28]

Auch in anderen Städten des Landes wurde demonstriert. Anlass war ein Vorfall am vergangenen Sonntag. Einem Schwarzen wurde während eines Polizeieinsatzes mehrfach in den Rücken geschossen, als er sich in sein Auto beugte, in dem seine drei Söhne saßen. Er liegt auf der Intensivstation. Warum die Polizisten geschossen haben, ist noch unklar.

[00:13:49]

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft muss die ersten Spiele nach der Coruna bedingten Pause ohne Zuschauer im Stadion absolvieren. Das gab der Deutsche Fußball-Bund in Frankfurt bekannt. Der DFB habe zwar ein Konzept entwickelt, um das Publikum bei Länderspielen schrittweise wieder zuzulassen. Doch habe die Uefa entschieden, die kommenden Partien der Nations League vorerst vor leeren Rängen auszutragen. Und nun die Wettervorhersage für morgen, Mittwoch, den 26. August. Ein Sturmtief, das von der Nordsee zur Ostsee zieht, bringt im Norden und der Mitte Deutschlands schwere Sturmböen bis 1000 kmh.

[00:14:29]

In den Hochlagen erreicht der Sturm teilweise Orkan Stärke. Heute Nacht gibt's im Norden gebietsweise Regen, später im Nordwesten auch Gewitter in der Mitte und im Süden meist trocken und oft nur locker bewölkt oder klar. Morgen vor allem im Norden, teilweise kräftiger Regen sowie einzelne Gewitter. In der Mitte gibt es nur ein paar Schauer und im Süden teilweise sogar ungestörten Sonnenschein. Im Südwesten heute Nacht nahe 20, in einigen Alpentälern um 10 Grad unter Wolken, morgen nicht mal 20 in Niederbayern, bei Sonne 30 Grad.

[00:15:00]

Am Donnerstag beruhigt sich das Wetter wieder. Am Freitag breiten sich von Westen neue Schauer und Gewitter aus. Am Samstag im Süden und Südosten teilweise ergiebiger Regen, sonst wechselhaft, und es wird kühler. Um 22 Uhr 113 meldet sich Ingo Zamperoni mit diesen Tagesthemen Tauziehen im Koalitionsausschuss. Warum ein Kompromiss beim Wahlrecht so schwierig ist und Lüften gegen Korona wie CO2 Messungen dabei helfen können. Ich wünsche Ihnen einen guten Abend.