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[00:00:03]

Hier ist das erste deutsche Fernsehen mit der Tagesschau. Heute ins Studio. Thorsten Schröder Guten Abend, meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zur Tagesschau. In Berlin haben bei mehreren Kundgebungen nach Schätzungen der Behörden etwa 38 000 Menschen gegen die Coruna Maßnahmen protestiert. Eine Demonstration an der Siegessäule im Tiergarten dauerte bis zum Abend. Vorher hatte die Polizei einen Protestzug in der Innenstadt aufgelöst, weil sich die Menge trotz mehrerer Aufforderungen weder an den Mindestabstand noch an die Masken Pflicht gehalten hatte.

[00:00:45]

Insgesamt gab es 300 Festnahmen.

[00:00:48]

Dicht an dicht auf der Friedrichstraße, der Demo zog am Mittag. Die Veranstalter mahnen zwar, sich an die Auflagen zu halten. Doch das ändert nicht viel selten mal anderthalb Meter zwischen den Teilnehmern. Denn genau darum geht es ihnen. Sie halten die antike Coruña Maßnahmen auf dieser Demo und in der gesamten Gesellschaft für übertrieben.

[00:01:09]

Die Maßnahmen nehmen kein Ende. Kommt die zweite Welle, dann kommt die dritte und so weiter. Und ich denke mal, ursprünglich hieß es Nach Ostern ist alles vorbei. Dann haben sie weiterhin die Schulen geschlossen und das alles, wo es kaum Todeszahlen gibt. Und jetzt sind plötzlich da ein paar Tote, und da wird alles verschrottet. Alles wird gespottet, weil irgendwelche Machenschaften nur deswegen, weil die Leute einfach nur ganz, ganz friedlich sagen Irgendwas stimmt doch nicht. Ganz friedlich bleibt es nicht.

[00:01:48]

Es gibt Angriffe auf Polizisten und die Masken. Pflicht, die die Polizei wegen der fehlenden Abstände verhängt, wird am Nachmittag auch nicht ernst genommen. Die Polizei reagiert.

[00:01:59]

Wir mussten den Aufzug, der heute Vormittag eigentlich losmarschieren wollte, Unter den Linden letzten Endes auflösen, weil es keine andere Wahl geblieben ist. Anfänglich war die Situation eher ruhig. Sie entwickelte sich dann mit der Zeit wieder deutlich emotionaler, auch wenn wir dann entsprechende Durchsagen durchgeführt haben. üBer unsere Lautsprecherwagen wurde noch emotionaler und auch extrem laut und teils sogar gefühlt leicht aggressiv und immer wieder Symbole der rechten bis rechtsextremen Szene.

[00:02:26]

Dazu Reichsbürger, die sich offenbar vor der russischen Botschaft versammelt haben. Dort bleibt die Lage bis zum Abend angespannt.

[00:02:34]

Aktuell gibt's dort 200, etwa 200 Festnahmen, darunter auch Attila Hildmann. Jedenfalls ist die Polizei im Moment dabei, diese Situation in den Griff zu kriegen.

[00:02:47]

Die Polizei geht von Zehntausenden Teilnehmern insgesamt aus. Viele davon sind immer noch an der Siegessäule. Die Veranstaltung dort soll um 21 Uhr enden. Doch etliche Demonstranten haben angekündigt, auch danach auf den Straßen zu bleiben.

[00:03:02]

Die Linke steht vor einem personellen Umbruch. Einen Tag nach Parteichefin Kipping hat auch der Co-Vorsitzende Riexinger seinen Rückzug von dem Spitzenamt angekündigt. Beide wollen beim Parteitag in gut zwei Monaten nicht wieder kandidieren. Riexinger erklärte, er sei stolz darauf, die Linke zu einer gesamtdeutschen Partei aufgebaut und weiterentwickelt zu haben. Er und Kipping bilden seit 2012 die Doppelspitze der Linken. Nach acht Jahren sollen andere ran. So steht es in der Satzung der Linken, und so sehen es auch die beiden Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger.

[00:03:36]

Der verschickt am Morgen einen Brief an seine Parteifreunde. Er sehe die Zeit für einen Wechsel gekommen.

[00:03:42]

Wir haben die Partei stabilisieren können. Wir haben neue Impulse setzen können. Wir haben überhaupt im Westen eine Partei aufgebaut, die vorher so gar nicht existiert hat. Wir haben eine gute Bilanz, und jetzt können wir ruhigen Gewissens sagen Jetzt können neue Leute die Partei in der Zukunft führen.

[00:04:00]

Schon gestern hatte Kipping schriftlich erklärt, auf dem Parteitag Ende Oktober nicht erneut zu kandidieren. Selbst etwas Neues beginnen zu wollen.

[00:04:07]

Natürlich möchte ich weiter Verantwortung übernehmen für neue linke Mehrheiten und weiterhin in der Gesellschaft Brücken bauen. In welcher Funktion ich das machen möchte, darüber wird zu einem späteren Zeitpunkt zu sprechen sein.

[00:04:18]

Der Rückzug rechtzeitig ein Jahr vor der Bundestagswahl? Erstmals gibt es Signale der anderen Parteien. Ein rot rot grünes Regierungsbündnis scheint nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. Doch in den Umfragewerten schwächelt die Linke.

[00:04:32]

Unabhängig von den gegenwärtigen Rahmenbedingungen hat die Linke es nicht geschafft, genügend Menschen davon zu überzeugen, dass sie wirklich konkrete, realisierbare Projekte anzubieten hat. Und sie erweckt durch die Auseinandersetzung zwischen der Parteispitze und der Fraktionsspitze und innerhalb der Auseinandersetzung in der Fraktion auch den Eindruck, dass sie nicht geschlossen auftritt und deshalb auch nicht handlungsfähig ist.

[00:04:54]

Viel zu tun für mögliche Nachfolger oder Nachfolgerinnen gehandelt wird die thüringische Linken-Chefin Hennig.

[00:05:00]

Sie hatte dem FDP-Politiker Cameron nach seiner umstrittenen Wahl zum Ministerpräsidenten ihre Blumen vor die Füße geworfen sowie die 39 jährige Janine Wissler, zurzeit Vorsitzende der linken Landtagsfraktion in Hessen.

[00:05:15]

Der Kanzlerkandidat der SPD, Bundesfinanzminister Scholz, hat sich für höhere Steuern für Spitzenverdiener ausgesprochen. Das Steuersystem müsse leistungsgerecht werden, sagte Scholz der Rheinischen Post. Wer mehrere hunderttausend Euro verdiene, könne einen höheren Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwesens leisten. Angesichts der vielen Aufgaben, die der Staat jetzt zu schultern habe, könne man nicht Spitzenverdiener verschonen und dafür zusätzliche Schulden machen. In München ist heute an die Ermordung des türkischstämmigen Obst und Gemüsehändler Habil Kelek vor 19 Jahren erinnert worden. Zu der Gedenkveranstaltung hatte die Beratungsstelle für Betroffene rechter Gewalt und Diskriminierung aufgerufen.

[00:05:57]

Kehlige war von Mitgliedern des Nationalsozialistischen Untergrund NSU erschossen worden. Die Behörden hatten die Täter zunächst jahrelang im Umfeld der Familie vermutet und deren Leben schwer belastet. Die Behörden in Belarus versuchen offenbar, die Berichterstattung ausländischer Reporter zu behindern. Sie ließen zahlreiche Journalisten festnehmen und entzogen ihnen die Arbeitserlaubnis. Auch einem Kamerateam der ARD. Bundesaußenminister Maas sprach von Willkür. Das Vorgehen sei nicht akzeptabel. Trotz eines Demonstrationsverbot in Belarus gingen heute in der Hauptstadt Minsk Tausende Frauen gegen den autoritär regierenden Staatschef Lukaschenko auf die Straße.

[00:06:40]

Bilder, wie diese gezeigt werden, will die Regierung in Minsk eigentlich verhindern. Auch heute wird auf den Straßen der russischen Hauptstadt demonstriert, aber immer weniger Journalisten können berichten. Zahlreiche Reporter und Kamerateams internationaler Medien wurden in den vergangenen Tagen festgenommen. Gestern Abend auch drei Mitarbeiter der ARD, ein Belarus und zwei Russen, nachdem sie diese Protestaktion gedreht hatten. Heute Morgen wurden sie wieder freigelassen. Als wir zur Polizei gebracht wurden, haben sie uns die Ausweise abgenommen.

[00:07:12]

Wir fragten, was passiert. Sie antworteten Wir kontrollieren die Ausweise. Dann hat man uns gesagt, dass uns die Akkreditierung entzogen wurde.

[00:07:23]

Den Grund haben Sie nicht genannt. Die russischen Mitarbeiter mussten Belarus umgehend verlassen und dürfen für fünf Jahre nicht ins Land zurückkehren. Laut ARD-Korrespondent Jo Angerer ist der Vorwurf, dass sie ohne Erlaubnis gedreht hätten, haltlos.

[00:07:39]

Wir hatten alle eine Akkreditierung, eine gültige Form von den zuständigen Behörden. So einen genauen Vorwurf gab es gar nicht. Eigentlich letztendlich. Angeblich haben wir illegal. Angeblich haben wir ohne Akkreditierung gedreht. Dann ist uns die Akkreditierung entzogen worden, obwohl eine Akkreditierung.

[00:07:56]

Die ARD will trotz der Maßnahmen der russischen Behörden vorläufig in Minsk bleiben. Wir lassen uns nicht einschüchtern. Es ist klar, was die Regierung beabsichtigt. Da soll Berichterstattung verhindert werden. Belarus will nicht, dass die Welt sieht, was im Land los ist. Und wir setzen natürlich alles daran, weiter zu berichten. Mit Blick auf die Sicherheit unserer Mitarbeiter.

[00:08:16]

Auch die deutsche Botschaft in Minsk hatte die Freilassung der Mitarbeiter gefordert. Außenminister Maas nannte das Verhalten der Sicherheitsbehörden überhaupt nicht akzeptabel. Dieser Angriff auf die Pressefreiheit ist ein weiterer gefährlicher Schritt zu mehr Repression statt zum Dialog mit der Bevölkerung. Aus Diplomatenkreisen ist zu hören, dass der russische Botschafter zeitnah ins Auswärtige Amt einbestellt werden soll. Ein deutliches Signal. Wie angespannt die Beziehungen zwischen Minsk und Berlin sind.

[00:08:45]

Nach einem Notruf der Louis Michel hat die italienische Küstenwache 49 Migranten von den privaten Rettungsschuss übernommen. Es handele sich um besonders schutzbedürftige Menschen, teilte die Behörde in Rom mit. Die vom Street-Art-Künstler Banksy finanzierte Louis Michel befindet sich 65 Seemeilen vor Malta. Die Besatzung hatte nach eigenen Angaben mehr als 200 Migranten an Bord genommen. Wegen der vielen Menschen an Deck sei das Schiff nicht mehr manövrierfähig gewesen.

[00:09:16]

Fünf Jahre nach dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise auf dem Balkan wachsen an der EU-Außengrenze erneut die Spannungen. In Bosnien-Herzegowina kommt es immer wieder zu Angriffen auf Flüchtlinge, die wegen überfüllter Camps auf der Straße leben. Im Grenzgebiet zu Kroatien harren Tausende Menschen aus, die in die EU gelangen wollen. Im Kanton Una Sanna hat sich die Situation mittlerweile zugespitzt.

[00:09:41]

In der Nähe des Dorfes autocad im Kanton Una Sana stecken Flüchtlinge unter anderem aus Afghanistan und Pakistan fest. Die Behörden wollen ein Weiterziehen innerhalb des Kantons verhindern. Genau das wollen aber die Flüchtlinge, um an die kroatische Grenze zu kommen. Die Polizei hat uns hier hingeschickt. Da vorne ist auch Polizei. Wir stecken hier in der Mitte fest.

[00:10:07]

Bisher hat der Kanton Asana den Großteil der Flüchtlinge Bosnien-Herzegowinas aufgenommen. In den letzten Tagen ist die Stimmung bei Teilen der einheimischen Bevölkerung umgeschlagen. Sie fühlen sich von der Zentralregierung in Sarajewo im Stich gelassen. Laut Kantons Behörden sollen sich etwa 7000 Flüchtlinge in der Region aufhalten. Die Hälfte sei obdachlos. Diese Menschen sind in Bosnien-Herzegowina nicht gleichmäßig auf das ganze Land verteilt, sodass unser Kanton zum Opfer.

[00:10:42]

Einheimische Helfer gibt es nur noch wenige. Zanella Riza wird offen für ihre Hilfe angefeindet. Sie flüchtete während des Bosnienkrieges in die Schweiz. Der Grund, warum sie den Menschen hilft trotz Anfeindungen.

[00:10:56]

Es ist einfach ungemein schlecht, dass Leute einfach eine Hetzjagd machen auf diese Art, die sie jetzt machen. Und die Leute fühlen sich einfach bedroht. Und die Situation ist wirklich nicht gut.

[00:11:09]

Einheimische. Am Abend protestieren sie, fordern die Verteilung der Flüchtlinge auf ganz Bosnien-Herzegowina.

[00:11:17]

Die Tour de France findet in diesem Jahr wegen der Coruna Pandemie zwei Monate später statt als sonst. Die erste Etappe war heute ein 156 Kilometer langer Rundkurs mit Start und Ziel in Nizza. Die Stadt an der Côte d'Azur liegt in einer Region mit hohen Inflationszahlen. Für die Teams und für das Publikum gelten strenge Auflagen. Sicherheit wird heute im Risikogebieten großgeschrieben. Nur 400 statt sonst 5000 Zuschauer dürfen im Stadtbereich dabeisein. Die Radsportverband immer mit Maske, die Fahrer nur bis drei Minuten vor dem Start.

[00:11:54]

Zu Beginn dieser außergewöhnlichen 107.

[00:11:57]

Tour de France. Viele Zuschauer dicht gedrängt am Rand, aber alle mit Mund, Nasen, Schutz außerhalb von Nizza deutlich weniger los an der Strecke, die über hundert sechs und fünfzig Kilometer rund um die Metropole an der Côte d'Azur führt. Nach der ersten von drei Runden eine dreier Ausreißergruppe mit einem Vorsprung von knapp zweieinhalb Minuten vor dem Hauptfeld mit allen Favoriten und den zwölf deutschen Fahrern. Jeder von ihnen wird bei der Tour viermal auf Coruna getestet. Bei zwei positiven Fällen in einem Team wird die Mannschaft ausgeschlossen.

[00:12:30]

Kontrolle ist alles. Die übers Rad geht heute jedoch bei einigen durch einsetzenden Regen aus spiegelglatte Straße verloren. Zum Glück können trotzdem alle weiterfahren. Ruhiger, ruhiger. Die klare Aufforderung von Tony Martin, dem deutschen Profi von Jumbo Wissmann. Am Ende kommen alle 176 Fahrer ins Ziel, als erster Alexander Christof, der den Schlußbild spielt, aber entschlossen anzieht und vor dem Dänen Matt Pederson gewinnt. Der Norweger vom Team Emirates, der erste Träger des Gelben Trikots bei dieser Tour.

[00:13:00]

Die Siegerehrung im Regen, mit Abstand und ohne Fans für alle bis auf Alexander Christof. Ein tristes Schlussbild eines in jeder Beziehung ungewöhnlichen Tourstart.

[00:13:11]

Der Schauspieler Chadwick Bosman ist tot mit der Titelrolle. Im Superhelden Film Black Panther, einem Welterfolg, wurde er dem breiten Publikum bekannt und zu einer Identifikationsfigur des schwarzen Amerikas. Bejubelt wurde er auch für seine Darstellung des Sängers James Brown und der Baseball Legende Jackie Robinson. Wie jetzt bekannt wurde, war Bosman seit längerem an Krebs erkrankt. Er wurde 43 Jahre alt. Die Lottozahlen. 1. 12. 19 20, 36. 48., Superzahl 40.. Diese Angaben sind wie immer ohne Gewähr.

[00:13:51]

Weitere Gewinnzahlen finden Sie auf tagesschau.de und im Text ab Tafel 580. Nun die Wettervorhersage für morgen, Sonntag, den 30. August Tiefdruck Einfluss sorgt weiterhin für unbeständigen Wetter mit teilweise ergiebigen Regenfällen im Süden.

[00:14:09]

Es bestehen Unwetterwarnungen für Teile Bayerns und Baden-Württembergs. Der meiste Regen fällt auch heute Nacht in Alpen näher an der Nordsee gibt Schauer und einzelne Gewitter, sonst meist trocken und gebietsweise klar. Morgen regnet es in der Südost Hälfte kräftig weiter, örtlich mit Blitz und Donner Richtung Nordwesten, mal Sonne, mal Wolken und zum Teil Gewitter. Regenschauer, dazu windig. Heute Nacht Kühle 7 Grad in der Eifel, bis zu 15 Grad in der Lausitz, morgen an den Alpen bei Dauerregen knapp über 100 in der Altmark bis 24 Grad auch am Montag meist unbeständig im Nordwesten, allerdings freundlicher.

[00:14:46]

ähnliches Wetter auch in den folgenden Tagen. Aber am Mittwoch wird es immerhin wieder etwas wärmer. Um 23 Uhr 15 haben wir diese Tagesthemen für Demonstrationen gegen Coruna Auflagen. Welche Folgen hatte das zunächst ausgesprochene Verbot? Ingo Zamperoni im Gespräch mit Berlins Innensenator. Geisel und keine Zeugen erwünscht. Warum die Staatsführung in Belarus ausländische Journalisten ausweist. Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.