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[00:00:01]

Das beste Podcast, die Sprache des Verbrechens, ist kein gewöhnliches Kind.

[00:00:11]

Sein Intelligenzquotient liegt bei 165. Kaczynski schlägt einen neuen Weg ein und wechselt auf die dunkle Seite.

[00:00:21]

Er hat eine Revolution, ein Podcast mit Bayern, drei Moderator Sebastian Winkler, Leo Martin und Patrick Roth.

[00:00:35]

Willkommen zu einer neuen Podcast. Folge von True Crime Die Sprache des Verbrechens. Seid ihr euch genauso auf unseren neuen Kriminalfall von unseren beiden Sprachprüfung Leo Martin und Patrick Roth abonniert, unserem Podcast auch gerne und gebt uns fünf Sterne Bewertungen an der Stelle. Schon mal vielen Dank dafür.

[00:00:56]

Leo Patrick hat uns in den ersten beiden Podcast folgen schon ein bisschen was von eure Arbeit erzählt, habt uns hinter die Kulissen schauen lassen. Zwei Fälle, in denen ihr zwei Männer entlarvt habt, ein ganz großer Schwindler und ein vermeintlicher Erpresser. Was haben wir heute?

[00:01:16]

Heute haben wir einen der größten Kriminalfälle der US-Geschichte. Die forensische Linguistik gab es damals noch gar nicht so wirklich eine im Vergleich sehr junge kriminalistische Disziplin. Das erste Mal 1968 ein schwedischer Autor, da ging es um eine Articles of Linguistik und beschreibt damals den Einsatz linguistische Methoden, um einen Serienmörder zu überführen. Und in eine ähnliche Richtung gehen wir zurück an die Wurzeln, die Kinderschuhe der forensischen Linguistik.

[00:01:52]

Das ist die Geschichte des Bombers Chicago. Hier wächst Ted Kaczynski auf, zusammen mit seinem kleinen Bruder. Ted ist kein gewöhnliches Kind. Er ist sehr talentiert, intelligent. Sein Intelligenzquotient liegt bei 165, weit über dem Durchschnitt. Stark mit anderen zu spielen, zieht er sich lieber zurück in der Schule, überspringt zwei Klassen, macht seinen Abschluss mit 16 und geht zum Studium nach Harvard. Dort wird er Teil einer Persönlichkeitsstörung. Jede Woche wird eine Stunde lang extrem unter Stress gesetzt, mit verbalen Erniedrigungen, Gehirnwäsche und vielleicht auch Drogen.

[00:02:36]

Mit nur 25 Jahren erlangt er seinen Doktortitel in Mathematik. Er räumt Preise ab, gilt als Genie. Drei Jahre lang unterrichtet er Studenten, bis er sich plötzlich komplett aus dem Uni-Alltag zurückzieht. Ted Kaczynski schlägt einen neuen Weg ein und wechselt auf die dunkle Seite. Er baut sich eine Holzhütte mitten in der Wildnis Montana. Er versorgt sich selbst und lebt isoliert wie ein Einsiedler. Er hat einen Plan.

[00:03:08]

Revolution. Ted Kaczynski will das System stürzen. Wissenschaft, Kunst, Unterhaltung sind seine Gegner. Deshalb baut er eine Bombe und schickt sie an einen Professor in Chicago. Aus dem genialen Hirn wird ein eiskalter Mörder und Terrorist. Es folgen weitere Anschläge. Kaczynski seine Bomben vor allem an Universitäten oder die United Airlines schickt die Presse den Bomba. Das FBI richtet eine Taskforce ein und setzt eine Belohnung von einer Million US-Dollar für seine Ergreifung aus ohne Erfolg.

[00:03:46]

Ted Kaczynski macht unerkannt weiter. Einige seiner Anschläge enden tödlich. Das FBI ist verzweifelt.

[00:03:53]

17 Jahre ermitteln sie und haben nichts in der Hand außer einem ziemlich ungenauen Phantombild. Doch dann macht der Iona Bomba einen entscheidenden Fehler. Kaczynski schickt eine anonyme Erklärung an New York Times und Washington Post. Sein Angebot, der 35 000 Wörter lange Text veröffentlicht wird, beendet er seine Bomben. Serie. Das FBI stimmt zu. Beide Zeitungen drucken das sogenannte Iona Bomba Manifest ab. Und zum ersten Mal haben die Ermittler etwas von ihm keinen echten Fingerabdruck, aber einen Abdruck der Profiler James Fitzgerald für die erste forensische Textanalyse der Geschichte durch.

[00:04:40]

Dann. Findet er den entscheidenden Hinweis, dass Linke wirklich wie in Hollywood Thriller ist, aber wie jeder von unseren Fällen echt? Und nachdem es vorher auch kein Sprach Profiling so wirklich gegeben hat und wirklich wichtig, aber an der Stelle ist. Man hatte eben nur seinen Sprach Abdruck der echte Herausforderung für die Ermittler?

[00:05:04]

Ja, das war es auch. Zu diesem Zeitpunkt gab es das Thema Sprache für Failing nicht, und es war auch nicht in den Köpfen der Ermittler und als Ermittlungsmethoden anerkannt. Das heißt, es gab keine Möglichkeit, diesem Täter nahe zu kommen?

[00:05:16]

Vor allem 17 Jahre lang. Das muss ja furchtbar zermürbend sein. Was war euer längster Fall?

[00:05:21]

Bei uns kommt schon vor, dass wir Fälle über teilweise Monate oder auch der längste aktuell anderthalb Jahre betreuen. Anonyme Briefe tauchen oft auch in Serien auf. Und manchmal ist es auch ein Zuwarten, bis der Täter seinen ersten Fehler macht. Und genauso war es am Ende auch beim Iona Bomba.

[00:05:38]

Man kann sich vorstellen, 17 Jahre lang ermitteln, was das an Nerven kostet. Sprachwissenschaft als Möglichkeit, um hier auf den Täter zu kommen? Es lag einfach in der Mottenkiste. Das hat keiner gedacht. Das hat auch keiner irgendwie einen Gedanken daran verschwendet, dass das eine Möglichkeit ist.

[00:05:53]

Bevor wir jetzt auflösen, was der große Fehler war. Das FBI hatte ja auch alles andere im Kopf als den Harvard-Professor. Welches Profil hatten die vom Bomba?

[00:06:03]

Die Polizei oder das FBI hat natürlich seine Arbeit gemacht, wie es die Arbeit immer macht. Das heißt Spuren ausgewertet haben, alle Details untersucht. Aber der Bomba war eben nicht ganz doof. Und er hat ja sogar die Folie der Batterien, während man nicht nachweisen kann, wo die gekauft wurden. Das heißt, dass ich schon wirklich sehr viel Gedanken gemacht. Und die klassischen Ermittlungsmethoden kamen da auch sehr schnell an Ihr Ende? Es gab keine Fingerabdrücke. Die DNA-Analyse war am Anfang, die Ermittlungen noch gar nicht erfunden und noch gar nicht als Beweismittel zugelassen.

[00:06:34]

Das heißt, es gab keine Möglichkeit, dem irgendwie auf die Schliche zu kommen. Die Profiler, die an diesen Fall saßen, die haben natürlich versucht, auch den Modus Operandi zu untersuchen. Wie arbeitet diese Täter? Was macht ihn aus und was kann ich daraus ablesen? Beispielsweise haben sie sich sehr genau damit beschäftigt. Wie baut denn der Bomber seine Bomben? Was verrät das dann über ihn? Also zum Beispiel? Handwerklich geschickt ist, dass er bestimmte Lüt Drähte verwendet und die auf eine bestimmte Art und Weise zusammen löten, sodass vermutlich das war die Annahme dieser Profiler damals eher wie in einer Fabrik arbeiten muss, wahrscheinlich sogar in einer Fabrik, die Flugzeugteile baut, weil es eine ganz bestimmte Art und Weise war, die nicht gewöhnlich war fürs Löten.

[00:07:16]

Und es war ja völlig falsch. Richtig. Das war vollkommen falsch. Aber das war natürlich die Arbeitshypothese, mit der man dann eben auch 17 Jahre irgendwie gearbeitet hat.

[00:07:23]

Woher kannte der dann diese spezielle Leittechnik? Das ist eine gute Frage. Wahrscheinlich, weil es sich einfach dafür interessiert hat. Und er war eben handwerklich geschickt. Wir haben ja auch schon gehört, er hat in einer als Einsiedler in einer Hütte im Wald gelebt. Das heißt, er hat sich wirklich sehr viel damit beschäftigt, sehr viel gebastelt, zu verstehen, diese Technik auch zustande gekommen?

[00:07:41]

Ich glaube, das kann ja jeder nachvollziehen. Okay, jetzt wissen wir, jemand ist handwerklich begabt. So, und jetzt macht man in Amerika zu suchen. Wer ist hier alles handwerklich begabt?

[00:07:48]

Genau. Dann hat man sich überlegt Was sind denn die Opfer oder die Ziele seiner Bombenanschläge? Das waren vor allem Airlines in erster Linie. Das heißt, man hat natürlich gedacht Okay, wenn es ein Fabrikarbeit einer Airline eines Flugzeugbauers ist, macht Sinn. Man hat sich aber nicht wirklich Gedanken gemacht, wo denn die Universitäten da eine Rolle spielen, weil er hat eben auch Bommann Universitäten geschickt.

[00:08:08]

Das hat quasi nicht ins Profil gepasst. Aber das war egal, weil das war der einzige Strohhalm, an dem er sich halten konnte. Haben Sie eine Story schon gehört, auch das Manifest zu drucken? Ich glaube, das fällt einem FBI oder dem Staat nicht so leicht, von einem Attentäter. Ein Manifest zu drucken, das war wahrscheinlich wirklich nur aus der Not heraus.

[00:08:27]

Es gibt den Grundsatz Mit Terroristen wird nicht verhandelt. Und gerade nach dem 11. September ist natürlich auch in alle unsere Köpfe, und der gilt schon immer. Und die Regierung und die Strafverfolgungsbehörden waren natürlich absolut dagegen im ersten Schritt. Aber man hatte keine andere Möglichkeit mehr. Man hat sich dadurch eben erhofft, dass irgendjemand diesen Schreibstil auch wieder erkennen.

[00:08:45]

In der Bevölkerung 35000 Wörter war das lang.

[00:08:49]

Ein Podcast hat vom Prinzip her keine Beschränkungen, aber vielleicht kriegen es doch ein bisschen kürzer als das Zusammenfassen 35000 Wörter je nach Schriftgröße, dass man sich das mal vorstellen kann, sind es zwischen 80 und 1000 Seiten, und ich hab mir mal den Spaß gemacht, mir das Ganze genauer angeschaut. Und zwar waren es 232 inhaltlich fein säuberlich gegliederte und auch nummerierte Absätze. Und am Ende kamen noch 36 Anmerkungen dazu. Also zusätzlich.

[00:09:18]

Das Manifest trägt den Titel Die industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft. Inhaltlich geht es dabei um die negativen Auswirkungen der industriellen Revolution und all diese technischen Neuerungen, die damit verbunden sind. So weit, so gut. Er hat sich damit kritisch auseinandergesetzt, aber er stachelt ja auch zur Revolution an. Das heißt, er will einen Umschwung. Er will eigentlich, dass die Menschheit wieder zurück in ihr. Das meinen kleinen Gruppen als Einsiedler, als Selbstversorger lebt. Das ist sein Ziel, und er ist dabei auch Verschwörungstheoretiker.

[00:09:48]

Das heißt, er beschwert sich über die ominösen Linken, die angeblich diese Gleichschaltung wollen. Er beschwert sich aber auch über die Konservativen, die eigentlich Werte verteidigen, aber gleichzeitig die industrielle Revolution befürworten und anfeuern. Das heißt, er wird hier in geht ins kleinste Detail. Er schweift aus, er spinnt Phantasien, die keinen Zusammenhang haben. Aber er tut es eben in 35 000 Wörtern mit Absatz, Gestaltung, mit so vielen Gliederungen punkten auf eine Art und Weise.

[00:10:18]

Das ist ja sehr auffällig, ist und will auch, dass es veröffentlicht wird, weil er wirklich daran glaubt, an diese Revolution und an den Umschwung und an eine bessere Welt, vielleicht auch aus seiner Sicht. Das übrigens sehr typisch, wenn wir es mit der Presse Briefen zu tun haben. Die sind in der Regel relativ kurz gehalten, immer dann, wenn ein Täter ein Sendungsbewusstsein hat, wenn er möchte, dass seine Message rausgeht. Dann gibt es diese Art von Manifesten, und das sind 20, 30 Seiten lang keine Seltenheit.

[00:10:44]

Das sind wahrscheinlich auch Menschen, die sonst nie so gehört wurden. Vielleicht, und dann darin ihre einzige Chance sehen, endlich mal zu senden.

[00:10:50]

Wahrscheinlich. Und sie steigern sich in ihre Ideen hinein. Sie spinnen ja auch dieses Gedanken Karussell ständig wie ihre Idee, den auszusehen hätte. Und genau das bringt sie zu Papier. Mittlerweile gibt's das Manifest des Iona Bombers ja auch zu kaufen, auch auf Deutsch übersetzt, aber jetzt natürlich eher eine Reliquie für andere Verschwörungstheoretiker und für Fans des Iona Bombers. Und zu lesen macht sie ehrlicherweise keinen Spaß. Ihr habt es gelesen.

[00:11:15]

James Fitzgeralds hat es auch gelesen. Der war damals beim FBI. Hat der sich auch das erste Mal quasi mit dem Sprach Profiling befasst?

[00:11:24]

Der kommt ursprünglich überhaupt nicht aus der Linguistik, der hat keinerlei vor. Er war ein ganz normaler Ermittler eigentlich. Und der hat sich aber irgendwann auf die Fahnen geschrieben, dass man mit diesem Beweisstück, des plötzlich auf dem Tisch des FBI liegt, irgendwas machen muss. Denn der Rest der Ermittler, die haben es ihm im Schrank liegen lassen und keiner sich dafür interessiert, weil irgendein Spinner schreibt, hat 35 000 Wörter. Aber dass man damit was machen kann, darauf musste irgendwie themis mit Cheryl.

[00:11:49]

In diesem Moment kommen. Und was hat er dann konkret herausgefunden?

[00:11:53]

Zitiert wurden Soziologen, Biologen, der Schreiber. Dieses Manifest hat dann auch Fachbegriffe verwendet, philosophiert über Hedonismus oder über die physiologischen und psychologischen Folgen der Industrialisierung zum Beispiel.

[00:12:07]

Das heißt, wir haben einen Hinweis darauf, wenn wir Vergleich mit den Anfangsverdacht, dass es sich hier um einen einfachen Fabrikarbeiter handelt. Hier stimmt irgendwas nicht. Das Bild dieses Täters ist plötzlich ein ganz anderes. Auffällig war auch dieser Aufbau des ganzen Manifests, denn die Länge und die Strukturierung sticht sehr, sehr heraus. Und man konnte feststellen, dass es ein typisches Steal für ein Akademiker, das genauso zu gliedern. Und was zum Beispiel spannend war. Die Wissenschaft entwickelt sich auch weiter, und deswegen kommt man diesen speziellen Stil, wie diese Absätze formatiert waren, einer ganz bestimmten Zeitperiode zu, in der dieser Stil an Universitäten für Facharbeiter gebräuchlich war.

[00:12:45]

Das heißt, man konnte plötzlich auch eingrenzen? Ja, es werden Akademiker zu tun. Und jemand, der in dieser Zeitperiode von zehn oder 15 Jahren vermutlich als Akademiker gearbeitet hat.

[00:12:56]

Außerdem gab es dann Hinweise auf den Großraum Chicago. Das war damals eine Ortsbezeichnungen, die nur Ansässigen dort geläufig sein konnte. Genauso wie würden wir es heute bei einer Lebensmittel verpressung? Wenn dann vom feinen Frost Gemüse gesprochen wird, dann wissen okey, der Täter ist hier eher im Osten zu suchen. Hier im Westen und in Süddeutschland würde man eher vom Tiefkühler Gemüse sprechen. So kann man sich sogar über einzelne Worte oder kleine Fetzen im Bild über die regionale Herkunft machen.

[00:13:27]

Auch keine Garantie, aber ein Indiz, dass es Sinn macht, weiter verfolgt zu werden.

[00:13:32]

Das ist natürlich in einem riesigen Land wie den USA ein entscheidende Hinweise In welche Richtung bin ich denn suchen, in welcher örtlichen Begebenheit? Macht es Sinn?

[00:13:39]

Außerdem, und das ist auch wirklich sehr augenfällig gewesen das ganze Manifestes war sehr, sehr sauber. Es gab keine Fehler, und die wenigen Tipp oder Schreibfeder, die gemacht wurden, hat er alle manuell ausgebessert. Also ein wahnsinns Akt, vor allem wenn man bedenkt, dass der A-Bombe alles auf eine Schreibmaschine getippt hat. Dann wird schon klar, wie diszipliniert dieser Typ gewesen sein muss und was für ein pedantisch Persönlichkeitsprofil er vermutlich hat.

[00:14:09]

Jetzt habe ich in dem Film mal gesehen, dass man anhand von Schreibmaschinen, welches Produkt ja oder welche spezielle Firma oder Marke das ist, dies nachvollziehen kann. Hätte man ihn nicht auch finden können?

[00:14:19]

Ja, die Schreibmaschinen damals, das war eine ganz große Zeit anhand des Schriftbild und der Anschlag. Zeichen hat man Serien und Hersteller zuordnen können und dann anhand individueller Merkmale. War eventuell sogar der Rückschluss auf eine ganz bestimmte Schreibmaschine möglich. Aber die musste ich auch erst finden, um den Vergleich machen zu können. ähnliches gilt auch bei Computern. Was viele nicht wissen, ist, dass Computer, teilweise auch Kopierer, ihren digitalen Fingerabdruck heimlich hinterlassen, und zwar auf der Fläche des Papiers, die dann weiß aussieht.

[00:14:52]

Auch hier kann man kriminaltechnische heute einiges anstellen, was damals noch nicht denkbar war.

[00:14:57]

Trotzdem Alleine das hätte wahrscheinlich nicht gereicht, um ihn zu finden.

[00:15:00]

Richtig und falsch. Zum Thema Iona Bombardier hat sein Manifest tatsächlich auf einer Schreibmaschine mit dem Namen Coruna geschrieben.

[00:15:09]

Das war in mehrfacher Hinsicht seiner Zeit voraus.

[00:15:14]

Weil ihr auch gesagt Es war sehr sauber, aber wir haben in anderen Fällen schon gehört. Viele Ausrufezeichen oder Kommer falsch gesetzt. So etwas war gar nicht drin.

[00:15:21]

Nein, und vor allem Wenn man bedenkt, dass jemand mit Schreibmaschine über 80 Seiten Text schreibt, das Saz, Zeichen vieler vorkommendes d'art orthographische Fehler vorkommen, ist natürlich sehr wahrscheinlich, und dass das fast nicht vorkommt, ist natürlich ein Zeichen dafür, wie pedantisch ihr herangegangen ist. Das Thema kontrolliert er auch, ist in seiner Art und Weise zu schreiben. Man weiß ja nicht, wie es entstanden ist, aber vielleicht hat er auch ganze Seiten nochmal neu geschrieben, wenn ihm ein Fehler passiert ist.

[00:15:46]

Und einzelne Fehler hat er eben dann per Hand ausgebessert. Aber das nun wirklich sehr wenige, und selbst da war ihm noch wichtig, dass Sie nicht stehenbleiben.

[00:15:53]

Ja, und das war auch eine Rückschlüsse auf seinen Bildungsgrad, der möglich war. Also alles fein, fein, kleinklein und sehr sauber. Also Text. Pflege war ein Thema. Das ist ganz anders als heute. Wir haben ja eine gewisse Verrohung im Text. Es wird teilweise so Bei WhatsApp-Nachrichten achtet heute kein Mensch mehr auf Zeichensetzung, Groß, Kleinschreibung. Und das zieht sich mittlerweile schon in ganz weiten Teilen der Bevölkerung in die E-Mails hinein. Damals, in diesem Kontext.

[00:16:21]

In der Wissenschaft wäre das undenkbar gewesen.

[00:16:24]

Heute wäre das natürlich noch signifikant mehr als damals.

[00:16:27]

Schon jetzt greift er auf einen wahnsinnigen Wissensschatz zurück, den er auch James Fitzcarraldo quasi den Grundstein dafür gelegt hat. Aber wie hat er denn das gemacht? Hatte das mal gelesen und musste sich ja dann erst mal einarbeiten. Was kann ich denn durch einen ausgebessert, von Hand ausgebessert des Kommer rein interpretieren?

[00:16:45]

Hier der Vorreiter der forensischen Linguistik im deutschsprachigen Raum ist Professor Hannes Kiska, der heute noch lebt im Bereich Bodensee. Und er hat natürlich Standards hinterlassen und etabliert, mit denen wir heute sehr, sehr schöne arbeiten können. Damals gabs das nicht. Die forensische Linguistik, die man nicht nur in den Köpfen der Menschen befinden, sondern die ganze Disziplinen gab es nicht.

[00:17:08]

Das heißt, er hat es einfach interpretiert, wie er sich das vorgestellt hat. Der hat sich Sprache vorgenommen und sich wahrscheinlich auch an seinen eigenen Deutschunterricht erinnert und sich einfach überlegt, wie man da rangehen kann. Was kann ich aus diesem Material machen, das uns hier geschenkt wird als Ermittler?

[00:17:21]

Und was sie da gerade sagt mit dem Material, was geschenkt wird. Trotzdem, da bin ich der Laie auch da hätten wir es gehabt. Okay, der ist gebildet. Jemand, der es pedantisch, und jemand, der hat auf einer Schreibmaschine geschrieben, das wären jetzt meine drei wichtigsten Punkte. Das reichte aber noch nicht, um den Täter zu überführen.

[00:17:37]

Das reicht nicht, um den Täter zu überführen. Aber das reicht, um die 15 Jahre Polizeiarbeit, die davor in die Richtung einfacher Fabrikarbeiter ging, komplett auf den Kopf zu stellen, noch mal neu aufzurollen und zu sagen Wir müssen ganz anders an die Sache herangehen.

[00:17:49]

Auch da war es ja wirklich ein einziger Satz, der Ted Kaczynski dann letztendlich entlarvt hat. Das Unglaubliche erkannt hat das Ganze seinem Bruder David. Das ist schon mal die erste Hausnummer, die Redewendung überhaupt so klar zuzuordnen und das zweite, den eigenen Bruder dann auch der Polizei zu melden.

[00:18:07]

Ted Kaczynski, der Muna Bombe, wurde eine Redewendung zum Verhängnis, und zwar die englische Redewendung lautet You cant have you KKE fide tu, was soviel heißt wörtlich übersetzt wie Du kannst deinen Kuchen nicht Harmon und gleichzeitig essen. Die deutsche Entsprechung wäre Du kannst nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen. Und er hat jetzt hier die zwei Satzteile vertauscht. Das macht innerhalb des Satzes Logische überhaupt gar keinen Unterschied. Aber sie wird so nicht verwendet. Korrekt wäre You cant heavy cake in finito.

[00:18:37]

Und er hat gesagt You cant get your cake heavy. Es ist einfach nur die zwei werden vertauscht. Macht inhaltlich kein Unterschied. Aber es ist eine besondere Auffälligkeit, denn er eine Redewendung, die im STANDARD englischen gebräuchlich ist, die jeder kennt, falsch verwendet wird.

[00:18:53]

Da würden auch wir heute drüber stolpern, wenn wir moderne Drohbrief und Bresse schreiben, analysieren also eine Auffälligkeit von einer Signifikanz, die wirklich herausragend ist. Und auch hier gilt als einzige Hinweis keine Bedeutung, komplett ohne Relevanz. Aber wenn jetzt noch drei, vier, fünf, sechs, sieben unsere Gutachten haben teilweise 20 oder 30 Merkmale in eine Richtung sprechen, dann ist es schon ein Muster des erschlagend ist. Und die Frage, die sich Fitzgerald damals vermutlich gestellt hat, war auch die Frage, die wir uns heute stellen, der Wissenschaft.

[00:19:28]

Nach wie vor gibt es so etwas wie einen sprachlichen Fingerabdruck, also einen sprachlichen Individual Stil, der zu einer ganz konkreten Person zurückführt und. Sobald es das erste Mal riesengroß beim Iona bombach, inwieweit hat es dann seinen Bruder erkannt oder gemeldet? Der Bruder hat dieses Manifest gelesen, das ja veröffentlicht wurde, und er hat einfach diesen Sprachstil erkannt. Er hat diese Inhalte auch erkannt. Dieses über die Gesellschaft philosophieren, dieses die Industrie zu beschuldigen und entgegen. These aufzustellen.

[00:20:03]

Und er hat tatsächlich auch eine Postkarte bekommen von seinem Bruder Jahre zuvor, in dem genau diese Redewendung vorkommt, und zwar genau in exakt falschen Art und Weise. Und diese Kombination hat dem Bruder so stutzig gemacht, dass er sich damit natürlich auseinandergesetzt hat. OK ist besteht die Möglichkeit, dass mein Bruder der Junior Bomba ist. Hinzu kommt natürlich der Kannte er seinen Bruder, der wusste, dass sein Bruder durchgedreht ist. Dass der als Einsiedler irgendwo in den Wäldern Mount Hannas lebt.

[00:20:29]

Das heißt, es hat alles sehr stimmig gepasst, und natürlich war das wahrscheinlich keine einfache Entscheidung, sein Bruder denn dem FBI zu melden. Aber wenn man sich überlegt, dass dabei Menschen ums Leben gekommen sind, werden irgendwann dieser Prozess auch gereift sein. Und dann wird er den gemeldet haben.

[00:20:43]

Das Krasse ist Das FBI hatte ja den Hinweis schon längst. Warum haben die denen nicht vorher ernst genommen?

[00:20:47]

Denn David, die forensische Linguistik, es zu diesem Zeitpunkt ja nicht. Das heißt, es war auch schwierig, mit einem Wissen aus dieser forensischen Linguistik überhaupt zu arbeiten. Beispielsweise war es so, dass man natürlich zum Richter gehen muss, und er muss einen Durchsuchungsbeschluss ausstellen. Allein auf Basis der Textanalyse ist es vor allem dann schwierig, wenn der Richter diesen Weg nicht mitgeht. Das heißt, man investiert hier Arbeit. Aber der Richter hat am Ende. Von der Methode halte ich nichts.

[00:21:12]

Das heißt, es musste wasserdicht sein. Gleichzeitig war es so, dass, wenn irgendwann in diesem Prozess dieses Gutachten angezweifelt wird, diese Textanalyse, dann sind all diese Beweise, die in dieser Hütte im Wald festgestellt worden sind, nichts mehr wert, weil die alle auf einem falschen Durchsuchungsbeschluss beruhen. Und deswegen musste sich das FBI sehr, sehr sicher sein. Und deswegen habe ich auch sehr viel Zeit investiert und nicht von Anfang an gleich zum Ted Kaczynski gelaufen.

[00:21:36]

Jetzt ist er ja geschnappt worden. Aber er lebt noch, sitzt in einem Hochsicherheitsgefängnis. Seine Strafe achtmal lebenslänglich, ohne Bewährung. Und wie du gerade ansprichst. Es war ja wichtig, dass sie das genauso anerkennen. Wie hat das Gericht sich überzeugen lassen, bei so vorher noch nie gab.

[00:21:53]

Die Analyse, die Cheryl angefertigt hat. Die musste Substanz haben, und das hat er auch versucht. Und es ist natürlich nicht nur dieses eine Sprichwort. Ted Kaczynski am Ende überführt hat, sondern es war diese Summe an Beweisen, die in die gleiche Richtung sprechen. Heißt aus diesem Manifest kommen sich noch andere sprachliche Gemeinsamkeiten herausziehen lassen des Autoren profil, das sich herausziehen ließ aus dem Text, sprach auch in die Richtung von Ted Kaczynski plus, die sie allen anderen hinweise, die man außen herum hatte, beispielsweise auch von dem Bruder.

[00:22:24]

Die Vorgeschichte und all diese Umstände führen am Ende gemeinsam zu diesem Schluss. Okay, wir haben hier wahrscheinlich ein Täter, aber wir brauchen jetzt einen Durchsuchungsbeschluss, und der hat auch vor Gericht Bestand.

[00:22:35]

Ist schon krass jemand mit einem IQ von 165, wie er sagt, diese pedantische Art, dass der Sohn einen Fehler macht? Das spricht mal wieder dafür, was er jedes Mal wieder erwähnt dass die Sprache einfach so tief in uns drin ist. Selbst der kann nicht aus seinem sprachmuster raus.

[00:22:50]

Der Fehler war nur der signifikantes Hinweis auf die Person und vielleicht auch der, der den Stein ins Rollen gebracht hat. In Summe gab es ja dann am Ende eine ganze Flut von Hinweisen. Heute ist es so Wenn wir eine halbe oder dreiviertel Seite Text haben, dann sagen wir Okay, hier wird spannend. Hier können wir mal Versuche, in Analyse zu gehen. Um zu sehen, können wir einer möglichen verdächtigen Person diesen Text nachweisen. Gerichts verwertbar? Möglichst. Und hier haben wir eine Flut von Textor, haben 35000 Zeichen, 80, hundert Seiten.

[00:23:24]

Da kann man aus dem Vollen schöpfen und eine Flut von Merkmalen herausarbeiten.

[00:23:29]

Wir alle haben ja unsere Vorlieben für bestimmte Formulierungen, auch für bestimmte Fehler, die uns gar nicht bewusst sind, die uns passieren und die aber auch typisch für uns sind. Ich glaube auch nicht, dass Ted Kaczynski einen Fehler begangen hat in der Art und Weise. Denn es gibt Sprachwissenschaftler, die sich mit dieser Redewendung beschäftigt haben und festgestellt haben Früher einmal wurde diese Redewendung tatsächlich so verwendet, wie sie Ted Kaczynski benutzt. Das heißt, es gibt durchaus die Möglichkeit, dass er bewusst diese Art und Weise gewählt hat, weil er ein Wissenschaftler ist, weil er sehr intelligent ist und weil er das für die richtige Redewendung hielt.

[00:24:01]

Oder beispielsweise ist er ja natürlich sein ganzes Leben davon geprägt, dass er keine sozialen Kontakte hat. Er war immer der Außenseiter, und auch das ist natürlich ein Hinweis, weil bin ich nie Kontakt zu anderen Leuten haben. Wie will ich denn wissen, wie eine Redewendung wirklich funktioniert oder wie es sie im Alltagsgebrauch mittlerweile verwendet wird?

[00:24:16]

Dann werde ich nicht korrigiert. Ein Freund von mir hatte jahrelang gesagt Heut Nacht habe ich kein Auge zugedrückt, bis wir ihm gesagt haben, dass man zugetan sagt, er sollte auch keine Presse, kein Auge zudrücken, sonst wäre es klar, wer es ist. Aber ganz, ganz interessant ja, dass das quasi sagt, auch so aus dem Vollen schöpfen. Das ist ja quasi der Grundstein, warum wir hier überhaupt sitzen. Eure Arbeit extrem wichtig? Ja, und das ist die Basis von allem, was wir heute machen können.

[00:24:46]

In der forensischen Linguistik gibt es kein Schema. Hier gilt Je mehr Text, desto besser.

[00:24:52]

Und was der Iona bombach hier gemacht hat, ist ein Geschenk an die Ermittler.

[00:24:56]

Mit seinen 35 000 Zeichen und der Iona Bombe sei ein toller Fall, und er ist einfach die Geburtsstunde der forensischen Linguistik als Ermittlungsmethoden. Die Probe aufs Exempel für diese Methodik. Ob sie denn funktioniert? Und ja, sie hat funktioniert.

[00:25:10]

Habt ihr auch Fragen an Leo und Patrick? Ich habe jedes Mal Tausende dann her damit, schreibt sie mir gerne auf meinem Instagram Kanal. Sebastian Winkler und die Frühauf. Danke euch für diesen dritten Fall. Wenn ihr noch tiefer eintauchen wollt über den Gouna Bomber, das hab ich auch schon gesehen, die es richtig gut gemacht. Gibt's eine eigene Netflix Serie? Mein Hund, der Iona Bomba und mehr echte Kriminalfälle gibts auch in eurem Buch Die geheimen Muster der Sprache.

[00:25:35]

In unserer nächsten Podcast Folge geht's im weitesten Sinne um Wirtschaftskriminalität. Ein Insider droht damit auszupacken. Freue mich jetzt schon drauf. Bis dahin war es gut, der beiden zunächst mal und euch zuhören.

[00:25:50]

Die Sprache des Verbrechens. Mehr. Packende Podcasts auf Bayern 3D.