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[00:00:01]

Das beste Podcast? Die Sprache des Verbrechens.

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Der Schock für die Familie Ludwig, die Liebelei, langjähriger Freund und treuer Begleiter von Oma in den letzten schweren Monaten, weigert sich, den Erben Kunstgegenstände zurückzugeben. Ludwig präsentiert einen Brief Maschinen geschrieben und handsignierte Du, lieber Ludwig. Das Bild von der Jagd soll dich an unsere Abenteuer erinnern. Das pilzesammeln im Forst mit Rowdy in tiefer Verbundenheit.

[00:00:39]

Sind die Briefe gefälscht oder nicht? Frage 2 Können wir auch Ludwik nachweisen, dass er die Briefe gefälscht hat?

[00:00:49]

Ein Podcast mit Bayern. 3. Moderator Sebastian Winkler, Leo Martin und Patrick Rodler Da sind wir schon wieder schön.

[00:00:59]

Stasi-Mitarbeit. In unserem Podcast Wenn ihr uns schon länger hört, dann wisst ihr Leo Martin, Geheimagent, Profiler Patrick Rodler, die sich beide beruflich mit forensischer Textanalyse beschäftigen, die aber auch heute wieder einen echten Kriminalfall für euch am Start sind. Bei mir.

[00:01:18]

Sebastian. Hallo, los geht's! Für alle, die uns das erste Mal hören Ihr überführt Täter, wenn es irgendwas Schriftliches in einem Kriminalfall gibt. Ein Erpresser schreiben einen Drohbrief, Stalking, Post oder ähnliches. Wenn euch dieser Podcast gefällt, dann hinterlassen sie doch einfach eine Bewertung. Und wenn ihr mögt, dann schreibt mir auf Instagram. Sebastian Winkler Früher gerne auf Fragen an Leo und Patrick, klären wir dann gerne das nächste Mal, dafür schon mal von uns.

[00:01:46]

Ein fettes Dankeschön.

[00:01:48]

Ja, wir überführen anonyme Täter, und zwar anhand ihrer sprachmuster. Das heißt, unser Tatort ist immer der Text. Genau wie du gesagt hast Entweder ein anonymer Drohbrief, ein Erpresser schreiben. Unser Job ist es, herauszubekommen, wer hinter diesem Angriff steckt, und ab und an untersuchen wir auch Testamente.

[00:02:08]

Und dann ist die Frage Was ist denn der Erblasser, der auf diesen Brief steht, wirklich der Urheber oder nicht?

[00:02:14]

Genau darum geht's in dem Kriminalfall, den ich heute mitgebracht habe ein Testament, das wir euch ganz genau angeschaut habt. Oma Irmgard Letzter Wille habt in diesem Fall genannt. Und wie immer hören wir uns erst mal die Story an, und dann gehen wir mit euch in die Analyse.

[00:02:32]

Opa Karl und Oma Irmgard führen eine glückliche Ehe. Sie haben zwei Söhne und später auch zwei reizende Enkelinnen. Karl schafft es, sich mehr oder weniger aus dem Nichts ein Vermögen aufzubauen. Aber beide bleiben bescheiden, bodenständig, protzen nicht mit ihrem Reichtum. Dann stirbt Karl überraschend und viel zu früh. Einige Jahre nach seinem Tod rafft sich Oma Irmgard auf und fängt an, ihr Leben wieder zu genießen. Und sie fängt auch an, sich wieder mit Männern zu treffen, lacht viel und lässt es nochmal ordentlich krachen.

[00:03:08]

Geldsorgen hat sie keine. Und so gehören ihr unter anderem mehrere Häuser, wertvoller Schmuck. Und außerdem ist Oma Irmgard eine große Kunstliebhaber. Seit Jahrzehnten sammelt sie Gemälde und Skulpturen, die zusammen mehrere hunderttausend Euro wert sind. Das Gesamtvermögen geht in die Millionen. Die ältere Dame macht schon früh ihr Testament.

[00:03:31]

Sie möchte nach ihrem Tod keinen Streit in der Familie. Sie verteilt das Vermögen an ihre Söhne und die Enkelinnen Birgit und Brigitte. Alle wissen Bescheid. Das Testament wird notariell beglaubigt. 22 Jahre nach Karls Tod stirbt auch Oma Irmgard. Sie schläft friedlich ein im Kreis der Familie, zu Hause, im eigenen Bett.

[00:03:54]

Kurz nach ihrer Beerdigung der Schock für die Familie. Ludwig Liebelei, langjähriger Freund und treuer Begleiter von Oma in den letzten schweren Monaten, weigert sich, den Erben Kunstgegenstände zurückzugeben. Oma Irmgard hatte ihm Bilder und Skulpturen im Wert von 500000 Euro für seine Galerie geliehen. Denn für alle war klar Nach dem Tod von Oma wandern diese Gegenstände zurück zu Birgit, die sie haben sollte und die diese Bilder seit ihrer Kindheit kannte und über alles liebt, was auch Oma wusste.

[00:04:30]

Ludwig präsentiert einen Brief, Maschinen geschrieben und Hand signiert Du, lieber Ludwig.

[00:04:37]

Bis der treueste Freund, den man haben kann, deine Unterstützung, könnte ich mir immer sicher sein.

[00:04:43]

So wie der Schwan die Jungen mit seinen Flügeln schützt als heller Stern im dunklen Wasser. Es könnte kein schöneres Bildnis für unsere Freundschaft geben. Das Bild von der Jagd soll dich an unsere Abenteuer erinnern. Das pilzesammeln im Forst mit Rowdy. Ausflug nach Norwegen. Sie haben vielleicht keinen großen Wert, aber sie kommen von Herzen. Du wirst einen passenden Ort für beide finden. Danke für deine Freundschaft in tiefer Verbundenheit, deine Irmi.

[00:05:14]

Puh. Also eine ganz schön böse überraschung für die Enkel und Kinder. Wie immer an dieser Stelle auch nochmal der Hinweis Der Text, der entspricht sinngemäß dem Original Brief. Namen wurden geändert. Fehler dem Original entsprechend sinngemäß übernommen. ärGer mit dem Testament hört man ja immer wieder. Kommt euch das? Du hast es schon angesprochen.

[00:05:34]

Patrick ist eher nicht so häufig unter die Hände, oder solche Briefe, die er bei Testamenten geht natürlich auch immer um finanzielle Werte. Und dann kommt es schon mal vor, dass das auch auf unserem Schreibtisch landet.

[00:05:45]

Tatort, Testament, Oma, Hartz, vorletzter Wille da schwingt das böse Ende ja schon mit. In diesem Fall war es so die ältere Dame. Die hat sie in ihren letzten 15 Jahren nach dem Tod ihres Ehemannes nochmal richtig krachen lassen. Sie war kein Kind von Traurigkeit. Und da gabs die eine oder andere Liebelei, unter anderem eben diesen Ludwik. Der Kunstsammler war Galerist, damals fast 80 Jahre alt, auch schon ein Gentleman, humorvoll verschmitztes Lächeln und immer zuvorkommend, war zum Freund der Familie geworden.

[00:06:21]

Er ging dort ein und aus. Was die Familie wusste, das war kein Geheimnis, ist, dass in Ludwigs Galerie eben auch Kunstgegenstände der Familie hingen. Eine Leihgabe, wie Oma Irmgard offensichtlich immer gesagt hat, um Käufer zu Ludwigs alten Schinken zu locken. Das war die Ausgangslage.

[00:06:40]

Was die Familie aber auch wusste, ist eigentlich davon ausgegangen ist, dass Oma das niemals hergeben würde?

[00:06:46]

Ja, dafür gab es mehrere Punkte, die dafür sprechen. Es waren einfach enorme Werte mehrere hunderttausend Euro in Summe, dann auch jenseits der Million. Und es waren vor allem auch Gegenstände. Ein Bild zum Beispiel, das eine ganz besondere Beziehung zu Ihrer Enkelin hatte. Da war klar Es würde emotional nie laufen. Sie würde das nie im Leben abgeben. Egal, wie eng Ludwig als Freund war, sie würde sich im Grabe umdrehen.

[00:07:10]

Trotzdem, das war nur Vermutungen. Es war dann trotzdem zu klären Wer sagt die Wahrheit und wer nicht? Und dann kommt immer ihr ins Spiel. Immer, wenn es etwas Schriftliches gibt, seid ihr als Profiler gefragt. Jetzt gab es diesen Brief, von dem wir nicht wissen Ist er echt oder nicht? Kriegte sowas eigentlich im Original oder bekommt eine Kopie der Briefe und Schreiben.

[00:07:29]

Am Schreibtisch landen die Kopien. Es heißt, uns reicht auch die Kopie dieses Textes. Im ersten Schritt gehen die Originale ja bei Fällen an die Polizei, an die Ermittlungsbehörden, die sich dann ja auch mit kriminaltechnischen Untersuchungen beschäftigen, beispielsweise mit der DNA oder mit der Phase Analyse. Dann landen die auch in irgendwelchen Akten. Für uns reicht eine Kopie, weil uns ja die Handschrift egal ist, und sind Druck, Spuren und Phase Spuren völlig egal. Uns gehts um die sprachmuster.

[00:07:54]

Dafür reicht eine Kopie vollkommen aus. Oma Irmi hat ihr Erbe ja grundsätzlich auch sehr gut geregelt, aber sie hat nicht damit gerechnet, dass sie jeden Kunstgegenständen einzeln auflisten müsste, in dem Testament einfach nur von den Kunstgegenständen gesprochen. Und genau das war ihr Fehler. Der ganzen Familie hier auch zum Verhängnis wird. Denn diese Kunstgegenstände waren jetzt plötzlich nicht mehr Teil der Erbmasse. Und eigentlich war die Masche ganz clever dahinter. Die Masche des Täters, weil dadurch auch die Forderungen des Finanzamtes natürlich schon ein bisschen umgangen wurden.

[00:08:25]

In dem Text steht da drin. Sie haben vielleicht keinen großen Wert, aber sie kommen von Herzen. Diese eigentliche Werte, jedem klar war in dieser Familie, der wurde hier bestritten, als wäre das überhaupt nicht klar. Das eine nette Geste, aber mehr auch nicht. Es war natürlich nicht schlecht angestellt.

[00:08:40]

Das ist, glaube ich, das erste Mal, seit wir das machen, dass sie einen Täter gelobt habt. Du gerade? Patrick Das war schon intelligent oder ganz gut gemacht. Sonst waren sehr eher Sachen, wo er gesagt, er werde mal ein bisschen leichter auf die Spur gekommen. Was ist euch als erstes aufgefallen in dem Schreiben, das der Ludowig präsentiert hat?

[00:08:55]

Nach der Beerdigung war es dann so Es waren alle Formalitäten erledigt, und es gab nur noch einen Gang zu machen, nämlich in Ludwigs Laden Räume, um die Kunstgegenstände zurückzuholen. Und so war es denn auch Die Enkelin fuhr da mit ihrem Kombi hin, hatte die Rückbank schon umgelegt. Da war eine Rolle Luftpolster, Folie, und sie wurde dann von Ludwik an der Tür abgefertigt. Dann kam das böse Erwachen. Die bittere überraschung Ludwig hat hier das erste Mal diesen Schenkungsteuer Brief vorgezeigt und behauptet, die Kunstwerke wären seine.

[00:09:29]

Sie werden ihm von Irmi geschenkt worden als Zeichen für die Treue und Verbundenheit lange Vergangenheit. Und jedem in der Familie war klar Das kann nicht sein, der spielt hier link. Es gab dann auch eine Strafanzeige wegen Betrug, Unterschlagung und Verdacht auf Urkundenfälschung. Aber die hat im ersten Schritt erstmal kein Ergebnis erbracht. Wieso nicht? Im Endeffekt mahlen die Mühlen der Behörden hier langsam. Und außerdem stand am Ende Aussage gegen Aussage. Die Familie hat die eine Sache behauptet, und Ludwig hat.

[00:10:00]

In seinen Händen diese Schenkung. Es waren zwei Stück maschinell erstellt, aber von Oma Irmgard handschriftlich unterschrieben.

[00:10:09]

Es gab nicht genügend Beweise quasi, und dann kommt ihr ins Spiel.

[00:10:12]

Jetzt ist es bei Testamenten ja auch so, dass die generell sehr schwer zu fälschen sind, weil natürlich, wenn man ein komplettes Testament in Handschrift fälschen will. Da muss man sich schon sehr genau mit Handschriften beschäftigen, mit der Thematik. Das heißt im Testament wirklich gut zu fälschen ist eigentlich fast unmöglich. Deswegen wurde hier auch der Weg über diese Schenkung schon vor dem Testament und vor dem Tod. Dieser Umweg gegangen, der natürlich, wie ich schon gesagt habe, wirklich clever war.

[00:10:36]

Und dazu kam es noch, dass am Ende nur die Unterschrift gefälscht werden musste. Und es gab dann auch ein Gutachten, was die Handschrift angeht. Diese Unterschrift und dieses Gutachten hat auch in diesem Fall eher sogar für den Verdächtigen, also für den Freund der Oma, gesprochen. Das ist wirklich echt, ist die Unterschrift als dagegen. Aber dazu kommen später noch einmal.

[00:10:58]

Und was ist euch dann, wenn man genauer auf die Unterschrift eingehen, sonst an den sprachmuster oder an der Sprache aufgefallen?

[00:11:04]

Ich lese einfach mal einen vergleichst Text vor, den wir dann vorliegen hatten von Oma Irmi, liebste Brigitte, liebste Udo. Euer Besuch hat mir so viel Freude bereitet und so gut getan. Das könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Ich bin so stolz auf euch und eure kleine Maus. Und als frischgebackene Uroma Ihr seid so tolle Eltern. Die Kleine ist dir lieber Udo, wie aus dem Gesicht geschnitten, mit ihren lachenden Augen und den dunklen Haaren. Und jetzt deine Liebste Birgit Energie und dein Bewegungsdrang.

[00:11:34]

Ich freue mich, wenn die Kur im September zu Ende ist und ich wieder zu Hause in Rodgau sein kann. Die Hitze ist zu Hause leichter zu verkraften, und ich freue mich auf unsere gemeinsamen Sonntage.

[00:11:45]

Küsse eure Oma Jamie, bevor wir hier jetzt gleich in die Details gehen. Zunächst unser Ansatz in der Familie. Der war klar Die waren zu hundert Prozent davon überzeugt. Diese Schenkung auf diese Schenkung. Briefe müssen eine Fälschung sein. Keine andere Option, wenn man es drauf schaut. Von außen betrachtet, was Text, Gestaltung und Struktur angeht, war das auch relativ schnell nachvollziehbar. Diese sprachmuster in den Schenkungen Briefen kurz, prägnant, staccato artig auf den Punkt, sehr sachlich, haben nichts zu tun mit diesen.

[00:12:20]

Ohne Punkt und Komma sprechen wir von Oma Irmgard, kannten das aber nur die eine Frage Sind die Briefe gefälscht oder nicht? Die Frage 2, die noch einen Tick spannender ist Da können wir auch Ludwik nachweisen, dass er die Briefe gefälscht hat. Und das war ein wesentlicher Knackpunkt in diesem Fall.

[00:12:39]

Obwohl ja, Ludwig Wenn ich den nochmal zitiere, weil das wäre mir aufgefallen. Es könnte kein schöneres Bildnis für unsere Freundschaft geben. Und mein Eindruck war Sie hat sie ja optisch beschrieben.

[00:12:49]

Was du hier ansprichst, ist natürlich richtig. Aber es ist auch eine einzige Facette von dem, was hier untersuchen. Und in dem Fall geht es wirklich mehr um die grammatikalischen Strukturen und den Satzbau, der hier eine Rolle spielt. Es ist auch so Bei dem visuellen Thema bleiben 50 Prozent ungefähr der deutschsprachigen Bevölkerung ist dominant visuell. Das heißt, allein zu sagen, beide sind visuell, ist noch kein Beweis, dass es der gleiche ist. Das heißt, man muss hier schon tiefer reingehen?

[00:13:14]

Dann lassen es doch genauso aufdröseln wie du gerade gesagt, dass Léo erster Punkt ist. Dieses Schreiben gefälscht. Woran konnte das festmachen?

[00:13:20]

Wir hatten in diesem Fall das ganz, ganz große Glück, dass wir sehr, sehr viele vergleichst Texte hatten, und zwar von Oma Irmgard gabs tonnenweise Briefe, Postkarten und Schriftverkehr und genauso von Ludvik. Denn der hat Oma Irmgard aus seinen Reisen aus Afrika und Indien teilweise Seiten lange Erlebnisberichte geschrieben. Da wurden dann diese typischen sprachmuster sehr deutlich. Wenn Oma Irmgard in Fahrt war, dann redete sie nämlich ohne Punkt und Komma, und annähernd, so schrieb sie auch in langen, verschachtelten Sätzen.

[00:13:53]

Teilweise wurden so ganze Absätze gefüllt mit sehr, sehr vielen Kommata und sehr, sehr vielen und Formulierungen und, und, und, und, über ganze Absätze. Bei geschäftlichen Briefen sogar hat sie diesen Stil beibehalten. Dann gab es weniger Gedanken, Sprünge, aber im Grunde war das eine Handschrift, die hier zu erkennen war. Und ganz im Gegensatz dazu die beiden Schenkungen Briefe. Die waren in kurzen, prägnanten Sätzen formuliert, thematisch nach Absätzen getrennt, und in beiden Schenkungen Briefen tauchte kein einziges auf.

[00:14:29]

Das muss man erst mal schaffen. Das ist wirklich ein Indiz gewesen, dass auffällt. Wir haben wenige oder ich persönlich, kennen keine anderen Texte, in dem kein einziges und aufgetaucht wäre, und auch entsprechend wenig Kommata.

[00:14:43]

Dann behandeln wir Punkt Nummer zwei. Warum war es euch aber dann klar, dass es ausgerechnet Ludwig sein musste, der das gefälscht hat?

[00:14:50]

Den Ludwigs privaten Briefen haben sich genau diese Merkmale aus diesen Schenkungen gezeigt, beispielsweise diese kurzen, prägnanten Sätze, dieses sehr klar. Auch diese Blöcke, also diese Aufteilung in Absätze von maximal drei oder vier Zeilen. Hinzu kam beispielsweise auch noch ein deutliches Indiz dafür, dass Ludvik nur Realisierungen wie Kirschen essen wie Holzhacken immer getrennt schrieb. Er schrieb Mit dem ist nicht gut Kirschen essen, und er schrieb nach dem Holz hacken. In diesem Schenkung schreiben war das gleiche Muster zu erkennen.

[00:15:27]

Zwar ging es um Pilze sammeln. Als es um die gemeinsamen Erlebnisse von ihm und der Oma Imi ging und beispielsweise Oma Irmgard hatte es überhaupt nicht gemacht. Heißt Sie hat dann von Wimpern zupfen geschrieben mit ihren vergleichst texten. Es war aber ein hoher Nobilitierung zusammengeschrieben. Ein klares Indiz und vor allem deswegen auch so spannend, weil es einerseits ein Unterschied ist zur Oma und gleichzeitig eine Gemeinsamkeit hinzu Ludwik.

[00:15:52]

Jetzt wurde ja aber in erster Instanz trotzdem das Ganze ad acta gelegt, weil man niemandem nachweisen konnte, wer recht hat. Es lag wahrscheinlich auch an dieser Unterschrift. Was ist ein Leichter zu fälschen? Ein sprachmuster oder eine Unterschrift?

[00:16:06]

Insgesamt kann man sagen Der Täter oder der Schreiber oder Ludvik hat sich je mehr Mühe mit der Unterschrift gegeben als mit den sprachmuster. Der eine Brief war mit Deine Irmi, der zweite mit Irmgard unterschrieben, und das landete bei einem Gutachter. Und wenn ich drei so kurze Wörtchen habe, dann ist das natürlich nicht besonders viel Fleisch. Und entsprechend fiel dann das Gutachten aus. Also mit leicht überwiegender Wahrscheinlichkeit hielt der Gutachter für möglich, dass die Unterschrift tatsächlich von Oma stammte.

[00:16:36]

Und das ist der schwächste Wert, den man als Gutachter herausgeben kann. Das heißt, es spricht so einen Tick mehr dafür, dass es von ihr ist, als das dagegen spricht. Das heißt, da war noch Luft nach oben, kein besonders starkes Gutachten. Drum hat auch die Strafanzeige bei der Polizei wahrscheinlich nichts gebracht, weil die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt hat.

[00:16:57]

Aber dann kann man ja tatsächlich sagen, Unterschrift zu fälschen, leichter als ein sprachmuster irgendwie rauszukriegen aus einem, oder?

[00:17:02]

Ja, das muss man wahrscheinlich sehr vom individuellen Fall abhängig machen. Also bei der Untersuchung von Handschriften. Da geht man natürlich auch ins Detail. Da geht es um die Beschaffenheit, die Druck, ergebung, die Bewegungsübungen, um die Formgebung, die Bewegungsrichtung, vertikale horizontale Ausdehnung, wie Flächen auf dem Blatt Papier eingesetzt werden. Das ist schon ein sehr komplexes Thema. Ohne Unterschrift ist mal per se nicht so einfach zu fälschen. überzeugend. Hier war es eher so, dass des Vergleichs Material, das der Gutachter hatte, nicht wirklich viel hergegeben hat.

[00:17:34]

Das heißt, es war erstens klar gefälscht Nr.2. Es war auch tatsächlich Ludwig. Wie es der Fall dann am Ende ausgegangen.

[00:17:40]

Ja, das war von Anfang an klar. Aber es war nicht nachweisbar, und wir stellen für jeden Fall ein Team zusammen, und zwar genau mit den Experten, die es zur Klärung dieses speziellen Falls braucht. Dieses Gutachten ist unter fachlicher Leitung eines Professors für Sprachwissenschaften entstanden. Am Ende landete das nicht vor Gericht, sondern dieses Ergebnis. Bericht ist dem Ludwik dann an einem Freitag nachmittag, wenn ich mich richtig erinnere, über den Anwalt der Familie zugestellt worden. Und am Montag kamen dann per Spedition die Bilder geliefert, einfach weil die Beweisführung so einen Druck erzeugt hat.

[00:18:21]

Also ein Außenstehender, der diesen Bericht liest, der sagt Okay, das muss so gewesen sein. Ich sehe keine andere Möglichkeit, weil auch wirklich über diese Nomina hinaus noch zwei, drei andere Knaller verbaut waren in den Texten. Und der Anwalt hat sich dazu geäußert, dass das natürlich kein Schuldeingeständnis sei. Das Gegenteil wäre der Fall. Aber sein Mandant, der gesundheitlich angeschlagen ist und schon im reifen Alter, der wolle sich ganz einfach nicht die letzten Jahre seines Lebens mit Rechtsstreitigkeiten versauen.

[00:18:53]

Also schon wieder ein Ich muss mein Gesicht wahren, Gesicht, wahren Reaktion.

[00:18:58]

Ja, dieses Thema gesichtswahrend ist ein riesengroßes. Das wird immer den Asiaten so zugeschrieben. Aber es ist auch in der westlichen Welt ein Thema. Beispiel Da ist ein Selbstmörder oben auf dem Dach, will springen. Was lernst du als polizeilicher Verhandlungsführer? Kannst du dir vorstellen? Sebastian Unten steht eine Menschenmenge, die schauen hoch aufs Dach, was sie schreien Spring nicht. Du hast immer einen Idioten dabei, der sagt Spring, genau. Und jetzt steht der Mensch, der Ofen.

[00:19:27]

In einem Zwiespalt will der springen? Sebastian Eigentlich nicht. Der will nur Aufmerksamkeit.

[00:19:32]

Wenn er springen wollte, dann wäre er schon gesprungen. Er will Aufmerksamkeit, hatten Probleme oder weiß nicht, was er will. Aber springen will er nicht. Sonst wäre er schon unten. Jetzt hat er unten die Deppen, die Meute, die ruft Springen. Und jetzt geht dieses Thema Gesicht wahren los. Und was clevere Verhandlungsführer der Polizei machen, das ist eine Strategie, die ich am Schranne Institut gelernt habe. Es soll keinen Druck als Verhandlungsführer. Ich rede auch nicht rein in.

[00:20:00]

In der er sich nicht sieht, sondern ich sage Ich weiß nicht, was mit dir los ist. Ich weiß auch nicht, ob ich dir helfen kann. TU mir einen einzigen Gefallen, hör mir zwei Minuten lang zu. Danach entscheidest du, was du tust.

[00:20:11]

Das heißt, ich sage nicht Geht weg, und es ist doch alles nicht so schlimm. Das würde alles öL ins Feuer gießen. Dann wird ihm eine Feuerwehr uniform angeboten. Du bekommst von uns eine Feuerwehr Uniform angezogen. Du verlässt mit den Rettungskräften unten das Haus. Niemand wirklich zu kennen. Das führt sehr, sehr oft zu Lösung. Das bringt die Suizidgefährdete vom Dach und das ist auch hier das Thema Gesicht wahren, nicht in eine Konfrontation hinein geraten, die ungewollt ist es ganz oft im Leben.

[00:20:42]

Die Lösung sieht aber auch, wie stark dieses Bedürfnis ist. Und das bringt auch dazu Täter oder Lügner, das sie lügen bis zum Schluss, auch wenn schwarz auf weiß. Der Beleg auf dem Tisch vor Ihnen liegt super spannend.

[00:20:56]

Wie gesagt, ich wiederhole es gerne. Ich könnte euch Stunden zuhören. Vielen Dank! Leo und Patrick hatten mit ihrer Textanalyse mal wieder das entscheidende Werkzeug, obwohl die Lüge von Anfang an klar war Könntet ihr den Täter überführen? Danke euch beiden für diesen spannenden Fall, bitte gerne. Und in der nächsten Podcast Folge geht es um einen Fall, der auch bundesweit Schlagzeilen gemacht hat. Die Deutsche Bahn und ganz Deutschland in Atem gehalten hat. Vielen Dank Leo und Patrick.

[00:21:24]

Und bis zum nächsten Mal, bis zum nächsten Mal.

[00:21:29]

Die Sprache des Verbrechens. Mehr. Packende Podcasts auf Bayern 3D.