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Podcast Die Sprache des Verbrechens Bei der Bundesbahn Direktion kommt ein Brief an, die Mitarbeiter in Angst und Schrecken versetzt.

[00:00:14]

Unterschrieben ist der Brief mit.

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Wie ernst dieses Schreiben ist, wird kurz darauf klar. Jetzt kommt es zu einer ganzen Reihe von Anschlägen. Kurz darauf bekommt die Bahn wieder einen Brief mit der überschrift Letzte Warnung.

[00:00:34]

Selbst der Dümmste müsste jetzt gemerkt haben, dass es ernst ist. Ein Podcast mit Bayern, drei Moderator Sebastian Winkler, Leo Martin und Patrick Schröder bei unserem Podcast.

[00:00:53]

Vielen Dank für die ganzen Nachrichten, die mir über meinen Kanal Sebastian geschrieben habe. Ich muss sagen, eure Fanbase wächst von Tag zu Tag Geheimagent und sprach Profiler Patrick Rodler aus München begeistert immer mehr Podcast.

[00:01:08]

Höre mit eurem Blick hinter die Kulissen des Sprachprüfung links, und ich freue mich sehr, dass wir wieder zusammen sind, was heute wieder einen ganz besonderen Fall gebracht.

[00:01:20]

Da bin ich mir ganz sicher unter die Haut gehen wird, ist zwar schon ein bisschen älter der Fall, aber ein super Beispiel dafür, was Sprache eben über einen Täter aussagt. Und genau darum gehts in diesem Podcast ja, und auch in diesem echten Kriminalfall.

[00:01:36]

Der Fall des Karlsruhe, Oktober 1975 Bei der Bundesbahn Direktion kommt ein Brief an, die Mitarbeiter in Angst und Schrecken versetzt. In roten Großbuchstaben steht Erpressung als überschrift eine unmissverständliche Drohung. In dem Schreiben fordert der Erpresser 100 000 D-Mark. Das Ungewöhnliche Neben der Geldforderung gibt der Täter sein Ehrenwort, diese Summe mit sieben Prozent Zins! In spätestens einem Jahr zurückzuzahlen. Sollte die Bahn ihm diesen Kredit nicht gewähren. Droht der Presse allerdings mit Entgleisungen, Zusammenstößen und einer Verdoppelung der Geldforderung.

[00:02:22]

Unterschrieben ist der Brief mit.

[00:02:25]

Wie ernst dieses Schreiben ist, wird kurz darauf klar. Gleich zweimal baut der Erpresser auf freier Bahnstrecke eine Falle, die dazu führt, dass der Zug gebremst wird. Kurz vor dieser Drangvolle hatte der Erpresser Warnblinker Leuchten aufgestellt. Die Bundesbahn reagiert auf die Anschläge. Sie übermittelt dem Erpresser in einem Zeitungsinserat die Nachricht DB Transport findet statt Siegler 134 399. Der Täter kündigt an, dass er die übergabe Modalitäten in einem Telefonat klären will. Dazu kommt es aber nicht. Fast ein Jahr lang bleibt es still.

[00:03:05]

Bis zum 25. August 1976.

[00:03:09]

Ein Güterzug ist in den frühen Morgenstunden von Karlsruhe nach Aachen unterwegs. Kurz vor Rastatt bemerkt der Lokführer seltsam verbogene Gleise. Er legt eine Vollbremsung hin, die Räder quietschen, die Waggons wackeln, bis sie entgleisen und unter einer Brücke die Böschung herunter stürzen. Nur die Lok bleibt wie durch ein Wunder auf den Schienen stehen. Jemand hatte die verschraubungen an den Schienen gelöst, meldet sich immer wieder mit neuen Erpressern. Schreiben bei der Bundesbahn erhöht die Geldforderung auf 250 000 D-Mark.

[00:03:44]

Jetzt kommt es zu einer ganzen Reihe von Anschlägen. Der Erpresser beschädigt Stromleitungen, manipuliert Befestigungen, Masten, macht sich immer wieder an den Schienen zu schaffen. Die Schäden gehen mittlerweile in den Millionenbereich. Im Oktober 1977 ist der Italia Express von Kopenhagen nach Rom unterwegs. Bei Riegel am Kaiserstuhl kommt es dann zur Katastrophe. üBer 15 Schrauben hat der Täter an den Schienen gelöst. Mit hoher Geschwindigkeit entgleist der Personenzug, zwei Waggons kippen um. 19 Menschen werden teils schwer verletzt.

[00:04:21]

Kurz darauf bekommt die Bahn wieder einen Brief mit der überschrift Letzte Warnung.

[00:04:29]

Selbst der Dümmste müsste jetzt gemerkt haben, dass es ernst ist. Wir sagen auch wieder dazu Es ist ein echter Fall, der von Missio hat es wirklich gegeben, der über Jahre hinweg für Angst und Schrecken gesorgt. Aber ihr habt ja jetzt nicht mit ermittelt.

[00:04:45]

Nein, wir haben nicht mit ermittelt. Und zwar der Fall des Bundesbahn. Aperçus Müßige X Spieljahr in den Jahren 1975 bis 1977 also war eine turbulente Zeit. Damals hat ja auch die ära ihr Unwesen getrieben. Das wird in diesem Fall auch noch eine kleine Rolle spielen.

[00:05:00]

Da waren wir zwar noch gar nicht geboren, Patrick oder auch wir drei noch nicht.

[00:05:04]

Aber so langsam ein. Der jetzt eigentlich ermitteln können. Die Geschichte des Moshi ist auf jeden Fall ein Klassiker. Mittlerweile zum Thema Forensische Linguistik. Der Täter hat nämlich insgesamt elf Briefe geschrieben, und alle waren gezeichnet. Am Ende unterschrieben mit Herzliche Grüße von Monsieur X, also einem selbst gewählten Pseudonym, und eine Besonderheit mal zu Beginn schon vorweggenommen.

[00:05:32]

Es gab eine Handvoll sarkastischer Anmerkungen in den Briefen zum Beispiel mehr als 250 Mark will ich sowieso nicht. Denn Geld verdirbt den Charakter.

[00:05:42]

Kurz vor der Bundestagswahl hatte dann auch noch in einem Schreiben geschrieben. Wählen Sie richtig, wählen Sie X, damit die Bundesbahn wieder sicherer fährt.

[00:05:51]

Jetzt haben wir schon in unserem Podcast einige Fälle zusammen mit euch durchgesprochen. Ich gebe mal einen Tipp ab. Mein Gefühl sagt mir, dass es jemand, der clever ist, der Sie mit Zügen und Bahntechnik gut auskennt. Erinnert mich ein bisschen auch an den Judah Bomber, über den wir schon gesprochen haben. Die meisten wissen ja wirklich gar nicht, wie man mit einem Draht so eine Bremsung auslöst und so weiter. Clever, handwerklich begabt und mit diesen Anmerkungen wie Geld verdirbt den Charakter, was du gerade gesagt hast.

[00:06:16]

Das klingt für mich aber ziemlich bodenständig erzogen worden.

[00:06:20]

Bodenständig ist jetzt ein großes Wort in diesem Zusammenhang. Es gab tatsächlich Hinweise darauf, dass der Täter sich mit Zug und Bahntechnik auskennt. Aber die Frage ist ganz einfach Ist er ein Mitarbeiter der Bahn oder einfach nur ein Hobbybastler, der ein Interesse für Züge mitbringt? Beides war möglich, aber hier ist die Spekulation gefährlich.

[00:06:41]

Genauso verhält es sich natürlich auch mit den Hinweisen, die wir aus der Sprache ziehen, diese aus zarge. Geld verdirbt den Charakter. Die ist natürlich höchst ungewöhnlich. Aber was sagt das jetzt über diesen Täter aus? Wahrscheinlich weniger, dass er bodenständig ist, vielleicht eher sogar das Gegenteil, dass er realitätsfremd ist, dass er vielleicht einfach auch keinen Bezug zur Realität hat, dass er sich den Konsequenzen seines Handelns nicht bewusst ist. Und das heißt es eigentlich genaues Gegenteil davon.

[00:07:06]

Er Allmachtsphantasien und Größenwahn wird es vielleicht eher treffen als Bodenständigkeit. Aber hier ist es wichtig. Was Sprachbefehle und was machen Sie nicht? Unser Job ist es, nicht zu spekulieren. Alles machen wir, wenn wir privat über den Fall nachdenken. Aber wir machen wissenschaftlich fundierte Analysen nach wissenschaftlichen Methoden. Und da geht es eben nicht um Spekulationen, dass auch einer der Gründe, warum wir bei uns beispielsweise die Analyse von der Fall Führung trennen. Wenn ein Fall bei uns ins Haus kommt, bin ich immer der erste Ansprechpartner für unsere Auftraggeber.

[00:07:39]

Ich höre mir an Wo drückt der Schuh? Weiß sofort Können wir helfen oder können wir nicht? Und Patrick, der die Texte analysiert? Der bekommt erst mal nichts. Der bekommt den nackten Text Null Fall Wissen erst im zweiten Schritt vernetzten, dann Analyse. Ergebnis mit dem Fall wissen, weil ich möchte, dass er so objektiv wie möglich an den Fall herangeht und nicht mit vorannahmen von anderen belastet. Und wenn ihr so einen Text anschaut, dann schaut er ja nicht.

[00:08:06]

Was schreibt er, und was hat das dann, über den auszusagen? Sondern Wie schreibt er bestimmte Sachen? Kann ich das so richtig zusammenfassen?

[00:08:12]

Das ist klassische Ermittlungsarbeit, sich mit den Inhalten der Schreiben auseinanderzusetzen. Wer kann wissen, wer kann nicht nur auf die sprachmuster? Wie geht der Täter mit Sprache um? Da geht es um die Wortwahl, die Grammatik bis tief hinein in die Sprache Psychologie. Und wenn dann dieselben Muster aus dem anonymen Brief auch in einem der vergleichst Texte auftauchen, und das wird auch gleich bei Monsieur X der Fall sein, dann wissen wir Wir haben unseren Täter.

[00:08:39]

Ist es natürlich gefährlich, mir zu einer vorannahmen, sich an den Fall zu gehen, sich leiten zu lassen. Gerade als Ermittler weiß man natürlich auch im Alltag. Wir alle kennen es. Wir suchen nach den Informationen, die natürlich zu dem passen, was unserer eigenen Meinung entspricht. Selektive Wahrnehmung, heißt es in der Psychologie. Wenn wir Nachrichten lesen, zum Beispiel, dann nehmen wir die Informationen verstärkt auf, die zu unserer politischen Einstellung passen. Und in der Analyse als Arbeit, als Sprachbefehle muss ich das auf jeden Fall vermeiden.

[00:09:07]

NoGo. Und deswegen ist es auch so wichtig, diese Fallanalyse und dieses Wissen zu trennen. Im ersten Schritt ohne Hintergrundinformationen allenfalls zu gehen und erst in einem späteren Zeitpunkt weitere Informationen außen herum zu sammeln. Ja, und das haben wir auch gelegentlich. Dass die Analyse, die der Patrick bringt oder ein anderer sprach, Profiler dann nicht zum Fall Wissen passt. Das kann vorkommen, und das ist für uns ein Zeichen. Hier müssen wir hellhörig werden, hier müssen wir achtsam bleiben, hier müssen wir hinterfragen.

[00:09:34]

Für uns. Oder eine rote Fahne, mit der geschwenkt wird, offen zu bleiben. Das kann ich mich alles Mögliche bedeuten, beispielsweise, dass wir es mit mehreren Tätern zu tun haben. Oder dass man in beiden Fällen momentan noch auf der falschen Spur ist und schaffte es immer.

[00:09:48]

Oder rutscht einem dann mal so eine Spekulation mit rein, weil ihr seid auch nur Menschen. Dass man sich unbedingt am misst oder danach merkt, da habe ich spekuliert.

[00:09:56]

Wir sind Menschen. Das zu Recht aber ist es eine Profession? Und zur Professionalität könne in diesem Fall auch das, möglichst abzuschalten und sich immer wieder zu überprüfen.

[00:10:04]

Vor allem das überprüfen ist das Wichtige, den Fall zu reflektieren, die eigenen Gedanken und äußerungen zum Fall zu reflektieren und dann jede Aussage oder jede Meinung und Haltung einzuordnen, um dann festzustellen Sind wir hier noch im Bereich der Fakten, oder ist das schon eher eine Hypothese und Annahme?

[00:10:23]

Schauen wir doch mal den konkreten Fall an Die Bundesbahn wird erpresst. Erst hunderttausend D-Mark, dann kommt keine übergabe zustande. Der Erpresser lockert Schienen, beschädigt Oberleitungen. Es kommt zu Zug. Entgleisungen erhöht die Geldforderung auf 250 000 D-Mark. Und insgesamt hat er elf Briefe an die Bahn geschickt, die er alle mit Missio X unterschrieben hat. Die Bahn hat ja am Anfang, ist aber auch gerade gehört in der Zusammenfassung eine Zeitungsanzeige geschaltet, in der der Name Ziegler stand, und dann eine Nummer dahinter eins drei vier drei neun neun.

[00:10:54]

Was hat es damit auf sich?

[00:10:55]

Ziegler war ein Codewort in diesem Fall. Das heißt, es wurde dazu benutzt, damit die Deutsche Bahn auf die Forderungen von Missio X eingehen kann. Damals war es üblich, dass man dann über öffentliche Medien, also über Zeitungsannoncen, kommuniziert hat. Und die Bahn hat dann eben diesen Text, der von Mister X gefeuert wird, abgedruckt, damit er weiß Okay. Meine Forderung ist angekommen, und auf meine Forderung wird jetzt auch eingegangen. Das war früher klassisch, also noch vor der digitalen Zeit.

[00:11:22]

Wir Sprachbefehle haben einen ganz, ganz großen Vorteil Ein Erpresser, der etwas erreichen will, der hat eine Botschaft Er muss kommunizieren. Das heißt, er wird Spuren hinterlassen, und das ist unser Ansatz.

[00:11:33]

Und dieser Name? Ziegler Der kam zwar von der Bahn, dann quasi in der Zeitung, aber der war ja auch schon vom Erpresser. Der spielt bei den späteren Ermittlungen ja auch noch eine wichtige Rolle.

[00:11:43]

Ja, und zwar eine entscheidende Rolle. Denn im November 1977 hat ein Junge in einem Straßburger Hotel einen Briefumschlag hinterlegt an einen Gast. Das Erstaunliche war In diesem Hotel gab es gar keinen Gast mit dem Namen Ziegler. Das kam dem Hoteldirektor komisch vor. Und er hat die Polizei eingeschaltet, die sich diesen Brief mal genauer angeschaut und festgestellt Dessen Erpresser schreiben. Die französische Polizei war so geistesgegenwärtig, dass sie diesen Brief wieder verpackt hat, in den Umschlag zurückgegeben hat und zu dem Hoteldirektor gesagt hat Wenn dieser Brief abgeholt wird, dann halten Sie die Augen offen und geben Sie uns Bescheid.

[00:12:18]

Wir wollen wissen Wer holt diesen Brief denn hier ab? Gleiches passiert. Der Hotelier hat diesen Mann, der den Brief abgeholt hat, auch verfolgt, hat sein Nummernschild notiert. Und somit ging auch diese Information und auch diese Daten des Halters dieses Autos an die Polizei. Und dann ging's los. Dann kam es zu einer Verkettung unglücklicher Umstände. Und zwar wurde dieser Brief auf deutscher Seite. Der kam ja von den französischen Behörden nicht in Verbindung mit der Bundesbahn und dem Bundesbahn Erpressern X gebracht, sondern damals hat jeder zuerst mal an die RAF gedacht, wenn Bedrohungen und Erpressungen auftauchten.

[00:12:55]

Das heißt, wir hatten jetzt den Namen Ziegler. Wir hatten ein Autokennzeichen. Aber die Verbindung zum Eisenbahner Presse muss her.

[00:13:03]

X Die wurde noch nicht gezogen, und so landete dieses Schreiben am Ende bei den ermittelnden Behörden in Baden-Württemberg in irgendeiner Schublade. Als mögliches Beweismittel im Fall von RAF.

[00:13:14]

Das heißt, man hätte ihn an der Stelle vielleicht schnappen können. Hier hätte es schon vorbei sein können. Aber wie es manchmal ist bei den Ermittlungen damals Mandaten auch noch nicht so gut vernetzt wie heute. Die Spur verlief zu diesem Zeitpunkt erstmal noch im Sand.

[00:13:28]

Das hören wir ja auch heute immer mal wieder von krassen Fehlern oder Pannen. Und auch wenn es jetzt nicht gerne zugibt Wahrscheinlich aber lief war euch auch schon mal was richtig schief.

[00:13:36]

Bei den Ermittlungen ja richtig schief. Manchmal führt eben der Umweg zum Ziel, und oft ist es so. Ermittlungen heißt, alles immer wieder ständig zu hinterfragen. Man verfolgt Hypothesen, lässt andere außer Acht, und darum ist die Evaluation wichtig, zwischendrin immer mal wieder ein Cart zu ziehen, nochmal den Blick auf alles zu werfen. Und das ist sogar eher die Regel als die Ausnahme. Diese ständige Prüfungs Prozess, um am Ende ein vernünftiges Ergebnis abzuliefern und den Täter zu überführen.

[00:14:03]

Ich würde in diesem Fall auch weniger von einer Panne sprechen als vielleicht einfach von einer Verkettung unglücklicher Umstände. Denn man muss sich überlegen Die Polizei hat ja auch begrenzte Kapazitäten. Diese Verbindungsstelle zwischen französischen und deutschen Behörden ist dann immer so eine Hürde. Dann waren auch zu Zeiten des Terrors diese Kapazitäten ja auch woanders gebündelt. Gott sei Dank hat sich dieser Fall ja noch aufgelöst, und diese Panne wurde auch behoben. Dazu hat es aber tatsächlich die Fernsehsendung Aktenzeichen XY gebraucht.

[00:14:31]

Erst ist es saudumm gelaufen und. Dumme Umstand, der erst die Ermittlungen verschleppt hat, hat dann ganz unerwartet noch die Lösung gebracht, und zwar die Sendung Aktenzeichen XY. Epsilon hat über Monsieur X berichtet und ein Ermittler aus Baden-Württemberg. Wenn ich mich richtig erinnere, war das sogar ein Kollege vom dortigen Verfassungsschutz. Der hatte diesen anonymen Brief noch im Kopf. Der hat dann die Verbindung hergestellt, und auf einmal hatten wir die direkte Linie Ziegler Fahrzeug, Kennzeichen, Halter hin zum Mohns in 4 x, der auf einmal einen Namen bekam, nämlich Hermann K Punkt aus Freiburg, damals 52 Jahre alt, ein Bastler mit handwerklichem Geschick.

[00:15:21]

Jetzt muss man dazu sagen Der Mann, den er angesprochen hat, der verhaftet worden ist, auch der hat immer bestritten. Dieser Erpresser und der Attentäter muss man ja bei diesen Anschlägen auf die Bahn auch sagen gewesen zu sein. Auch nach seiner Festnahme. Da hat es nämlich noch weitere Anschläge auf die Bahn gegeben. Wieso ist er dann trotzdem zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden?

[00:15:41]

Man muss sagen, in diesem Fall gab es zunächst keine wirklichen, eindeutigen Beweise. Auch das Phantombild, mit dem man lange Zeit gearbeitet hatte, das passte nicht wirklich. Aber es gab eine Handvoll Indizien. Man hat zum Beispiel Spuren eines ganz bestimmten Lakes an der Kleidung und in dem Fahrzeug von Hermann K. gefunden, und zwar ein Lack, der auch an zwei Tatorten sichergestellt werden konnte. Als Motiv hat man damals vermutet, dass Hermann K. eine Spielsucht hat und er sich über das Geld der Bundesbahn keine sehr hohe Forderungen, wenn man erst hundertausend und dann nur 250 000 D-Mark redet.

[00:16:17]

Er wollte sich damit offensichtlich, dass die Hypothese seine Spielsucht finanzieren.

[00:16:22]

Und zu diesen Indizien kam dann am Ende ja auch diese elf anonymen Schreiben, die X in seiner Karriere, wenn man es so nennen will, geschrieben hat. Und bei den Ermittlungen lag natürlich der Fokus vor allem auf der Ermittlung der Schleifmaschine. Des war damals ein klassischer Ansatz. Damals waren alle Briefe auch mit Schreibmaschine geschrieben. Wir reden hier von der Zeit vor dem Computer. Und heute würde man klassischerweise die IP-Adresse versuchen nachzuverfolgen. Man würde den Account oder den Handy Standort orten.

[00:16:50]

Früher war es gang und gäbe, dass man das Modell der Schreibmaschine analysiert, um somit irgendwie näher zu kommen. Missy X war auch nicht ganz doof. Der wusste offensichtlich davon, weil er auch verschiedene Schreibmaschinen benutzt hat. Nichtsdestotrotz gab es ein paar Auffälligkeiten oder Besonderheiten. Beispielsweise wurde bei einer Schreibmaschine vermutet, dass der Buchstabe fehlt, weil er stattdessen immer Z geschrieben hat. Auch das ist natürlich ein Hinweis. Wenn ich diese Schreibmaschine bei Ihnen finden würde, hätte ich dann einen eindeutigen Beweis auch, dass er der Täter ist.

[00:17:20]

Insgesamt sind hier 4500 Schreibmaschinen im Laufe dieser Ermittlungen überprüft worden und 150000 Schriftstücke verglichen worden. Wir haben ja wirklich auch dahingehende, ordentliche Menge an Ermittlungsarbeit, die geleistet wurde. Man hat auch handschriftliche Briefe von Messies X vorliegen gehabt. Die Untersuchung konnte Merkmale herausgearbeitet hat, und dazu kam dann auch noch die forensische Linguistik. Das sprach vor Failing noch einen weiteren Baustein in diesen Ermittlungen geliefert hat, er damals noch total in den Kinderschuhen steckte.

[00:17:50]

Damals ging es erst so langsam los. Auf jeden Fall konnte man Texte, die man eindeutig Hermann K. zuordnen konnte, dann mit diesen anonymen Schreiben vom Mosaik 4 x vergleichen. Und das spannendste Merkmal überhaupt war In beiden Text Gruppen wurde das Wort Computer eingedeutscht und mit k geschrieben. Das ist schon eine Auffälligkeit von einer Signifikanz, die heute einen extremst hohen Stellenwert hätte und damals sicher auch einen hohen Stellenwert gehabt hat, beispielsweise auch in beiden Text Gruppen. Die Konjunktion, so dass wurde immer zusammen geschrieben, in einem Wort, was nach den damaligen Rechtschreibregeln falsch war.

[00:18:31]

Hat Vorlieben gehabt für ganz bestimmte Abkürzungen, zum Beispiel die Abkürzungen des Wortes und mit nur um. Bei der Abkürzung von bzw. hat er mit zwei Varianten gespielt, und zwar hat das gemacht. Hermann K., aber auch 4 x, und es ist überliefert auch in öffentlichen Quellen, dass es bis zu 14 solche Merkmale gab. Wenn wir ein Gutachten machen Wir haben immer mindestens 20, 25 Merkmale. Und da macht es der Mix aus welchen, die eine sehr hohe Aussagekraft haben und wirklich bezeichnend sind, und anderen, die das Flankieren ergänzen und das Bild verdichten.

[00:19:07]

Und so gab's am Ende einen Teppich aus Mosaiksteinen, der eben zu dieser Haft geführt hat, zu der 1979 dann verurteilt wurde.

[00:19:17]

Das ist ja auch ganz interessant, weil normalerweise werde er gerufen, um einen Täter zu finden. Und da war quasi das Profiling dazu da, um einen Verdacht und einen Täter noch weiter festzunageln.

[00:19:30]

Es gibt in unserer täglichen Praxis beide Fälle, manchmal es. Identifiziere den Täter, dann ist das unser Auftrag. Manchmal ist aber auch klar, wer der Täter ist. Es geht dann darum, einen Beweis herauszuarbeiten, der als Anfangsverdacht für die Staatsanwaltschaft funktioniert, um beispielsweise Durchsuchungen Maßnahmen auszulösen.

[00:19:50]

Es gibt natürlich immer wieder Indizien, Prozesse, bei denen es einfach keine eindeutigen Beweise gibt. Aber wenn natürlich die Indizien, die gesammelt werden, in so einem Umfang vorliegen und aus verschiedenen Bausteinen aus verschiedenen Blickwinkeln bis zu einem Bild zusammengesetzt werden kann, ist es am Ende trotzdem ein überzeugendes Urteil. Grundsätzlich gibt es sprach Gutachten, und zwar bis hin zu Oberlandesgerichtes, die die komplette Beweiskraft des Verfahrens tragen. In der Regel wird es aber anders sein. In der Regel flankiert ein Sprach Gutachten, stützt und sichert andere Indizien ab.

[00:20:21]

Und der Richter entscheidet immer frei anhand des gesamten Bildes alle vorgelegten Beweise und glaubte, man hätte ihn auch nur mit dem Sprachprüfung gefunden, also mit der forensischen Linguistik.

[00:20:32]

Alleine wäre dieser Fall mit einer hohen Wahrscheinlichkeit nicht gelöst worden. Denn wir hätten zwar diese elf Erpresser schreiben gehabt, aber keinen Vergleichstest dazu. Das heißt, hier war es wirklich der Zufall über die Sendung Aktenzeichen XY Epsilon den Verfassungsschutz, Beamten des Baden-Württembergischen Inlandsgeheimdienstes, der die Verbindung hergestellt hat und erst über die Verbindung der Kette Ziegler Fahrzeug, Kennzeichen erhalter, die dann zum Moshi X und Hermann K. geführt hat, war der Fall zu lösen. Und die forensische Linguistik hat in diesem Fall das Bild abgerundet und einen Beitrag dazu geleistet, am Ende dieses Urteil auszusprechen.

[00:21:12]

Eigentlich wäre der Fall ja jetzt auch zu Ende. Der Mann ist gefasst. Ist überführt. Und so weiter. Auch die sprachlichen Details, um die er in unserem True Crime Podcast immer geht, haben wir besprochen. Aber weil es so spannend ist, machen wir doch noch weiter, weil der Fall ist gar nicht zu Ende.

[00:21:26]

Dieser Fall ging natürlich noch kurios weiter. Hermann K. ist danach aus dem Gefängnis ausgebrochen. Das muss man auch erstmal schaffen. Dann lief wieder eine Fahndung. Er ist dann auch untergetaucht, ist als Hilfsarbeiter unerkannt geblieben, konnte da auch noch eine Zeit verbringen und ist dann aber freiwillig wieder zurück in den Knast. Auch das ist kurios an diesem Fall. Man muss sich vorstellen, er stand eines Tages vor der JVA in Freiburg, und er bat darum, den Bitte wieder inhaftiert zu werden.

[00:21:54]

Vielleicht hat sie ihn draußen dann doch nicht so gut gefallen, so viel Druck. Es passt auch zu der Bewertung, die die Ermittler aus dem damaligen Fall ziehen. Herrmann Karsch ist sehr willige Persönlichkeit gewesen zu sein, immer wieder einen Schritt zurückgehen auf diesen komischen Satz, der ihn in diesem Erpressern gefallen ist. Geld verdirbt den Charakter. Auch das passt natürlich schön ins Bild. Im Nachhinein betrachtet, weil auch schon darauf hingedeutet hat. Irgendwie hat es ja nicht so ganz mit der Realität Vorstellung.

[00:22:20]

Einmal ist rausgekommen. Die lebenslange Haft war relativ. Ende der 90er Jahre wurde er dann endgültig entlassen, und vor fünf Jahren, also 2015, ist er dann verstorben.

[00:22:32]

Und so geht einer der spektakulärsten Fälle in der bundesdeutschen Geschichte zu Ende, werden in dem Podcast Fällen, die wir mit euch hier besprochen haben, schon alle Typen vom Iona bombardiert? Bombardier ich schon angesprochen, dem Bombenleger in den USA, der unfassbar schlau war. Was war der ECU 165?

[00:22:47]

169 sowas. Dann bis zum Erpressungsversuch im Fall Amelie, der völlig nach hinten losging. Jetzt wieder einer, der ja sehr clever gehandelt hat. Kann man eigentlich eine Statistik aufweisen? Gibts mehr schlaue oder depperte Erpresser?

[00:23:02]

Also ich glaube, der anonyme Briefeschreiber ist ein Querschnitt durch die Gesellschaft. Und wenn ich es mal so ausdrücke vom Azubi bis zum Aufsichtsrat ist grundsätzlich alles möglich. Auch vom Teenager. Der mobbt online in den sozialen Medien bis hin zum Professor, der seine Kollegen an Schiess dann noch in einem hohen Alter. Alles ist möglich, und alles haben wir schon erlebt. Ist also keine Frage der Intelligenz. Für uns ist sehr viel spannender das Motiv dahinter. Warum schreibt jemand einen anonymen Brief?

[00:23:31]

Warum zeigt jemand sein Gesicht nicht? Und wir unterscheiden hier Wenn ein Hinweisgeber zu Recht Missstände anzeigt, die nicht hinnehmbar sind, dann ist das kein Fall für uns. Aber wenn ein anonymer Feigling verletzten Schaden drohen will oder sich mit irgendwelchen Geschichten durchsetzen, egal ob es jetzt Forderungen sind oder Geldbeträge, dann ist das ein Fall für uns. Dann heißt es tado Text, Einsatz für die Sprachprüfung.

[00:23:57]

Und was ist da das Motiv oft dahinter? Gibt's da eine Statistik?

[00:24:01]

Ja, man kann es am Ende wahrscheinlich immer auf Ego und zu geringes Selbstwertgefühl herunterbrechen, das dann durch eine Dominanz und machtgefühl ausgeglichen wird, das durch das Briefeschreiben entsteht.

[00:24:14]

Und bei den einen äußert sich dieses weniger ausgeprägte Selbstwertgefühl dadurch, dass sie sich entschuldigen, dass sie keine andere Möglichkeit finden, weil sie die direkte Konfrontation meiden wollen. Bei den anderen äußert sich dieses Selbstwertgefühl im Narzissmus, der sie eben dazu treibt, aus purem Egoismus Narzissmus heraus fake Profile anzulegen und zu schießen, in alle Richtungen. Patrick rödler aus München und Geheimagent Leo Martin Vielen Dank, auf jeden Fall für den spannenden Fall. Wenn es euch auch gefallen hat, dann gibt uns gerne fünf Sterne Bewertung, damit auch die anderen True Crime Fans auf unseren Podcast aufmerksam werden.

[00:24:46]

Das hilft uns und allen anderen sehr dafür. Schon mal vielen Dank und ich freue mich schon auf einen neuen Fall in der nächsten Folge. Geht um Hass und Hetze im Internet.

[00:24:55]

Ein Thema, das auch jetzt wirklich gerade wahnsinnig aktuell ist und das auch immer mehr für Politiker ein Thema wird. Selbst in kleinen Orten, in der Lokalpolitik und zu einem echten Fall rund um das Thema Hass und Hetze werden uns nächste Woche anschauen.

[00:25:08]

Leo, Patrick, vielen Dank euch beiden! Und schön, dass ihr zugehört hat. Danke, servus!

[00:25:16]

Die Sprache des Verbrechens. Mehr. Packende Podcasts auf Bayern 3D.