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[00:00:16]

Die Zuhörerinnen und Zuhörer herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcast Zeit Verbrechen und Sabine will was sagen hat daher unser Zeit. Verbrächten Kosmos immer weiter wächst, muss ich immer mehr Ansagen machen. Ich wollte nur darauf hinweisen, wenn ihr mehr erfahren wollt. üBer diesen Podcast und über alles, was dahinter steckt, könnt ihr uns gerne auf Instagram folgen. Ihr könnt auch gerne unseren Newsletter abonnieren. Unter www. Punkt, Zeitpunkt d Slash zv minus Newsletter.

[00:00:49]

Genner oder ihr könnt auch den Podcast unter Fahrers Töchtern anhören.

[00:00:54]

Da erzähle ich das erlaubte Werbung.

[00:00:57]

Ja, ich mache hier Werbung für den Podcast unter Paras, weil ich ganz oft gefragt werde Warum kommt ihr nicht öfter? Warum kommt ihr nur alle 14 Tage und so weiter? Darum sage ich Wer noch mehr hören will, der kann mir und meiner Schwester zuhören, wie wir die Bibel auseinander nehmen. Gut, jetzt geht's los.

[00:01:14]

Auf Instagram wird man auch ein Foto von unserem Gast. Das hat Lisa gerade gemacht, und die postet das immer. Unser Gast ist Sebastian Kempkens.

[00:01:23]

Hallo, freut mich, hier zu sein. Warum? Du bist ja nicht zum ersten Mal hier.

[00:01:26]

Nein, aber er ist jetzt Redakteur im Dossier. Genau. Seit zwei Monaten genau.

[00:01:32]

Es gibt Karrieren in der Zeit vorher, war Waren Autor, und jetzt ist er Redakteur im Dossier.

[00:01:39]

Sebastian Du hast uns einen Fall mitgebracht. Wenn ich den kurz zusammenfassen wollte, dann würde ich sagen Große Hoffnung trifft auf große Hybris. Da treffen zwei Menschen aufeinander, sie sich gegenseitig zum Schicksal werden. Dabei will dem anderen eigentlich helfen.

[00:01:54]

Es geht um Hans-Peter K.. Hans-Peter K. ist zu Beginn der Geschichte 70 Jahre alt. Es ist bei ihm an Krebs diagnostiziert worden, ein Prostatakarzinom schon einige Jahre zuvor. Wie beginnt diese verhängnisvolle Beziehung, über die wir heute sprechen wollen? Genau.

[00:02:15]

Also eigentlich ist das schon ziemlich gut beschrieben. Das ist sozusagen der zwei Lebenswege von zwei Männern kreuzen sich auf ziemlich tragische Art und Weise bei dieser Geschichte. Und diese Geschichte erzählt man vielleicht am besten so, wie sie auch zu uns gekommen ist, nämlich über quasi den Todesfall von Hans-Peter K..

[00:02:33]

Die Angehörigen von Hans-Peter K. haben sich an uns gewendet über Sabine und haben gesagt, dass ihr Vater und Ehemann auf tragische Art und Weise bei einer Krebsbehandlung zu Tode gekommen ist, und haben uns gefragt, ob wir darüber berichten wollen.

[00:02:48]

Und dann begann quasi die Recherche. Und wir haben versucht herauszufinden, was da eigentlich passiert ist und wie sozusagen diese Krebsbehandlung auf so tragische Art und Weise schiefgehen konnte. Ich kann ja mal vielleicht direkt einsteigen, weil ich habe natürlich die Ermittlungsakte mitgebracht und einen ganzen Ordner voller voller Bilder und Belege. Ich kann euch mal ein Bild zeigen, das eigentlich sozusagen der Ausgang der ganzen Recherche ist. Da sieht man in einer Ferienwohnung in Güstrow. In Norddeutschland sieht man ein spärlich eingerichtetes Wohnzimmer, ein Bett, Sessel, Korbsessel, genau eine Leist toter Couch.

[00:03:25]

Genau in der Mitte liegt ein toter Mann, der auf verschiedenste Art und Weise verkabelt ist.

[00:03:31]

Es wäre ein Pell, Maschinen angeschlossen gewesen oder so. Genau hier ist noch einmal eine nähere Aufnahme. Da sieht man, dass noch mal ein bisschen genauer. Hat verschiedenste Bandagen im Gesicht, und an den Armen scheint an einem Tropf gehangen zu haben. Er hat die Beine auf eine Couch gelegt und legt sozusagen. Der Körper liegt auf dem Boden, und die Beine liegen hochgelegt auf der Couch, und der Mann ist tot und blutverschmiert. Das war sozusagen die Ausgangslage.

[00:03:56]

So hat die Polizei Heinz Peter K. aufgefunden. Genau das sind Polizeifotos. Genau das sind die Fotos, die die Polizei Kommissare gemacht haben, als sie in diese Wohnung gekommen sind. Es ist die Polizei Rostock gewesen, oder? Genau. Die Staatsanwaltschaft Rostock auch. Genau. Und von diesen Fotos ausgehend haben wir recherchiert und versucht herauszufinden, was da passiert ist. Wir haben uns natürlich zuerst dann mit der Familie zusammengesetzt von diesem Heinz-Peter K. und haben uns erzählen lassen Wer ist wir?

[00:04:24]

Ich und mein Kollege Oliver Hollenstein haben die Recherche zusammen gemacht, beziehungsweise ich habe begonnen. Dann war ich eine Zeitlang im Ausland, und Olli hat schon mal weitergemacht. Dann bin ich wiedergekommen und bin wieder eingestiegen. Genau. Am Ende haben wir sie zusammen über die Ziellinie getragen. Wie lange habt ihr an diesem Fall gearbeitet? Ziemlich lange.

[00:04:43]

Endlos lang. Ich glaube, insgesamt vielleicht ein gutes Jahr. Tatsächlich.

[00:04:48]

Es ist dann unter dem Titel Wahnsinnige Hoffnung im Dossier erschienen, aber hat bestimmt ein Jahr dazu gebraucht.

[00:04:54]

Ich erinnere mich noch, dass ich immer regelmäßig E-Mails von dir bekommen habe, die gefragt haben Mach dir eigentlich noch weiter. Dann kommt die Geschichte und gibt dir aufgegeben.

[00:05:03]

Es war extrem schwer, die Leute zum Reden zu bringen. Wir mussten ja auch mehr oder weniger um die ganze Welt fahren, um die aufzusuchen.

[00:05:11]

Aber dazu kommen wir, denn da ist der zweite Mann ja bekannt.

[00:05:15]

Den muss man nicht suchen. Das ist Dr. Dr. Rainer Schäfer. Und der ruft selbst die Notärztin, die den Tod von Heinz Peter K. feststeckt, genau der behandelt.

[00:05:27]

Wenn man so will, diesen Peter K., eigentlich nach bestem Wissen und Gewissen aus seiner Sicht und es geht dann aber eben total schief, kann er vielleicht die Todesursache einfach schon mal nennen.

[00:05:37]

Nämlich verabreicht er diesem Hans-Peter K., der, wie du gesagt hast, ja an einem Prostatakarzinom litt, dessen PSA-Wert der Werte die Schwere des Krebses anzeigt. Dieser PSA-Wert war immer mehr angestiegen, und Heinz Peter K. war darüber immer besorgter geworden und hatte sich dann in die Hände von Dr. Dr. Rainer Schäfer begeben. Das sollte der letzte Schritt sein nach vielen Monaten der Behandlung. Wie genau dieser Dr. Dr. Rainer Schäfer seine Patienten umsorgt hat, kann ich ja gleich noch beschreiben.

[00:06:08]

In Güstrow trafen sich diese beiden Männer, saßen zum Tee erstmal beieinander und in diesem Korb Stühlen dieser Sabine gerade beschrieben hat, und plaudert ein bisschen. Und dann fing Dr. Dr. Rainer Schäfer an, Hans-Peter K. eine Infusion zu legen und ihn sozusagen an den Tropf zu hängen. Er hat über viele Monate viele verschiedene Stoffe verabreicht und dann bei dieser finalen Behandlung Abraxas, ohne dass es ein Chemo therapeutikum. Zusammen mit Cortison und auf dieses Abraxas scheint Heinz Peter K. eine allergische Reaktion gezeigt zu haben.

[00:06:43]

Es floss in seine Adern, und dann sackte der Blutdruck plötzlich ab. Dr. Dr. Rainer Schäfer versuchte ihn zu reanimieren, hatte noch einmal mehr Cortison gespritzt, um seinen Adrenalinspiegel hoch zu bringen, hat ihm Elektroschocks gegeben und musste aber am Ende einsehen, dass er es nicht mehr schafft. Hat den Notarzt gerufen, der dann nur noch den Tod von Hans-Peter K. feststellen konnte.

[00:07:06]

Das erklärt doch ein bisschen die aufwinde Situation, die wir gerade geschildert haben, dass die Beine auf dem Sofa hochlagen. Das war so eine Artischocke Maßnahme. Genau da hat der Arzt um das Leben seines Patienten gekämpft.

[00:07:17]

Absolut. Er war auch Notfallmediziner. Deswegen war er eigentlich ganz gut auf diesen Notfall sozusagen vorbereitet, konnte ihn aber trotzdem nicht mehr auf die gute Bahn bringen.

[00:07:27]

Er hat Ihnen ja auch vorher schon schreibst du in deinem Text die verrücktesten Medikamente verabreicht. Zur Krebsbekämpfung zum Beispiel. Die soll Ihr RAM, ein Stoff für Alkoholiker? Dass Sie die Finger vom Alkohol lassen können. Oder C Lip Rex, ein antirheumatika Humm oder Risi dreimonate, ein Mittel gegen Osteoporose?

[00:07:49]

Sollte alles jetzt gegen den Krebs helfen? Und nicht nur das.

[00:07:52]

Er hat sozusagen. Er nennt das Kombinationstherapie. Er hat mir ja vielleicht gleich noch dazu, wie er das alles entworfen hat. Aber er hat quasi seine eigene krebst, Lehre auf die Beine gestellt und Patienten behandelt mit einer wilden Mischung aus Medikamenten im sogenannten off label use, also Medikamente, die eigentlich für etwas anderes bestimmt sind, die er aber zur Krebsbehandlung eingesetzt hat. Und Naturheilmittel im großen Stil. Also jeden Tag Dutzende Kurkuma kapseln. Mein Luca Hoheneck in rauen Mengen, grüner Tee in rauen Mengen oder auch grüner Tee kapseln.

[00:08:28]

Und von dieser Kombination versprach er sich am Ende eigentlich auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Aus seiner Sicht, jeden Krebs heilen zu können.

[00:08:37]

Jetzt würde ich gern von Andreas erfahren, was ein Off label Behandlung ist.

[00:08:42]

Die bekannteste, über die wir gerade diskutieren, ist die, die Donald Trump empfohlen hat. Hydroxygruppe Quinn ist ein Mittel gegen Malaria. Das ist auch zur Behandlung von Malaria zugelassen, hat allerdings ganz ordentliche Nebenwirkungen. Das ist der Nachteil dieses Mittels und wird jetzt erprobt gegen Covic 19 gegen Coruna. Und diese Erprobung ist ein Off label Joosten. Das Mittel ist nicht zur Behandlung von Coruna zugelassen.

[00:09:05]

Man nimmt ein Medikament, das für was anderes ist, und behandelt damit eine Krankheit, die nicht auf dem Beipackzettel steht. Dadurch gibt es ja immer wieder interessante und überraschende Entdeckungen. Es gibt ja ganz viele Medikamente, die zufällig entdeckt worden sind, zum Beispiel berühmtestes Viagra.

[00:09:22]

Ach echt, Viagra ist ja auch ein Herz Medikament, das auf einmal eine angenehme Nebenwirkung hatte und dann zum Potenzmittel wurde.

[00:09:31]

Und eine der schönsten Entdeckungen. übrigens ist die eines Antidepressivum, das eigentlich als Medikament entwickelt wurde, und man hat es erprobt in einem Sanatorium in einem Sanatorium, und man hat sich dann gewundert, dass die relativ jungen Patientinnen, die dort zum Teil gab, plötzlich so fröhlich waren.

[00:09:48]

Interessant ist Es passiert immer wieder, und die Wissenschaft ist voll von diesen Dingen. Nur dass einer sich in Keller setzt und allerhand zusammen rührt, was er, so Apotheker, Schränkchen findet.

[00:09:57]

Das ist natürlich der Hammer, nicht nur, was einem Apotheker Schränkchen findet. Ich habe bei dir nachgelesen die Liste geht noch viel weiter, da Gold noch Kurkuma rein oder man Luca, Honig oder Sesamöl. Er bedient sich nicht nur im Apotheken Schrank, sondern auch im Küchenschrank.

[00:10:12]

Viele dieser Medikamente waren abgelaufen. Genau das kommt noch dazu. Das könnte auch ein Grund dafür sein, dass eine Reanimation nicht so gut funktioniert. Weil diese Wohnung, das sieht man auf den Bildern, die ich gerade gezeigt habe, auch ist sozusagen übersät von Plastiktüten mit Medikamenten, mit abgelaufenen Medikamenten, die in den leeren Schränken stehen, die in den Ecken stehen auf dem Boden. Und als quasi diese Behandlung auf so tragische Weise schiefgegangen ist, hat er dann zum Cortison gegriffen.

[00:10:37]

Aber eben zu einer abgelaufenem Cortison Flasche, die dem Heinz Pitta Kadern in die Adern gejagt hat. Was ich noch ganz kurz zu diesem off label Jews sagen wollte, das ganz wichtig, sozusagen zu verstehen, das off label Jews in manchen Fällen total angebracht sein kann in verzweifelten Fällen, in denen es keine andere Lösung gibt. Das Besondere an der Geschichte, über die wir reden, ist aber, dass dieser Dr. Dr. Rainer Schäfer den Bluffs eigentlich völlig ohne Not sozusagen zur Anwendung gebracht hat, weil die Krebsarten, die er behandelt hat.

[00:11:09]

Für die gibt es völlig ausreichende, schulmedizinische, erprobte Behandlungsmöglichkeiten. Und trotzdem hat er sozusagen diesen Größenwahn entwickelt, mit seinen Kombinationstherapie an den Krebs besser und schneller besiegen zu können als jeder Schulmediziner.

[00:11:27]

Diesen und alle unsere Podcasts können Sie auch bequem mit unserem Smartphone abhören. Suchen Sie im App-Store nach Zeit Audio. Viel Spaß beim Hören.

[00:11:39]

Das besonders Tragische an dieser Begegnung ist, dass eigentlich das Prostatakarzinom von Hans-Peter K. ganz gut im Griff war. Dass es frühzeitig entdeckt worden.

[00:11:51]

Der hatte einen sehr guten Urologen, der hat ihn behandelt. Aber Hans-Peter K. hat eine ganz besondere Beziehung zu seinem Krebs. Genau das ist ein guter Punkt da. Hans-Peter K. war schon 70, als er gestorben ist, glaub ich mit 64 mit seinem Prostatakarzinom diagnostiziert worden. Das habe ich gelernt. Ein relativ junges Alter für einen Prostatakrebs Patienten, und deswegen hat er eigentlich auch eine ganz gute Ausgangslage erwartet. Teil Führte er es irgendwie um den See vor seinem Haus gejoggt.

[00:12:21]

Noch im Alter von 70 Jahren. Am Ende war Golfspielen bei Skifahren. Als ich bei der Familie zu Hause war, war sozusagen hinter dem Esstisch. An dem Besaßen stand eine Kommode, auf der verschiedene Bilder waren wie so ein kleiner Altar, sozusagen in Andenken an den Verstorbenen. Auf den Bildern sah man Hans-Peter K. in verschiedensten sport.. Posen Es sei wirklich ausfielen, total fitter, durchtrainierter Mann, der auch total viel darauf gab, so fit zu sein, der seinen Krebs eher so in sich rein gefressen hat, nicht so viel darüber geredet hat mit seinem Sohn und dass er mit sich selber ausgemacht hat und gleichzeitig versucht hat, einfach möglichst fit zu sein und weiterhin möglichst normales Leben zu führen.

[00:13:05]

Aber der Krebs hat trotzdem sein ganzes Leben bestimmt. Er hat ja immerzu darüber nachgedacht, und er hat den ärzten ja auch nicht mehr geglaubt. Er hat ihn viel schlimmer gehalten, als er war. Und er hat gedacht, er müsste rigide Mittel nehmen als Sie vorgesehen.

[00:13:18]

Total. Ich war bei dem Urologen auch von Hans-Peter K., der wirklich verzweifelt war, weil er gesagt hat, er empfindet es als persönliche Niederlage, diesen Mann verloren zu haben, weil er eigentlich immer versucht hat, Heinz-Peter K. zu beruhigen und zu sagen Wir haben doch alles im Griff. Die hatten ganz viele Termine miteinander und das aber einfach nicht geschafft hat. Der Urologe sagte, dass es für Hans-Peter K. sich offenbar so angefühlt hat, dass sein Körper vor einer feindlichen übernahme steht, also quasi von diesen feindlichen Zellen übernommen wird.

[00:13:46]

Und das muss sich so gruselig angefühlt haben. Das hat der Urologe auch so ausgedrückt. Hans-Peter K. Jagd auf die letzte Tumorzelle gemacht hat, der wollte sozusagen den Krebs bis aufs letzte aus seinem Körper ausmerzen. Obwohl der Urologe eigentlich gesagt hat Machen Sie mal einen Schritt langsamer. Wir haben alles im Griff. Sie müssen jetzt auch mal abwarten. Hat Heinz-Peter K. immer noch auf die letzte Behandlungsmöglichkeit gedrungen, weil er diesen Krebs einfach loswerden wollte?

[00:14:12]

Er Von Anfang an eine erste Therapie ist?

[00:14:16]

Eine gewaltige Ja, mit allen Mitteln wird auf diesen Krebs geschossen, es wird operiert, die Luftwege werden bestrahlt, es gibt eine Hormontherapie. Die Lymphknoten werden entfernt.

[00:14:26]

Das ist wirklich massiv ein massiver therapeutischer Erstschlag wie ein Krieg tatsächlich. Ich merke an mir selber, wie ich das lese ich selber so in Kriegs Metaphern verfalle total total.

[00:14:38]

Und dann könnte man in dieser Metapher zu bleiben sagen, dass die Schlacht sich immer weiter hinzog und Heinz-Peter K. keinen endgültigen Sieg erringen konnte. Und dann 2017, der PSA-Wert wiederanstieg, und das war für Hans-Peter Khan ein absolutes Alarmsignal, weil er das Gefühl hatte, ich habe schon das komplette Waffenarsenal aufgefahren gegen diese Krebszellen. Und trotzdem scheint der Feind dieser Krebs weiter stärker zu werden. Und dann hat er eine verhängnisvolle Entscheidung getroffen.

[00:15:07]

Wie kam er denn auf den Herrn Schäfer? Er kam auf den Herrn Schäfer über eine Freundin. So läuft es oft in der alternativen Krebsmedizin des ärzte, sozusagen über Freunde und Freundes, Freunde weiterempfohlen. Dann auf Partys oder bei gemeinsamen Abendessen von den unglaublichen Leistungen dieser alternativen Mediziner berichtet wird. Und so kam er auch über eine Freundin, die gute Erfahrungen mit Dr. Dr. Rainer Schäfer gemacht hatte. Die hatte ihm empfohlen Geh doch einmal. Zudem ist ein Arzt, der in Australien sitzt, und der verbringt wahre Wunder.

[00:15:37]

Dr. Dr. Rainer Schäfer Der Mann ist zweimal promoviert. Aber es beginnt erstmal mit einer ganz normalen Mediziner. Karriere in Deutschland, oder?

[00:15:46]

Ja, die Geschichte ist eigentlich ziemlich interessant, finde ich, weil er eben nicht von vornherein so ein alternativer Guru ist, der quasi auf Homöopathie schwört, sondern eigentlich beginnt als Anästhesist mit einer Praxis in Köln Zollstock. Ein vollkommen gewöhnliches Familienleben führt in einem stattlichen Haus wohnen, mit zwei Kindern und Frau großem Klavier im Wohnzimmer sozusagen durch und durch bürgerlich. Und dann, soweit wir das rekonstruieren konnten, muss es einen Bruch gegeben haben, als seine Frau sich von ihm getrennt hat.

[00:16:21]

Und dieser Bruch konzedierte mit damit, dass Dr. Dr. Rainer Schäfer die Bekanntschaft machte mit Friedrich. Die beiden hatten sich kennengelernt bei einer OP, der Bank Mann unterzog. Brinkmann ist ein Installateur aus dem Rheinland, ganz in der Nähe, von wo ich herkomme. Ich komme aus Bonn, und er wohnt in Mondorf. Als ich den besucht habe, habe ich mich total zu Hause gefühlt. Wahnsinnig fröhlicher, jovialer, dicke Bäuche. Mann, der irgendwie am liebsten schon bei der ersten Begrüßung umarmen würde.

[00:16:50]

Die Bild eines Rheinländer? Absolut. Ich war begeistert.

[00:16:54]

Ich liebe solche Rheinländer. Und er hat mich auch total freundlich in seinem Wohnzimmer empfangen, hatte so einen flauschigen Berner Sennenhund unter seinem Tisch liegen. Seine Frau hat Kekse gereicht. Das war wirklich wirklich ein total freundliches Paar.

[00:17:10]

Man lernt Schäfer kennen bei einer OP. Wie Rheinländer sind, quatschen sie jeden voll, der sozusagen vor die Flinte kommt. Und man sollte Rheinländer, wir mögen euch wirklich.

[00:17:21]

Also bei mir auf jeden Fall.

[00:17:23]

Schäfer Schäfer hat Brinkmann als Patient gehabt und hat in Anästhesie. Er hat Ihnen also in den Tiefschlaf versenkt vor der OP?

[00:17:30]

Exakt vor der OP hatte man noch Zeit, man noch reden konnte ein Lavazza?

[00:17:36]

Schäfer So muss man sich das vorstellen.

[00:17:38]

Schöne Szene. Aus dieser kurzen Bekanntschaft entstand dann eine tiefe und lange Freundschaft.

[00:17:45]

Die beiden wurden, glaub ich, erst mal mit Reparaturarbeiten, die man dann bei Schäfer macht, auch wahrscheinlich typisch Rheinland. Direkt mal genauer ins Geschäftliche einsteigen.

[00:17:53]

Klempner, ich hab im Rohr ungefähr eine Bank, man machte alle möglichen Reparaturen. Schäfer hatte eine Praxis, die irgendwie renoviert werden musste. Das hat Brachmann dann übernommen. Und so entwickelte sich eine Freundschaft, die dann auch gemeinsame Pläne schmiedete, nämlich die beiden wollten nach Australien. Das war eine Idee von Brachmann, der schon länger diesen Plan hatte, mit seiner Frau auszuwandern.

[00:18:18]

Also nicht nur zum Urlaub, sondern man wollte auswandern.

[00:18:21]

Ja, genau. Die beiden wollten wirklich raus aus Deutschland, erzählten Schäfer davon, der die Idee erst bescheuert fand und dann aber vor allem auch nach der Trennung von seiner Frau doch plötzlich ganz interessant. Und dann verfolgten die zu dritt diesen Plan. Und da wird sozusagen die Geschichte immer verrückter, weil Schäfer sich in seiner Emigration US-Agenten verliebt, also um nach Australien auszuwandern, muss man offenbar in engen Kontakt mit einer Agentin stehen, und die schrieben sich E-Mails, und es wurde immer intimer, bis es soweit war, dass beide vollkommen Feuer und Flamme füreinander waren und dann eben Bracken waren.

[00:18:59]

Der Rheinländer, mit seiner Frau und Schäfer zum ersten Erkundungstouren nach Australien kam, wartete. Diese hieß sie schon am Flughafen, und da begann sozusagen die Beziehung dieser beiden von Schäfer und dieser Australierin.

[00:19:15]

Sie sind nach Paris oder genauer an die australische Westküste. Brügelmann gingen dann wieder zurück. Bei ihm zerschlugen sich die Pläne.

[00:19:23]

Mochte das Rheinland doch lieber ne nee, glaube ich gerne geblieben. Aber es sind andere Dinge in die Quere gekommen. Eine Krankheit? Genau. Es ging dann nicht mehr. Aber Schäfer blieb eigentlich sofort da und baute sich in Australien ein neues Leben auf, schrieb seinem Bruder eine Postkarte. Ich lebe jetzt in Australien. Schöne Grüße, dein Rainer.

[00:19:45]

Er lebte jetzt mit der Emigration US-Agenten Arian zusammen. So ist es. Die lebten zusammen in einer Straße unter Palmen, in einem freistehenden Haus. Ich habe mir das auf Google Earth angeschaut und bin sozusagen digital durch die Straße gewandert. Das sah total paradiesisch aus. Ich kann gut verstehen, dass der da gerne bleiben wollte. Und sein Plan war es, da als Arzt zu arbeiten. Das stellte sich dann aber relativ schnell als kompliziert heraus, weil es aus rechtlichen Gründen kein normaler Ausschlüsse und so schwierig das ist, alles irgendwie irgendwie viel komplizierter, als er es sich vorgestellt hatte.

[00:20:19]

Für seinen Kumpel Brachmann viel einfacher gewesen, einen Job zu finden, weil du als Handwerker sofort mit offenen Armen empfangen wirst. Mediziner scheint Australien aber genug zu haben. Das war schwierig. Und dann entschied er sich, statt diesen Arztberuf zu ergreifen, für ein zweites Studium. Weil er eh schon immer ein total besessener Lerner war, der ganz viel gelesen hat. Super Schüler, super Student. Und so entschied er sich, einfach nochmal zu studieren, und da ist er 45 oder so was.

[00:20:47]

Nun ja, da ist er 45 und entscheidet sich für ein Studium Biochemie exakt.

[00:20:53]

Und nimmt sich ein Thema vor, nämlich die Behandlung von soliden Krebs Tumoren. Zu diesem Thema forscht er. Warum, kann ich ehrlich gesagt nicht genau erklären. Aber das Thema scheint ihn irgendwie umgetrieben zu haben. Ich meine mich zu erinnern, dass man mir erzählt hatte, dass er einfach schon immer fasziniert war von Oncology und dieser unglaublichen Aufgabe, diese schreckliche Krankheit beherrschen zu können.

[00:21:18]

Der Ista an der University of Technology also eigentlich eine technische Universität. Und die hat zu diesem Zeitpunkt aber gar keine medizinische Fakultät, sondern er schreibt sich einen Namen Institut für Pharmazie und hat jetzt produktionspläne. Wie stößt er denn auf den richtigen Doktorvater?

[00:21:37]

Das ist ja gar nicht so einfach. Wenn man so ein Thema hat, dann muss man auch jemanden haben als Gesprächspartner, als Sparringpartner, als Betreuer seiner wissenschaftlichen Arbeit, der sich im Idealfall noch besser auskennt mit Oncology und der Lehrer, Mentor, Betreuer dieser Arbeit sein kann.

[00:21:52]

Ja, da muss man leider sagen Das war ziemlich Fehlanzeige. In Westaustralien, da gabs keinen, der hatte einen Doktorvater. Wenn ich das richtig erinnere, Pharmazeut war, von Oncology keinen blassen Schimmer hatte. Und der hat ihm deswegen auch geraten Such dir noch einen Betreuer, der sich mit deinem Thema auskennt. Und so ist Schäfer dann eben gestoßen auf William Bans ein. Wenn man so will berüchtigten Krebsmedizin an der australischen Westküste, der von sich reden gemacht hatte, indem er Krebspatienten auf ziemlich eigentümliche Art und Weise behandelt hatte, dem aber auch so ein Ruf voraus, alte Krebspatienten heilen zu können, wo andere sozusagen schon auf magische Kräfte zu haben, exakt und mental.

[00:22:37]

Bei Perth verabreichte er seinen Patienten Dinge wie das Extrakt einer fleischfressende Pflanze oder eben auch diese Dinge, die dann Schäfer später aufgriff Kurkuma in rauen Mengen, grüner Tee, alle möglichen Selin.

[00:22:53]

Sie lehnen genau einen Spurenelement.

[00:22:55]

Wir haben quasi seitenweise Stoffe gesammelt. Ollie und ich meinen, die wir natürlich auch alle nicht kannten, über die wir uns dann erst einmal informieren mussten. Und es war wirklich einfach eine wilde Mischung. Und er scheint Erfolge damit gehabt zu haben, aber eben auch verheerende Misserfolge. Eigentlich hätte William Bans auch ein warnendes Beispiel für Rainer Schäfer sein können, weil der zwischendurch auch mal seine Approbation entzogen bekommen hatte, weil eine Behandlung auch tragisch schiefgegangen war und die Patientin gestorben war und er auch immer wieder in der Kritik stand, aus der ärztekammer ausgeschlossen wurde zwischenzeitlich.

[00:23:29]

Und als ich dann mit ihm gesprochen habe, auch schon gar nicht mehr als Arzt praktizierte.

[00:23:34]

Es war auch weniger tragisch als vielmehr kriminell. Es war kriminell oder mindestens fahrlässig veranstaltet haben. Außer man sagt Tragik setzt Verschulden voraus. Dann trifft es zu.

[00:23:47]

Es gibt in Deutschland eine besondere Regelung. Die gibts auch anderswo, nämlich die Therapiefreiheit. Das heißt, ärzte und Patienten können sich darüber verständigen, wie sie gegen eine Krankheit vorgehen und sich darüber beraten.

[00:23:59]

Und der Arzt, wenn er Erfolg hat, hat kein Problem. Aber wenn er keinen Erfolg hat und wenn er sozusagen fahrlässig handelt, dann bekommt er eins. Das ist das Prinzip, mit dem wir arbeiten. Absolut.

[00:24:11]

Das Interessante fand ich, dass dieser William Bans seine Therapiefreiheit sehr großzügig ausgelegt hat, würde ich mal sagen. Der hat, als ich mit dem gesprochen hab, mir das breit erklärt, wie er seinen Job sieht. Er hat einen ganz interessanten Vergleich gebracht. Er findet, das gewöhnliche Onkologen wie Kfz-Mechatroniker sind, die das Auto nicht mehr verstehen, die quasi Patienten nach Schema F behandeln.

[00:24:35]

Aber eigentlich diese Krankheit überhaupt nicht verstehen. Und er und Dr. Schäfer haben sich dann verstanden als Nerds oder Tüftler, die mal in den Motor reinschauen und jeden Patienten auf ganz individuelle Art und Weise behandeln und diesen Krebs wirklich sozusagen in seinen Grundstrukturen verstehen wollen. Und dann eben die Signalwege. Also muss ich das so vorstellen, dass der Krebs sich ja ernährt von verschiedenen Quellen und das Ziel von Schäfer und Bans war, die Signalwege dieser fetten Spinne, so haben sie das genannt.

[00:25:05]

In der Mitte sitzt. Die Spinnen weben an allen möglichen Stellen abzuschneiden, sodass die Spinne abstirbt.

[00:25:12]

Ich habe einige Bekannte, die Krebs erkrankt sind oder waren. Von sehr, sehr individuellen Verfahren berichtet. Das war nicht so, dass da mit Schema irgendjemandem was eingejagt worden ist. Und es ist ja auch soweit ich weiß und soweit ich es in deinem Ressort lieber Andreas. Nachlese im Wissen, dass Krebstherapien extrem individuell sind. Da wird ja genetisch ausgeklügelt, was du für eine Veranlagung hast. Und danach richtet sich das dann, wie die darauf kommen, dass jeder Patient da mit dem Rasenmäher behandelt wird?

[00:25:48]

Das weiß ich nicht. Das ist die totale Hybris, möglichst weit weg von jeder Realität. Absolut.

[00:25:54]

Kleiner Exkurs Ich glaube, man kann heute sagen Mediziner betrachten eigentlich jeden einzelnen Tumor als Individuum. Und du hast ganz richtig gesagt Wir typisieren Tumore heute genetisch, ordnen sie sozusagen in Familien ein und in Untergruppen. Und danach richtet sich inzwischen eine immer stärker individualisierte Therapie ein. Ist es nicht eine Therapie speziell für Patienten X? Aber die Tumoren werden inzwischen so präzise charakterisiert, dass man versucht, wirklich eine genau diesem Tumor angemessene Therapie anzusetzen.

[00:26:29]

Also nicht mehr die alte Unterscheidung nur zwischen Lungenkrebs und Darmkrebs, sondern das ist inzwischen sehr, sehr verfeinert, und man versucht eben auch, so sparend und so schonend wie möglich zu machen und nicht irgendwas rein zu gießen in den Patienten, was zwar den Krebs vernichtet, aber alles andere auch. Denn dass Leute an der Behandlung Krebsbehandlung sterben, das kommt ja immer noch vor, dass sie nicht am Krebs sterben, aber an der Behandlung.

[00:26:55]

Das ist auch, erklärt ein Teil des Erfolgs von Rainer Schäfer, dieses Schreckgespenst. Chemotherapie ist einfach ganz viele Krebspatienten totale Angst vor dieser brachialen Behandlung haben und Schäfer quasi ankam und gesagt hat Moment mal, ich habe eine viel leichtere, einfachere Lösung, nämlich meine Kombinationstherapie. Aber darauf kommen wir ja vielleicht noch.

[00:27:15]

Aber jetzt ist es ja zunächst mal an seiner Doktorarbeit. Er untersucht jetzt Substanzen wie macht er das Macht der Zellkulturen? Oder wie versucht er, die Wirksamkeit seiner verschiedenen Substanzen gegen Tumore zu erproben?

[00:27:28]

Auf verschiedenste Art und Weise. Das mündete dann aber alles in einem spektakulären Mäuse Experiment, wo er über 90 Mäuse mit verschiedenen Krebsarten auch wirklich sehr aggressiven Krebsarten infiziert hat.

[00:27:44]

Denn einen implantiert hat und sie dann mit seinen Methoden behandelt hat, vor allem mit dem Spurenelement Selen und Lithium Chlorid, das auch absolut spektakuläre Ergebnisse verbucht hat.

[00:27:58]

So hat mir zumindest William Bans beschrieben. Bei genauerem Hinsehen, als ich später mit anderen Experten gesprochen habe, stellte sich heraus Na ja, du wirst es wissen. Andreas Das war alles relativ wenig belastbar. Das war quasi der erste Schritt. Wäre der erste Schritt in einer ganz langen Reihe von wissenschaftlicher Prüfung gewesen. Aber für Schäfer scheint das gereicht zu haben. Er war begeistert.

[00:28:22]

Die Mäuse waren Krebs frei. Dann exakt.

[00:28:24]

Er hat die Mäuse allesamt geheilt. William Beins hat mir das so erklärt, dass der Laborant, der diese Proben untersucht hat, völlig buffa und offenbar dachte, er hätte die falschen Proben von diesen Mäusen bekommen, weil er nicht die kleinste Spur des Krebses noch entdecken konnte.

[00:28:39]

Entschuldigung, aber hier ist, glaub ich, nochmal ein kleiner Exkurs fällig, wenn man mit Pharmazeuten spricht, mit Krebsforscher und spricht mit Mäusen arbeiten überhaupt. Wenn man mit ärzten spricht, die ihre Therapien und Therapie Versuche an Tieren erproben, dann gibt es einen sehr berühmten Satz. Da heißt Meisterleistung Mäuse erzählen Lügen, weil es ganz oft so ist, dass es tatsächlich Effekte im Tierversuch gibt, die sich dann, wenn man auf den Menschen überträgt, plötzlich in Luft auflösen.

[00:29:06]

Das ist zunächst mal nur ein Versprechen, wenn man so etwas sieht. Es gibt im Labor gezüchtete Mäuse Gruppen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Tumore entwickeln. Die nutzt man meistens für solche Experimente. Und ich bin mir nicht ganz sicher.

[00:29:23]

Ich kenne jetzt die Zahlen dieser Experimente nicht. Ich weiß nicht, wie viele Tiere er eingesetzt hat. Man müsste jetzt sehr genau hingucken in dieses Konzept, in diese Architektur dieser Experimente, um beurteilen zu können, ob die Mäuse jetzt tatsächlich Anlass zu dieser Hoffnung gaben. Und selbst wenn sie es getan hätten. Kann diese Hoffnung sehr schnell wieder kaputt gehen?

[00:29:44]

Ja, wir haben eine Onkologischen vorgelegt und prüfen lassen, die Doktorarbeit.

[00:29:48]

Und die hat gesagt Wenn ich Frau Jutta Hübner, Professorin für Integrative Onkologie am Universitätsklinikum Jena, es war eine richtige Kapazität, absolut.

[00:29:59]

Und auch eine, die, wenn man so will, offen ist für alternative Krebs Heilung über sie. Ihr Forschungsgebiet besteht unter anderem daraus, schulmedizinische und alternative Krebstherapien zu kombinieren und welche Möglichkeiten es da gibt. Sie ist keine, die alles verdammt, was jenseits der Schulmedizin ist. Hat sich das angeschaut und gesagt, diese Ergebnisse sind alles andere als originell und alles andere als bahnbrechend. Das hat sie schon hundertmal gesehen. Und der Trick oder der Clou ist natürlich, das weiterzutreiben, was Dr.

[00:30:31]

Schäfer aber gar nicht geschafft hat. Er hat es probiert, versucht, seine Doktorarbeit später wissenschaftlich zu veröffentlichen, scheiterte aber was auch schon ein weiteres Indiz dafür ist, dass es so stichhaltig nicht gewesen sein kann. Er versucht eine Stelle an dieser Universität. Er hat Doktor, ja, er wurde schon.

[00:30:50]

Mit dieser Doktorarbeit aber eben nicht veröffentlichen können. In einem Fachmagazin. Es wollte keiner drucken. Exakt eine Stelle an der Uni hat er auch nicht bekommen. Das sind alles schon mal Indizien dafür, dass es so toll nicht gewesen sein kann. Aber trotzdem muss man sich das im Nachhinein so vorstellen, dass sich über diese ganze Promotions Phase ein ungeheurer Enthusiasmus bei ihm entfaltete. Man kann es eigentlich ganz gut rekonstruieren über diesen Friedrich Brinkmann, unseren Installateur aus dem Rheinischen nämlich, zusammen mit Schäfer und William Bans.

[00:31:24]

Ein wirklich absurdes Trio gebildet hat. Man muss sich das so vorstellen, dass Bans und Schäfer sich in Australien zusammengetan haben, und Bans hatte eine Praxis, wo Schäfer dann für kleines Geld mithelfen konnte, also sozusagen von Schäfer profitiert. Schäfer aber auch von Bans, weil die beiden sich beim Mittagessen immer über die Forschung unterhalten haben und Bans zumindest am Anfang deutlich mehr über Krebs wusste als Schäfer. Bald wurde Schäfer aber, so hat Bans mir das geschildert, immer klüger und immer smarter, hat sich immer tiefer in diese Krips Materie eingearbeitet und hat Brandmauern.

[00:31:58]

Der Mondorf saß in seinem Haus leider nicht nach Australien geschafft, hat immer mit einbezogen als so eine Art Recherche. Gehilfen, suche mal nach Stoffen, die den Signalweg Epsilon des Krebses blockieren könnten. Hat sozusagen grob erklärt, wie diese Recherche Datenbanken funktionieren. Und dann hat dieser Installateur im Rheinischen sich hingesetzt und nach Stoffen gesucht, er dann seinem Kumpel nach Perth in Australien geschickt hat.

[00:32:23]

Ein bisschen erinnert mich das alles an Silverman, Käpt'n Nemo, der sich selber ganz allein ein Unterseeboot baut. Und es gibt ja auch heute noch Leute, die in Garagen einen Month Gefährten basteln, mit denen sie irgendwann mal in die Umlaufbahn. So kommt mir das vor.

[00:32:41]

Ich fand es wirklich absurd, vor allem, als ich bei Prange Mann saß, der, wie gesagt, total nett war. Aber ich fand diese Hybris eigentlich wirklich völlig absonderlich. Ich saß da mit ihm in seinem Wohnzimmer. Ich habe wirklich keine Ahnung von Oncology. Was ich auch offen zugeben. Ich habe über die Recherche jetzt ein bisschen was gelernt. Aber ich würde mir nie zutrauen zu erklären, wie Krebs genau funktioniert und wie man ihn bekämpfen kann. Ich hatte aber den Eindruck, dass Friedrich Bangemann sich das mittlerweile schon ganz gut zutraut.

[00:33:09]

Wir haben uns, gemeinsam über irgendwelche Schemata gebeugt, vor mir irgendwie erklärt hat, wie genau der Krebs sich ernährt und wo man ansetzen muss. All diese Dinge, die er von seinem Kumpel Rainer Schäfer gelernt hatte und onkologischen, hat gesagt, das sei übelste Scharlatanerie.

[00:33:26]

Absolut. Was da läuft.

[00:33:28]

Du hast mit Walter Schäfer gesprochen. Walter Schäfer ist der Bruder von Rainer Schäfer und ist auch Arzt. Die beiden Brüder haben Medizin studiert. Es gibt dieses schöne Zitat von Walter Schäfer über seinen Bruder Der spinnt total oder gewinnt mal den Nobelpreis. Ich habe mit dem Oliver Hollenstein, mein Kollege, gesprochen. Aber das ist auch das Zitat, das mir am meisten hängen geblieben ist. Bei Walter Schäfer ist selbst Arzt, nämlich Kardiologe, kennt sich also mit Medizin aus und beobachtete quasi das Treiben seines Bruders in so Mischung aus Faszination und Irritation.

[00:34:03]

Und dieses Zitat zu gebrachtes Fast ist ja eigentlich ganz gut zusammen. Er dachte Entweder gewinnt er den Nobelpreis, oder er spinnt. Und man muss, glaube ich, im Nachhinein sagen, er hat eher gesponnen, als dass er nah am Nobelpreis war.

[00:34:18]

Das ist ja in der Wissenschaft so eine große Auseinandersetzung. Gedankliche Auseinandersetzung Wer treibt eigentlich Wissenschaft voran? Es ist sozusagen der große Mainstream der Leute, die immer so kleine Puzzlestücke an das große Bild anfechten. Aber an dem großen Bild nicht zweifeln. Oder sind es die Leute, die sagen, das muss jetzt ganz anders sein?

[00:34:35]

Muss man ganz anders angucken? Ja, in diesem Gegensatz bewegte er sich eigentlich. Und genau das ist auch die Erzählung, die Schäfer immer für sich in Anspruch genommen hat. Gegen die große Pharmaindustrie, gegen die große Oncology, die Fortschritte auch blockiert. Die vor allem auch diese Naturheilmittel blockiert, weil die Pharmaindustrie damit angeblich keine Gewinne machen könnte. Dagegen vorzugehen und den Krebs quasi zu Robin Hood mäßig führt, die sozusagen fürs Volk zu besiegen.

[00:35:04]

Was die Pharma-Industrie aber seiner Meinung nach gar nicht will oder sogar verhindern will. Studien verhindern will solche Dinge.

[00:35:12]

Hier werden oft Gegensätze aufgebaut, nur zwischen Gut und Böse, die böse Schulmedizin, die böse Pharmaindustrie und auf der anderen Seite die Empathie der alternativen Heiler auch nicht viel Geld genommen für seine Heilungen.

[00:35:25]

Und es ist ja auch interessant, dass er auf Dauer auch auf so einen Widerstand gestoßen ist, weil ja niemand seine Sachen veröffentlichen wollte. Niemand hat ihm einen Job gegeben. Dass er sich ein Feindbild aufgebaut hat, das glaube ich gern.

[00:35:37]

Aber du hast jetzt nebenbei einfach mal für seine Heilungen gesagt. Gab es denn Therapie? Erfolge beim Menschen, die Schäfer erzielt hat? Das ist eine gute Frage.

[00:35:46]

Andreas Wir haben mit ganz vielen Patienten gesprochen, die er hatte und eigentlich alle bis auf eine einzige waren, begeistert von Rainer Schäfer und wirklich große Fans, die das Gefühl hatten, dieser Mann hat uns mehr geholfen als jeder Onkologe.

[00:36:03]

Was ich total interessant fand, weil man eigentlich bei kaum einem Fall quasi beweisen konnte, dass Rainer Schäfer wirklich für die Heilung verantwortlich war.

[00:36:12]

Wir haben versucht, die Fälle überprüfen zu lassen. Die meisten wollten uns ihre Akten nicht geben. Eine Frau hat es am Ende doch gemacht. Da haben wir dann auch von einer Onkologischen sozusagen den Fall noch einmal überprüfen lassen. Auch von Jutta Hübner, von der wir schon gesprochen haben. Und da war das Ergebnis. Man kann nicht im Entferntesten beweisen, dass die Frau an der Behandlung von Rainer Schäfer genesen ist, sondern wahrscheinlich wird es eher die schulmedizinische Behandlung gewesen sein, die sie vorher hatte, die parallel noch hatte.

[00:36:40]

Die Leute sind ja nicht nur bei Schäfer gewesen, die waren ja gleichzeitig auch noch im Uniklinikum. Exakt ist Schluss, wenn sie denn geheilt waren, hieß es. Schäfer wars.

[00:36:48]

Das ist aber genau das Interessante. Dass man ein Fall, ist mir vor allem in Erinnerung geblieben von einem Lehrer aus Offenbach, der auch schon mit Rainer Schäfer zur Schule gegangen ist, der das eigentlich ganz gut beschrieben hat. Bei so einer absoluten Koryphäe in Behandlung und einem Oncology Professoren, der offenbar nach 2 Minuten gesagt hat Da können wir nicht behandeln, da müssen wir. Da können wir nicht mehr operieren oder können wir keine seichte Behandlung machen. Da müssen wir eine Chemotherapie machen.

[00:37:14]

Nach zwei Minuten Gespräch. Das kam diesem Mann komisch vor, und er hatte nicht das Gefühl, gut aufgehoben zu sein. Da ich das Gefühl, dass sich dieser Professor auch nur im Entferntesten für ihn interessiert, hat dann den Kontakt zu Rainer Schäfer bekommen. Mit ihm telefoniert und meinte Mit dem Rainer war es schon im ersten Telefonat so. Obwohl wir jahrzehntelang nicht mehr miteinander gesprochen hatten. Als ob ich mit einem alten Freund sprechen würde. Dieser Rainer Schäfer muss eine ungeheueren, ungeheures Charisma gehabt haben.

[00:37:41]

Es muss ein liebevoller Mensch gewesen sein, ein sympathischer Mensch, der sich wirklich um die Leute gekümmert hat. Man muss ihn schon zumindest insofern in Schutz nehmen, in eingeschränkter Art und Weise, dass weder die Leute finanziell ausgenommen hat noch den Leuten das Blaue vom Himmel versprochen hat und sich schon mit allem, was er hatte, um sie gekümmert hat.

[00:38:03]

Also, ich habe in der Familie eine entfernte Verwandte.

[00:38:06]

Die hat eine ganz, ganz schwere Psoriasis, eine ganz schwere Schuppenflechte, die ihr äußeres wirklich entstellt hat. Die war auch im Gesicht, und sie ging dann irgendwann in eine Münchner Universitätsklinikum und hat gesagt Ich weiß nicht mehr, wie ich weiterleben soll, und der Chefarzt dort, bei dem sie in Behandlung war, der sagte zu ihr. Sie hatten doch 35 gute Jahre. Das war seine abschließende Diagnose. Und dann ist sie zu einer wunde Heilerin geworden. Die hat ihre gesamte Ernährung umgestellt Hat Ihr Esels Milch zu trinken gegeben oder sonst was?

[00:38:42]

Ich weiß es nicht genau, was da war, aber sie ist seither clean.

[00:38:46]

Sie hat keinerlei Schuppenflechte mehr im Gesicht, und das finde ich auch sonst nirgendwo. Sie muss sich ganz bestimmte Stoffe enthalten und ist geheilt.

[00:38:56]

Das ist auch erwiesen. Genau. Es gibt Studien dazu, die zeigen, dass allein die Aufmerksamkeit quasi einen heilenden Effekt auf Leute haben kann und das Gefühl, dass sich gut um einen gekümmert wird, dass das was bringt. Gleichzeitig ist es aber auch total gefährlich. Ich habe eine Studie von der Universität Yale gelesen, die gezeigt hat, dass je nach Krebsart bei ausschließlich alternativer Behandlung die Todesrate bis zu 4,5 mal höher ist als bei schulmedizinische Behandlung. Wenn man sich nur auf diese Heilmethoden verlässt, wird es wirklich lebensgefährlich.

[00:39:28]

Aber Sie haben schon auch gute Aspekte, glaube ich.

[00:39:31]

Ich glaube, das muss man Schaefers zugute halten. Hält seine Patientinnen und Patienten ja nicht davon ab, zum Schulmediziner zu gehen. Er zwingt sie ja auch nicht dazu, irgendwelche Therapien abzubrechen, sondern er macht ihnen sozusagen ein komplementärer Angebot. Und genau wie du sagst Sebastian Die Empathie, die Zuwendung, die Zeit, die man sich fürs Gespräch nimmt, die sprechende Medizin kann eben auch einen enormen Effekt haben auf einen solchen Krankheitsverlauf. Also quasi Empathie als Placebo.

[00:39:59]

Das gibt es nachweisen, genau, dass man auch kranke Menschen ernst nimmt und nicht nur als kaputte Autos oder als angeschlagene Körper. Die berühmte Niere von Nummer 13?

[00:40:11]

Ja, gerade gesagt, dass man ihm das zugute halten muss. Gleichzeitig muss man aber auch sagen, dass Rainer Schäfer schon quasi mit dafür gesorgt hat, dass, um zurück zu unserem Fall zu kommen. Heinz Peter K. von seinem schulmedizinische, behandelnden Urologen am Ende weggegangen ist. Wir haben von der Familie einen seitenlangen Ichglaube über 60 Seiten Wildwechsel bekommen, wo die beiden sich quasi über die Behandlung unterhalten haben. Man muss sich das so vorstellen Dr. Dr. Rainer Schäfer sitzt in Australien, hat seine Promotion mittlerweile abgeschlossen und behandelt dann über Monate und Jahre aus Australien Patienten in Deutschland, die über Freunde von Freunden kommen und von diesem deutschen Arzt in Australien gehört haben.

[00:40:58]

Und einer von denen wird eben Heinz-Peter K. Und die beiden unterhalten sich dann über E-Mail ganz lange, und Rainer Schäfer schickt als Peter K. alle möglichen Behandlungs Methoden und sagt, in welche Stoffe nehmen soll, und rät ihm zu diesem und jenem und sagt aber auch Ich kann hier mal aus einer Mail zitieren. Lieber Herr K., wenn Sie in Ihrer jetzigen Situation Cortison nehmen, gerät der Tumor und das PSA außer Kontrolle. Der Urologe ist nicht gut informiert. Er kritisiert quasi den schulmedizinische, behandelnden Arzt schon ziemlich Tonerde, den Patienten selbst gesehen zu haben, sondern vom anderen Ende der Welt.

[00:41:34]

Exakt.

[00:41:35]

Und das hat auch die erwünschte Wirkung. Offenbar, weil Hans-Peter K. dann wenig später schreibt. Mein Urologe meint übrigens völlig unbedenklich, ich könnte mich in der Form ruhig weiter behandeln lassen. Nun sind Sie aber der Arzt des Vertrauens. Was können Sie mir empfehlen? Man merkt, Hans-Peter K. vertraut mittlerweile eigentlich diesem Arzt aus Australien, den er nur über Skype kennt, und Email wechsel mehr als seinem Hamburger Urologen. Und das ist schon eine bedenkliche Entwicklung.

[00:42:07]

Liebe Hörerinnen und Hörer, das Buch zum Verbrechen Podcast ist da erfahren Sie alles über die Hintergründe der zehn spektakulärsten Fälle von Sabine Rückert und Andreas ZKA mit exklusivem Bild und Zusatz Material aus den Gerichtsakten und nach Berichten, wie es weiterging. Das ideale Geschenk für alle Verbrechen Fans jetzt bestellen unter www. Punkt, Zeitpunktes Slash Verbrechen minus Buch. Wir müssen jetzt ein bisschen ganz kurz, kurz und Stichwort noch einmal in das Leben noch einmal von Dr. Dr. Rainer Schäfer gucken, denn das geht ganz schön hin und her.

[00:42:44]

Er zieht mit seiner Emigration US-Agenten mit seiner australischem nach Deutschland. Da hält es aber nicht lange Anästhesist in Dannenberg an der Elbe. Es geht irgendwie in die Schweiz, und die Australierin ergreift aber irgendwann das Heimweh. Dann zieht es sie wieder zurück, und jetzt beginnt ein total unstetes Leben. Das Dr. Dr. Rainer Schäfer nämlich pendelt zwischen Deutschland, der Schweiz, zwischen England und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

[00:43:08]

Unterwegs in ägypten ist normal Chefarzt, dazwischen 14 Tage, dann schmeißt er wieder hin, weil er sich mit allen verkracht hat.

[00:43:15]

Ein Freelancer der Medizin, schreibt er.

[00:43:18]

Also jemand, der so zwischen allen Welten unterwegs ist und der gleichzeitig eigentlich vor allem immer versucht, sein Herzensprojekt voranzutreiben, nämlich seine Kombinationstherapie und seine Krebsforschung. Das ist eigentlich das, was ihn umtreibt. Er macht quasi diese ganzen Jobs, nur um Geld zu verdienen.

[00:43:35]

Eigentlich möchte er aber, dass endlich der Durchbruch, der Durchbruch kommt. Und er tut dafür auch einiges.

[00:43:41]

Er schreibt allen möglichen Prominenten. Robert De Niro, anderen Hollywood-Schauspieler, die an Krebs erkrankt sind, hat er auch geschrieben. Michael Douglas schlägt vor, sie zu behandeln, schreibt Wolfgang Bosbach dem CDU-Bundestagsabgeordneten, der auch ein Prostatakarzinom hat, und schlägt auch vor, ihn zu behandeln. Das hat aber irgendwie alles überraschenderweise nicht so viel Erfolg.

[00:44:05]

Und trotzdem Je länger er dran bleibt bis zum mehr. Er arbeitet sich langsam eine Art festen Patienten stammen. So wie das in der alternativen Medizin oft funktioniert, wird es quasi über Mundpropaganda weitergetragen. Und irgendwann hat er eigentlich einen ganz soliden Stamm von Leuten, die sich von ihm heilen lassen wollen. Wie viele ganz genau, können wir nicht genau rekonstruieren, aber es müssen irgendwas zwischen Dutzende bis zu Brangelina Mondorf. Der Installateur sagt über 1000 Patienten gewesen sein, und mit der Zahl der Patienten wächst auch ein bisschen die Hybris.

[00:44:40]

Wir müssen jetzt mal genau hingucken, und da hat jemand eine zweite Doktorarbeit an einer technischen Universität abgegeben.

[00:44:47]

Aber was da jetzt so weiter, treibt das Gerät nie in eine wissenschaftliche Fachzeitschrift.

[00:44:52]

Das diskutiert nicht mit Fachkollegen, sondern mit dem nie wissenschaftlich bestritten.

[00:44:56]

Nichts davon ist irgendwie in Studien hinterlegt. Es gibt keine Statistik dahinter, welche Mittel irgendwie wirken könnten oder wo es wirksam keine Hinweise gibt, sondern es gibt ein immer größer wachsendes Fantasy Gebilde rund um die Tumoren sozusagen. Und ich finde, sehr sichtbar wird das daran, dass Dr. Schäfer hier Plastiktüten mit abgelaufenen Medikamenten mit sich herumträgt. Nun ist es bei Medikamenten so Da steht ein Verfallsdatum drauf wie bei Lebensmitteln. Danach garantieren die Hersteller eben nicht mehr, dass die Wirksamkeit so gut ist wie vor diesem Verfallsdatum.

[00:45:30]

Darum muss man mit Medikamenten, die verfallen sind, ein bisschen sehr vorsichtig umgehen. Zum Teil. Und du hast ja schon darauf hingewiesen, dass wohlmöglich in dieser lebensbedrohlichen Schock Situation ein Medikament gar versagt hat. Es hat versagt, das muss man so sagen.

[00:45:46]

Der Todestag von Heinz K. ist der vierte März 2018. Da setzt sich Heinz-Peter K. in seinen Mercedes und fährt von einem Ort in der Nähe von Hamburg, wo er lebt, nach Güstrow, und sagt seiner Frau und seinen Kindern gar nicht so richtig, was da, was er da eigentlich vorhat. Die wissen, wer diesen Arzt kennengelernt, und lässt sich von dem behandeln, der ist plötzlich auch wieder total euphorisch.

[00:46:12]

Das war quasi auch eine Entwicklung, die man Rainer Schäfer zuschreiben kann dass Heinz-Peter K. plötzlich das Gefühl hatte Ich kann diesen Krebs besiegen, ich kann wieder gesund werden. Seine Frau hat beschrieben, wie er dann mal ins Schlafzimmer kam, mit Tränen in den Augen, und gesagt hat Dr. Schäfer kann mich heilen. Das hat ihn tief bewegt, und an diesem 4. März fährt er dann eben in diese Ferienwohnung, die Rainer Schäfer angemietet hatte und in der Hans-Peter K. behandelt wurde.

[00:46:41]

Auf Stippvisite in Deutschland also, von Australien angereist, hat seine Patienten hier besucht. Er hat vor allem seine Mutter besucht, die 90 wurde, und hatte auf dem 90. Geburtstag von der Mutter noch seinen Bruder Walter Schäfer getroffen, der uns erzählt hat, dass er das Gefühl hatte, dass sein Bruder Rainer Schäfer euphorisch war, weil er das Gefühl hatte, quasi auf der Höhe seines Schaffens zu sein und endlich in größerem Stil das anwenden zu können, was er die ganze Zeit erforscht hat.

[00:47:10]

Und von diesem Geburtstag packte er dann eben diese ganzen abgelaufenen Medikamente, die er seinem Bruder erzählt, eigentlich entsorgen wollte in den Kofferraum von seinem Auto und fährt quer durch Deutschland nach Güstrow, wo er diese Ferienwohnung angemietet hat und Hans-Peter K. behandeln möchte.

[00:47:25]

Und er hat auch noch einen Job im Krankenhaus, denn, so ein Vertreter so Urlaubsvertretung, Job im Krankenhaus, angenommen in Güstrow, ganz in der Nähe von dieser Ferienwohnung, arbeitet er im Krankenhaus.

[00:47:35]

Und macht quasi in seiner Freizeit diese Krebsbehandlung Das klingt so ein bisschen konspirativ. Man trifft sich in so einer Ferienwohnung. Es ist seltsam. Ich habe auch dazugelernt. Ich dachte, es kam mir ja auch extrem unprofessionell vor, was es auch ohne Zweifel ist. Es ist aber nicht verboten. Diese Therapiefreiheit, die du vorhin schon angesprochen hast, besteht auch darin, dass ärzte eigentlich behandeln können, wo sie wollen. Zumal er natürlich auch von Hans-Peter Kaulen all seinen Patienten Einverständniserklärung hat unterschreiben lassen, die quasi diese ganze Behandlungsmethode absegnete.

[00:48:09]

Also darüber, ob das strafbar war oder nicht. Streiten sich die Gelehrten. Das ist nicht abschließend zu klären. Jedenfalls treffen sich diese beiden Männer dann an diesem 4. März, trinken Tee zusammen, unterhalten sich kurz, und dann beginnt die Behandlung, die dann absolut schief geht. Nach wenigen Minuten sagt der Blutdruck von Heinz-Peter K. ab. Reiner Schäfer versucht eben eben, dieses Cortison zu injizieren, um das irgendwie zu verhindern. Aber er schafft es nicht, und er legt ihn auf den Boden, versucht ihn irgendwie wieder zum Leben zu bekommen, ruft in seiner Panik seinen Kumpel Brachmann an den Installateur in Mondorf oder Nee, andersrum.

[00:48:48]

Ich glaube, Langmann rief Schäfer an, so war es. Und Schäfer geht sogar ran und sagt Brachmann, du musst ein Krankenwagen rufen, gibt ihm die Adresse durch. Man ruft den Krankenwagen und geht dann aber auch wieder zurück zum Telefon und ruft seinen Kumpel Rainer Schäfer wieder an, der immer noch quasi mit der Reanimation beschäftigt ist. Dadurch lässt sich aber dieser Tod relativ gut rekonstruieren, weil Brinkmann am Apparat ist.

[00:49:13]

Schäfer spricht aber nicht mit ihm.

[00:49:15]

Er wird Ohrenzeuge des Todes von Hans Peter K. Suisses. Er hört, wie die Notärzte die Treppe hochkommen, in diese Wohnung stürmen und versuchen, diesen Patienten wieder zum Leben zu erwecken. Er hört, dass dieses ächzten der Beatmung e-maschine. Und irgendwann legt er auf, verlässt, nicht mehr aushält, diesen Todeskampf über Telefon mitzubekommen. Dann ist Hans-Peter K. tot. Und dann geschieht erst einmal etwas Erstaunliches, nämlich auf den ersten Blick Erstaunliches. Rainer Schäfer wird einfach nur als Zeuge verhört und nicht als Beschuldigter.

[00:49:47]

Die Polizei geht im ersten Moment nicht davon aus, dass hier in irgendeiner Form eine Straftat passiert sein könnte, und vernimmt ihn als Zeugen.

[00:49:56]

Schäfer sagt ja auch, es sei ein allergischer Schock gewesen, und es komme immer mal wieder vor, auch im Krankenhaus. Nachdem der Tote abtransportiert. Es geht ja auch in die Klinik und arbeitet da ganz normal. So ist es.

[00:50:08]

Aber es gibt jetzt eine Anzeige gegen Herrn Schäfer. Familie K. wird aktiv und damit auch die Staatsanwaltschaft Rostock.

[00:50:16]

So ist es. Wenige Tage oder zwei Tage nach dem Tod von Hans-Peter K. zeigt die Familie von Dr. Dr. Rainer Schäfer an, und dann ändert sich plötzlich die ganze Gemengelage und auch die Dynamik dieses Falls. Und man muss sich das so vorstellen. So hat mir das zumindest Brachmann, der Kumpel von Schäfer, erzählt und auch eine andere Apothekerin, mit der wir noch gesprochen haben, die auch sehr nah an Schäfer dran war. Dass eigentlich Schäfer schon schwer getroffen war von diesem Todesfall und unter Schock stand, aber sich nicht so richtig einer Schuld bewusst war oder sich nicht als Schuldiger gefühlt hat.

[00:50:55]

Er hatte das Gefühl, das war eben allergischer Schock. Das wäre auch im Krankenhaus passiert. Man hätte ihn auch im Krankenhaus wahrscheinlich nicht retten können. Ich bin Notfallmediziner. Wenn einer ihn retten kann, dann ich. Und dann kommt plötzlich diese Anzeige von der Familie K. Und die ändert im Kopf von Schäfer offenbar alles. Er ist dann nicht mehr so richtig zu erreichen, telefoniert noch einmal im Auto, irgendwie wild durch Deutschland, fährt mit seinem Bruder und bringt sich fünf Tage später, fünf Tage nach dem Tod von Hans-Peter K.

[00:51:26]

, in einem Hotel um. Er sitzt in Anzughose auf dem Bett, ein Pulli an, sieht zurechtgemacht aus und spritzt sich in großen Mengen ein Narkotikum, das ihn dann umbringt. Eine Putzfrau findet ihn tot auf dem Bett.

[00:51:40]

Vorher hat er noch die Frau K. Geschrieben, die Frau des von ihm getöteten Patienten.

[00:51:45]

Den Brief kann ich ja vielleicht mal vorlesen. Liebe Frau K., ich bitte Sie um Verzeihung. Ich weiß nicht, wie die Obduktion ausging und was der Grund war, aber ich wollte Ihrem Mann nichts Böses. Bitte glauben Sie mir dies. Für mich gibt es nur eine Lösung Ich werde Ihrem Mann folgen.

[00:52:03]

Dr. Schäfer Als Frau K. diesen Brief öffnet, ruft sie sofort die Polizei an, aber da ist es schon zu spät. Da hat eine Reinigungskraft das Zimmer 48 des Hotels geöffnet und den Toten vorgefunden. Es gibt einen Obduktionsbericht zum Tod von Herrn K..

[00:52:22]

Diese Obduktionsbericht stellt dann fest, dass es durchaus Dinge gab, die Herrn K. zum Risikopatienten machten. Er hatte eine nicht diagnostizierte Herzerkrankung. Aber im Nachhinein schreibt ihr in der Bilanz sozusagen lässt sich nicht mehr rekonstruieren, ob in einem anderen Kontext, in einer Klinik, zum Beispiel in einer voll ausgestatteten Klinik, dieses Leben noch zu retten gewesen wäre.

[00:52:47]

Fest steht aber, dass er in einer Klinik nie auf diese Art und Weise behandelt worden wäre. Er wäre nie mit einem für Prostatakarzinom nicht zugelassenen Chemotherapeutika wie abwechselnde behandelt worden und auch nie mit dieser wilden Mischung, die Schäfer verabreicht hat.

[00:53:02]

Es war ein Mensch, der gehofft hat, Heilung zu finden, und den Tod gefunden hat und seinen Arzt gleich mitgenommen hat.

[00:53:09]

Sozusagen Sebastian Vielen Dank, dass unser Gast was!