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[00:00:16]

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcast Zeit Verbrechen. Mir gegenüber sitzt Sabine Rückert, und ich tue mal so wie am Anfang. Sabine, ich stell dich einfach noch mal vor. Ja, macht das.

[00:00:30]

Sabine ist die stellvertretende Chefredakteurin der Zeit. Vor allem aber ist sie die Expertin für Verbrechen hier im Haus. Sie war lange, lange Jahre Gerichtsreporter.

[00:00:42]

Unser Binner, du hast ein Magazin erfunden, Zeit, Verbrechen.

[00:00:45]

Und wir machen ja zusammen diesen Podcast. Du bist Andreas ZKA, Leiter des Wissenschaftsressort als Herausgeber eines Magazins. Zeit Wissen.

[00:00:55]

Und dann weißt du ja, wie das ungefähr so ist, wenn man ein Magazin macht, mit großer Leidenschaft, großer Leidenschaft. Ja, ich mache Verbrechen, und das korrespondiert ja mit diesem podcaster. Also für alle, die jetzt neu dazugekommen sind, noch mal ganz von Anfang an hier.

[00:01:11]

In unserem Podcast beschreiben wir Fälle, die wir selbst erlebt haben. Entweder ich bin mit dir alleine, und wir reden über Fälle, die ich selbst recherchiert habe, oder wir haben Gäste, die aber auch für die Zeit arbeiten.

[00:01:24]

Wir haben hier nur Gäste, die in der Zeit Autoren sind, oder Redakteure, die uns von ihren Kriminalgeschichten erzählen, die sie für die Zeitung Die Zeit recherchiert haben.

[00:01:36]

Und das Entscheidende ist Die haben sich das nicht angelesen und irgendwie zusammengeschrieben, sondern die haben mit den Verurteilten oder den Verdächtigen gesprochen. Die haben in Gerichtssälen gesessen, die sind Straßen entlang gegangen und haben an Türen geklingelt, haben mit Angehörigen gesprochen, mit Staatsanwälten und Richtern, und haben durch und durch recherchiert und wissen genau, worum es geht und was der Kern der Sache ist.

[00:02:00]

Oft ist ja der Kern der Sache ein ganz anderer, als es zu sein scheint. Und das ist ja auch das Rätsel unseres Kriminal Podcasts, das wir immer wieder auf ganz andere Zusammenhänge stoßen, als man auf den ersten Blick glaubt.

[00:02:15]

Und jetzt müssen wir einen kleinen Blick hinter die Kulissen erlauben unsere Arbeit.

[00:02:19]

Denn wir haben jetzt, gerade bevor wir die Aufnahme Taste gedrückt haben, zusammengesessen und haben mit einer Suchmaschine türkische und anatolische tunesische Männer Vornamen gesucht, weil wir alle Namen aller Beteiligten, abgesehen vom Opfer dieses Falles, über das wir reden, geändert haben. Das haben wir aus einem bestimmten Grund getan, denn es gibt immer mehr Menschen, die uns zuhören.

[00:02:46]

Und das bedeutet Es gibt auch immer mehr Menschen, die möglicherweise verurteilte Täter Opfer kennen oder es selbst sind.

[00:02:57]

Und natürlich ist es auch unsere journalistische Pflicht, diese Menschen zu schützen, zumal wenn, wie bei diesem Fall schon so manches Jahr ins Land gegangen ist.

[00:03:08]

Das Tötungsdelikt, über das wir heute reden, war ja im Jahr 2004. Und die Leute haben ja auch ein Recht darauf, nicht mehr erkannt zu werden und vergessen zu werden. Und das ist ja auch in Ordnung.

[00:03:20]

Zabine Dieser Fall führt uns in den Hamburger Stadtteil Eilbek. Erzähl mir was bei Ahlbeck.

[00:03:26]

Eilbek ist ein ganz normaler bürgerlicher Stadtteil, der ein bisschen kleinbürgerlich. Vielleicht stehen dort keine großen Villen, aber stehen dort sehr viele Backsteinbauten und so drei bis vier Stockwerke hoch. Und Backstein ist ja sowieso der Stein Hamburg.

[00:03:46]

Und da gibt es sehr viele Reihenhäuser und mit Wohnungen. Und in diesem Viertel spielt unsere Geschichte.

[00:03:54]

Ich bin da draufgekommen, weil ich eine Meldung gelesen habe, die ganz eigenartig klang.

[00:04:00]

Und zwar ging es darum, dass ein Mann, ein junger Mann, von einer Rotte anderer junger Männer auf offener Straße erstochen worden ist, mit 33 Messern, 33 Messerstichen.

[00:04:16]

Und ich hab mir gedacht Wie kann das sein? Ich habe dann in die Zeitungen rein geguckt. Da stand dann bemüht, wollte auspacken. Er hatte sich der Polizei als Kronzeuge angeboten. Das war ein verhängnisvoller Fehler. Die anderen erfuhren davon und brachten ihn zum Schweigen. Das schrieb zum Beispiel die Hamburger Morgenpost.

[00:04:34]

Das klingt nach Bandenkriminalität. Ja, genau so klingt es.

[00:04:38]

Ich hab mir dann gedacht, es ist ja interessant. Was mag da wohl im Hintergrund stattgefunden haben? Ich habe dann versucht zu recherchieren und dann erst einmal nicht viel raus gekriegt. Dann kam aber der Prozess gegen diese fünf Täter. Es waren fünf insgesamt, die angeklagt waren. Und dann habe ich mich eingesetzt in den ganzen Prozess und hab jeden Tag mitgekriegt und hab dann auch alle Angehörigen angesprochen und ganz, ganz viele auch besprochen und interviewt. Ich habe dann weit über den Prozess hinaus das soziale Umfeld dieser Täter und auch des Opfers recherchiert.

[00:05:15]

Verhandelt wurde vor der Großen Strafkammer hier in Hamburg.

[00:05:19]

Es war ein Capitale, liegt mit sehr vielen Angeklagten, und das fand in der Großen Strafkammer 22 statt. Der Saal 337 war's.

[00:05:29]

Da hast du tagelang gesessen, tagelang. Wochenlang habe ich da gesessen, weil es dauerte, eine ganze Weile diesen wirklich merkwürdigen Fall aufzuklären. Und was ist ganz sicher nicht wahr? Es hatte nichts mit Geld zu tun. Es hatte nichts mit Rauschgift Schulden zu tun, es hatte nichts mit Bandenkriminalität zu tun. Es war aber eine Tat, die in einer absoluten Parallelwelt spielte.

[00:05:54]

Und was haben wir ja öfter hier in dem Podcast? Dass sich Menschen in eine völlige Scheinwelt verrennen. Und in dieser Scheinwelt wird dann ihre Tat plausibel.

[00:06:09]

Erinnerst du dich an den Organisten, der glaubte, er könnte seiner Frau nicht sagen, dass er pleite ist, und hat sie deswegen umgebracht?

[00:06:16]

Das ist so was, also ist hier auch so. Wir haben es mit fünf jungen Männern zu tun, die sich so in eine Welt hinein begeben haben, aber die auch von der Umwelt dazu gezwungen wurden, sich in diese Welt hinein zu begeben.

[00:06:30]

Da hat die Umwelt, die sie abgelehnt hat und ihnen nicht geglaubt hat, auch was damit zu tun. Da kommen wir ja gleich drauf.

[00:06:36]

Also eigentlich, muss man natürlich sagen, sind es sechs junge Männer. Denn das können wir jetzt schon verraten. Das Opfer gehört dazu. Und wir reden über Sex, Freunde.

[00:06:46]

Man kann nicht nur sagen Freunde. Es sind eingeschworene aller allerbeste Freunde, die sich kennengelernt haben. Im Kindergarten, im evangelischen Kindergarten Hasselt Brook, da waren sie alle zusammen, kleine Kinder, und haben da zusammen im Sandkasten gesessen. Also, es handelte sich um eine Bußen Freundschaft von sechs jungen Männern. Und in dieser Gruppe gab es einen Anführer, der hieß bemüht immer ist ein echter Anführer.

[00:07:21]

Das ist ein Vorbild für die anderen. Der Große, zu dem man aufblickt Du beschreibst ihn so als charismatische, sehr maskuline Erscheinung. Was ist das?

[00:07:35]

Er sah ziemlich gut aus. Er war größer als die anderen, und er hatte auf den Fotos. Ich habe ihn ja selbst nicht kennengelernt.

[00:07:43]

Er war ja schon verstorben, als ich an die Sache heran trat.

[00:07:46]

Aber ich habe Fotos von ihm gesehen, standen überall rum. Auch bei den Tätern in der Wohnung und auf den Fotos hat er so lange Zöpfe.

[00:07:56]

Also ganz viele Zöpfe, und die gingen ihm so über die Schultern und hatte so einen sehr selbstbewussten Blick. Sah gut aus und war auch vom Auftreten her absolut selbstbewusst und lustig und hat die Leute auch einwickeln können und von sich überzeugen können. Das hat mir jeder erzählt, mit dem ich dann ins Gespräch kam, und es musste sich um eine besondere Persönlichkeit gehandelt haben, allerdings auch um eine Persönlichkeit mit einem erheblichen Vorstrafenregister.

[00:08:26]

Das hat man dann erst im Prozess erfahren. Er war ja kein Täter, er war ja das Opfer, und deswegen wurde das nicht weiter ausgebreitet. Was er da an Vorstrafen hatte? Aber es gab einige, da war auch schwerer Raub dabei.

[00:08:39]

Da waren viele BTM Betäubungsmittel, Verstöße dabei, unerlaubter Waffenbesitz, Waffenbesitz war auch dabei, da kommen wir später drauf.

[00:08:48]

Das kam dann noch zu einer ganz, ganz entsetzlichen Konflikt mit seinem Bruder.

[00:08:54]

Es war einiges los in seinem Leben, und das ganz Besondere an ihm war Er hatte ein perfektes Doppelleben, ein perfektes Doppelleben. Und da kommen wir dann auch noch, da kommen wir auch.

[00:09:07]

Jetzt kommen wir erst mal zum 11. Juni 2004.

[00:09:13]

In Eilbek ist es 22 Uhr.

[00:09:15]

Am Abend ist es noch hell, weil es ist, Juni ist, und die Leute sitzen auf ihren Balkonen, genießen den Sommerabend. Es gibt einen sehr konkreten Tag Zeugen, einen Vietnamesen, der beobachtet, wie fünf Männer ein Sexten so vor sich hertreiben. Genau stoßen und sich um ihn rangeln. Sozusagen. Und dann beobachtet er so etwas wie Stich Bewegungen. Die stoßen offenbar mit Messern auf diesen Körper ein, der irgendwie auf ein Auto fällt. Und der Vietnamese?

[00:09:52]

Der Zeuge, greift zum Telefon und ruft die Polizei.

[00:09:55]

Genau. Also, man muss sich das ein bisschen vorstellen wie bei einem Showdown in einem Western. Da tritt einer allein auf die Kreuzung. Es handelte sich um die Kreuzung Convent Straße Kibiz Straße. Wie das schon klingt, ist ein eigentlich völlig harmloser geht's nicht.

[00:10:11]

Und an diese Kreuzung hat bemüht das spätere Opfer. Die anderen fünf bestellt seine Freunde.

[00:10:19]

Man hat sich nicht zufällig getroffen.

[00:10:21]

Das war ein Anruf an die Sie sollen da hingehen, und sie haben wie immer gehorcht, obwohl es schon längst eine lebensbedrohliche Situation gegeben hat. Immelt hat die anderen angerufen, hat gesagt Kommt um 22 Uhr an diese Kreuzung und hat sich dann da hingestellt wie ein Western, hält im Staub, Mantel und die anderen fünf. Eine aufgeregte, hysterische Rotte stand ihm gegenüber und klammerte sich an ihren Messern fest, die sie in der Hosentasche hatten. Alle bis auf einen.

[00:10:53]

Und oben stand der vietnamesische Student, der holte erst mal seine Brille.

[00:10:58]

Er hat zwar Schreie gehört und gerufen und ihn hin und her wogen dieser Gruppe, aber er hat nichts Richtiges gesehen, da beschrieben als Zeuge, dass er noch schnell rein gerannt ist und seine Brille geholt hat und dann darunter geguckt hat. Und dann hat er gesehen, wie die alle fünf über den herfallen, über den einzelnen, wie der zwischen die Autos gerät und zwischen den Autos verschwindet und zu Boden geht. Das hat er gesehen, und dann hat er die Polizei gerufen, und als die dann kam, fand sie den Müll vor.

[00:11:31]

In den letzten Zügen. Er hatte Messerstiche in die Lungen, beide Lungen wurden getroffen. Der Bauch wurde getroffen, Arme und Beine waren zerstochen, und der tödliche Stich war dann einer in die Schläfe, der das Gehirn durchbohrt hat. Und jetzt machen wir einen harten Schnitt und gehen zurück in diese Clique. Du hast sie beschrieben als. Enge, enge Freunde. Wie sieht der Alltag ein paar Jahre vorher aus?

[00:12:02]

Die Geschichte handelt eigentlich von sechs Freunden. Es ist einmal der Beirat unter Ahmed. Das sind Brüder, es sind alles Deutsche.

[00:12:11]

Wir reden hier alles von deutschen Staatsangehörigen, die gut Deutsch sprechen. Auch Hamburg Gespräche. Und wir sind hier groß geworden.

[00:12:18]

Die Jungs, die alle hier großgeworden sind, ihre Eltern sind zugewandert, sind Einwanderer aus der Türkei, also zum Beispiel die Eltern von Bharat und Ahmed. Dann gibt es den Barak, dessen Eltern aus Anatolien zugewandert sind. Dann der Walid ist dabei, der kommt aus Tunesien, der Luca ist dabei. Der ist auch in Deutschland geboren. Dessen Vater ist ein Italiener gewesen, der ist verstorben, und er ist mit seiner Mutter alleine aufgewachsen.

[00:12:46]

Das ist die Gruppe und natürlich bemüht, der auch aus der Türkei stammt und auch Deutscher ist, ebenso wie sein Bruder Dennis. Mit dieser Familie habe ich dann auch noch gesprochen, da komme ich aber später drauf. Das ist die Gruppe, und diese Gruppe ist wie Pech und Schwefel. Man muss dazu sagen, das ergibt sich dann im Laufe dieser Recherche und auch im Laufe der Unterhaltungen, die ich mit den Geschwistern dieser Verurteilten, aber auch mit ihnen selber und mit ihren Eltern geführt habe.

[00:13:15]

Dieses Zusammenhalten dieser jungen Männergruppe hat auf der einen Seite den Grund darin gehabt, dass sie in ihren eigenen Familien dachten, ihre Probleme nicht lösen zu können. Das hatte durchaus etwas damit zu tun, dass sie aus Einwandererfamilien stammten. Denn sie hatten Familien, die zwar sehr integriert waren.

[00:13:35]

Die Familien waren alle total integriert, aber die Eltern haben sehr, sehr viel gearbeitet. Die haben versucht, hier sich eine Existenz aufzubauen, und waren vollkommen von ihrer Arbeit beseelt. Sie hatten sehr viele Geschwister, was auch dazu geführt hat, dass man auf den Einzelnen jetzt nicht so furchtbar viel geguckt hat, sondern dass es einfach irgendwie funktionieren musste.

[00:13:57]

Es hatte den Grund, dass sie die Eltern als in der Schule wenig unterstützend erlebt haben.

[00:14:03]

Die Eltern waren meistens oder oft des Deutschen nicht so mächtig. Die Eltern, Kinder genau, die Kinder sprachen fließend und die Eltern eben nicht. Vor allem die Mütter haben sich hart getan, oft noch mit der deutschen Sprache, und deswegen konnten sie ihnen auch nicht bei den Hausaufgaben helfen und nicht bei den Elternabenden. Sind sie auch nicht aufgetaucht, weil sie gedacht haben Da muss sich dann was sagen, das möchte ich dann vielleicht lieber nicht. Die Jungs haben erlebt, dass die Eltern selber Schutz brauchen.

[00:14:30]

Sie wollten ihren ihre Eltern fern halten von allen Problemen, die sie hatten. Das machen ja viele junge Leute in dem Alter. Also ich meine, ich bin auch nicht mit 16, 17 zu meiner Mama gerannt.

[00:14:41]

Wenn sie irgendwo geklemmt hat, kam hier noch zusätzlich der innere Auftrag dieser Kinder, dass sie ihre Eltern nicht mit ihren Problemen behelligen. Die haben selber genug, und sie haben keine große Beschwerde Macht in diesem Land. Und wie klein die Beschwerde macht, diese Eltern war, das werden wir dann später erleben, wenn sie versuchen, die Polizei für sich zu interessieren.

[00:15:05]

Wir müssen dann nochmal ganz deutlich betonen Wir haben es eigentlich mit lauter erfolgreichen Migrationsgeschichte zu tun, also mit Familien, die im Takt sind. Eigentlich. Die Eltern haben Arbeit. Man ist in einem bürgerlichen Viertel kleinbürgerlichen Viertel. Aber auch die Nachbarn beschreiben viele dieser Familien als die Kinder, als wohlerzogen, gut angezogen, immer sauber und adrett. Hier fällt niemand so richtig auf.

[00:15:31]

Die einzige Familie, die nicht intakt ist, ist die des Opfers. Also bemüht kommt aus einer kaputten Familie. Das ist auch eine ganz interessante Geschichte.

[00:15:40]

Ich habe mit seiner Mutter lange gesprochen. Seine Mutter war damals noch relativ jung, die war vielleicht Mitte vierzig und saß im Gerichtssaal immer hinten drin. Völlig versteinert. Ich weiß nicht, ob du die berühmte Pietà kennst.

[00:15:58]

Natürlich er, diese wunderbare, trauernde Mutter, die über ihren toten Sohn sich neigt. Und so saß sie auch da. Sie war. Obwohl sie erst Mitte vierzig war, war sie gebeugt und war immer schwarz angezogen und blickte mit einem leeren Blick in diesen Gerichtssaal. Ich hab mich erst gar nicht getraut, sie anzusprechen. Ich habe sie dann aber angesprochen, und sie hat mich dann freundlich auf ihre Rechtsanwältin verwiesen. Ich habe dann über die Rechtsanwältin gefragt, ob ich mit ihr sprechen kann.

[00:16:30]

Es geht ja hier um ihren Sohn, und die Rechtsanwältin hat dann tatsächlich einen Kontakt gemacht. Und ich habe die Mutter dann sprechen dürfen und habe dann eben erfahren, dass sie als 17-Jährige verheiratet worden ist. Sie hat den Mann, also den Vater des Immelt und des Denys, nicht sich selbst ausgesucht, sondern sie wurde verheiratet. Da war sehr viel älter als sie, und sie hat ihn nicht gemocht. Sie wollte ihn nicht.

[00:16:58]

Sie hat ihn dann aber aus sozialem Drängen dann doch genommen und gehorsam gegenüber der Familie, aus Gehorsam und hat dann zwei Kinder bekommen, die ihre ganze Liebe waren, vor allem der Kleine abmüht. Und sie hat. Gegenüber diesen bemüht keinerlei Kritik aufkommen lassen sie hat auch das sich angehört, was da gegen ihn vorgebracht worden ist von den Angeklagten. Warum sie ihn töten mussten aus ihrer Sicht.

[00:17:26]

Und sie hat gesagt Alles Lüge. Es ist alles Lüge. Bemüht ist ein wunderbarer junger Mann gewesen. Jeden Muttertag hat er mir Rosen gebracht, und sie hatte diese ganzen Rosen Sträuße aufbewahrt.

[00:17:38]

Ja, du beschreibst die Trockenheit, Knistern in der Walnuss, alle wie aus Papier inzwischen. Die hatte sie. Mit haarlack, also mit Haarspray hatte sie die behandelt, und zwar schon seit Jahren. Die standen da in einer großen Reihe. In der Parade standen diese Sträuße, dunkelrote Rosen, behandelt mit haarlack, um sie vor dem Verwesen zu verhindern und um diese Erinnerung an die Liebe dieses Sohnes aufrecht zu erhalten. Ja, es gibt diesen Immelt.

[00:18:06]

Es gibt diesen Liebevollen, bemüht, den zärtlichen, übermütigen um sorgenden Gemüt.

[00:18:12]

Ob er wirklich zu seiner Mutter gewesen ist? Da gibt es unterschiedliche Aussagen. Es gibt Leute, die haben behauptet, auch unter diesen Freunden, die haben behauptet, er habe die Mutter auch geschlagen. Aber da war er schon jenseits von Gut und Böse. Das müssen wir vielleicht auch nochmal differenziert betrachten. Jedenfalls seine Mutter war. Die hat auch von ihm geträumt, hat mir erzählt, wie sie von ihm träumt, jede Nacht und wie er immer klein ist. Aber es war wirklich so klein, dass er auf den Abend gemeinsam geweint hat, hat dann auch wirklich angefasst.

[00:18:41]

Sie hat dann erzählt, wie sie dann nachts dieses kleine Bübchen in ihren Armen hält und wie sie jedes Mal aufwacht und wieder in Tränen ausbricht, weil er nicht mehr da ist.

[00:18:50]

Liebe Hörerinnen und Hörer, die aktuelle Ausgabe des Magazins Zeit Verbrechen ist jetzt online im Zeiht Shop bestellbar und im bundesweiten Presse Handel erhältlich. Sie wollen keine Ausgabe mehr verpassen? Dann abonnieren Sie das Magazin zum Vorteil Preis. Unter dem Link www. Zeit.de slash Verbrechen minus abo. Gehen wir aus dieser Familie heraus, damit wir zum charismatischen Anführer dieser Gruppe.

[00:19:22]

Er wird auch zum Kriminellen, das ihm mit kriminell war. Darüber gibt es eine lange, lange Liste mit Vorstrafen, und auch die hat die Mutter nicht wahrnehmen wollen. Das hat sie ausgeblendet, diese Seite ihres Sohnes.

[00:19:36]

Man ruft sich immer gegenseitig an und zusammen. Du beschreibst sozusagen dieses Telephonnetz, zwischen denen die Verbindung zwischen den Mobiltelefonen wie eine Nabelschnur zwischen denen ja noch wann immer ständig miteinander verbunden ist, hat sich im Laufe des Prozesses ergeben, wenn die Tag beschrieben haben.

[00:19:55]

Die fünf Angeklagten. Sie haben sich also ununterbrochen gegenseitig angerufen, man ununterbrochen gegenseitig bei sich übernachtet.

[00:20:02]

Die wohnten auch zum großen Teil noch zu Hause. Auch Immelt wohnte noch bei seiner Mama. Und einer hatte eine kleine Wohnung. Da hat man sich dann auch manchmal getroffen und hat dann da zusammen übernachtet. Es war letztlich die waren ja alle schon Mitte zwanzig. Es war aber trotzdem wie im Kindergarten. Es war immer noch so Grundschule Stimmung. Und die haben sich auch gegenseitig letztlich daran gehindert, erwachsen zu werden. Auch wenn es Freundinnen gab, waren die immer nur ganz kurz Freundinnen, dann war es wieder aus.

[00:20:32]

Dann kam eine neue. Es gab keine richtige, kontinuierliche Beziehung zu Frauen, es gab keine kontinuierliche Beziehung zu einem Beruf. Also jeder hatte irgendwas angefangen und wieder aufgehört. Ich kann das ja nachher am Beispiel von Barack mal erzählen, dessen Vater mit mir lange, lange gesprochen hat und sehr unglücklich war über die Entwicklung dieses Sohnes. Und die Eltern haben diese zusammen Ballung dieser Jungs außerordentlich problematisch erlebt. Die haben gesagt, die Familie spielt nur noch eine nachgeordnete Rolle.

[00:21:06]

Die haben gesagt, der Beruf spielt keine Rolle mehr. Wir sehen überhaupt nicht, dass unsere Söhne sich irgendwie weiterentwickeln, sondern die hänge nur mit ihren Kumpels ab und gehen entweder ins Spielcasino, oder sie gehen zum Muckibude, oder sie gehen Eis essen.

[00:21:23]

Oder sie gehen in ne Bar, treiben sich im Bahnhofsviertel rum und rauchen zusammen Hasch und machen so irgendwie Unfug den ganzen Tag. Und das hat sie sehr, sehr besorgt.

[00:21:35]

Du hast das mit einer schönen Alliterationen beschrieben Leere, Leichtsinn, Langeweile im Text, und man hat sich gegenseitig blockiert.

[00:21:44]

Also wenn einer aussteigen wollte, war das Verrat, und es gab ja auch immer wieder den Versuch von Müttern und Vätern, einen der Jungs herauszulösen aus diesem Block.

[00:21:54]

Zum Beispiel Die Mutter von Luca hat versucht, ihn herauszulösen. Luca war ein halber Italiener, der Vater war Italiener, die Mutter war Deutsche. Und der Vater? Den hat er sehr früh verloren. Der ist sehr früh, als er noch klein war, an Krebs gestorben. Die Mutter hat dann gemerkt, dass er in diese Clique rein gerät und dann nicht mehr rauskommt und dass diese Clique ihn immerzu abholt und runter holt. Und dann hat sie ihn ins Internat gesteckt, und sie hat in alle möglichen Einrichtungen gesteckt.

[00:22:21]

Aber es hat nichts geholfen. Sie hat gesagt, es war wie verhext. Es war wie verhext, es war nichts zu machen. Er war aus dieser Clique, die war wichtiger als ich.

[00:22:31]

Die Clique ist ein bisschen entwurzelt worden. Die war. Lange Zeit waren die Jungs in einem Jugendclub da, in einem Stadtviertel. Und man merkt Deine Beschreibung von dem Kindergarten passt ziemlich gut eigentlich. Sie bleiben in Ihrer Kindheit stecken, denn Sie wollen aus diesem Jugendclub nicht raus.

[00:22:47]

Hier werden quasi rausgeschmissen. Ihr seid jetzt über zwanzig. Jetzt verschwindet hier.

[00:22:50]

Und der Jugendclub Leiter, mit dem hab ich gesprochen. Der hat erzählt, dass die ganz süß waren. Er mochte die auch, und die haben ihre ganze Pubertät. Hat die haben die in diesem Jugendclub verbracht. Ich war auch bei der Schule, in der sie waren. Die haben alle einen Hauptschulabschluss, aber viele auch einen Realschulabschluss gemacht. Und der kannte sie. Der Direktor wollte aber nicht sich dazu äußern.

[00:23:12]

Das war ihm außerordentlich unangenehm, zumal die Tötung des ödet mit mehr oder weniger vor der Schule stattgefunden hat, also nur einen Steinwurf davon entfernt. Und der Jugendleiter dieses Jugendclubs? Der hat auch gesagt Die waren da immer bei uns. Es gibt sehr viele Jungs, die bei uns hier ihre Nachmittage gestalten und kickern und sonst was. Aber irgendwann musste ich die dann richtig raus befördern. Ich habe gesagt, ihr seid jetzt 20 und hängt immer noch hier mit den Zwölfjährigen ab.

[00:23:39]

Ihr müsst jetzt euch etwas anderes suchen. Hier ist kein Platz für Jungs, die keine Männer werden wollen. Gehen wir mal so, wie du gerade gesagt hast.

[00:23:48]

Denn Barocks, Familie und die Eltern ziehen mit dem Sohn raus aus Eilbek, und sie werden steigen, sozusagen gesellschaftlich nochmal ein bisschen auf. Sie werden noch ein bisschen bürgerlicher.

[00:23:59]

Sie kaufen sich auch ein Haus, und ich habe Baraks Vater da kennengelernt. Der war Kraftfahrer. Also zuerst habe ich gedacht, das ist einer der Sachverständigen, der da saß mit so einer Brille, und hat ein Buch.

[00:24:11]

Dabei hat er immer gelesen, und ich habe gedacht, dass es bestimmte Psychiater oder so. Der jetzt gleich gehört wird. Es wurde aber kein Psychiater gehört, was ich übrigens sehr bedauert habe. Denn diese Entwicklung, diese unheilvolle Entwicklung, die hätte mich schon von einem Psychiater erklärt, interessiert. Leider fand das nicht statt, und deswegen ist der innerste Kern dieses Falles für mich nach wie vor ein Rätsel. Also gut, ich habe den Vater angesprochen und habe gefragt, wer er sei.

[00:24:38]

Und dann sagte er, er sei der der Vater von Barak, und er sei Kanufahrer, was ja ein sehr, sehr verantwortungsvoller Beruf ist und ein sehr exakter und penibler Beruf als Kraftfahrer. Mein Mann ist Architekt. Er hat höchste Hochachtung vor Kraftfahrern, weil er sagt Wir müssen enorme, Lastende über der Stadt schwängern. Menschen müssen an der exakten Stelle runterkommen, und die verdienen auch sehr gut. Und deswegen ist die Familie dann irgendwann mal, er hat vier Kinder ausgezogen und haben sich ein Haus gekauft in einem anderen Viertel, und er hat gehofft, dass sein Sohn dann aus dieser Clique herauskommt.

[00:25:18]

Das war aber nicht der Fall. Der Umzug hat nichts geholfen. Er hatte eben vier Kinder. Die waren alle total erfolgreich. Also, der Große hat ein Geschäft geführt. Die eine Tochter war Schauspielerin, die kennt man auch aus dem Fernsehen. Die kleine Tochter war Fotografin. Die waren alle selbstständig, die haben alle ihr Geld verdient. Und ganz am Ende war eben der kleine Barak, der den ganzen Tag im Bad eingeschlossen hat und sich da geduscht hat und gegelt hat und entarten hat und sonst was.

[00:25:48]

Und von sich selbst berauscht war. Und dann zog er abends los mit seinen Kumpels und kam in den Morgenstunden wieder und schlief. Und das hat die Eltern wirklich besorgt. Und er hat auch mehrere Ausbildungen abgebrochen. Er war dann erst selbst auf der Fachoberschule für Grafikdesign. Das hat er abgebrochen. Er war auf der höheren Handelsschule zweimal, hat es zweimal abgebrochen, und er hat dann eigentlich nur noch von Gelegenheitsjobs gelebt. Als Kellner warer unterwegs. Er hat in Call-Centern gearbeitet, und vor allem hat er Geld von seinen Eltern bekommen.

[00:26:20]

Und interessant fand ich, dass sein Vater gesagt hat Ich möchte darauf hinweisen, dass er keinen einzigen Euro vom deutschen Staat bekommen hat. Das war dem Vater wichtig, dass das in der Zeitung steht. Stolz. Er war ein sehr stolzer Vater und sehr, sehr traurig über den kleinen Sohn.

[00:26:37]

Barak. Jetzt könnte das Leben ja weiter so mehr oder weniger erfolglos vor sich hin fließen. Also Leere leicht, Langeweile weitere viele Jahre.

[00:26:48]

Aber es gibt irgendwann Anzeichen, dass mit übermut was nicht stimmt. Genau das erste Anzeichen gibt es im Juni 2001. Da hängt Luca, der halbe Italiener seiner deutschen Mutter, an Zettel an die Tür Liebe Mama, mach auf keinen Fall die Tür auf. Himmelt ist verrückt geworden.

[00:27:10]

Ich glaube, sie war Abendessen mit ihrem Freund, und sie kommt nach Hause.

[00:27:14]

Der Sohn ist im Bett. Hat er aber noch einen Zettel hingelegt, dass sie auf keinen Fall aufmachen soll? ümit sei verrückt geworden, und sie ist ein reinzuziehen und hat ihn geweckt, hat sie mir selbst erzählt. Sie soll in diesem Podcast Frau Garrone heißen. Den Namen hab ich ihr gegeben, und ihr Sohn Luca erzählt ihr dann, dass er mit Gemüt unterwegs gewesen sei, abends. Und dann habe der Wild um sich geblickt und habe zu ihm gesagt Die Frau da drüben, die verfolgt mich, die will mich umbringen.

[00:27:44]

Ich werde belauert.

[00:27:45]

Ich bin in Gefahr. Und diese Beobachtungen haben auch andere gemacht. Imitat zum Beispiel. Vor lauter Wut auf seine Mutter oder seinen Bruder das weiß ich jetzt nicht mehr. Ein Messer genommen und es sich selbst ins Bein gestoßen. Er hat niemandem was getan, aber sich selbst hat er schwer verletzt. Nachdem mehrere solche Sachen vorgefallen sind, wurde er von seinem Onkel, also von dem Bruder seiner Mutter, in die Psychiatrie gebracht, also nach Hamburg.

[00:28:14]

Ochsenzoll heißt es hier, in die geschlossene Abteilung, und da gab es einen Arzt Bericht, den hab ich hier.

[00:28:22]

Er kommt in die psychiatrische Abteilung des Klinikums Hamburg Nord. Das ist so die offizielle Bezeichnung. Und auf den ersten Blick. Irgendwie ist nicht ganz klar ist jetzt Du hast ja schon gesagt, er hat ein langes Vorstrafenregister.

[00:28:35]

Dazu gehört, dass er mit Drogen dealt und auch selbst konsumiert, ist den ärzten erst einmal nicht so richtig klar. Ist das jetzt eine Folge von seinem Drogenmissbrauch, oder leidet der unter Schizophrenie?

[00:28:48]

Es steht im Bericht Zu dem Zeitpunkt, als mit in die Psychiatrie gebracht wird, ist er 23 oder 24 Jahre alt, als 1077 geboren, und 2001 wird dieser Bericht geschrieben über ihn. Da steht Diagnose paranoid halluziniert, dorische Episode unklarer Zuordnung und Anamnese, tischer Cannabis, Missbrauch.

[00:29:11]

Und da wird eben beschrieben, wie er reinkommt und dass er mit einer Gruppe Menschen offenbar, was nicht nur der Onkel, sondern in Begleitung von Freunden, die waren auch wieder dabei. Wird er da aufgenommen? Und er ist umtriebig und gereizt. Selbst verletzende Tendenzen werden beschrieben von den Leuten, die ihnen hier vorstellen. Er habe versucht, sich vor fahrende Autos zu werfen und von einer Brücke zu springen. Er habe pathologische Beziehungs, Setzungen, also persönliche Bedeutung von Nummernschildern.

[00:29:40]

Er hat zum Beispiel gedacht In Nummernschildern von Autos sind Nachrichten an ihnen verschlüsselt. Das ist ein typisches Zeichen für eine Psychose. Er wirkt hochgradig auffällig bei der Aufnahme, schwankt ständig zwischen Lachen und Weinen, völlig unangemessenen Lachen und Weinen und hat offensichtlich Halluzinationen, während er aufgenommen wird. Wegen akuter krankheitsbedingte, der eigenen Gefährdung und gleichzeitig unklarer Behandlungs Motivation beantragen die von Paragraf 12 und im Verlauf der richterlichen Unterbringung bis zum 21. 6.. Sie haben ihn drei Wochen behalten und haben ihn drei Wochen lang therapiert.

[00:30:19]

Sie haben ihm schwere Neuroleptika gegeben, und da sie aber nicht wussten, ob er jetzt eine vorübergehende, durch Drogen Missbrauch ausgelöste, exogene Drogen induzierte psychotische Episode hat oder ob er tatsächlich einen ersten Schub eines Schizophrenie zeigt. Entlassen Sie ihn dann und sagen ihm, er soll seine Tabletten weiter nehmen. Das will er aber nicht. Er möchte wieder eine Spritze mitbekommen oder ein Depot mitbekommen, wo er dann weiter Neuroleptika verabreicht bekommt. Er lehnt das alles ab, und er will absolut keine Medikamente haben.

[00:30:55]

Er wird aber streng ermahnt, auf keinen Fall Alkohol und Drogen nehmen darf auf keinen Fall und bekommt dann noch ein Aufklärungsbuch mit und so weiter. Daran hält er sich aber überhaupt nicht, sondern er nimmt noch am selben Abend die erste Ladung Haschisch wieder und trinkt auch. Er trinkt sehr viel, und das haben auch alle seine Freunde. Auch die, die nicht an der Tat teilgenommen haben, haben das vor Gericht ausgesagt. Aber dennoch. Kehrt ein bisschen Ruhe ein?

[00:31:25]

Erstmal ja, er ist erstmal unauffällig, bevor er dann. Immer wieder und zunehmend auffällig wird er nimmt jetzt auch Ecstasy und halluzinogene Pilze. Und er wird zunehmend auffällig. Er fängt nämlich an, seine Umwelt zu bedrohen und ganz besonders seine Mutter. Das habe ich ja schon erzählt, dass auch das erzählt wurde in der Hauptverhandlung, dass er gesagt hat, er wird seine Mutter vom Balkon werfen. Und die würde auch irgendwie böse mit ihm meinen, Dann wollte er auf einmal die Adresse eines Türsteher, der ihm vor vielen Jahren mal in ein Lokal nicht reingelassen hat.

[00:32:05]

Der sei jetzt dran, der müsse jetzt sterben. Dann hat er angefangen, von den Freunden Geld zu erpressen. Er wollte jetzt auf einmal Geld. Er hat gesagt, die würden im Geld schulden, und ging dann auch zu den Eltern dieser Freunde und sagte er, die würden im Geld schulden.

[00:32:23]

Und wenn die Zahlen passiert? Und wenn ja, und wenn die das nicht zahlen, dann bringt er die Kinder um. Das hat er ihnen gesagt. Ihr steht auf meiner Todesliste. Erst wollte er 2000 Euro. Später wollte er dann 35000 Euro und mehr. Er hat dann auch den Valet verdächtigt, dass er für die Polizeispitzel. Und dass er ihnen hinten rum verrät. Heute ist Wörlitz letzter Tag. Hat er da angerufen? Bei der Familie und Latte? Wahnsinn.

[00:32:51]

Ein Wahnsinn.

[00:32:52]

Es heißt ja immer Hunde, die bellen, beißen nicht. Aber dieser Hund beißt auch. Es zeigt Es gibt diese Episode mit seinem Bruder.

[00:33:00]

Ja, es gibt die Episode, da hab ich auch die Anzeige da. Es gibt eine Anzeige, die es allerdings noch früher gestellt worden.

[00:33:08]

Noch bevor er in die Psychiatrie kam, nämlich Ende des Jahres 1998.

[00:33:15]

Da war er 21 Jahre alt. Da hat er auf seinen Bruder geschossen. Es gibt eine Anzeige von der Freundin des Bruders. Der Bruder Dennis lebte mit einer Freundin zusammen und kam eines Tages mit seinem Bruder bemüht in irgendeine Strait. Die Freundin sagt, sie wisse gar nicht genau, worum dieser Streit eigentlich gegangen sei. Es sei ein totaler Mist gewesen. Sie hätten sich laut gestritten über eine völlig belanglose Sache, die sie auch jetzt gar nicht mehr genau wisse. Und man hat sich gegenseitig beschuldigt.

[00:33:48]

Und als sie sei aus dem Schlafzimmer gekommen, und da hätten die beiden sich schon geprügelt. Und ihr eigener Freund, der Denys, der Bruder des Smyth, der habe sich mit bloßen Händen gewehrt, während der OEMs bereits eine Flasche in der Hand hielt und eine Schere. Und er sei dann auf seinen Bruder losgegangen. Er sei dann weiterhin in die Küche gerannt, habe sich ein Messer geholt und habe den Bruder bedroht. Der Bruder habe sich dann los gemacht, sei raus gerannt aus der Wohnung auf den Laubengang dieses Hauses und sei die Treppe runter.

[00:34:18]

Der ümit hinterher bewaffnet. Der Bruder sei wieder zurückgekommen, sei reingekommen, habe die Tür gehauen, und der ümit sei draußen geblieben und habe sich da wahnsinnig aufgeregt und sei verschwunden. Daraufhin habe der Bruder eine halbe Stunde gewartet und sei dann auch rausgegangen, um frische Luft zu schnappen, weil er irgendwie völlig geschockt war von diesem Zusammenstoß. Und als die Frau alleine war, die Freundin, da kam er zurück und sagte Mach auf.

[00:34:49]

Und sie sagte Es ist niemand da. Nur ich bin da und er sagte Du lügst, du lügst, mach auf. Und sie sagte Nein, ich mache nicht auf, dein Bruder ist nicht da. Ich bin hier alleine. Und dann sagte er Ich weiß, dass er da ist. Ich werde alle töten. Ich werde meinen Bruder töten. Ich werde den Hund töten, und ich werde mich töten. Und dann schoss er zweimal in die Tür, mit einer scharfen Waffe, und die Freundin hat gesagt, sie saß wie an Genagelt in diesem Wohnzimmer und wartete zwei Stunden, ohne sich zu bewegen, und rief dann die Polizei.

[00:35:29]

Und dann wurde der Sache nachgegangen. Die Kugeln wurden aus der Tür gepustet, und er wurde dann auch festgenommen, und man fand die Schusswaffe bei ihm. Er hat war bei einem Freund natürlich wieder, und da hat man ihn dann festgenommen und die Schusswaffe beschlagnahmt. Er wurde dann auch dafür verurteilt. Ich weiß aber nicht, was er bekommen hat.

[00:35:49]

Anderthalb Jahre Gefängnis. Du weißt, dass ich weiß es, und das ist das Zeichen dafür, dass Image wirklich gefährlich werden kann.

[00:35:59]

Und jetzt sind wir in einer Szene kurz vor der Tat, über die wir eigentlich reden, jetzt verdichtet sich das Ganze doch schon gesagt, bemüht, erpresst seine Freunde.

[00:36:09]

Er geht zu den Eltern und sagt Es passiert etwas ganz Schlimmes, ich bringe sie alle um. Es gibt eine Situation, da geht er zu Walid und findet dort nur seine Schwester vor.

[00:36:22]

Und bedroht jetzt was? Die Familien sind ja schon gewarnt, sie sollen nicht aufmachen. Aber als Müttern bei Wörlitz Familie klingelt, da geht die Schwester von Valet.

[00:36:34]

Layla geht dann trotzdem runter und sagt Dem werde ich jetzt zeigen, wie 17 hat sich gedacht ich, von dem lasse ich mich nicht einschüchtern. Und er nimmt sie dann aber zur Geisel. Also, er hält ihr ein Messer an den Hals und sagt Ruft dein Bruder an, ruft dein Bruder an, und sie ruft den Bruder an, der wieder mit den anderen, mit den unvermeidlichen Freunden wieder zusammen ist. Diesmal ist man gemeinsam auf der Polizei. Die waren bereits auf der Polizeiwache und sagen Wir werden bedroht, wir werden bedroht.

[00:37:06]

Der Immelt ist hinter uns her und in diese Situation hinein. Der Polizist hat dann später als Zeuge ausgesagt, dass sie da aufgebracht waren und hin und her geschrien haben und einen riesen Wirbel veranstaltet haben vor Angst und gesagt haben, dass sie verfolgt werden von diesem Immelt und so weiter. Und er habe gar keine richtige Anzeige aufnehmen können, weil die so durcheinander geschrien hätten. Und in diese Situation hinein kommt ein Telefonat von der Schwester, die sagt Bemüht ist da, du musst kommen, sonst passiert ein riesiges Unglück.

[00:37:36]

Und er reißt er dann das Telefon aus der Hand und schreit Blut wird fließen, Blut wird fließen, und die Schwester bricht in Tränen aus. Die Layla, weil sie denkt Ihr Blut ist es, das da jetzt fließen wird. Und dann brechen die die ganze Vernehmung ab und rennen dahin zu der Wohnung. Oder es spielt ja alles vor dem Haus, also vor dem Mietshaus, und darin die denn alle hin, und die Polizei kommt auch und nimmt den Mut fest und nimmt ihm ein Messer ab und nimmt ihn mit.

[00:38:04]

Das ist diese Situation an diesem Abend. Sie lassen ihn dann aber frei. An diesem Abend ist der Zenawi lassen ihn am nächsten Tag frei. Sie lassen ist der 10. Juni. 11. Juni ist der Todestag des Immelt. Aber Sie lassen ihn am nächsten Tag frei, und ich weiß nicht, warum. Ich kann es nicht verstehen. Das wurde auch, fand ich vor Gericht, nicht ausreichend aufgeklärt. Denn er hat eine Bewährungsstrafe. Er war unter Bewährung. Man hätte ihn locker zurück in den Knast stecken können.

[00:38:34]

Man hätte ihn auch locker in die Psychiatrie bringen können, um ihn dort mal zu untersuchen. Und dieses Polizeikommissariat war nicht das einzige, an dem Anzeigen gegen ihn eingegangen waren. Auch die Mutter von Luca, die Frau Garrone, war auch beim Abendessen gewesen und hat auch da nachts eine demselben Abend eine SMS oder einen Anruf ihres Sohnes bekommen, dass er versuchen wird, sie umzubringen. Dass er gefährlich wird, dass er ihr auflauert. Daraufhin ist sie in der Stadtmitte hier in Hamburg zu einer Polizeidienststelle gegangen und hat sich nach Hause eskortieren lassen.

[00:39:08]

Dort haben die Beamten die ganze Wohnung durchsucht, haben nichts gefunden.

[00:39:13]

Es gab jede Menge Hinweise darauf, dass hier eine Amok läuft.

[00:39:17]

Dass er freigelassen wird, ist die Freilassung in seinen Todestag hinein. Was ich nicht weiß Seine Freunde sind hier im Bahnhofsviertel, bei einem Waffenlager.

[00:39:29]

Ja, auch sie waren am nächsten Tag wieder bei der Polizei. Also die Freunde sein. Am nächsten Tag, als sie gehört haben. Er ist raus.

[00:39:36]

Er ruft ja dann sofort irgendjemanden an, da ruft wieder einen an, und es ist ein einziges Stimmengewirr, und er rief dann wieder einen Freund dieser Freunde an und sagte Ja, heute ist Zahltag, heute wird Rache genommen, und die brechen zusammen. Die haben gesagt, das kann nicht sein, dass der jetzt frei kommt. Wie kann das gehen?

[00:39:56]

Und dann ist er in die Wohnung des einzigen dieser fünf Jungs, der eine eigene Wohnung hat. Er ist eingebrochen, um sie vorzufinden. Er hat das umgeschmissen oder was kaputt gemacht, ist wieder abgezogen.

[00:40:08]

Dann hieß es ömer, sucht euch. Er wird sich rächen, ihr seid dran, heut ist Zahltag. Dann mit dieser blöden Diktion aus den Western.

[00:40:18]

Es ist eine ganz eigene zur Polizei. Sag nochmal! Wir fühlen uns bedroht. Ja, Sie gehen nochmals auf, und wieder reagiert niemand. Und dann beschließen sie Der Staat hilft uns nicht. Jetzt helfen wir uns selbst. Wir müssen uns selber helfen. Und dann bewaffnen sie sich. Sie bewaffnen sich. Sie tun das nicht heimlich?

[00:40:36]

Nein, sondern sie sind sind unfassbar auffällig.

[00:40:37]

Da fällt dieser Haufen von fünf jungen Männern, fällt bei einem Waffenhändler ja völlig aufgeregt durcheinander. Quatschen und rufend Kaufen die sich Messer?

[00:40:47]

Ja, der war später dann auch als Zeuge geladen, dieser Waffenhändler, und wurde gefragt, wie sie sich verhalten hätten. Und dann hat er gesagt Dann, die waren völlig aufgekratzt, die waren total durcheinander und haben ein Messer gekauft. Und ich hätte nie gedacht, dass dieses Messer irgendwann mal gegen einen Menschen gerichtet wird. Dann wurde er gefragt Hatten die denn da schon vor, den MIT umzubringen? Und dann hat er gesagt, wenn jemand einen anderen umbringen will, da würde sich nicht so viel halten in einem Waffengeschäft und dann schon darum rufen und alles tun, um auf sich aufmerksam zu machen.

[00:41:20]

Das schließt er aus. Nach seiner Beobachtung waren die einfach in Angst. Und jetzt kommen wir zu diesem Moment zurück, mit dem wir begonnen haben, nämlich mit 22 Uhr Sommerabend, 11. Juni. An dieser Kreuzung Genner übermut meldet sich das Hausmülls, stellt die fünf dorthin, und das ihre ist Sie gehen hin.

[00:41:45]

Also, sie sagen, sie wollen sich jetzt nichts mehr von Nöth gefallen lassen. Aber sie machen alles, was er sagt. Und wenn er anruft und sagt Kommt dahin Convent Straße, Kibiz Straße. Dann gehen Sie da ganz brav hin. Bibbernd vor Angst.

[00:41:59]

Aber beginnen wir jetzt fliegen ein paar Worte hin und her vom Unglück. Und dann eskaliert die Situation.

[00:42:07]

Bemüht ist an dem Tag schon aufgefallen, nicht nur jetzt durch seine Anrufe, sondern auch Passanten. Er hat mit einer Waffen Attrappe hantiert, Leute bedroht auf offener Straße. Da kam auch schon einen Polizeieinsatz. Da haben Passanten gesagt, da fuchtelt einer mit einer Waffe herum. Ich glaube, das ist nicht in Ordnung. Und dann kamen Passanten. Die Jungs waren selber nicht nur einmal, sie waren sogar zweimal bei der Polizei gewesen an diesem Tag und haben versucht, jemanden zu für ihr Schicksal zu interessieren.

[00:42:38]

Aber niemand hat die Tragödie gestoppt, obwohl die Behörden informiert waren.

[00:42:45]

Und am Abend des 11. Juni kommt es zum Showdown. Er tritt ihnen entgegen, und es wurde später von der Anwältin der Mutter, die als Nebenklägerin da war, als Hinrichtung bezeichnet. Von den Zeugen aber nicht. Diese hatten nicht den Eindruck, dass hier eine hingerichtet wird, sondern sie hatten eher den Eindruck, dass hier eine seinen Tod heraufbeschwört. Und das gibt es dieses Phänomen gerade bei Leuten, die eine psychische Krankheit haben, was sie ja mit erheblichem Leid auch verbunden ist.

[00:43:19]

Dieser exzessive Rauschgift Gebrauch könnte ja unter Umständen auch darauf zurückzuführen sein, dass wir mit erhebliche Leidensdruck hat. Der eine psychische Krankheit ist ja ein unglaubliches Leid. Was die Leute aushalten müssen. Und deswegen nehmen sie auch häufig Drogen. Und es gibt noch ein anderes Phänomen bei psychisch schwer Kranken Das ist der sogenannte verschobene Suizid. Das sind Leute, die zum Beispiel die Polizei durch irgendwelche Verhaltensweisen die Polizei dazu zwingen, sie zu erschießen, und einen ganz großen Abgang haben wollen, einen großen öffentlichen Tod.

[00:43:58]

Und es wird vermutet Ich habe später mit Psychiatern gesprochen, auch mit Psychiatern, die sich speziell für die Türkische Gemeinde interessiert haben und auch deren besondere Probleme im Auge hatten. Die haben mir erklärt, dass es zu solchen Taten kommen kann, wenn man einen großen männlichen Abgang haben möchte. Hier hat er seine Freunde provoziert, und es ist durchaus möglich. Und es wurde auch in der Hauptverhandlung so gesagt und auch von der Polizei vermutet. Das ist eine Provokation zum zum Töten.

[00:44:31]

Er wollte sterben und hat seine Freunde dazu benutzt, ihn zu töten, indem er ihnen so viel Angst gemacht hat, dass ihnen gar nichts anderes übrig zu bleiben schien. Es hat mich ein bisschen so an ein Julius Cäsar erinnert. Julius Cäsar wurde ja auch von den römischen Senatoren umringt und mit 23 Messerstichen zehn weniger als Izmit hingerichtet, getötet, weil man fürchtete, erreichst in der römischen Republik.

[00:45:00]

Im Jahr 44 vor Christus reißt er die Macht an sich und macht sich zum Kaiser. Und das wollte man verhindern. Man wollte den Untergang der römischen Republik verhindern, indem man diesen Diktator tötet. Und ein bisschen in Tyrannenmord war es hier auch, und so haben es die Jungs auch geschildert. Die haben gesagt, es war ein Tyrannenmord, wir mussten ihn töten. Wir hatten keine andere Wahl. Fast Notwehr. Sie haben sich auf Notwehr berufen.

[00:45:24]

Ja, aber sie sind natürlich hingefahren. Sie sind hingefahren und haben sich das diktieren lassen. Diese Situation und diese Situation ist mir nach wie vor unbegreiflich.

[00:45:35]

Es gab vorher Hinweise darauf, dass es mit diesem verschobenen Suizid gar nicht so weit hergeholt ist. Oder jetzt rein interpretiert ist. ümit hat schon im Vorfeld öfter mal Selbstmord Fantasien gehabt und auch geäußert, ja auch geäußert.

[00:45:49]

Er ist auch einem jungen Mann begegnet an diesem Tag, an seinem Todestag. Dem hat er riesige Pläne vor gespielt. Da hat er gesagt, was er alles vorhat, und hat also geredet wie ein Wasserfall. Und der hat sich dann irgendwann von ihm verabschiedet und hat gesagt Na ja, alles Gute für deine Pläne. Das hört sich ja alles großartig an. Und dann sachte den Satz Außer jemand bringt mich um. Das war der Abschied. Der war als Zeuge da.

[00:46:18]

Er hat das auch erzählt, dass ihn das sehr, sehr verstört hat. Diese Aussage. Sabine, du hast ja schon beklagt, es gab keinen psychiatrischen Gutachter in diesem Prozess. Es bleibt vieles offen und rätselhaft, und das wird am Ende auch keine Antwort auf die Frage geben, ob es jetzt wirklich ein verschobener Suizid war.

[00:46:37]

Aber du hast auf bestimmte Art und Weise einen Einblick in diese gespaltene Persönlichkeit von Mut bekommen, nämlich Du bist so einer Freundin begegnet?

[00:46:45]

Ja, ich bin ja seiner Mutter begegnet. Das hab ich ja erzählt und hab dort auch das Schicksal dieser Familie, z.B. der Bruder der Mutter, auf denen sie sich sehr stark gestützt hat. Sie hat ihren eigenen Mann irgendwann verlassen und war mit bemüht, dann allein und hat sich ganz stark auf ihren Bruder verlassen. Da habe ich zum Beispiel auch mitbekommen Der Bruder der Mutter war in der Türkei im Gefängnis und war dort als politischer Gefangene gefoltert worden und ist nicht gefoltert worden.

[00:47:14]

Aber er wurde einfach nicht mehr rausgelassen und hat dann in Hungerstreik angefangen und hat 69 Tage nichts mehr gegessen. Und er hatte davon eine Gehirn Beeinträchtigung. Er konnte sich nichts merken. Er hat sehr schnell alles vergessen, weil diese Episode tatsächlich sein Gehirn angegriffen hatte.

[00:47:35]

Vergessen, dass er seinen Neffen in die Psychiatrie. Das hatte er vergessen. Darüber konnte ich mit ihm nicht mehr reden, weil er es vergessen hatte. Das steht nur noch in den Unterlagen der Psychiatrie. Oder der Bruder von ümit. Der hat auch ein sehr riskantes Leben geführt. Er hat einen erheblichen Motorradunfall gehabt, hat ein zertrümmerten Schädel. Also diese ganze Familie war irgendwie beschädigt und war unter einem unglaublichen Druck sehr fragil, ja sehr fragil und sehr unglücklich.

[00:48:03]

Wir waren alle sehr unglücklich wie ein kranker Bruder, ein schwerverletzter Bruder, ein Onkel mit Gedächtnisverlust und eine Mutter, die ein ganz schweres Schicksal zu tragen hatte und sich mit Müh und Not von ihrem Mann getrennt hat. Der Mann war übrigens auch in der Hauptverhandlung der Vater von ümit. Und wenn die beiden sich begegnet sind, hat man den Eindruck gehabt, gerade von der Mutter ausgehend. Zwei Steine begegnen sich. Sie hat diesen Mann mit keinem Blick gewürdigt. Ich weiß nicht, was da vorgefallen ist, aber sie hat ihn nicht angesehen, und es war für sie ein Schrecken, dass der da war.

[00:48:39]

Es gab aber noch jemanden, der Amys leben.

[00:48:42]

Genau.

[00:48:42]

Lydia, die Freundin, hat ihn am 11. Januar 2004 kennengelernt, Kinder in einer Bar, und zwar in der China Lounge, hat sie ihn kennengelernt, hat einmal öfter, mal verkehrt, und die Lydia war ein Mädchen, wo man sich denken, die hat mit Drogen ja nun gar nichts zu tun. Und mit einem Dealer Ohlig und mit einem Vorbestraften ein Kind aus gutem Hause, muss man sagen. Die war eine Mode. Studentin aus Hessen mit langen braunen Haaren, sehr attraktive junge Frau.

[00:49:15]

Und die war total verliebt in diesen bemüht. Sie hat den in der China Lounge kennengelernt, und ich habe sie besucht. Sie hätten den Tee angeboten, da stand ein riesiges Bild von ihm mit diesen Locken. Und sie war genau ein halbes Jahr mit ihm zusammen. Dann ist er erstochen worden, und ich habe sie dann gefragt, ob sie irgendwas gemerkt hat. Und sie sagte Nein. Bemüht. Bemüht, krank, Gemüt, verrückt? Niemals war vollkommen normal.

[00:49:49]

Also wenn ich mich an ihn erinnere, ist er immer nur ein großes, dickes Lachen. Er war immer gut gelaunt. Er war wahnsinnig zuvorkommend.

[00:50:00]

Er hatte eben für sie diese Mischung aus einer nicht so wie ihre Kommilitonen, die sie irgendwie als Weicheier empfunden hat, sondern sie hatte eben den Eindruck Der ist ein richtiger Mann, sehr maskulin, aber gleichzeitig eben extrem zugewandt, also extrem höflich. Er hat alles für sie getan, alles. Und das hat sie einfach umgehauen. Diese Mischung hat sie mir geschildert, wie er war und dass sie nichts gemerkt hat. Sie dachte auch, dass sein Vater Deutscher ist.

[00:50:29]

Das hat er ihr erzählt. Er hat ihr erzählt, er hätte eine eigene Wohnung. Er hält den tollen Job. Deswegen hätte er auch so viel Geld, dass das Drogengeld war. Da fiel sie aus allen Wolken, und sein Vater sei Deutscher mit irgendeinem tollen Beruf. Sie hat gesagt, er hat ihr eine vollkommene Scheinwelt aufgebaut, die mit der Realität nichts zu tun hatte, sondern nur mit dem, was er gerne gehabt hätte. Es war seine Traumwelt.

[00:50:57]

Die hat er mit dieser Lydia geteilt und dies auch für Lydia zusammengebrochen, als sie das mitbekommen hat. Das meiste hab ich ihr hier erzählt. Das meiste wusste sie.

[00:51:07]

Sie weiß nicht, dass er noch bei seiner Mutter wohnen. Sie weiß auch nicht, dass es da noch eine andere Frau gibt Carmen.

[00:51:14]

Das wusste sie auch nicht. Sie wusste, dass er vor ihr mal eine Freundin hatte und dass sie schrecklich eifersüchtig war, angeblich. Aber was sie nicht wusste, war die Realität dass diese Frau überhaupt nicht eifersüchtig war, sondern sich massiv gefürchtet hat vor ihm. Carmen war auch Mutter von Emmys Kind. Damit war Vater. Er hatte ein Kind, und zwar mit dieser Carmen, und hat ihr aufgelauert, wenn sie mit dem kleinen Jungen über die Straße gegangen ist.

[00:51:42]

Es sei inzwischen das Jugendamt eingeschaltet. Sie hat versucht, vor diesem gewalttätigen gemütes Kind zu bewahren. Er selber hat sie bedroht. Er hat nachts geklingelt, er hat ein Terror veranstaltet.

[00:51:54]

Er hat gedroht, das Kind zu entführen, gedroht, das Kind zu entführen und mit ihnen in die Türkei abzuhauen. Von alledem wusste Lydia nichts. Ich habe dann angerufen bei Carmen und Carmen, lebte bei ihrer Mutter wieder, und die sagte Es war die Hölle mit ihm. Am Telefon hat sie mir ganz kurz geantwortet. Sie hat nur gesagt Es war die Hölle mit ihm. Er hätte uns alle umgebracht. Gut, dass er weg ist. Das Doppelleben von Myth.

[00:52:19]

Lydia hat mir, aber nach diesem Prozess habe ich ihr den Artikel geschickt, den ich darüber geschrieben habe, und sie hat mir einen kleinen Brief zurückgeschickt und hat geschrieben Liebe Frau Rückert. Vielen Dank für die Zusendung Ihres Artikels. Leider müsste ich bestimmt zehnmal so viel schreiben wie Sie, um Ihnen zu sagen, was ich denke. Deshalb kann ich nur genau so, wie Sie es bereits getan haben, feststellen, dass ümit seine wahre Geschichte mit ins Grab genommen zu haben scheint.

[00:52:48]

Dass Sie ebenfalls bereits selbst festgestellt haben, wie viele Lügen in dieser Geschichte stecken. Und ich selbst auch weiß, dass ich nichts weiß, möchte ich Ihnen an dieser Stelle einfach nur dafür danken, dass Sie sich so intensiv mit IMAS Geschichte auseinandergesetzt haben und auf ein großes Problem in unserer Gesellschaft aufmerksam gemacht haben? Liebe Grüße! Lydia! Das ist ein kleiner, kurzer Brief auf halb transparenten Papier, der gerade aus einem Oberlin farbenen Umschlag gezogen hast. In ganz wenigen Sätzen zusammengefasste Fassungslosigkeit könnte man sagen Ja, die Jungs haben dann sehr harte Strafen bekommen.

[00:53:26]

Was die Verteidiger sehr aufgeregt hat, die wurden dann zwischen fünfeinhalb und sechseinhalb Jahre, haben die gekriegt wegen Totschlags und nicht, weil er. Kein Messer? In Tat genau, einer nicht. Der hatte kein Messer dabei. Er hat nur mit Fäusten geschlagen, der kam mit drei Jahren davon. Soweit ich mich entsinne, aber Sie wurden sehr hart bestraft, die Revisionen hatten, soweit ich weiß, keinen Erfolg und ich denke aber, dass sie wahrscheinlich vorzeitig entlassen worden sind.

[00:53:51]

Das könnte ich mir jedenfalls vorstellen, was aus ihnen geworden ist. Das weiß ich nicht.

[00:53:56]

Und so bleibt eine Szene, ein Tötungsdelikt, das sich vor aller Augen abgespielt hat, vor vielen Zeugen doch ein gewaltiges Rätsel.

[00:54:07]

Sabine. Ich denke, die Andreas.