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[00:00:16]

Liebe Zuhörerinnen, die Zuhörer herzlich willkommen zu einer neuen Folge unseres Podcasts Verbrechen, liebe Sabine, wir sind zu zweit mal wieder, besitzen in weiter Entfernung voneinander drei Meter Kabel getrennt, brav im großen Konferenzraum der Zeit.

[00:00:36]

Und wir haben unseren Zuhörerinnen und Zuhörer etwas Neues mitgebracht.

[00:00:42]

Ja, es gibt schon wieder eine Erweiterung des Raums des Kosmos.

[00:00:47]

Zeit, Verbrechen, Erweiterung des Raumes finde ich schön.

[00:00:50]

Formulierungen gibt es jetzt, ab dem 19. Juni, einen monatlichen Newsletter also jeder, der wissen will, was hinter den Kulissen so los ist, oder er mehr erfahren will über uns, der kann uns nicht nur auf Instagram folgen, wo wir ja auch unterwegs sind, Mietzeit, Verbrechen, sondern der kann jetzt auch diesen Newsletter abonnieren.

[00:01:12]

Ja, wir stellen ein bisschen das Team vor einem kleinen Fragebogen. Der beginnt mit der Frage Wie kriminell bist du? Ja, genau.

[00:01:19]

Und diesmal bist du gefragt worden. Ja, genau. Jedes Mal wird jemand aus dem Team, der bekommt die berühmte Frage aus dem Magazin gestellt. Im Magazin fragen wir das ja. Prominente Wie kriminell sind Sie? Und diesmal fragen wir uns gegenseitig Wie kriminell bist du? Und da bist du der Allererste, der gefragt worden ist nach deinen kriminellen Unterströmungen? Genau.

[00:01:39]

Geständnisse. Den Newsletter bekommt man, das müssen wir noch verraten. Man kann sich anmelden. Kostenfrei natürlich, aber sehr wertvoll unter www. Punkt. Zeitpunkt d Slash zv minus Newsletter.

[00:01:57]

So einfach ist das. Sabine Es ist gut, dass wir diesmal hier zu zweit zusammensitzen, denn wir haben vor einem sehr düsteren Raum an sehr düsteren Bereich sehr dunkel vorzudringen. Wir sind heute in Düsseldorf unterwegs.

[00:02:16]

Darf ich vorher noch was sagen? Ja, sag ich. Heute wäre eigentlich die Ausstrahlung der Aufnahme, die wir im Schauspielhaus gemacht hätten. Die lange Nacht der Zeit wäre ja verbunden gewesen mit einem unserer Auftritte Live-Auftritte im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, und wir hatten da einen tollen Fall, aber hin erzählen wir dann ein andermal genau da haben wir uns aufgehoben.

[00:02:37]

Ja, genau diesen Fall hier, den ich heute erzähle, den wollte ich eigentlich in Köln erzählen, bei einem Auftritt Anfang des Jahres, der auch schon flach gefallen ist, wegen Coruña. Und jetzt erzähle ich ihn aber hier in unserer kleinen Zweisamkeit? Ja, genau.

[00:02:53]

Also, wir sind richtig in Westdeutschland, wir sind im Rheinland. Wir sind in Düsseldorf, und wir reden über eine Frau, die etwas tut, was für mich völlig unbegreiflich ist eine Mutter, die ihre beiden Töchter tötet.

[00:03:09]

Diese Frau heißt Marion K.. Das Urteil über sie fällt am 15. April 2005 wegen Totschlag in zwei Fällen zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Du hast sie erlebt. Sabine Erzähl mir von Marie und K. Erzähl mir von diesen Menschen, den ich überhaupt nicht begreifen kann.

[00:03:32]

Niemand kann ihn auch nicht begreifen. Ich habe es auch nicht vermocht. Ich bin auf diesen Fall gekommen, weil ich eine kleine Meldung gelesen habe.

[00:03:44]

Ich bin ja immer interessiert an nicht entdeckten Tötungsdelikten, und die beiden Tötungsdelikte, die Marion K. begangen hat, waren tatsächlich nicht entdeckte Tötungsdelikte.

[00:03:54]

Sie haben also sozusagen in meinen Studien Ramen, meine Sammlung der nicht entdeckten Tötungsdelikte, reingepasst, und deswegen bin ich damals hingefahren in die Hauptverhandlung damals in Düsseldorf und habe mich da rein gesetzt und hab mir diesen Fall angehört. Ich kam da rein in das sehr unerfreuliche Landgericht Düsseldorf und traf auf eine Frau, die ganz normal aussah. Also eine kleine, unscheinbare, ein bisschen verhuschte, schüchterne Frau Desastern neben ihrer Grau Mennicken Verteidigerin, und im Saal saßen Leute, die so voller Hass waren.

[00:04:39]

Es war eine Stimmung, wie man sie bei Kinder morden oder bei Tötungsdelikten von Kindern häufiger antrifft, dass nämlich das Publikum den Angeklagten hasst und schon verurteilt hat.

[00:04:53]

Ja, und ich habe dann auch später erfahren aus diesem Publikum, dass es da auch den Ruf nach Hinrichtungen gab und so weiter. Also ganz fürchterlich. Ich kann am Schluss vielleicht noch ein Brief vorlesen, der mich erreicht hat, nämlich einen Brief des Psychiaters, der diese Frau untersucht hat, der sich darüber wahnsinnig aufgeregt hat über dieses, über die Stimmung im Publikum.

[00:05:15]

Und da saß die Frau, und man hat nach dem, was die Zeitungen geschrieben haben und was da angekündigt war, hatte man irgendwie wieder eine monströse Erscheinung erwartet. Aber es fand sich eben nur diese harmlos aussehende kleine Frau, die auch in jedem Supermarkt oder in jedem Kleider Geschäft einem hätte begegnen können.

[00:05:36]

Marion K., diese unscheinbare Frau, von der du berichtet, hat am 8. November 2003 ihre kleine Tochter Luisa erstickt. Das Kind ist da wenige Monate alt, und Marion K., so schildert die Tat, bedeckt die Tochter mit Decken und Kissen und sorgt dafür und achtet darauf, dass die Atemwege verlegt sind.

[00:06:00]

Dass Luisa keine Luft bekommt, und legt sich neben ihre Tochter und hört und sieht ihr zwei Stunden lang beim Sterben zu.

[00:06:12]

Erzählt die Geschichte von Marion K. Wie Von wem ist diese Tochter, wo ist der Vater? Was ist passiert?

[00:06:19]

Louisa ist Marion K.s zweite Tochter. Sie hat bereits ein Kind, das zu dem Zeitpunkt vielleicht zweieinhalb Jahre alt ist, und sie hat ein zweites Kind bekommen. Beide Kinder sind von afrikanischen Flüchtlingen. Der eine lebt in Düsseldorf zu diesem Zeitpunkt, der andere wurde abgeschoben. Die Geschichte erzähle ich gleich, und als sie das zweite Kind bekommt, hat sie es vorher niemandem gesagt, weder dem Vater, mit dem sie einen sehr oberflächlichen Kontakt hat, ja auch verheiratet ist seinerseits noch ihren eigenen Eltern, noch ihren Freunden.

[00:06:56]

Sie hat aber kaum Freunde deswegen. Es gibt kaum Leute, denen sie was erzählen kann, und sie sagt es auch niemanden.

[00:07:02]

Aber es geht doch. Auffermann Nein, sie sagt sie. Ich bin hier geboren worden, ich esse, ich esse viel Süßigkeiten. Das hat sie schon immer gerne getan, sehr extrem viel Süßigkeiten gegessen. Sie sagt Na, ich nehme jetzt furchtbar zu. Sie hat es sich vielleicht auch selbst nicht eingestanden, dass sie schwanger ist. Und eines Tages legt sie sie, trinkt auch Alkohol. Nicht zu knapp. Und eines Tages legt sie sich in ihr Apartment und auf dem Teppich und ein Kind auf den Teppich.

[00:07:31]

Es ist die Mutter, trifft ein. Ich glaube, sie ruft dann die Mutter an. Die Mutter trifft ein, trennt die Nabelschnur durch, ruft den Rettungswagen an, der nimmt die Blutende entbunden, nimmt das Kind unterkühlt, ist mit ins Krankenhaus, und es gibt keinen Strampler. Es gibt keine Aussage, die sie sagen. Die Rettungssanitäter fragen, wo es der Mutter passt. Es gibt aber gar keine Mutter, die Marion kava zu keinem Zeitpunkt bei irgendeinem Arzt. Das Kind ist einfach in ihr gewachsen und irgendwann rausgekommen.

[00:08:05]

Und sie lag dabei und war. Ich war wie abwesend, hat sie später gesagt. Ich war abwesend.

[00:08:11]

Sie hat diese Schwangerschaft rundheraus verleugnet. Nein, irgendeiner Vorbereitung. Es gibt kein Baby. Bernheim Keine Windeln.

[00:08:18]

Gar nichts. Nichts. Es gibt aber die psychologische Erkenntnis, Kriminalpolitik, logische Erkenntnis, dass solche Geburten, von denen die Mutter selbst überrascht ist, dass die nicht selten gefährlich sind fürs Kind. Weil die Mutter so viele Tötungsdelikte an Neugeborenen passieren in so einer Phase. Hier aber geht die Sache sozusagen zunächst einmal gut aus.

[00:08:42]

Die Mutter kriegt das Kind in den Arm gedrückt und geht damit nach Hause mit ihrer Tochter Luisa, mit ihrer Tochter Luisa.

[00:08:51]

Drei Wochen später sitzt die Frau mit ihren beiden kleinen Mädchen in ihrer Wohnung. Sie hat alle Kontakte zu allen abgebrochen. Sie hat keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern. Sie hat keinen Kontakt zu dem Vater des Kindes, der aber immer wieder mit ihr Kontakt aufnehmen möchte.

[00:09:11]

Sie fühlt sich von allen verraten und verlassen. Und sie kann das fordernde Schreien des Kindes nicht mehr hören. Das Kind ist ein, sagt sie später, ein Schrei, Baby! Und es schreit und will Zuwendung.

[00:09:26]

Während die erste Tochter, die große Tochter, sie weitgehend in Ruhe ließ als kleines Baby, ist die zweite Tochter sehr fordernd.

[00:09:33]

Die will nachts zu ihrer Mutter. Sie will an die Brust, sie will gefüttert, gewärmt. Sie will Zuwendung haben, und davon wird Marion K. zunehmend gereizt und überfordert. Und irgendwann entschließt sie sich dann Es muss hier ein Ende haben. Es muss ein Ende haben.

[00:09:52]

Dann nimmt sie eben die Kissen und die Decken, und alles, was sie finden kann, schlägt es noch zusammen, damit es noch doppelt so schwer ist, und häuft es auf. Das Kind auf dem Kind ist ein riesiger Berg. Und dann hofft sie, dass das Kind unter diesen Decken stirbt. Und das tut das Kind auch.

[00:10:10]

Das Kind dauert allerdings eine ganze Weile, und sie sitzt daneben und wartet, dass der Tod eintritt, und schläft dabei hin und wieder ein bisschen ein. Und dann wacht sie wieder auf und lauscht weiter. Und erst als sie sich ganz sicher ist, dass das Kind tot ist, nimmt sie die Decken runter, legt sie zusammen, macht alles sauber und ruft den Notarzt.

[00:10:33]

Okay, der Notarzt kommt, der Notarzt kommt und wird das Kind natürlich jetzt untersuchen.

[00:10:38]

Ja, natürlich. Er untersucht das Kind. Er stellt den Tod fest. Er sagt Da ist nichts mehr zu machen. Die Polizei kommt. Die Mutter sagt Ja, es hat auf einmal aufgehört zu atmen. Das Kind wandert in die Rechtsmedizin, wird dort untersucht, und man stellt fest, dass das Kind ist tot. Aber es wird wohl ein plötzlicher Kindstod gewesen sein.

[00:10:57]

Plötzlicher Kindstod. Ist erst drei Wochen alt.

[00:11:00]

Ich habe ja von mir gelernt. Es gibt, wenn ein Mensch erstickt wird. Gibt es so Erstickung, Anzeichen? Kleine Einblutungen, die man sieht und so.. Da gibt es keine.

[00:11:10]

Nein, es gibt keine Zeichen bei 4. Diese ganzen Tässchen hat sie nicht. Sondern sie ist einfach tot und man weiß nicht warum, und sie hat keine Einwirkungen von Gewalt, und deswegen kommt die Mutter davon.

[00:11:25]

Jetzt gehe ich nochmal zurück. In diese Geburts Situation kommen mir jetzt Menschen ins Haus. Der Notarzt und seine Helfer kommen zu einer Frau, von der sie sehen, die ist auf diese Geburt gar nicht vorbereitet, ist in einem seltsamen Zustand. Aber die wird dann einfach sich selbst überlassen. Oder gibt es da irgendein Alarmsignal, das da die ganze Geschichte?

[00:11:46]

Der Mai und K. ist eine Geschichte von übersehenen Alarmsignal. Es gab Tausende von Alarmsignale, die können wir jetzt alle gleich auch noch aufzählen. Aber das ist eine Geschichte, eine Familie, eine Umgegend, eines in gewisser Weise auch eines Staates. Die weggesehen haben. Am Schluss ist die Sache dann deswegen rausgekommen, weil ein Polizist und eine Polizistin dann doch mal hingeguckt haben. Ganz am Schluss, durch die Polizei und durch zwei aufmerksame, zugewandte Polizeibeamte, ist dann alles rausgekommen.

[00:12:21]

Aber sonst? Vorher hat sich niemand für diese Frau interessiert.

[00:12:26]

Als Luisa zur Welt kam, hat ihre Mutter versucht, sie zur Adoption freizugeben. Die Mutter wusste, dass sie dieses Kind nicht will. Sie wollte das Kind nicht. Es war sozusagen ein Unfall. Sie hat es nicht akzeptiert, dass das Kind in ihr wächst. Sie hat sich auch nicht mit der Idee einer Abtreibung auseinandergesetzt, weil sie es grundaufbau verleugnet hat.

[00:12:49]

Und als es dann da war und sie mit dem Kind in der Klinik war, hat sie zur Schwester gesagt Ich möchte das Kind zur Adoption freigeben. Und dann kam mit ihren Eltern und haben gesagt Marion, bist du verrückt, das ist dein Kind, du bist eine Mutter, du hast für dieses Kind zu sorgen. Das wird überhaupt nicht zur Adoption freigegeben. Und aus Angst vor den Eltern, vor allem vor dem Vater, hat sie das dann alles wieder rückgängig gemacht?

[00:13:11]

Hat das Kind mitgenommen, obwohl sie es keine Sekunde geliebt und auch nur gewollt hat. Und sie hat sich dann reinreden lassen in diese Situation. Und dann hat sie sie so beendet.

[00:13:24]

Wir bleiben noch einmal im selben Jahr, im Jahr 2003, 8. November, ist die Erstickung von Luisa. Am 12. Januar 2003 gab es einen Moment. Hätte aufmerksam werden lassen können, nämlich?

[00:13:40]

Marion K. ist ja schon Mutter von Diana, und es gibt ein Polizei-Einsatz.

[00:13:45]

Und es gibt einen Polizeieinsatz, nämlich Sandy C. Der Vater von Diana alarmiert die Polizei.

[00:13:51]

Er merkt Seine Lebensgefährtin behandelt die Tochter ganz schrecklich, ignoriert sie, vernachlässigt sie und alarmiert jetzt die Behörden. Die tauchen auch auf am 12. Januar. Was passiert?

[00:14:05]

Zuvor muss ich vielleicht noch sagen, dass Sandy C. Ein nigerianischer Asylbewerber ist, der eigentlich in Baden-Württemberg seine Unterkunft hat und dieses Bundesland auch nicht verlassen sollte.

[00:14:19]

Er ist aber nach Düsseldorf gefahren, weil er dort Bekannte hat, und ist auch bei dieser Gelegenheit in der afrikanischen Gemeinde, in der auch Marion K. hin und wieder in die Diskotheken ging, oder in die Clubs, ist er ihr begegnet.

[00:14:34]

Und sie war eine Freundin eines Freundes von ihm. Also der Freund, den er hatte, ist der Vater wiederum von Luisa. Von dem getöteten Baby, von dem wir gerade gesprochen haben. Denn ein Freund von diesem Fenice, der Luisa Vater war, ist eben Sandale.

[00:14:51]

C. Sandra C. Verliebt sich in Marion. Man zieht zusammen, man bekommt ein Baby, nämlich die Diana. Und als sie da so zusammen leben, merkt Sandy, dass Marion K. mit diesem Kind nicht gut umgeht. Er hat den Eindruck, die liebt dieses Kind nicht, sie füttert es nicht richtig. Sie findet es nicht richtig. Sie lässt es auf dem Tisch liegen. Er hat den Eindruck, dass es dieses Kind ist wie eine Sache, die hin und hergeschoben wird.

[00:15:20]

Und er ruft bei den Eltern an. Bei den Eltern von Marion und sagt Die mit der Mutter stimmt was nicht. Die Mutter ist nicht gut zu dem Kind. Und daran entzünden sich ständig Streitereien, weil Marion diese Kritik von Sandale nicht aushalten mag und sich darüber sehr aufregt. Und dieser Kritik ausweicht. Aber er wird so verzweifelt, dass es irgendwann eskaliert, und zwar an diesem Abend des 12. Januar 2003.

[00:15:51]

Der eskaliert der Streit, weil es wieder um die Behandlung der Mutter geht, wie sie mit dem Kind umgeht. Und Sandra ruft die Polizei. Und zwar deswegen, weil Marion sagt Ich drehe jetzt den Gashahn auf und bringe uns alle um. Sie haben eine Gasheizung, und sie droht mit Hilfe der Gasheizung gezehrt, die Familie auszulöschen und. Die Polizei und die Polizei rückt an und Marion K. ist ganz ruhig, ganz kalt und sagt Dieser Mann hier ist verrückt.

[00:16:22]

Und Sandy sagt Dieses Kind ist in Gefahr. Diese Mutter ist gefährlich für dieses Kind. Sehen Sie das nicht? Sehen Sie das nicht. Aber die Beamten sehen nur einen aufgebrachten nigerianischen Asylbewerber, der sich nicht ausweisen kann, der ganz offensichtlich nicht im Bundesland ist, indem er sich aufhalten darf, sondern illegal in Düsseldorf lebt und der jetzt hier ein riesen Theater abzieht. Und der jetzt auch noch in seiner Verzweiflung, als er merkt, dass er hier nicht durchdringt. Nun reißt er das Kind an sich, hält dem Kind ein Messer an den Hals und sagt ein Killing me baby.

[00:16:58]

Telepolis, das sind Ladas Gove.

[00:17:00]

Das ist alles festgehalten worden in einem polizeilichen Vermerk. Er wird festgenommen und mitgenommen. Das Kind wird der Mutter in die Hand gedrückt, und die Polizei hat sich also gegen den schwarzen Vater, sondern für die weiße Mutter entschieden und hat damit sozusagen den Tod der Diana, der jetzt auch demnächst eintreten wird, somit möglich gemacht. Der Vater, der Einzige, der diese Katastrophe kommen sah, Sandy C. War der Einzige, der die Katastrophe kommen sah in diesem ganzen System an vorbei Kucan.

[00:17:35]

Und er hat in seiner Verzweiflung versucht, ein Fanal zu setzen, und hat es damit mit der Abschiebung bezahlt. Er wurde dann, kurze Zeit später wurde er erst festgenommen, und dann wurde er ganz wenige Wochen später abgeschoben und hat versucht, noch aus dem Aus dem Knast heraus Kontakt aufzubauen und das irgendwie noch hinzukriegen. Aber es hat ihm nichts mehr genützt.

[00:17:56]

Das heißt, der einzige Mensch, der wirklich so aus dem Inneren, aus dem Beziehungs Finderin von Marion K. und aus dieser seltsam unbeteiligten Mutterschaft von Mario K. berichten kann, ist nicht mehr da. Ist jetzt abgeschoben, heißt es abgeschoben, und das wollte sie auch.

[00:18:14]

Sie wollte ihn los sein. Warum das so ist, dazu kommen wir später. Der Psychiater hat, dass sich das alles sehr genau angesehen und lange mit ihr gesprochen.

[00:18:22]

Aber sie bleibt nicht lange allein, denn im Fenice ist sozusagen der nächste Lebensgefährte. Mit der jetzt eminenzen Tochter Nike ersetzt ihn Santé noch praktisch.

[00:18:34]

Im selben Tag, also noch während der Santé in der Abschiebehaft sitzt, beginnt sie ihre neue Beziehung mit Nike, von dem sie dann die Luisa bekommt. Aber Nike sagt sie nichts davon, dass sie ein Kind erwartet. Sie behandelt ihn immer sehr distanziert. Sie hat zwar ein Verhältnis mit ihm, aber sie lässt ihn nie wirklich an sich ran. Was sagt er auch? Ich habe immer versucht, mit ihr zu reden und in sie rein zu gucken. Aber man hat nichts verstanden, was in ihr los ist.

[00:19:03]

Ich habe es nicht verstanden. Manchmal wollte sie, dass ich zu ihr komme. Dann habe ich geklingelt. Ich habe gesehen, sie ist da Licht. Aber sie hat nicht aufgemacht, und ich habe mich dann immer wieder gefragt, ob sie vielleicht irgendwie krank ist. Dass sie ein psychologisches Problem hat, hat er gesagt.

[00:19:19]

Wie lebt Marion Cardin jetzt, nach der Tötung von Luisa, weiter? Ja, sie blüht auf.

[00:19:26]

Und sie blüht auf. Es ist auch sehr befremdend für die Leute, das zu bemerken, aber erst einmal geht es ihr gut. Sie hat ein schwerwiegendes Problem offensichtlich für sich gelöst, und sie findet eine Arbeit. Sie hat die ganze Zeit vorher von Sozialhilfe gelebt. Jetzt findet sie eine Arbeit, und zwar stöpselt sie Flakons zu einer Parfümerie und ein paar Filmfabrik und gibt das Kind die größere, die Diana, die Tochter von Sandy. Gibt sie zu ihren Eltern.

[00:19:58]

Die Eltern sagen aber bereits nach vier Tagen, es werde ihnen zuviel. Sie könnten auf das Kind nicht mehr aufpassen. Damit ist das erste Problem sozusagen wieder da. Sie muss zu Hause bleiben. Das zweite Problem ist, dass die paar Filmfabrik ihr nach neun Tagen bereits sagt, dass sie ihre Produktion ins Ausland verlegt und die und das Unternehmen wieder schließt. Damit hat sie nach neun Tagen auch schon keinen Job mehr. Und jetzt sitzt sie mit ihrer Tochter Diana alleine zu Hause.

[00:20:31]

Sie hat das Verhältnis mit den Eltern wieder komplett abgebrochen, weil sie ihnen das übel nimmt. Wie sehr sie sie da haben hängen lassen.

[00:20:40]

Der Vater spart auch nicht mit Vorwürfen. Der Vater mach es dir vor, du bist schuld, dass du den Job verloren.

[00:20:45]

Der Vater glaubt ihr das nicht. Auf die Beziehung zu den Eltern kommen wir gleich. Das ist eine hochkomplexe und hoch Problem beladene Beziehung. Und trotzdem die einzige, die sie hat, die wirklich diesen Namen verdient.

[00:20:57]

Und der Vater macht ihr große Vorwürfe, dass sie wieder keinen Job hat, dass sie auch keine gute Mutter sei, weil sie auf das Kind nicht richtig aufpasst. Dass sie das alles bei den Großeltern ablädt. Dieses kleine Mädchen. Und daraufhin setzt sich Marion K. in ihre Wohnung und beschließt, das Kind zu ignorieren. Sie sagt Sie hat beschlossen, dieses Kind gibt es nicht mehr. Das war ihre Lösung des Problems.

[00:21:23]

Nun gab es das Kind. Aber ja, das Kind war im Wohnzimmer, es stand in seinem Gitterbett und schrie. Es war in seinem Laufstall oder Gitterbett und und schrie, unterstand es und rief nach seiner Mama. Zwei Tage lang.

[00:21:38]

Marion K. lebte zwei Tage lang mit diesem kleinen Mädchen und das Kind stand im Gitterbett und rief nach ihr, und sie ist vorbeigegangen und hat es nicht gehört.

[00:21:51]

Sie hat es nicht gewickelt. Sie hat es nicht gefüttert. Sie hat es nicht auf den Arm genommen. Das Kind war für sie wie tot. Und nach zwei Tagen hat sie dann genug gehabt davon. Und dann hat sie, ist sie hingegangen und hat dem Kind etwas zu essen gegeben, seitdem eine Flasche gereicht, und das Kind greift nach der Flasche und hat, weil es so ausgehungert ist, hat es angefangen, dieses, diese dicke Milch in sich hinein zu saugen.

[00:22:17]

Und weil es so gierig gegessen hat, hat es sich erbrochen. Der Psychiater wird später sagen Es hat auf die hin auf die Hinwendung der Mutter, auf die Zuwendung der Mutter Versagende reagiert.

[00:22:30]

Es hat versagt, hat die Milch nicht bei sich.

[00:22:34]

Und daraufhin wird die Mutter von der Wut gepackt, und sie nimmt ein zusammengerollt das Handtuch und schlingt es dem Kind um den Kopf und zieht zu. Und als sie glaubt, dass das Kind tot ist, lässt sie locker. Und dann merkt sie aber Das Kind lebt noch und lässt es dann liegen. Das Kind stirbt dann so ähnlich wie es in Schwesterchen ein paar Monate zuvor. Und wieder muss sie den Notarzt rufen. Ja, aber das tut sie nicht gleich, sondern die Tötung ist erfolgt in den frühen Morgenstunden des 7.

[00:23:08]

August 2004. Und sie schreibt in den Kalender. Diana, siebenunddreißig verstorben. Und dann? Dann wissen wir nicht, was sie getan hat. Den Notarzt ruft sie erst am Abend. Ich glaube so gegen neun.

[00:23:24]

Da findet etwas ganz Seltsames vor, nämlich so eine klinisch? Ja, der findet erst einmal ein Kind vor, bei dem er nicht erkennen kann, woran es gestorben ist. Es ist wie das Schwesterchen, verschwitzt und steif, aber er kann nicht erkennen, woran es gestorben ist. Und er nimmt es dann mit. Der ruft die Polizei und die Polizeibeamten finden eine ganz eigenartige, gespenstische Situation vor. Sie finden das tote Kind und eine komplett aufgeräumte Wohnung. Die ganze Wohnung ist geputzt und gewienert.

[00:23:56]

Jeder Stoff Teddybär, sitzt an seinem Platz. Der Boden ist so sorgsam gestaut Absaugt, dass man sie eigenen Fuß, Schritte darauf sehen kann.

[00:24:07]

Das hat der Polizeibeamte auch beschrieben. Und die Mutter? Der Teppichboden.

[00:24:13]

Der Teppichboden, so durchgewinkt. Das Fussstapfen, dass man die eigenen Fußstapfen darauf sehen kann.

[00:24:19]

Und jetzt eben diese gespenstisch grinsende Mutter, frisch geduscht, frische Haare gewaschen. Die behauptet, sie sei den ganzen Tag bei über 30 Grad durch die Stadt gelaufen.

[00:24:30]

Vor Verzweiflung aber keinerlei Eindruck hinterlässt, als habe sie, sei sie erstens verzweifelt, zweitens, als sei sie durch die Stadt gelaufen, sondern die sieht aus, als könne sie gerade aus der Badewanne. Und sie verströmt auch so eine gespenstische Heiterkeit. Sie sagt Es ist schon das zweite Kind mit einem Lächeln im Gesicht, und bei Luisa konnte man auch nichts finden.

[00:24:58]

Also, sie macht auf die Beamten einen außerordentlich gruseligen Eindruck. Aber es ist nichts festzustellen. Es ist nichts festzustellen, was irgendwie im kriminalistischen Sinne jetzt ein Beweis wäre.

[00:25:12]

Die Beamten gehen nun nach Hause und denken sich Da stimmt irgendwas. Ist der Ober faul, ist schon das zweite Kind tot? Es ist auch deutlich älter als das erste. Der plötzliche Kindstod kann es jetzt nicht gewesen sein. Das ist ja schon bald drei Jahre alt.

[00:25:24]

Das heißt, die lassen Marie und K. jetzt erst mal alleine in ihrer Wohnung, oder sie lassen sie allein in ihrer Wohnung.

[00:25:29]

Und dann passiert etwas Eigenartiges. Marion K. meldet sich bei einer Freundin kurz danach und sagt Willst du mir nicht Haareschneiden? Du hast mir doch versprochen, das schneidet mir die Haare. Und dann sagt die Freundin oder die Bekannte Willst du nicht erst einmal abwarten, bis Diana beerdigt ist? Und dann sagt Marion K. Ja, ok. Und dann, noch am Tag der Beerdigung, ruft sie wieder an und sagt Du wolltest mir doch die Haare schneiden.

[00:25:59]

Das hat dann diese Frau ausgesagt. Bei der Polizei, dass sie das wirklich eigenartig fand, wie man sich so verhält. Also niemand sieht diese Mutter trauern. Weder nach Louisa Stout noch nach Dianas Tod vergisst sie eine Träne. Im Gegenteil, sie wirkt regelrecht erleichtert.

[00:26:16]

Es ist eine unfassbare Gefühlskälte. So wirkt es lassens. Deutlich tiefer reinschauen. Jetzt muss ich aber erstmal fragen. Bei beiden Kindern entdecken die ärzte zunächst einmal nichts, was verdächtig ist. Darum sprichst du von unentdeckten Tötungen beim zweiten Kind.

[00:26:34]

Nichts. Also wenn nicht jetzt das eingetreten wäre, wovon wir jetzt gleich sprechen, nämlich die Befragung der Mutter bei der Polizei. Dann wäre Marion K. nach wie vor eine unauffällige Bürgerin der Stadt Düsseldorf.

[00:26:52]

Die Polizei befragt Sie Wandern. Wann passiert das? Die Polizei wartet ein paar Tage und wartet die Beerdigung der Diana ab. Und dann melden sich die Beamten wieder und sagen Wir haben da noch ein paar Fragen. Könnten sie nicht kommen? Und dann kommt sie. Und dann sagen die Beamten Wissen Sie, uns kommt das komisch vorbei.

[00:27:12]

Es ist doch wirklich eigenartig. Wieso haben Sie reingeschrieben Todeszeitpunkt, 7.30 Uhr in der Früh? Und warum rennen Sie den ganzen Tag durch die Stadt? Und es kommt. Warum machen Sie hier? Warum haben Sie die ganze Wohnung geputzt? Es ist doch eigenartig. Und Sie?

[00:27:28]

Es dauert nicht lang. Es dauert nicht lang. Sie sagt dann weder Ich schweige. Was sie? Was, wenn sie das getan hätte? Hätte man ihr nichts nachweisen können? Sie sagt auch nicht Ich will ein Anwalt, sondern sie sagt Ich habe beide Kinder getötet.

[00:27:44]

Und sie erzählt alles, und zwar sagen die Beamten, dann später, ohne sich zu schonen.

[00:27:51]

Sie erzählt diese beiden Tötungsdelikte minutiös und ohne ein gefühlsregung Trauer, aber auch ohne irgendeinen Selbstschutz.

[00:28:04]

Wenn dann eine Schilderung des Tathergang es bei beiden Fällen der beiden Tötungen entspricht, also einfach ihrem eigenen Protokoll. Sie hat das so, ja, sonst hätte man es ja niemand gewusst.

[00:28:14]

Nein, sie hat es so geschildert in dieser Grausamkeit. Hat sie es selbst geschildert und dann wurde sie gefragt, wann sie denn nicht traurig. Und dann hat sie gesagt Nein, ich habe nichts empfunden, auch keinen besonderen Zorn auf die Kinder. Sie sollten nur einfach weg sein. Ich musste ein großes übel beseitigen, sagte sie. Ich weiß jetzt nicht mehr, bei welchem Kind ich glaube bei Luisa. Und dann fragte der Vorsitzende Was war denn das übel? Und dann sagte sie, dass dieses Kind lebt.

[00:28:47]

Du hast diese magst ich brauchen Moment. Du hast diese Frau vor Gericht erlebt. Vor Gericht gab es einen bemerkenswerten Auftritt der beiden Eltern Marion K. Es gab einen sehr bemerkenswerten Auftritt, denn die beiden Eltern waren auch als Zeugen geladen.

[00:29:05]

Man muss dazu wissen, dass Marion K. keine Freunde hatte. Sie hatte sehr, sehr flüchtige Beziehungen. Das wurde dann auch thematisiert, immer wieder mit verschiedenen Zeugen. Dass sie eine Unzahl von Maenner Beziehungen hatte, die alle nur ein paar Wochen gedauert haben. In dem Moment, wo es mühsam wurde, hört es auf. Mal war Marion K. nicht mehr zu sprechen. Irgendeiner Kritik an ihr geübt hat. Wenn irgendeiner nicht gesagt hat, du bist die Tollste, dann war aus.

[00:29:34]

Und die einzige Beziehung, die über dauerhaft lief, war eben die zu ihren Eltern. Die Eltern traten dann auf als Zeugen, die Mutter kam rein. Kleine, untersetzte Frau. Es waren Leute aus dem Bürgertum. Es war jetzt keine irgendwie problematische Familie, wo Gewalt geherrscht hätte oder so, sondern es war eine, eine bürgerliche Familie, eine bürgerliche Familie. Der Vater war Verteidigungsminister in der Elektronikfirma, die Mutter war Hausfrau, und sie hatten zwei Kinder, eine ältere Schwester und eben dieses Mädchen, und die Mutter kam rein und setzte sich als eine Art Mahnmal in die erste Reihe.

[00:30:17]

Eine kleine, untersetzte Frau setzte sich da rein und starrte an ihrer Tochter vorbei, schaute die Tochter nicht an, aber saß in der ersten Reihe, so als als Vorwurf Fleisch gewordener Vorwurf.

[00:30:31]

Und der Vater?

[00:30:32]

Der machte dann eine Aussage, die aber ein großer theatralischer Auftritt war, und er war da. Das hat sich dann relativ rasch erschlossen, dem Zuhörer. Er war da, um seine Tochter zu verdammen. Es gibt ein Zitat, das lese ich mal vor. Tochter Marion spricht, Tochter Marion war von Anfang an verlogen, feige und verantwortungslos.

[00:30:58]

Er war da, um zu zeigen Hier ist eine brave deutsche Familie, die sich mit einer missratenen Tochter herumschlagen muss und die alles getan hat für dieses Miststück. Und jetzt muss der Vater hier auch noch eine Aussage machen wegen zwei toten Kindern.

[00:31:17]

Das war, und die Presse soll es sehen, und die Leute sollen es sehen. Wir haben mit diesem Geschöpf nichts mehr zu tun. Und dann hat er erzählt aus dem Leben der Marion. Er hat ihr nur Vorwürfe gemacht. Er hat ihr gesagt, dass sie die Tochter in ihre Tochter Luisa nur bekommen habe, um sie anschließend zu töten.

[00:31:38]

Ja, ich sag jetzt etwas Ungeheuerliches. So leitet er das ein. Ich sage jetzt etwas Ungeheuerliches Sie hat das Kind nur bekommen, um es zu beseitigen.

[00:31:48]

Dass das seine Tochter Marion versucht hat, dieses Baby zur Adoption freizugeben, und dass er selber das verhindert hat, das thematisiert er gar nicht. Er sagt, er hat es erzählt, dass es verhindert hat. Aber er hat den Zusammenhang nicht hergestellt. Dass er sie in diese ausweglose Situation gebracht hat, weil er ihr diesen Wunsch nicht erfüllt hat. Dann erzählt er von einem Brief, den das Mädchen an ihn geschrieben hat Wo drin steht ihr, liebe Eltern, es tut mir furchtbar leid, verzeiht mir.

[00:32:17]

Aber ihr seid auch nicht ganz unschuldig an dieser Sache, und sie haben ihr ihr zurückgeschrieben.

[00:32:22]

Und das lese ich jetzt mal, vor welchem Brief sie von ihren Eltern bekommen. Die Eltern schreiben an ihre Tochter, schrieben an ihre Tochter.

[00:32:31]

Dein Brief ist eine Unverschämtheit. Dich interessiert ja gar nicht, was du uns angetan hast.

[00:32:39]

Du hast uns nur belogen und betrogen. Damit ist jetzt Schluss. Von der Familie hast du nichts mehr zu erwarten. Deine Eltern haben wir eingeleitet.

[00:32:49]

Das schreiben Sie ihr zurück. Und das hatte ich glaube. Den Brief hat er sogar vorgelesen. Dann fragt der Vorsitzende hat ihn dann gefragt. Wir haben hier von den Lehrerinnen ihrer Tochter gehört, dass sie immer alleine war, dass sie ihm ihre ganze Schulzeit über alleine im Schulhof stand. Hatte sie denn gar keine Freunde? Und der Vater? Keine Ahnung, ich weiß das nicht. Die wird schon Freunde gehabt haben. Er kann mir dieser Frage überhaupt nichts anfangen.

[00:33:22]

Aber er erzählt dann, dass sie eben mit zehn Jahren immer noch Bettnässen war, dass sie jeden Morgen ihr Bett neu beziehen musste.

[00:33:30]

Er erzählt, dass sie oft Schreie, Anfälle bekommen hat als Kind, und dann musste man die Fenster zumachen, damit die Nachbarn nichts mitbekommen. Also dass die Außenwirkung auf die Nachbarn war unglaublich wichtig für diese Familie.

[00:33:44]

Und er erzählt, dass die Mutter des die Mutter der Marion, als das Kind sieben Jahre alt war, schwer psychisch krank war und in eine Psychiatrie eingeliefert werden musste und ab da praktisch alle zwei Jahre mehrere Monate in der geschlossenen Anstalt verbracht hat, weil sie unglaublich schwere Depressionen hatte.

[00:34:07]

Und der Psychiater, der sie später zu Marion K. geäußert hat.

[00:34:10]

Er hat gesagt, wenn die Mutter mit ihrem Alter, als das Kind sieben Jahre alt war, als sie da zum ersten Mal angefangen hat, diese ihn mit so schweren Depressionen in die Psychiatrie, sich zurückzuziehen, dann muss das schon Jahre vorher gewesen sein.

[00:34:26]

Also, dieses Kind ist wahrscheinlich mit einer schwer depressiven Mutter aufgewachsen, die sich über Monate in einem dunklen Zimmer aufgehalten hat.

[00:34:35]

Die Rollos gar nicht mehr hochgezogen.

[00:34:38]

Oder sie war abwesend in der Psychiatrie und wurde da behandelt. Und das ging über zehn Jahre so, als die Mutter wieder zurückkam und halbwegs wieder genesen war. Da war die Tochter volljährig.

[00:34:51]

Sie hat es mit extrem kranken Eltern zu tun gehabt und auch mit einem schwer kranken Onkel, der psychisch krank war und auch in einer psychiatrischen Einrichtung lebte. Sie war vorbelastet, genetisch, und sie war vorbelastet dadurch, dass sie unter diesen Umständen großwerden musste.

[00:35:11]

Das Kind Marion reagiert darauf damit, dass sie sich voll stopft, ganz unförmig schildert. Sie steht allein auf dem Schulhof, sie hat keine Freunde, sie wird verachtet und verhandelt. Sie beginnt dann aber auch zu lügen, zu stehlen. Sie verkriecht sich, zieht sich immer mehr zurück.

[00:35:30]

Der Vater wird dann auch gefragt von dem Vorsitzenden. Was hat denn Ihre Tochter gemacht, wenn sie Kummer hatte? Und dann fragte der Vater zurück.

[00:35:40]

Kuma. So, als sei das ein chinesisches oder mongolisch Wort, mit dem er überhaupt nichts anfangen konnte, hat auf diese Antwort auf diese Frage keine Antwort.

[00:35:49]

Darum kann Kummer ja, dieses Kind hatte keinen Kummer, und er hat aber dennoch erzählt, dass seine Tochter so schlimm sei. Die habe sogar einen Bangladescher, mit dem sie auch ein Verhältnis hatte. Er habe sie beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben. Das war damals auch ermittelt worden, und sie ist deswegen auch bestraft worden wegen Falschaussage, wegen Falschaussage und wegen falscher Beschuldigung.

[00:36:13]

Und sie hat damals gesagt Sie hat das gesagt, weil sie Angst hatte vor Zuhause. Sie ist nachts weggeblieben und ist nicht nach Hause gekommen. Und dann hat sie. Hat sie Angst gehabt, dass zu Hause irgendwelche Konsequenzen gezogen werden? Hat sich das überlegt? Wir haben ja hier mal eine Folge gehabt, aber falsche Aussagen, Zeugenaussagen. Da haben wir auch festgestellt, dass das so ein typisches Delikt ist von jungen Leuten, die bei irgendwas erwischt werden, die sich dann schnell sowas ausdenken.

[00:36:38]

Und es war hier auch so, und das hatte ausgebreitet jetzt vor dem Gericht, um zu zeigen, was seine Tochter für eine.

[00:36:47]

Liebe Hörerinnen und Hörer, die aktuelle Ausgabe des Magazins Zeit Verbrechen ist jetzt online Zeit Shop bestellbar und im bundesweiten Presse Handel erhältlich. Sie wollen keine Ausgabe mehr verpassen? Dann abonnieren Sie das Magazin zum Vorteil Preis. Unter dem Link www. Zeit.de slash Verbrechen minus abo. Du hast vor Gericht auch den Düsseldorfer Nervenarzt Martin Platzek gelernt. Der hat ein Gutachten über Marie und Karl verfasst. Was sagt denn Herr Platzeck?

[00:37:22]

Herr Platzeck hat festgestellt oder diagnostiziert, dass Marion K. eine schwere, emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline Typus hat. Das sei eine erhebliche Erkrankung, eine erhebliche psychische Erkrankung. Sie habe kein selbst Erleben, sondern sie habe, und das finde ich interessant, gerade wenn man sich überlegt, dass die Eltern so auf den Aussagen der Nachbarn so viel Wert gelegt hat. Die Tochter selber war ein SPIEGEL der Umwelt. Sie wollte immer das sein, was man von ihr erwartet. Sie wollte eine schöne Frau sein, sie wollte eine gute Tochter sein.

[00:37:56]

Sie wollte eine gute Mutter sein.

[00:37:58]

Deswegen hat sie sich diese Familie zugelegt, die sie nie, eigentlich gar nicht wollte, sondern sie wollte es, weil es in den Augen ihrer Eltern etwas Ehrenwertes war.

[00:38:07]

Ein Mann und Kinder zu haben.

[00:38:10]

Und sie habe eben gar keine richtigen eigenen Gefühle und kein eigenes Selbstwertgefühl, sondern sie habe, sei Affekt, leer und habe pseudo Gefühle. Und weil diese große, furchtbare innere Leere ist, muss sie ständig um sich herum irgendeinen Stress verursachen. Also die Diebstähle sind deswegen, weil sie beim Dieb beim Klauen selber eine innere Spannung hat und ein Gefühl hat.

[00:38:34]

Deswegen ritzen sich auch viele Baudarlehen kranke Welt, weil sie dann ein ganz, ganz klares Gefühl haben und weil es in ihnen eine emotionale Reaktion auslöst.

[00:38:46]

Süßigkeiten essen war war sozusagen ein liebes Ersatz, und sie hat dazu das Geld ihrer Eltern gestohlen, weil sie das von ihren Eltern sozusagen auf diese Weise mittelbar zurückbekommen hat.

[00:38:57]

Sie hat dann mittelbar wenigstens Süßigkeiten bekommen, wenn schon keine Zuwendung, und deswegen sei sie auch nicht zu tragfähigen Beziehungen in der Lage gewesen.

[00:39:07]

Vielen wechselnden Beziehungen, ja, sie hat ununterbrochen gewechselt, weil auch das ständig war. Es war irgendwie irgendwas los. Es war ein positiver Stress. Sie war beschäftigt. Es war. Sie hat. Um sich herum hat sie Unruhe gestiftet, und dadurch hat sie sich lebendig gefühlt. Deswegen hat sie pausenlos die Beziehungen gewechselt und hat auch Gefühle gehabt. Auch interessant fällt mir gerade ein, dass der Ermittlungsrichter erzählt hat, wie er sie vernommen hat nach ihrem Geständnis bei der Polizei und sie dann da auftrat.

[00:39:40]

Sie ist dann aufgetreten beim Ermittlungsrichter und hat wie bei einem Betriebsausflug.

[00:39:45]

Der hat von dem Tod ihrer Kinder erzählt, als würde sie von einem Betriebsausflug locker flockig hatte, hat er gesagt. Sie hat sogar noch auf die Zeitung Fotografen gewartet. Bei dieser Gelegenheit hat er gedacht Sie ist krank, die Diese Frau ist krank. Und dann hat sie noch gesagt, sie hätte die Kinder umgebracht, weil sie sich mit zwei farbigen Kindern geschämt habe, und Diana habe sie umgebracht, weil das mit Luisa so gut geklappt habe und der Ermittlungsrichter als Zeuge gesagt.

[00:40:12]

Dann war ihm klar, dass es hier nicht mit einer normalen, denkenden Person zu tun hat.

[00:40:18]

Na gut, dann hat der Psychiater, der Herr Platzeck, später festgestellt, dass sie als die beiden Kinder da waren, vor allem als das zweite Kind, dann aber keine Bewältigungsstrategien mehr hatte, um ihrer inneren Leere, um ihrer Krankheit Herr zu werden.

[00:40:33]

Es gab kein Ventil mehr, keine Kunst, keine Strategien mehr. Wege der Selbsthilfe waren verstopft. Durch die beiden Kinder, und deswegen war die Tötung der Kinder vor allem des zweiten Kindes, mit dem ersten hätte es vielleicht noch irgendwie hingehauen.

[00:40:48]

Aber mit dem zweiten Kind ging es dann nicht mehr. Es war für sie, sagt er, ein absolut und untragbarer Zustand.

[00:40:56]

Mutterschaft, sagt er es. Für Frau K. ein unerträglicher Zustand. Eine unfassbare Beschreibung. Schwer zu begreifen.

[00:41:06]

Und dann gibt es einen Satz in diesem Gutachten, wo er sagt Der Tod der Kinder war für Mai und K. die Lösung eines schwerwiegenden Problemen.

[00:41:17]

Das hat sie auch selbst so gesehen, hat sie auch gesagt. Das ist auch interessant, weil man bei solchen Tätern zuhört, dass sie auf der einen Seite weiß, was sie tut, und auf der anderen Seite kann sie nichts dagegen tun. Das ist ja bei einer psychischen Krankheit. Es ist ja auch eigentlich gibt es, auch wenn man Sucht krank ist oder wenn man andere manchmal auch im ganz normalen Leben ich weiß ich etwas falsch ist. Aber ich kann es jetzt nicht verhindern.

[00:41:42]

Ja, ich mach's halt jetzt. Und das war bei mir auch so. Sie hat es auf der einen Seite gesehen, auch eingesehen.

[00:41:50]

Auf der rationalen Ebene war sie ganz klar, aber sie konnte.

[00:41:53]

Die rationale Ebene war von der emotional nicht mehr zu erreichen, und umgekehrt ist sie deswegen nur wegen Totschlags verurteilt.

[00:42:02]

Deswegen hat sie 15 Jahre bekommen, und ich habe dann auch geschrieben, sie ist jetzt 33, weil sie damals. Wenn sie wieder rauskommt, wird sie hoffentlich keine Kinder mehr kriegen können. Mit 48 ist das ja nun auch nicht die Regel, dass man dann noch ein Kind bekommt.

[00:42:19]

Des Urteils?

[00:42:21]

Ja, und ein paar Tage nachdem ich diesen Artikel geschrieben hatte, habe ich eine Post bekommen. Die lese ich jetzt zum Abschluss noch vor. Oder jedenfalls ein Satz oder 2 daraus. Das war von diesem Sachverständigen Platzek. Er hat mir geschrieben, die Reaktionen des Vertreters der Staatsanwaltschaft zeigen ja, dass er nichts verstanden hat oder verstehen wollte. Ein Aufschrei des Publikums, gerade noch unterdrückt bei der Verkündung des Urteils. Nachher vor dem Gerichtsgebäude. Entsetzen über dieses Fehlurteil der Justiz und Forderungen nach dem Todesurteil wird völlig unverhohlen hinaus geschrien.

[00:42:58]

Deswegen hat er mir geschrieben, weil er darüber so entsetzt war. Nämlich diese auf der einen Seite, dieses Blockwart denken, wie er sagt, ja alles in Ordnung, aber nicht hingucken und sich dann aufregen, wenn die Kinder tot sind.

[00:43:11]

Also dieses sich erheben und dieses Aburteilen von anderen und gleichzeitig sich wirklich nicht für sie interessieren. Das hat ihnen abgestoßen. Deswegen hat er mir geschrieben. Liebe Zuhörerinnen, liebe Zuhörer, Fälle wie dieser Sie merken es uns an. Erzeugen wahrscheinlich auch bei Ihnen wie bei uns, wenn wir darüber reden. Auf der einen Seite ein großes Entsetzen, aber wir erzählen sie. Weil es immer gilt, ganz genau hinzusehen.

[00:43:41]

Liebe Sabine. Vielen Dank! Ich denke, die Androids.