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[00:00:05]

Hallo, schönen guten Morgen, Sie hören was jetzt? Den Nachrichten Podcast von Zeit ONLINE am Donnerstag, den 27. August. Ich bin Pia Rothenberger, und ich spreche gleich über den Gasstreit der Türkei und Griechenland im östlichen Mittelmeer und über das riesige Geschäft der Lieferdienste. Jetzt kann man aber erst einmal die Nachrichten.

[00:00:28]

Guten Morgen, der Attentäter von Christchurch muss für den Rest seines Lebens in Haft. Der zuständige Richter verurteilte den 29-Jährigen zu einer lebenslangen Haftstrafe ohne Möglichkeit auf vorzeitige Entlassung. Es ist das erste Mal, dass in Neuseeland ein solches Strafmaß verhängt wurde. Der Täter hatte im März vergangenen Jahres zwei Moscheen überfallen und 51 Menschen erschossen und 50 weitere verletzt. Er hatte sich in allen Anklagepunkten schuldig bekannt. In der US-Stadt im Bundesstaat Wisconsin sind am Rande einer Demonstration gegen Rassismus und Polizeigewalt zwei Menschen erschossen worden.

[00:01:03]

Als Tatverdächtiger wurde ein 17 jähriger Weißer festgenommen. Seit Tagen kommt es in Kinojahr zu Auseinandersetzungen, nachdem Polizisten auf den 29 jährigen Afroamerikaner Jacob Blake geschossen hatten. Der Protest hat auch Auswirkungen auf die Basketball-Profiliga NBA. Das aus Wisconsin stammende Team Milwaukee Bucks trat in ein Spiel Boykott. Die NBA sagte daraufhin drei Partien ab. Auch in anderen Sportarten finden geplante Spiele nicht statt. Redaktionsschluss für diesen Podcast ist fünf Uhr. Außenminister Heiko Maas ist diese Woche in die Türkei und nach Griechenland gereist und hat dort seine Kollegen getroffen.

[00:01:45]

Am Dienstag war das, und heute treffen sich die EU-Außenminister zu einem informellen Treffen. Gestern haben sich schon die EU Verteidigungsminister getroffen. Und Thema in all diesen diplomatischen Treffen ist ein Streit um Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer zwischen Griechenland und der Türkei. Warum das gefährlich sein könnte, das bespreche ich mit meinem Kollegen Michael Thumann. Der außenpolitische Korrespondent der Zeit ist Hallo, Michael! Die Türkei hat Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer erkundet. Warum ist daraus jetzt diese kleinere oder auch größere diplomatische Krise erwachsen?

[00:02:19]

Weil die Türkei mit diesen Probe, Bohrungen und diesen seismischen Untersuchungen gegen internationales Recht verstößt. Sie hat sich nicht der Konvention von 1982 angeschlossen, im Gegensatz zu 168 Staaten in der Welt. Die Türkei besteht darauf, dass Inseln keinen Festlandsockel haben, und damit meint sie dann alle griechischen Inseln. Und deshalb bohrt sie in Gewässern, die nach dem internationalen Seerecht eigentlich zur ausschließlichen Wirtschaftszone von Griechenland gehören.

[00:02:57]

Nachdem sie recht zu dieser Situation hatte Heiko Maas bei seinem Besuch in Athen gesagt Die aktuelle Lage ist ein Spiel mit dem Feuer, und jeder noch so kleine Zündfunke kann zu einer Katastrophe führen. Was könnte das für eine Katastrophe sein?

[00:03:12]

Das wäre ein Krieg zwischen zwei Nato-Mitgliedern Griechenland und der Türkei und ein Krieg zwischen dem EU-Mitglied Griechenland und der Türkei, mit der die EU in vielfältiger Weise verbunden ist. Durch Zollunion und Flüchtlingsabkommen und die deutsch türkischen Verbindungen würde ich gar nicht erst anfangen. Das wäre für alle sehr, sehr schlecht. Und deshalb, sagt Maas, redet, geht in einen Dialog über eure Gegensätze und hofft, dass dabei dann zumindest die Krise erstmal erleichtert werden kann. Lösen kann man diesen Konflikt sowieso nicht auf die Schnelle.

[00:03:54]

Der ist ja wahrscheinlich auch verbunden mit dem alten Zypern Konflikt, oder? Absolut. Zypern hängt da mit drin. Erstens ist Zypern eine Insel und gleichzeitig für die Türkei auch Untersuchung durch südlich von Zypern. Da geht es genau um denselben Streit. Auch der Festlandsockel Zyperns wird von der Türkei nicht anerkannt. Sie nimmt sich da das Recht raus, zu bohren. Außerdem gibt es den den alten Zypern Streit seit 1960, der Unabhängigkeit dieses Staates und der Besetzung Nordzypern 1974. All das schleppt man aus der Vergangenheit mit.

[00:04:28]

Und all das läuft auch zusammen in diesen Konflikten zwischen Griechenland und der Türkei, die ja schon sehr alt sind.

[00:04:35]

Also ist Heiko Maas in seiner Rolle als Vermittler da wirklich nicht zu beneiden? Welche diplomatischen Lösungen könnte es denn geben, wenn du sagst, dass es keine einfachen Lösungen gibt?

[00:04:45]

Eine vorläufige Lösung könnte sein, dass beide in ein Gespräch eintreten. Denn es gibt einfach das Problem für die Türkei dadurch, dass sie umgeben ist von griechischen Inseln und Zypern, hat sie tatsächlich wenig ausschließliche Wirtschaftszone nach dem Seerecht. Man könnte also da Kompromisse finden in Gesprächen. Es gebe eine zweite Möglichkeit Man legt das Ganze, wenn man sich dann geeinigt hat, dem Internationalen Seegerichtshof in Hamburg vor. Der könnte dann darüber entscheiden, auch bei Fragen, die dann noch strittig blieben.

[00:05:20]

Es gebe eine ganze Reihe von Möglichkeiten, wenn man eben nur sprechen wollte, anstatt mal eben mit seinen Schiffen aufs Meer hinaus zu fahren und anfangen zu bohren. Man darf bei alledem auch nicht vergessen Es geht hier nicht einfach nur um öL und Gas, es geht einfach auch darum Wer hat das Sagen, wer setzt sich durch? Und deshalb ist die Lautstärke so groß. Danke, Michael, gerne.

[00:05:48]

Und sonst so? Falls Sie heute mit irgendwem irgendetwas aushandeln müssen, zum Beispiel Wer bringt den Müll runter oder so.. Dann machen Sie das doch mit dem altbewährten Schnick-Schnack Prinzip. Tatsächlich ist heute sogar Schere, Stein, Papier, Tag. Und für mich ist das eine gute Entschuldigung, Ihnen von einem epischen Video zu erzählen. Zwei junge Frauen stehen sich gegenüber in einer riesigen Arena in Japan. Sie halten einen Arm ausgestreckt, ihre Fäuste berühren sich.

[00:06:16]

Ein Schiedsrichter gibt ein Kommando. Sie heben ihre Arme und formen ihre Hände zu den bekannten Schnick-Schnack, schnupft Zeichen. Die Frau auf der rechten Seite gewinnt, und zwar mit Stein. Der gute alte Stein, wie Bart Simpson sagt. Und dann passiert das, was ich eigentlich erstaunlich finde. Sie fängt an zu weinen, sie bricht zusammen. Ich glaube, wer das nicht gesehen hat, der weiß nicht, was wirkliche Leidenschaft für einen, sagen wir mal, Sport ist.

[00:06:43]

Das Video verschenke ich Ihnen natürlich in den Schoß und auf unserer Seite.

[00:06:58]

Es ist ein Abend zuhause. Sie wollen vielleicht Essen bestellen, weil sie keine Lust haben zu kochen. Dann klingelt irgendwann ein Bote an der Tür und bringt die gewünschten Speisen. Das ist eigentlich ein ziemlich normaler Vorgang. Aber was für riesige Industrien dahinterstecken, das hat meine Kollegin Ann-Kathrin Metzger recherchiert. Hallo Ann-Kathrin, hallo. Delivery Hero ist seit dieser Woche ein Dax-Unternehmen. Das ist eine ziemlich neue Branche, diese Lieferketten. Und jetzt plötzlich sitzen die mit den ganz großen Konzernen mit am Tisch.

[00:07:26]

Wie verändert das unsere Gesellschaft?

[00:07:29]

Ja, ich glaube, dass Delivery Hero schon unsere Gesellschaft ziemlich verändert hat bzw. unser unsere Essgewohnheiten. Und man muss auch sagen, dass es natürlich nicht nur dieses eine Unternehmen ist, sondern auch die vielen anderen Player, die sich auf diesem sehr umkämpften Markt tummeln. Und Deutschland ist ein bisschen schwieriger Markt für diese, für diese Unternehmen. Das habe ich bei meiner Recherche auch herausgefunden. Es gibt zum Beispiel Studien, dass 39 Prozent der Deutschen immer noch selbst kochen. Und diese Plattform auch da die Deutschen da immer noch so ein bisschen mit Fremden.

[00:08:10]

Und das ist auch der Grund, warum Delivery Hero zum Beispiel das Geschäft vor allen Dingen in Asien und Südamerika oder auch im Nahen Osten wittert.

[00:08:20]

Und da werden dann eben gigantische Summen investiert, obwohl die wenigsten die verketten bisher schwarze Zahlen schreiben. Ist das trotzdem ein sicheres Geschäft?

[00:08:29]

Ein sicheres Geschäft würde ich, glaube ich, nicht sagen. Ich würde sagen, das ist tatsächlich, obwohl diese Plattformen ja meistens auch schon. Delivery Hero zum Beispiel gibt es seit neun Jahren, und bei den anderen ist das eigentlich ähnlich. Obwohl es schon relativ lange gibt, ist dieser Markt immer noch nicht entschieden. Und es wird da wirklich um einzelne Länder gestritten. Und dann wird wieder was verkauft in dem Land, und dann wird wieder in einem anderen Land was hinzugekauft.

[00:09:01]

Und die Plattformen, wenn man mit denen spricht, wenn man mit den Chefs oder den Leuten, die dort arbeiten, spricht, dann sagen die Ja ja. Wenn wir einmal die Marktführerschaft in einem Land erobert haben, dann ist das quasi ein easy Geschäft. Aber nach meiner Einschätzung ist das in vielen Märkten einfach noch nicht so weit. Und deswegen kann man auch noch gar nicht sagen, wer am Ende der große Gewinner sein wird.

[00:09:25]

Es kann schon sein, dass sich da einige ganz schön verkalkuliert.

[00:09:28]

Ja, würde ich schon sagen oder zumindest in einzelnen Märkten kalkulieren.

[00:09:33]

Ein Thema, was immer wieder in Zusammenhang mit diesen Lieferketten auftaucht, sind die Arbeitsbedingungen. Würdest du sagen, die werden eher besser oder schlechter? Werden jetzt Unternehmen wie Delivery Hero expandieren und an die Börse gehen?

[00:09:46]

Delivery Hero hat natürlich die Besonderheit, dass es als deutscher Dax-Konzern überhaupt gar nicht in Deutschland aktiv ist. Die haben sich vor ungefähr anderthalb Jahren aus dem deutschen Markt zurückgezogen. Deswegen kann man über die Arbeitsbedingungen in Deutschland auch gar nicht mehr sprechen, was dieses Unternehmen angeht. Die anderen, die Konkurrenten, die noch in Deutschland sind, das ist vor allen Dingen Lieferant. Die haben schon aufgrund des Drucks, des gesellschaftlichen Drucks und der vielen Berichte der vielen kritischen Berichte über die Arbeitsbedingungen einiges getan.

[00:10:22]

Das ist mein Eindruck. Um die Fahrer zumindest einigermaßen gut zu bezahlen und die unter einigermaßen okan Bedingungen arbeiten zu lassen, würde ich jetzt mal sagen. Aber nichtsdestotrotz ist das immer noch ein Markt, der einfach darauf angewiesen ist. Das Geschäftsmodell ist darauf angewiesen, dass einfach Leute für relativ wenig Geld bereit sind, dieses Essen am Ende auch durch die Gegend zu kutschieren.

[00:10:51]

Danke! Ann-Kathrin tüvs und Ann-Kathrin Text steht in der aktuellen Ausgabe der Zeit, die Sie heute an ihrem Kiosk oder Späti oder schon im Briefkasten finden. Und das war was für heute Morgen. Lob, Kritik und Vorschläge können Sie immer gerne was jetzt Zeitpunkt schreiben? Ich bin Pia Rothenberger. Machen Sie es gut?

[00:11:15]

Wie oft bestellt du dir denn Essen mit so einer Elf? Ja, so paar Mal mache ich das schon. Aber ich bin jetzt nicht so ein richtiger Liwa Junkie. Du bist eher zu den 39 Prozent, die noch täglich kochen.

[00:11:25]

Nein, natürlich nicht. Ich lasse kochen, wenn überhaupt.