Happy Scribe Logo

Transcript

Proofread by 0 readers
[00:00:04]

Herzlich willkommen bei was jetzt? Wir sind der Nachrichten Podcast von Zeit ONLINE haben es fast geschafft. Für diese Woche hat es Freitag, der 25. September. Ich bin Moses Fendel, mein erstes Thema. Gleich ist die Friedek Future Bewegung. Und dann gucke ich mal wieder, was in Belarus in den letzten Tagen so passiert ist. All das hören Sie nach den Nachrichten. Kein Grad weiter das ist das Motto, unter dem heute weltweit Klima, Aktivistinnen und Aktivisten auf die Straße gehen.

[00:00:32]

Zum ersten Mal, seit die Coruna Pandemie angefangen hat. Die Bewegung hat zum sechsten Mal zum globalen Klima Streik aufgerufen. Sie fordert von der Politik, die Ziele des Pariser Klimaabkommen einzuhalten Stichwort 1,5 Grad Erwärmung. Höchstens Vergleichswert ist die Zeit vor der Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Weltweit sind mehr als 3000 Protestaktionen geplant. Allein in Deutschland sind es mehr als 400. Mehr dazu hören sie gleich im ersten Gespräch. Vor einer Woche ist die liberale US Verfassungsrichterin Roulade Bader Ginsberg gestorben.

[00:01:06]

Heute wird ihr Leichnam vom Obersten Gerichtshof ins Kapitol gebracht. Dort soll eine private Trauerfeier für die verstorbene Richterin stattfinden. Nächste Woche wird Ginsberg dann auf dem National Friedhof Arlington begraben. US-Präsident Donald Trump will noch heute oder morgen eine Nachfolgerin nominieren. Ginsberg hat vor ihrem Tod gesagt, ihr größter Wunsch sei es, dass ihr Posten so lange nicht wieder besetzt wird, bis die Menschen in den USA einen neuen Präsidenten gewählt haben oder den bisherigen wiedergewählt. Redaktionsschluss für diesen Podcast ist fünf Uhr.

[00:01:40]

Ich bin Klaus Brinkbäumer, Zeit und Zeit ONLINE Autor in New York. Ich bin Rike harvards, US Korrespondent von Zeit ONLINE in Washington.

[00:01:48]

Wir moderieren. Okay, Amerika. Zeit ONLINE Podcast. Bis zur Wahl jede Woche, immer donnerstags. Für heute hat die Bewegung Ides Future wieder zum weltweiten Klima Streik aufgerufen. Eine Frage ist natürlich, wie der vor dem Hintergrund der Corona Pandemie praktisch aussieht. Ja, sagen zumindest, das alles Corona konform ablaufen soll. Inhaltlich geht es der Bewegung immer noch um das 1,5 Grad Ziel. Und hier in Deutschland wird vor allem gegen das im Sommer beschlossene kohleausstieg Gesetz der Bundesregierung protestiert.

[00:02:24]

Ein guter Anlass mehr, die Entwicklung der Bewegung in den letzten Monaten mal anzuschauen, und zwar zusammen mit Zeit ONLINE. Redakteur Hannes Leitlinie. Hallo Hannes, hallo, wo stehen Ides Future jetzt eigentlich nach mehr als einem halben Jahr Pandemie?

[00:02:36]

Du hast es gerade ja schon so ein bisschen angerissen. Es ist genau diese Herausforderung, vor der Sie jetzt stehen. Sie hat selbst sehr früh im März schon gesagt, dass erst mal keine Streiks mehr stattfinden, auch keine öffentlichen Demonstrationen, um der Verantwortung, die sie ja vor sich hertragen, auch gerecht zu werden und die eine Katastrophe nicht durch die andere Katastrophe zu befördern. Sie haben also jetzt genau diese Herausforderung vor, sich eben nicht dazu beizutragen, Coruna zu verbreiten.

[00:03:03]

Und trotzdem müssen Sie wieder auf die Straße. Das zeigt sich auch durch das letzte halbe Jahr der Bewegung ist ziemlich die Luft ausgegangen. Die sind zwar immer noch alle da, es gab online Sachen, einige, aber die öffentliche Aufmerksamkeit dafür ist natürlich weg.

[00:03:16]

Gib mir mal ein paar Beispiele, was für heute alles geplant ist.

[00:03:19]

Es sind bundesweit Hunderte Veranstaltungen geplant. Die größte Demonstration wird natürlich in Berlin erwartet, bzw. auch da sind es gleich mehrere. Und manche davon werden auch mit dem Fahrrad durchgeführt. Zwei Stück soll es geben, die dann auch zu dieser Demonstration dazukommen. Und da radelt ich dann auch mal mit.

[00:03:37]

Eine persönliche Frage begleitet den Streik ja heute den ganzen Tag lang als Reporter. Wie schaffst du es bei einem Thema, das dir selber wichtig ist, journalistische Distanz zu wahren und nicht selbst zum Aktivisten zu werden?

[00:03:48]

In dieser Frage ist es besonders schwierig, dass es auch in anderen Sachen so ist. Nur ein Beispiel Ich schreibe seit vielen Jahren auch über die Kirche, und jetzt bin ich auch Kirchenmitglied. Und das muss trotzdem funktionieren. Und in dieser Sache ist es noch komplizierter. Diese Krise ist ja erwiesenermaßen menschengemacht. Jetzt bin ich halt Mensch, da komme ich auch nicht raus. Und am Ende geht es darum, dass die Leserinnen und Leser uns abnehmen als Journalistinnen, dass wir unabhängig sind und dass das rauskommt.

[00:04:15]

Und thematisch gesprochen geht es darum, nicht zu fragen Bin ich jetzt Teil der Bewegung oder nicht? Sondern Was will diese Bewegung? Was sind die Ziele? Sind die angemessen? Was die Problematik angeht, sind sie wirksam, was die politische Forderung angeht und auch die Umsetzung. Denn umsetzen kann Free Future nichts. Sie müssen die Politik erreichen, und das hat sich in der Vergangenheit ja gezeigt, dass es schwer. Da tut sie sich schwer mit ihren Forderungen und wie sie das macht und ob sie das schafft, das begleiten wir und berichten wir.

[00:04:47]

Und darum muss es gehen.

[00:04:48]

Und worauf kommt es für Friede in den nächsten Wochen und Monaten an? Na ja, Sie sind jetzt wieder auf der Straße. Das ist die erste Aufgabe. Sie müssen erst einmal zeigen, dass Sie genug Leute wieder hinbekommen. Man kann sich einmal kurz in Erinnerung rufen vor einem Jahr 2019. Da waren allein in Berlin mehrere zehntausend Menschen auf der Straße. Für heute werden nur 100 000 erwartet. Da zeigt sich schon, dass viel Luft raus ist, viel Druck auch nicht mehr da sein wird oder nicht mehr der gleiche Druck wie letztes Jahr.

[00:05:20]

Und sie muss eines schaffen Sie muss eben diese beiden Krisen irgendwie zusammenbekommen. Die Leute sind ja okkupiert durch eine Krise. Die allermeisten Leute haben irgendwie existenzielle ängste durch das Virus. Und diese ängste haben die allermeisten Leute durch die Klimakatastrophe noch nicht. Und jetzt ist es nicht an mir, der Bewegung irgendwas zu raten. Aber ich glaube schon, dass sie es schaffen muss, die Unmittelbarkeit der Klimakatastrophe zu transportieren und den Menschen klarzumachen, dass das so ganz ähnlich ist wie bei dem Virus.

[00:05:50]

Noch sind auch nur, so zynisch das klingt, Bauern in Bangladesch von der Klimakatastrophe am schwersten betroffen. Und das erinnert ein bisschen an den Winter 2009/10, wo das Virus noch nur Menschen in China getroffen hat und hier alles ganz ruhig war, bis Italien und Deutschland auch erreicht wurden. Und die Klimakatastrophe fordert Schutz ab, dass wir ein paar Jahrzehnte vorausdenken. Und jetzt handeln? Danke, Hannes!

[00:06:22]

Und sonst so Verletzungen sind in der American Football Liga der NFL nicht ungewöhnlich, Diese hier aber schon. Eigentlich wollte der Teamarzt der Los Angeles Chargers dem Quarterback Tyrol Theiler nur eine schmerzstillende Spritze zwischen die Rippen geben. Dabei hatte aber die Lunge des Spielers erwischt. Taylor hat Glück im Unglück gehabt. Zwar musste er mit seiner Lungenfunktion ins Krankenhaus und verpasst mindestens das nächste Spiel. Seine Karriere ist aber nicht in Gefahr, und sein Trainer hat gesagt, dass Taylor noch nicht mal sauer ist.

[00:07:03]

Das war Taiwan Lannister aus der Serie Game of Thrones Staffel 3. Folge zehn. Ja, okay, es ist Fiktion. Und ehrlich gesagt spielen Könige im täglichen Leben für uns auch nicht so eine Rolle. Vielleicht finden sie das auch unpassend, da sich hier Elemente aus der Popkultur mit seriösen Nachrichten und dem aktuellen Weltgeschehen zusammen rühren. Ich finde, der Satz passt sehr gut in unsere Gegenwart. In Belarus hat sich nämlich vorgestern Präsident Lukaschenko für seine sechste Amtszeit vereidigen lassen.

[00:07:30]

Klammheimlich, wohlbemerkt. Noch nicht mal der Kreml soll Bescheid gewusst haben. Und das, obwohl Lukaschenko behauptet, 80 Prozent der Bevölkerung hätten ihn im August gewählt. Wie passt das zusammen? Simone Brunner Na, du hast recht. Das passt natürlich gar nicht zusammen. Diese geheime Amtseinführung führt diesen Anspruch, dass ein großer, der größte Teil der Bevölkerung noch hinter ihm stehen soll, ja völlig ad absurdum. Und nicht einmal das Bild russische Staatsfernsehen hat diese Zeremonie übertragen und das waren nur ganz eingefleischte Lukaschenko Loyalisten anwesend.

[00:07:59]

Und weil du auch den Kreml und Putin angesprochen hat, ist es interessant, weil bis jetzt eigentlich auch Putin selbst nicht zu Lukaschenkos Inauguration gratuliert hat. Und das ist ja natürlich eine interessante Frage, weil es ja spannend sein wird zu beobachten, inwiefern Putin noch weiterhin hinter Lukaschenko steht. Er hat sich zwar wirklich ganz offen hinter Lukaschenko gestellt, aber es war natürlich die Frage, wie intensiv und wie umfangreich die Hilfe aus Moskau für Lukaschenko noch sein wird. Wie haben sich denn die Proteste in den letzten zwei Tagen entwickelt?

[00:08:29]

Und wie hat sich die Staatsmacht seit dieser denkwürdigen Amtseinführung verhalten? Nach dieser Feier oder auch während dieser Feier haben sich eigentlich schon spontane Protestaktionen gebildet. Interessant ist natürlich auch der Zeitpunkt der Inauguration, dass diese Inauguration unter der Woche stattfindet. Nicht am Wochenende, wo es ohnehin immer große Proteste gibt in Minsk und in anderen Städten. Und die Staatsmacht hat auf diese spontanen Protestaktionen sehr brutal reagiert. Wir haben Bilder gesehen von vom Sender Polizisten, die da Jagd auf Menschen macht, teilweise auch auf Autos eindrischt.

[00:09:01]

Wir haben auch gesehen regelrechte Schlägertrupps, die ohne Hoheitsabzeichen Menschen jagen. Es sind schon sehr brutale Bilder, die wir gesehen haben. Natürlich ist die Polizei auch in den vergangenen Wochen nicht besonders zimperlich umgegangen mit den Protestierenden. Aber diese Bilder haben uns doch auch sehr stark an dieser ersten Gewalt nicht erinnert, die wir unmittelbar nach den Wahlen am 9. August gesehen haben. Und was für Bilder oder Nachrichten erwartest du jetzt für das Wochenende aus Minsk, Brest, Gomel und anderen Teilen des Landes?

[00:09:29]

Wird bestimmt wieder zu Protesten kommen wie in allen Wochenenden seit dem Wahltag vom 9. August. Samstag ist ja traditionell immer der Frauen marsch. Und am Sonntag findet dann immer der große Marsch statt, der jede Woche unter einem anderen Motto steht. Aber diesmal hat es in den so genannten Frauen Schätze dieser Frauenbewegung auch schon den Aufruf gegeben haben, samstags Swetlana Herrndorfs Katjas Inauguration sozusagen zu feiern. Diese Proteste sind ja auch sehr bekannt für ihre Kreativität. Ich glaube, wir können da gespannt sein, welche Bilder wir dann auch vor allem am Samstag aus Minsk und aus anderen Städten sehen werden.

[00:10:00]

Danke Simone, danke dir! Das war was jetzt am Freitagmorgen. Wenn Sie wollen, hören wir uns heute Nachmittag um kurz nach fünf wieder. Dann geht nämlich das Update online. Bis dahin können Sie mir gerne schreiben. An was jetzt? Zeit.de? Ich bin Moses Fendel. Danke fürs Zuhören. Machen Sie es gut. Simone, wie geht's dir denn eigentlich jetzt gerade nach sechs Wochen Dauer Berichterstattung über Belarus? Man lebt da schon irgendwie mit. Aber es ist natürlich auch frustrierend, wenn man nicht selbst vor Ort sein kann.

[00:10:30]

Aber es ist ja für westliche Journalisten derzeit sehr schwer, nach Belarus zu reisen, weil praktisch keine Akkreditierungen ausgestellt werden und das natürlich auch einschränkten.