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[00:00:05]

Sie hören was jetzt den Nachrichten Podcast von Zeit ONLINE und ab heute ist schon wieder September. Wir haben nämlich Dienstag den ersten Neun. Mein Name ist ein Check, und ich führe sie heute durch die Sendung. Ich spreche heute über zwei mögliche Neuanfänge, die viele Chancen bergen könnten. Aber wie das bei Neuanfänge so ist, auch ziemlich schiefgehen könnten. Die Partei Die Linke berät über eine neue Doppelspitze, da die bisherigen Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger abgetreten sind. Und im krisengebeutelten Lebanon ist ein neuer Premierminister im Gespräch, der momentan noch Botschafter in Berlin ist.

[00:00:39]

Aber zuerst einmal die Nachrichten.

[00:00:44]

Der chinesische Außenminister Wang Yi macht heute auf seiner Europareise in Berlin Halt und könnte beim Treffen mit Außenminister Heiko Maas auf Gegenwind zum Umgang Chinas mit der unterdrückten Minderheit der Uiguren und dem Sicherheitsgesetz für Hongkong treffen. Zumindest haben Bundestagsabgeordnete von CDU, FDP und Grünen den Außenminister zu Klartext aufgefordert. Spätestens seit den Ereignissen in Hongkong müsse Mas eine andere als die bisherige zurückhaltende Sprache finden. Ob Mas die heiklen Themen dann allerdings wirklich anspricht oder sich weiter in subtiler Diplomatie versucht, bleibt allerdings fraglich.

[00:01:19]

In Wien berät heute die gemeinsame Kommission zur überwachung des Atomabkommens mit dem Iran über aktuelle Probleme und Herausforderungen. Dazu könnte gehören, dass die USA, die 2018 einseitig aus dem Deal ausgestiegen waren, jetzt wieder UN-Sanktionen gegen den Iran einsetzen wollen. An den Treffen heute werden Vertreter Irans und der fünf verbliebenen Unterzeichnerstaaten des Atomabkommens, nämlich Deutschland, Frankreich, Russland, China und Großbritannien, teilnehmen. Das Atomabkommen von 2015 soll Teheran am Bau einer Nuklearwaffe hindern. Zugleich waren dem Iran bessere wirtschaftliche Beziehungen in Aussicht gestellt worden.

[00:01:57]

Redaktionsschluss für diesen Podcast ist fünf Uhr.

[00:02:05]

Vor fast genau einem Monat, am 4. August, flog in der libanesischen Hauptstadt Beirut eine Lagerhalle mit 2000 750 Tonnen Ammoniumnitrat in die Luft. 180 Menschen starben, mehr als 6000 wurden verletzt. Das Land, das ja schon vorher als extrem instabil gegolten hatte, stürzte daraufhin in eine noch tiefere Krise. Nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch. Die Währung fiel um mehr als 80 Prozent, die Arbeitslosigkeit stieg noch weiter, und die Leute protestierten zu Tausenden auf der Straße gegen das System.

[00:02:36]

Premierminister Sondierte war daraufhin zurückgetreten. Und jetzt ist sein Nachfolger ins Rennen geschickt worden, unter anderem von einer Gruppe ehemaliger Regierungschefs. Er heißt Mustafa Adib und ist momentan noch der libanesische Botschafter in Berlin. Meine Kollegin Lea Friese ist Nahost, Korrespondentin für die Zeit und lebt zum Teil im Libanon, ist jetzt aber gerade in Berlin. Hallo, Mustafa Adib, kennen wir Deutschen vielleicht noch, weil er hier bei uns Botschafter ist? Aber kennen ihn auch die Libanesen? Wofür steht er denn genau?

[00:03:05]

Den meisten Libanesen ist er ganz sicher kein Begriff. Der ist seit ungefähr 20 Jahren Berater bei einer der wichtigen politischen Figuren im Land, einen Ex-Premierminister. Und Adib kommt damit eigentlich aus der zweiten Reihe der gleichen politischen Elite, die das System aufgebaut hat. Was jetzt versagt. Aber den Libanesen ist er kein Begriff, sondern ein unbeschriebenes Blatt.

[00:03:27]

Nach der schweren Explosion in Beirut haben ja viele Menschen jetzt auf dem politischen Neuanfang gehofft und dafür demonstriert und auf weniger Korruption und Vetternwirtschaft gehofft. Es war ja auch dieses politische Klima, in dem solche Nachlässigkeiten wie die Lagerung von Ammoniumnitrat in einer Lagerhalle überhaupt erst möglich waren. Kann man denn sagen, dass Adib diese Hoffnungen irgendwie erfüllen kann? Dass jetzt ein Neuanfang möglich ist?

[00:03:49]

Leider überhaupt nicht. Adib steht gar nicht für einen Neuanfang. Er steht vielmehr dafür, dass die Elite, die dieses System geschaffen hat, noch mehr Zeit schindet. Es ist kaum abzusehen, wofür die eigentlich Zeit? Chilton Die Wirtschaft ist ja schon seit Monaten im freien Fall. Und wenn jemand wie Adib, der praktisch nicht dafür steht, dass jetzt neue Reformen kommen, das nochmal ein neuer Schwung irgendwie kommt, sich etwas verändert. Wenn der jetzt Premierminister wird, dann ist eher zu befürchten, das Land in den nächsten Wochen und Monaten die Unruhe noch wächst und es eventuell zu Hunger, Aufständen kommt.

[00:04:25]

Jetzt ist ja auch der französische Präsident Macron noch mal nach Beirut gereist. Er war ja auch kurz nach der Explosion schon mal da. Auch er fordert immer wieder einen politischen Neuanfang. Was ist denn konkret diesmal seine Mission? Was will er denn in Beirut?

[00:04:38]

Besuch von Macron höchst symbolisch. Erstens kommt er einen Monat nach der Explosion. Macron war unmittelbar nach der Explosion schon mal nach Beirut gereist, um seine Unterstützung, seine Solidarität auszudrücken. Mit den Libanesen und gleichzeitig da schon in so einem komischen Zwiespalt ist er Solidarität ausdrücken wollte, aber eben nicht mit der Regierung, nicht mit dem bestehenden politischen System, sondern ein Zeichen setzen wollte, eigentlich gegen die Korruption und so mit dem Volk. Nun kommt er wieder, nach einem Monat.

[00:05:10]

Er hatte das schon angekündigt, sagt er, möchte sich anschauen, ob es irgendwie Fortschritt gegeben hat. Gleichzeitig kommt er ja am 1. September. Heute, genau vor hundert Jahren, wurde das Mandatsgebiet, damals quasi Cooling Kolonie Groß Libanon geschaffen. Es ist praktisch der hundertste Geburtstag des Libanon, und auch hier kommt er wieder einer Doppelrolle. Einerseits wurde genau damals die Grundsteine dafür gelegt, wie der Libanon heute politisch funktioniert. Andererseits will er eigentlich ausdrücken, dass dieses System so nicht weiterlaufen kann.

[00:05:46]

Vielen Dank, liebe Lea, danke dir!

[00:05:54]

Und sonst so? Wissen Sie, was das ist? So macht ein Krokodil, wenn es sich bedroht fühlt, wusste ich übrigens auch nicht.

[00:06:07]

Wenn Sie zufällig demnächst an der Unstrut in Sachsen-Anhalt spazieren gehen und Sie hören dieses Geräusch, dann sollten Sie am besten ganz schnell verschwinden und die Polizei rufen. Denn in der Unstrut ist offenbar ein Krokodil unterwegs.

[00:06:20]

Mehrere Menschen wollen es schon gesehen haben. Es soll etwa zwei Meter lang sein, kleine, gelbe, reflektierende Augen und einen gezackten Schwanz haben. Wo das Krokodil nun aber herkommen soll, ist nicht ganz klar. Die erste Vermutung ging in die Richtung eines Tierparks in der Pfalz. Aber da haben die gar keine Krokodile. Vielleicht hat es auch jemand ausgesetzt, weil zum Beispiel die Badewanne zu klein wurde. Für ein paar Tage lang haben Feuerwehr und DLRG nun nach dem Tier gesucht, jetzt aber aufgegeben.

[00:06:50]

An der Unstrut darf man jetzt sicherheitshalber eine Woche lang nicht baden. Sicher ist sich.

[00:07:01]

Die Partei Die Linke dümpelt seit Monaten wie erstarrt im Umfragetief, gerade mal zwischen sechs und neun Prozent könnten die Linken holen, wenn jetzt Wahl wäre. Und die bisherigen Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger haben nun erklärt, dass sie nach acht Jahren den Weg frei machen und abtreten wollen. Damit hätte die Linke jetzt die Chance, sich ganz neu aufzustellen. Nicht nur personell, sondern auch inhaltlich. Denn eigentlich könnten sie ja gerade jetzt in karuna Zeiten, wo es so viel um soziale Fragen geht, aber auch das Thema Kapitalismuskritik wieder ganz weit vorne ist.

[00:07:31]

Genügend Stimmen sammeln für die nächste Wahl. Nun wird also viel diskutiert, wer Kipping und Riexinger denn am besten nachfolgen könnte. Und dabei scheint eine Doppelspitze mit zwei Frauen möglich zu sein. Als aussichtsreich gelten die Fraktionsvorsitzenden aus Hessen und Thüringen, Janine Wissler und Susanne Hennig Veloso.

[00:07:49]

Und meine Kollegin Katharina Schuler hat zu der neuen Doppelspitze recherchiert.

[00:07:54]

Hallo Katharina, hallo, wie aussichtsreich sind denn die möglichen Kandidatinnen?

[00:07:59]

Weiß man denn überhaupt schon, wofür sie stehen?

[00:08:01]

Ja, sie stehen eigentlich für unterschiedliche Seiten der Partei, und das gilt auch für ihre Biografien. Susanne Hennig Welse aus Thüringen Die ist ja eben Ostdeutsche und steht für diesen pragmatischen Regierungskurs, den die Linke im Osten ja eigentlich schon immer eingeschlagen hat. Dort wollen die Linken mitregieren und auch ganz konkret die Gesellschaft verändern und dagegen ist. Janine Wissler kommt aus Hessen und hat über die Wahlalternative Soziale Gerechtigkeit, also diese Abspaltung damals von der SPD zur Linken gefunden und ist eine typische West Linke.

[00:08:44]

Die Linkspartei ist ja auch in Hessen in der Opposition, und sie vertritt vor allen Dingen auch in der Frage einer Regierungsbeteiligung einen sehr viel skeptischer Kurs als Henning.

[00:08:55]

Also heißt das, dass ein grundsätzlicher Wandel mit diesen beiden Frauen möglich ist oder nicht?

[00:09:01]

Inhaltlich, glaube ich, würden die vieles fortsetzen, was jetzt auch von Katja Kipping und Bernd Riexinger begonnen wurde. Die linke kampagnenfähig machen Sie als mitgliederpartei aufstellen. Das sind eigentlich Ziele an denen, die sicher auch weiterarbeiten würden. Aber es kann natürlich einfach immer einer Partei so einen neuen Anschub geben. Wenn dann auch mal neue Gesichter da sind, dann ist das Interesse wieder größer. Und gerade auch vor Frau Wissler gilt auch wirklich als jemand mit Ausstrahlung, also auch rhetorisch recht geschickt und einnehmend.

[00:09:38]

Und da könnte natürlich durchaus das auch sich positiv auswirken.

[00:09:42]

Katja Kipping und Bernd Riexinger haben ja erklärt, dass sie nicht mehr antreten wollen. Was kannst du denn zur Bilanz der beiden sagen? Also so richtig gut steht dir die Partei nicht. Da können die beiden sich jetzt auf die Schulter klopfen oder eher nicht?

[00:09:55]

Man kann sagen, es hat im Grunde zwei Seiten. Im Osten ist die Partei im Niedergang. Da hat sie auch im letzten Jahr in Sachsen-Anhalt und in Brandenburg bei Wahlen sehr schlecht abgeschnitten. Ausnahme Thüringen aber, wo der Realo Bodo Ramelow an der Spitze steht, der sich nach Möglichkeit von seiner Partei distanziert. Auch bei der Europawahl hat die Linke schlecht abgeschnitten. Auf der anderen Seite ist es den beiden gelungen, die Linke vor allem auch im Westen und in Großstädten zu stärken.

[00:10:24]

Bernd Riexinger hat gerade noch einmal gesagt Die Linke ist jetzt im Westen die jüngste Partei. Das ist natürlich ein Erfolg. Dass viele, dass es durchaus zutrifft, gab Eintritte von jungen, akademisch gebildeten Großstädtern. Und das macht es natürlich für die Partei auf der anderen Seite aber auch schwierig, den Spagat zu schaffen zwischen ihren ursprünglichen Milieus, eben eher den Arbeitslosen, Abgehängten und eben dieser neuen urbanen Klientel. Katharina Forced Bitte! Und das war was jetzt für heute.

[00:10:58]

Hören Sie gerne rein in unser Abdeckte am Nachmittag und natürlich auch gerne wieder morgen früh. Und Sie wissen ja, wenn Sie uns zu unserer Sendung irgendetwas sagen möchten oder eine Frage haben. Dann schreiben Sie uns unter was jetzt Zeitpunkte?