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[00:00:05]

Sie hören was jetzt am Mittwoch, den 19. August. Ich bin Pia Rauschenberg und ich spreche gleich über die aktuellen Entwicklungen in Belarus und über das ewige Eis, das schmilzt. Jetzt kann man aber erst mal die Nachrichten.

[00:00:21]

Ich bin Mathias Peer. Guten Morgen! Die US-Demokraten haben den früheren Vizepräsidenten Joe Biden offiziell zu ihrem Präsidentschaftskandidaten gekürt. Bei dem virtuell abgehaltenen Parteitag hat eine klare Mehrheit der Delegierten für den 77 Jahre alten Politiker gestimmt. Zuvor haben die früheren Präsidenten Bill Clinton und Jimmy Carter für beiden geworben. Für Mittwochabend amerikanischer Zeit steht noch eine Rede von Barack Obama an. In Mali ist Präsident Ibrahim Boubacar Keita nach einem mutmaßlichen Putschversuch des Militärs zurückgetreten. Er wolle damit verhindern, dass Blut vergossen wird, um ihn an der Macht zu halten, sagte er in einer Fernsehansprache.

[00:01:04]

Ceta und weitere Regierungsmitglieder waren zuvor von Soldaten festgenommen worden. International ist dieses Vorgehen der Armee auf Kritik gestoßen, unter anderem von Bundesaußenminister Heiko Maas. Mali steckt seit Monaten in einer politischen Krise. Ceta wird unter anderem Korruption vorgeworfen. Redaktionsschluss für diesen Podcast ist 5 Uhr.

[00:01:32]

Heute ist ein EU-Gipfel anberaumt, um per Video über die Situation in Belarus zu sprechen. eu-staatschefs Charles Michel hat außerdem vor einer Intervention von außen gewarnt. Und Merkel hat gestern mit Putin telefoniert. Und während alle auf internationaler Ebene in Bewegung kommen, gehen in Belarus die Proteste weiter über die aktuelle Entwicklung. Dort möchte ich mit der Zeit Korrespondentin Alice Botta sprechen. Hallo Alice, hallo? Merkel hat ja gestern, ich habe es gerade gesagt, schon mit Putin telefoniert, und Putin wird keine westliche Orientierung von Belarus dulden, heißt es jetzt.

[00:02:07]

überALL geht es also vor allem darum, ihn von einem Eingreifen in Belarus abzuhalten. Es geht vor allem erstmal darum klarzustellen, dass es hier nicht um eine westliche Orientierung geht. Der Grund, warum die Menschen so massenhaft im ganzen Land auf die Straße gehen, ist, dass sie eine freie und faire Wahl wollen. Sind bei dieser letzten Wahl betrogen worden? Das empört wirklich alle, mit denen ich gesprochen habe, auch jene, die sich gar nicht als politisch wahrgenommen haben oder sogar das System gestützt haben und prowestlich nicht.

[00:02:39]

Prowestlich sind keine Kategorien, die derzeit eine Rolle spielen. Es geht einzig um die Wahl. Sieht Putin das auch so? Das ist die Frage. Ich bin mir nicht sicher, wie der Kreml diese Proteste versteht. In den Staatsmedien ist jetzt viel davon die Rede, dass das Farben Revolution seien, die von den Amerikanern angestiftet worden seien. Das ist natürlich Unsinn. Diese Proteste sind genuin aus der Gesellschaft heraus entstanden, und die Frage ist, ob der Kreml darauf zu reagieren vermag.

[00:03:13]

Auf diese Entwicklung, die völlig überrumpelt hat. Es kann sein, dass er sich einmischen wird, dass Lukaschenko zu retten versucht, auch wenn mich das verwundern würde. Rational gibt es dafür eigentlich aus Sicht des Kremls keine Gründe. Aber die Politik des Kremls ist nicht immer rational, gerade im außen politischen Bereich. Es kann aber auch sein, dass Lukaschenko Feind ist und sich die Prozesse erst einmal in Ruhe anschaut. Denn egal, wer nach Lukaschenko kommt die engen Beziehungen zu Russland werden bleiben.

[00:03:49]

Dieses Land Belarus hat wirtschaftliche, kulturelle und politisch enge Kontakte mit Russland. Unabhängig davon, wer es anführt.

[00:03:59]

Die Aktivistinnen und Aktivisten in Belarus versuchen auf jeden Fall ganz unabhängig von Putin, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen und wollen den Machtapparat von Lukaschenka jetzt mit Streiks schwächen. Meinst du, das ist ein wirksames Mittel?

[00:04:13]

Ja, ich habe den Eindruck, dass die Streiks ein sehr wirksames Mittel sind. Es sieht so aus, dass verfassungsrechtlich dürfen die Leute streiken, solange sie keine politischen Forderungen erheben. Und der Direktor einer Fabrik muss diesen Streikaufruf unterzeichnen. Ich glaube, meines Wissens hat kein einziger direkter so ein Streikaufruf unterzeichnet. Und wenn, dann waren es allenfalls eine Handvoll. Und trotzdem gehen die Arbeiter raus auf die Straße, und das sind Arbeiter in den Schlüsselindustrien in wichtigen staatlichen Betrieben.

[00:04:45]

Es geht um Schwerindustrie, um Chemiewerk, um Zuckerfabriken. Und das zeigt Wirkung. Das hat auch Einfluss auf das weitere Geschehen, und in den letzten Tagen sprach ich mit sehr vielen Bähler Russen. Man kann beobachten, dass auch in den staatsapparate langsam Leute diesen Arbeitgeber den Rücken zu werden. Das sind keine Massenbewegung. Noch sind es Einzelfälle, und trotzdem ist das Ganze erstaunlich. Noch vor drei Wochen wäre das nicht vorstellbar gewesen.

[00:05:16]

Es gibt auch Videos, die zeigen Polizeiautos, die in Solidarität mit den Protestierenden hupen. Inwieweit hängt Lukaschenkos Macht denn auch von der Einstellung des Militärs und der Polizei in Belarus ab?

[00:05:28]

Das Militär, die Polizei und die Sonderpolizei Hormone und Saubere haben eine Schlüsselrolle. Sie sind die Machtbasis von Lukaschenko. Dank ihnen kann Lukaschenko sich noch halten. Und wenn es dort tatsächlich massenhaft Absetzbewegung geben würde, dann wäre es eindeutig das Ende von Lukaschenko. Danke für deine Arbeit. Danke dir fürs Interesse.

[00:05:58]

Und sonst so fördert unwahr Güll keinen gültigen Hamsa. Kurt TouchWiz, Mercedes Kirberg Ceta Rebus Karlo, Jan Wolkow, Fatih Saratow Glu Zeugnis Sahr Hashemi, Willi Volpone, Gabriele Ratingen Das sind die Namen der zehn Menschen, die bei dem rassistischen Anschlag in Hanau im Februar getötet wurden. Ein halbes Jahr ist das nun her, und damals gab es sehr viel Aufmerksamkeit. Der Anschlag war weltweit ein Thema. Es sind Tausende Menschen in Deutschland auf die Straße gegangen. Nun ist es ziemlich ruhig um das Thema geworden.

[00:06:36]

Vor allem wegen Coruna, wahrscheinlich. Und manche fürchten, es ist ein bisschen zu ruhig geworden ist. Und deshalb wollten wir hier im Podcast auch nochmal an die Verstorbenen erinnern. Und heute wird es auch eine Gedenkveranstaltung auf dem Marktplatz in Hanau für Sie geben.

[00:06:57]

Es ist heiß draußen, vielleicht nicht ganz so heiß wie die letzten Tage, teilweise aber immer noch heiß und für Schwitzen und das machen Gletscher auch die verlieren dann Eis. Und das ist auch normal. Dann schneit es wieder, und dann bildet sich neues Eis. In Grönland hat diese Schmelze des Eises aber jetzt einen Punkt überschritten, an dem sie eventuell nicht mehr rückgängig machbar ist. Dazu gibt es eine neue Studie von der Ohio State University, die im Fachmagazin Communications Varian publiziert wurde.

[00:07:25]

Und die möchte ich mir genau anschauen mit meinem Kollegen Stefan Schmitt aus dem Westen. cso Hallo Stefan, hallo Pia Mormon, das klingt ja schon ziemlich dramatisch. Was haben die Forscherinnen denn da genau herausgefunden?

[00:07:38]

Die haben sich angeschaut. Forscher nennen das die massenbilanz wie das Verhältnis zwischen neugebildeten Eis, was durch Niederschlag, durch Schnee sozusagen oben drauf kommt auf den Gletscher und verlorenem Eis, das an den Küsten einen Gletscher ins Meer calcit. Diese Bilanz ist nicht in der Balance. Netto verliert Grönland Eis, und das seit Jahren. Und die haben sich in hochauflösenden Satellitendaten angeschaut, wo genau das passiert, auf welchem Wege und wie das in Zahlen ausschaut.

[00:08:10]

Und dabei kam raus, dass Grönland mehr als verliert, als es sollte. Was jetzt tatsächlich herausgefunden haben, ist, dass Grönland über eine bestimmte Zeit lang trotz großer Schmelze etwa in der Balance war. Das gilt aber nicht mehr. Wir haben dann viel Mathematik betrieben und haben sozusagen die Wahrscheinlichkeit dafür ausgerechnet, dass unter den jetzigen Bedingungen der grönländische Eisschild wieder an Masse gewinnen kann. Und diese Wahrscheinlichkeit liegt nach Aussage der Forscher um die Mikaela Kellerkind nur bei einem Prozent. Oder anders ausgedrückt Nur in einem von 1000 Jahren würde der Eisschild dort wieder anwachsen.

[00:08:46]

Beim Klimawandel sprechen Forscher von sogenannten cip Punkten. Was bedeutet das genau?

[00:08:52]

Wovon man bei den Punkten Angst hat, ist, dass etwas, das in der Natur ein gewisses Gleichgewicht hat, eben aus diesem Gleichgewicht heraus gedrückt wird durch menschliches Zutun und dann in irgendeinen anderen Zustand kommt, aus dem man es nicht wieder zurück in den Ausgangszustand bringen kann. Es gibt Dynamiken in diesem Eisschild, die die Gefahr bergen, dass eine Schmelze, die einmal in Gang ist, sich sozusagen selbst aufrechterhält oder gar verstärkt, sodass selbst bei Abkühlung die Schmelze nicht automatisch aufhört.

[00:09:22]

Und das gilt jetzt auch für das Eis in Grönland. Genau das ist einer der Orte auf der Welt, wo man Angst davor hat, dass etwas fundamental kippt. In der Arktis gibt es da außerdem noch das Meereis. Man hat Angst davor, dass die Arktis im Sommer eisfrei sein wird. Oder das Methan, das gebunden ist im Permafrost im Boden der Arktis. Das würde bei Auftauen freigesetzt, würde dann in die Atmosphäre steigen. Methan ist ein stark wirksames Treibhausgas, und dann würde dieser Effekt den Klimawandel verstärken, was zu mehr Auftauen und noch mehr Gasofen führen würde.

[00:09:58]

Davor das natürliche Balance in so eine Richtung kippen, hat man große Angst.

[00:10:02]

Aber wann dieser Punkt erreicht sein wird, das weiß man noch nicht. Das weiß man nicht. Und diese Studie sagt sehr viel über das Verhalten des grönländischen Eisschild aus. In den vergangenen Jahren auch sehr präzise. Sie kann nicht definitiv sagen, wann und wo der Amerikaner seinen point of no return, der Punkt, an dem es keine Wiederkehr mehr gibt, liegt. Danke, Stefans sehr gerne. Das war was jetzt für heute Morgen.

[00:10:28]

Heute Nachmittag können wir uns dann wieder, wenn Sie mögen. Lob und Kritik und Vorschläge einer Art können Sie gerne an. Was jetzt? Zeitpunkt schreiben. Ich bin Piave. Schönenberger. Machen Sie es gut?

[00:10:44]

Machen wir solche Studien eigentlich Angst? Angst? Nun ja, auf jeden Fall führen Studien wie diese vor Augen, welche gewaltigen Prozesse Menschen in Gang gesetzt haben und wie lange die in die Zukunft reichen. Wie viel Ungewissheit und wie viel Schaden bergen. Und klar ist das beängstigt.