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Deutschlandfunk Nova Eine Stunde mit Markus durchwahl.

[00:00:08]

Heute will ich euch erst mal auf unsere Deutschlandfunk Nova Playlist aufmerksam machen.

[00:00:21]

Da stehen wir zum Beispiel hier Die fünf Jungs aus Hamm singen schön mehrstimmig, alle zusammen.

[00:00:27]

Genauso machen das übrigens auch die vier Jungs aus Stuttgart Gitarre, Bass, Schlagzeug, was ebenso dazugehört, und eben der mehrstimmige Gesang Darjeeling aus Wuppertal.

[00:00:59]

Drei Mal deutsche Bands, die wir hier spielen bei Deutschlandfunk, die uns alle im Interview erzählt haben, dass sie und ihre Musik und ihr Gesang beeinflusst sind von so Ihr Pilzköpfe aus Liverpool.

[00:01:12]

Ich meine natürlich die Beatles. Die hatten vor 60 Jahren ihren ersten Auftritt auf einer Bühne. Und natürlich haben sie nicht nur Poppins hier in Deutschland beeinflusst und geprägt, sondern eigentlich dem ganzen Pop Business weltweit den Weg geebnet.

[00:01:29]

Deshalb gegen die Beatles, also heute eine Stunde Maestri.

[00:01:33]

Aus den prall gefüllten Schatzkammern der Menschheitsgeschichte. Historiker Matthias von jetzt erzählt sie mir erst mal Matthias, dass du auch noch ein paar Biathlet Platten im Regal stehen hast.

[00:01:46]

Ich glaube, ich hab die alle mal. Aber ich hatte eine ganze Menge, und ich fand die auch immer ziemlich geil. Das geht bei mir nicht.

[00:01:56]

Meine Haare wachsen immer etwas anders, aber ich hatte so viele Haare bis auf die Schultern. Frisur sah ziemlich aus, aber ich fand es damals Hammer geil. Und dazu, das war das Beste, hatte ich so eine Lause Matte. Das war so ein Mantel, den musste ich unbedingt immer anhaben. Und eine Jeans mit Schlag.

[00:02:12]

Mit genau diesem Outfit hättest du damals. 1860 kommt's nach Sankt Pauli gehen können. In Sankt Pauli nämlich spielen diese vier Pilzköpfe aus Liverpool. Ich sagte ja schon die Beatles ihr erstes Konzert. Das war in Europa nicht so eine ganz lauschige Warmzeiten der 50er, 60er Jahre.

[00:02:32]

Nee, das kann man wohl nicht sagen. Es war ziemlich unruhig, kann man so einer Rückschau betrachtet sagen? Der Zweite Weltkrieg war gerade ungefähr 100 Jahre vorbei. Der Wiederaufbau hatte begonnen, in Deutschland genauso wie in anderen europäischen Ländern. Das kann man sich leicht vorstellen. Es gab natürlich große gesellschaftliche Auseinandersetzungen, zum Beispiel welche?

[00:02:48]

Ja, das waren so Debatten, die langfristig betrachtet auch auf die Kultur Einfluss genommen haben, natürlich auch auf Theater oder eben auch auf Musik. Ein paar Beispiele 1950 begann der Koreakrieg, und er löste eine Debatte aus über den Krieg in der Zeit des Kalten Krieges. Da wurde diskutiert, ob eine europäische Armee ganz aktuelles Thema wird. Hans Globke, Kanzleramtschef von Konrad Adenauer, das war der erste Bundeskanzler, und dieser Hans Globke, Kommentator der Nürnberger Rassengesetze von 1935, also ein Nazi Gesetz, Kommentator der Bundesrepublik Kanzleramtschef.

[00:03:24]

Dann gab es in den fünfziger Jahren eine Debatte um die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik. Am Anfang gab es ja keine Bundeswehr müsse neu aufgebaut werden. 1950 wurde die Wasserstoffbombe gebaut, 952 wird sie zum ersten Mal gezündet. Der Konflikt zwischen der DDR und der Bundesrepublik verschärft sich. Es gab Reisebeschränkungen und Schwierigkeiten. 953 Stirbt in Moskau Stalin? Es entbrennt ein Machtkampf im Kreml um die Nachfolge der DDR. Kommt es zum Aufstand vom 17. Juni und 954, werden in den USA Kommunisten per Gesetz kriminalisiert.

[00:03:59]

Man sieht, es ging auf der ganzen Welt eigentlich immer wieder um Krieg und Frieden. Und das war eigentlich auch nicht so verwunderlich, so kurz nachdem dieser Zweite Weltkrieg gerade mal vorbei war, an dessen Ende sich ja sofort der Kalte Krieg entzündet.

[00:04:13]

Das sind natürlich alles Themen, die du ansprichst.

[00:04:16]

Vor allem würde ich jetzt mal so annehmen damals auch die Jugend befasst haben, haben sich gefragt Wo geht die Reise hin?

[00:04:22]

Es waren jüngere Leute, vor allem natürlich auch Studenten, die einfach Zeit und Muße hatten, sich mit diesen Themen zu beschäftigen. Diese Debatten waren ausschlaggebend für das Verhältnis vieler Kinder zu ihren Eltern. Es kam dann zu den Debatten um die NS-Vergangenheit der Väter und Großväter hinzu. Das hat in den Jahren sicher zu einer Art Entfremdung von vielen jungen Leuten zu den älteren geführt. Es begann so etwas wie, man kann es vielleicht sagen, als Jugendrevolte. Und da passte die neue Musik, die in England und den USA zuerst gespielt wurde, passte gut dazu.

[00:04:53]

Und natürlich auch Mode und Frisuren.

[00:04:57]

Klar, Pop und Kunst und Kultur und Mode sind immer ein guter Resonanzboden für das, was gesellschaftlich passiert.

[00:05:03]

Aber war das in Deutschland damals auch schon? Also erstmal muss man wirklich sagen reumütig bekennen. Nein, ich habe mal so ein bisschen rum geguckt. 1954 stand Vico Torriani, den kennt kaum einer. Das war so ein Showmaster, der hat im Fernsehen später irgendwelche Samstagabend-Show. Jemand, der Deutsch sprach, aber bis zu einem bestimmten Einschlag an sich ganz sympathisch. Und er hatte ein Lied namens Granada, und das stand auf der Nummer eins der deutschen Hitparade. 56 war Freddy Quinn mit Heimweh, aber auch schon Bill Haley mit Rock Around the Clock in den Hitparaden.

[00:05:40]

Das war so ein bisschen ein Stück neue Freiheit, die da aus den Vereinigten Staaten herüber kam. Aber auch nach dem ersten Auftritt der Beatles in Hamburg 1960 gab es immer noch keinen Platz für die Beatles in den deutschen Hitparaden. Man kann also vielleicht sagen In Deutschland sangen noch lange Freddy Quinn vom Jungen der Bald wieder Tormanns, und Billy Mo kaufte sich einen Tiroler Hut und eine gewisse Manuela gab dem Bossa Nova die Schuld, und Gitte wollte schlicht einen kaufen.

[00:06:08]

So der perfekte Nährboden für etwas andersartige Musik von diesen schrägen Pilzköpfe aus einem englischen Arbeiterstadt war zunächst einmal vermute ich jedenfalls in Deutschland so ein bisschen Musik für Insider, die sich damit beschäftigt haben, dass natürlich sehr viel früher mitbekommen.

[00:06:22]

Und die fanden das bestimmt auch sehr gut. Es gab in diesen Jahren im übrigen haben wir ja auch schon gehört, sehr viele andere Bands, nicht nur die Rolling Stones, die 962 sozusagen als Kontrapunkt und Anführungsstrichen gegründet worden. Mainstream war zunächst einmal noch Deutschtümelei und mit dem Protest, der sich immer mehr ausgeweitet hat gegen das verkrustete System in der Bundesrepublik. Da kam eben auch die neue Musik dazu und auch die Beatles und viele andere.

[00:06:46]

Man weiß es nicht, wenn man es nicht weiß.

[00:06:48]

Aber Hamburg spielt keine kleine Rolle in der Geschichte der wahrscheinlich berühmtesten Popband aller Zeiten.

[00:06:55]

Die Beatles haben da eine Menge gelernt in Hamburg und nicht zuletzt ihren ersten Auftritt eben unter genau diesem Namen gespielt. Die Beatles Wiebke Lehnhoff kennt das Geschäft.

[00:07:09]

Spät abends, am 16. August 1960, kommt eine junge Band in Hamburg an. Aus dem Nordwesten Englands, der Hafenstadt Liverpool. Fünf Jungs im Alter zwischen 17 und 20, die Rock'n'Roll spielen, also eine Musikrichtung, die erst ein paar Jahre vorher ihren weltweiten Durchbruch gefeiert hat. Mit Bill Haley The Rock Around the Clock.

[00:07:33]

Die junge Band aus Liverpool ist allerdings bisher noch nicht so erfolgreich. Unter anderem, weil sie keinen festen Schlagzeuger findet. Der harte Kern der Band ist John Lennon, Paul McCartney und George Harrison, alle drei an der E-Gitarre.

[00:07:47]

Bis vor kurzem haben sie noch in Johns Band Harriman gespielt. Nachdem die Kroymann sich aufgelöst haben, treten John, Paul und George immer dann als Rock'n'Roll Band auf, wenn sie einen Schlagzeuger finden können. Im Januar 1960 überredet John Lennon seinen Freund Stuart Sutcliffe von der Kunstschule, sich einen Ebers zu kaufen und bei der Band mitzumachen. In den nächsten Monaten sammelt die Band Auftrittes Erfahrung und ändert ein paar Mal ihren Namen. Erst zu Bieters, dann zu Silver Beatles mit 2E und schließlich zu Silver Beatles mit EEA, ein Wortspiel zwischen Käfer und Beatmusik.

[00:08:29]

Anfang August streicht sie dann das Silver und nennt sich nur noch The Beatles. Die Jungs haben Glück, als ihnen der Liverpooler Music Veranstalter Alan Williams ein Engagement in Hamburg anbietet. Darin vermittelt er englische Bands für Nachtlokal. Einziges Problem, wie sich George Harrison erinnert Gefordert ist eine fünfköpfige Band. Und sie sind nur zu viert, weil sie immer noch keinen Schlagzeuger haben. Den Job hat Paul vorläufig übernommen.

[00:09:05]

Die Band braucht also schnell einen Schlagzeuger, wenn sie in Hamburg auftreten werden.

[00:09:09]

Kurz vor der Reise wird als Drummer noch Pete Best angeheuert.

[00:09:13]

In der Nacht vom 16. auf den 17. August 1960 kommen die Jungs in Hamburg an. Im Rotlichtviertel Sankt Pauli blinken die Neon reklamen. Dort sollen die Beatles ab dem Abend auftreten, und zwar im Club Indra auf der Großen Freiheit. Aufnahmen vom allerersten Auftritt der Beatles dort gibt's nicht. Aber ein Zeitzeuge, erinnert sich Horst Fischer, damals Leiter der Musikclubs Kaisa Keller und Top Ten Club, fand den Auftritt sehr enttäuschend.

[00:09:40]

Es waren fünf Mann, die mehr Schrammel Musik spielten, und ein Schlagzeuger. Das heißt, er hatte die Bassgitarre. Alle anderen spielten Gitarre, und die hatten vielleicht drei Korth drauf, und die kamen wir auf dem Gipfel. So hörte sich das an Rock'n'Roll. Die Beatles merken, dass sie nicht so gut ankommen. Aber sie sollen ja monatelang jeden Abend stundenlang spielen, um Gäste in die Bar zu locken. Also beginnen die Jungs, eine Schau abzuziehen, wie ihr Klubbesitzer wünscht.

[00:10:09]

Mit Hilfe von Aufputschmitteln und Alkohol legen sie wilde Auftritte hin. Sie ziehen ihre Coversongs in die Länge. Solo Einlagen. So werden sie spontaner, selbstbewusster, vergrößern ihr Repertoire und verbessern sich beim Singen und an ihren Instrumenten. Anfang Oktober wechseln sie vom Indra in den Kaiser Keller, und dort sieht sie ihr späterer Freund Klaus Fuhrmann zum ersten Mal.

[00:10:31]

Es war unheimlich eindrucksvoll. Die erste Band war Hurricanes, und er spielte Ringo Schlagzeug. Das fand ich toll. Und dann kamen die Beatles. Das hat mich dann völlig umgekrempelt.

[00:10:46]

Die Band wird zum angesagten Geheimtipp auf der großen Freiheit und lockt viel Publikum an. Als Sie Ende November 1960 nach Liverpool zurückkommen, sind die Beatles viel besser als vorher. Bald gelten sie unter den vielen Live-Bands in den Tanzlokal als die beste. Aber auch davon gibt's leider keine Aufnahmen, wie John Lennon später sagt.

[00:11:09]

In Liverpool haben die Beatles 1961 und 62 noch für mehrere Club Engagements nach Hamburg zurück.

[00:11:29]

In der Zeit verlässt Bassist Cliff die Band, um Kunst zu studieren. Deshalb Paul McCartney von E-Gitarre auf E-Bass umsteigt. Und dann wird der Schlagzeuger Pete Best gegangen, weil er nicht gut genug ist für ihn. Eingesprungen ist schon vorher einige Male Ringo Starr, der als exzellenter Drummer gilt. Und weil die Chemie zwischen ihm, John, Paul und George einfach stimmt, ist Ringo ab dem 18. August 1962 fester Schlagzeuger der Beatles. Jetzt ist die Band komplett.

[00:12:02]

Wiebke Lehnhoff über die Anfänge der Beatles in Hamburg.

[00:12:08]

Falls das bis zu diesem Punkt noch nicht ganz klar geworden ist Die Beatles hießen Beatles, weil sie Beat Musik gemacht haben und Beatmusik hat in den Sechzigern zum Beispiel auch Volker Rebell gemacht und dann später seine Karriere als Musikjournalist fortgesetzt. Volker Hallo George, Band Früher ja. Ja, natürlich.

[00:12:29]

Du bist ja in den 50ern und 60ern großgeworden, bevor die Beatles kam. Was gab es da so zu hören?

[00:12:35]

Musik in den 50ern, speziell die erfolgreichste Musik der 50er Jahre war natürlich der US amerikanische Rock Roll. Gesellschaftlich gesehen galt der Rock'n'Roll als Ausdruck des Aufbegehrens der jungen Generation gegen die spießiger, gegen die erzkonservative Elterngeneration, die ja gerade irgendwie aus dem Krieg kam. Musikalisch war der Rock'n'Roll mehr oder weniger eine weiße Adaption des schwarzen Rhythm Blues. Der alte Spruch in der schwarzen Community, der hat ja gelautet Der Blues hatte Baby wohl. So hieß Muddy Waters, den großen Blues Gitarrist und Sänger, der den urbanen Chicago Blues maßgeblich geprägt hat und an dem sich die Rolling Stones besonders orientierten.

[00:13:19]

In den 40er Jahren, da wurde der Rhythm Blues in den USA noch als Race Music bezeichnet, also als Rassen Musik, was ja ein Schlaglicht werfen kann auf die lange Tradition des Rassismus.

[00:13:32]

Aus den afroamerikanischen Ursprüngen, also aus Folk, Blues und Gospel, entwickelte sich dann der Blues, aber auch der Jazz und später auch der Soul vereinfachen wird. Ja, üblicherweise wird allen Kritikern gesagt, dass der schwarze Blues mit Elementen der weißen Country-Musik gekreuzt wurde, und daraus entstand dann der schwarz weiße Vocke wohl, der aber erst ein großer Erfolg wurde, als weiße Sänger wie Elvis Presley, wie Carl Perkins, Eddie Cock und andere, als die den Rock n Roll Hitparaden tauglich gemacht habe.

[00:14:04]

Natürlich gab es auch hervorragende schwarze Sänger und Songschreiber wie Chuck Berry oder Little Richard. Doch die standen in den 50er Jahren zunächst noch lange in der zweiten Reihe. Im großen Rampenlicht standen die weißen Idole, allen voran natürlich Elvis oder Bill Haley, Jerry Lewis, Jean winselnd. Die Cochran und Rock'n'Roll war natürlich nicht nur ein für die damaligen Verhältnisse wilder Musikstil, sondern auch ein ganz, ganz wilder Tanz, der bei vielen Konservativen damals als eher unzüchtig unverdorben galt. Genauso wie auch die Musik.

[00:14:37]

Man kann sich das heute kaum noch vorstellen, dass Elvis im US-Fernsehen nur vom Bauchnabel aufwärts gezeigt werden durfte wegen seines unzüchtigen Hüftschwung.

[00:14:48]

Der Begriff Rock'n'Roll, würde ich das noch sagen darf, der war damals ein Codewort für den Beischlaf. Also hatten die Spießer USA damals durchaus alles richtig verstanden.

[00:14:59]

Aber Volker, sag mal, wenn es dann eben Jerry Lewis, Elvis Presley und Chuck Berry gab, wieso dann die Beatles in den Sechzigern so durch die Decke?

[00:15:07]

Weil eigentlich. Man hätte ja denken können. Ja, die Musikszene ist so trist aufgestellt, alles langweilig. Und dann kommt diese Beatmung daher. Aber es gab ja eigentlich schon ganz gute Konkurrenz.

[00:15:18]

Die Frage geht nach den Wurzeln der Beatles zu Beginn Ihrer Karriere. Wenn ich nicht recht verstehe. John Lennon Wenn ich es mal weit ausholen darf. Er hatte die Band als 16-Jähriger 1956 gegründet. Die Band, die Ski-Verband, Kirchenmusik mit Waschbrett, mit Banjo, mit selbstgebastelten Kisten, Bass das waren die allerersten Anfänge. Die Colemans spielten Hits der damaligen Zeit nach. Sie spielten Skiwelt von Lonnie, dornigen, aber eben auch schon erste Songs von Eddie Cochran und Buddy Holly und anderen auch.

[00:15:51]

Als dann der 15 jährige Paul McCartney 957 von John Lennon in die Band aufgenommen wurde und als schließlich auch George Harrison 958 noch dazu stieß. Da veränderte sich das Repertoire allmählich. Paul und George waren die deutlich besseren Musiker als die anderen. Was zur Professionalisierung der Band deutlich beitrug. Und weil alle drei gute Sänger waren, konnten sie mehrstimmige Songs von damals vocal Gruppen einstudieren, was so eine Art durchaus Alleinstellungsmerkmal, damals und heute auch immer noch total typisch für die Beatles, eine dieser mehrstimmige Gesang.

[00:16:23]

So begeistert waren die Beatles alle vom Rock'n'Roll. John war Elvis Fan, stand auf Chuck Berry. Paul verehrte Little Richard, an dessen Vocal Technik er seine eigene Stimme geschult hat. Sie schwärmten auch für schwarze Songschreiber und Soulsänger wie Smokey Robinson oder Alexander, von denen die Songs ja gecovert haben. Aber sie waren eigentlich keine ausgesprochenen Blues Fans wie etwa die Rolling Stones. Dagegen gehörte zu ihrem frühen Repertoire zum Beispiel der mexikanische Song Muto oder eine Musical Melodie wie Tell You oder eben auch die Bob Gesangsstil.

[00:17:00]

Band The Marvel Please Mister Paust Wenn das heißt, die hatten keine Berührungsängste? überhAUPT nicht. Und sie waren wirklich wirklich musikalisch vielseitig interessiert und vielseitig beeinflusst.

[00:17:11]

Jetzt ist Liverpool, wo die Burschen herkommen, hier wirklich eine interessante Stadt. Folker Keine Frage. Allerdings ist es auch ein bisschen komisch, dass eines der größten Popkultur Phänomene des 20.Jahrhunderts ausgerechnet aus dieser Maloja Stadt kommt.

[00:17:22]

Cassidian, eine Erklärung für Liverpool, ist eine Hafenstadt, und die Seeleute, die Matrosen, die mit ihren Partnern aus Amerika kamen, brachten noch immer Schallplatten mit, die es in England so nicht gab. Natürlich waren das vor allem Rock, 'n', Roll Platten, aber auch Jazz und Blues Platten. Viele Jugendliche aus Liverpool, vor allem natürlich die Musikbegeisterten, die waren vertraut mit der Rock und Blues Musik aus Amerika.

[00:17:45]

Neben den Beatles gab es natürlich noch durchaus ganz andere wichtige Bands die Beatles. Sie dominierten zwar 1969 bis 68 ganz eindeutig die gesamte Popwelt, und das nicht nur im kommerziellen Sinne, was ihre Popularität angeht. Die Beatles waren ja auch musikalisch die allerbesten, weil sie enorm kreativ und innovativ waren wie kaum eine andere Band damals, jedenfalls in den sechs Jahren, in denen ihre wichtigsten Alben auf den Markt kamen. Die Wedels entstammten natürlich der Liverpooler Mercy Beat Szene, die aber auch noch andere, damals recht wichtige Bands hervorgebracht hat, die allerdings nur für kurze Zeit von Bedeutung waren, etwa die Sarges Gary Makemakes Bluejeans, andere auch.

[00:18:27]

Doch die kreativen britischen Bands, die kamen dann zunehmend aus London, wie etwa die pauer Popband, dazu natürlich die Rolling Stones, du ja auch schon erwähnt.

[00:18:36]

Natürlich aber bleiben auch gerade mal bei 1969 die erste Pop Oper Tomé in der Geschichte der Popmusik geschrieben. Der Kopf der Band, Gitarrist und Songschreiber Pete Townshend, war ihr Genius und auch die Londoner Band The Kings um den ebenfalls hervorragenden Songschreiber Ray Davies. Sie schrieben Popgeschichte erst mit ihren frühen harten Songs wie You Really Got Me wirst du dich erinnern.

[00:19:05]

Das galt als Vorläufer des Punkrock, und sie schrieb auch sozialkritische Songs wie Dead End Street oder wunderbare Pop, Balladen wie Waterloo ganz wunderschönes Lied, das ich sehr liebe. Andere wichtige Londoner Band war diesmal Faces, die soul und psychedelischer zusammen brachten. Aber die wichtigste psychedelische Band Englands, die zunehmend auch mit visuellen Elementen gearbeitet hat, das war die 1965 gegründete Band Pink Floyd, und den Stil des Barock Rock führte die Gruppe vokalharmonie 1967 ein mit ihrem Weiterschicken of Peile.

[00:19:37]

Fast zur gleichen Zeit kam der klassisch angehauchte Rock auf mit Bands wie Bernays, später Emerson, Lake Palmer. Der britische Bluesrock zog seine Bahn mit den Vaterfiguren Alexis Korner und John Veil, gefolgt von den richtungsweisenden Bands wie Queen, die ja lange Improvisationen als erste einführten. Oder wie Julie Driscoll, Brian Oriente, Trinity, der hart in Heavy Rock begann.

[00:19:59]

968 mit Wahnsinns Jahrzehntes, muss man sagen Folger oder abschloß bitte noch Erinnere dich an den progressive Rock im gleichen Jahr 68 mit LED Zeppelin, Folk, Blues, Bach, Zitate, altenglische Musik kamen 968 auf dem Debütalbum von Jethro Tull zum ersten Mal dieser Mischung zu hören. Der Jazzrock wurde 68, von soff, beschienen, geboren. Der Progressive Rock von King Crimson all das passiert in diesem stilistisch explodierenden Jahr 68, und das waren jetzt nur die wichtigsten britischen Bands.

[00:20:30]

Die US amerikanische Musikszene darf man natürlich auch nicht vergessen mit Jimi Hendrix, mit Janis Joplin, den Beach Boys, den Birds, Frank Zappa and the Mothers of Invention mit der ganzen kalifornischen Musikszene, mit all den Bands der New Yorker Szene, mit dem schwarzen Soul von James Brown bis Stevie Wonder. Und vor allem war da natürlich ein Bob Dylan. Die US amerikanische Musikszene der Sechzigerjahre ist da eine Welt für sich, aber das führt jetzt so weit würde ich die auch alle nur aufzählen.

[00:20:57]

Ich hoffe, ihr habt da draußen alle mitgeschrieben. Eine Menge sehr gute Tipps dabei, was ihr euch demnächst noch einmal anhören könnt. Ja, noch eines unter dem Strich Folker. 23 Millionen Hörer bei einem ganz großen Streamingdienst. Jeden Monat haben immer noch die Beatles, um zu denen jetzt nochmal zurückzukommen.

[00:21:13]

Haben Sie sich das verdient? Am Anfang dieser Reihe, von den ganzen Künstlern gerade genannt, waren die so einmalig?

[00:21:19]

Keine Frage, sie waren es. Sie haben in erheblichem Umfang Neues erfunden, um nicht zu sagen, sie haben die Popmusik der 60er Jahre revolutioniert. Vor ein paar Jahren hat mal ein US amerikanischer Popmusiker geschrieben, er liebe die Beatles wegen ihrer Kunst, und er hasse sie, weil sie alles vorweggenommen hätten und weil kaum noch etwas übrig geblieben wäre, was die Beatles noch nicht erfunden hätten. Das beginnt ja beim Instrumentarium. Die Beatles waren die ersten, die die Streicher die Popmusik eingeführt haben.

[00:21:48]

Du weißt, wovon ich rede Yesterday 965, Eleanor Rigby 966. In ihren Songs war zum ersten Mal ein Spiel zu hören eine Sitar, ein Melo, Thron, eine. Sie entdeckten als Erste das Studio als Instrument. Sie experimentiert mit unkonventionellen Aufnahmetechnik, mit verrückten avantgardistischen Sounds. Denkt man nur an die elektronischen Möwen Geschrei, ähnlichen Sound, Experimente in Tomorrow Noise von 966 oder an diese avantgardistische Clank Collage? Revolution?

[00:22:20]

Nein, nein. 68 Die Beatles. Sie öffneten die Ohren des Pop für indische Musik, die für indische Philosophie. George Harrison spielte 967, den ersten Popsong alleine mit indischen Instrumenten. Ach, die Beatles produzierten als erste Promo, Musik, Filme zur Verbreitung ihrer Songs. Das war die Vorwegnahme der späteren Videoclips auf MTV und so weiter. Zusammenfassend kann man sagen, was keine Band bis heute je geschafft hat. Die Beatles waren Mitte der 60er Jahre gleichzeitig die kommerziell erfolgreichste und die musikalisch kreativste Band des Planeten Pop, das heißt gleichzeitig populär und erfolgreich wie niemand sonst und dabei musikalisch State of the Art.

[00:23:03]

Sie nahmen die Spitzenposition auch in künstlerischer Hinsicht ein. Sie waren von den anderen unerreicht, sie waren das kreative Nonplusultra, und das gab's nur einmal Pop history. Und deshalb muss man die Beatles auch heute noch hören und verehren.

[00:23:17]

Musikjournalist Volker Rebell Volker 1164.

[00:23:24]

Vier Jahre nach ihrem ersten Auftritt in Hamburg waren Sie dann tatsächlich auch auf Platz eins gelandet, auf Platz eins der deutschen Charts.

[00:23:33]

Die Beatles, um die geht es heute hier in eine Stunde History. Aber Mathias, die waren jetzt auch nicht nur in Deutschland erfolgreich.

[00:23:39]

Das kann man wirklich sagen mit einem Laut und deutlich. Und wie waren Sie erfolgreich? Jedenfalls, wenn man es vom Ende her betrachtet, anfangs nur in England, Schottland und Wales. 1961 folgten dann erste Auftritte außerhalb Englands und Deutschlands, nämlich in Schweden. Und ab 964. Da ging der Bär aber richtig ab Frankreich, USA, China, Australien, Spanien, Kanada, Japan und natürlich auch die Philippinen. Und überall, wo sie hin kam, war die Begeisterung riesengroß.

[00:24:05]

Zwischen 1969 und 1969, habe ich so gedacht, war der Höhepunkt der Beatles. Waren Sie fast überall in der Welt auf Platz eins. In den Hitparaden überlege ich gerade noch mal, was du so für Länder genannt hast.

[00:24:15]

Philippinen, Australien, Dänemark war ich dabei. Da habe ich jetzt nichts von Ostblock, Sozialismus, Kommunismus, DDR oder Sowjetunion gehört. Ich nehme an, da waren die eher verpönt.

[00:24:26]

Ja, die waren nicht nur verpönt. In der UdSSR zum Beispiel, der damaligen Sowjetunion, waren sie sogar verboten. Trotzdem gab es natürlich Fans der Beatles, auch in der Sowjetunion. Und das merkte man 2003, als nämlich Paul McCartney auf dem Roten Platz spielte und Putin dabei war, und outete sich als langjähriger Beatles. In der DDR war das ein bisschen anders der DDR Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht. Er hat gesagt, man muss nicht jedes Jahr hier je mitmachen. Er hat also nicht so richtig verstanden, was da eigentlich abging.

[00:24:54]

Aber es gab ein staatliches Plattenlabel, das war Amiga. 1965 veröffentlichte Amiga drei Singles mit Beatles-Songs, und dann folgte sogar noch ein Album mit Liedern verschiedener Beatles, original Alben.

[00:25:07]

Mein Vater erzählt mir immer, dass er gern Beatles gehört hat. Soweit erst mal nichts. Aber mein Vater ist in der DDR groß geworden. Also vielleicht doch etwas Wildes nach dem, was wir hier schon bei Matthias gehört haben. Und das besprechen wir jetzt noch ausführlich mit. Rainer Brat, frisch Musikjournalist und Autor, der eine Menge über die Beatles und auch Musik in der DDR geschrieben hat, grüße Sie ja praktisch einen schönen guten Tag.

[00:25:32]

Haben Sie damals auch gehört?

[00:25:34]

Natürlich nicht gehört in meinem Alter.

[00:25:39]

Was war denn an den so gut, so stark? Vielleicht auch, dass selbst der Eiserne Vorhang Ihnen nicht den Weg versperren konnte.

[00:25:45]

Na ja, es ist irgendwo eine Generationenfrage gewesen. Darauf vielleicht sogar heute noch der Rock'n'Roll. Er Ja, ja, ich sage mal ausgedehnt und seinen aufrührerisch Potenzial, von denen er damals viel die Rede war, verloren. Er war irgendwo kommerziell geworden. Außerdem war ja die Musik Amerikas Jazz, Blues, Rock und so weiter. Es musste ja nicht unbedingt jede neue Musik, wahrscheinlich aus den USA kommen. Aus meiner Sicht Europa war der Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg ein neuer Global Player oder zumindest auf dem Wege dahin.

[00:26:22]

Der Beat war die Musik der Jugend eines selbstbewussten, aufstrebenden Europas, eine Musik, die auch von unten kam. Vielleicht dazugesagt aus dem Proletariat bzw. Prekariat von Liverpool.

[00:26:36]

Das passte ganz gut in die Zeit der Musik aus Liverpool konnte man besser ertragen als den Kram der Amis. Wenn ich das mal verboten, waren Sie ja auch nicht in der DDR. Die Beatles?

[00:26:47]

Nein, nein, nein, das kann man gar nicht so sagen. Sie waren ja ein bisschen schwer zu. Vielleicht gelitten, vielleicht ja am Anfang sogar begrüßt als. Musik, die irgendwo aus dem Proletariat kam, initiierten gewissermaßen auch eine Entwicklung der populären Musik in der DDR. Das war den Bürokraten anfangs ganz recht, schließlich waren die Beatles, wie gesagt, Arbeiterkind aus Liverpool.

[00:27:17]

Der Einfluß war ihnen Autokraten, Bürokraten, Finanzverwalter dann doch irgendwo suspekt, und es gab verschiedene Reaktionen von Personen ab, und wahrscheinlich fürchteten sie auch den Verlust ihrer Deutungshoheit, was die Jugendkulturen betraf.

[00:27:37]

Wie sah denn dieser Einfluss der Beatles aus, wenn ich noch mal kurz an mein Vater erinnern darf? Der hat damals eine Gitarre in die Hand genommen.

[00:27:44]

Ein bisschen Beatles gehört und dann eine Band gegründet. Ist das quasi reihenweise in der DDR passiert, das die Jugend den Beatles ein bisschen nacheifern wollte?

[00:27:51]

Das war schon ein wichtiges Signal, dass junge Leute auf den Weg gemacht haben und ihre Musik gespielt haben. Und das war in der DDR, später in Amerika und Frankreich. Das war ja schon ein bisschen global, und international ist es ja damals noch. Globalisierung war noch nicht so ein Thema. Das schwappte natürlich aus England, dann weltweit über die Musikszene in der DDR, ansonsten so aus.

[00:28:18]

Zur Zeit der Beatles war alles noch einmal etwas dröge. Viel gab es natürlich nicht zu meiner DDR waren auch nicht so verbreitet. Nach dem Twist eine kurze Periode war es dann doch so ein Loch, das manche gefallen sind. Es gab auch ja das Bestreben, die jungen Leute wollten auch ihre eigene Musik machen. Genau das ließ sich ganz gut übertragen.

[00:28:47]

Damals hatte denn aber diese Phase und dann auch der Einfluss der Beatles. Hatte das auch eine aufrührerische Komponente?

[00:28:55]

Auf alle Fälle ja. Einmal von den Texten. Es war ja nicht so gefährlich, weil das eine instrumentale Musik ist. Aber war ja auch eine Musik, die mit Texten arbeitete. Und da gab's dann schon Anfang der Sechzigerjahre, Mitte der 60er, auch Verbote von Bands, die sich zu weit vorwagt mit ihren Texten. Das war schon ein Problem.

[00:29:21]

Wenn Sie jetzt ein Fazit ziehen dürften, könnten, müssten die Beatles Musikgeschichte einzuordnen.

[00:29:29]

Es war eine Aufbauphase auf alle Fälle und ein Wendepunkt nach dem Rock'n'Roll. Zum ersten Mal haben junge Leute ihre eigene Musik gemacht. Wichtig war damals diese Unbekümmertheit, mit der die Beatles waren. Ja alles Amateure, darf man nicht vergessen sich in die Welt der Musik wagten. Wichtig auch, das auf die Produktion und Vermarktung der Musik immer mehr in die Hände der jungen Leute gelegt wurden. Sie wollten sich nicht mehr von anderen sagen lassen, was sie spielen müssen, und wollten auch ihr eigenes Geld damit verdienen.

[00:30:03]

Das spielte eine Rolle, auch im Osten, dann auch in der DDR.

[00:30:08]

Ein echter Meilenstein. Das kann man auf alle Fälle sagen. Wobei die Beatles nicht die einzigen waren. Aber sie waren nun mal ja die, die am bekanntesten wurden den Rolling Stones oder anderen Bands. Das war schon ein Meilenstein, das kann man so sagen.

[00:30:25]

Musikjournalist und Autor hier bei uns im Gespräch.

[00:30:28]

Wunderbar. Acht und sechzig steht ja immer so für sich. Aber die 60er und 70er gelten auch vor und nach 68 als Jahrzehnte, in denen sich in Europa einiges verändert hat. Ernst Hofacker, Musikjournalist, hat ein Buch geschrieben. Das hat jetzt wiederum den Titel 9900 67 als Pop Unsere Welt für immer veränderte sich ernst.

[00:30:55]

Warum denn jetzt? Ausgerechnet 67?

[00:30:58]

67 ist ein Jahr gewesen, in dem wahnsinnig vieles, was in den 60er Jahren passiert ist, quasi sich gebündelt hat. Ungeheuer viele Impulse hat dieses Jahr auf dieses Jahrzehnt und die, sagen wir mal, die kulturelle Umwälzung, die mit den 60er-Jahren normalerweise bis heute verbunden wird. Da hat dieses Jahr unheimlich viele Impulse ausgestrahlt.

[00:31:18]

Und als ein Beispiel die Beatles, über die wir heute sprechen, hier in der Sendung Die Beatles mittendrin die Beatles, mittendrin in dem Papa.

[00:31:26]

Was ist an diesem Album so besonders ist. Damals sagen wir mal einfach es damals ein regelrechtes Wunderwerk wahrgenommen worden. Nicht nur, weil es von den Beatles kam. Weil alles, was die Beatles gemacht haben, waren natürlich in der Wahrnehmung der Fans damals Wunderwerke. Sergeant Pepper war ein Album, wie es vorher noch keins gegeben hatte. Es war ungeheuer vielfältig, es war technisch von atemberaubender Klasse, kann man sagen. Wenn man heute überlegt, dieses Album auf vier Spuren aufgenommen worden ist, kann man das immer noch nicht so ganz glauben.

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Das erste Mal, dass überhaupt die Lyrics auf einem Albumcover abgebildet wurden und so weiter und so fort stundenlang darüber reden.

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Was haben die Beatles für eine Rolle gespielt?

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Ja, wenn man so will, waren die Beatles. Man kann ja sagen, dass in Folge des Zweiten Weltkriegs in der westlichen Welt und in Europa eine gewisse allgemeine Amerikanisierung stattgefunden hat. Das heißt, die amerikanische Kultur hat sich quasi als Leitkultur im ganzen Westen durchgesetzt. Und mit ihr verbunden waren natürlich auch in gewisser Weise neue Werte, die gerade die Jugendlichen in ihren jeweils etwas verknöcherten westeuropäischen Gesellschaften durchzusetzen. Liberalisierung, Emanzipation, Individualisierung von Lebensentwürfen und so weiter und so fort.

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Und all diese Dinge haben die Beatles in ihrer Musik, in ihrer Kunst und sicherlich auch in ihrer Präsenz, in ihrem Auftritt in gewisser Weise artikuliert und reflektiert. Insofern kann man sagen, dass sie dieses Lebensgefühl der 60er Jahre in ihrer Kunst in gewisser Weise überführt haben durch die ganze Produktion, die Art und Weise, eine dermaßen große Euphorie und Lebensfreude ausgedrückt, perfekt in diese Zeit.

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Und zu dieser Generation passte, durchgeknallte Individualisten in einem Gefühl, der Zeit Vorschub geleistet haben.

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Oder andersherum war es in den 60ern völlig klar, weil der Zeitgeist ebenso Pop und Jugendkultur, die Beatles, große Individualisten, die sicherlich nicht das, was sie getan haben, mit dem Hintergedanken gemacht haben Wie können wir das jetzt am besten anstellen, um irgendwie auch die Zeitläufte zu repräsentieren?

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Da haben sie dann eben auch intuitiv auf eine Art und Weise, wie es damals unter jugendlichen Jugendlichen quasi Subkultur angesagt war, irgendwie witzige Episode gucken, die bis heute noch eine Rolle spielt, nämlich eine gewisse Konkurrenz mit einer Band, die etwas später kam, nämlich die Rolling Stones Fans und Stones Fans, wird bis heute noch besser.

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Das ist einerseits tatsächlich historisch zu erklären, andererseits ist es natürlich eine Sache der Medien gewesen. Die Beatles waren die lieben Schwiegersöhne, die anderen Rolling Stones waren Images, die von den jeweiligen Band Managements auch ganz gerne gefördert wurden, zum Hintergrund.

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1968 war das tatsächlich erfolgreich waren, erfolgreich werden konnten. Die mussten sich damals schlicht und ergreifend an die alten Spielregeln des klassischen Showbusiness halten.

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Auch in ihrem Auftritt traten sie im Anzug auf und mit gepflegtem äußeren provozierend den Beatles in den frühen Jahren bei den Stones. Anderthalb Jahre später, und da hatte sich schon einiges geändert im Showbiz. Die Dinge waren schon ein bisschen lockerer. Manager spürten, dass sie die besten Chancen, auf diesem Markt Fuß zu fassen, wenn sie quasi als Gegenentwurf zu den Beatles auftreten, und verzichtet auf eben dieses uniformer Auftreten. Noch ein kleines bisschen länger wachsen die Kameras. Bei Presse und Publikum funktionierte das wunderbar.

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Diese beiden Gegensätze, die Beatles, die Mädels, die Stones dagegen musikalisch. Doch ein bisschen harmonischer und melodischer waren zumindest in den frühen Jahren übrigens schon sehr früh, quasi von Anfang an im Frühling miteinander befreundet waren. Die Beatles waren nicht immer nur so nette Schwiegersöhne. Die hatten doch ganz am Anfang in Hamburg losgelegt, haben eine ziemlich wilde Zeit.

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Ich denke mal, dass die im Grunde genommen zu der Zeit durchaus deutlich wilder waren. In Hamburg beispielsweise, auf der Reeperbahn, als die Rolling Stones zu der Zeit, die allesamt Mittelklasse Kinder waren und doch verhältnismäßig gepflegten und kultivierten Elternhäusern aufwuchsen, während die Beatles tatsächlich etwas stärker mässigen Hintergrund hatten.

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Ernst Hofacker hier bei uns in Ernst Ja, gerne.

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Doch es ist wohl wie immer alles kein Zufall. Politisch und gesellschaftlich hat sich in den 60ern und 70ern einiges umgekrempelt. Matthias zum Ende von Eine Stunde History und wohl nicht ganz zufällig auch in der Popmusik. Es wird sich ein Zusammenhang geben.

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Ich bin ziemlich sicher, dass die Antwort ja lautet. Die Frage ist nur Was war zuerst die Musik oder eben der Zeitgeist? Was hat sich zuerst von wem beeinflussen lassen? Die Musik. Aber, das ist, glaube ich, klar. Die muss immer Rücksicht nehmen auf die Zeit, in der sie entsteht, und die Popmusik in dieser Zeit, von der wir jetzt reden 60er, 70er, Jahre. Die war sicher eine Abkehr vom klassischen Musik, Konsum von deutschsprachigen Liedern.

[00:38:14]

Es waren seichte Klänge bis dahin, die keinem wehgetan haben, und da wurde nun sozusagen eine Alternative entgegengesetzt. Nicht so sehr die Beatles, aber viele andere Bands. Sie waren sehr hart, die waren sehr laut und geradezu proletarischen. Das war schon ein ziemliches Gegenbild.

[00:38:28]

Auch wenn wir gehört haben, dass die Beatles noch weit in die siebziger, achtziger, bis heute noch in die Popmusik und die Popkultur rein gewirkt haben.

[00:38:35]

Die Band selbst kam Ende der 60er Jahre ja zu Ende.

[00:38:37]

Es gab interne Streitereien, wie man nachlesen kann. Eigene Wege wollten ausprobiert werden von den einzelnen Mitgliedern. John Lennon lernte Yoko Ono kennen und wollte eine Solokarriere machen bzw. mit ihr gemeinsam auftreten, was er ja auch gemacht hat. George Harrison galt anschließend als Wegbereiter der sogenannten Weltmusik. Er machte eine Mischform aus westlicher und asiatischer Musik als Ausdruck des Zusammengehens verschiedener Musikstile im Zuge der Globalisierung. Ausdruck dafür war zum Beispiel das Konzert für Bangladesch im Sommer 1971, mit der sozusagen die ära der Benefizkonzerte eingeläutet wurde.

[00:39:13]

Ringo Starr machte eine erfolgreiche Solokarriere, und Paul McCartney schließlich singt noch heute. Aber es hat sich das Umfeld, in dem diese Musik heute stattfindet, geändert. Es ist radikaler, kämpferischer geworden. All das war die Musik der Beatles eben nicht unbedingt, sodass sie heute vielleicht nicht mehr so die ganz große Rolle spielen wie damals.

[00:39:33]

Aber Wegbereiter waren sie allemal. Das sollte heute klargeworden sein, und das ist auch beim nächsten Mal ein schöner Gedanke.

[00:39:42]

Danke, Matthias für diese Woche.

[00:39:43]

Vor 200 Jahren nämlich wurde der Weg bereitet für rund eine halbe Million Menschen, die jedes Jahr die Zugspitze ersteigen.

[00:39:53]

1820 musste das erste Mal im Alleingang schaffen, die erste Besteigung des größten Bergs Deutschlands, dann in der nächsten Sendung.

[00:40:01]

Ich bin Markus. Etwa eine Stunde jeden Montag um 20 Uhr mehr.