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Die ganze Welt des Wissens Podcast von Bayern 2.

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Hier ist Radio Wissen. Wim Wenders prägt den deutschen Autorenfilm seit Jahrzehnten. Filme wie Paris, Texas und Der Himmel über Berlin erzählen nicht so sehr geradlinige Geschichten, sondern mehr von der Faszination für Menschen und Orte.

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Wim Wenders Der Meister der poetischen Roadmovies. Ein Mann kommt aus der Wüste. Der Anzug, der ihm am ausgemergelten Körper hängt, ist dreckig, verstaubt vor der prallen Sonne schützt ihn, so gut es geht, ein knallrotes Baseball-Kappe, in der Hand ein Wasserkanister. Doch der ist bis auf den letzten Tropfen leer getrunken. Er wirft ihn beiseite und schleppt sich weiter in die Erhabenheit der Landschaft hinein. Gigantische Felsformationen, unwirtlich und faszinierend schön zugleich, wie geschaffen für die große Leinwand.

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Untermalt von Riecke, Dudas wehmütigen Gitarrenklänge. So beginnt Paris, Texas von Wim Wenders.

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Ich habe, meine ich, alle meine Filme angefangen, weil ich irgendwo einen Ort, eine Landschaft, eine Wüstenlandschaft, einen Kontinent kennenlernen wollte.

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Die sind alle entstanden, dem Auftrag einer Landschaft folgend. Die Geschichte dieser Landschaft oder dieser Stadt so zu erzählen, wie sie das gerne hätte.

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Das unterscheidet Wim Wenders von den meisten seiner Kollegen. Er sieht sich weniger als Erzähler von stringenten Geschichten, sondern als Erzähler von Orten, von Landschaften. Dies zeigt sich auch in den Titeln vieler seiner Filme Paris, Texas Story, Palermo Shooting. Das ist ein Regisseur, der wie viele seiner Figuren immer auf der Suche ist, unterwegs auf den Straßen dieser Welt on the road so zum Meister der Road Movies wurde.

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Ich bin ja ein großer Reisender, ist einer meiner Hauptberuf, vielleicht mein Hauptberuf, und das Reisen spielt eine wichtige Rolle, weil man kommt beim Reisen, Orte, die einen weder kalt lassen, wo man weiterzieht oder wo man wirkt. Das interessiert mich. Hier spüre ich Was kann ich mir was vorstellen? Hier weiß ich, wo ich meine Kamera hinstellen würde. Hier gehört eine Geschichte hin. Dieser Ort will mir was erzählen. Vielleicht mit einer Lust auf eine meiner Geschichten.

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Zusammen sind wir stark.

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So wie in Paris, Texas, dem Film, für den Wim Wenders 1984 in Cannes die Goldene Palme gewann. Die Geschichte entwickelte er unterwegs auf einer Reise durch die USA. Wochenlang war er durch Texas, Arizona, New Mexico, durch jedes Kaff und über jeden Highway gefahren, um anschließend mit dem Schauspieler und Dramatiker Sam Shepard am Drehbuch zu arbeiten.

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Die ursprüngliche Inspiration steckt in ein paar Zeilen eines Gedichts, das Sam Shepard in dem Band Motel Chroniken veröffentlicht hatte.

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Und da eine Figur zwei, drei Sätzen vor, der hat nicht meinen Namen gehabt. Einer, der auf die Straße tritt und dann plötzlich einfach alles stehen und liegen lässt und nicht auf der Straße weitergeht, sondern im rechten Winkel abbiegt, in die Wüste rein marschiert. Es waren nur zwei Sätzen und sehr viel mehr.

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So entstand die Figur Travis, die wortkarg durch die Wüste marschiert, scheinbar ohne Gedächtnis und ohne Lust, erst mal auch nur ein Wort zu sagen. Travis kehrt zurück in die Zivilisation, zurück zu seinem Bruder und zu seinem kleinen John Hunter. Nach und nach wird er umgänglicher, redet wieder ein bisschen zumindest, und erzählt von dem kleinen, trockenen Stück Land, das er gekauft hat. In Paris natürlich nicht in Frankreich, sondern in Paris, Texas. Zusammen mit Hunter wird er sich auf einer Reise in die Vergangenheit begeben, auf der Suche nach der Frau, die sein Leben erst verzaubert und dann aus der Bahn geworfen hat.

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Hunters Mutter Jane. Schweigsame Männer auf der Flucht oder getrieben, immer weiter zu ziehen und gleichzeitig auf der Suche nach Halt, einem festen Punkt, einer Familie, einem Zuhause. Sie sind die Helden vieler, wenndas Filme Männer ohne einen zynischen, abgebrühten Blick, sondern voller Neugier, voller Träume, Kinder in einem erwachsenen Körper.

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Für mich ist der kindliche Blick in die Welt sozusagen die Sehnsucht des Kindes. Das ist das, was das Kino, wenn es wirklich bei sich selbst ist, leisten kann, einem Erwachsenen einen unschuldigen Blick zurückgeben. Was natürlich nur ganz selten gelingt. Und natürlich nicht das Einzige ist, was das Kino kann, aber auf eine ganz phänomenologischen Ebene. Es ist das Beste und Größte.

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Wim Wenders, der ewig Produktive Er fotografiert, schreibt, dreht. Seit Ende der 1960er Jahre entstehen unter seiner Regie Kurzfilme und Musikvideos, Spiel und Dokumentarfilme. Pina Buena Vista Social Club. Der Himmel über Berlin. Alice in den Städten. Der amerikanische Freund bis ans Ende der Welt. Papst Franziskus ein Mann seines Wortes. Ein Werk, das alles andere als homogen daherkommt. Das ist ein Regisseur, der sich mit jedem Projekt auf eine Reise ins Unbekannte begeben möchte. Die Vielfalt in den Themen und der formalen Ausgestaltung ist auch etwas, was sich in seinem Werdegang widerspiegelt.

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Wim Wenders, geboren am 14. August 1945 als Sohn eines Arztes in Düsseldorf. Wie viele seiner Generation wird er maßgeblich von der Kultur der USA geprägt? Die Freiheit, Moderne und Aufbruch verspricht und Coolness ganz anders als die biedere Enge im Nachkriegsdeutschland. Wenders liebt Western und Comics und den Sound, der aus der Jukebox strömt. Es gibt übrigens kaum einen Film von ihm, in dem nicht eine Jukebox zu sehen und zu hören ist. Eine Zeitlang überlegt Wim Wenders, Pfarrer zu werden.

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Aber die Liebe zum Rock'n'Roll bringt ihn wieder davon ab. Nach dem Abitur studiert er ein paar Semester Medizin und Philosophie, doch es zieht ihn zur Malerei. 1966 nach Paris, aber als er dort von der Kunsthochschule abgewiesen wird, geht er zu einem Kupferstecher am Montparnasse in die Lehre. Das Geld reicht kaum zum Leben. Da entdeckt er die Kinemathek Francais. Dort kann, wenn das für einen Freund bis zu sechs Filme pro Nacht anschauen. Er kommt immer wieder.

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Nach einem Jahr hat er über tausend Filme gesehen, in den abenteuerlichsten Kombinationen. Ein Crashkurs in Filmgeschichte. Er kehrt zurück nach Deutschland und wird 1967 in den ersten Jahrgang der neugegründeten Hochschule für Fernsehen und Film in München aufgenommen.

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Das Filmemachen war für mich die Rettung. Dass ich das entdeckt habe, weil ich wusste ja nicht wohin. Ich wollte immer Maler werden, und ich wollte auch Architekt werden. Tausend Häuser gezeichnet. Ich habe auch Autos gezeichnet. Ich hab Philosophie studiert, Medizin angefangen. Ich habe bald vieles gemacht und wahnsinnig gerne Musik gehört, aber war nicht so richtig talentiert dafür. Hab viel geschrieben, habe jahrelang Filmkritiken geschrieben, und irgendwie habe ich dann die ersten Kurzfilme gemacht und die ersten Filme.

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Dann habe ich gemerkt All das, was ich je machen wollte, war da drin. Da war das Malen drin, das Fotografieren, da war das Schreiben drin. Da war die Philosophie drin war die Religion drin. Da war alles, was ich eigentlich hier machen wollte, drin in einem Paket.

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Es dauert, bis Wenders seinen eigenen Stil entwickelt. In einem Roman seines Freundes Peter Handke findet Wenders den Stoff für seinen ersten Spielfilm nach der Filmhochschule. Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. Ein psychologisches Drama, das dem Vorbild Hitchcock nacheifert. Dann versucht er sich zum ersten und zum letzten Mal an einem historischen Stoff und verfilmt. Der Scharlach rote Buchstabe. Nathaniel Hawthorne Roman Klassiker über eine wegen Ehebruchs ausgestoßene Frau, die im puritanischen Neuengland des späten siebzehnten Jahrhunderts um ihr Dasein kämpft, gehört zur Wenndas Lieblingsbücher.

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Doch die Dreharbeiten werden zur reinsten Qual. Ein Dreh an Originalschauplätzen in Neuengland kommt nicht in Frage. Die spanischen Geldgeber finden dafür ein Westendorf bei Madrid.

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Im Grunde war das ein Fiasko, und da hab ich auch gemerkt, wie furchtbar es ist, wenn ein Film nicht an dem Ort spielt, wo er hingehört nach England, sondern in ein spanisches Westendorf. Wo sonst nur Spaghetti-Western gedreht worden sind, haben wir den Film gemacht, und unsere ganzen Puritaner waren alles spanische Katholiken und Andalusier und weiß Alles ist wahr, alles falsch, jede falsch. Ich wusste jeden Tag, jetzt stehe ich wieder auf und dreht nur noch falsches Zeug.

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Ich habe an nichts geglaubt. Der ganze Film war ein Witz, aber ich musste ihn einfach zu Ende machen. Denn wie wir das überlebt haben. Er überlebt und findet mit dem nächsten Film endgültig zu sich selbst, zu einer eigenen Bildsprache, einem eigenen Rhythmus. Alice in den Städten bringt das Roadmovie nach Deutschland. Rüdiger Vogler spielt eine Art Alter ego von Wenders, einen Reporter in der Schaffenskrise, der sich nach einer Amerikareise leer und ausgebrannt fühlt. Keine Worte findet, sondern nur mit seiner Polaroid Kamera Impressionen festhält.

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Mit dem letzten Geld will er eigentlich zurück nach Deutschland fliegen. Doch ehe er sich versieht, hat er die Tochter einer Zufallsbekanntschaft am Hals. Ohne die Mutter fliegt er mit dem Mädchen Alice allein zurück. Gemeinsam gehen die beiden auf einen Road Trip auf der Suche nach der Großmutter von Alice. Eine Reise, die den Mann und das Mädchen zusammenwachsen lässt.

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Auf ihrem Streifzug durch die Arbeitersiedlungen in Wuppertal und im Ruhrpott der Mief des deutschen Nachkriegs Kinos ist hier verschwunden, ebenso wie der pittoreske Hochglanz. Wenn das filmt. Die deutschen Vororte wie den Wilden Westen blickt auf die Weite, die Leere der deutschen Provinz. Voller Staunen registriert Elvis all die trostlosen Lücken in den Arbeitersiedlungen die Mitte. Wie Häuser, Gräber. Wenn das zeigt in Alice in den Städten zum ersten Mal sein Talent für eine beiläufige, wie aus dem ärmel geschüttelte Poesie, etwa als sich bei der Fahrt durch das Ruhrgebiet ein kleiner Junge auf dem Fahrrad abstrampeln, um dem Auto und dem Blick von Alice zu folgen.

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Nichts, was auf den fortlaufender Handlung essenziell wäre. Und dennoch alles andere als belanglos. So wie der Reporter durch die Reise mit Alice langsam wieder zu sich findet, so hat auch Wim Wenders durch die Dreharbeiten und die positiven Reaktionen auf den Film den Glauben an die eigene Regie Kunst wiedergefunden.

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Man muss schon irgendwie wissen, wenn man selber ist dabei. Das habe ich dann mit den Beständen herausgefunden. Und danach habe ich auch zum allerersten Mal, wenn ich im Hotel mich eigentlich stimmen habe, als Beruf Filmregisseur reingeschrieben. Das habe ich mich vorher nie getraut. Aber nach Elvis war es okay.

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Die Selbstfindung als Reiseziel? Der grundlegende Antrieb vieler Roadmovies wird auch für das Werk von Wim Wenders zentral. Nach Alice in den Städten schickt er viele seiner Figuren auf wortkarge Reisen, auf die existenzielle Suche nach Sinn und Identität etwa im Lauf der Zeit, einem knapp dreistündigen Roadmovie über die Freundschaft zweier Männer und ihre Fahrt entlang der deutsch deutschen Grenze, die hier wie ein Niemandsland wirkt. Oder sein über ihr ein halbstündiges Opus magnum bis ans Ende der Welt für Wenders das ultimative Roadmovie Eine Reise um den Globus, eine Neuauflage der Odyssee mit fiction Elementen.

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Oft beginnen die Dreharbeiten ohne festes Drehbuch. Dies verleiht den Filmen eine flirrende Leichtigkeit und Ziellosigkeit, die sich ganz anders anfühlt als Filme, die üblichen Drehbuch Bahnen folgen. Manche Zuschauer, die eine eher klassisch konventionelle Film Dramaturgie gewöhnt, sind am besten noch mit Dialogen, die alles erklären und auserzählt reagieren, auf die Wenders Werke eher irritiert oder gelangweilt. Es sind Filme, auf die man sich einlassen muss, die Aufmerksamkeit fordern und manchmal auch den Fokus darauf legen, was nicht gesagt wird oder was nicht deutlich zu sehen ist.

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Seit den 1980er Jahren hat Wenders auch ein Faible für Dokumentarfilme entwickelt, subjektive Werke, die seine persönlichen Vorlieben und seine Verehrung ausdrücken. Pina bringt die Kraft und Eleganz des Wuppertaler Tanztheaters von Pina Bausch auf die Leinwand. Aufzeichnungen zu Kleidern und Städten beobachtet den japanischen Modeschöpfer Yohji Yamamoto, lässt als filmisches Tagebuch aber zugleich Wenders Gedanken strömen über die Verbindung von Mode und Kino freien Lauf und Porträts wie Das Salz der Erde wirken so intensiv, weil Wenders durch einen Camera Trick den brasilianischen Fotografen und Umweltaktivisten Sebastião Salgado von seinen Reisezielen und seinen Bildern erzählen lässt, während er direkt die Zuschauer anblickt.

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Das beeindruckte auch den Vatikan, der Wenders seine Pforten und Archive öffnete. Das Ergebnis kam 2018 in die Kinos. Papst Franziskus, ein Mann seines Wortes, geht der Frage nach, wie sich dieser Papst mit seinem Kampf gegen die Armut von vielen seiner Vorgänger abhebt. Der Film entstand in vier langen Interviews, Sitzungen.

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Ich habe ihn zum ersten Mal in Person gesehen. Fünf Minuten bevor unser erstes Gespräch. Dann kommt er rein, und wir waren aufgeregt und macht erst einmal klar Ich bin einer wie jeder andere, begrüßt erst einmal jeden im Team. Auch in der zweiten Reihe stehen die Assistenten, und die Elektriker schenkt jedem dieselbe Zeit.

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Für die Gespräche wurde die Kamera so aufgebaut, dass der Papst uns Zuschauern in die Augen blickt und anspricht. Wenn, das zeigt ihn als einen der großen moralischen Helden unserer Zeit.

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Sein Film ist bewusst Ein Loblied auf kritische Distanz kann jeder in jedem Fernsehbeitrag liefern. Die kritische Distanz ist das Einfachste auf der Welt. Aber sich zum Sprachrohr von einer Sache zu machen, die man für richtig und gut und schön hält. Das ist nicht so einfach.

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Wie in seinen Spielfilmen hat Wenders auch in seinen dokumentarischen Arbeiten ein Auge für die Magie der Orte und für den Sound einer Region. Ganz besonders gilt das für Buena Vista Social Club, eine Hommage an den Sohn, die so gefühlvolle wie rhythmische Tanzmusik, die zwischen den 1930er und 50er Jahren ihre Blüte Phase in Kuba hat. Lieder von Liebe und Leidenschaft, deren hochbetagte Musiker fast in Vergessenheit geraten waren, ehe ihnen der immense Erfolg des Films eine späte zweite Karriere ermöglichte. Die Romeros tief mit ihrer Heimat Havanna verwurzelt.

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Dass ich davon erzählen kann, dass sich diese Wurzel sehen kann, das ich sehen kann, was diese Männer in Havanna dazu bringt, diese Musik zu machen, und sehe, dass die Stadt, das ist die Tatsache, dass sie da verwurzelt sind, dass da alle ihre Geschichten und ihre ganze Geschichte stattfindendes. Haben Sie alles eingepackt in Ihre Songs? Die gäbe es sonst nicht. Und wenn wir den Film nicht gemacht haben, hätte es auch die Musik für die Welt nicht mehr gegeben, die wir auch weggewiesen.

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Der französische Maler Paul Cézanne hat mal gesagt Ein Augenblick der Welt vergeht. Malin. Der verhinderte Maler Wim Wenders filmt sie nun all diese vergänglichen Augenblicke bannt sie auf eine große Leinwand.

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Er hält sie für die Ewigkeit. So wie die Aufnahmen von Der Himmel über Berlin. Es war einmal im geteilten Deutschland. 1987 gelang Wim Wenders ein einzigartiges Zeitdokument, über das Berlin kurz vor dem Mauerfall eine Stadt, die verschwunden ist. Das heutige Berlin präsentiert sich als Boomtown mit Hochglanz Fassaden. 1987 dagegen eine schmutzig schöne, melancholische Metropole, durch die Schutzengel streifen. Für die Menschen unsichtbar, sind sie dennoch immer in ihrer Nähe oder blicken allwissend von der Siegessäule über die Häuser der Stadt.

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Der Himmel über Berlin nach dem Drehbuch von Peter Handke die Hauptrolle in diesem Großstadt Märchen spielt Bruno Ganz, ein Engel, der sich danach sehnt, ein Mensch zu werden, zu leben.

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Tag für Tag für die Ewigkeit, von den Leuten rein Geistiges zu bezeugen. Aber manchmal wird mir meine ewige Existenz zu viel. Wir spüren, dass die Grenzenlosigkeit. Ein philosophisches Werk, das weltweit die Herzen der Zuschauer berührte. Für Wenders war es wie eine Heimkehr. Einige Jahre hatte er in Amerika gelebt und gearbeitet und in Hollywood die Härten und Unbarmherzigkeit des Studios Systems erlebt. Nach seinem Triumph mit Paris, Texas zog es Wenders wieder zurück nach Deutschland. In der pulsierenden Energie von Berlin fand er den idealen Ort für seinen Film.

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Natürlich hätte Wenders auch gerne im Ostteil der Stadt gedreht, aber die DDR-Behörden verweigerten rigoros die Drehgenehmigung, als sie realisierten, dass es kein fertiges Drehbuch gab und dass die Hauptfiguren unsichtbare Engel waren, die einfach so durch die Mauer hindurchgehen konnten. 2018 hat Wim Wenders Der Himmel über Berlin aufwendig restauriert, so wie mittlerweile viele seiner Spiel und Dokumentarfilme. Das Gesamtwerk liegt nun in der Obhut der Wim Wenders Stiftung. Sie ist so eine Art, sie ins Erwachsenenleben zu entlassen.

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Die sind ja selbstständig, die gehören sich selbst, die gehören nicht mehr. Mir gehören keiner anderen Produktionsgesellschaft. Die Filme sind ihre eigenen Herren, und das ist das Tolle an der Stiftung dass man die Filme freisetzen kann, dass sie nicht mehr besessen werden, sondern dass sie den rechtmäßigen Besitzern gehören. Und das sind all die Leute, die sie sehen und die sie mögen und denen sie etwas bedeutet haben.

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Die Restaurierungsarbeiten kümmert sich Wim Wenders höchstpersönlich und begibt sich dabei erneut auf eine Reise in die Vergangenheit und zu all den Orten, die ihn und seine Filme so sehr geprägt haben.

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Die Orte, die mir am deutlichsten so in Erinnerung geblieben ist, wo ich am meisten spüre, auch wenn ich die Filme jetzt wieder sehe, ist das Berlin der späten achtziger Jahre vor dem Mauerfall. Wir haben hier 87 gedreht, dieses ultra melancholische, graue oder zumindest schwarz weiße, traurige West-Berlin, das ist noch in meinen Knochen drin. Und Lissabon aus der Lissabon Story. Da haben wir diese Stadt erwischt, bevor sie den großen Umbruch erlebt hat, bevor sie in eine europäische Großstadt geworden ist.

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Tokio zum ersten Mal gedreht, ab in Tokyo. 82, das war eine Stadt, die noch ganz viel von ihrer Vergangenheit gezeigt hat und noch nicht die Sciencefiction Hauptstadt der Welt war, die sie dann in den neunziger Jahren geworden ist. Und vielleicht mein Lieblingsort überhaupt. Wo ich je gedreht habe, ist die australische Wüste. Da habe ich lange, lange zugebracht, fast ein Jahr. Da habe ich die Geschichte bis ans Ende der Welt geschrieben, und für mich ist das so die Sehnsuchtsland überhaupt, wo ich auch wirklich schon schon, dass ich darüber rede.

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Sofort Heimweh, Krieg. Das war Radio Wissen, ein Podcast von Bayern 2. Autor dieser Folge Florian Kümmert. Regie führte Rainer Schaller, Sprachen Jennifer Gesell und Thomas Albus Technik. Regine Elbers Redaktion Andrea Breu. Wenn Sie keine Folge mehr verpassen wollen, abonnieren Sie Radio Wissen unter Baiern, 2D, Slash, Podcast und überall, wo es Podcasts gibt.